Freitag, 19. Februar 2010

Schrottprojekt, Hühnersuppe und Meerjungfrauen

Im zweiten Schulhalbjahr müssen wir im Unterrichtsfach Psychologie Zweiergruppen bilden und selbständig Projekte zu vorgegebenen Themen ausarbeiten. Ich habe mir zusammen mit einer Mitschülerin ein Projekt ausgesucht, bei dem es um den Einfluss von äußeren Umständen auf die Antworten eines Probanden bei einer Befragung geht. Die Projekte haben drei Teile: Im ersten Teil sollen die beiden "Projektleiter" das schriftlich zu Hause vorbereiten und dann den Mitschülern vorstellen, im zweiten Teil soll der ganze Kurs einige Stunden lang in der Öffentlichkeit eine Befragung oder ein Experiment oder eine Beobachtung durchführen, im dritten Teil sollen wieder die beiden "Projektleiter" den Kram auswerten und dem Kurs die Ergebnisse vorstellen und alles gesammelt als schriftliche Arbeit abgeben.

Jede Zweiergruppe hat ihre Termine bekommen und meine Partnerin und ich hatten eigentlich bis Ende des Monats dafür Zeit. Meine Mitschülerin hatte mir am letzten Wochenende einen Entwurf zugemailt, der ging aber gerade über eine Dreiviertelseite und als Richtlinie waren etwa fünf Seiten Projektbeschreibung, fünf Seiten Anleitung und zwei bis fünf Seiten Ankreuzbogen vorgegeben. Bevor ich sie mir zur Brust nehmen konnte, dass ich gerne eine gute Beurteilung haben möchte und mir ihre Dreiviertelseite nicht ausreicht, erfuhr ich gestern sozusagen "nebenbei", dass die Termine neu festgelegt worden waren. In der Stunde war ich nicht da. Heute war unser Abgabeschluss für den ersten Teil. Und wir sind die erste Gruppe.

Also habe ich gestern, nachdem ich meine "Kollegin" nicht erreichen konnte und sie sich auch nicht zurückmeldete, von Schulschluss bis 4.00 Uhr nachts (also 14 Stunden durchgehend) nur am PC gesessen und getippt. Ich hatte das Glück, dass in meiner WG eine Psychologin wohnt (Sofie), die mir einige gute Tipps geben konnte. Natürlich hat sie mir nicht geholfen, ich soll ja was lernen, aber ich konnte mit ihr meine Ideen austauschen.

Ich hatte die Idee (und meine Mitschülerin fand sie gut), in Hamburg Leute zu befragen, ob sie finden, dass es in Hamburg ausreichend Aufzüge in den U-Bahn-Stationen gibt. In einem Fall sollte das Gespräch damit angefangen werden, dass gerade 7 Millionen Euro in neue Aufzüge investiert worden sind, in einem anderen Fall damit, dass gerade mal 40% der Stationen behindertengerecht sind. In allen anderen Fällen sollte ganz neutral nichts vorweg geschoben werden, sondern durch den Standort Einfluss genommen werden. Zum Beispiel sollte das 3. Team am Jungfernstieg vor den beiden neuen Aufzügen der U-Bahn-Station stehen, das 4. am Jungfernstieg vor den Treppen der S-Bahn, ein 5. oben auf dem Jungfernstieg vor der Tür der Beratungsstelle der Rentenversicherung, ein 6. auf dem Jungfernstieg vor einem Nobelkaufhaus. Das siebte und achte Team sollte zwar an neutralen Orten stehen und auch die Fragen neutral stellen, aber einmal mit Springerstiefeln und Bomberjacke bekleidet sein und einmal aus einer Rollstuhlfahrerin und einem "Hippi" bestehen.

Natürlich weiß jeder, was bei dieser Befragung rauskommt, aber wir sollen das ja lernen. Ich habe also in einer 14-stündigen Mammut-Aktion alleine diese Hausaufgabe fertig bekommen, mich dann zwei Stunden hingelegt und bin völlig übermüdet mit dem Taxi (wegen immernoch defektem Garagentor) zur Schule gefahren und durfte dann erfahren, dass diese Projekte vermutlich erstmal auf Eis gelegt sind. Nähere Informationen bekämen wir am nächsten Montag. Ich weiß nicht, ob ich weinen oder lachen soll.

