Dienstag, 11. August 2009

Luisa zieht wieder aus

Luisa zieht zum Ende dieses Monats aus unserer WG wieder aus. Es ist sehr schade und sie ist darüber sehr unglücklich. Sie hat sich hier richtig wohl gefühlt und ich finde, sie passt auch super in die WG. Nur leider benötigt sie mehr Platz. Sie war beim Einzug zu optimistisch. Das ist eine äußerst bittere Pille.

Ihr Unfallquerschnitt liegt unterhalb des 4. Brustwirbels, also vergleichsweise hoch. Die Grenze, über der sie etwas merkt, liegt genau auf Höhe der Brustwarzen. Sie ist für ihre Lähmungshöhe unglaublich mobil, kommt aber nicht komplett ohne Pflegehilfe aus. Sie schafft im Notfall zwar alles alleine, nur es dauert Stunden und belastet Arme, Handgelenke und Schultern derart, dass sie beste Chancen hat, innerhalb von wenigen Jahren das, was jetzt noch funktioniert, auch noch zu ruinieren.

Wie wir alle wissen, ist für professionelle Pflege keine Zeit, so dass alles optimiert werden muss, insbesondere Hilfe beim Aufstehen und Zubettgehen wird immer gleich mit Hilfe bei der Körperpflege verbunden. Sie hat die Pflegestufe II und findet keinen Pflegedienst, der sie in einem 12 Quadratmeter großen Zimmer mit Dusche auf der anderen Seite des Flures betreuen möchte. Jedenfalls nicht zu den Sätzen der Pflegestufe II. Zuerst hatten wir alle noch gehofft, dass die gegnerische Unfallversicherung aufstockt, das Verfahren ist jedoch nicht abgeschlossen und wird vermutlich noch bis 2013 dauern. Das Sozialamt hat ein Gutachten erstellen lassen, ob es überbrückungsweise in Vorleistung geht. Das Gutachten kommt zu dem Ergebnis, dass man in einem anderen Wohnumfeld mit weniger Pflegeleistung auskommen würde und lehnt ab, müsste also auch verklagt werden.

Nun zieht Luisa zum 01.09. in eine eigene, größere Wohnung nach Hamburg-Allermöhe. Während sonst rund zwei Jahre Wartezeiten auf rollstuhlgerechte Wohnungen in Hamburg sind, geht es bei einer Anfrage des Sozialamtes innerhalb von wenigen Tagen. Ich verkneife mir jeden Kommentar und hoffe, dass Luisa uns so oft wie möglich besuchen kommt.

Kommentare :

Cathleen hat gesagt…

Das finde ich sehr schade. Luisa passt so gut in die WG. Aber wenn es nicht geht ... muss man halt das beste daraus machen und sich gegenseitig ganz oft besuchen und ganz viel zusammen unternehmen. Wirklich schade!

Olli hat gesagt…

Kleiner Vorteil in so einer Situation: man hat den Anreiz, sich gegenseitig zu besuchen und so auch Antrieb, mal rauszukommen wen man sonst vielleicht nur zu Hause abhängen würde.