Donnerstag, 22. Juli 2010

Virtuell und real: Ein kleiner Vergleich

Wenn ich mir meine Kommentare und meine Mails mal so durchlese, darf ich selbstbewusst (und ohne den Anlass eines "runden" Postings) zusammenfassen: Einigen meiner Leser imponiert mein Umgang mit meiner Behinderung. Andere begeistert meine Reife. Wieder andere lieben meinen Schreibstil, noch andere sind von meinem Urin fasziniert, sobald er nicht ins Klo läuft. Diese breite Mischung wurde, als ich noch nachts gechattet habe, noch ergänzt von den Träumen einiger sehr netter Jungs, die gerne mal mit mir fi***n wollten. Sogar auf dem Küchentisch. Ob ich das gerne getan hätte oder nicht, spielt, glaube ich, keine Rolle. Ich fand die (seriös geführten) Chats darüber durchaus reizvoll. Es kam real jedoch nicht dazu. Ich spreche von einer virtuellen Welt. In der virtuellen Welt kennen mich meine Leser (bis auf die wenigen aus meinem realen Leben, die wissen, dass ich blogge) nur so, wie ich mich selbst sehe und beschreibe. Ich versuche, mich vollständig und ehrlich zu beschreiben. Selbstverständlich kann man aus dem Geschriebenen sehr viel ableiten. Selbstverständlich kann man sehr viel zwischen den Zeilen lesen. Vielleicht lernt man einen Menschen durch sein Geschriebenes sogar besser kennen als wenn man ihn "live" erlebt.

Dennoch habe ich heute versucht, für mich festzuhalten und zu benennen, wie meine realen Freunde mich sehen. Die meisten von ihnen haben selbst eine (ähnliche) Behinderung. Viele von ihnen sitzen selbst im Rollstuhl. Oder kennen viele Leute, die im Rollstuhl sitzen. Imponiert diesen Freunden mein Umgang mit meiner Behinderung auch? Ich denke: Ja. Sehr oft bekomme ich mit, wie sie mich loben, direkt oder indirekt, und dass sie mit mir zufrieden sind. Ich fühle mich gut integriert, habe den richtigen Rollstuhl, komme den Bordstein hoch, die Rolltreppe rauf und runter, kann schwimmen, kann über mich lachen, wenn ich mich mal wieder behinderter anstelle, als ich eigentlich bin - ich glaube, eine derartige Behindi-Prüfung würde ich auf Anhieb bestehen.

Allerdings sind meine realen Freunde nur höchstens halb so begeistert von meiner oft und gerade in Mails gelobten Reife. Viele meiner unmittelbaren Freunde sind erheblich fitter als ich. Oft komme ich mir dumm vor, fühle mich ungebildet, habe keine Ahnung, worüber sie sprechen. Ob etwas so sein darf, wie es ist, ob etwas ein absolutes No-Go ist und warum, kann ich oft nicht richtig beurteilen. Wenn ich beispielsweise mit Sofie durch die Stadt fahre, macht sie mich auf Dinge aufmerksam, die mir überhaupt nicht aufgefallen wären. Das kann ein Druckfehler in einem Schild sein, wie der Rollstuhl im Bus aufzustellen ist, das kann eine mahnende Ansprache sein, dass man meine Worte auch anders (nämlich auf unverschämte Art und Weise) verstehen könnte. Ich fühle mich oft überfordert und unreif. Nicht, dass ich darunter leide, denn meine Freunde gehen nicht besserwisserisch mit mir um. Zum Glück. Aber ich fühle, dass ich noch ganz, ganz viel lernen muss.

Bliebe da noch mein Schreibstil. Deutsch 14 Punkte. Bekommt man nicht, wenn man nicht schreiben kann. Oder nur sehr schwer. Glaube ich. Egal. Mich freut, wenn er virtuell gefällt. Wenn ich gerne gelesen werde, schreibt es sich einfacher.

