Samstag, 12. Februar 2011

Erstes Straßentraining 2011

Yes. Erstes nächtliches Straßentraining 2011 heil überstanden. Es gibt einige Veränderungen: Wir trainieren künftig verstärkt im Hamburger Südwesten, im Bereich der Elbe, weil dort gute Straßenverhältnisse sind, nachts dort absolut tote Hose ist und man das Training im Sommer auch gleich mit Outdoor-Schwimmen verbinden kann. Nein, nicht in der Elbe. Bäh. In einem großen Baggersee.

Die Straße ist sehr übersichtlich und sehr lang, man kann also mehrmals hin und her fahren und hat nicht das gefährliche Stadtgebiet zu durchkreuzen. Wir dürfen sogar im Rahmen einer Sondernutzung die Straße auf einer Länge von knapp 10 Kilometern für den Durchgangsverkehr sperren. Nicht jedes Wochenende, auch nicht jedes zweite, aber so etwa 15 Mal im Jahr sei es okay. Weil da eben nachts kein Durchgangsverkehr ist, und wenn doch, dann könnte dieser das Gebiet auch weiträumig umfahren oder eine Parallelstraße nutzen und so zu seinem Ziel kommen. Der Typ vom zuständigen Bezirksamt und ein Typ von der Polizei (in zivil) waren vor Ort, war sehr nett und haben sich das alles angeschaut. "Das ist sehr toll, was Sie hier machen, das unterstützen wir auf jeden Fall." Wir müssen uns allerdings mit zwei anderen Triathlon-Vereinen (Fußgänger) arrangieren, die hier nachts ebenfalls trainieren wollen und dürfen. Mit denen sollen wir uns absprechen. Das sollte nicht das Problem sein. Diese hatten schon Jahre lang um eine Sondernutzungs-Erlaubnis gebeten, sie aber nie bekommen. Erst als jetzt der Antrag für die Rollstuhlsportler kam, wurde bewilligt. Das finde ich irgendwie super klasse.

Lisa gehört ab sofort fest zu unserem Trainingskader. Und wir bekommen noch einen zusätzlichen Trainer, allerdings nur aushilfsweise. Aber das ist doch schonmal was. Und wir dürfen am Ende in einer Sporthalle duschen, für die unser Verein einen Transponder (Schlüssel) bekommt. Manchmal bin ich richtig erstaunt, wie unbürokratisch Hamburg dann doch sein kann. Wenn man die richtigen Leute anspricht.

Und es wurde ein Sponsor gefunden, der uns mit Funktionskleidung für das Training versorgt. Wir dürfen zwei Mal pro Jahr bestellen (einmal Sommer, einmal Winter), die Teile werden auf Maß angefertigt. Es handelt sich dabei um einteilige "Ganzkörperkondome", die halt ideal sowohl für den Rennrolli als auch zum Handbiken sind. Die Maßanfertigung ist besonders wichtig (und eigentlich sehr teuer), da einige Sportler seit Geburt ihre Querschnittlähmung oder andere Behinderung haben, noch nie gelaufen sind und somit keine normal langen Beine haben. Oder nur sehr dünne. Einteilig ist wichtig, weil es sonst hoch- bzw. runterrutscht und viele das nicht merken, weil der Übergang von Hose zum Oberteil in einem Bereich liegt, den sie nicht spüren. Die Nähte sollten so platziert sein, dass sich keine Scheuerstellen ergeben. Es sollte sich nicht mit Schweiß oder Pipi vollsaugen, es sollte einigermaßen strapazierfähig sein, leicht, und trotzdem warm. Zumindest im Winter.

Die Firma, die das jetzt liefert, sitzt im Erzgebirge und berechnet für das erste Stück 30 Euro, für jedes weitere 60 Euro, allerdings kann nur einmal pro Halbjahr gesammelt bestellt werden. Wenn jemand einzeln nachbestellt, liegt man bei etwa 120 bis 150 Euro, je nach Aufwand. Und man kann wirklich alles angeben: Oberschenkellänge und Dicke, auch noch rechts und links verschieden, wenn es sein muss, Unterschenkel, Arme, Oberweite, Oberkörpergröße, Hüftbreite - wirklich alles. Das passt dann auch wie angegossen. Man kann kurzen Arm wählen oder langen, Beinlänge, mit Fuß oder ohne, die nähen einem bei Bedarf sogar einen überlappenden Mini-Schlitz in den Schritt (Reiß- oder Klettverschluss würde ja schon wieder Druckstellen machen), falls man kathetern will ohne das ganze Ding ausziehen zu müssen. Ich weiß, too much information, ich finde es dennoch erwähnenswert, weil einzigartig.

