Donnerstag, 7. Januar 2010

Teure Räder, günstiger Delfin

Mein Rollstuhl ist endlich wieder repariert. Nach nur 12 Tagen kann ich endlich wieder auf eigenen vier Rädern unterwegs sein und bin nicht mehr auf die Leihgabe von Sofie angewiesen. Der Typ vom Sanitätshaus hat das von meinem Vater bei dieser Aktion zerstörte Rad entsorgt (da war nichts mehr zu richten, selbst die Steckachse hatte etwas abgekriegt), ein neues vorbeigebracht und auch zwei weitere komplette Räder mitgeliefert. So kann ich nun bei einer Reifenpanne (die wegen der pannensicheren Bereifung eigentlich selten vorkommt) oder anderen Schäden an den Rädern (Acht etc.) erstmal das Rad oder die Räder im Ganzen austauschen und habe sofort wieder einen fahrbereiten Rollstuhl.

Schon gestern kam die Mitteilung von der Unfallkasse, dass sie die Kosten der Instandsetzung in voller Höhe übernehmen. Sie belaufen sich auf insgesamt 1.103,54 € einschließlich Steuer. Für drei 24-Zoll-Rollstuhlräder einschließlich Lieferung. Ich bin mal gespannt, ob sie meinem Vater etwas davon in Rechnung stellen. Richtig fände ich es. Zumindest das eine Rad.

Und wo wir gerade beim Geld sind: Das Vermögensverzeichnis steht noch immer aus. Frau Bummel hat erneut gedrängelt, dass sie es dringend benötigt. Ich habe inzwischen vom Gericht erfahren, dass es dafür folgende Richtwerte gibt: Einzelstücke, die einen Neuwert von 25 Euro nicht überschreiten, können unter "Haushaltsgegenstände von geringem Wert" oder "persönliche Gegenstände von geringem Wert" zusammenaddiert werden. Für Sammlungen, bei denen alle dazugehörigen Teile insgesamt einen Neuwert von 50 Euro nicht überschreiten, gilt das gleiche.

Das bedeutet: Ich darf brav zählen. Ich wusste noch gar nicht, dass ich so viele Einzelstücke zu 24,95 Euro in meinem Besitz habe. Es ist sagenhaft. Eine Sache bereitet mir aber noch Kopfzerbrechen: Mein Delfin-Dildo hat mal 29,95 Euro gekostet. Ich überlege jetzt, ob ich das so in die Liste schreibe, oder ob ich ihn lieber mit ein paar Kondomen zusammen in eine Schublade packe und die Schublade als nicht-deklarationspflichtige Spielzeugsammlung für 34,95 Euro bezeichne. Oder soll ich lieber sagen, dass es ein Delfin im Sonderangebot war, der ebenfalls nur 24,95 Euro gekostet hat? Vermutlich würde ich so oder so einen Betrug begehen, und das ausgerechnet gegenüber einem Gericht! Ob und wie ich dafür wohl mal bestraft werde? ;)

Kommentare :

Anonym hat gesagt…

Der Sinn eines solchen Verzeichnisses ist ja, das Eigentum des Betroffenen zu schützen, damit feststeht was Eigentum war und der Vormund nicht so schnell Sachen verkaufen oder Geld abzweigen kann, um sich zu bereichern. Aber wer will dir nachweisen, das du dein Spielzeug überhaupt besitzt? Oder die Quittung hast du schon lange weggeworfen und das war damals nen Sonderangebot oder dir wurde das geschenkt und deshalb kennst du den Preis nicht? Oder du hast ihn vor nen paar Wochen verschenkt, ich denke du findest da ne Lösung, ich wüßte auch nicht alles was ich besitze, Werte schon gar nicht...

Nell hat gesagt…

Deklariere den dildo doch einfach als: Batteriebetiebenes spielzeug in Delfinform.
Das ist die blanke wahrheit und jeder kann sich denken was er will.

Ich bin neidisch auf deinen mut, ich wollte auch immer schon mal so ein teil aber habe mich noch nie getraut eines zu kaufen.
LG Nell

Anonym hat gesagt…

jule - ich bewundee immer wieder deinen (sarkastischen) humor bei all diesem unsinn. aber wahrscheinlich kannst du / kann man damit auch nur überleben in dieser situation, die einfach nur grotesk ist. so alles in allem.

ülp

Cathleen hat gesagt…

Kannst ja sagen, den Delfin hat dir deine Freundin geliehen. ;)

Nur falls die Trulla auf die Idee kommt und deine Bude durchsucht.

Wo kriegt man die Teile eigentlich? oO :P

BigDigger hat gesagt…

Eigentlich handelt es sich ja um ein freiwillig angeschafftes, (nicht-batteriebetriebenes?) therapeutisches Massagegerät in Delfinform, oder nicht? ;)

Anonym hat gesagt…

Ich denke, dass Jule es mal wieder geschafft hat, mit ihren Fingern in eine gesellschaftliche Wunde zu tippen. Als 17-jährige soll sie, genauso wie die 15-jährige Cathleen, so oft und so vielfältig masturbieren, wie sie es möchte und wie es ihr gut tut. In jeder Familie würde man einen (vielleicht nicht immer offenen) Weg finden, damit umzugehen: Tür zu. Sobald sich Ämter und Behörden in ein Leben einmischen, muss man Rechenschaft ablegen, wieso man von seiner Sozialhilfe mehr Kondome kauft als andere, welche Pille man sich leisten möchte oder wem der Vibrator gehört.

Letztlich dient diese Vorschrift aber zu Dir zum Schutze. Ich denke, das Risiko ist kalkulierbar, den Delfin einfach zu verheimlichen. Frau Bummel wird ihn Dir nicht klauen, und wenn doch, besorgst Du Dir halt einen neuen oder leihst Dir den von Cathleen.

Viel Spaß!