Und mein Urin? Ich überlege gerade ernsthaft, ob es auch in meinem realen Leben Fetischisten in meinem Umfeld gibt. Auch wenn ich noch so lange überlege, ich glaube, aktuell gibt es keinen. Nun, ich weiß nicht, ob Sofie und Frank oder Lina und Liam nachts die Lederpeitsche oder die Uniform rauskramen, aber mit Pipi spielt da, glaube ich, niemand rum. Zweifelsohne ist der Umgang mit dem Thema wesentlich offener als in meinem Leben vor meiner Behinderung. Wäre ich früher vor Scham im Boden versunken und wäre es früher ein großes Drama unter meinen Freunden gewesen, wenn ich mir in die Hose gemacht hätte, würde ich heute allenfalls einen flapsigen Kommentar ernten und vielleicht noch einen darauf rausgeben. Und es gibt wohl keine Frage, die ich meinen engen Freundinnen und Freunden zu diesem Thema nicht stellen dürfte, wenn die Gedanken dazu doch mal zu ernst werden sollten.

Wäre also nur noch zu klären, ob im realen Leben jemand mit mir schlafen möchte. Und da kommen wir dann zum deutlichsten Unterschied zur virtuellen Welt: Irgendwie nicht. Es ist ja nicht so, dass ich es absolut nötig hätte. Geschweige denn, dass ich wüsste, ob und wie es bei mir funktioniert. Aber manchmal, wenn ich alleine im Bett liege und mit meiner Bettdecke kuschel, hätte ich schon gerne einen knackigen Typen auf mir liegen, der ... lassen wir das. Bevor hier jemand die "Melden"-Flagge hisst.

Was ich jedoch im realen Leben merke: Viele Jungs, gerade ältere, stehen eher nicht auf das selbstsichere, intelligente Mädel, sondern eher auf das schüchterne, leise, zerbrechliche, hilfsbedürftige. Mit einer ernsthaften Diskussion bekommt man eher keinen Mann aus meinem "Beuteschema", um mit Marcs Worten zu reden, um den Finger gewickelt. Eher mit der Frage, ob jemand meinen Schlüssel gesehen hat. Oder ihn bitte vom Fußboden aufheben könnte. Macht aber nichts. Ich bin flexibel. Und habe aufgegeben, darüber nachzudenken, ob ich mich mit auf die Stufe stellen möchte.

Kommentare :

Olivia hat gesagt…

ich bin doch erstaunt wie selbstreflektierend du in deinem Alter bist.
Es mag sein das die meisten Jungen auf "oberflächliche" Mädchen stehen, aber ich finde du solltest so bleiben wie udbist =).
Du bist gut in der Schule und hebst nicht ab, du kommst im alltag mit diener behinderung serh gut zu recht, du hast Spaß, du hast Freunde, du hast eine tolle WG eigentlich alles was man als junger Mensch im Leben braucht und eins weiß ich auch irgendwann wird schon der richtige kommen und der wird dich auch so nehmen wie du bist.

NewRaven hat gesagt…

Okay, dann geh ich deine Liste als "virtueller Leser" auch mal durch...

Fangen wir mit deinem Umgang mit deiner Behinderung an: ich lese diesen Blog ja nun fast von Anfang an mit - lange bevor er in irgendwelchen "Herz für Blogs"-Aktionen mitmachte, auf anderen großen Blogs genannt oder verlinkt wurde oder gar die "Menschen mit bestimmten sexuellen Neigungen" durch nen Beitrag auf ner einschlägigen Seite hier angelockt wurden. Ich hab Beiträge hier gelesen, die man mittlerweile hier nichtmal mehr aufrufen kann, weil das Archiv nur bis 2009 geht ;) Ich habe also viele der Dinge "zeitnah" miterlebt. Ich denke, es ist nicht nur die Tatsache, wie du mit deiner Behinderung umgehst (ich denke, jeder körperlich behinderte Mensch "fuchst" sich da mehr oder minder irgendwann rein - oder wird alternativ zu einem furchtbar depressiven, schwer zu ertragendem Schatten seiner selbst... ich kenn solche und solche Exemplare "real") - es ist eher die Tatsache, wie vergleichsweise schnell du es geschafft hast, wieder aufzustehen und aus deinem Schicksal das Beste zu machen. Natürlich bewundere ich auch, wie du mit Alltagssituationen umgehst - vor allem deshalb, weil sie mir persönlich Dinge oder Probleme aufzeigen, die ich so vorher garnicht wahrgenommen habe. Aber das ist eben nur ein Teil des Ganzen...

