Montag, 8. November 2010

Vergessene Rollis

Wunderbar in die Reihe der Begegnungen der dritten Art fügt sich auch noch ein Ehepaar ein, das wir gestern in einer Therme, demselben Schwimmbad, in dem ich am letzten Wochenende doch nur Mitleid erhalten habe, kennenlernen durften. Ich möchte natürlich nicht, dass mein Blog zu einem Mecker-Blog wird oder meine Leser über Kurz oder Lang den Eindruck bekommen, ich würde nur noch von Idioten erzählen oder mein Leben nur noch als Dasein zwischen merkwürdigen Leuten verstehen. Ich möchte nicht unerwähnt lassen, dass wir jede Menge Spaß dabei hatten, unseren verhinderten Saunabesuch nachzuholen.

Jana, Cathleen, Simone, Sofie, Frank und ich sowie Laura, eine laufende Freundin von Jana, hatten einen tollen Tag, kräftig geschwitzt und vor allem uns trotz aller Anstrengungen, die so ein paar Saunagänge mitbringen, gut erholt. Es war erstaunlich leer dort, böse Zungen könnten behaupten, es lag an uns, und so hatten wir verschiedene Saunen, ein kaltes Schwimmbecken, Ruheräume und Bar einige Male komplett für uns alleine.

Den Vogel abgeschossen hat allerdings, und das muss ich einfach aufschreiben, weil es nicht nur mal wieder zeigt, dass die schräg denkenden Menschen eben nicht in einer zu vernachlässigenden Minderheit sind, sondern auch, weil die Situation so urkomisch war, dass ich sie im Nachhinein eigentlich nicht vergessen möchte, ein Ehepaar, beide schätzungsweise Mitte bis Ende 60, das uns zunächst in einem warmen Pool des textilen Bereichs herumdümpeln sah.

Man muss dazu erwähnen, dass wir selbstverständlich nicht mit Rollstühlen ins Wasser gehen und auch unsere Alltagsrollstühle in der Schwimmhalle verwenden. Über das Sitzkissen kommt ein wasserdichter Bezug. Die alternativ bereitgestellten Duschrollstühle sind in aller Regel nicht zum Selbstfahren geeignet. In das Schwimmbecken gelangt man, indem man sich von der Sitzfläche nach vorne vor den Stuhl auf den Fußboden (oder besser auf die Kante des Schwimmbeckens) setzt und sich hineingleiten lässt. Idealerweise machen das alle Rollifahrer nacheinander, während der nächste jeweils den frei gewordenen Rollstuhl zur Seite stellt, damit nicht alles vollgeräumt ist. Allenfalls der letzte Rolli steht dann noch im Weg, nur hatten wir ja noch eine Fußgängerin mit, die dann auch diesen noch zur Seite schieben konnte. Insofern parkten sechs Rollstühle brav unter den Palmen neben einer Wand und warteten auf ihren Wiedereinsatz.

Der erwähnte Typ sprach mich auf eine Entfernung von rund drei Metern laut an, ob ich wüsste, wer denn die ganzen Rollstühle dort an den Rand gestellt hätte. Offensichtlich war dieses Ehepaar erst seit wenigen Minuten überhaupt in der Anlage. Nun kann man sich fragen, was er mit der Frage bezweckt, denn eigentlich kann ihm das ja egal sein; man kann sich fragen, ob er sich nicht denken kann, dass die Stühle zu den Personen gehören, die da gerade schwimmen; man könnte aber auch meinen, er wollte wissen, welche von den sieben Personen laufen kann, denn es stehen ja nur sechs Rollis da und im Wasser schwimmen sieben Leute. Da ich aber nicht wusste, wer welchen Stuhl an die Seite gestellt hatte, schüttelte ich -wahrheitsgemäß- mit einem dümmlichen Lächeln auf den Lippen den Kopf. Und damit nahm das Schauspiel seinen Lauf. Er sagte: "Hm. Das ischa gediegen. Die müssen doch zu irgendwem gehören! Nicht, dass die hier jemand vergessen hat!"

