Mittwoch, 20. Oktober 2010

Das Monster im Rollstuhl

Wie sie hierher gekommen war, wusste ich nicht. Wie ich hierhin gekommen war, wusste ich auch nicht. Das spielte auch keine Rolle. Wir waren zur selben Zeit am selben Ort und redeten miteinander. Sie hatte ihr Fahrrad gestoppt, ein einfaches Damenrad, war vom viel zu hoch eingestellten Sattel noch vorne abgestiegen, stand vor den Pedalen mit beiden Füßen auf dem Gehweg und hielt ihre Tretmühle mit beiden Händen am Lenker fest. Geschockt sah sie aus, den Tränen nahe. Als wäre sie gerade eben nochmal mit dem Leben davon gekommen. Tja, man sollte aufpassen, wenn man mit dem Fahrrad eine Straße überquert. So etwas kann selbst an beampelten Überwegen böse enden. Vor allem der Kontakt zwischen Auto und Radfahrer bietet jede Menge gefährliches Potential. Dass sie mit dem Fahrrad gegen die Fahrtrichtung, also auf der linken Seite der Straße, unterwegs ist, fällt mir gar nicht auf. Ich bin viel zu sehr, und damit höchst angestrengt, damit beschäftigt, aufzupassen, dass ich mich nicht verplapper. Denn auch wenn sie es ahnte: Erzählen wollte ich es ihr nicht, dass ich ihr den Kamikaze-Fahrer, der sie vor inzwischen gut 10 Minuten beinahe mit dem Auto umgebügelt hatte, auf den Hals gehetzt hatte. Es war vielleicht besser, wenn ich ein Alibi hatte.

Die Frau hatte Angst vor mir. Vor mir, dem Monster im Rollstuhl. Ich beruhigte sie: "Frau H., Sie müssen doch keine Angst vor mir haben. Ich tue Ihnen doch nichts. Habe ich Ihnen jemals irgendwas getan?" Nein, hatte ich nicht. Das wusste sie. Das beruhigte sie. Aber sie war sich dennoch irgendwie sicher, dass ich für die inzwischen drei Attentate auf sie verantwortlich bin. Nur der letzte, eindeutige Beweis fehlte. Es standen Zweifel im Raum, insbesondere durch mein jeweiliges Alibi. Und aus irgendeinem Grund lebte sie immernoch. Aber ich quälte sie. Und insgeheim freute mich das. Obwohl ich das, was ich getan hatte, schon einigermaßen heftig fand.

Sie stand mit ihrem Fahrrad auf dem Gehweg vor einem Einfamilienhaus, dessen Vorgarten von einer hüfthohen Hecke umgeben war. Das Haus kannte ich. In Sichtweite verlief die Straße unter einer Eisenbahnbrücke hindurch, und einige hundert Meter weiter würde man an diejenige Kreuzung gelangen, an der ich vor rund zwei Jahren meinen Unfall hatte. Vor diesem Haus war ich sicher: Hier haben wir uns damals, während meines Prozesses, mit dem Gericht zu einem Ortstermin getroffen. Erstmal in sicherer Entfernung, so wollte es der vorsitzende Richter, der befürchtete, ich, die Geschädigte, könnte mit alledem überfordert sein. Eigentlich wollte er mich gar nicht dabei haben, aber ich bestand darauf. Aber sich in sicherer Entfernung zu treffen und dann gemeinsam zum Unfallort zu gehen, war doch ein guter Kompromiss.

Heute traf ich hier Frau H., die, mit ihrem Fahrrad unterwegs, gerade einem Attentat entkommen war. Einem von mir geplanten Attentat. Inzwischen sagte sie wieder und wieder, dass sie sich nicht sicher sei, ob ich nicht die Drahtzieherin der Anschläge auf sie sei. Und dass das alles Wahnsinn sei. Als der Tanklaster explodierte, wurden über 500 Menschen getötet, einer schwer verletzt. Die Zahl "über 500" hörte ich von ihr zum ersten Mal, bisher waren mir aus den Medien nur 23 Tote bekannt, und das waren schon viel zu viele unschuldige Opfer. Ich sagte es noch einmal: "Ich habe damit nichts zu tun." Frau H. wollte mir nicht so richtig glauben, das erkannte ich an ihrem Gesichtsausdruck. Aber irgendwie schien sie sich auch unsicher, wie sie mit mir, dem Monster im Rollstuhl, umgehen sollte.