Deine Reife drückt sich doch nicht darin aus, wie schnell oder genau du etwas wahrnimmst. Auch nicht darin, wie gut du Kopfrechnen kannst, wie lang du brauchst um die Doppeldeutigkeit in nem versauten Witz zu erkennen oder wie viele Sprachen du sprichst. Sie drückt sich darin aus, Dinge richtig beurteilen und erfassen zu können... in einer Situation zu wissen, ob man sie eher mit dem Kopf oder dem Bauch entscheiden muss, das, was man weiß einsetzen zu können, wenn es benötigt wird, anstatt den Kopf in den Sand zu stecken. Und in diesen Dingen bist du den meisten gleichaltrigen meilenweit voraus. Und wenn es dann noch um den Umgang mit Menschen geht (Catharina sei hier mal als aktuelles Beispiel genannt), bist du ganz allgemein den meisten Menschen egal welchen Alters, die mir bekannt sind, uneinholbar voraus. Da schließ ich mich selbst mit ein...

Dein Schreibstil... das Besondere an deinem Schreibstil ist einfach, das du es meist - wenn auch nicht immer - schaffst, deine Worte so zu wählen, das der Leser den Eindruck gewinnen kann, er wäre dabei gewesen. Du schaffst es einfach oft, diesen "Kopfkino"-Schalter umzulegen. Das ist wieder ein Talent, was man in "einfachen Blogs" eher selten vorfindet. Dazu sind deine Deutschnoten nicht wirklich relevant. Schreiben liegt dir einfach im Blut... nimms so hin und such nicht nach Erklärungen ;-)

Zeichenlimit... -.- 1/2

NewRaven hat gesagt…

Urin? Äh... nee... also den Punkt überspring ich mal. Es gab zwar hier im Blog schon einige Punkte, wo ich das durchaus interessiert gelesen habe, aber dann eher an den medizinischen, psychischen/gedanklichen oder auch logistischen Dingen dahinter interessiert war. Das wars dann aber auch. Nichts gegen sexuelle Neigungen, aber diesbezüglich ist das nun absolut nicht mein cup of tea. Und was teilweise diesbezüglich an Kommentaren dann noch hier landet geht mal definitiv absolut garnicht.

Und zum letzten Punkt... Sex? Oh... okay, ich vergess mal ganz kurz, das du so alt bist wie meine kleine Schwester... nur für dich ;-) Nun, man sagt nicht ganz ohne wahren Kern, das Männer vor Frauen, die ihnen (geistig) überlegen sind, Angst haben. Das gilt mit Sicherheit nicht für alle, aber doch für deutlich mehr, als es jemals zugeben würden. Etwas dümmer (aber nicht so strunzdoof, das er von seinen Kumpels ausgelacht wird), attraktives Äußeres, nette Oberweite und möglichst gehorsam ist für diesen Typ Kerl quasi perfekt. Gleichberechtigt mag bei den meisten auch gerade noch so gehen. Aber sobald die meisten Kerle in irgendwas "Wichtigem" glauben unterlegen zu sein, bekommen sie Panik. Kuck einfach weiter, denn diese Art Kerl ist nichts für dich (und für die meisten anderen Frauen wohl auch nicht, manche brauchen allerdings sehr lang, um das auch zu merken) und du findest schon was Passendes - auch ohne dich verstellen oder selbst zum "Dummchen" degradieren zu müssen. Wie und ob das bei dir klappt, wenns soweit ist, kann dir natürlich nur dein Frauenarzt sagen - aber mehr als mit der Bettdecke ist garantiert drin - versprochen ;) Oh, und ganz nebenbei: Nen Typ, der mir Nachts - voll romantisch beim chatten -sagt, das er mit mir f*cken will, würde ich jetzt nicht als nett, sondern eher als etwas primitiv bezeichnen. ;-) xD

So, fertig ;-) Blödes Zeichenlimit... und sorry für den Roman ;)