Ich tickte Sofie an, die sich gerade mit Jana unterhielt. Sie schaute mich an. "Sag mal, Sofie, weißt du, wem diese ganzen Rollstühle gehören?" - Sie sah den Typen, der mit fragender Miene inzwischen direkt neben mir stand, und fragte: "Was denn für Rollstühle?" - Der Typ erwiderte: "Na die da am Rand. Die muss ja irgendjemand vergessen haben!" - Sofie blickte nach links und nach rechts, als suchte sie irgendwas, dann antwortete sie: "Nö. Keine Ahnung. Stehen die denn im Weg?" - Der Typ antwortete hektisch: "Nein nein, nur vielleicht muss man mal jemandem Bescheid sagen, der die da wegschiebt! Ich kann mir nicht vorstellen, dass das so erlaubt ist."

Achso. Erlaubt. Sofie sprach Frank an, der sich eigentlich auch gerade unterhielt. "Frank, weißt du vielleicht, wer die ganzen Rollstühle hier vergessen hat? Der Herr macht sich Sorgen, ob das so erlaubt ist." - Frank zeigte, ohne eine Miene zu verziehen, auf die Rollstühle und fragte dumm: "Die dahinten?" - Sofie und der Typ nickten im Takt. Frank fuhr fort, ohne mit der Wimper zu zucken: "Ja, das kann ich dir sagen. Die sind von diesen Behinderten, die sie vorhin hier rausgeworfen haben wegen dem Sonntags-Schwimmverbot."

Der Typ war naiv und dumm und ... und machte nur große Augen. "Sonntags-Schwimmverbot?" - Frank antwortete: "Ja! Die Behinderten dürfen doch seit einiger Zeit sonntags nicht mehr Schwimmen gehen. Da ist doch neulich so eine neue Verordnung rausgekommen, weil das ja auch meistens sonntags so voll ist und irgendwann will man ja auch einfach mal seine Ruhe haben und nicht ständig überall Rücksicht nehmen müssen. Gerade so in Thermen und Saunen und so. Das reicht ja, wenn man das unter der Woche überall hat." Dann lehnte er sich nach vorne und sagte leise hinter vorgehaltener Hand: "Einer von denen hatte sich sogar eine Frikadelle mit reingebracht und wollte sie hier im Becken essen." Dann lehnte er sich wieder zurück und schüttelte leicht empört mit dem Kopf.

Der Typ starrte ihn mit offenem Mund an, dann schluckte er. Der glaubte Frank jedes Wort. Jana fuhr fort: "Das hab ich auch gelesen. Ich glaube nur, dass das auch dadran liegt, dass sie immer zum Wochenende neues Badewasser einlassen und die wollen nicht gleich am ersten Tag, dass alles wieder dreckig wird." Der Typ nickte noch aufgeregter. Frank fuhr fort: "Ja, viele Behinderte waschen sich ja auch nicht. Können sie oft ja auch gar nicht richtig. Aber wenn denn solche Leute sich in so ein Becken setzen..." Frank schüttelte sich einmal. "Mag man gar nicht drüber nachdenken." Der Typ lehnte sich zurück und sagte: "Ja ja, es ist nicht alles gut, was die modernen Tage so mit sich bringen." Seine Frau fügte hinzu: "Früher wären die auch überhaupt nicht reingekommen mit ihren ganzen Rollwagen."

Cathleen, noch nicht mal volljährig, fügte nachdenklich hinzu: "Das waren noch Zeiten." Niemand verzog eine Miene. Einen Moment später ging der Typ aus dem Wasser, fasste an Janas Rolli an die Rückenlehne, rüttelte dran und meinte: "Steht auch kein Name dran oder so. Ich werde dem Bademeister mal Bescheid sagen." Er und seine Frau verschwanden. Zwei Minuten später kam tatsächlich ein Bademeister zu uns und fragte, ob wir einen Rolli zu viel hätten. Ein Typ sei zu ihm gekommen und habe etwas von einem herrenlosen Rollstuhl gefaselt. Frank schüttelte den Kopf und meinte, es sei alles in Ordnung. Damit endet der erste Akt.

