Sonntag, 27. September 2009

Mainhatten und Graffiti

Zurück von einem Trainingswochenende in Frankfurt am Main sehe ich mit etwas gemischten Gefühlen der neuen Schulwoche entgegen. Am Mittwoch schreibe ich meine erste Klausur und das ausgerechnet in Mathematik und bei jenem Lehrer, der am liebsten dumme Sprüche austeilt. Noch eine kurze Kostprobe? Er sagt zu einer Mitschülerin, die besonders heftig Akne im Gesicht hat: "Seit ich Sie kenne, weiß ich, dass sich Hirn in Eiter verwandeln kann."

Großartig. Vielleicht reifen meine Mitschülerinnen und Mitschüler ja irgendwann mal so weit, dass sie geschlossen rausgehen und nicht über diesen beleidigenden Mist noch lachen. Ich würde es mir wünschen.

Dafür war die Stimmung in Frankfurt aber um so genialer. Die Unterkunft war rollstuhlgerecht, selbst das Essen war gut. Von Frankfurt haben wir nicht sehr viel gesehen, außer einer Schwimm- und einer Sporthalle. Am Freitag bin ich gleich nach der Schule abgedüst, gerne hätte ich für meine Hausaufgaben bereits meinen Laptop gehabt, aber das lässt weiter auf sich warten. Noch am Freitagabend gab es nach dem ersten Kennenlernen (wobei sich viele jedoch schon von vorherigen Trainingslagern kannten, aus Hamburg waren diesmal Cathleen, Simone, Yvonne und Tatjana dabei) schon einen ersten Programmpunkt: Ein Zirkeltraining in einer Sporthalle. Ich bin noch nie so tot ins Bett gefallen wie an dem Abend.

Samstag begann mit Frühschwimmen, 90 Minuten noch vor dem Frühstück. Anschließend war Kraft- und Ergometertraining dran, abends fuhren wir 12 Kilometer im Rennrollstuhl auf einem Sportplatz. Während ich am Freitag eher durch die lange Fahrt und die Schulwoche erschöpft war, war ich Samstag körperlich an meiner Konditionsgrenze angelangt. Umso erstaunter war ich, dass wir am Sonntagvormittag nur noch lockeres Handbiken (also Fahrradfahren) auf dem Programm hatten. Um 12.30 Uhr war bereits wieder Abreise. Leider viel zu kurz für ein Wochenende mit total netten und witzigen Leuten.

Zu Hause angekommen traute ich meinen Augen nicht: Jemand hatte mit giftgrüner Farbe die Buchstaben VPCC auf meine Fahrertür gesprüht. Könnte man sich bitte mal an anderen Fahrzeugen vergreifen und nicht ständig an meinem? Das nervt! Kostenvoranschlag der Werkstatt: Rund 800 Euro.

Bleibt noch zu erwähnen, dass mein UMTS-Stick noch immer nicht da ist. Angeblich war der Versand ja am letzten Montag nochmal ausgelöst worden. Als ich heute nochmal wieder telefonisch nachfragte, bekam ich zu hören, dass der Stick seit etwa acht Wochen nicht lieferbar ist. Ist das nicht eine bodenlose Frechheit, mir seit Bestellung die Gebühren zu berechnen und dann auch noch felsenfest mehrmals zu versprechen, das Ding sei verschickt worden? Ich finde: Ja!

Kommentare :

Anonym hat gesagt…

Das ist doch kein Zufall, dass mehrere Mitarbeiter solche Versprechen abgeben. "Abzocke" würde ich das nennen.

Und wie geht es mit Cathleen und ihrem Ärger mit den 33 Euro Pauschale weiter?

BigDigger hat gesagt…

Der Lehrer legt es wirklich auf §185 StGB an... Wenn er sich Dir gegenüber eine Verbalinjurie leistet, dürfte das schon reichen. Verallgemeinert er auf alle Behinderten, käme auch §130 (1) 2. in Betracht. Er bettelt um Versetzung in den Vorruhestand.

Bist Du eigentlich sicher, dass Dein Nachbar nicht kürzlich eine Sprühdose gekauft hat?

Und was den UMTS-Stick betrifft: Einschreiben mit Rückschein, Fristsetzung 14 Tage im Voraus unter Androhung des Rücktritts vom Vertrag wegen Nichtleistung (wörtlich: In Verzug setzen; wobei eventuell entbehrlich, da die ja schon erklärt haben, nicht liefern zu können), Einzugsermächtigung widerrufen, Rückbuchung versuchen (wenn's klappt, rennen DIE nämlich Deinem Geld hinterher und nicht Du), und wenn die Frist verstreicht, Rücktritt vom Vertrag erklären.

