Donnerstag, 13. August 2009

Ganz viel Post

Inzwischen kommen pro Tag rund 100 Leser auf meine Webseite. Natürlich nicht jeden Tag andere, aber natürlich auch nicht jeden Tag dieselben 100 Leute. Bin ich jetzt berühmt? :)

Man sagte mir, ich könne gut schreiben. Man sagte mir, meine Blog-Geschichte, die einige Zeit nach einem mehrmonatigen Koma mit einem "neuen Leben" beginnt, sei so lesenswert, dass ich sie veröffentlichen sollte. Meine Psychologin hat mir ebenfalls dazu geraten. Als ich kürzlich zurückblätterte, um die Geschichte mit den Models und den Currywürsten zu suchen, habe ich mich erschrocken. Über mich selbst. Über das, was ich damals geschrieben und empfunden habe.

Über etwas anderes habe ich mich heute jedoch sehr gefreut. Ich habe einen handgeschriebenen Brief von der Ärztin bekommen, die mich damals auf der Straße versorgt hatte. Anlässlich meines Jahrestages vor etwas über einem Monat habe ich mich bei ihr gemeldet, ihr den Link zu diesem Blog geschickt und ihr geschrieben, dass ich mich auch gerne noch persönlich bei ihr bedanken möchte. Sie hat sehr nett geantwortet, dass sie einerseits mit sehr vielen Menschen täglich zu tun hat und sie um Verständnis bittet, dass sie nicht jedem Notfallpatienten einen persönlichen Kontakt anbieten kann, auch wenn viele sich das wünschen. An mich erinnere sie sich jedoch noch sehr gut, sie hat sich damals mehrfach nach mir erkundigt, und ich gehöre zu jenen Patientinnen, die sie gerne noch einmal treffen möchte, da sie auch sehr interessiere, was aus mir inzwischen geworden ist. Sie hat mir zwei Termine zur Auswahl gegeben, an denen ich sie an ihrem Arbeitsplatz besuchen kann.

Es ist mir schon wichtig, allen einmal zu danken. Bei den Menschen im Krankenhaus habe ich das getan. Sie ist eine der wenigen, bei denen ich noch nicht die Chance hatte. Ich freue mich, das nachholen zu können. Als ich die ersten Zeilen ihres Briefes las, dachte ich, dass sie gar keinen Kontakt wünscht. Das hätte ich akzeptieren können - aber so ist es natürlich schöner.

Andersherum gibt es auch Menschen, die auf mich zukommen. In einer Mail bietet mir ein Typ an, es mir richtig zu besorgen. Mein Gefinger im Bett sei doch nur die Kaltmiete in einer heißen Nacht. Ich habe damit gerechnet, dass es Menschen geben wird, die so auf meinen Blog-Eintrag reagieren werden. Jemand anderes, mir bisher ebenfalls unbekanntes, bietet mir für die Zeit, die auf die heiße Jahreszeit zwangsläufig wieder folgen wird (ich darf gar nicht dran denken), an, warme Socken zu stricken. So lieb das auch gemeint sein wird und so positiv ich diese Geste (im Gegensatz zu der anderen Mail mit dem "Besorgen") auch sehe - einen solchen persönlichen Kontakt mit fremden Menschen, die zufällig meinen Blog lesen, möchte ich, zumindest zum jetzigen Zeitpunkt, nicht. Ich freue mich über Kommentare - und über viele Leser.

Und jetzt auf mein Bett.

Kommentare :

Notarzt hat gesagt…

Die Frau macht ihre Arbeit. Nun lass sie doch mal mit deinem Ich-muss-meine-Vergangenheit-aufarbeiten-Psychogedöns in Frieden. Den Müllleuten dankst du ja auch nicht, dass sie deinen ganzen Dreck zur Deponie fahren.

Armin hat gesagt…

notarzt: ist ja wohl n kleiner Unterschied Müllabfuhr und Ärztin, oder? Außerdem ist die Ärztin auf Jule/Stinkesocke (klasse Spitzname übrigens) zugekommen und nicht andersherum...

Außerdem regt mich dein Ausdruck "psychogedöns" auf. Nur weil Du nix damit anfangen kannst, heißt das doch noch lange nicht, dass es IHR nicht hilft. Und darauf kommt's doch an, oder?

Notarzt hat gesagt…

"Anlässlich meines Jahrestages vor etwas über einem Monat habe ich mich bei ihr gemeldet" schreibt die Stinkesocke. Also doch so herum.

Ich sehe das als "Psychogedöns", auch wenn es ihr hilft. Nur die Ärztin hat ja selbst gesagt, dass sie keinen Kontakt wünscht - außer bei ihr mal ausnahmsweise. Also nervt es sie, darauf wollte ich hinweisen.

