Sonntag, 30. Januar 2011

Giftblätter und Giftnudeln

Am Freitag gab es Halbjahreszeugnisse. Zuerst die gute Nachricht: Ich habe mich in keinem einzigen Fach verschlechtert. (In Klammern die Noten vom Vorjahr.)

Deutsch 14 (14, 13)
Mathematik 10 (10, 10)
Englisch 14 (13, 14)
Pädagogik 13 (13, 12)
Psychologie 12 (12, 12)
Französisch n.e. (n.e., n.e.)
Spanisch n.e. (n.e., n.e.)
Biologie: 10 (09, 09)
Chemie: 09 (09, 06)
Politik, Gesellschaft, Wirtschaft: 09 (08, 07)
Kunst: befreit
Musik: befreit
Darstellendes Spiel: befreit
Religion: n.e. (n.e., n.e.)
Philosopie: 08 (n.e., n.e.)
Sport: 15 (befreit, befreit)

Ja. Richtig gelesen. Uschi hat mir in Sport 15 (in Worten: fünfzehn!) Punkte gegeben. Also volle Punktzahl. Es gab nur noch zwei andere Leute, die ebenfalls 15 Punkte in Sport bekommen haben. Eine ist Leistungsturnerin, der andere spielt in einem Bundesnachwuchskader Fußball. Sofort, also wirklich keine 2 Minuten nach Verteilung der Zeugnisse, fingen die ersten Mitschülerinnen zu labern an, dass sie mir diese 15 Punkte nicht gönnen. Es ist wirklich immer wieder dasselbe Spiel. Und es sind immer wieder dieselben Leute. Und sie schießen jedes Mal aus dem Abseits. Und lernen nichts dazu.

Wie bei "stille Post" flüsterten sich die Leute zu: "Jule hat 15 Punkte in Sport bekommen. Das geht gar nicht." Inzwischen ignoriere ich das weitestgehend, bis dann solche Sprüche kamen wie: "Die hat sich nicht getraut, 14 zu geben, weil ihr dann Behindertenhass unterstellt worden wäre." Oder: "Uschis Liebling." Oder: "Bei Behinderten kannst du halt keine Leistung beurteilen, da zählt dann nur, ob du mitgemacht hast und die 15 motiviert dann für das nächste Jahr. Das ist alles nur Psychologie, da kommt unser eins gedanklich nicht mit." Ich konnte mir nicht verkneifen, den Stinkefinger zu zeigen. Viel lieber noch hätte ich ihr meinen halbvollen Joghurtbecher diagonal durch den Raum auf den Schoß gefeuert. Und die Wasserflasche hinterher. Die tun so, als wenn die 15 Punkte, die ich bekomme, von ihren Punkten abgezogen werden. Ich fand mich in Philosophie auch besser als 08 Punkte, besser als meine Nachbarin, die 10 Punkte hat, trotzdem mache ich da nicht so einen Alarm.

Immerhin: Ich hörte in dem ganzen Getuschel auch zwei oder drei Leute, die sagten: "Find ich völlig berechtigt. Ist doch wohl nur Schwimmen beurteilt. Und im Kraulen hängt sie uns alle ab. Und sie schwimmt ohne Beinschlag." Oder einer: "Ihr kotzt mich so an mit eurem Gewäsch." - Ich hasse es, wenn sich Leute meinetwegen streiten. Oder meinetwegen schlechte Stimmung ist. Mit Neid und Missgunst oder Engstirnigkeit kann ich ja noch einigermaßen leben. Und ich hasse das, wenn ich dabei knallrot im Gesicht werde. Weil es mir peinlich ist und weil ich mich ärgere. Und jeder das auch noch sieht. Während ich versuchte, aufmerksam zuzuhören, merkte ich nicht, dass der Lehrer vorne auch aufmerksam zuhörte. Es war sowieso gerade sehr laut, da alle über ihre Zeugnisse quatschten. Nur als mein Blick einmal nach vorne schweifte, sah ich das. Und nach und nach schauten auch die Lästerschwestern nach vorne und eine nach der anderen brach mitten im Satz ab. Gewissensbisse?

