Sonntag, 18. Juli 2010

Schwimmen, Reiten, Handbiken

Es sind zwar noch nicht wieder 10 Tage vergangen, bis ich mich wieder melde, aber ich gebe zu, ich vernachlässige meine Leser in den letzten Tagen etwas. Das liegt nicht daran, dass ich schreibfaul geworden bin, sondern daran, dass ich so viel unterwegs war in den letzten Wochen. Bei dem schönen Wetter bin ich natürlich viel lieber draußen in der Sonne als drinnen vor dem PC.

Im Moment bin ich jeden Abend an einem Baggersee in Hamburg und versuche, meine Kondition mal wieder ein bißchen auf Vordermann zu bringen. Dass ich mit dem Handbike hinradle ist klar, inzwischen komme ich sogar ohne große Atemlosigkeit wieder einmal quer durch den See und wieder zurück. Selbstverständlich sind wir immer mindestens zu dritt (und im See trainieren auch noch etliche Fußgänger-Triathleten), damit nichts passiert. Über einen Sandstrand kommt man sehr schön ins Wasser (wenn man über den Hintern rutscht - sehr zur Belustigung der herumstehenden Leute).


Der See hat inzwischen offiziell 24 Grad, das ist kaum noch eine Abkühlung. Besonders komisch finde ich es, wenn abends (in den letzten etwas kühleren Tagen) die Luft bereits weniger als 24 Grad hat und das Wasser wärmer ist als die Luft. Man muss sich doch wundern, wie sehr sich das Wasser aufheizt, denn der See ist nun nicht der kleinste.


Wozu ich sehr große Lust hätte, wäre, künftiges Straßentraining dorthin zu verlegen. Man kann dort kilometerweit über die Deiche fahren und anschließend gleich im See das Schwimmen trainieren. Aber leider dürfen wir nur nachts mit den Rennrollis auf öffentlichen Straßen trainieren und nachts darf man dort nicht schwimmen (nur bis 23 Uhr). Auf eine Ausnahmegenehmigung wartet mein Verein zur Zeit noch vergeblich. Solange können wir nur jeder für sich mit den Handbikes trainieren (und nicht mit den Rennrollis).

In der letzten Woche war ich zwei Mal mit Cathleen reiten. Zum ersten Mal seit meinem Unfall habe ich wieder auf einem Pferd gesessen. Es war total toll, ich habe nichts verlernt - auch wenn ich natürlich keine Kraft in den Beinen mehr habe, die ich aber bräuchte, um dem Pferd beim Galopp nicht ständig ungebremst ins Kreuz zu fallen. Zum Auf- und Absteigen und zum Gymnastizieren brauche ich natürlich auch jemanden. Auch fehlt mir einiges an Rumpfmuskulatur, was ich gerne hätte, auch wenn es nicht unbedingt notwendig ist. Insgesamt hat es mir sehr gut getan, denn ich habe trotzdem ziemlich Muskelkater bekommen und damit anscheinend Muskeln angespannt, die ich sonst nicht vernünftig trainiere (oder von denen ich vielleicht bisher gar nicht wusste, dass ich sie ansprechen kann).

Trotzdem wird es sicherlich nicht mehr "meine" Sportart sein. Was ich sehr traurig finde, weil ich früher leidenschaftlich gern geritten bin und eine Zeitlang fast jeden Nachmittag im Stall zu finden war. Aber man muss hier wirklich seine Grenzen erkennen und respektieren. Für einen oder auch einen zweiten Ausritt mit ein paar netten Leuten zusammen war es ganz okay, wir waren sogar schwimmen (worüber ich ganz froh war, denn ich hatte meinem Monschi zuvor unbeabsichtigt eine goldene Dusche verpasst, was er mir jedoch glücklicherweise nicht allzu übel genommen hat und was durch das Schwimmen mit den Pferden zum Glück niemand mitbekommen hat) - aber dann ist es auch wirklich genug. Wenn man reiten will, darf man nicht nur nehmen, sondern muss auch ganz viel geben. Und das kann ich eben nicht. Aber, wie gesagt, einige wenige Male im Sommer mit einem eher gemäßigten Gaul über einen Acker oder durch einen Wald traben, das ist schon sehr schön und das geht auch mit Querschnittlähmung sehr gut - besser, als ich dachte.

Jetzt will ich noch mit Jana und Sofie los, ein wenig Handbiken und Schwimmen. Ich freue mich schon sehr, ein paar Stunden mit den beiden zu verbringen.

Kommentare :

Hans hat gesagt…

Durch den ganzen See bist du geschwommen? Alle Achtung! Mich freut, dass es dir wieder besser geht.

Cathleen hat gesagt…

Ich habs trotzdem gemerkt. :P

Carsten hat gesagt…

Was heißt "goldene Dusche"? Hast du etwa das Pferd angepinkelt? Du bist so ekelig!!

Dr. No hat gesagt…

Ja, sie hat das Pferd angepinkelt. Hat sie ja geschrieben. Und Cathleen hat es gesehen. Und hinterher sind sie mit Pferden und Klamotten (?) schwimmen gegangen und alles war wieder sauber. Und nun?

Draußen ist es warm. Und mein Nachbar feiert auf dem Balkon seinen Geburtstag.

