Donnerstag, 11. März 2010

Ausblick auf einen Stern

Zur Zeit bin ich sehr glücklich mit meinem Golf Kombi. Er ist zwar schon etwas älter, aber er fährt, verbraucht nicht viel Benzin äh Diesel - ich bin zufrieden. Am liebsten würde ich ihn noch einige Jahre fahren.

Wir haben sogar schon drin geschlafen. Ladefläche umgeklappt, Luftmatratzen rein, das funktioniert. Sogar zu zweit, sogar zu dritt. Man liegt zwar wie ein paar Ölsardinen in der Dose und die Rollstühle müssen draußen bleiben, aber es funktioniert. Schlecht wird es nur, wenn ich künftig wirklich meinen Sport machen möchte und zu einigen Wettkämpfen fahren will. Meine Ausrüstung bekomme ich nicht in den Golf (den Rennrollstuhl mit Umklappen und Beifahrersitz nach vorne drehen gerade so eben, aber das Handbike nicht mehr, geschweige denn noch Gepäck oder einen Alltagsstuhl) - das ist nicht optimal.

Schön wäre es, für Fahrten mit Übernachtung und Fahrten zu Wettkämpfen ein größeres Fahrzeug, am besten einen Kleinbus, zu haben. Quasi als Zweitfahrzeug, denn wer fährt schon mit einem Kleinbus einkaufen... Das klingt natürlich erstmal nach verwöhnter Stinkesocke. Auf der anderen Seite wäre ich, glaube ich, schön blöd, wenn ich eine Dreiviertel Million Euro auf dem Konto bunkern würde und mir zu diesem Wunsch großartige Kompromisse überlegen würde.

Ich habe mich mal erkundigt. Gebrauchte Fahrzeuge, die wenig Kilometer auf dem Tacho und ein Automatikgetriebe haben, gleichzeitig mit einer Standheizung nachzurüsten und dann auch noch behindertengerecht umbaubar sind, sind ab 20.000 Euro zu haben. Dann muss man jedoch fragen, warum jemand das Fahrzeug wieder loswerden will, man bekommt es nicht in der Ausstattung, die man gerne hätte, etc. - und ich bekomme bei einem Gebrauchtfahrzeug nur sehr schwierig Zuschüsse von meinem Kostenträger.

Interessant ist aus meiner Sicht ein Angebot eines Hamburger Mercedes-Benz-Händlers (Stinkesocke greift nach einem Stern und hebt vermutlich ab). Der möchte für einen Viano, neu, in Langversion, Diesel mit Automatikgetriebe, Lederausstattung, Standheizung mit Fernbedienung, Klimaautomatik, Tempomat, MP3-Radio, verspiegelten Scheiben einschließlich Überführung, Zulassung und Steuer rund 54.000 Euro haben. Für behinderte Menschen bietet er allerdings einen Preisnachlass von 20% auf den Listenpreis (vor der Steuer). Er sagt, er verdiene an dem Fahrzeug keinen Cent, sondern (hoffentlich) an späteren Service-Leistungen. Mercedes ist jedoch nicht das einzige Unternehmen, das so etwas macht. Bei Renault, Volkswagen, Audi und Ford sind ähnliche Rabatte drin - bei anderen Firmen sicherlich auch.

Mich würde das Fahrzeug also nur noch rund 42.000 Euro kosten. Die Unfallkasse unterstützt das auch noch, nämlich mit einem Grundbetrag von 9.500 Euro zuzüglich pauschal 5.750 Euro für einen Mehrbedarf wegen Querschnittlähmung (Standheizung zum Abtauen, größeres Fahrzeug, Automatikgetriebe etc.) zuzüglich dem behindertengerechten Umbau (Handbedienung für Gas und Bremse, Lenkraddrehknopf, Pedalabdeckung, ...). Einmal in 5 Jahren, aber zu dem Golf haben sie nichts dazu gegeben und der ist bereits 10 Jahre alt. Das heißt, ich müsste für einen nagelneuen Viano nach meinen Wünschen rund 27.000 Euro auf den Tisch blättern. Also den halben Listenpreis. (Der entsprechend ausgestattete VW-Bus wäre übrigens erheblich teurer. Kaum zu glauben, aber wahr.)

Das Fahrzeug hätte hinten so viel Platz, dass ich eine 1,40 x 2,00 Meter große Matratze reinpacken und jederzeit im Auto schlafen könnte. Außerdem wäre Platz für Rennrollstuhl und Handbike und Alltagsstuhl und, wenn man geschickt packt, auch noch für die jeweiligen drei Stühle von Simone und Cathleen. Vor meinem 18. Geburtstag wird das sowieso nichts, aber dann? Ich denke ernsthaft drüber nach!