Es wurde stiller und stiller. Bis irgendwann niemand mehr redete und alle nach vorne schauten. Der Lehrer zeigte auf alle fünf Lästerschwestern und zählte nacheinander durch: "Eins, zwei, drei, vier, fünf. Sie kommen bitte mal nach vorne." - Murren, Stühle rücken, unmotiviertes Nachvornetrotten. Die erste der fünf Giftnudeln bekam einen Stift in die Hand gedrückt. "Sie malen bitte einen Gliederungspunkt an die Tafel und schreiben dahinter Ihr stärkstes Argument, warum eine Schülerin mit einer körperlichen Behinderung keine Höchstpunktzahl in Sport bekommen kann." Er deutete auf die zweite: "Sie sind die nächste."

Ich machte mich auf den Weg nach draußen. "Wo wollen Sie hin?" fragte mich der Lehrer. - "Auf die Toilette. Ich muss mich übergeben." Ich fuhr auf den Flur und donnerte die Tür hinter mir ins Schloss. Kaum war die Tür zu, ging sie wieder auf. Meine Tischnachbarin kam hinterher. Ich hörte nur noch ihre letzten Worte: "Wir kotzen zusammen." Dann krachte die Tür abermals ins Schloss. Ich fragte sie: "Willst du einen heißen Kakao?" Wir fuhren zum Kakaoautomaten, setzten uns ans Fenster und ließen uns die Sonne aufs Gesicht scheinen. Nach gefühlten drei Minuten sagte ich, ohne die Augen zu öffnen: "Ich könnte denen manchmal so derbe die Fresse polieren."

Meine Banknachbarin sagte: "Ich verstehe nicht, was das soll. Das kann denen doch scheißegal sein, was du für eine Note bekommst. Vor allem wissen sie doch, dass sie sich mit dieser blöden Tour auf ganz dünnes Eis begeben. Die wissen doch, wie Herr ... tickt, das ist doch schon vorprogrammiert, dass die jetzt Ärger kriegen. Anstatt dann einfach mal die Klappe zu halten und drüber nachzudenken, warum ich keine 15 Punkte in Sport habe."

"Ach die merkt doch nichts mehr. Weißt du, wenn ich von 40 Schwimmstunden gefühlte 25 nicht dabei bin, weil ich jede zweite Woche meine Tage habe, dann ist das in meinen Augen nicht mal ausreichend. Wenn ich dann in einem Bikini ankomme, der so geschnitten ist, dass er, sobald ich bißchen Gas gebe, verrutscht, dann kann man doch schon fast unterstellen, dass die schon zu Hause eingeplant hat, keine Leistung zu bringen. Dass ihr da pro Stunde mindestens ein Mal die Äppel rausfallen, imponiert doch beim dritten Mal nicht mal mehr einem Schmierlappen als Sportlehrer. Hat mindestens sechs verschiedene Bikinis, nimmt ihren iPad mit in die Schwimmhalle, aber hat keine 25 Euro für einen schlichten Badeanzug übrig. Und genauso wie ihre Einstellung ist auch ihre Leistung. Und dann reicht es eben nicht für 15 Punkte. Weißt du, wieviele sie hat?"

Meine Banknachbarin schüttelte den Kopf. "Ist mir auch egal. Ich bin ja mal gespannt, was die da an die Tafel schreiben." Wir tranken unsere Becher leer und beschlossen, wieder reinzufahren. Als erstes machte ich ein Handyfoto vom Tafelbild. Die einzelnen Punkte:

• Körperbehinderte können keine körperlichen (Höchst-) Leistungen erbringen
• Behinderte und nicht Behinderte kann man in den Leistungen nicht vergleichen
• Nicht behinderte Lehrerin kann Leistung von Behinderten nicht objektiv beurteilen
• Behinderte bekommen einen Mitleidsbonus
• Behinderte sind "seelisch verwundet" wegen ihres Körpers und eine Bewertung des Körpers als Schulnote ist gemein und nicht zielführend, deshalb nur Bestnoten
• Behinderte haben viele Fehlzeiten und deshalb wird in nicht so wichtigen Fächern wie Sport ausgeglichen
• Behinderte stehen wegen ihren Bedürfnissen (besondere Dusche, Einzelumkleide etc.) im Fokus und werden verstärkt wahrgenommen
• Lehrer sind geneigt, bauliche Barrieren und fehlendes Leistungsangebot durch gute Benotung "auszugleichen"
• Behinderte müssen besonders motiviert werden
• Es ist politisch ein heißes Thema, wenn Behinderte kritisiert werden. Daher Note eher zu gut.