Der zweite Akt des Schauspiels begann, als wir das Ehepaar im textilfreien Bereich wiedertrafen. Und zwar nach einem Saunagang in einem nicht allzu warmen Außenschwimmbecken. Der Typ schwamm auf Frank zu und sagte: "Sie haben uns aber schön verkohlt. Aber das geschieht uns ganz recht, wir hätten ja selbst mal darauf kommen können, dass die Rollstühle zu ihnen gehören." - Frank erwiderte diplomatisch: "Das wäre zumindest recht naheliegend gewesen." - Der Typ konnte es aber nicht sein lassen mit seiner dummen Fragerei und wollte wissen: "Sie sehen aber alle gar nicht so behindert aus! Keinem fehlt ein Bein oder gar zwei."

"Oder drei", fügte Sofie hinzu und Frank grinste, genau wissend, worauf sie anspielte. Inzwischen war ich aber kurz davor, den Typen einmal durchschütteln zu wollen. Ob eher dünne Beine wegen fehlender Muskeln, großer Rückennarbe oder beidem zusammen - irgendwie kann man doch ... ach vergiss es! Es ist so hohl! Der Typ sagte: "Nein, aber mal im Ernst: Haben Sie so Prothesen?"

Würde man dann im Rolli fahren? Würde man mit denen Schwimmen gehen? Argh!!! Wenn Leute bloß nicht immer so viel Stuss labern würden. Nicht auskennen ist ja eine Sache, aber dann noch mitreden wollen und sich dabei so überhaupt nichts vorstellen können - das nervt! Frank deutete auf Sofie und sagte: "Sie hat ihre neulich verloren beim Schwimmen. Dann trieben plötzlich zwei Beine im Wasser rum. Das gab ein Geschrei, sage ich ihnen." Der Typ glaubte ihm schon wieder. Zumindest für zwei Sekunden, dann runzelte er die Stirn.

Ich nutzte diese Denkpause für das Finale: "Sag mal Frank, weißt du eigentlich, ob das Wasser gechlort ist?" - Er antwortete ernst: "Ich glaube schon, wieso?" - "Ich hab grad aus Versehen ins Wasser gestrullert und nun hab ich Angst, dass alle anderen sich anstecken und demnächst auch im Rollstuhl sitzen müssen." Ich zog eine ängstliche Miene und biss mir auf die Unterlippe. Cathleen und Simone verschluckten sich schon vor Lachen. Der Typ ging kopfschüttelnd davon. Vermutlich wird er ab sofort nicht mehr an die guten Geister dieser Erde glauben und beim nächsten Hexenschuss an mich zurückdenken.

Danach war eine Bombenstimmung. Wehe, jetzt spielt hier einer den Moralapostel. Dann erzähl ich nie wieder was. ;)

Kommentare :

Sofie hat gesagt…

Am besten war, dass er sich für keinen Moment Gedanken gemacht hat, wie die angeblich rausgeworfenen Behinderten ohne ihre Rollis das Gebäude verlassen haben könnten. Bei einem mag das ja noch klappen, aber alle?

Ich wusste, dass es naive Menschen gibt, aber dass es so schlimm auch noch werden kann, war mir neu.

Ruthy hat gesagt…

Wieso Moralapostel???
Ich sitz hier lachend vorm Bildschirm. So schlagfertig würde ich gerne sein :-)
Und doch: Naivlinge gibt es seeeehr viele...

Anonym hat gesagt…

Menno ihr seid ja so gemein arme alte Rentner zu verarschen....aber danke für diesen vergnüglichen Morgen ich hab mich schlapp gelacht

lg Stonic

Anonym hat gesagt…

Sehr schön!