So angestrengt ich auch darüber nachdachte, mir fiel nicht mehr ein, welches Attentat ich zuerst auf sie verübt hatte. Ich war mir aber sicher, dass dieses das dritte war. Auch war mir nicht klar, warum die Polizei mich angesichts der vielen Toten bei der Tankerexplosion noch nicht ermittelt und festgenommen hatte. Zumal ich vielleicht die einzige wäre, die ein starkes Motiv (Rache) hätte, dieser Frau etwas anzutun. Vielleicht wartet man noch auf einen eindeutigen Beweis, erklärte ich mir plausibel. Und am liebsten würde ich ja auch ungeschoren davonkommen. Dass die Eisenbahnbrücke eigentlich an einer ganz anderen Stelle liegt, fiel mir nicht auf. Aber immerhin fuhr meine Unfallgegnerin, Frau H., inzwischen mit dem Fahrrad. Ob sie das im wahren Leben auch tut oder weiterhin ohne Führerschein mit Pkws unterwegs ist ... wer weiß das schon?!

Jemand rüttelte mehrmals heftig an meiner Schulter. Dann, plötzlich, öffnete ich die Augen. Helles Licht blendete mich. Ich war total benommen, orientierungslos. Wusste nicht, in welcher Situation ich mich befand, wusste nicht, ob ich lag, stand oder flog, wusste nur, dass die Situation nicht gut für mich war und ich dringend fliehen müsste. Schnell weg hier, egal wie. "Schschscht, Jule, ganz ruhig, gaaaanz ruhig, hey, alles ist gut, Jule, ganz ruhig, ich bin bei dir. Du hast nur geträumt. Du bist zu Hause in deinem Bett, alles ist gut." Oh. Mein. Gott.

Schweißgebadet. Mein Kissen war pitschnass geschwitzt, meine Haare klebten im meinem Gesicht. Mir war heiß und ich fror gleichzeitig. "Hab ich geschrien?" fragte ich schlaftrunken Sofie, die nur mit einem T-Shirt bekleidet in ihrem Rollstuhl neben meinem Bett stand. "Wie am Spieß", antwortete sie. "Was träumst du dir denn bloß immer für einen Scheiß zusammen?" - "Ich weiß es auch nicht", antwortete ich, zu verwirrt für irgendwelche Analysen. Meine Haut am linken Arm juckte. Mein T-Shirt klebte an meiner linken Körperhälfte bis zur Schulter. Als ich mich aufrichten wollte, merkte ich, dass ich in einer großen Pfütze lag. "Bäh!", sagte ich und schob mein Kopfkissen nach oben aus der Gefahrenzone. Warf meine Decke zurück.

"Oh", staunte Sofie. "Warte, ich hol dir ein Handtuch." Es war mir egal, was sie denken würde. Die ganze Situation war schon irre genug. Und wir kennen uns nun, glaube ich, schon lange genug, als dass mir das noch peinlich sein müsste. Sie kam mit zwei Handtüchern auf dem Schoß aus dem Bad zurück. "Willst du kurz duschen und ich bezieh dir das Bett frisch?" fragte sie. Nett gemeint. Aber ich wusste, ich würde nur in dem Moment so durch den Wind sein. Bald wäre alles wieder vorbei und ich könnte ganz normal, frisch geduscht und in einem frisch bezogenen, nach Persil duftenden Bett wieder weiterschlafen.

Während meiner Psychotherapie haben wir sehr oft über meinen Unfall gesprochen. Ich erinnere mich an ihn nicht. Die Alpträume, die ich manchmal habe, werden seltener. Manchmal sind es innerhalb von vier Wochen drei, manchmal passiert zwei Monate lang gar nichts. Dass meine Unfallgegnerin in diesen Alpträumen vorkommt, ist nicht neu. Ich dokumentiere meine Alpträume (auf Wunsch meiner Psychologin), wenngleich nicht alle so ausführlich wie den heutigen, und ich zähle inzwischen den achten mit Beteiligung der Crash-Oma. Und wie meine Psychologin schon beim letzten Mal sagte, wird auch dieser nicht der letzte gewesen sein. Nicht der letzte Alptraum und nicht der letzte Traum, in dem die Crash-Oma vorkommt.