Strukturierter und fundierter, als ich zunächst dachte. Dann kam die Aufgabe: "Sie fünf werden sich in der nächsten Woche zusammensetzen und am kommenden Freitag ein 45-Minuten-Referat halten, in dem genau diese 10 Thesen beleuchtet werden. Parallel suchen Sie bitte im Internet in den einschlägigen Schulgesetzen und deren Anlagen nach den Kriterien für eine Leistungsbeurteilung im schulischen Sportunterricht und stellen die nötigen Zusammenhänge her. Die zweiten 45 Minuten diskutieren wir das Thema. Die Kriterien für die Leistungsbeurteilung schreiben Sie bitte stichwortartig auf ein DIN-A4-Blatt zusammen und geben mir das vorher zum Kopieren. Wenn Sie das im Internet nicht finden, sprechen Sie mich am Dienstag im Lehrerzimmer an, dann suchen wir gemeinsam. Machen Sie im Referat bitte deutlich, wer von Ihnen was genau erarbeitet hat, denn die Arbeit wird bewertet."

Man darf gespannt sein, oder? Ich bin gespannt.

Kommentare :

Sally hat gesagt…

Das mit dem Referat finde ich gar keine so schlechte Idee. Wäre ehrlich gesagt auch gespannt auf das Resultat...

In meinem ersten Noten-Zeugnis (3. Klasse) hatte ich eine 4 in Sport, obwohl ich eigentlich die meiste Zeit befreit war. Und ich glaube, das war noch gnädig...^^

Dass Sport bei Dir so gut benotet wurde, freut mich. :)

Matthias O. hat gesagt…

Und? Aus welchem der 10 Gründe hast du nun die 15 Punkte bekommen? Denn, wenn man mal ganz objektiv betrachtet, kannst du nicht besser gewesen sein als die Mitschüler ohne Behinderung. Ich denke, dass einfach der Ehrgeiz bewertet wurde und der ist ja bei Behinderten oft unermesslich, schließlich haben sie zum Vergleich oft nur Nichtbehinderte. Oder sehe ich das falsch?

Matthias O. hat gesagt…

(P.S.:) Das musst du schon abkönnen, wenn du auf eine normale Schule gehst und die gleiche Leistungsbewertung haben möchtest wie die Nichtbehinderten. Wenn Integration, dann auf allen Kanälen.

Mike hat gesagt…

Mathias, deine Argumentation ist Dünger!
Nach der Argumentationslinie müssten Mädchen prinzipiell schlechtere Sportnoten als Jungs bekommen. (besonders bei der Leichtathletik)... Wieso gibt es da blos unterschiedliche Bewertungstabellen...
Ist doch Koedukation und Gleichberechtigung, oder?

Gleichberechtigung bedeutet eben nicht, dass alle GLEICH sind.

Nicht umsonst gibt es ja die Leistungsklassen und Handicapausgleichs im Behindertensport, eben um vergleichbare Klassen zu schaffen.

Soll Jule jetzt etwa Null Punkte im Hochsprung bekommen?
Aber auf dem Langstreckenlauf (mit Rennrollstuhl) 15 Punkte, weil die vermutlich allen Fußgängern davonrollt?
Wenn Sie beim Schwimmen (ohne Beinschlag) den anderen davonschwimmt, dann ist das wohl eine sehr gute Leistung.

Und wenn jemand einen Halbtriatlon (in was für einer Zeit auch immer) erfolgreich absolviert, dann kann demjenigen schon eine WEIT ÜBERDURCHSCHNITTLICHE Leistung attestiert werden. Ich jedenfalls hätte das Ziel wohl höchstens im Sanka erreicht.

Deshalb wundern mich die 15 Punkte nicht wirklich, denn Jule betreibt einen Leistungssport.

Die Generelle Frage, ob Schulnoten im Sportunterricht überhaupt SINNVOLL sind, lasse ich dahingestellt, Ich halte sie persönlich für akut Schwachsinnig!

