Donnerstag, 19. August 2010

Der Knackpo und die Grenze

So ein sexueller Fetisch ist ja eine komplizierte Sache. Vor allem, wenn ich glaube, dass mein Fetisch nur deswegen ein Fetisch ist, weil meine Umwelt für meine Normalität zu verkrampft ist. Oder so ähnlich.

Ich bin keine Fetischistin. Ich gehöre zu den Verkrampften. Zu denen, die zwar sexuelle Vorlieben anderer akzeptieren können und teilweise auch interessant finden, auch keine Probleme haben, darüber zu reden, die jedoch Fetischisten nicht mögen. Fetischisten, die ihre sexuellen Präferenzen nicht unter Kontrolle haben. Hätten sie sie unter Kontrolle, wäre es ja kein Fetisch. Und die dann diesen Fetisch auch noch verleugnen. Schließlich ist man damit ja nicht normal. Oder wird man erst zum nicht normalen Menschen gemacht und hat ihn deswegen, den Fetisch? Es ist vielleicht kein Teufelskreis, aber allemal eine schwierige Frage.

Schon seit sehr langer Zeit kenne ich jemanden, der in der Jungs-Gruppe Triathlontraining macht. Er ist schon wesentlich länger dabei als ich, allerdings ist er mir anfangs nicht aufgefallen. Da hatte ich auch genug mit mir selbst und meinem eigenen Training zu tun, als dass ich mich für die Jungs-Gruppe begeistern konnte. Doch inzwischen hat sich natürlich die eine oder andere Gelegenheit geboten, mal einen Blick dorthin zu werfen. Da ist schon der eine oder andere fesche Typ dazwischen, der mich nicht so ganz kalt lässt.

Aber das will ich gar nicht erzählen. Es gibt dort einen Typen, der ist bereits fast 30, für mich also viel zu alt, wie ich finde. Der interessiert sich für mich. Oder besser: Für meinen Po. Und zwar dann, wenn er in einem knack-engen Neo eingepackt ist. Er schaut immer dorthin, sobald er die Chance bekommt und macht hin und wieder auch entsprechende Bemerkungen. Nicht übertrieben. Und respektvoll. Schmeichelhaft. Und selbstverständlich beschränkt sich unsere Kommunikation nicht nur darauf. Sondern er interessiert sich auch für mich, für meine Schule, für einfach alles. Er hört zu, er ist witzig, ich mag ihn. Und er mag mich. Und meinen Po.

Er sagt es auch ganz offen, dass er Frauen, die gerade einen Neo tragen, sexy findet. Er meint, darin kämen alle Kurven besonders gut zur Geltung. Er ist einfach ehrlich damit. Das mag ich, damit kann ich umgehen. Auch wenn man gewiss darüber streiten kann, ob ich in dem Ding sexy aussehe.

Dass ich mich extra für ihn und extra unauffällig in den Sand gelegt habe, mit nassem Neo, Po nach oben, um ihm den Kopf zu verdrehen, ist doch klar. Dass ich den extra lange anbehalten habe, nur für ihn, ist doch auch klar. Dass ich ihn gefragt habe, ob wir noch eine Abschlussrunde zusammen schwimmen wollen, nach dem gemeinsamen Neo-Training im See, fand er auch gut. Und ich fand es auch schmeichelhaft. Ich habe auch nichts dagegen, dass er meinen Hintern bestaunt. Ich hätte auch nichts dagegen, wenn er ihn anfassen würde. Nicht angrabschen, sondern anfassen. Fühlen, ob sich das mit seinen Händen genauso gut anfühlt wie es in seinen Augen aussieht. Warum nicht?! Ich will nichts von dem Typen, aber ich finde ihn sympathisch und mir gefällt einfach seine Aufmerksamkeit. Und sein offener Umgang mit seiner Vorliebe. Vermutlich ist es dewegen eben kein Fetisch, denn er eckt damit nicht an.

Wäre es jetzt so, dass derselbe Typ keinen Popo-Fetisch, sondern einen Pipi-Fetisch hätte, wäre das auch okay für mich. Ich fände den Gedanken daran zwar etwas befremdlich, denn Pipi ist in meinen Augen ein Abbauprodukt und kein Spielzeug, aber es wäre okay. Wenn es dieselbe Distanz gäbe wie bei den Schwärmereien über meinen Po in Kautschukhülle, hätte ich auch kein Problem damit, ihm mit irgendwelchen Pipi-Geschichten den Kopf zu verdrehen. Aber ich würde erwarten, dass er meine Grenzen respektiert. Was der Popo-Typ macht. Und Carsten leider nicht.

Bei meinem Blog handelt es sich um eine Art Tagebuch, das ich in erster Linie für mich selbst schreibe. Ich freue mich, wenn es anderen gefällt. Aber ich schreibe es nicht, damit es anderen gefällt. Ich werde also weiter schreiben. Und auch über Pipi, wenn mir gerade danach ist - oder gerade nicht danach war. Das einzige, was sich ändern wird, wenn sich hier nicht bald etwas ändert: Ich werde einstellen, dass ich Kommentare einzeln freischalten muss. Was ich sehr schade fände. Weil ich Kommentare liebe. Fast alle.

