Sonntag, 20. September 2009

Cathleen zieht bei uns ein

Die Zitterpartie ist beendet.

Hauptsächlich lag die Verzögerung an der Mutter, die sich mit der Sache einfach nicht beschäftigen wollte. Sie war überzeugt, dass es ihrer Tochter in dem Internat gut gehen würde. Dass sie anfangs mal gesagt hat, dass sie auch einer WG-Lösung zustimmt, wenn sicher ist, dass es ihr in der WG gut geht und sie die Schule vernünftig weitermacht, davon wollte sie am Ende nichts mehr wissen. Sogar das Jugendamt und das Sozialamt hatten zugestimmt, nur dann wollte die Mutter plötzlich nichts mehr dazu sagen und den Antrag gar nicht erst mehr unterschreiben. Hätte sie wenigstens Argumente gehabt und begründen können, warum sie das nicht wollte, hätte man sich damit befassen und es vielleicht auch akzeptieren können. Aber sie hat einfach nur "Nein" gesagt und wollte über die Gründe nicht sprechen. Dass sie sich dann doch noch damit beschäftigt hat, lag an einem Brief von Cathleen, den ich nicht kenne, aber von dem sie mir erzählt hat. Darin hat sie geschrieben, dass sie die Gründe für ihr "Nein" gerne verstehen möchte, weil sie sonst den Eindruck hat, dass die Mutter willkürlich und nach Lust und Laune über ihre Zukunft bestimmt. Das möchte sie von ihrer Mutter nicht glauben, das würde sie enttäuschen.

Daraufhin, so sagte Cathleen, habe die Mutter nicht argumentiert oder begründet, sondern ihr einfach den unterschriebenen Antrag wortlos in die Hand gedrückt. "Mach damit, was du willst", soll sie gesagt haben. Ich kann nicht glauben, dass der Mutter ihre Tochter so egal ist. Ich verstehe nicht, was da abgeht. Mit der Aktion hat die Mutter ja nun erst recht bewiesen, dass sie "einfach so" entscheidet. Aber Cathleen ist meine Freundin und nicht die Mutter, und für Cathleen freue ich mich riesig. Ich wünsche mir, dass wir gut miteinander klar kommen werden.

Kommentare :

mosquito hat gesagt…

Menschen verhalten sich manchmal seltsam.
Ich finde dieses Verhalten auch traurig und nicht wirklich verständlich. Die Mutter scheint überfordert zu sein, vielleicht funkt der Stiefvater auch rein - seltsam...

Aber wenigstens kam die Zustimmung, so kann Cathleen nun bei Euch einziehen, muss sich nicht mehr mit den seltsamen Taschengeld-Gepflogenheiten der Erzieher aus dem Internat herumschlagen und kann dort leben, wo sie sich wohlfühlt. (Davon gehe ich mal aus.)

Ich drück die Daumen, dass sich Cathleen schnell einlebt und Euer Zusammenleben gut funktioniert. :-) Viel Spaß miteinander!

Baerli hat gesagt…

Hallo Jule,
schön das es "trotz" der Mutter geklappt hat.

Ich kenne Cathleen nicht und möchte ihr auch keinesfalls zu nahe treten,
aber ich habe so ein bisschen die Befürchtung, das DU eventuell darunter leiden könntest.

Du bist längst noch nicht so gefestigt in deinem "neuen" Leben,
auch auf dich werden noch sehr viele Probleme zukommen die du meistern musst und jetzt hast du eine weitere Person um die du dich kümmern sollst.

So wie ich es verstanden habe kennt Cathleen nicht sehr viele Leute in Hamburg, d.h sie hat keinen Anschluß an irgendwelche Gruppen und wird im Endeffekt immer auch dich zurückgreifen wenn sie Probleme hat.

Du bist selbst noch sehr jung und trägst vom einem auf den anderen Tag ganz alleine die Verantwortung für dein eigenes Leben,deshalb kannst du nicht auch noch die Mutterrolle für andere übernehmen.

Ich hoffe sehr,das die ganze Gruppe und nicht nur du das alles auffangen kann und Cathleen die Wärme und Zuneigung gibt,die sie leider in ihrem bisherigen Leben nicht erfahren hat.

Viel viel Glück für die Zukunft.

Ich habe so unendlich viel Respekt vor dir.

Baerli

mosquito hat gesagt…

Meine Ansicht zu Baerlis Bedenken: Cathleen ist doch in Hamburg nicht auf sich allein gestellt. Da gibts ja auch noch die Sozialarbeiterin, die anderen Mitbewohner, die sich ja für Cathleens Einzug eingesetzt haben, Cathleens neue Mitschüler, die Leute, mit denen sie Sport treibt...

Mir scheint es nicht so, dass die 17jährige Jule auf die Idee käme, für die 15jährige Cathleen die Mutter spielen zu wollen. Das dürfte Cathleen auch gar nicht wollen oder "nötig haben"... Sie sind Freundinnen und werden Mitbewohnerinnen.

Klar kanns Probleme geben - wie in jeder WG. Und sicher wird Jule sich ggf. engagieren, weil sie hilfsbereit ist. Aber eben nicht für Cathleen verantwortlich. Bislang hat die WG ja auch nach Unterstützung und Hilfe gesucht, wenns nötig war...

Gruß
mosquito

Jule hat gesagt…

Danke, Mosquito.

Hallo Baerli, ich habe Cathleen sehr lieb und werde Cathleen helfen, wo ich kann. Sie hilft mir ja auch. Aber ich bin ja nicht die einzige. Die anderen in der WG helfen ihr, ihre Sozialarbeiterin kommt jeden Tag im Moment, das kriegen wir schon hin. Als Mutter sehe ich mich nicht. Nur als gute Freundin.

Carsten hat gesagt…

das hat den vorteil, dass du zum kuscheln jetzt nur noch eine tür weiter musst. oder sie auch. kuschelt ihr noch zusammen? ich möchte so gerne mal mäuschen sein, wenn ihr beide nachts im bett miteinander schmust. oder mit simone zu dritt. das ist bestimmt herzlich ohne ende!

Jule hat gesagt…

Wir haben uns sehr lieb (im Sinne von gern), aber wir haben keine sexuellen Aktivitäten mit- oder untereinander. Das ist kein Geheimnis, also verzichte ich auch gerne auf Mäuse in meinem Zimmer.

Olli hat gesagt…

Mögllicherweise, so ginge es mir zumindest, wären die Mäuse interessiert, wie dieses nicht sexuelle, dennoch körperlich nahe gernhaben umgesetzt werden kann. Unter Jungs oder zwischen Jungs und Mädels ist das wohl irgendwie nur seltenst oder mit viel Schwierigkeiten möglich.