Montag, 27. Dezember 2010

Eine Rose nach Berlin

Eine spontane Idee. Eine bescheuerte Idee. Trotzdem musste es sein. Neugierige Stinkesocke.

Alle raten derzeit vom Bahnfahren ab. Ich setze mich in den ICE, um eine Rose nach Berlin zu bringen. Womit Markus nicht gerechnet hat. Womit er aber hätte rechnen können, denn auf einer der ständig aktualisierten Adressenlisten stand er mit seiner Berliner Adresse drauf, obwohl er nie wirklich Trainer geworden ist, sondern nur hospitiert hat. Tatjana ist da immer sehr schnell, manchmal ganz offensichtlich zu schnell.

Der Zug fuhr trotz Schnee und eisiger Kälte im vertretbaren Zeitrahmen. Die Ring-S-Bahn hat mir auch noch nie Probleme gemacht und die Adresse hatte ich sehr schnell gefunden. Blieb nur noch zu klären, wie ich spontan reagieren würde, wenn mir seine Ehefrau oder eins seiner Kinder die Tür öffnen würde. Einen Schreck hätte er dann bekommen dürfen, Familien oder Partnerschaften zerstören wollte ich aber nicht. Ich hätte dann gefragt, ob ein André, Andreas oder sonstwer hier wohnt und mich dumm gestellt. Vielleicht komme ich auch gar nicht bis zur Wohnungstür oder er ist gar nicht da.

Doch, ich kam bis zur Wohnungstür. Es war ein Ein-Zimmer-Appartment, zwar im vierten Stock, aber das Haus hatte einen Aufzug. Er war sehr überrascht, damit hatte er wohl überhaupt nicht gerechnet, er hat sich sehr gefreut, hat mich sofort reingebeten, mir sofort einen heißen Kakao angeboten. Er hatte keine Zeit, die Fotos seiner Liebsten vom Schreibtisch zu räumen - und trotzdem waren keine da. Es waren auch keine zwei Zahnbürsten in seinem Zahnputzbecher. Ich weiß, ich bin schlimm. So misstrauisch. Andererseits ist er auch schlimm. So direkt und frech.

Wir haben geknutscht. Ein bißchen. Nicht sofort, aber nach dem Kakao. Er riecht gut. Er kann küssen. Er hat mich am Kopf gestreichelt. Nirgendwo sonst. Er wollte nicht mehr. Vielleicht wollte er, aber er hat sich zurückgehalten. Ich komme mir vor wie in einem Traum. Wer hat mir diesen Typen geschickt?! Vielen Dank an denjenigen!

Kommentare :

Sally hat gesagt…

Na, das nenne ich mal spontan. Respekt. :D Wie lange bist Du denn von Hamburg nach Berlin gefahren?

Umso mehr freut es mich, dass Dein Besuch in der großen, weiten Hauptstadt wohl alles Andere als umsonst war. :)

Viel Glück weiterhin!

Jule hat gesagt…

@Sally: Knappe 2 Stunden reine ICE-Fahrzeit, also wirklich okay.

Danke!

Mike hat gesagt…

Sehr subtil, Jule :-)

Weiterhin viel Erfolg!

Mike

ruolbu hat gesagt…

Sry Jule, dass mein alter Kommentar missverstanden, zweckentfremdet und nun gelöscht werden musste, aber worum es mir eigentlich ging, möchte ich noch einmal schildern.

Es ist lediglich Fakt. Als Berliner fiel mir keine Wohnung, kein Haus, kein Appartement ein, das ich in meiner Zeit hier besucht hätte, das nicht durch einen fehlenden Fahrstuhl oder eine Treppe zum Eingang, die zur Zeit zweifelsohne komplett eingeschneit wäre, für einen einzelnen Rollstuhlfahrer vollständig unzugänglich wäre.
Ja die kleinen oder auch großen Ein- oder Mehrfamilienhäuser, die man eher am Rand der Stadt findet, da sind mir dann noch einige eingefallen. Aber davon war nicht die Rede. Appartement, vierter Stock, und Markus scheint mir kein Rollstuhlfahrer zu sein. Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich nicht anders, als schlichtweg überrascht zu sein, dass dieser Ausflug gelungen ist.
Du siehst mich also überrascht, begeistert und glücklich, dass du so ein positives Erlebnis haben konntest, aber keineswegs ungläubig oder zweifelnd.

Und was ich sagte war ehrlich gemeint, ich hoffe dass dir dein Glück erhalten bleibt. :)

Jule hat gesagt…

Ich habe hier gerade einige Kommentare gelöscht. Dazu muss man wissen, dass mir ein- und dieselbe Person heute nacht auch von mehreren verschiedenen Mailadressen "nette" Mails geschrieben hat.

Dass Rollstuhlfahren bei dem Schnee derzeit beschwerlich bis unmöglich ist, habe ich schon oft genug gesagt, dass in Berlin viel Schnee gefallen ist, habe ich live miterleben dürfen. Trotzdem kommt man voran, wenn man will, wenn auch mühsam, wenn auch mit Hilfe durch Passanten.

Wenn jemand irgendwelche Probleme mit meiner Identität hat, darf mir gerne eine Mail schreiben. Wenn es jemand ist, der ernsthafte Fragen stellt und der mir sehr wichtig ist, dann werde ich ihm schon einen Weg zeigen, wie er ohne großen Aufwand eindeutig rausfinden kann, ob es wirklich eine Jule gibt, die in Hamburg Rolli-Triathlon macht, und ob es tatsächlich jene ist, die hier schreibt.

Wer hier jedoch nur rumnerven und sich mit dummen Unterstellungen wichtig tun will, der wird gelöscht und kann mich mal. Sorry für die direkten Worte.

Und sorry auch an diejenigen, deren nett gemeinte Kommentare ich ebenfalls löschen mussten, da sie ohne den pöbelnden Kontext sinnlos geworden waren. :)

Jule hat gesagt…

@ruolbu: Ich hatte deinen ursprünglichen Kommentar nicht missverstanden, aber vielleicht ist es besser, wenn du künftige Kommentare eindeutiger verfasst, so dass auch andere Leute sie nicht missverstehen und für ihren Mist missbrauchen können. :)

Anonym hat gesagt…

Ich sagte ja: Züge fahren immer in beide Rictungen ;-) Ich wünsch dir ganz viel Glück und ;-)

dazu einen guten Rutsch :-) Hab Spass!

Olli hat gesagt…

Gar keine bescheuerte Idee, sondern eine richtig gute. Mit der Option, bei der Bahn per Wertmarke fahren zu können vielleicht organisatorisch/finanziell einfacher bis naheliegend, aber ich vermute mal, es war nicht nur die Anstrengung des Rolli im Schnee fahrens, die Dein Herz pochen liess...

Schöne Story, möge sie so fein weitergehen :-)