BigDigger hat gesagt…

Ach, Stinki, das mit den Kerlen siehst Du vielleicht ein wenig eng. Abgesehen davon, dass Du gerade mal zarte 17 bist. Hast Du wirklich Zeitdruck? Ich kann Dir aus der Erfahrung eines alten Sacks sagen, dass der richtige Partner in höherem Alter viele potenziell falsche in jüngeren Jahren glatt verzichtbar machen kann. Klar, meistens hofft man, dass es der Richtige ist, aber das stellt sich meist erst mit der Zeit heraus. Ich will ja eigentlich auch keine alten Kamellen aufwärmen, aber Dein erster Versuch ging ja schon mal schief - was nicht wirklich Dein Fehler war, das wissen alle. Und wenn Du nicht naiv bist, weißt Du auch, was das für Dein Auswahlverfahren bedeuten sollte, zumal Deine neue Fortbewegungsmethode Dir die Partnersuche generell ja nicht gerade einfacher macht - im Gegenteil. Immerhin hat der Kerl ja Anforderungen zu erfüllen, die nicht ganz alltäglich sind. U.a. mit Blasenkontrollpannen Deinerseits klarzukommen, ohne diesbezüglich einen Fetisch zu haben. Nur als ein Beispiel. Es nützt da nichts, wenn Du Dich verstellst - irgendwann bist Du wieder Du, weil Du einfach Du bist, und Dein Partner erlebt den Kulturschock. So eine Beziehung steht auf tönernen Füßen (oder Rollen, je nachdem...).

Dass Du noch viel lernen musst, ist logisch. Nochmal der Verweis auf Dein Alter: Du bist 17 und nicht 77! Das ist völlig normal, zumal Dir ja auch nicht gerade wenig Lernmöglichkeiten des Alltags fehlen, und das, was Du in den letzten 2 Jahren gelernt hast, ist schwerpunktmäßig erstmal das, was Du für Deinen Alltag brauchst, um zurecht zu kommen. Sowohl von Deinen Fähigkeiten her als auch mental. Zum Beispiel, dass es nicht schön ist, wenn Du Dich einnässt, aber dass es auch nicht zwingend ein Drama sein muss, das Dir die Tränen in die Augen treibt. Du musstest andere Dinge lernen als Deine MitschülerInnen, weil Du andere Sorgen hattest. Und es wird immer einen geben, der Dir voraus ist. Das geht Rollenden nicht anders als Gehenden und Jugendlichen nicht anders als Erwachsenen. Und sei es nur in bestimmten Sachen. Manches gleicht sich aus, anderes ist nur scheinbar voraus. Mag ja sein, dass Investmentbanker hohe Gehälter kriegen, weil sie die Verantwortung für Millionen Euro ihrer Kunden haben und einen Uniabschluss besitzen, aber wenn man einen Monat auf die Banker verzichten müsste und einen Monat auf Müllmänner, Ärzte oder Krankenpfleger, würde sich das ganz schnell relativieren, und man würde merken, dass eine Pflegekraft mit Realschulabschluss einem Börsenprofi mit Master's Degree durchaus überlegen sein kann.

Du magst Dich gegenüber Deinem Umfeld manchmal überfordert fühlen - anderen wiederum hast Du einiges an Lebensbewältigung unter erschwerten Bedingungen voraus. Und das baust Du noch aus, je mehr Erfahrungen Du sammelst. Und wir werden mit Freude darüber lesen... ;)

Übrigens: Für das Kompliment aus Deinem 211. Blogeintrag bedanke ich mich recht herzlich. Ich fühle mich gebauchpinselt - und ich hab viiiiiiel Bauch zum Pinseln... :D

NewRaven hat gesagt…

@BigDigger Irgendwie beruhigend, das ich nicht der einzige bin, der hier spät Nachts ganze Romane schreibt ;-) Und im Kern sind wir uns sogar auch noch bei den meisten Dingen einig... unglaublich xD

Sofie hat gesagt…

Ich verstehe deine Sehnsucht nach Sexualität. Ich mache mir aber keine Sorgen, ob du einen Partner finden wirst. Du wirst.