Ulli hat gesagt…

Ich wette, dem See hat Jule auch eine goldene Dusche verpasst, nur wird sie es nicht erzählt haben, da sie weiß, je mehr sie darüber berichtet, umso mehr Leute finden sich, die es kommentieren müssen. Es ist ja okay, solange wie man seine Kommentare nicht nur auf das eine beschränkt.

Carsten hat gesagt…

@Ulli: Worüber regst du dich auf? Sie schreibt doch immer, dass sie gerne Kommentare hätte. Nun kriegt sie welche, nun ist es auch nicht richtig.

Zum See: Ich schätze mal, sie hat vorher schon beim Handbikefahren auf die Straße gepinkelt. Oder, Jule? :D (Sag doch auch mal was dazu.)

Calypso hat gesagt…

@Carsten: Das ist doch völlig irrelevant, dieser Blog dreht sich doch nicht um ihre Verdauung oder eine fundierte Analyse, warum was wann daneben geht.

@stinkesocke: Da oute ich mich mal als heimlicher Mitleser. Ich finde es immer wieder erschreckend, was so manches Mal in deinem Leben schief läuft. So manches Mal dann aber auch nicht. Ich finde wie viele andere auch, dass man dir 17 Jahre nicht anmerkt und ich finde es großartig, wie du dich nie entmutigen lässt, sondern dein Ding durchziehst. Hut ab.

Lg, Calypso

Ute hat gesagt…

Ich weiß, dass es blöde klingt, aber ich wäre mit der Situation, in der du, Jule, dich befindest, absolut überfordert. Mich würde niemand überreden können, auf ein Pferd zu steigen oder im Rollstuhl durch die Stadt zu fahren oder auf dem Hintern durch den Sand zu rutschen, während alle Leute mich beobachten. Ich glaube, man muss langsam reinwachsen, um sich diesem Druck entgegenstellen zu können ohne dabei auszuflippen.

Ich merke immer mehr, wieso es Freunde braucht, die gleichermaßen betroffen sind. Ich glaube, den ersten Mut würde ich fassen, wenn mir jemand etwas vormacht und mir signalisiert, dass er auf mich aufpasst. Diese Erfahrung durftest du machen und inzwischen gibst du diese Erfahrungen an andere, heute überforderte, Menschen weiter.

Ich bin mir ganz sicher, dass ich nicht so zäh wäre. Wenn ich nur darüber nachdenke, mir würde vor anderen Menschen ein Pups entweichen - das wäre eine große Krise. Ihr habt einen Weg gefunden, mit Inkontinenz umzugehen, das ist für nicht betroffene Menschen zwar oft kaum vorstellbar, aber ich finde es gut, wie du es machst.

Ich habe keine eigenen Kinder. Wenn ich welche hätte, würde ich mir wünschen, sie hätten deine Stärke. Ich lese hier schon sehr lange mit und ich bin sehr beeindruckt, auch wenn hin und wieder "nur" ganz banale Geschichten aus deinem Alltag kommen. Sie haben, trotz ihrer Banalität, einen unheimlichen Wert, und ich mag deinen Stil.

Ich bin mir sicher, dass dir trotz oder wegen deiner Behinderung sehr viele Türen offen stehen. Ich wünsche dir alles Gute!

Marc hat gesagt…

Ich bin ein aktiver und eifriger Leser dieses Blogs und finde es sehr interessant, ein Leben auf Rädern geschildert zu bekommen. Einmal wegen des sehr intensiv erlebten und sehr differenziert und reflektiert beschriebenen Daseins dieser jungen Frau, einmal wegen der für mich als "Fußgänger" (wie ihr Rollstuhlfahrer uns nennt) sehr ungewöhnlichen und zeitweise unerwarteten Perspektive eines sich im Sitzen fortbewegenden Menschens.

Einerseits. Andererseits will ich aber auch nicht verleugnen, dass ich eine sexuelle Präferenz habe und die Hauptdarstellerin dieses Blogs (ebenso wie einige Nebendarstellerinnen) genau in mein "Beuteschema" passen. Mich reizen Menschen, vorwiegend junge Frauen, die mit ihrem Urin noch etwas anderes anstellen als ihn in der Toilette hinunterzuspülen. Es würde sich so gehören, zweifellos, aber es reizt mich, wenn jemand ungezogen auf ein Pferd pinkelt oder auch nur beim Leistungssport in die Hose oder heimlich in einen Badesee. Na klar, Jule kann es nicht direkt kontrollieren, aber indirekt ja schon, wie sie immer wieder schreibt - und sie entscheidet sich ja immer wieder neu, sich ihr Leben von ihrer Inkontinenz nicht beeinflussen zu lassen. Genauso wie die anderen Mädels in ihrem Leben.

Das soll die Schreiberin aber nicht stören. Sie muss keine Angst vor mir haben, es gibt eben unterschiedliche Menschen und selbstverständlich respektiere ich ihre Privatsphäre und belästige sie nicht mit blöden Fragen oder gar E-Mails. Und das sollten andere Vertreter meiner Sippe gefälligst auch so handhaben!

Jule, mach weiter so!

Anonym hat gesagt…

Ach je, jetzt kommen wieder die Fetischisten aus den Löchern.

nicki19 hat gesagt…

Ich glaube es muss furchtbar schlimm sein wenn man gerne reitet und auf einmal erkennen muss dass man es nicht mehr 'richtig' kann. Und ich bewundere dich dass du trotzdem nicht vor dich hin deprimierst sondern eben andere Sachen machst. Wahnsinn, ich könnte das wohl nicht.