Kommentare :

NewRaven hat gesagt…

Dein Kontostand macht mich depressiv - hör auf damit ;)

Was spricht dagegen? Du hast die Kohle, du hast den Bedarf und du hast die Gelegenheit. Du darfst dir von dem Geld ganz sicher auch etwas gönnen, das zwar nicht unbedingt "lebensnotwendig" ist, aber dir hilft, dir ein Lächeln ins Gesicht zaubert oder sonstiges. Wie du schon richtig anmerkst, ist ein vernünftiger Umgang mit dem Geld zwar sicher richtig und wichtig, aber darauf zu sitzen wie Dagobert Duck bringt dir am Ende auch nichts. Da du allerdings damit wohl auch größere Touren geplant hast, ihn eh, wahrscheinlich nicht ganz günstig, umbauen lassen musst u.s.w. und noch einen netten Rabatt bekommst, würde ich in der Tat gleich zu einem Neuwagen raten und den Gedanken an einen Gebrauchten schnell wieder vergessen. Das sollte dann schon eine Investition für die nächsten Jahre sein.

Anonym hat gesagt…

Du hattest das Glück, vor deinem Unfall eine Unfallversicherung abgeschlossen zu haben. Bei einer Querschnittlähmung wird die volle Summe fällig - plus Schmerzensgeld und Entschädigungen von der gegnerischen Versicherung bzw. der Landesunfallkasse, wenn so etwas auf dem Schulweg passiert.

Jeder, der da jetzt neidisch wird, sollte sich fragen, ob er für die Summe, die zwar monatlich durch deine Rente und die Zinsen (du hattest es irgendwann mal vorgerechnet) gut aufgestockt, aber in der Gesamthöhe natürlich nicht noch einmal gezahlt wird, also bis ans Lebensende reichen muss, ein Leben im Rollstuhl verbringen möchte. Ich möchte es nicht mal für 5 Millionen auf dem Konto.

Ich weiß, dass da monatlich zwei bis drei Tausender zusammen kommen. Gering sind deine Ausgaben. Theoretisch müsste es dir sogar möglich sein, den geforderten halben Listenpreis vom Girokonto zu zahlen. Ich würde fest angelegtes Geld nicht anrühren. Wenn du das nicht tun musst, rate ich dir dazu, alles zu kaufen, was dein Herz glücklicher macht. Und sei es ein Mercedes, in dem man schlafen kann.

Schau bitte noch nach Versicherung und Kfz-Steuern und lasse dich entsprechend beraten. Und dann gehts los!

Anonym hat gesagt…

Kaufen!!!

chuto hat gesagt…

da schliese ich mich doch NewRaven vollinhaltlich an.
du kannst es dir leisten, also tu dir was gutes.

wir wollen dann aber alle besucht werden! ;o)

ülp

Christian hat gesagt…

Hi,
hättest du denn einen Stellplatz für das Teil? Dafür einen normalen Parkplatz an der Straße zu finden, ist bestimmt kein Spaß!

Ansonsten ist das Angebot sicher verlockend. Kalkulier aber nochmal komplett durch: Aus Einstandspreis, vorraussichtlicher Nutzungsdauer, und geschätztem Erlös bei Verkauf (nicht zu optimistisch ansetzen!) errechnest du eine jährliche "Abschreibung". Dazu kommen noch Steuer (ggf. für dich nicht) und Versicherung, ggf. Stellplatz. Und noch eine Umlage für die Wartung. Kraftstoff fällt ja nur km-Abhängig an.

Damit hast du dann eine ziemlich gute Abschätzung, was dich das Auto pro Jahr bzw. pro km kostet.

Die "normalen" Alternativen wie öffentliche Verkehrsmittel oder Taxi oder Leihwagen sind für dich natürlich keine echten Alternativen.

Deshalb: Wenn es dir das wert ist: go for it!!

Christian

Banane hat gesagt…

Du hast genügend Geld und du hast einen Grund, warum dieses Auto für dich sinnvoll ist. - Von daher spricht doch nichts dagegen, es zu kaufen.

Aber auf eine Sache möchte ich noch eingehen:
"... denn wer fährt schon mit einem Kleinbus zum Einkaufen?"

Da sehe ich wirklich kein Problem.
Der lange Viano ist 4,99m lang und 1,87m hoch. - Damit kommst du genau wie mit einem großen Familien-Kombi noch locker auf jeden normal großen Parkplatz und in jedes Parkhaus. Und da du sowieso auf Behindertenparkplätze angewiesen bist, dürften die Abmessungen des Fahzeugs noch unproblematischer sein, da das Problem, dass man in sehr engen oder kurzen Parklücken nicht reinkommt, für dich irrelevant ist.
Durch die hohe Sitzposition hat man auch noch eine deutlich bessere Übersicht und kann somit viel entspannter und vorausschauender fahren.
Dazu sind Kleinbusse sehr übersichtlich und haben meistens ziemlich große Außenspiegel (der Viano aber leider nicht), so dass das Rangieren (vorwärts und rückwärts) kein Problem ist, wenn es eng wird.