Ich finde es gut, dass du dich und dein Leben reflektierst. Mach dir aber nicht so viele Sorgen. Man kann immer etwas verbessern. Wer aufhört, besser werden zu wollen, gibt sich auf. Gleichwohl hast du keinen Grund, an dir selbst zu zweifeln. Du kommst in deinem (neuen) Leben sehr gut zurecht und die Kritik, die deine Freunde hin und wieder äußern, gehört zu einer freundschaftlichen Beziehung zwingend dazu. Ich möchte, dass meine Freunde mir sagen, wenn ich einen dicken Pickel im Gesicht oder meinen Hosenstall offen habe. Wer sonst, wenn nicht meine Freunde? Bei ihnen kann ich mir sicher sein, sie sagen es nicht, um mich bloßzustellen oder abzuwerten, sondern um mir zu helfen und mich zu unterstützen.

Jule, du wirst geliebt. Da kannst du dir sicher sein. Auch ohne momentane sexuelle Beziehung. Du bist okay, so wie du bist. Du bist sehr viel reifer als viele andere Menschen in deinem Alter. Und du wirst immer weiter reifen. Das ist ein völlig normaler Vorgang, der Zeit und Wärme braucht. Du kannst Reife nicht erzwingen oder beschleunigen - hast du schonmal Tomaten aus einem Gewächshaus gegessen?

Bei denen helfen auch Unmengen an Dünger nicht für guten Geschmack, um auf dein nächstes Thema überzuleiten. Deine Behinderung sollte nicht dein Leben beherrschen - aber du kannst sie auch nicht verleugnen. Akzeptiere sie als deinen Begleiter und stehe zu ihr. Mit all ihren Facetten. Das kostet zwar anfangs sehr viel Überwindung, ist langfristig aber am einfachsten.

Banane hat gesagt…

Zum Thema Reife:
Dass dich deine Freunde auf Dinge hinweisen, die du überhaupt nicht bemerkst, hat überhaupt nichts mit der persönlichen Reife zu tun.
Ich bekomme solche Hinweise sogar meistens von kleinen Kindern, denn Kinder nehmen extrem viele Dinge bewusst war, die für uns so selbstverständlich sind, dass wir sie überhaupt nicht wahrnehemen.
Deshalb zeigt diese Sache einfach nur, dass jeder Mensch die Welt aus seinem eigenen Blickwinkel betrachtet und seine eigenen Kriterien bei der Filterung von Informationen hat. - Denn du kannst niemals all das, was du mit deinen Sinnesorganen aufnimmst, auch bewusst verarbeiten. - Da müssen immer Dinge gefiltert werden.
Also: Sehe diese Hinweise als interessante Anregungen aber nicht als einen Hinweis auf fehlende Reife deinerseits.

Und auch die Sache mit den Worten, die man falsch verstehen kann, würde ich nicht überbewerten. Du hast eben eine ziemlich ehrliche und direkte Art, die nicht bei Jedem gut ankommt. - Aber es gibt auch genügend Leute, die gerade eine solche Art sehr schätzen.
Mir ist jemand, der kein Blatt vor den Mund nimmt und mit seinen Worten auch mal irgendwo ein wenig aneckt, viel lieber als jemand, der immer nur um den heißen Brei herum redet, um nirgends anzuecken. - Bei ersterem weiß man einfach, wo man dran ist. Bei zweiterem nicht.
Natürlich kann man in dieser Hinsicht mit zunehmender Erfahrug lernen, andere Leute besser eizuschätzen, so dass man weiß, wie offen, ehrlich und direkt man sein kann, ohne damit unverschämt zu wirken.
Aber gerade bei der Geschichte mit Catharina hast du doch mal wieder deutlich gezeigt, wie gut du deine Worte einsetzen kannst.

Also: Nur weil dir deine Freunde, die teilweise schon viel länger als du im Rollstuhl sitzen, in mancherlei Hinsicht etwas vormachen, heißt das noch lange nicht, dass du deshalb unreif bist.
Aber natürlich wirst du dich u.A. auch mit Hilfe deiner Freunde stetig weiterentwickeln.

Und nun noch zum Thema Partnersuche:
Deinen Wunsch nach einem "knackigen Typen" kann ich gut nachvollziehen... denn ich verspüre auch durchaus den bisher leider nicht erfüllten Wunsch nach einem "knackigen Mädel".