@Sofie: Naja, sie wurden ja rausgeworfen. Das geht viel besser ohne Rollstuhl. Und den wollte dann halt niemand hinterher werfen. Er hat ja eh schon vermutet, daß die jemand vergessen hat.

Ahhh. Das ist so absurd.

Alza hat gesagt…

Ich muss mich mal kurz auf die Seite der Doofen stellen. Denn ich hätte, bevor ich hier Textkonsument wurde, auch nicht gedacht/gewusst, dass man querschnittsgelähmt schwimmen kann. Meine Argumentation wäre so gewesen von wegen "braucht man die Beine nicht wegen Geleichgewicht oder so?". Insofern hätte ich Rollstühle auch erstmal nicht mit einer Horde junger Erwachsener in Verbindung gebracht. Zugegeben, ich hatte bisher selten was mit Rollis zu tun, und schwimmen war ich auch seit zehn Jahren nicht mehr :)

Horst hat gesagt…

Herrlich. Man kann nicht immer nur lieb und brav sein, andere Leute, vor allem in deinem Alter, verarschen auch mal jemanden und es hat wohl niemandem weh getan. Der Typ erscheint mir aber auch selten dämlich.

Vielleicht hat er, wie Alza schon sagt, es nicht gewusst, dass Querschnittgelähmte schwimmen können. Oder nicht für möglich gehalten. Aber spätestens bei der Frikadelle wäre bei mir der Ofen aus gewesen. So ein Blödsinn, die Leute werden rausgeworfen wegen Sonntags-Badeverbot - und die Rollis bleiben da stehen.

Sally hat gesagt…

Sehr geil. :D Zum Glück sitze ich fein artig weit hinten auf meinem Stuhl, mit beiden Füßen auf dem Boden, sonst wäre ich vor Lachen vom Stuhl gepurzelt. xD

Anonym hat gesagt…

Ganz ehrlich, so als Pack scheint ihr schon echt strulle zu sein.:p
Aber mal ernsthaft (als ob...) arme verpeilte Rentner verarschen, habt ihr als weltgewandte und aufgeschlossene Rollis nicht eine gewisse Verantwortung gegenüber solchen Leuten? ;)

Katharina hat gesagt…

sorry jule, dieser beitrag geht gar nicht. euer verhalten geht gar nicht. es ist einfach nicht witzig. ja, ich spiele den moralapostel und ich meine es völlig ernst.
du erwartest respekt und empathie, also solltest du das auch deinen mitmenschen entgegenbringen. wäre das ein problem gewesen, diesem mann wahrheitsgemäß auf seine frage, wem die rollis gehören, zu antworten? damit hättet ihr euch kein bein ausgerissen und die sache wäre erledigt gewesen. aber man kennt das ja: in der gruppe ist man stark.
schon mal drüber nachgedacht, dass der mann in seinem leben noch nie kontakt zu behinderten hatte, nicht informiert ist, weil es ihn nie betroffen hat? woher soll dann sein wissen her haben?
es ist respektlos wie ihr gerade mal volljährig gewordenen mädels euch einem älteren herren gegenüber verhalten habt. ich bin da anders erzogen worden. zum glück. was hat euch dazu bewogen? seine frage?
schade, jule, ich habe deinen blog immer sehr gerne gelesen, dein selbstbewusstsein und deine offenheit bewundert und viel über das leben/die probleme/den alltag/der behördenirrsinn (das alles war mir neu) als querschnitt gelernt.
leider entwickelt sich das ganze seit einigen beiträgen in eine richtung (selbstgerecht?), die mir leider nicht mehr gefällt. schade. aber das ist mein problem.
mal sehen, ob du nicht nur austeilen kannst, sondern auch mit kritik umzugehen weißt. wahrscheinlich werde ich jetzt verbal niedergemetzelt.
trotzdem einen lieben gruß,
katharina

M hat gesagt…

Hallo Katharina,

verbal niedermetzeln möchte ich dich nicht. Aber ich möchte an die Situation zurückerinnern: Es kommt jemand rein und stellt dumme Fragen. Ob er sich nun dumm anstellt oder dumm ist, ist völlig unerheblich. Es mag sein, dass Du es als Glück empfindest, dazu erzogen worden zu sein, vor alten Menschen Respekt zu haben. Ich habe grundsätzlich vor allen Menschen Respekt, auch vor naiven, auch vor dummen, auch vor alten. Auch vor welchen, die andere Meinungen vertreten als meine. Nur gestehe Jule bitte auch diesen Anspruch auf Respekt zu.