So eine Psychotherapie wird ja gerne mal belächelt, nur ich finde nach wie vor, dass sie mir hilft. Sie ist nicht das, was ich häufiger höre und vor allem von meinem Vater gehört habe: Nämlich das Suchen nach Bestätigung durch eine lebensfremde Akademikerin mit Doppelnamen. Für lebensfremd halte ich meine Psychologin, selbst nach einem Reitunfall querschnittgelähmt, nicht, und einen Doppelnamen hat sie auch nicht. Sie bestärkt mich zwar häufig in dem, was ich tue, aber das ist nicht der wesentliche Inhalt unserer Stunden. Sie ist eigentlich nur diejenige, die mich dazu anhält, meine Seele zu bürsten. Wie bei jemandem mit langen Haaren, der sie nach dem Waschen nicht durchkämmen will, weil es am Ende so ziept - dabei wissen wir alle, dass es sein muss, weil die Haare sonst verfilzen. Die Alternative eines Kurzhaarschnitts gibt es bei der Seele halt nicht. Meine Psychologin ist diejenige, die mir den Spiegel vorhält und mir zeigt, wo noch gebürstet werden muss. Ohne Spiegel gehts halt nicht.

Ja, ich wünschte, meine Unfallgegnerin wäre härter bestraft worden. Daraus mache ich kein Geheimnis. Nicht härter im Sinne einer noch höheren Freiheitsstrafe (die war ja schon verhältnismäßig hoch), sondern spürbarer. Eine Bewährungsstrafe ohne weitere Auflagen kratzt die Frau doch nicht. Sieht man ja schon daran, dass sie sich mit krimineller Energie einen Ersatzführerschein besorgt hat und später mit dem angeblich verlorenen ersten Lappen trotz Fahrverbot weiter Auto gefahren ist. Die Frage ist auch, ob sie die Sanktionen, die der Staat als Bestrafungsmöglichkeiten für solche Fälle zur Verfügung hat, überhaupt beeindrucken können. Obwohl ich denke, dass sie ein paar Monate im Knast doch vielleicht kratzen und zum Nachdenken anregen könnten. Doch egal, das Thema ist abgeschlossen.

Ich habe sehr bewusst den Ausdruck "Monster im Rollstuhl" gewählt, um mich in diesem Alptraum zu beschreiben. Und gleichzeitig auch meine Distanz zu diesem Monster auszudrücken. Möglicherweise ist das notwendig, bevor irgendein Leser aus diesem Blog-Eintrag eine Amoklage konstruiert und mir das SEK ins Haus schickt. Nein, Kinners, ich bringe keine Leute um. Ich entführe weder Tankwagen noch hetze ich andere Leute in Autos auf Menschen, die mit dem Rad unterwegs sind. Ich besorge mir auch keine Schusswaffen und ich besuche auch nicht die Frau, die mich körperlich (und sehr offensichtlich auch seelisch) sehr verletzt hat. So dramatisch und zerstörerisch und gefährlich die Inhalte dieser Alpträume auch wirken und so eindrucksvoll sie mich auch manche Nacht beschäftigen, so skurril sind sie doch am Morgen danach. Auch, dass ich mich mit dieser Frau unterhalte: Selbst wenn sie eines Tages doch noch auf die Idee käme, sich doch noch bei mir entschuldigen zu wollen, hätte ich wirklich null Bedarf, mich mit ihr zu treffen, und vielleicht noch ihr schlechtes Gewissen zu therapieren (oder, um den Traum noch einmal aufzugreifen, sie davon zu erlösen).

