Montag, 22. November 2010

Lotte und die Sexualität

Am Wochenende hatte ich Besuch von Lotte. Lotte ist Mitte 20, Rollifahrerin mit einer angeborenen Querschnittlähmung (Spina bifida), mir von gemeinsamen Trainingslagern flüchtig bekannt und kommt aus dem südlichen Niedersachsen. Sie hatte angefragt, ob es in Hamburg bei einem von uns einen Übernachtungsplatz gibt, denn sie wäre für ein berufliches Seminar in Hamburg und würde sich gerne mit uns treffen und vielleicht auch an einem Abend nochmal gemeinsam trainieren (Handbike oder Rennrolli).

Da sich eine Übernachtungsmöglichkeit in unserer WG immer findet, haben wir ihr kurzerhand gesagt, dass wir uns auf ihren Besuch freuen. Nun schnupft Cathleen immernoch vor sich hin, Simone war nicht in Hamburg und von den anderen Leuten hatte niemand Zeit, so dass ich am Freitagabend mit Lotte alleine über die Radwege der Elbdeiche gedonnert bin. Etwas kühl, reichlich dunkel, aber insgesamt sehr positiv (Sport macht glücklich!) kamen wir wieder am Parkplatz an und verluden unsere Sportgeräte ins Auto. Wir beschlossen, in einer naheliegenden Sporthalle kurz zu duschen und danach gemeinsam essen zu gehen.

Sie war sehr interessiert an mir, fragte jede Menge über mich und mein Leben mit meiner Behinderung. Irgendwann kamen meine Fragen auf ihren Beruf. "Ich habe Sozialpädagogik studiert", meinte sie. Neugierig fragte ich weiter, ob sie einen Job habe. Sie nickte. Ich wusste zunächst nicht, warum sie so zögerlich antwortete und ich wollte auch nicht in irgendeinen Fettnapf treten. Sie sagte, sie arbeite bei einem großen, bundesweit tätigen Verein als Sexualassistentin. Mir fiel fast die Gabel aus der Hand. Ich hatte mich noch nie mit dem Thema beschäftigt und in meinem Kopf kreisten erstmal die wildesten Gedanken. Prostituierte? Schmuddelkram? Gesetzeswidrig? Ausnutzen von Menschen mit kognitiven Einschränkungen? Diese junge Frau, die bis eben noch absolut seriös und normal wirkte, soll beruflich mit Behinderten ins Bett gehen?!

Lotte ist sportlich, hat trotz ihrer angeborenen Behinderung einigermaßen übliche Körperproportionen, ist schlank, hat ein hübsches Gesicht mit einer Haut, auf die ich sofort neidisch werden könnte, dunkelbraune, schulterlange, glatte Haare, braune Augen, schöne Zähne, trotz Triathlon eher zarte Hände, eine angenehme Stimme, ein herzliches Lachen; wirkt sehr intelligent und reflektiert, humorvoll; insgesamt jemand, mit dem ich, wäre ich ein Mann, sofort ein Date verabreden würde. Zumal sie sagt, sie sei Single.

"Was macht eine Sexualassistentin?" fragte ich.

"Das ist sehr verschieden, da es keine geregelte Ausbildung dafür gibt. Ich habe ein Jahr in der Schweiz ontop den Job gelernt. Wie immer, wenn so etwas nicht geregelt ist, gibt es Spreu und Weizen. Ich kann dir nur erzählen, wie es bei uns ist."

Ich nickte auffordernd. Sie fuhr fort: "Mein Angebot richtet sich an diejenigen, die wegen ihrer Behinderung keinen Zugang zur eigenen Sexualität haben oder haben können. Denen helfe ich dabei, wenn sie mich konkret damit beauftragen."

"Gehst du mit denen ins Bett?" fragte ich. Die Socke konnte sich darunter nur wenig vorstellen. Asche auf mein Haupt.

"Quatsch." erklärte sie geduldig. "Ich selbst empfange keinerlei sexuellen Reize und ich biete auch meinen Körper nicht dafür an. Ich würde niemals mit jemandem intim werden, auch Oralverkehr, Petting oder Küssen scheiden vollkommen aus. Ich ziehe mich weder aus dabei noch darf mich der- oder diejenige anfassen. Ich bin keine Prostituierte, sondern eine Sexualassistentin. Auf diese Trennung lege ich unheimlich großen Wert."

