Sonntag, 1. August 2010

Alptraum

Ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich zuletzt in Hamburg die Straße "Hahnenkamp" zwischen dem Bahnhof Altona und dem dortigen Schnell-Restaurant überquert habe. Es muss Wochen her sein.

Freitag nacht hatte ich einen völlig widerwärtigen Alptraum. Ich weiß nicht mehr wie, aber ich lernte eine Familie kennen, die nichts zu essen, dafür aber bestimmt ein Dutzend Kleinkinder zu Hause hatte. Die waren alle völlig abgemagert. Ich hatte die Aufgabe, mich um eins dieser Kinder zu kümmern. Es war mir verboten, ihm was zu essen zu kaufen oder überhaupt Geld für ihn auszugeben, ich durfte nur seine Zeit vertreiben. Er hat sich gewünscht, am Bahnhof Altona die Fernzüge anzuschauen und war begeistert von ein- und ausfahrenden großen Loks.

Ich erinnere mich, dass ich vor Wochen einen kleinen Jungen dort gesehen hatte, der tatsächlich sehr abgemagert war, und der sich an den Loks begeisterte. Im Gegensatz zu "meinem" Jungen im Traum hatte dieser reale Junge eine Nasensonde und allem Anschein nach hatte er Leukämie. Kahl rasierter Kopf ... naja. Ich habe ihn im Vorbeifahren gesehen, damals. Und seine leuchtenden Augen beim Anblick dieser großen Lokomotiven.

Der Junge in meinem Traum freute sich also auch beim Anblick der Züge. Dann wollte er etwas essen und irgendwie machte ich ihm deutlich, dass ich ihm nichts zu essen kaufen darf. Aber er meinte, er würde da eine Stelle kennen, wo man Essen umsonst bekäme. Ich zögerte einen Moment, dann rollte ich hinter diesem Jungen her. Es war total unheimlich, kalt, nur komische Leute unterwegs, alles in komischen grauen Farben, kaputte Scheiben, schreiende Leute, irgendwo brannte es. Der Junge lief auf die Straße "Hahnenkamp", direkt zwischen Bahnhof Altona und einem Schnellrestaurant. Der Junge kniete sich mitten auf der Straße zwischen den fahrenden Linienbussen hin und begann, an irgendetwas zu lecken. Als ich ihn wegzog, sah ich, dass dort ein Schnuller in den Fugen zwischen dem Kopfsteinpflaster eingeklemmt war. Als ich den Jungen weggezogen hatte, kam ein ekliger Typ und strich diesen Schnuller mit Currysoße aus diesem Schnellrestaurant ein. Der Typ war so unheimlich und die ganze Situation so widerwärtig, dass ich laut schreien wollte.

Das war der Moment, in dem ich schweißgebadet aufwachte. Mein Puls raste, meine schweißnassen Haare klebten auf der Stirn, ich schlief nackt und ohne Decke, war am ganzen Körper schweißgebadet, hatte mich komplett nassgepinkelt und lag mit einem Arm halb draußen und nahezu diagonal im Bett. Ich zitterte am ganzen Körper und als endlich Licht brannte, realisierte ich, dass das alles nur ein Alptraum war. Cathleen kam rein, sah mich, erschrak sich ziemlich und fragte: "Was ist los!? Du hast geschrien wie am Spieß!" - "Ich hab Scheiße geträumt." Sie nahm mich in den Arm und tröstete mich. Und schlief bei mir, nachdem wir das Bett neu bezogen hatten.

Das einzige, was ich am nächsten Tag realisierte, war, dass draußen am Ende der Straße ein Altpapiercontainer gebrannt hatte. Den Brandgeruch hatte ich wohl in meinen Traum eingebaut. Das Fenster war offen, wenn auch nur hinter einem Rolladen.

Und heute kam ich dann zur Straße Hahnenkamp. Und als ich das Kopfsteinpflaster sah, musste ich mich enorm zusammenreißen, um nicht laut zu schreiben. In den Fugen klemmte ein Schnuller. Ohne Currysoße. Aber genauso wie im Traum. Ich schwöre, ich bin hier Wochen nicht gewesen. Ich rätsel nun die ganze Zeit, ob mir das jemand erzählt hat oder ob ich verdrängt habe, dass ich in den letzten Tagen dort gewesen bin und mir das aufgefallen ist. Ich bin völlig verwirrt.

Kommentare :

Mike hat gesagt…

Bissle zu viel Far Cry gespielt? Danach hatte ich auch manchmal seltsame Endzeit-Träume *lach*
Nein, mal ernsthaft
Manchmal schon merkwürdig, so ein Gedächtnis. Aber so Schnullis sind hart im Nehmen, er könnte alsoschon länger da im Asphalt stecken, und Du hast es dir im Unterbewusstsein gemerkt.