Ich fahre selbst seit ich meinen Führerschein habe mit zwei verschiedenen Campingbussen: Erst ein alter VW T3, dann ein Ford Transit. - Beide sind knapp 5m lang und passen noch auf jeden normalen Parkplatz; der Transit ist aber mit knapp 2m breiter als die meisten großen SUVs.
Beide Fahrzeuge sind meiner Meinung nach bis auf ihre große Höhe (dank Camping-Hochdach) voll alltagstauglich.
Ich gehe mit diesem Auto einkaufen, fahre gerne lange Strecken und im Stadverkehr ist es mir sogar lieber wie ein Kleinwagen, da ich durch die erhöhte Sitzposition einen besseren Überblick habe und viel entspannter und vorausschauender fahren kann.

Von daher kann ich mir gut vorstellen, dass du deinen Golf nicht noch zusätzlich brauchst und ihn auch noch verkaufen kannst. - Damit dürfte dir der Kauf des Viano evtl. noch leichter fallen, da du letztendlich noch weniger Geld dafür ausgeben musst, wenn du den Verkaufserlös von deinem Golf mit einrechnest.

Gruß
Banane

Banane hat gesagt…

Noch ein Nachtrag @Christian:
Der lange Viano ist wie gesagt 4,99m lang und auch nicht besonders breit. Damit ist er 10cm länger als eine Mercedes E-Klasse.
Ich fahre schon seit Jahren mit ähnlich großen und teilweise auch noch breiteren Autos und hatte noch nie ein Problem damit, einen Parkplatz zu finden. - Die Leute mit großen Familien-Kombis, Vans und SUVs schaffen das ja auch.

Dazu ist Jule sowieso auf Behindertenparkplätze angewiesen. - Und da hat man mit einem langen Viano locker genügend Platz.

Mike hat gesagt…

Noch ein Hinweis:
Meines Wissens ist nur für ein Fahrzeug Steuerbefreiung möglich.
Und wenn Du den alten Wagen abstößt, kommt auch nochmal ein bissle Geld rein.
(Da kommt der Schwabe in mir durch :-) )
Eventuell such ja gerade irgendwer einen behindertengerecht umgebauten PKW. (Es gibt sicherlich Rollifahrer, die finanziell nicht so gut gestellt sind, z.B. mangels Unfallversicherung). Du könntest Dich ja mal umhören...

Und wenn sich andere darüber das Maul zerreissen sollten, dass Du einen klobigen Mercedes fährst... Was kümmert es dich, was andere Leute denken? Du brauchst das Teil, um dein Leben so zu organisieren, wie DU es möchtest.

Banane hat gesagt…

Mir fällt gerade noch was ein:
Bei einem Kleinbus ist ein Rückfahr-Warner, der bei geringem Abstand piepst, äußerst praktisch, weil man niedrige Hindernisse hinter dem Auto kaum erkennen kann. - Das würde ich an deiner Stelle auf jeden Fall gleich mitbestellen, auch wenn es noch mal etwas Aufpreis kostet.

Jule hat gesagt…

Vielen Dank für die vielen Rückmeldungen. :)

Es ist richtig, bis zum Sommer werde ich die 30.000 Euro vom Gyroskonto aufbringen können, an irgendwelche fest angelegten Sachen möchte ich dafür auch nicht drangehen.

Ich möchte den Golf eigentlich nicht verkaufen. Ich möchte eigentlich nicht mit einem 60.000-Euro-Schiff (auch wenn es mich nur 27 kostet) zur Schule oder zur Therapie fahren. Da sind einfach auch zu viele Chaoten, man kommt aus einem Golf viel besser raus und wieder rein mit einem Rollstuhl und wenn wirklich mal was passiert, tut es bei einem 10 Jahre alten Auto wesentlich weniger weh als bei einer neuen Luxuskarre.

Stellplätze gibt es hier genug in der Tiefgarage. Es gehören welche zur Wohnung und etliche sind darüber hinaus auch nicht vermietet.

Für eins von beiden muss ich dann Steuern zahlen, vermutlich wird das beim Golf wesentlich billiger, auch wenn der schon 10 Jahre alt ist.

Bei der HUK 24 würde mich das Ding in der Versicherung im ersten Jahr 2.100 Euro (Vollkasko mit 1.000 Euro SB) kosten. Das ist natürlich ein ziemlicher Hammer.

Zum Rückwärtsfahren: Ich würde sogar überlegen, ob ich nicht sogar einen Rückfahrmonitor nehme. Gibt es, das Bild erscheint dann dort, wo es sonst Navi etc. anzeigt und man sieht genau, was hinter einem rumsteht. Jeden Poller erkennen diese Rückfahrwarner nämlich auch nicht, wie ein Bekannter mit seiner neuen C-Klasse gerade schmerzhaft erfahren musste - 4.000 Euro Schaden *knirsch*.

Olli hat gesagt…

Klar ist das Risoko, mit so einem Teuer-Schiff zu fahren größer - aber auch die Chance, damit eben besser fahrer/transportieren/leben zu können.