Dienstag, 17. August 2010

Offener Vollzug

Ich habe nicht schlecht gestaunt, als kürzlich bei uns im Bad ein Handtuch hing, in dem "Strafvollzug" eingestickt ist. Frank hatte damit genau das erreicht, was er erreichen wollte. Großes Interesse und ratlose Gesichter. Vor allem, als er meinte, es sei ein Erinnerungsstück.


Bevor hier aber jemand das Gerücht verbreitet, ich würde mit schweren Jungs in einer Wohnung wohnen, möchte ich erwähnen, dass man die Dinger für 12,90 € im Santa-Fu-Shop kaufen kann.

Szenenwechsel. Wenn ich in Bergedorf auf die S-Bahn warte, stelle ich mich meistens so auf den Bahnsteig, dass ich an der Zugspitze einsteigen kann. Gerade auf der Linie S 21 fahren noch die alten Wagen, die eine enorme Einstiegshöhe haben und gerade mit schwerem Rucksack schaffe ich es manchmal nicht alleine. Dann hilft freundlicherweise ein anderer Reisender, wenn ich ihn darum bitte. Oder im Notfall der Fahrer - mit einer Rampe oder einem Schubs.

Der Fahrer sitzt nunmal vorne im Zug. Wenn man also notfalls die Hilfe des Fahrers in Anspruch nehmen möchte, muss man sich schon dort positionieren, wo er mit seinem Zug hält. Alle gleich langen Züge halten an ziemlich derselben Stelle - doch nicht alle Züge sind gleich lang. Darauf muss man achten.

Meistens fahren auf der Linie S 21 Züge aus zwei Einheiten zu je drei Wagen. Das ist dann ein so genannter "Vollzug". Im Gegensatz zu einem "Kurzzug", der nur aus einer Einheit zu drei Wagen besteht, und einem "Langzug", der aus drei Einheiten zu je drei Wagen besteht. Langzüge fahren meistens auf der Linie S 3, die bei mir zu Hause vorbei fährt.

Jedenfalls muss ich ständig, wenn ich jetzt diese Schilder sehe (selten hängen alle drei an derselben Stelle, wie auf dem Bild), an dem der Fahrer anhält, an das Handtuch aus dem Straf-Vollzug denken. Ich finde, dieses Wort ist ein geniales Teekesselchen - ein Wort mit verschiedenen Bedeutungen.


Und heute hatten wir einen offenen Vollzug. Weil irgendeinem Wahnsinnigen die Warterei im Tunnel zu lange gedauert hat, öffnete er auf freier Strecke die Not-Entriegelung und kletterte aus dem Zug. Meinetwegen hätte er sich dabei ruhig ein paar Knochen brechen dürfen. Hat er aber nicht. Der Idiot hat offenbar den Tunnel durch einen Fluchtweg verlassen. Der Zug fuhr aber, weil die Polizei erstmal alles absuchen musste, um sicherzustellen, dass man keinen Hilflosen ohne Orientierung überfährt, nicht weiter. Und die Züge auf dem Nachbargleis auch nicht. Und weil das kurz vor dem Bahnhof Altona war, kam für 40 Minuten lang der komplette S-Bahn-Verkehr rund um den Bahnhof Altona zum Erliegen. Mehr als 80% der Hamburger S-Bahn-Linien waren davon betroffen. Ich war froh, als die Leute die Tür wieder zusammengebastelt hatten und wir aus dem dunklen Tunnel rausfahren konnten.

Kommentare :

Anonym hat gesagt…

Nerviges Erlebnis, echt blöde Aktion von dem Typ, aber ein wunderbares Wortspiel! Danke dafür, hast mich am frühen Morgen zum Grinsen gebracht!

BigDigger hat gesagt…

"Mehr als 80% der Hamburger S-Bahn-Linien waren davon betroffen."

