Sonntag, 13. Februar 2011

Noch eine Versicherung

Mein Vater hat für mich, als ich etwa 12 Jahre alt war und zu reiten anfing, eine private Unfallversicherung abgeschlossen. Als ich meinen Unfall auf dem Schulweg hatte, wurde die komplette Versicherungssumme bei Invalidität fällig. Die Versicherungssumme betrug 100 T€, allerdings mit 5-facher Progression, weil es meinem Vater damals darum ging, die wirklich "heftigen" Dinge abzusichern und nicht die "kleineren", und so hat jenes in Bayern vertretene große Unternehmen mir vor etlichen Monaten eine halbe Million Euro ausgezahlt, die zur Zeit über 5 Jahre festgelegt sind mit 100% Einlagensicherung, auf verschiedene Konten verteilt und mit jeweils 4,2% Zinsen. Ich weiß, Aktien könnten auch 42% Zinsen bringen, aber eben auch -42% oder -100%. Insofern: 4,2% sind doch toll.

Hinzu kommen noch weitere rund 250 T€, die die gegnerische Versicherung als Schmerzensgeld zahlen musste bzw. die mir als 10-Jahres-Abschlag auf die Hälfte meiner Erwerbsunfähigkeitsrente gezahlt worden sind. Da ich alleine von der halben Rente und des Pflegegeldes der Unfallversicherung (nicht aus der gesetzlichen Pflegeversicherung) mehr als nur bescheiden leben kann (Was für Ausgaben habe ich denn als Schülerin mit einem WG-Zimmer?), bleiben pro Monat zwischen 2 und 3 T€ stehen, die ich nicht ausgebe. Mein neues Auto (den Viano) habe ich beispielsweise von diesen Zinsen bezahlt. (Es handelt sich um einen Sparvertrag, bei dem die Zinsen ausgezahlt werden und nicht stehen bleiben müssen.)

Okay, das erzähle ich nicht, um anzugeben, sondern um ein ganzes Bild zu erzeugen, wenn ich folgendes berichte: Mein Vater hatte diese Unfallversicherung abgeschlossen, weil er damals meinte, dass die Familienunfallversicherung, die er davor hatte, nicht ausreichend wäre, weil diese nur eine monatliche Invaliditätsrente bis zum 25. Lebensjahr für Kinder zahlt - danach ist Ende. Bei dieser Versicherung, die bestand nach wie vor, hat mein Vater aber, wie ich inzwischen erfahren habe, meinen Unfall auch eingereicht. Ohne mir je davon etwas zu erzählen.

Und nun kommt es: Er hat dort erklärt, dass ich bei ihm wohne und nach seinem Auszug (die haben das Haus verkauft, als sich meine Eltern getrennt haben) bei ihm geblieben wäre. Die Versicherung hat mich aber anlässlich meines 18. Geburtstages angeschrieben und wollte von mir eine Unterschrift. Die haben sie auch bekommen, allerdings nicht von mir, sondern von meinem Vater... Ich wusste von nichts. Irgendwas ist dem Sachbearbeiter spanisch vorgekommen, so dass er "im Rahmen einer Überprüfung über das Melderegister", wie er mir in einem Schreiben an meine WG-Anschrift nun mitteilt, festgestellt hat, dass ich nicht mehr dort wohne. Da mein Vater zwar Versicherungsnehmer sei, ich jedoch die Leistungsempfängerin, möchte man von mir wissen, ob ich mit einer Auszahlung der monatlichen Rente bis zum 25. Lebensjahr auf das Konto meines Vaters einverstanden bin. Es handelt sich hierbei um monatlich über 3.300 €. Auch hier hatte mein Vater eine 5-fache Progression gewählt, falls wegen Voll-Invalidität des Kindes ein Elternteil als Arbeitskraft ausfällt. Und Querschnittlähmung bedeutet im Versicherungsrecht Voll-Invalidität.