Mike
(Der über manche Ansichten blos den Kopf schütteln kann)

Nico hat gesagt…

Ich bin genauso wie die Klassenkameraden der Meinung, dass jemand mit Körperbehinderung in einem Fach, in dem es um körperliche Leistungen geht, keine Höchstpunktzahl erreichen kann. Wenn Behinderte, auch wenn sie sich noch so anstrengen, 15 Punkte kriegen können, müssen richtige Triathleten ja mindestens 30 Punkte kriegen. Eine Gleichsetzung der Leistung von Behinderten demotiviert all die, die trotz bester Anstrengung nur durchschnittlich sind und daher, obwohl sie alles geben, nur 10 oder 11 Punkte kriegen. Jule muss nur ausreichend motiviert sein und schon hat sie die volle Punktzahl, auch wenn sie die 100 Meter langsamer schwimmt als die oben erwähnten 10-/11-Punkter.

Stephan hat gesagt…

mir imponiert die Reaktion des Lehrers.

Olivia hat gesagt…

Hallo Jule,
erst einmal finde ich das super tolle Leistungen die du erbracht hast.
Und ich finde es eine tolle Leistung wenn man "nur" 4 Stunden am Tag in der Schule ist und noch so viel programm drum rum hat solche Leistungen hin bekommt bewundernswert.

Und warum sollte man behinderte anders bewerrtne als normale? Ist doch egal ob du mit beinen und Armen schwimmst oder nur Armen? Wenn Jule schneller ist als die anderen dann liegt das daran das sie es kann und die anderen nicht und das hat dann auch nichts mit Behindertenbonus zutun.

Zum anderen wollte ich noch wissen was n.e bedeutet?

LG aus dem Pott

Claus hat gesagt…

n.e. heißt nicht erteilt, sprich sie hatte dieses Fach im Vorjahr nicht, bzw. noch nicht.

silke-katrin hat gesagt…

Ich will einfach nur zum super Zeugnis gratulieren, einfach nur toll Deine Noten.
Also Herzlichen Glückwunsch
Viele liebe GRüße Silke

Anonym hat gesagt…

Nico: Deine Argumentation ist Müll.

Von der (am Rand) erwähnten Stundenzahl schließend, bestand der Sportunterricht primär aus Schwimmen. Und das kann Jule anscheinend.
Hätte der Sportunterricht primär aus Hochsprung bestanden, hätte da ein "befreit" oder so gestanden (also wenn sie nie hätte teilnehmen können).

Deine Argumentation läd zu den willkürlichsten Diskriminierungen ein. ("Oh nein, du darfst nicht studieren - du musstest ein Jahr wiederholen. Dürfest du studieren, würdest du die ohne Ehrenrunde demotivieren...").

Désirée hat gesagt…

Meiner Meinung nach ist hier die Frage zu diskutieren, ob eine Chancengleichheit oder eine Chancengerechtigkeit, das Ziel von Gleichstellungspolitik, in diesem Fall zwischen körperlich 'behinderten' und körperlich nicht 'behinderten' Menschen, sein soll? Ich persönlich plädiere für Chancengerechtigkeit und damit dafür, Jule an ihren eigenen Maßstäben zu messen!
Es darf meiner Meinung nach nicht sein, dass körperlich nicht 'behinderte' Menschen Normen für körperlich 'behinderte' Menschen aufstellen!
Denn ein Mensch ist nicht 'behindert', ein Mensch wird behindert!

BigDigger hat gesagt…

@Nico
Nach Deiner "Argumentation" dürftest Du im Sportunterricht beim 100-Meter-Lauf als 12-Jähriger als Höchstnote eine Vier bekommen haben - schließlich könnten 12-Jährige nicht so schnell rennen wie Oberstufenschüler...

Merkste selber, 'ne?

Chris hat gesagt…

Ich schnall das nicht. Wie kann es sein, dass es darüber überhaupt eine Diskussion gibt?

Die Uschi-Lehrerin wird vermutlich keinen direkten Vergleichsmaßstab in derselben Klasse haben. Aber wenn sie fit ist, und es scheint in der Schule ja ein paar fitte Lehrer zu geben (zwischen mindestens genauso vielen Deppen), dann informiert sie sich verantwortungsvoll, bevor sie eine Beurteilung abgibt. Und wenn ich das hier so mitverfolge, was Jule auf sportlicher Ebene leistet (ich schwimme nicht durch freie Seen, ich schaffe keine kilometerlangen Strecken, ich schaffe keinen Halbtriathlon), dann ist sie eindeutig am obersten Rand ihrer Leistungsklasse. Und das spiegelt eben die Note wider. Und das finde ich auch sehr korrekt so.