Spinn doch nicht - so viele S-Bahn-Linien hat Hamburg doch gar nicht! ;-)

Mehr als 80%. Hmmm - rechnen wir mal nach... Hamburg hat sechs S-Bahn-Linien: S1, S2, S3, S11, S21, S31. Die einzige Chance, da über 80% zu kommen, sind fünf Sechstel (=83,3333333%). Die S1 und S11 fahren beide notgedrungen über Altona nach Blankenese. Wären also schon mal zwei von fünf. Die S2 endet in Altona, also drei. Die S21 fährt über Dammtor an Altona vorbei Richtung Elbgaustraße - bleibt bei drei. Die S3 kommt ebenfalls über den südlichen Verlauf über Altona Richtung Pinneberg - vier. Und die S31 endet in Altona - fünf. Passt.

Oder? Was ist, wenn vor der S21, der einzigen, die nicht über Altona fährt, sich zwischen Elbgaustraße und Diebsteich eine S3 befindet? Die S3 kommt nicht weiter, also die dahinter stehende S21 doch auch nicht. Und wenn zwischen Hauptbahnhof und Holstenstraße vor der S21 eine S11 oder S31 steht, steht dann nicht auch die S21?

Demnach müsste der Typ doch eigentlich den kompletten S-Bahn-Verkehr gestoppt haben. Obwohl: 100% sind ja auch "mehr als 80%". Okay, hast recht...

:-D

Herbert hat gesagt…

Wenn da einer den Nothahn betätigt, müsste doch ein Alarm ertönen. Wieso hält denn keiner der Reisenden denjenigen davon ab, aus dem Zug zu klettern?

Carsten hat gesagt…

Und? Hast du in der Zeit deine Hose nass gemacht? :P

Niko hat gesagt…

@Herbert: Wenn da schon jemand an diesen Hebeln rumfummelt, ohne dass es dafür einen vernünftigen Grund gibt, hat derjenige ja auf jeden Fall schonmal nicht alle Tassen im Schrank, um es mal vorsichtig auszudrücken. Rücksicht auf seine Mitmenschen und vorausgedachtes Handeln scheinen bei ihm auch nicht installiert worden zu sein, immerhin legt er halb Hamburg lahm mit dem Scheiß. So einem stelle ich mich doch nicht noch in den Weg. Wer weiß, wo es bei ihm als nächstes aushakt.

Anonym hat gesagt…

@Carsten: Soweit ich weiß, trägt Jule deshalb Windeln, damit sie in solchen Momenten in keine peinliche Situation kommt. Ich schätze sogar, dass diese Windeln im Notfall auch den kompletten Blaseninhalt aufnehmen könnten.

Anonym hat gesagt…

Es ist doch immer wieder toll, wie einige Leute hier immer wieder die Kurve zum Pissen kriegen. Vielleicht sollte sich Jule überlegen, diese Details in jedes Posting einzubauen, damit diese Nachfragen endlich aufhören, denn sie nerven.

Obwohl, ich glaube fast, von den Details wäre ich genauso genervt.

Carsten hat gesagt…

Könnte Jule sonst nicht vielleicht ein zweites Blog nur mit Windel- und Pinkelgeschichten aufmachen?!

BigDigger hat gesagt…

Carsten, kannst Du Dir nicht einfach nur 'ne Hure suchen, die Dich regelmäßig anpisst? Und ganz nebenbei: Findest Du keine Frau, die Dir dabei hilft, Deine Phantasien auszuleben? Nein? Dann frag Dich mal, warum...

Carsten hat gesagt…

@BigDigger: Ich will doch nicht von einer Hure angepisst werden! Das ist doch eklig.

Die meisten Frauen finden Pipi übrigens eklig und wollen nicht darüber reden. Anders ist es bei Jule. Die redet drüber. Zieht Windeln an. Pinkelt sich selbst im Bett voll. Und kann damit locker umgehen. Das finde ich toll. Dadurch ist sie etwas besonderes.

Ich finde, sie wird durch ihr Verhalten sehr erwachsen. Ich glaube außerdem, dass sie dieses warme Pipi in ihrer Windel oder in ihrem Bett mag oder zumindest nicht unangenehm findet. Die Folgen und so sind unangenehm, keine Frage. Aber der Moment, in dem es warm wird, dieses Gefühl, sie wird nicht verleugnen können, dass es angenehm ist. Nur leider traut sie nicht, es zu sagen und versteckt sich jedes Mal hinter ihrer Behinderung. Ein Versehen, ein Versehen. Schade, dass sie nicht zu dem stehen kann, wie es wirklich ist. Ich habe ihr so viele Brücken gebaut.