Man kann wunderbar darüber streiten, ob Männer nun eher das kleine, zarte, naive Püppchen oder die vor Selbstbewusstsein strotzende, hochintelligente, in jeder Hinsicht überlegene Frau wollen.
Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen: Beide Extreme sind für die meisten Männer ziemlich abschreckend... und alle Abstufungen dazwischen sind einfach Geschmackssache.

Und natürlich macht deine Behinderung die Partnersuche nicht einfacher... aber trotzdem gehe ich davon aus, dass du schon irgendwann den Richtigen finden wirst.
Ich möchte hier nun wirklich keine "Melden"-Flagge hissen (dafür bist du für meinen Geschmack etwas zu jung - und vor allem wohnst du viel zu weit von mir entfernt)... aber trotzdem habe ich bisher noch nichts über dich gelesen, was so abschreckend wäre, dass du für mich nicht in Frage kommen könntest.
Natürlich wird deine Behinderung mit irgendwelchen Problemen und Einschränkungen in einer Partnerschaft und beim Sex verbunden sein und ich kann auch nicht abschätzen, ob ich damit zurecht käme. - Aber all das wäre zumindest für mich kein Grund, es nicht wenigstens auszuprobieren. - Und mit dieser Einstellung bin ich sicherlich nicht der Einzige.

Also: Mach dich nicht verrückt und verstell dich nicht zu sehr, nur um irgendjemanden zu finden, der überhaupt nicht zu dir passt, sondern nur zu der Person, die du ihm vorspielst. - Denn so etwas kann auf Dauer nicht gutgehen.

Gruß
Banane, der deinen Blog aus den drei erstgenannten Gründen (Umgang mit deiner Behinderung, Reife und Schreibstil) fast von Anfang an regelmäßig liest.

Narijanna hat gesagt…

Hallo Jule,
ich gebe jetzt einfach mal meinen senf dazu.
Wenn man ein bestimmtes Beuteschema oder "den" kackigen typen sucht ist es nach meiner erfahrung so das man sich allzuleicht verennt.
Lasse es auf dich zukommen und wenn es soweit ist weißt du es schon.
Ich habe meinen Traummann gefunden auch wenn er nicht ausieht wie mein "traumann".
Wir haben uns zufällig gefunden obwohl ich männertechnisch grade die schnautze gestrichen voll hatte.
Ich drücke dir die daumen und glaube fest an die gute zukunft.
LG Nari

Sally hat gesagt…

Ja, ja, das wird einem doch immer wieder in diversen Filmen noch verdeutlicht... Aber solange die Frau nicht auf den Mund gefallen ist, ist meiner Meinung nach alles möglich. =)

Man sollte aber auch in einer Beziehung IMMER sich selbst treu bleiben!

Also ich denke, dass mit Frauen mit der "Urin-Sache" einfach entspannter umgehen.. Jedenfalls entspricht das meinen Erfahrungen. Unter Männern wird es meiner Meinung nach schneller als "eklig" abgestempelt... -.-

Jule, noch viel lernen zu müssen, ist absolut nicht schlimm! Ich laufe meist auch total verpeilt durch die Gegend und krieg' um mich herum kaum die Dinge mit, über die Andere sich stundenlang amüsieren. Aber das kann man lernen. Man könnte zum Beispiel einen Spaziergang machen, nur für sich allein, ohne andere Reize. Klappt im Wald ganz gut, weil's da nicht so hektisch ist. Und dort dann mal versuchen, ganz genau auf seine Umwelt zu achten. Da merkt man dann: SO viel entgeht mir gar nicht. Und solange man die wirklich wichtigen Dinge auf dem Schirm hat, ist das auch gar nicht schlimm. =)

Olli hat gesagt…

Es gibt ältere, wenn ich meinem Fall vielleicht leider auch nicht wirklich "knackige" aber schon sehr ansehnliche (laut fachfraulichen Fremdurteil) Jungs, die sehrwohl auf intelligente selbstsichere Mädels stehen. Und sich liebend gerne einwicklen lassen würden oder, wie in meinem Fall, möglichst clever gewitzt und schlauf versuchen, zum erfolgreichen Einwickler zu werden.
(Aus verschiedenen, auch gerade alterstatsächlichen, Gründen ist das explizit ein Text ohne "Melden"-Flagge)