Als ich wieder zu Hause war, habe ich alle Termine für heute abgesagt, Telefon und Handy abgestellt, "bitte nicht stören" an die Tür gehängt und mich ins Bett gepackt. Ich war so fertig von der fehlenden und durchgearbeiteten Nacht, dass mit beim Mittagessen der Kopf fast in die Hühnersuppe gekippt wäre.

Als ich abends wieder aufwachte, hörte ich andere Hühner gackern. Simone war bei Cathleen zu Besuch. Die beiden waren gerade von draußen reingekommen, völlig durchgefroren und ließen sich die Badewanne einlaufen. Die Tür zum Badezimmer stand halb offen und als ich vorsichtig um die Ecke schaute, stieg gerade Simone zu Cathleen in die Badewanne. "Was macht ihr denn da?" fragte ich.

"Aufwärmen. Wir wollten dich vorhin fragen, ob du mitkommst, aber du wolltest ja nicht gestört werden. Jetzt ist uns kalt, ich habe schon ganz blaue Beine. Willst du auch noch mit in die Wanne?" fragte Cathleen und Simone kiecherte. Einen Moment überlegte ich, ob ich wenigstens so tun sollte, als wenn ich mich ausziehe, aber dann schaute auch noch Lina um die Ecke und traute ihren Augen kaum. Am Ende standen wir zu viert im Bad, Liam, der unbedingt die zwei badenden Meerjungfrauen sehen wollte, kochte denen sogar extra einen heißen Tee und ein lustiger DVD-Abend rettete den Tag.

Kommentare :

Anonym hat gesagt…

Waren sie nackt?

Simone hat gesagt…

Wir waren mit Schneeanzug, Sturmmaske, schusssicherer Weste und High Heels in der Wanne.

web hat gesagt…

Gut gekontert Simone :-)
(Wobei ich jetzt schon SEHR intressante Bilder im Kopf habe *lach*)

Anonym hat gesagt…

Nunja, es könnte ja sein, dass man mit Bikini oder in Ermangelung eines solchen mit Unterhose und T-Shirt oder BH in die Wanne steigt, weil man vielleicht sich nicht nackt zeigen möchte. Ich hätte das in dem Alter nicht machen wollen. Oder bist du in Wirklichkeit bi oder homo und das ganze hatte einen tieferen Hintergrund? Nicht, dass es mich stören würde. Interessieren würde es mich. Genauso wie die Frage, ob es Dir nichts ausmacht, mit jemanden in die Wanne (= verhältnismäßig sehr wenig Wasser, vor allem wenn zwei Personen drin sitzen) zu steigen, der meines Wissens inkontinent ist und gerade beim Konsum von heißem Tee das Badewasser ungewollt gelb anfärbt... Ich finde es mutig.

Realist hat gesagt…

Bikini, BH, bi, homo, zu jung, heißer Tee, Pipi ... ihr habt vielleicht Probleme!

web hat gesagt…

Anonym, Du warst wohl noch nie in einer gemischten Sauna? :-)

Simone hat gesagt…

Ob ich irgendwann mal mit einer Frau Sex haben will, weiß ich nicht. Mit Jule und auch mit Cathleen will ich das aber nicht! Ich kann auch mit einer meiner besten Freundinnen in die Wanne gehen und mich aufwärmen, ohne dass ich von ihr gleich was sexuelles will. Und wer von uns da nun reinpinkelt oder nicht ist mir auch ziemlich schnuppe. Man kann auch aus allem ein Problem machen!

Sally hat gesagt…

Wie groß ist denn Eure Badewanne? Ist das so ein "Übereck-Teil"? oO

Jule hat gesagt…

Auf jeden Fall größer als "normal". :)

Olli hat gesagt…

Widerlich dieses Trittbrettfahrertum bei gemeinsamen Aufgaben, möge die andere nicht wirklich davon profitiert haben.
Deine Ideen, wo/wie zu befragen wäre, finde ich gleichsam durchdacht wie im Kopfkino extrem lustig.
Ansonsten: wo krieg ich jetzt Hühnerbühe her, hab nun voll den Appetit.