Mittwoch, 1. Juli 2009

Eine motorisierte Stinkesocke

Es hat tatsächlich geklappt. Der hier:



... gehört jetzt mir! Nachdem sich meine Eltern lange Zeit nicht entscheiden konnten, haben sie nun doch noch zugestimmt, quasi in letzter Sekunde, bevor das Auto anderweitig verkauft wurde. Nun haben wir uns heute das Gefährt genauer angesehen, auf einen Hänger geladen und nach Hamburg geholt. Organisiert haben das Frank und ein Kumpel, aber mein Vater ist tatsächlich mitgefahren. Zuerst wollte er nicht wirklich mit mir reden, aber irgendwann hatte ich ihn so zugetextet, dass er mir dann doch mal eine Antwort auf die Frage gab, wie er sich das denn jetzt alles in der Zukunft vorstellt. "Ich weiß es nicht. Deine Mutter und ich sind mit deiner Situation einfach überfordert. Ich weiß keinen Rat."

Im ersten Moment dachte ich, er wollte mir eine Hand reichen. Ich erwiderte: "Ich möchte doch gar keinen Rat von euch." Und meinte damit, dass ich nicht erwarte, dass meine Eltern auf all meine Fragen, die meine Behinderung mit sich bringt, eine Antwort wissen. Mein Vater antwortete aber: "Nee, du möchtest nur unsere Unterschrift für ein Auto, ich weiß. Aber die kriegst du." Den Nachsatz: "Bevor du uns wieder verklagst" hat er sich verkniffen. Ich habe darauf nicht mehr weiter reagiert, sondern lieber aus dem Fenster geschaut.

Nun steht das Auto in Hamburg, muss morgen noch zu einem Typen, der noch etwas bei dem Umbau ergänzt, ein neues Gutachten erstellt, dann zur Zulassungsstelle und dann ... ist die Stinkesocke endlich motorisiert. Neue Reifen soll er noch bekommen. Die müssen drin sein. TÜV hat er neu bis 06/11.

Genial, oder?

Kommentare :

Banane0815 hat gesagt…

Glückwunsch zum neuen Auto!
Das ist auf jeden fall ein weiterer großer Schritt in Richtung Selbstständigkeit!

Die Reaktion deines Vaters (die Eingeständnis seiner Überforderung) finde ich auch schon mal äußerst positiv.
Natürlich ist es noch ein weiter Weg für deine Eltern, bis sie evtl. irgendwann einigermaßen mit deiner Situation zurecht kommen...
Aber diese Erkenntnis ist schon mal die absolute Grundvoraussetzung, um sich auf diesen Weg begeben zu können.

Es ist doch schon mal ein großer Schritt vom nicht wahrhaben wollen und von der Ablehnung hin zur Eingeständnis der eigenen Überforderung.
Mit diesem Schritt hätte ich nach dieser relativ langen Zeit kaum noch gerechnet...

Gruß
Banane von PL (der deinen Blog schon lange interessiert verfolgt)

Olli hat gesagt…

Mögen sich die Eltern inzwischen gebessert haben, aber ich seh da ehrlichgesagt schwarz. So wie Jule es schildert hat das zwar was von Eingeständnis der eigenen Überforderung, aber mir fehkt der Anteil, daran auch etwas ändern zu wollen - sonst kann soetwas leicht in ein ausblendendes ignorieren münden und man (hier die Eltern) ändert doch nichts, weil einem das ausblenden des Problemes "einfacher" scheint, als sich ihm wirklich zu stellen und es anzugehen.
Kann mir gerade den wohl eher schlechten Gag nicht verkneifen: mit dem Auto konnte Julke dann zum Training golfen ;-)