Nein, nochmal ganz im Ernst: Diese Alpträume und auch deren Inhalte, insbesondere irgendwelche Rachegelüste, auch sehr heftige, sind normal. Ich habe lange Zeit im Koma gelegen, habe eine schwere Verletzung davon getragen, bin aus meinen sozialen Bindungen herausgerissen worden und war ein Jahr in Kliniken eingesperrt. Musste Rollstuhlfahren lernen, mit körperlichen Einschränkungen zurecht kommen und eigentlich ein komplett neues Leben beginnen. Es wird noch Jahre dauern, bis ich das komplett verarbeitet habe. Aber: Ich habe ein komplett neues Leben begonnen, eins aus dem ich mich wider Erwarten nicht in mein bisheriges zurücksehne, eins mit dem ich sehr gut zurecht komme. Ich möchte mein Abi schaffen, ich habe meine Leute, mit denen ich befreundet bin oder die ich sogar sehr lieb habe, ich habe meinen Sport, den ich trotz körperlicher Einschränkungen ausüben kann und der mich richtig herausfordert, ich bin finanziell abgesichert, ich liebe mein WG-Zimmer, ich werde gemocht, gekrault, um Rat und Meinung gefragt - lediglich zwei Dinge könnten besser sein: Erstens würde ich gerne endlich mal mit jemandem ins Bett gehen und zweitens möchte ich gerne nächsten Monat Sommeranfang haben. Alles klar?

Ich werde jetzt noch zwei Stündchen in meinem frisch bezogenen Bettchen schlafen, bevor mich der Schulalltag wieder einfängt. Und falls nun wirklich noch jemand nicht genug beschwichtigt wurde und ernsthafte Zweifel verblieben sind, mein Traum könnte mit der Wirklichkeit verschmelzen, oder ich sei nicht in der Lage, mich ausreichend zu kontrollieren, darf er mir gerne eine Mail schreiben. Dazu einfach in der rechten Spalte neben meinem Profilfoto auf "Mein Profil vollständig anzeigen" klicken und an die auf der sich dann öffnenden Profilseite hinterlegte Mailadresse eine kurze Nachricht schicken - mit Name und Telefonnummer. Sofern es sich um eine offizielle Behördennummer handelt, garantiere ich einen Rückruf...

Kommentare :

NewRaven hat gesagt…

Die ersten paar Abschnitte hab ich mir gedacht "Na super, jetzt ist ne Sicherung durchgeknallt", aber recht bald wurde dann doch deutlich, das es hier "nur" entweder um nen Traum geht, oder Jule uns eine kurze Vorschau auf einen von ihr heimlich geschriebenen Krimi gibt (wofür der Einstieg durchaus geeignet war... also von der Schreibe her). ;)

Von Traumdeutung hab ich glücklicherweise keinen Schimmer (und mein Glaube in solche "Wissenschaften" verhält sich auch ungefähr ähnlich dem an Horoskope ;) ), allerdings weiß ich, das jeder manchmal völlig absurden Scheiß träumt (nur ich nicht... ich träume schon seit Jahren nicht mehr... oder sagen wir: ich kann mich hinterher nicht dran erinnern). Insofern machen wir uns alle dazu mal keine Gedanken. Besten-/Schlimmstenfalls könnte man einen ziemlich tiefen, unbewussten Hass da reininterpretieren, denk ich. Und wahrscheinlich ist der sogar da - was jetzt, bei all dem "Ich hab damit abgeschlossen", was aus deinem Mund kommt und wovon du sicher auch wirklich überzeugt bist, für mich jetzt dennoch nicht so verwunderlich wäre.

Hakan P. hat gesagt…

Ich lese dieses Blog nun schon sehr lange mit und ich kenne sämtliche Inhalte. Ich wundere mich ohnehin manches Mal, woher du die Kraft nimmst, das alles so scheinbar locker wegzustecken. Vermutlich muss man in dem ganzen Prozess drin sein, damit das überhaupt klappt. Ich, als jemand, der nur das Ergebnis (also dich heute) liest, kann sich davon nur immer wieder beeindrucken lassen.

Ich bin kein Psychologe und habe auch kein Fachwissen. Mir hat mal einer mein geliebtes Auto, das ich mit ganz viel Mühe getuned hatte, als ich noch jung war und keine anderen Sorgen hatte, komplett zerschossen. Kein Vergleich zu dem, was du durchgemacht hast, Jule, aber es hat mir schon gereicht, um auf denjenigen unheimlich sauer zu sein. Zumal das absolut vermeidbar gewesen wäre.