"Wie läuft denn so etwas ab? Wie kommst du an deine Kunden oder wie kommen die Kunden an dich?"

Sie war noch geduldiger: "Also, meine Klienten wenden sich an die Organisation, an den Verein, für den ich arbeite, entweder weil sie davon erfahren und selbst recherchiert haben, oder weil sie von irgendwem, zum Beispiel vom Hausarzt, vom Psychologen, vom Gesundheitsamt oder von der Telefonseelsorge dorthin vermittelt werden. Dort spricht eine Psychologin oder ein Psychologe mit demjenigen und bietet dem Klienten Gespräche an und dann, möglicherweise, je nach Vorgeschichte und konkreten Problemen, den Kontakt zu mir an. Manchmal gibt es vorgeschaltet auch noch eine ärztliche Untersuchung, wenn sein Problem möglicherweise körperliche Ursachen hat, die er abgeklärt haben möchte."

Ich nickte. "Und dann?"

"Dann kommt es zu einem ersten Kontakt mit mir. Dabei lege ich eine eigene Karteikarte für denjenigen an und versuche anhand eines Fragebogens zu verstehen, wo sein sexuelles Problem ist und wie man ihm beispielsweise helfen kann. Das bespreche ich dann mit ihm und versuche, eine Lösung zu finden."

"Was für Probleme oder Lösungen gibt es denn da?"

"Oft sind es Lösungen oder Ansätze, die für Leute wie dich oder mich völlig banal erscheinen, die für den Klienten aber unheimlich viel bedeuten. Beispielsweise sind viele Menschen mit angeborener Behinderung niemals aufgeklärt worden. Wissen nicht, wie ein Vibrator funktioniert. Und haben auch keine Motavation, es herauszufinden. Oder Ängste. Oder keine Möglichkeiten. Haben von der erzkonservativen Mutter, die nicht wollte, dass ihr kognitiv eingeschränkter Sohn draußen am Laternenmast rammelt, immer wieder nachdrücklich erfahren, dass Masturbation verboten ist. Wenn man denen dann erzählt und mit Infobroschüren mit Bildern und einfacher Sprache erklärt, dass sie sich doch da unten anfassen dürfen und wie sie ihre Ejakulation neutralisieren können, ist für die viele schon die halbe Welt wieder in Ordnung."

"Wahnsinn." staune ich.

"Es gibt auch viele körperlich eingeschränkte Menschen, die ihren defekten Körper nicht mögen und ihre sexuellen Bedürfnisse im Kopf verdrängen. Und körperlich wirklich leiden. Vor allem Frauen. Und es gibt viele Menschen, die körperlich nicht in der Lage sind zu masturbieren und auch so wenig einfallsreich sind, dass sie kein geeignetes Hilfsmittel finden. Und es gibt eben diejenigen, die es auch mit Hilfsmitteln nicht können. Körperlich nicht können. Das ist dann in der Tat diejenige Gruppe, die von mir per Hand befriedigt wird, möglicherweise auch immer wieder, über Monate und Jahre. Allen anderen helfe ich einige Male, damit sie sich am Ende selbst helfen können. Mit Gesprächen, Anleitungen, Aufklärung, Tipps und Tricks, Hilfsmitteln - es kann auch sein, dass ich Menschen, die wegen einer Krankheit oder Behinderund die Wohnung nicht verlassen können, etwas aus dem Sexshop besorge oder bestellen lasse, wenn derjenige auch keine Kreditkarte oder kein Internet hat. Wir haben einen Shop bei uns in der Nähe und da bin ich schon Stammkundin."

"Das heißt, sexuelle Handlungen sind eher die Ausnahme?" frage ich.

"Absolut. Die sind wirklich auf die Personen beschränkt, die dauerhaft körperlich nicht in der Lage sind, sich das selbst zu machen. Auch nicht mit Hilfsmitteln. Die auch keinen Partner und keine Partnerin finden. Und die meistens darunter enorm leiden."

"Bezahlen dich deine Klienten direkt?" möchte ich wissen.