Caelyn hat gesagt…

Ich versteh das Drama auch nicht.
Jule hat doch nur am Sportunterricht teilgenommen, weil der aus Schwimmen bestand, oder (so hatte ich das zumindest verstanden)? Und wenn sie da alle anderen ohne Beinschlag abhängt, bzw. die Zeit schafft, die man für 15 Punkte normal mit Beinschlag benötigt dann sind diese 15 Punkte doch sehr wohl gerechtfertigt.

Presse hat gesagt…

Sportunterricht besteht aber nicht nur aus Schwimmen. Es wurde ja "Sport" bewertet und nicht "Schwimmen".

Anonym hat gesagt…

@ Presse: Ich weiß natürlich nicht, wie das bei Jule ist, aber bei uns in der Oberstufe haben wir in Sport immer ein Halbjahr nur eine oder zwei Sportarten gemacht. Da stand dann im Studienbuch also etwa "Sport (Fußball, Leichtathletik)" oder eben auch "Sport (Schwimmen)".

Caelyn hat gesagt…

Ja, so kenne ich das auch.
Wir haben auch ein Halbjahr lang Volleyball gespielt, ein Halbjahr lang Gymnastik gemacht usw.

Claus hat gesagt…

Diese Sportnotendiskusiion ist echt weithergeholt. Auf dem Zeugnis steht die letzte bewertete Leistung. Und so wie ich das sehe war das Schwimmen. Und ob Jule nun mit ihrer Behinderung ein Ergebnis rausholt, welches nicht einmal von den anderen Mitschülern erreicht wurde, so finde ich die Benotung allemal als gerechtfertigt.
Welche Note soll mein einer Schülerin denn bitte geben, die alle anderen übertrifft? Ob mit Beine oder ohne.

Mike hat gesagt…

Es ist Freitg....
Die Spannung steigt!

Ich habe mich doch glatt mal Kundig gemacht: Um 15 Punkte in der Leistungsbewertung beim Schwimmen (in Freistil) zu bekommen, müsste Frau die 400 Meter in 7 - 8 min schwimmen. Ist zwar Bayern und von 1994, aber wurscht. (Ist in etwa knapp das Doppelte vom Gegenwärtigen Weltrekord)
Jule hat bei ihrem Halbtriatlon 1900 Meter (IM FREIWASSER!) in unter einer Stunde geschwommen = 400 M in unter 13 min.
Dabei wäre zu beachten, dass sie sicher nicht volles Rohr geschwommen ist (kam ja noch Handbiken und Renrolli hinterher) und dass sie damals wegen ihres Krankenhausaufenthaltes noch Trainingsrückstand hatte.
Nachdem der WR für 400 m in einer Mittleren Schadensklasse (hört sich irgendwie an wie bei einer Autoversicherung *grins*) bei irgendwas um die 5 min liegt
sollte man bei in etwa gleicher Berechnung für Frauen im Schulschwimmen Oberstufe für ca 11 min für 100 m Freistil 15 Punkte bekommen.
Wie oben angeführt, dürfte Jule in der Lage sein, diese Zeit im Becken zu schaffen!

daneben fliest ja auch noch die Mitarbeit sowie die Theoriekenntnisse in die Bewertung ein.

UND daneben haben Lehrer anscheinend gerade bei Sport noch einen gewissen Spielraum bei der Bewertung, um körperliche Ungleichheiten etwas auszugleichen. (Das 1:50 große halbe Hemd dürfte gegenüber dem 2 Meter 120 kg alles Muskeln Typ beim Kugelstossen etwas benachteiligt sein)

Insofern halte ich das Argument, dass Rollifahrerinnen mehr Aufmerksamkeit erregen als Fußgänger, für das sinnvollste, denn das kann sich auf die Mitarbeitsnote auswirken. (Muss aber nicht :-) )

Bin mal gespannt, was da rausgekommen ist.
Sehr Cooler Lehrer übrigens!