Kommentare :

ArminF hat gesagt…

...was natürlich auch helfen würde - ich sage es immer wieder gerne in Foren oder Kommentarbereichen:

DON'T FEED THE TROLLS

sprich: wenn der Rest der Kommentatoren, die sich bei dem Wort Pipi nicht gleich vor Freude ins Höschen machen, einfach nicht auf Carsten und-wie-sie-alle-heißen eingeht, ist schon viel geholfen. Einfach ignorieren den Spacken und wenn der Kommentar Jule zu widerlich wird fliegt er sowieso wieder raus.

...oder aber: man lenkt die Fetisch-Diskussion in andere Richtungen. Wahrscheinlich schlagen hier demnächst die Popo-Fetischisten ein. Wobei mir die echt sympathischer sind als irgendwelche Bitte-piss-mich-an-Muttersöhnchen *gg*

PS. noch ein Tag... noch ein Tag... Kerze & Streichholz stehen schon bereit :-)

NewRaven hat gesagt…

Naja, das ein Neo die Figur betont, weil er anliegt wie eine zweite Haut ist jetzt ja nicht unbedingt ein Fetisch. Wahrscheinlich finden 90% der Kerle Pos und Brüste interessant, es ist also eher ein Teil des Schönheitsideals. Solange eher also nur auf die durch den Neo in Szene gesetzte Figur steht und nicht auf den Neo selbst abfährt, ist es wohl kein Fetisch ;-)

Ich habe nichts gegen Fetische, ich habe auch nichts gegen Fetischisten, allerdings endet die Freiheit des Einen immer dort, wo die des anderen beginnt. Rücksicht ist hier schlicht das Stichwort. Ob hier einer auf Urin steht oder sich beim Sex sonstwas auf die Brust setzen lässt ist mir ehrlich gesagt scheißegal (2 EUR in die Wortspielkasse) - solange eher damit eben niemanden belästigt, der damit nichts zu tun hat. Genau dieses Problem stellt sich aber eben hier. Die "Trolle" (ich glaub nicht ganz, das das passt, denn trollen ist ja im Regelfall stören um des Störens willen... diese Typen verfolgen aber hier ein Ziel...) überschreiten schlicht die Grenze. Das ist nichts anderes als Belästigung und es ist schlicht und einfach nervend. Klar könnte man sie teilweise ignorieren, aber spätestens, wenn es in einem Beitrag dann mal wieder wirklich um Inkontinenz geht, laufen sie so oder so zu Hochform auf (ich hab mir mittlerweile angewöhnt, bei Posts, wo es offensichtlich um sowas geht schon garnicht mehr auf die Kommentare zu klicken). Das Freischalten aller Kommentare dürfte allerdings ziemlich viel Zeit verschlingen und richtige Diskussionen in den Kommentaren unmöglich machen. Wäre ebenfalls schade...

Cathleen hat gesagt…

Ich lese immer hier und kenne jeden Eintrag, auch wenn ich in letzter Zeit selten was dazu geschrieben habe. Es ist genauso wie du sagst. Wir haben ja alle die eine oder andere Macke, und das mag ich gerade in unserer Szene so, dass man akzeptiert wird, wie man ist, und nicht auf Krampf "normal" sein muss. Geht ja eh nicht. Also habe ich auch eine sehr weite Schmerzgrenze, was Leute angeht, die ein bißchen komisch ticken. Im Internat habe ich mit einer ein Zimmer teilen müssen, die eine kognitive Einschränkung hatte und am liebsten Blumen gegessen und nachts mit ihrem Kot gespielt hat. Laut brummend und schaukelnd. Da kann man jetzt was draus machen - oder eben nicht.

Unser Neo-Fetischist ist doch süß. Den mag ich auch richtig gerne und meinen Po wollte er auch schon sehen. Ich weiß, wie er auf sowas abfährt und ich glaube, der Neo hat es ihm angetan. Der hat richtig einen Spleen. Haben wir ja auch schon oft genug drüber geredet. Da der Typ sehr charmant ist, nicht dumm, und man ihn einschätzen kann, könnte ich stundenlang mit ihm rumshakern. Ich bin mir sicher, dass er nie eine Grenze überschreiten würde. Mir ist es völlig egal, ob er sich zu Hause hinsetzt und sich stundenlang Fotos von uns im Neo anguckt. Ich weiß nicht, ob er es macht, und ich will es auch nicht wissen. Ich will nur ausdrücken, dass er es nie erzählen würde, weil er eben sowas wie Respekt und Anstand hat. Trotz seines Spleens.

Ich finde auch nicht, dass ich ein Problem habe mit so einem Fetisch oder mit dem Thema Pipi. Das ist völliger Schwachsinn. Ich kann mit allen Freundinnen und Freunden offen drüber reden. Wenn sie es wollen. Ich mach es halt nicht, wenn ich weiß, dass mein Gesprächspartner gar nicht reden will, sondern nur Material sammelt...