Obwohl es Synthetikfaser ist, sieht es gar nicht mal schlecht aus, da die Oberfläche matt und angerauht ist. Komplett schwarz, nur auf dem Rücken sind so silberne Reflektoren eingearbeitet oder aufgebügelt, keine Ahnung. Und von innen sind die Dinger absolut flauschig, selbst dann noch, wenn sie nassgeschwitzt sind, was mich sehr beeindruckt hat. Für den Winter hat man eine Stoffstärke von 240 g/m² gewählt, ein T-Shirt hat etwa 60 bis 150 g/m², wobei man bei 60 durchgucken kann und 150 sehr dick ist. Jedenfalls bekamen wir das Zeug endlich ausgegeben, wir haben alle gleich getestet und: Es waren draußen 2 bis 3 Grad, also ar...kalt, es hat zeitweilig genieselt und ich habe nicht gefroren. Auch nicht, als nach zwei Stunden alles verschwitzt war. Ich bin begeistert.

Kommentare :

Sally hat gesagt…

Wow, das sind echt Hightech-Klamotten, hm?^^

Mich würde ja mal interessieren, wie so ein Einteiler aussieht. Ich stelle mir das Ding ungefähr vor, wie einen "großen Strampelanzug". (Nein, ich habe keinen Fetisch in die Richtung...^^)

Jule hat gesagt…

Ja, so in etwa sieht das aus. Es ist nicht knackeng, so dass es abschnürt, aber dennoch so, dass es keine Falten wirft. Ganzkörperkondom halt. Mit Reissverschluss im Rücken - erinnert ein bißchen an einen Neo. Wir haben auch Fotos gemacht, allerdings sind die zu dunkel geworden (trotz Blitz), man sieht nix, und sowas kann (und will) ich hier auch nicht reinstellen.

Oder wie bei Eisschnellläufern. Die haben auch sowas - allerdings haben wir keine Kapuze. Aber könnte man bestimmt auch bekommen. :D

Sally hat gesagt…

Der allwissende Mr. Google hat meine Neugierde schon befriedigt. ;)

Aber zum Klo kommt man damit wohl nicht. x) Es sei denn, die Dinger haben wie bei Euch einen Schlitz und mann.... *räusper*

So REIN THEORETISCH... Gibts die mit "eingearbeiteter Inkontinenz-Einlage"? Wenn nicht, wäre das 'ne super Geschäfts-Idee... Für Leute die bei der bloßen Vorstellung, da rein zu pinkeln schon die Krise bekommen....

Banane hat gesagt…

Das hört sich doch alles schon mal sehr gut an!
Und es ist doch eigentlich nichts Neues, dass man nur die richtigen Leute ansprechen muss, um Dinge, die vorher angeblich unmöglich waren, auf ein mal völlig unbürorkatisch genehmigt zu bekommen...

Und auch das Ganzkörperkondom-Sponsoring ist ja wirklich eine tolle Sache! Schön, dass es auch Firmen gibt, die nicht nur bei Allerwelts-Sportarten wie Fußball, sondern auch bei weniger prestigeträchtigen und öffentlichkeitswirksamen Sportarten wie Rollstuhltriathlon so spendabel sind.
Aber auch hier muss man einfach nur das Glück haben, die richtige Person zu erwischen - und auf ein mal funktioniert das.

Ich freue mich auf jeden Fall für euch über die neuen, guten Trainingsmöglichkeiten und über den Sponsor - ohne jeglichen Neid, obwohl ich selbst als Randsportart-Betreiber mangels Sponsor mein Trikot selbst kaufen muss... (Dafür konnte mein anderer Verein vor kurzem auch eine sehr große Firma als spendablen Sponsor an Land ziehen - einfach weil wir zufällig an die richtige Person geraten sind)

Gruß,
Banane

ruolbu hat gesagt…

"Ich weiß, too much information,"
Ein Satz, den ich persönlich ja garnicht leiden kann, denn ich sehe nach wie vor nicht, warum ich mich vor manchen Informationen streuben sollte, wenn doch viele Mensche tagtäglich damit umgehen.
Ja ich weiß, kann man nicht auf alle übertragen
meh anyway, wollte ich nurmal erwähnen.