Ich war damals ein ziemlicher Hitzkopf und habe dem auch Rache geschworen. Habe gesagt, ich mach den einen Kopf kürzer ... und als der dann vom Gericht zu einer lächerlichen Geldstrafe verurteilt wurde, über die er sich auf dem Flur erstmal mit seinem Kumpel amüsierte, hätte ich ihm am liebsten ein paar in die Fresse gehauen.

Ich hätte sogar die Chance gehabt und ich wäre ihm damals vielleicht sogar körperlich überlegen gewesen. Er hätte auf jeden Fall etwas gespürt. Aber: Ich bin am Nachmittag ins Schwimmbad gefahren und bin so lange geschwommen, bis ich völlig erschöpft war. Und dann habe ich darüber gelacht und gedacht: Es muss auch Scheißkerle geben, sonst weiß ja keiner, dass du nett bist.

Wenn einer gefragt hat, wo denn mein tolles Auto hin ist, hab ich gesagt, dass es ein Scheißkerl zerlegt hat und er das auch noch witzig fand. Das war mir irgendwann Rache genug.

Ich glaube, es wäre ungewöhnlich, wenn man davon ausgeht, dass du nach dem, was dir die Oma angetan hat, keine Rachegefühle hättest. Dass du von ihnen erzählst, finde ich gut und für dich bestimmt auch hilfreich. Dass du dich davon klar distanzierst, glaube ich dir sofort.

Du vermeidest jeden Kontakt, was sicherlich auch schlau ist. Man muss sich mit solchen Leuten nicht umgeben. Aber wenn du dir vorstellst, dass du tatsächlich eine Pistole hättest und die Alte würde dir vor die Mündung laufen, vielleicht sogar ohne jeden Zeugen ... würdest du abdrücken?

frei schnauze hat gesagt…

Deinen Vergleich Seele bürsten / Haare bürsten find ich wunderbar.
Ich fürchte seit meinem Unfall hab ich mich für Seelenglatze entschieden und auch noch alle Spiegel abgeklebt... das funktioniert leider nicht und ist eher so wie schlechte Perücke, die juckt und eh jeder sieht, dass sie nicht echt ist ;).

Danke Jule, für's öffentliche Gedanken teilen.

NewRaven hat gesagt…

Jule, du hättest dir 99% des Beitrags eigentlich schenken können. Die "Zielgruppe" hat den "interessantesten Teil" des Postings eh trotz guter Tarnung im Fließtext erkannt und freut sich. Das gibt zündenden Gesprächsstoff für die nächsten paar Tage... Der eigentlich essentielle Inhalt des Posts ist, ob der selektiven Wahrnehmung, ziemlich egal. Du hättest das selbe erreicht, wenn du hier nur geschrieben hättest "Ich hatte einen Albtraum und hinterher war das Bett nass".

Ich werde hier auch künftig weiterlesen, aber nicht mehr kommentieren und auch keine anderen Kommentare mehr lesen. Das hier ist das sprichwörtliche "Perlen vor die Säue werfen"...

Jule hat gesagt…

@Hakan: Nein, würde ich nicht. Ich töte keine Menschen. Frag mich noch einmal, wenn ich mich in einer Ausnahmesituation befunden habe, in der ich, würde ich eine Waffe einsetzen, nicht mal bestraft werden würde. In solche Situation möchte ich nie kommen. Wenn ich mal in einer solchen Situation bin, weiß ich nicht, wie ich reagieren würde. Aber generell lehne ich jede gewalttätige "Lösung" von Problemen ab und würde, wäre ich ein Mann, auch den Wehrdienst verweigern. Nein, ich würde nicht schießen, ich würde mich entfernen.

@NewRaven: Ich lese deine Kommentare und viele anderen tun das auch - und ich glaube nicht, dass du mich meintest, wenn du von "Säuen" sprichst. ;) Aber ich weiß, was du meinst. Viele gute Kommentare werden halt von anonymen Besuchern geschrieben oder zumindest von welchen, die keinen Google-Account benutzen. Auf die würde ich nur ungern verzichten, und leider, gestern hatte ich einen sehr vollen Terminkalender, komme ich auch nicht immer sofort zum Löschen.