Carsten hat gesagt…

Ich finde es erstaunlich, dass mir hier ein kompletter Eintrag gewidmet wird, nur weil ich hier regelmäßig auf das Thema eingehe, dass von Jule mit Regelmßigkeit sowieso angesprochen wird. Und dass das jetzt auf so eine Psychoschiene geschoben wird, gefällt mir auch nicht. Wenn es alles kein Problem ist, wie hier immer wieder betont wird, warum wird dann ein Problem daraus gemacht? Ich sehe natürlich ein, dass man mit Fragen nerven kann. Aber ob passend oder unpassend ... man muss ja nicht darauf antworten! Ich muss ja auch nicht hier lesen. Insofern darf ich mich auch nicht beschweren, wenn mich irgendwelche ekelhaften Details beim Frühstück überraschen.

NewRaven hat gesagt…

@Carsten: Das Problem ist nicht, das du auf das Thema eingehst, das Problem ist, das du das Thema an Stellen (und auf eine primitive, unangemessene Art) zu wirklich jeder Thematik anschneidest, selbst wenn das Thema von Jules Posting meilenweit von deinem Urin-Tick entfernt ist.

Das ist, um bei deinem Frühstück zu bleiben, wie wenn ich morgens beim Frühstück ganz gezielt einen Sender ankucke, der Comics ausstrahlt, aber an diesem Morgen unangekündigt sein Programm für eine sehr bildliche Reportage über Kläranlagen unterbricht. Und doch, da kann und würde ich mich beschweren...

Liza hat gesagt…

@carsten: Es ist einfach ein sehr großer UNterschied, ob man über Urin, Inkontinenz und ähnliches einfach redet, weil es nunmal ein weder mit Begeisterung noch mit Ekel besetztes Alltagsthema ist; oder ob man in jeder Situation irgendwie die Kurve kriegt, über Pipi zu reden.
Beim Albtraum-Eintrag war das zum Beispiel einfach eine Randerscheinung, nicht aber der Kern des Textes. Und wozu gibst du den Kommentar ab ...?

Liza hat gesagt…

Achja, noch eines:
"Fetischisten, die ihre sexuellen Präferenzen nicht unter Kontrolle haben. Hätten sie sie unter Kontrolle, wäre es ja kein Fetisch." - das stimmt so nicht. Ein Fetisch ist es dann, wenn man ohne nicht erregt sein kann; also wenn man keinen gewöhnlichen Sex mehr haben kann sondenr nur noch solchen, in dem die Präferenz angesprochen wird. Das hat nichts mit Selbstkontrolle zu tun.

Also als Beispiel: Ein Mann steht total auf blondes Haar und kann mit einer Brünetten keinen Sex haben. --> Fetisch.
Mann redet ständig über Blondinen und nervt jeden mit seiner Präferenz. --> möglicherweise auch ein Fetischist, vor allen Dingen aber arschnervig.

;)

Anonym hat gesagt…

Nach einigen Definitionen, zum Beispiel nach dem Diagnoseschlüssel ICD 10 (GM) sind unter anderem zu bewerten, ob sexuell dranghafte Bedürfnisse auftreten, die bei den Betroffenen selbst oder den von ihnen begehrten Objekten Leiden und Beeinträchtigung verursachen.

Insofern ist es aus wissenschaftlicher Sicht richtig, was du sagst, Liza. Daraus, dass der Typ hier allen auf den Wecker geht mit seinen Pinkelfragen, lässt sich noch kein Fetisch ableiten. Es lässt sich ja nichtmal feststellen, ob er es wirklich nicht unter Kontrolle hat.

Aus umgangssprachlicher Sicht weiß man aber, glaube ich, was die Socke meint. Hier hat sich einer nicht unter Kontrolle. Und man könnte fast wetten, dass das mit einem sexuellen Fetisch zu tun hat. Hätte er ihn nicht, wären die beiden vielleicht schon dicke Freunde und würden sich gegenseitig beim Pipi-Machen zuschauen. ;)

Liza hat gesagt…

Geht's da im ICD-10 um Paraphilien oder werden Fetische benannt?
Und ja - man weiß schon, was Socke meint, aber ich wollt's gern richtig stellen, weil ich (sowie auch einige meiner Freunde und Bekannte) Fetischistin /bin/ (weder Pipi noch Popo allerdings) und durchaus in der Lage bin, ein völlig normales Leben und völlig durchschnittliche, urlangweilige Freundschaften sowie erzkonservative Beziehungen zu führen. Weil "Fetisch" eben nicht heißt, dass es in meinem Alltag eine Rolle spielt. Und das halte ich eben für den problematischen Punkt: wer seinen Fetisch in aller Ruhe im Schlafzimmer auslebt und sich im Alltag vielleicht darüber unterhält, der hat und verursacht letztlich kein Problem. Wer seinen Fetisch an allen möglichen Alltagssituationen zu befriedigen versucht, der belästigt eben.