Alternativ gefragt: Mussten eigentlich Deine Eltern dem Vertrag zustimmen? Eventuell greift da nämlich aufgrund Deines Alters beschränkte Geschäftsfähigkeit, und ich bezweifle, dass eine langfristige Vertragsbindung unter den Taschengeldparagraf fällt.

Näheres wäre mit Deinem Anwalt abzuklären, auch zu allen anderen Punkten (u.a. UMTS), denn das, was ich schreibe, basiert lediglich auf den Rechtskursen aus meiner BWL-Studienzeit und kurzem Lesen der entsprechenden Paragrafen und ist nur eine unverbindliche Meinung.

Elabo hat gesagt…

Hallo Jule,

bei solchen Lehrern könnt' ich auch regelmäßig das Kotzen kriegen. Ein Zitat unseres Politiklehrers als Antwort auf die Frage eines Mitschülers zu einem Fremdwort: "Mir ist klar, dass Sie dieses Wort nicht verstehen, bei Ihnen brennt ja sowieso kein Licht mehr im Hinterstübchen." Ha, Ha, sehr lustig - fand er und auch einige andere Mitschüler - ich fands einfach nur beleidigend. Das Schlimme ist allerdings, dass selbst die Klasse nicht mehr zusammenhält, wenns hart auf hart kommt und jeder sagt er hätte nichts mitbekommen, aus lauter Angst, es könnte sich auf seine Zeugnisnote auswirken.


Und zu dem Farbanschlag: Das ist kein Zufall! Da bin ich mir ziemlich sicher. Erst die Kennzeichen, dann die Farbe, was kommt als nächstes? Zerstochene Reifen, Beulen, Rundumkratzer, Scheiben eingeschlagen? Finde das einfach nur primitiv und erbärmlich, sich an Gegenständen zu vergreifen. Wenn jemand ein Problem mit einem hat kann man sich doch persönlich mit der Person unterhalten. Evtl. war das ja jemand, der Hass oder Wut auf Behinderte hat. Vielleicht triffts als nächstes das Auto deiner Mitbewohner? Ist die Farbe NUR auf der Tür oder auch auf benachbarten Teilen, wie Kotflügel oder Scheibenrahmen, -gummi, ...? 800€ halte ich für zu hoch gegriffen für eine Seitentür vom 4er Golf, zumal der Golf ja nicht schwarz ist. Hast Du den KVA in einer VW-Vertragswerkstatt machen lassen oder in einer Freien? Wenn möglich solltest Du Dein Auto in der nächsten Zeit evtl. irgendwo in einer Garage parken. Videoüberwachung wäre auch eine Möglichkeit. Solltest Du das in Erwägung ziehen, sag Bescheid, ich schick Dir dann ein paar Links zur Information, ich bin nämlich beruflich in diesem Bereich tätig.

Den Vertrag mit dem UMTS-Stick würde ich wie BigDigger schon gesagt hat nach einer Fristsetzung von 14 Tagen kündigen und die Einzugsermächtigung widerrufen. Evtl. auch noch die bereits bezahlten Leistungen in Rechnung stellen und zurückfordern. Diese Aussagen sind keine Rechtsberatung!

Solltest Du irgendwann mal wieder in den Nähe von Frankfurt/M. sein und Du weisst nicht was Du machen sollst, lass es mich wissen, ich komme ganz aus der Nähe ;-)


Liebe Grüße

Elabo

Jule hat gesagt…

@ Anonym: Bei Cathleen ist das Problem, dass die Mutter sich mal einschalten müsste und das mit der Krankenkasse regeln müsste, es aber nicht tut. Ein Mitbewohner meiner WG ist sogar Jurist und kennt sich vor allem im Sozialrecht aus, kann aber Cathleen halt nur beraten. Cathleen dürfte selbst widersprechen und sogar klagen vor Gericht, wenn das für ihren Vorteil ist, aber sie darf keinen Anwalt beauftragen. Das dürfte nur die Mutter. Ich überlege jetzt, ob ich sie nächste Woche mal mitnehme zu meiner Ärztin und von dort aus Druck machen lasse.