Es ist aus meiner Sicht überhaupt nicht respektvoll, Menschen, die sich in einem Pool sonntags entspannen, dumm über drei Meter von der Seite anzulabern, nur weil man seine eigene Neugier nicht im Griff hat und ein alltägliches Bild gedanklich nicht auflösen kann. Es war niemand am Ertrinken, die Stühle standen nicht im Weg, man hätte das auch einfach zur Kenntnis nehmen, sich in den Whirlpool legen und abwarten können, was passiert. Oder ein nettes und höfliches Gespräch beginnen können, wenn sich die Situation ergibt.

Jule hat hier im Blog schon so oft geschildert, was sie täglich erträgt. Da kann ich sehr gut verstehen, dass irgendwann mal die Luft raus ist und man einfach keinen Bock hat, immer nur lieb und artig zu erklären, warum und wie sehr man behindert ist. Ich stell mir nur vor, Du hast einen fetten Pickel im Gesicht und ständig würden Dich Leute ansprechen, dass das ja gar nicht schlimm ist, sie hatten auch mal Akne und der Opa Gürtelrose. Und empfehlen Ärzte, wollen über die neuesten Salben aufgeklärt werden, fragen schamlos, ob man Pickel lieber ausdrückt oder abdeckt - irgendwann würdest Du mit Sicherheit darüber nachdenken, einfach nur noch den Stinkefinger auszufahren.

Als ich in Jules Alter war, haben meine Leute und ich ganz anderen Blödsinn gemacht. Jule und Konsorten haben einen Rentner verschaukelt. Ihm in gewisser Weise einen Spiegel vor das Gesicht gehalten. Mehr nicht.

Ich kann auch keine Selbstgerechtigkeit erkennen. Im Gegenteil: Ich sehe eine für ihr Alter überdurchschnittlich reflektierte junge Frau, die ihr eigenes Handeln sehr genau überprüft und ja selbst in diesem Beitrag (im vorletzten Satz) einräumt, dass ihr Verhalten nicht in Ordnung ist. Sie bezeichnet sich ja indirekt als "Hexe", wenn man zwischen den Zeilen liest. Selbstgerecht wäre es vielleicht, wenn sie dieses Verhalten als angemessen und korrekt dargestellt hätte.

Anonym hat gesagt…

Hi Maus!
Ein Genuß dieser Beitrag. Vielen vielen Dank.

Mach dir keinen Kopf wegen deiner Moral. Alles OK.

Katharinas Beitrag, bitte entferne diesen. Da mag man noch nicht mal den ersten Satz lesen.

LG,
Alexander

Clavicular von PL hat gesagt…

sag mal, ich habe da mal eine Frage. Wie sieht das eigentlich aus wenn ihr mit den Rollstühlen in den Badebereich geht. Müsst ihr diesen vorher eine Reinigung an den Reifen unterziehen oder ist das in den Bädern völligst gleichgültig? Immerhin ist es ja eigentlich ein Straßen"schuh".

Jule hat gesagt…

@Clavicular: Es gibt Bäder, die schreiben vor, dass man einen Duschrollstuhl zu benutzen hat, den diese Bäder bereit stellen, mit dem man aber nicht selbst fahren kann. Somit schreiben die dann auch vor, dass man sich schieben lassen muss und eine Begleitperson zwingend braucht.

