Freitag, 28. August 2009

Probewohnen für Cathleen

Cathleen war gestern mit Sofie bei einem Sozialarbeiter vom Jugendamt, um mit ihm zu besprechen, ob es eine Alternative wäre, wenn sie wieder in Hamburg zur Schule geht, also einen Neuanfang startet auf einer Gesamtschule (statt noch ein Jahr auf ein Sonderschul-Internat zu gehen), dabei in unserer WG wohnt und von einem ambulanten sozialtherapeutischen Dienst drei- bis fünfmal pro Woche betreut wird.

Ich war nicht dabei, ich bekam die Story aber von Sofie und später auch nochmal von Cathleen erzählt. Zuerst hatte der Sozialarbeiter wohl den Termin verschwitzt, den er so kurzfristig erst noch zugesagt hatte, dann war er wohl von vornherein gleich dagegen. Sofie meinte, er könnte auch bewusst diese Position eingenommen haben, um sich von Cathleen überzeugen zu lassen, also um zu merken, wie ernst es ihr wirklich ist. Interessante Theorie.

Cathleen war wohl hartnäckig genug, denn am Ende kam heraus: Cathleen wohnt ab nächsten Montag für 5 Tage zur Probe in unserer WG. Sie bekommt täglich Besuch von einem Sozialarbeiter oder einer Sozialarbeiterin von einer Einrichtung. In der Zeit geht sie probeweise auch auf eine Gesamtschule in Eppendorf. Am Montag darauf trifft man sich erneut und bespricht, wie es weitergeht.

Ich bin sehr gespannt, aber ehrlich gesagt auch sehr zwiespältig. Cathleen ist noch zwei Jahre jünger als ich - und bei mir fragen die Leute schon, ob ich nicht zu jung bin, um von zu Hause auszuziehen. Andererseits: So groß ist der Unterschied zwischen WG mit Betreuung und Internat auch nicht. Und Cathleen ist sehr selbständig. Und ich würde mich sehr freuen, wenn sie hier einziehen würde.

In der Schule habe ich heute meinen ersten richtigen Tag miterlebt. Und auch gleich mein erstes Negativ-Erlebnis. Ich fuhr durch einen Gang, hatte eine leere Papiertüte von meinen zwei Brötchen auf dem Schoß, wollte in den Klassenraum und spätestens dort diese Papiertüte in den Müll werfen. Ich war bisher noch an keinem Mülleimer vorbei gekommen. Vor mir ging ein Lehrer, dem urplötzlich einfiel, dass er was vergessen hatte. Er drehte sich mitten im Gehen auf dem Absatz um. Ich musste scharf bremsen, um ihn nicht umzufahren. Dabei fiel die zusammengeknüllte Brötchentüte auf die Erde. Er blubbert mich an: "Egal ob Sie behindert sind oder nicht - Müll wird hier nicht einfach hingeworfen. Auch wenn Sie neu sind, sollten Sie das wissen." Ja nee, is klar. Nächstes Mal halte ich die Tüte fest und fahr ihm so richtig in die Hacken. Ich hoffe, dass ich diese Lehrkraft nicht irgendwo selbst im Unterricht habe.

Ansonsten hatten wir heute zwei Stunden lang unseren Pädagogik-Lehrer von gestern und zwei Stunden Statistik. Merke: "Wenn man an einem Reh zuerst links vorbeischießt und dann rechts, dann ist es durchschnittlich tot!" Muhaha.

Kommentare :

Flowerlady von PL ;-) hat gesagt…

Und wenn Du beim nächsten Mal in Statistik ein wenig streben willst:

"Ein Mensch, der von Statistik hört
denkt meist nur an Mittelwert.
Er glaubt nicht dran und ist dagegen,
ein Beispiel soll es gleich belegen:
Ein Jäger auf der Entenjagd
hat einen ersten Schuß gewagt.
Der Schuß, zu hastig aus dem Rohr
lag eine gute Handbreit vor.
Der zweite Schuß mit lautem Krach
lag eine gute Handbreit nach.
Der Jäger spricht ganz unbeschert
voll Glauben an den Mittelwert:
'Statistisch ist die Ente tot'
Doch wär er klug und nähme Schrot
dies sei gesagt, ihn zu bekehren
er würde seine Chancen mehren
Der Schuß geht ab, die Ente stürzt
weil Streuung ihr das Leben kürzt"

ArminF hat gesagt…

@flowerlady: Lustig, das selbe Gedicht kenne ich mit einer Powerpoint-Präsentation :-)

Liebe Grüße von einem der sich beruflich viel zu oft mit Statistik rumschlagen muss *ächz*

Viel Erfolg und auch Spass auf der neuen Schule wünschend: Armin

Olli hat gesagt…

Der seinen Lehrkörper ohne StVZO-konforme Beleuchtung durch die Schulgänge bewegende verstand aber hoffentlich, dass Dir die Tüte in Folge Deiner Notbremsung heruntergefallen war? Oder warst Du zu perplex, um es gleich aufzuklären?
Ich hoffe, der hatte nur eine schlechte Minute und ist sonst umsichtiger.
Im Schnee hockend, die Hände in sehr warmen Wasser - da hat man im Durchschnitt auch eine normale und angenehme Körpertemperatur.