"Nein. Ich bekomme von keinem direkt Geld und ich darf auch nichts annehmen. Nicht mal ein Stück Schokolade. Derjenige zahlt an meine Organisation zwischen 7,50 € und 50 € pro Hausbesuch, je nach seinem Verdienst und seinen Möglichkeiten, und bekommt mich dafür eine Stunde lang. Allerdings werde ich niemals direkt gebucht, sondern immer über einen Psychologen oder eine Psychologin unserer Einrichtung. Direkte Buchungen sind verboten. Es darf kein Abhängigkeitsverhältnis entstehen und es muss eindeutig dokumentiert sein, was derjenige möchte, am besten in einem schriftlichen Vertrag. Das, was ich mache, bewegt sich rechtlich auf einem ganz schmalen Grat. Dadurch, dass es als Therapie von unserer Organisation übernommen wird, muss es sich klar abgrenzen von der Prostitution."

"Therapie - das hört sich ja so an, als wäre Sexualität eine Krankheit", zweifle ich.

"Nicht die Sexualität ist die Krankheit, sondern das Leiden unter der fehlenden Sexualität."

"Wird das von den Krankenkassen übernommen?" frage ich.

"Nein, wir finanzieren uns nur über private Spenden, Fördergelder, Eigenanteile und Mitgliedsbeiträge von Förderern - wobei niemand Mitglied sein darf, wenn er diese Leistungen in Anspruch nehmen will."

"Hast du schonmal jemanden abgelehnt?" möchte ich wissen.

"Ja, das kommt vor. Es kommt ja niemals beim ersten Treffen zu einem sexuellen Kontakt. Sondern derjenige bekommt mich vom Psychologen vermittelt und bestellt mich beim Psychologen ein zweites Mal. Wenn Aufklärung und Tipps und Tricks nicht reichen, oder die Schulung, wie man Hilfsmittel anwendet, gibt es irgendwann mal eine sinnliche Massage. Und die Aufforderung, bei sich im Intimbereich weiter zu machen. Und wenn das dann auch nicht klappt trotz aller Motivation oder anhand der körperlichen Einschränkungen deutlich wird, dass das nix werden kann, auch nicht mit Hilfsmitteln, bestellt man mich ein drittes Mal und dann kommt es frühestens dazu, dass ich auch im Intimbereich aktiv werde bei demjenigen oder derjenigen."

Eine ältere Frau vom Nachbartisch schaute, obwohl wir uns leise unterhielten, herüber und schüttelte den Kopf. Lotte fuhr fort: "Ablehnen muss ich regelmäßig diejenigen, die privates und geschäftliches nicht trennen. Die mich berühren wollen, die sich in mich verlieben, die mich als Prostituierte verstehen - oder die hygienische Bedenken zulassen. Weil sie sich nicht richtig waschen oder ähnliches. Die kriegen dann die Auflage, beim nächsten Mal sauber zu sein und notfalls dafür zu sorgen, dass sie jemand wäscht oder badet, und wenn das nicht fruchtet, lehne ich das ab. Es gibt hin und wieder auch Leute, die sind mir nicht geheuer, die lehne ich dann auch ab. Es kommt aber unter dem Strich nicht sehr häufig vor. Über 5%, aber weit unter 10%."

"Ist das nicht auch gefährlich?"

Lotte schüttelte den Kopf. "Dadurch, dass die erst beim Psychologen sind, weiß man ja vorher, wie die so drauf sind. Ich habe noch nicht einen Fall gehabt, wo ich Angst hatte, in etwas reingeraten zu sein, was ich nicht mehr kontrollieren kann."

"Und kann man das wirklich immer trennen? Also gibt es nicht auch mal Leute dazwischen, wo du dir mehr vorstellen könntest?"

"Nein", kam als prompte Antwort, "definitiv nicht. Ich gehe nicht mit diesem Gedanken daran. Es gibt in der Tat Menschen, bei denen fällt es mir leichter als bei anderen. Aber ich selbst empfinde dabei nichts. Es hat auch, anders als ich anfangs vermutet hatte, keine Auswirkungen auf meine eigene Sexualität. Ich kann das wirklich sehr sauber trennen und muss (und will) auch nicht an irgendwelche Klienten denken, wenn ich selbst im Bett liege und mich befriedige."

"Wie bist du zu diesem Job gekommen und was verdient man dabei?"