NewRaven hat gesagt…

@Carsten: "Die Folgen und so sind unangenehm, keine Frage. Aber der Moment, in dem es warm wird, dieses Gefühl, sie wird nicht verleugnen können, dass es angenehm ist. Nur leider traut sie nicht, es zu sagen und versteckt sich jedes Mal hinter ihrer Behinderung. Ein Versehen, ein Versehen. Schade, dass sie nicht zu dem stehen kann, wie es wirklich ist. Ich habe ihr so viele Brücken gebaut."

Also Fetisch ist ja ein Ding, aber du solltest - um nicht nur nach diesem, sondern auch einigen Kommentaren in der Vergangenheit zu urteilen - eindeutig mal mit einem Therapeuten sprechen... dringend...

Sofie hat gesagt…

@NewRaven: Sicher, dass ein Therapeut da noch was machen kann?^^

Carsten hat gesagt…

Wieso Therapeut? Und wieso könnte er mir nicht helfen, wenn es ein Problem gäbe? Es gibt kein Problem. Ich habe auch keinen Fetisch, bei dem es um Urin geht. Ich mag vielleicht selbstsichere und selbstbewusste junge Frauen. Und wer könnte selbstsicherer und selbstbewusster sein als ein junges Mädchen oder eine junge Frau, je nach dem, ob man mit 17 Frau oder Mädchen genannt werden will, die selbständig mit ihrer Behinderung, sogar mit ihrer Inkontinenz klar kommt und damit sogar noch offen umgehen kann. Nicht dumm, so dass sie nicht merkt, dass sie sich selbst bloßstellt, sondern schlau, so dass sie anderen damit imponiert und uns vorführt, wie verkrampft wir eigentlich mit dem Thema umgehen. Das ist es, was mich reizt, nicht ob da unten Pipi rausläuft. Und das halte ich auch nicht für therapiebedürftig.

NewRaven hat gesagt…

Sie kommt damit doch offenbar bestens klar, berichtet durchaus selbstbewusst und neutral über diese Dinge - wenn es denn eben was zu berichten gibt. Dann gibt es aber Spinner wie dich, die selbst bei einem thematisch eigentlich völlig anders gelagerten Bericht über öffentliche Verkehrsmittel unbedingt was über Urin lesen wollen müssen. Andernfalls tun sie ihren Unmut in plumpen, provokativen (und thematisch ebenso wenig passenden Kommentaren) kund. Wenn diese Leute dann behaupten, KEINEN Fetisch zu haben, ist ein Besuch beim Therapeuten wohl noch dringender nötig...

@Sofie: Eher nicht...

Niko hat gesagt…

Selbst wenn es so wäre, dass Jule am Rande jedes Beitrags oder mittendrin von ihrer Blase erzählen würde, wage ich zu bezweifeln, dass es dir ausreichen würde, Carsten. Du wirst nie genug bekommen können. Selbst bei einer ausführlichen Geschichte, ob wann und wo was pullert oder nicht würdest du noch bis ins kleinste Detail alles erfragen. Das haben wir hier alle schon erleben dürfen. Von daher stimme ich NewRaven zu: Ich sehe da einen gewissen Behandlungsbedarf.

Sexuelle Spielarten sind toll und bereichernd, solange sie niemandem auf den Wecker gehen. Diese Grenze ist hier eindeutig überschritten.

SnakeP hat gesagt…

Komische Mitreisende in Hamburg unterwegs. Na wenigstens war es net so heiß wie vor 3-4 Wochen das wäre dann bestimmt ne Qual gewesen

samba hat gesagt…

Danke für den Tipp, die Sachen aus der Strafanstalt sind super. Habe auch gleich die Cap bestellt. Das Logo mit den Strichen ist super dezent aber sehr aussagekräftig