Ich werde demnächst eine Seite erstellen, auf der ich die wichtigsten Fragen einmal beantworte. Dort kann man nichts mehr kommentieren, sondern müsste Mails schreiben. Damit hoffe ich, diese Idioten hier raushalten zu können. Außerdem werden Cathleen und Sofie, mit denen habe ich eben schon gesprochen, einen Zugriff bekommen, um hier löschen zu können. Sofie hat Kommentare und Blog im Mail-Abo und sieht so etwas immer sehr schnell und kann reagieren - bisher ruft sie mich meistens an, wenn es ganz schlimm ist. Ich hoffe, du überlegst es dir nochmal.

Und an alle anderen, die was geschrieben haben und jetzt rausgelöscht worden sind: Ich kann Kommentare nicht editieren. Damit sie nicht ohne Zusammenhang stehen, musste ich mich für einen Radikalschlag entscheiden. Sorry.

marcel hat gesagt…

Einige Kommentare sind in der Tat vorsichtig ausgedrückt befremdlich. Würde nicht auch die Möglichkeit bestehen alle Kommentare zu moderieren, also freizuschalten? Klar der Nachteil wäre das diese nicht sofort sichtbar sind, aber dafür müsst ihr auch keine Kommentare mehr löschen die sich auf den Müll beziehen. Lesen müsst ihr doch sowieso alles.

PS: Habe gerade alle Einträge deines Blogs durchgelesen. Danke das du deine Gedanken teilst, habe viele Dinge erfahren die ich noch nicht wusste und jetzt ganz anders sehen kann. Merci!

NewRaven hat gesagt…

@Jule: Ich würde doch niemals ein nettes junges Mädel "Sau" nennen. Also wirklich... :-P ;) Im übrigen find ich es unfair, dass du meine Wortwahl inhaltlich so fies gegen mich verwendest. Wie kann ich da noch "nein" sagen?

Ich meinte im übrigen mit "Perlen vor die Säue werfen" nicht nur die einigermaßen inhaltlich brauchbaren Kommentare (womit ich neben den Beiträgen einiger anderer Stammleser auch meine eigenen meine - ich Egoschwein ;) ) sondern zum Teil auch die Mühe, die du dir beim Schreiben gibst, nur um dann in einer doch beachtlichen Anzahl solche "Reaktionen" in Form von Kommentaren zu ernten. Sind wir doch mal ehrlich: auf jeden "guten" Kommentar kommen seit einiger Zeit drei von irgendwelchen Fetisch-Spinnern, die Niveau wahrscheinlich für ne Creme halten. Das ist für mich nicht schön zu lesen und für dich sicher auch nicht. Ob irgend jemand meinen Kommentarsenf liest oder eben nicht, ist für mich nicht unbedingt wichtig - so weit reicht mein Geltungs- bzw. Mitteilungsdrang nicht. Und solange ich Lust (und manchmal auch die Zeit) habe, etwas zu kommentieren, würde ich es sowieso von mir zu geben. Nur leider stolpert man dabei unweigerlich halt auch über die anderen "Kommentare" und mitunter kann einem hier dann ganz schnell die Lust, selbst was zu schreiben, vergehen.

Es geht auch nichtmal unbedingt darum, das ihr "zu langsam" regieren würdet... sondern wirklich, das ich einen Blogbeitrag von dir lese, dazu was sagen möchte, dann aber über die Kommentare stolpere und ziemlich entgeistert beim Lesen nur noch denke "wie oft muss man eigentlich als Säugling vom Wickeltisch gefallen sein, um aus diesem Beitrag jetzt so eine inhaltlich so irrsinnige, kranke Kurve zu schlagen, um jetzt auf dieses Thema umzulenken?". Ich wette, du könntest hier eine Rezession über ein Buch, dessen Thema Atomphysik ist, verfassen und es gäbe garantiert mindestens einen, der trotzdem eine Überleitung findet. Und plötzlich ist in meinem Kopf nicht mehr der Text, den ich eigentlich tippen wollte, sondern nur noch "Was für Spinner"... mitunter verbunden damit, das ich mich mal mehr und mal weniger über den mangelnden Respekt aufrege ;) Und den zu posten lohnt sich ja nun nicht... wobei... vielleicht versuch ich es ja mal zukünftig... ;) :D

Anonym hat gesagt…

Es gibt Blogs (und ihre Kommentare), die leben von der Dynamik, die macht man durch Moderation kaputt. Aber hier lassen Frequenz und Inhalt deiner Postings eine Moderation durchaus zu, finde ich.