"Ich habe in meinem Studium die Möglichkeit gehabt, in ein solches Projekt reinzuschauen. Nahezu unfreiwillig. Das war halt ausgeschrieben und eins von den wenigen, die noch übrig waren. Ich hatte erst total eklige und befremdliche Vorstellungen davon, aber dann habe ich mir überlegt: Wir haben in Deutschland inzwischen so klare Gesetze zum Schutz von Menschen mit Behinderung vor sexuellen Übergriffen, da wird niemand gewerbsmäßig irgendwas veranstalten, was nicht vertretbar ist. Also überwindest du jetzt mal deine Vorurteile und schaust dir das an. Und dann habe ich das getan und es hat Klick gemacht. Später, als ich meinen Abschluss hatte, bin ich an meinen heutigen Arbeitgeber rangetreten und habe mich mit diesem Projekt beworben - und damit quasi dort meine eigene Stelle geschaffen. Ich bekomme etwas über 3.100 € brutto im Monat plus meine Fahrtkosten zu den Klienten."

"Das ist doch recht ordentlich, wie ich finde. Kommst du denn da überhaupt überall rein?" frage ich.

"Die meisten Leute haben ja selbst eine Behinderung und wohnen in einem barrierefreien Haus oder einer Einrichtung. Manche kommen auch zu uns in die Therapieeinrichtung, dort gibt es einen Raum mit einer Liege wie bei der Krankengymnastik, nicht der Burner, aber inzwischen recht wohnlich gestaltet, das klappt schon alles."

"Gibt es etwas, wofür oder wogegen du kämpfst?"

"Es gibt Menschen mit kognitiven Einschränkungen, deren Sexualtrieb immernoch mit Medikamenten unterdrückt wird, weil die erzkonservative Familie glaubt, damit allen Problemen bequem aus dem Weg gehen zu können. Dabei ist das seit den 1980er-Jahren verboten. Aber es finden sich immernoch Ärzte, die Mittel wie Androcur für Menschen mit kognitiven Einschränkungen zur Unterdrückung des Sexualtriebs verordnen. Offiziell gibt es dann andere Gründe dafür oder es wird offiziell jemand anderem verordnet und mein Klient bekommt es dann ins Essen gemischt und alle wundern sich, warum ihm Titten wachsen."

"Das gibt es doch nicht. Was macht man dagegen?"

"Offiziell melden und hoffen, dass es aufhört."

Überwältigt von diesen vielen für mich völlig neuen Informationen und Eindrücken stellte ich meine letzte Frage: "An welchen Psychologen muss ich mich wenden, wenn ich von dir einen Hausbesuch haben möchte?" - Lotte schaute mich mit großen Augen an. Dann fügte ich hinzu: "War nur ein unprofessioneller Scherz. Ich finde das unheimlich spannend. Ich glaube nicht, dass so ein Job was für mich wäre, zumal ich mit meiner eigenen Sexualität noch genug eigene Probleme habe. Aber ich kann mir sehr gut vorstellen, dass das etwas gutes und sinnvolles ist. Nachdem ich im ersten Moment doch etwas skeptisch war."

Kommentare :

Anonym hat gesagt…

Na ob man sowas wirklich braucht, lasse ich mal dahin gestellt.

Mike hat gesagt…

@ Anonym
Gebraucht wird, wofür Bedarf besteht. (Und dieser Bedarf nicht gegen geltendes Recht verstösst)

Das Problem, dass Behinderte (egal ob geistig oder körperlich) immer noch als asexuelle Wesen gesehen werden, existiert offensichtlich immer noch.

@ Jule
Wieder was gelernt! Sehr intressant!

Andreas hat gesagt…

Ich finde dieses Blog ja toll, nur diese Beiträge, an denen sich die perversen Leute aufgeilen, passen absolut nicht ins Bild. Ich möchte einfach nicht wissen, was in fremden Schlafzimmern passiert. Mich würde mal (sachlich) interessieren, wie viele Mitglieder dieser dubiose Verein hat, ob er als gemeinnützig anerkannt ist (wir ihn also mit unseren Steuern indirekt unterstützen) und ob es sich dabei nicht um eine körperliche Behandlung handelt, für die man eine behördliche Zulassung benötigt.

100Megapixel hat gesagt…

@ Andreas: Legal oder Illegal spielt doch keine Rolle. Es gibt einen Bedarf, dieser wird bedient, richtig so! Nur weil ein Mensch Körperlich oder Geistig behindert ist, hat er trotzdem ein Recht, genau wie du als gesundes Wesen auf Sexuelle Reize und Befriedigung!