Xin hat gesagt…

Was Deinen Blog lesenswert macht ist die Offenheit. Die Reife würde ich mal glatt in Frage stellen, denn ich würde niemanden raten, sich dem Internet so zu öffnen, derart aus dem Privatleben und die Vermögensverhältnisse zu schreiben. Ist das Reife? Oder ist das Kraft sich über alle Skepsis anderer hinweg zu setzen und zu sagen "Hey, so bin ich, lebt damit!"
Das weißt am Ende nur Du.

Gleichzeitig ist das genau die Offenheit, die einem einen Einblick verschafft, den ich als Fußgänger ohne querschnittsgelähmte Freunde nie erhalten könnte - was auch ganz klar sensibilisiert. So fand ich die Rollstuhlrampe an unserem Gebäude zwar gut, aber mir ist in den letzten Jahren nicht aufgefallen, dass man als Rollstuhlfahrer die Tür nicht öffnen kann. Als Fussgänger geht man durch die Drehtür, als Rollifahrer braucht man jemanden, der die Tür von innen nach außen öffnet: außen ist keine Klinke, kein Schloss, keine Chance. Hatte ich vorher nie drüber nachgedacht, es fiel mir erst jetzt auf, wo ich Deinen Blog lese.
Auch Deine "Piss-Geschichten" beschreiben einen Alltag, der für mich nicht real war, weil ich darüber gar nicht nachgedacht habe, weil mir viele Probleme überhaupt nicht bewusst waren (was vielleicht auch manche Geschichten mit überforderten oder verständnislosen Fußgängern erklärt).

Dein Humor macht das Blog lesenswert und damit ergibt sich Dein Schreibstil. Was für uns Fußgänger ein Albtraum ist, ist für Dich der Alltag. Und im Alltag brauchen wir alle Humor. Unabhängig von unseren Behinderungen, hilft das. Du kannst Deine Beine nicht bewegen, dafür bist Du im Kopf klar. Dein Blog (und auch jeder realistische Blick auf die Straße) zeigt, dass da draußen genug Leute rumrennen, die zwar laufen können, aber halt eine "soziale Behinderung" haben.

Wenn ich ein Blog schrieben würde, wäre das über große Strecken eher langweilig, denke ich. Vieles wäre Alltag in einem Alltag, der für Menschen wie mich optimiert ist.

Du hast mit Deiner Behinderung auch ein anderes Leben geschenkt bekommen, dass voller Prüfungen ist, aber auch durchaus ein besonderes Abenteuer ist und auch besondere Freuden bereithält. Die WG, Zeit, sich zu entfalten, ohne den Leistungsdruck, der auf vielen Jugendlichen in Deinem Alter sonst lastet. Nicht konkurrieren zu müssen, ist etwas, was ich ansonsten eher aus dem Tauchsport kenne, ich kann das von Dir beschriebene Miteinander beim Sport also zumindest hier auch verstehen.
Deine Offenheit, auch bei Themen wie Deinen Eltern oder dem Mobbing ist... logisch. Und sinnvoll. Es ist eine gute Reaktion, denn wenn es nicht unter den Teppich gekehrt wird, wenn Du offensiv damit umgehst, kann es Dich schlecht einholen. Ich weiß, dass diese Themen Kraft kosten, aber ich weiß auch, dass Dein Umgang damit Dich als stärkerer Mensch aus den Situationen kommen lässt. Ich kenne solche empathielose Menschen auch und weiß auch, dass eine Abhängigkeit von solchen Menschen hinderlicher sein kann, als die eigenen Grenzen.

Du lebst offenbar ein schönes, außergewöhnliches Leben mit guten Freunden, dass Dir wohl dennoch keiner neidet. Aber ich freue mich, das Du Deine Leser daran teilhaben lässt, ich für meinen Teil lerne eine neue Sicht auf die Welt kennen und dafür in jedem Fall herzlichen Dank.