Donnerstag, 2. September 2010

Von Moral und ein bißchen Angst

Was möchte mir jemand sagen, der sich in der S-Bahn, keine zehn Meter von mir entfernt, mit seinem Kumpel unterhält: "Was ist eigentlich Moral? Warum stößt man zum Beispiel die Rollstuhlfahrerin, die dort hinten sitzt, nicht einfach einen Abhang hinunter?" Dass er es toll findet, wenn ich Angst bekomme? Dass er ein Spinner ist? Dass er mal ein bißchen Stimmung braucht? Oder möchte er einfach andere wissen lassen, dass er stärker und mächtiger ist und ganz einfach mit ihnen spielen könnte, wenn er denn wollte?

Ich habe keine Ahnung. Vielleicht alles auf einmal, vielleicht auch gar nichts davon. Ich hatte jedenfalls eine gute halbe Stunde Herzklopfen und habe überlegt, was die wohl mit mir anstellen, wenn ich vor ihnen aussteige und die Typen hinter mir herlaufen. Ob ich sitzen bleiben sollte bis zur Endstation, falls sie vorher nicht aussteigen. Oder ob ich mir vorher schon Hilfe organisieren müsste.

Ich entschied mich dafür, am Hauptbahnhof auszusteigen, obwohl ich eigentlich noch weiter fahren müsste. Am Hauptbahnhof läuft immer Sicherheitspersonal herum, so dass ich im Zweifel gleich laut schreien könnte. Die beiden Typen, übrigens auf Mitte 40 geschätzt, stiegen auch am Hauptbahnhof aus, entfernten sich dann allerdings, so dass ich, bevor die Bahn weiterfuhr, in dieselbe noch wieder einstieg. Sehr zur Verwunderung der anderen Fahrgäte, die natürlich die Unterhaltung der beiden nicht mitbekommen hatten. Mal wieder eine total ätzende Sache!

Kommentare :

Anonym hat gesagt…

Die wollten dir wohl Angst machen und so wie es aussieht, ist es ihnen auch gelungen. Gut, dass nichts weiter passiert ist. Bleibt zu hoffen, dass sich der liebe Gott für sie ein besonderes Schmankerl ausdenkt.

SnakeP hat gesagt…

Es gibt irgendwie immer mehr komische Menschen die bekloppt genug sind ihre kranken Gedanken auszusprechen, aber sie zum Glück net verwirklichen. Trotzdem hätte ich mir auch meine Gedanken gemacht was ich als nächstes tue, wenn ich an deiner Stelle gewesen wäre.

Zum Glück ist nix passiert und das ist erstmal die Hauptsache.

Markus hat gesagt…

Ich hatte gestern abend eine, die in der S-Bahn unbedingt ihr Gras rauchen musste. Die war ja aber noch harmlos gegen diese beiden Typen. Ich hätte mir vermutlich auch so meine Gedanken gemacht und grundsätzlich ist der sichere Weg wohl immer der bessere. Soll heißen: Aufpassen, dass man niemals ganz alleine mit solchen Typen ist und versuchen, die so schnell wie möglich aus dieser Situation zu entfernen. Zentrale Orte, wie der Hauptbahnhof, an denen viele Menschen und damit auch viel Sicherheitspersonal ist, erscheinen mir dafür auch die beste Lösung zu sein. Zum Glück ist nicht noch mehr passiert.

Joachim hat gesagt…

Eine Vermutung, die ohne Kenntnis des Gesprächverlaufs etwas Sinn ergibt: Vielleicht hast du nur als Beispiel gedient? Wären die beiden internetaffin und hätten etwas Anstand gehabt (dir gegenüber), hätte die Fragestellung vielleicht "warum wirft man keine Hundebabys in Flüsse?" gelauten.

Anonym hat gesagt…

Kommt mir auch eher so vor, dass du als Beispiel in einer philosophischen Unterhaltung gedient hast. Sicher nicht nett, aber kein Grund Angst zu haben.
Kenne natürlich den Rest vom Gespräch nicht, aber von dem was du erzählst habe ich das Gefühl, dass das Ganze harmlos ist und du vielleicht bisschen überreagiert hast... was aber angesichts der Tatasache, dass man als Rollstuhlfahrer ziemlich wehrlos ist, wenn einen jemand einen Abhang hinunterstoßen will, durchaus verständlich ist.

PS: Toller Blog :D

Anonym hat gesagt…

Mit den vorliegenden Informationen tendiere ich auch zu der Vermutung: Beispiel in einer philosophischen Diskussion. Die Fragestellung in der Unterhaltung deutet ja schon darauf hin, dass den beiden ganz klar war, was man macht und was nicht. Ein: "Lass uns doch zum Beispiel mal..." wäre da eindeutig bedrohlicher gewesen. Und das, was wir miteinander machen oder eben nicht) ist ja tatsächlich nur gesellschaftliche Konvention. In einen Nachbarort zu gehen und dort Menschen zu töten, macht dich in der einen Gesellschaft zum Mörder, in der anderen zum Krieger. Ich jedenfalls bin froh und glaube auch daran, dass wir in der erstgenannten Version leben ...

Jule hat gesagt…

Die Typen und die ganze Situation war mir nicht geheuer. Auch wenn am Ende nichts passiert ist.

Olli hat gesagt…

Uaah, sowas würde ich nicht erleben wollen, auch wenn Du klig handeltest und so eine mögliche Gefahr minimiertest, muß Dir das doch eben schlicht unmögliche Zustände gemacht haben.
Denken solche Typen nicht nah oder wissen sie,w as sie tun - beides wohl vorsichtig formuliert eher suboptimal.