Anonym hat gesagt…

@Sally: Wer pinkelt denn absichtlich da rein?!?! Du hast Ideen!!!

Jule hat gesagt…

@Sally: Nein, zum Klo kommt man damit eher nicht. Oder nur sehr umständlich. Also auch genau das richtige für dich. Soll ich dir auch sowas bestellen? :P

Und die Dinger haben auch nicht bei jedem von uns einen Schlitz (wobei der nur etwa 5 Zentimeter lang ist und die beiden elastischen Enden sich da überlappen, so dass man das wissen und dann mit zwei Fingern auseinander ziehen muss, um das auch zu öffnen, also wirklich gut gemacht), sondern nur bei denen, die sich wirklich unterwegs kathetern wollen/müssen. Ich habe bisher nur von drei Mädels gehört, die sich das mit Öffnung bestellt haben. Ich fands irgendwie ein bißchen zu "schlüpfrig".

Und was deine Theorie angeht: Wurde nicht angeboten. Keine Ahnung, ob die Idee gut ist. Diese ganzen Papier- und Zellstoffdinge lässt man ja sehr bewusst weg, weil sie eh entweder einschneiden (Klebewindel), verrutschen, sich auflösen, wundscheuern, ...

Käme also nur etwas in Frage, was waschbar ist und fest an der Stelle eingenäht ist. Und da sind die Dinger, die wirklich was aufsaugen, ja so dick, dass das alles andere als diskret wäre.

Ich denke, dass die jetzige Lösung schon gut durchdacht ist. Das Zeug saugt sich nicht voll und bei schwarz sieht man auch nix. Aber ich werde auf jeden Fall bei unserem nächsten Training deine Geschäftsidee vorstellen, wenn ich darf :P

@Banane: Bei "unserer" Sportart kommt ja noch hinzu, dass manche Firmen aus sozialen Gründen sponsern wollen - was mir wiederum gar nicht zusagt. Aber hier hatte es wohl "sportliche" Gründe. :)

@ruolbu: Diesen Satz hat mir mein Selbstbewusstsein eingeflüstert. Sollte ausdrücken: Ich habe bemerkt, dass "man" darüber nicht redet, ich bin aber nicht "man".

Honati hat gesagt…

@Sally: Würdest du etwa bei der bloßen Vorstellung keine Krise bekommen?

Annika hat gesagt…

Sagt mal, gehen meine Gedanken mit mir durch oder habe ich das richtig verstanden: Ihr uriniert mit Absicht in die Kleidung? Also nicht erst, seit es diese fremdfinanzierte Profi-Ausrüstung gibt? Das liest sich wirklich so, sorry, das ist für mich unvorstellbar, dass das überhaupt jemand mitmacht. Ich meine, ihr müsst wissen, was ihr tut, aber für mich klingt das extrem widerlich. Wenn meine Tochter dabei wäre, würde ich den Trainer dazu anhalten, dass er einmal pro Stunde für fünf Minuten Pause macht, damit alle einmal auf die Toilette können. Wenn das wirklich so ist, wie ich das hier rauslese, ist auch das hier Diskriminierung und Behindertenfeindlichkeit hoch 10! Ich kann mich nur wundern, dass ihr das mit euch machen lasst und sich niemand dagegen wehrt. Ich finde es absolut entwürdigend!

Jule hat gesagt…

@Annika: Eine Diskriminierung und Behindertenfeindlichkeit kann und will ich hierbei nicht erkennen. Vielleicht entsteht beim Lesen der Eindruck, der ist aber definitiv falsch. Tatjana diskriminiert niemanden und sie hat auf keinen Fall eine behindertenfeindliche Einstellung.

Sally hat gesagt…

@ Honati: Nein. Da ich selbst von Inkontinenz betroffen bin, wäre das eher unpraktisch. Die Dinger kann man waschen und duschen gehen kann man auch. Fertig.

@ Anonym: Von Absicht habe ich nie gesprochen bzw. geschrieben. Aber es hat halt auch einen gewissen psychologischen Effekt, wenn man was Saugendes drunter hat und nicht sofort die Klamotten vollpinkelt...

@ Jule: Oh ja, so ein Teil würde mir bei meiner Figur sicher stehen. :P