Was Träume (und Albträume) anbelangt, so werden die ja oft als "Ventil" der Seele angesehen. Ich hatte vor einiger Zeit eine depressive Phase, in der ich sehr schlecht geschlafen aber gut wie gar nicht geträumt habe. Das war nicht gut. Seitdem ich leichte Antidepressiva nehme, habe ich wieder deutlich öfter Träume (manche positiv, manche negativ) und fühle mich morgens ausgeglichener und ausgeschlafener als früher.

Sofie hat gesagt…

"Es war mir egal, was sie denken würde. [...] Und wir kennen uns nun, glaube ich, schon lange genug, als dass mir das noch peinlich sein müsste." [Jule]

Ich werde dann mal voll auf die Tanne hauen und noch so richtig Wind ins Feuer blasen. Schließlich sehe ich ja gar nicht ein, dass ich mir meine Kommentare verkneife, nur weil eine einzige verkorkste Gestalt bei der Suche ihres Horizonts ständig an ihrem Pimmel hängen bleibt.

Jule, versuche doch bitte, dir die Situation mal anders herum vorzustellen. Du kommst in unser Zimmer, ich liege im Bett, wälze mich atemlos hin und her, schreie, kämpfe, Schweißperlen auf der Stirn - Du weckst mich aus einem Alptraum auf und beruhigst mich. Du siehst dabei, dass ich ins Bett gepinkelt habe. Würdest du erwarten, dass mir das peinlich sein muss? Wäre es für unsere persönliche Beziehung besser, wenn du das jetzt nicht erfahren hättest? Verliert unsere Beziehung durch diese Situation an Nähe?

Es mag Leute geben, für die eine unerwartet auslaufende Harnblase befremdlich, widerlich, vielleicht sogar beängstigend ist. Ich weiß, dass meine Mutter jedes Mal unheimlich gelitten hat, wenn sie das früher bei mir mitbekommen hat. Ich kann es verstehen, denn für viele Menschen hat dieses unkontrollierte Entleeren etwas absolut entwürdigendes.

Diesen Würdeverlust kann und will ich mir nicht jedes Mal einreden. Ich weiß um die Symptome meiner Behinderung und muss andere Wege finden, an Würde, von der jeder Mensch ein wenig benötigt, zu gelangen. Immer wieder zu versuchen, eine behinderte Blase zu 100% beherrschen zu können, kann nur in die Hose gehen. Man muss sich Ziele setzen, die man auch erreichen kann. Und sich mit Menschen umgeben, die einen auch mit Behinderung -egal in welcher Form- würdevoll behandeln.

Es fällt sehr schwer, aber man muss bei allem Streben nach bestmöglicher Kontinenz und größtmöglicher Hygiene seiner Behinderung den von ihr benötigten Spielraum belassen. Es ist wie bei einem Kind: Das kann ich dort spielen lassen, wo ich im Griff habe, dass es sich nicht verletzt, oder ich kann ihm das Spielen verbieten - dann habe ich nicht im Griff, wo es sich verletzt, wenn es "illegal" spielt.

Eine autonome Blase braucht auch ihren Spielraum. Ich kann darauf bestehen, dass sie zu 100% lieb ist, dann ist sie dann böse, wenn ich es nicht gebrauchen kann. Oder ich gestehe ihr zu, dass sie hin und wieder mit mir spielt, bereite mich darauf vor und akzeptiere es. Dann habe ich sie jedoch, weil ich sie in dem von mir vorgegebenen Rahmen spielen lasse, trotzdem zu 100% im Griff.

Ist schon spät, ich bin schon seit 6 Uhr am Arbeiten, daher bekomme ich das nicht mehr besser ausgedrückt. Notfalls gibt es noch mal einen Nachschlag zum Verstehen. :)