LG
Mike

Daniela hat gesagt…

"(Das 1:50 große halbe Hemd dürfte gegenüber dem 2 Meter 120 kg alles Muskeln Typ beim Kugelstossen etwas benachteiligt sein) "

Hat es nicht. Ebensowenig wie das kleine Mädchen mit 1,40m irgendwelche Boni bekommt, wenn es beim Hochsprung die 1,20m hohe Latte nicht schafft, während das 1,80m-Mädel da fast drüber steigt.
Beim Kugelstoßen gibt es übrigens auch genaue Meterzahlen.

Insofern ist es eh sinnlos sich über Sportbewertungen aufzuregen. Unabhängig davon, ob Behinderte und Nichtbehinderte verglichen werden. Denn selbst ohne eine Behinderung wird nicht nach Leistungsfähigkeit des jeweiligen Körpers bewertet.

Mike hat gesagt…

Daniela, ich habe da die bayerischen Bewertungen im Fokus (komme halt daher) und es gibt immer einen gewissen Ermessensspielraum seitens der Lehrer bei der Notengebung. Ob sie den ausnützen ist eine andere Frage.

LG
Mike

Jule hat gesagt…

Die Diskussion ist auf Montag verschoben worden, da der Lehrer heute krank war. Ich bin nach wie vor gespannt. Und ich werde darüber noch etwas schreiben.

Danke für die Gratulationen. :)

Anonym hat gesagt…

naja, kann es ehrlich gesagt auch verstehen.
sport ist nicht nur schwimmen.
wäre auch verletzt.

Anonym hat gesagt…

Ich finde dein Lehrer hat SUPER reagiert!! Freue mich schon zu lesen, wie es weiter ging.

Übrigens wurde bei mir im Sportunterricht immer die persönliche Steigerung bewertet. Die Lehrer haben gesagt, sie holen uns ab, wo wir sind und bewerten, wie wir uns verbessern. Ebenso wurde Anwesenheit positiv berücksichtigt sowie Engagement (Aufbauen, Abbauen, anderen helfen, sich sozial verhalten etc) und ob man motiviert war, oder nicht.

Abgesehen davon, dass man Sportnoten abschaffen sollte, finde ich das ein faires System. Auch wenn sich die starken Schüler gerne benachteiligt fühlen, wenn jemand der vorher nie Volleyball oder was auch immer gespielt hat, sich dann aber stark verbessert, eine zwei plus bekommt oder sogar eine eins, ihnen aber im direkten Vergleich unterlegen ist. Heulen sollen sie. In der Schule soll man halt was lernen und nicht nur tun was man schon kann!

Olli hat gesagt…

Wären die Giftnudeln so schlau, dass sie diese grundsätzlich erwartbare Reaktion des Lehrers antizipieren könnten, wären sie wohl auch zu schlau, um so unqualifizierte Kommentare abzugeben.
Und hehe, die mit dem Bikini liegt strategisch aber voll daneben, sollte der zu beeindruckende mehr auf Hinterteile in Badeanzügen stehen, sowas soll es generell ja geben...

JayJay hat gesagt…

Hey Jule, ich wühl mich jetzt schon seit ein paar Wochen durch die Anfänge deines Bloggs und hab oft nach Luft schnappen müssen, öfter auch mal herzhaft gelacht über deine bildhafte Schilderung deiner Erlebnisse. Heut fühle ich mich genötigt einen kurzen Zwischengedanken zu hinterlassen.

Danke, dass du so offen bist und zwischen zwei "Welten" vermittelst. Deine Beiträge haben mich mehr als einmal zum Nachdenken angeregt, wie ich wohl in bestimmten Situationen reagieren würde. Ganz sicher würde ich aber nicht eine satte Eins+ anzweifeln! Ich fands ja schon voll cool, dass du dich an den Para-Triathlon herangewagt hast (ich muss mich schon überwinden, wenigsten mal 10 Minuten joggen zu gehen). Aber dann auch noch als Lohn, schwarz auf weiß, fette 15 Punkte abzusahnen? Wie geil ist das denn? Nachträglich herzlichen Glückwunsch! Und jetzt bin ich gespannt, was noch alles spannendes in deinem Blog passiert.

Mach weiter so, deine offene Art, Dinge anzusprechen finde ich super!