Ich verfolge diesen Blog seit Beginn, habe bis jetzt sehr viel gelernt, finde es ausgesprochen bemerkenswert wie Jule an die Sache herangegangen ist und ihre Situation bis heute meistert. Hinzu kommt die ehrliche, natürliche und nüchterne Erzählensweise. Würde sie es nicht genau so bloggen, wüssten einige Leute weniger das es derartige Vereine gibt. So kann sie, was sie nun einmal mehr bewiesen hat, anderen helfen einen Schritt weiter zu gehen um sich zu informieren oder Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Sally hat gesagt…

Vielen Dank für diesen sehr informativen Beitrag, liebe Jule. :)

Mir war auch noch nicht klar, dass es soetwas gibt. Ich finde,dass es aber, solange es in eimen vernünftigen Rahmen stattfindet, ein gutes Angebot ist. :)

Es grüßt

der Spasti

Sofie hat gesagt…

@Andreas: Wenn du Beiträge, in denen es um die Sexualität von behinderten Menschen geht, nicht lesen möchtest, dann lass es doch einfach sein. Es stand deutlich in der Überschrift, dass so etwas kommen würde.

Was den "dubiosen Verein" angeht, so handelt es sich nicht um irgendeine fragwürdige Organisation, der extra zu diesem Zweck von ein paar zweifelhaften Gestalten gegründet wurde, sondern um eine bundesweit agierende absolut seriöse Einrichtung, konfessionell und parteipolitisch neutral, die seit über 50 Jahren in Deutschland besteht, weltweit vernetzt ist und sich auf verschiedene Weise einen Namen gemacht hat. Alleine in Deutschland sind meines Wissens über 5.000 Menschen in über 150 Standorten beschäftigt.

Natürlich nicht mit Sexualassistenz, das scheint wohl ein Pilotversuch o.ä. zu sein. Ich persönlich finde ihn gut, denn ich weiß, wie schwierig es sein kann, Behinderung und Sexualität unter einen Hut zu bekommen. Nicht nur aus beruflichen Gründen...

Anonym hat gesagt…

Ist das nicht Missbrauch Widerstandsunfähiger? oO

NewRaven hat gesagt…

@Anonym: Nicht, wenn die das quasi "beauftragt" haben...

@Andreas: Nun, ich denke, du solltest dann solche Beiträge schlicht meiden. Wenn es bei einer jungen erwachsenen - mit gerade mal 18 Jahren - im Leben kein wichtiges Thema wäre, würde ich mir auch echte Gedanken über Jule machen. Das es unter den Kommentatoren hier halt auch einige "besondere Fälle" gibt, insbesondere bei allem, was mit Inkontinenz getaggt ist (und nichtmal inhaltlich was mit Sex zu tun haben muss) ist leider eine unschöne Begleiterscheinung, aber nicht zu ändern, wenn man nicht gewisse Themengebiete komplett ausklammern will. Und da es mir persönlich besser gefällt, wenn Jule "einfach von der Leber weg" schreibt, was ihr gerade wichtig ist, wäre das nun garnicht in meinem Interesse - auch wenn ich mich über die "perversen Leute" auch schon ausreichend aufgeregt habe.

Anonym hat gesagt…

Ich denke schon, dass es ein Missbrauch Widerstandsunfähiger ist, denn Behinderte, die sich nicht selbst befriedigen können, weil sie körperlich so eingeschränkt sind, dass sie nicht mal die Kraft haben, mit Hilfsmitteln etwas zu erreichen (Text aufmerksam lesen!), können auch keinen Widerstand leisten gegen diese sexuelle Handlung, wenn das denn mal nötig wäre.

Ich weiß nicht, Jule, warum sich deine Freundin auf so eine gefährliche Sache einlässt, denn nur weil sie Rollstuhlfahrerin ist, ist sie nicht automatisch auch haft-unfähig oder strafunmündig! Das ist ja auch ein weit verbreiteter Irrtum. Auch Behinderte müssen für ihre Taten büßen, wenn sie wussten, dass das nicht rechtens ist.