Na klar ist Notarzt und Müllabfuhr ein Unterschied. Obwohl sie viele Gemeinsamkeiten haben: Rote Uniform, lautes Auto, Sonderrechte im Straßenverkehr und beide Jobs möchte keiner machen.

Ich finde viele Beiträge einfach ein bißchen zu schmusig. Meine Freundin hat gepupst, oh Gott. Und ähnliches.

Armin hat gesagt…

...ach und übrigens: sorry Jule für die Geschichte mit den Socken, da bin ich indirekt daran schuld :-) Nicht dass ich die Leserin dazu animiert hätte, aber in meinem 34-jähriger-Kerl-strickt-Socken-Blog war sie auf einen Link zu Deinem Blog gestoßen.

@notarzt: die beiträge sind dir zu schmusig - zwingt Dich wer hier mitzulesen? Wir reden hier von einem 16jährigen Mädel, das etwas ziemlich existenzielles erlebt hat. Der es sichtlich gut getan hat, sich das Erlebte von der Seele zu schreiben.

Mich regt diese Anspruchshaltung von Bloglesern echt auf: Du schreibst nicht so wie ich es will *kopfschüttel*

"...sie hat sich damals mehrfach nach mir erkundigt, und ich gehöre zu jenen Patientinnen, die sie gerne noch einmal treffen möchte" - also von wem ging die Initiative nun aus, Notarzt?

Notarzt hat gesagt…

Ich sag doch gar nicht, dass sie anders schreiben soll. Ich sage nur, dass mir das Geschriebene zum Teil zu schmusig ist. Meine Freundin hat gepupst. Halber Absatz Drama. Das Training geht zu lang. Noch ein Absatz Drama. Hinterher haben sich alle lieb und der Trainer fliegt raus, weil er nackte Mädchen fotografieren will.

Es ist ja nicht so, dass mich das Blog von Jule nicht interessiert. Sonst würde ich ja nicht lesen. Ich finde viele Geschichten sehr spannend. Sie werfen auch viele Fragen auf. Wer um alles in der Welt sagt "Behindertenschließung"? Wieso müssen Leute, die gesunde Beine haben, Leuten wie Stinkesocke den Parkplatz klauen?

Ich werde weiter lesen, weil mich noch viele Dinge interessieren, von denen bisher nicht die Rede war. Was macht eine 16jährige mit so viel Geld jeden Monat? Wann schmusen Jule und Cathleen endlich mal eine Stunde zusammen, so wie es schon mit Simone passiert ist? Und ist Simone inzwischen abgeschrieben? Tragen alle drei die gleiche Windelmarke und was sagen die Eltern dazu, wenn die ganzen Kinder beim Rollstuhltraining in die Hose und vor allem in den Rollstuhl pinkeln? Wie lange ist der Behindertenausweis gültig und bekommt sie dreifach Ermäßigung, wenn sie gleichzeitig einen Schüler-, einen Behinderten- und einen Rentnerausweis an der Kinokasse vorlegt?

Ich lese einfach weiter mit. Irgendwann bin ich schlauer. Oder geblockt. ;)

Leitender Notarzt hat gesagt…

Hi Notarzt, was bist denn Du für ein lustiger Vogel? Jetzt aber schnell das Blaulicht aus und husch husch ins Körbchen!

Günther hat gesagt…

Ihr Notärzte, ihr! Jetzt hört doch mal auf, diesen in meinen Augen sehr wertvollen Ort des Internets derart zu verhunzen. Ich bin kinderlos geblieben, weil ich meine Karriere über eine Partnerschaft und folglich über eigene Kinder gestellt habe. Ich bereue es nicht. Nur manchmal, wenn ich die Texte lese. Ich wünsche der Stinkesocke und ihren neuen Freunden alles Gute und weiterhin viel Spaß und Freude am Leben!

RettAss hat gesagt…

Ich bin ebenfalls wie die Ärztin im Rettungsdienst tätig.

Unter all den Einsätzen gibt es immer wieder Einsätze, auch banale, bei denen wir selbst uns fragen was aus dem Patienten geworden ist.
Es freut uns deshalb Ressonanz zu erhalten. Nicht weil wir es erwarten, sondern auch zu sehen ob wir gute Arbeit geleistet haben. Sozusagen ein "Qualitätsmanagement"
Und dann gibt es sicher auch viele Einsätze die uns persönlich Berühren.
Wir sind wie alle anderen ebenfalls Menschen, so wie du und ich.

Ach, und im übrigen:
Meine Familie bedankt sich jedes Jahr bei der Müllabfuhr. Wir geben "unseren Müllmännern" jedes Jahr zu Weihnachten eine Aufmerksamkeit, so wie es manche Patienten machen. Unaufgefordert. Einfach so. Das ist eine Bestätigung, dann wissen wir weshalb wir den Job machen - den Menschen wegen.