Andere sehen das nicht so eng. Im Gegensatz zum Straßenschuh haben die Reifen ja kaum Profil und man achtet als Rollifahrer ja peinlich genau, wohin man fährt. Man sollte schon mal schauen, dass man keinen Dreck mit reinbringt, aber ich habe es noch nicht ein einziges Mal geschafft, aus dem Umkleidebereich (in dem ja auch mit Schuhen gelaufen wird und in dem es regelmäßig nass ist) in die Duschen zu fahren und überhaupt nur eine Spur auf den weißen Fliesen hinter mir herzuziehen. Das heißt: Sichtbarer Schmutz fällt nicht an. Alles andere gesellt sich zu den Trichophytons und Epidermophytons und feiert mit ihnen zusammen eine Flurparty.

Olli hat gesagt…

Heerlich, auf sanfteste Art, durchaus höflich und moralisch völlig legitim wie ich finde, ganz gewitzt intelligent auf dumme Fragen reagiert.

Neulich stah ich an der S-Bahn, die ist in der Ferne am der nachsten Haltepunkt schon zu sehen, einer guckt da hin, dann fragt er mich, ob die nächste S-Bahn bald kommt. Ich guck vor mir auf den bOden und murmel: kann wohl nicht mehr lange dauern, die Gleise liegen ja schon.

Oder inner U-Bahn einer beliebigen Stadt: Fährt die über den Hauptbahnhof? Oh, solang ich denken kann fährt die im Tunnel untendurch.

OK, nicht ganz die Qualität von Euren Einfällen, aber loswerden wollte ich die dennoch.

Greenfinch hat gesagt…

@Olli

"Fährt die über den Hauptbahnhof? Oh, solang ich denken kann fährt die im Tunnel untendurch."

Finde ich jetzt nicht wirklich lustig, da die Bezeichnung "über" in dem Falle stimmt. Über die Haltestelle Hauptbahnhof.

Ich würde mir ziemlich verarscht vorkommen, wenn ich den Mut aufbringe einen fremden Menschen nach einer Information zu fragen und dann so eine flapsige Antwort bekomme...

Allgemeine finde ich, dass solche Scherze eher in den Freundeskreis gehören und nicht auf wildfremde Menschen losgelassen werden sollten.
Da muss man sich nicht wundern, warum die Leute immer weniger miteinander kommunizieren, wenn sie auf ernst gemeinte Fragen nur nur blöde Antworten bekommen.

Wenn jemand allerdings eine total bescheuerte oder beleidigende Frage stellt, kriegt er auch eine entsprechende Antwort darauf zurück.
Das wäre beispielsweise der Fall wenn ich grüne Haare hätte und mich jemand in der Bahn fragt, ob ich denn die Haare färben würde. Ja das ist mir schonmal passiert. Da gibt´s dann auch ne dämliche Antwort drauf.

Bei dem älteren Pärchen in Jules Fall sehe ich nun mal keine doofe Frage, sondern ehrliche und aufrichtige Unwissenheit.

Ändert nix daran, dass ich den Blog weiterhin sehr gern lese - ich wollte nur mal die Sicht der Person schildern, die von solchen Antworten genervt ist. :-)

Louna hat gesagt…

Hallo!
Neue Leserin hier, und ich lese gerade dein Blog vom Anfang an durch. Du schreibst sehr schön und ich finde die Entwicklung, die du durchgemacht hast, spannend.
Zum Thema des Eintrags wollte ich mal erzählen, dass eine Bekannte von mir tatsächlich mal ihren Rolli vergessen hat. Sie kann recht gut gehen und ist im Alltag auch meistens zu Fuß unterwegs, nur für längere Entfernungen braucht sie ihren Rolli. Nun hat sie den im Urlaub in einer Kneipe zusammengeklappt und verstaut, um die Treppe hochzugehen und sich oben hinzusetzen. Eine viertel Stunde, nachdem sie die Kneipe verlassen hat, fiel ihr auf das etwas fehlt... und sie musste den nur gebrochen Englisch sprechenden Kneipenbetreiber erklären, dass sie ihren Rolli vergessen hat.