Anonym hat gesagt…

Lieber anonymer Vorredner,

ich halte die im vorangegangenen Post konstruierte Situation doch für mehr als unwahrscheinlich. Da überwindet sich jemand, aus sexuellem Leidensdruck professionelle Hilfe anzunehmen, durchläuft ein Gespräch mit einem Psychologen, bekommt dann Besuch von einem/r Sexualassistenten/in, spricht mit diesem/dieser, wird wiederum besucht, es wird sich langsam und behutsam dem Thema genähert um herauszufinden, was geht und was nicht und am Ende soll dann diese Assistenz - obwohl sie sicher auf jedes Zeichen des Missfallens achten würde - sich darüber hinwegsetzen und den Klienten, der ja immerhin den ganzen Vorgang angestossen hat, gegen seinen Willen "vernaschen"? Und das ohne Sorge, das gerade bei einem solchen Thema eine einzige Beschwerde oder auch nur die Vermutung einer solchen Tat, mehr als nur hohe Wellen schlagen würde?

Nein, Menschen, die in einem solchen Job arbeiten sind mit Sicherheit empathisch und vernünftig genug, lieber einen Schritt zurück zu gehen, als denjenigen, der ihre Unterstützung braucht, gegen seinen Willen zu schädigen. Es gibt - ob man es glaubt oder nicht - tatsächlich Menschen, die nicht nur an ihren eigenen Vorteil denken, sondern für die es Sinn macht, das Leben anderer Menschen zu bereichern und zu verbessern. Auch wenn es mit unkonventionellen aber sehr sinnvollen Mitteln ist.

BTW: Die ganze Geschichte bezeichnet sich nicht umsonst als Sexualassistenz und nicht als Sexassistenz, weil es dabei ganz klar nicht um Sex, sondern um die Herstellung eines gewissen Gleichgewichts in der eigenen Sexualität geht. Das sind eben zwei ganz unterschiedliche Schuhe.

Was mich aber abseits davon sehr fasziniert hat, ist die tatsache, das in diesem Fall jemand diese Arbeit macht, der selbst betroffen ist. Ich glaube das dies die Hemmschwelle extrem herabsetzt. Immerhin tritt einem da jemand gegenüber, dem man ein Stück weit mehr abnimmt, dass er/sie die eigene Situation verstehen kann. Ein sehr lobenswerter, ungewöhnlicher und mutiger Schritt, über den mehr berichtet werden sollte. Vielleicht trüge das auch daz bei, dass besonders bei den Nichbehinderten die Ablehnung oder Skepsis derartigen Arbeiten gegenüber minimiert würde.

sagt sich bedankend ein heute sehr nachdenklicher

Steffen

NewRaven hat gesagt…

@Anonym unter mir ;)

Doch, sie können sagen, was sie wollen und was nicht. Nur so funktioniert das... ein Piercer darf dir auch ein Loch in den Körper stechen, obwohl es andernfalls eindeutige Körperverletzung wäre, wenn du es erlaubt. bzw. in Auftrag gegeben hast. Ein Missbrauch ist hier schlicht in keinster weise gegeben. Ob sie körperlich letztlich dagegen in der Lage sind, sich auch gegen einen unerwünschten sexuellen Übergriff zu wehren, spielt da rechtlich gar keine Rolle, denn dem Gesetz reicht es bereits völlig, wenn sie einfach sagen, das sie das nicht möchten. Nur weil eine Frau ihren möglichen Vergewaltiger nicht mindestens krankenhausreif prügelt, wäre eine Vergewaltigung dennoch nicht weniger eine Vergewaltigung.

A. hat gesagt…

@ Andreas:
Wenn du an einem Beitrag wie diesem Anstoß nimmst, wäre es möglicherweise klug, ihn nicht zu lesen. Die Option hat man ja immer.

Ich sehe in dem Text jetzt auch gar keine großartige Wichsvorlage für irgnedwelche Perverslinge, ich finde ihn recht informativ; es geht ja ume in Thema, das zumindest den meisten wenig präsent ist.

Über Sex zu schreiben oder zu sprechen kann auch unerotisch sein. Muss es manchmal sogar, zum Beispiel im Beruf.

@Anonym:
Missbrauch Schutzbefohlener ist es dann, wenn etwas geschieht, was nicht gewollt ist.
Wer will, kann ein Sexualleben haben. Oder darf jedenfalls. Auch wenn der oder diejenige kognitiv eingeschränkt ist.

Olli hat gesagt…

Was es nicht alles gibt!
Und gut, dass es das gibt!
Bereichernd, davon hier (auch und gerade als nicht betroffener/nicht zur Zielgruppe gehörender) zu erfahren.
Danke :-)