Freitag, 31. Juli 2009

Behindertenschließung hinter Ihnen

Ich glaub, ich spinne. Da wollte ich doch heute am Hamburger Hauptbahnhof auf die Toilette und entdeckte an der Tür ein Schild:


Da lässt allen Ernstes jemand ein solches Schild prägen, anstatt den Schlüsselschalter an einer vernünftigen Position anzubauen? Und was bitte ist eine Behindertenschließung? Ich will mich nicht künstlich aufregen, aber wieso schaffen es die laufenden Menschen immer wieder, derart in linguistische Fettnäpfe zu treten? Der einfache Satz: "Türöffnung über Schlüsselschalter hinter Ihnen" wäre doch völlig ausreichend gewesen, oder?

Man stelle sich nur mal vor, auf einem Zeltplatz lebt für einige Zeit eine Gruppe Sinti und Roma und bekommt einen Schlüssel zu den sanitären Anlagen ausgehändigt, um nicht, wie Tagesgäste, den Automaten ständig mit Münzen füttern zu müssen - und irgendjemand nennt diese Einrichtung auf öffentlichen Schildern "Zigeunerschließung".

Ich habe nichts gegen die Verwendung des Wortes "behindert", wenn es darum geht, einen Umstand zu beschreiben. Es handelt sich um ein in unserer Sprache gebräuchliches Wort. Allerdings habe ich etwas dagegen, wenn ich als Mensch auf eine "Behinderte" reduziert werde. Denkt mal drüber nach!

Kommentare :

Asinello hat gesagt…

"Türöffner gegenüber" (und etwas blaue Farbe ums Schloss herum) hätte es wohl auch getan.

Das wäre zwar praktischer, aber um einige bürokratendeutsche Blüten ärmer. Das Schild hätte nicht halb so viel Unterhaltungswert. Hier ein paar Fragen, die es spontan in meinem Hirn wuchern ließ:

# Weiß das Schild, aus welcher Richtung ich es anschaue, oder ist das Sicherheitsschloss so neckisch, sich stets hinter meinem Rücken zu verbergen, egal wie ich mich drehe?

# Worin mag wohl das sportive Hindernis bestehen, das englischsprachigen Besuchern einen erschwerten Zugang (handicapped access) bietet? Ein Wall aus lauwarmem Grießbrei mit Pfefferminzsoße vielleicht?

# Bedarf die Zuteilung eines amtlichen Schaltschlüssel für die Schlüsselschaltung eines Reifen- und Windelnachweises oder genügt eins von beiden?

# Sind Behinderte in Hamburg längst zur "öffentlichen Einrichtung" geworden, die folglich ihre festen Öffnungszeiten haben, sodass ihre "Schließung" auf den nahen Feierabend hinweist?

# Geht es hier irgendwie um Keuschheitsgürtel (die bekanntlich recht sicher verschlossen werden können)? Will ich das wirklich weiterdenken?

# Falls das Hanseatische Herzl-Häuserl selbst die gemeinte Einrichtung wäre, kann bei der "Schließung" dessen Eingangstür jedenfalls nicht gemeint sein: auf der Seite des Schildes wäre nur Öffnen eine sinnvolle Option, außerdem ist die Tür gar nicht erwähnt. Um welche Art "Schließung" mag es sich also handeln? Werden hier Behinderte hier ein- aus- an- ab- oder gar weggeschlossen? Will ich das wirklich wissen?

Zugegeben: Die Fragen sind so verquast wie die Formulierung des Schildes. Wenn ich diesen Windungen und Wölbungen aber folge, bekomme ich einen hübschen Straßenplan von dort, wo es geschrieben wurde:

Schilda.

Olli hat gesagt…

Dem kann ich echt nichts mehr hinzufügen :-)

Paul hat gesagt…

Auch wenn mein Kommentar natürlich zeitlich viel zu spät kommt - ich habe den Blog erst kürzlich entedeckt muss ich sagen, dass ich die Formulierung zwar etwas umständlich, aber für völlig korrekt halte.

Das Wort Schließung ist völlig gänig für solche Schlüsselsysteme. Ich als Feuerwehrmann verwende also an diversen Orten die Feuerwehrschließung um Türen, Poller, etc. mit einem Feuerwehrschlüssel (spezieller, genormter Schlüssel) zu öffnen, genauso wie Rollstuhlfahrer ja offensichtlich einen ähnlichen haben um eben solche Toiletten zu öffnen. Eben eine Behindertenschließung in vollständiger Analogie zur Feuerwehr-, Sicherheits oder Notfallschließung.

K4RollerCH hat gesagt…

Am 17.08.2015 hatte ich in Hamburg Hbf umzusteigen. Das oben abgebildete Schild wurde in der Zwischenzeit durch eine optisch etwas zeitgemässere und in englischer Sprache ergänzte Ausgabe ersetzt; der Inhalt blieb indes wörtlich derselbe.

Neben dem Hinweis auf die "Behindertenschliessung" hinter mir fand ich einen an die Tür angebrachten Aufkleber mit folgendem Inhalt:

"Sehr geehrte Kunden,

leider bleibt diese WC-Anlage wegen
wiederholtem schweren Vandalismus
bis auf weiteres geschlossen.

Wir bitten um Ihr Verständnis."

Nein und wirklich nicht! Dafür habe ich absolut gar kein Verständnis. Es handelt sich um die einzige mutmsslich rollstuhlgerechte Toilette auf dem ganzen Gelände des Hamburger Hauptbahnhofes. Im Ergebnis kann bei solchem Unfug eine behinderte Person gar nicht aufs Klo.

Der für den vorerwähnten Unfug verantwortlichen Person müsste meiner Meinung nach für mindestens einen halben Tag der Schwanz vorn zugebunden und das Arschloch mit einem Weinkorken verstopft werden. Damit der Verantwortliche selbst erfährt, was es heiss, übermässig lang nicht auf Klo gehen zu können.

K4RollerCH