Oder es ist einfach ein Zufall... Du hast irgendwie gedankliche Versatzstücke im Traum zusammengesetzt und dass ausgerechent an der Stelle auch in Realität ein Schnuller im Asphalt steckt, ist rein Zufällig.

Andere Frage: Hast Du das Bild bewusst so gestaltet oder einfach draufgehalten? Der Bildaufbau ist nämlich richtig schick :-)

LG
Mike

Carsten hat gesagt…

Komplett nassgepinkelt und dann legt sich Cathleen dazu? Das ist ja lecker, was ihr beide da macht.

NewRaven hat gesagt…

@Carsten: Absolut ohne Worte. Ich sehe, du hast den essentiellen Punkt in diesem Beitrag voll erfasst und gut inhaltich aufgearbeiter... Glückwunsch... -.-

@Mike: Ich kenn die Straße nicht, insofern kann ich auch über den Verkehr dort nichts sagen, aber das so ein Ding da über Wochen liegen bleibt, halte ich bei aller Stabilität schon für unwahrscheinlich. Selbst wenns nicht von nem Auto zermalmt wird, sollte es nen Kehrfahrzeug der Stadtreinigung nicht entwischen. Und Zufall? Nee, also das ist eindeutig zu viel Zufall. Ich glaube auch eher die "irgendwo unbewußt aufgeschnappt und dann im Traum verarbeitet"-Variante. Allerdings stellt sich da wieder die Frage, warum irgend jemand einen über nen auf der Straße rumliegenden Schnuller informieren sollte. Ne gute Erklärung hab ich dafür aber auch nicht parat. Solche zumindest auf den ersten Blick "unerklärlichen Dinge" passieren eben ab- und zu mal...

Joachim hat gesagt…

"Zufall" halte ich für ziemlich unwahrscheinlich.
Beliebiger Gegenstand in beliebiger Straße, den es auch in Wirklichkeit gibt?

Ohne es quantifizieren zu wollen: Das ist ziemlich ausgeschlossen.

Gutes Beispiel für Occam's razor: Die Erklärung, die die wenigsten Voraussetzungen Bedarf, ist vermutlich die richtige.

Dazu kommt: Der Schnuller sieht mir fast mit der schwarzen Füllmasse verbunden aus. Wenn er sich zudem mittig in der Spur befindet, kann ich mir vorstellen dass der Monate überlebt und somit bereits mal mehr oder weniger bewußt wahrgenommen wurde. (Gibt vermutlich einen Namen für "beiläufiges Bemerken aber nicht aktiv abrufbar")

Cathleen hat gesagt…

@Carsten: Wir haben erst das Bett frisch bezogen und dann habe ich bei ihr geschlafen. Wenn man solche Alpträume hat, ist es doch besser, wenn jemand in der Nähe ist. Zumindest geht es mir so.

Aber sollte es nötig sein, würde ich im Notfall meine Freunde auch vollgekotzt in den Arm nehmen und hinterher duschen. Und nein, mich turnt das nicht an.

Mike hat gesagt…

Nachdem für einige Kommentatoren "Niveau" offenbar blos eine Handcreme ist, könnte man evtl. hier die Kommentare zumachen....

Na ja
@New Raven und Joachim
Wir sollten mit 1000 randomisierten und doppelblinden Schnullern eine Versuchsserie starten, wie lange in mit Asphalt vergossenen Fugen zwischen Kopfsteinpflaster teilweise versunkener Schnuller den allgemeinen Verkehr überlebt überlebt.... Wer schreibt den Antrag an die Deutsche Forschungsgemeinschaft :-)

Nicht ganz ernstgemeinte Grüße
Mike

Jule hat gesagt…

Nachdem ich die niveaulosen Kommentare gelöscht habe, steht der eine oder andere Satz in den übrigen, sinnvollen Kommentaren ohne Zusammenhang.

Ich bin mir sicher, dass ich dort nicht gewesen bin. Aber vielleicht liegt der Schnuller dort schon länger und ich habe es einfach nur mit einem Auge wahrgenommen. Es handelt sich um eine verkehrsberuhigte Straße, von daher könnte es wirklich sein.

@Mike: Nein, das ist ein Ausschnitt aus einem Bild, bei dem ich einfach nur mal so draufgehalten habe mit dem Handy. :)

Anonym hat gesagt…

Ich bin mir sehr sicher, dass der Schnuller da schon seit letztem Jahr ist - ich habe ihn da auch schon gesehen.

Olli hat gesagt…

Spannend wäre glatt, wenn nochmal jemand gucken geht/rollt, ob der noch da ist.
Mich halten da allerdings ca. 450km Anreise von ab.