@ BigDigger: Das größte Problem wäre wohl, wenn ich ihn anzeigen würde und das nicht ausreicht, um ihn in seinen gewünschten Ruhestand zu befördern, sondern er mich danach noch weiter unterrichtet! Dann müsste ich wohl die Schule wechseln. Wenn es zu schlimm wird, müsste der Klassensprecher mal zum Vertrauenslehrer oder zur Schulleitung gehen.

@ BigDigger & Elabo:
Dass es nicht mein Nachbar war, da bin ich mir ziemlich sicher, denn in der ganzen Straße sind acht Fahrzeuge beschädigt (wie ich inzwischen weiß) und mit diesen vier giftgrünen Buchstaben sind in den umliegenden Straßen mehrere Dutzend Fahrzeuge besprüht worden (wie ich inzwischen auch weiß). Die Verzierung geht nur über den Lack der Fahrertür, nicht über Fenster oder Türgriffe oder Spiegel oder sonstwas. Die Info mit dem Preis kommt aus einer VW-Werkstatt. Die meinten, dass ja die komplette Tür zerlegt werden müsste und komplett neu gespritzt werden müsste und das kostet halt soviel.

Mit dem UMTS-Stick werde ich jetzt tätig und werde was schreiben. Vorher lasse ich mich noch bei meinem Mitbewohner beraten. Danke für die Tipps!

Und überhaupt danke an alle Kommentatoren!

Elabo hat gesagt…

Hey Jule,

nochmal zur Fahrertür: Ich hab mich nochmal schlau gemacht und bin dabei auf die Firma Auto-Top aus Hamburg gestossen, die sich unter anderem auch auf Graffitieentfernung bei Fahrzeugen spezialisiert haben.
http://www.auto-top.de/site/service/frame/f_lack.html

Evtl. hilft Dir das ja weiter...
Ich weiß leider nicht, wie Du Dein Auto versichert hast, evtl. könntest Du den Schaden ja über die Vers. abwickeln.
Soweit mir bekannt ist, muss bei einer Überlackierung einer kleinen Fläche aber nicht die ganze Tür demontiert und zerlegt werden. Meist werden Kotflügel, Türgriffe, Spiegel und Fenster abgeklebt und die Stelle vorbehandelt und dann lackiert und poliert. An Deiner Stelle würde ich zuerst nochmal ein paar Angebote bei einigen Lackierern und freien Werkstätten einholen. Am besten mit männlicher Begleitung. Du weißt ja wie das ist mit Mädels und Autos und übern Tisch ziehen und so ;-) *duck und weg* Is nich böse gemeint.


Liebe Grüße und viel Erfolg bei der Mathearbeit morgen - ich habs auch noch vor mir(Analysis: quadr. Gleichungen,...).^^

Elabo

M hat gesagt…

Zu BigDiggers Ausführungen möchte ich anmerken, dass es sich bei den Ausfällen des Lehrers sicher um Beleidigungen handelt, die auch eine strafrechtliche Relevanz haben. Lehrer haben zwar ein berechtigtes Interesse, einen Schüler zu beurteilen, auch zu tadeln, zu rügen oder ihm Vorhaltungen zu machen. Die Form der Äußerung ist jedoch weder halt- noch tragbar.

Man könnte von der Schule verlangen, dass sie die Verletzung der Grundrechte (schließlich ist eine Schule eine staatliche Einrichtung) durch ihre Beamten verfolgt und abstellt, siehe Artikel 3, letzter Satz, Grundgesetz.

Ob man jedoch nicht erst einmal das persönliche Gespräch mit dem Klassenlehrer, dem Vertrauenslehrer oder dem Schulleiter suchen sollte, bevor man mit einen Verwaltungsapparat Erde verbrennen lässt, halte ich für überlegenswert.

Jule hat gesagt…

Danke, Elabo, nur ist mein Auto schon bei VW in der Werkstatt, da ich nicht wochenlang mit dem Dreck auf der Tür herumfahren möchte und vor allem: Ich habe 12 Jahre Garantie gegen Durchrostung, die vorbei ist, wenn ich Lackschäden anderswo als bei VW ausbessern lasse.

Olli hat gesagt…

Bei Graffitis kann man den Übeltätern ein klein wenig die Freude nehmen, wenn man keine Bilder ihrer Werke publiziert, weil das ist es was sie wollen - ein Sichtbarwerden ihrer Werke. Drum zeigen manche Medien (leider nur manche) solche "kunstwerke" nur verpixelt oder/und schreiben nur von Buchstabenfolgen statt die genau anzugeben.