Nun ist es ja so, dass ich einerseits dankbar sein muss (und auch bin), dass mein Vater für mich schon die andere Versicherung abgeschlossen hatte, von deren Zinsen ich nun monatlich leben kann. Was ich aber unmöglich finde, ist, dass er hier so ein Ding dreht, ohne mir etwas zu sagen. Wäre er jetzt angekommen und hätte gesagt: Du, Jule, hier gibt es noch eine Versicherung, die haben wir mal abgeschlossen, um für dich da sein zu können und nicht arbeiten zu müssen, wenn du mal "invalide" wirst - dazu dann irgendwann die, die dir etwas zahlen sollte. Vielleicht wäre dann bei mir sofort alles klar gewesen und ich hätte es okay gefunden, wenn meine Eltern das Geld bekommen.

Vielleicht kann man jetzt auch argumentieren, dass ein ähnlicher Fall eingetreten ist. Meine Eltern haben sich "meinetwegen" oder zumindest wegen meines Unfalls getrennt. Ich habe keine Ahnung, ob mein Vater noch arbeitet. Oder nun nur noch von diesem Geld lebt. Nur: Wenn man das so entscheidet, steht meiner Mutter doch wohl die Hälfte zu, denn die Beiträge wurden doch wohl vom gemeinsamen Geld bezahlt, oder?

Ich weiß nicht, wie ich mich entscheiden soll. Wenn ich der Versicherung mitteile, dass ich nicht mehr bei meinen Eltern wohne, sie für mich auch keinen Unterhalt zahlen (was sie auch nicht müssen), wird mir das Geld künftig auf mein Konto überwiesen und mein Vater müsste vermutlich die zu Unrecht erhaltenen Zahlungen zurückzahlen oder an mich weiterleiten.

Frank, der Rechtsanwalt in unserer WG, hat dazu eine sehr konkrete Meinung. Die will ich nicht vorweg nehmen. Mich würden Kommentare und Meinungen dazu sehr interessieren. Schreibst du mir was?

Kommentare :

BigDigger hat gesagt…

Ganz ehrlich: Moralisch kann Dir Deine Familie recht egal sein. So, wie die - vor allem Dein Vater - Dich haben hängen lassen, gerade in Deiner schwersten Phase, ist Rücksichtnahme Deinerseits auch nicht unbedingt angezeigt.

Und juristisch wäre mir da viel zuviel Glatteis (263 StGB für Deinen Vater und dann 27 StGB i.V.m. 263 StGB für Dich ???), als dass ich gegenüber der Versicherung falsche Angaben machen würde.

Vio hat gesagt…

Eine wunderbare Gelegenheit, mich vom Lernen abzuhalten : )

Klare Meinung: So wie es dein Vater zur Zeit handhabt, mag es moralisch zwar für euch beide in gewisser Hinsicht in Ordnung sein, weil er die Versicherung ja abgeschlossen hat.

ABER: Ich finde, es ist schon Versicherungsbetrug. Klar, letztlich bestimmt immer der Vormund, was er mit dem Geld macht und es kann auf sein Konto eingehen. Aber es kommt eben nicht Dir zu Gute. Auch wenn du das Geld im Moment nicht finanziell brauchst, vielleicht brauchst du es irgendwann.

Und offiziell hast du es bekommen. Ich wäre bei sowas immer vorsichtig. Angenommen, du wärst mal auf staatliche Hilfe angewiesen, müsstest du dann beweisen, wo das ganze Geld geblieben ist? (man muss ja immer erst sein Vermögen aufzehren bevor man zb Harz IV bekommt und offiziell hast du ja den Betrag bekommen - erst recht wenn du volljährig bist).

Um dich rechtlich abzusichern würde ich der Versicherung die Wahrheit sagen.

Moralischer Gesichtspunkt: Da dein Vater sich nicht um dich kümmert, stehst du doch in keiner moralischen Verpflichtung ihm gegenüber. Wieso solltest du also für ihn aufkommen? Hat er sich mal gekümmert, ob du genug Geld zur Verfügung hast, bevor er dein Geld einsteckt hat?

Es ist dein Geld, wer weiß, ob du es nicht nochmal brauchst (studieren ist ja mittlerweile auch teuer!) - also nimm es!

Anonym hat gesagt…

Hallo Jule,

ich würde auf keinen Fall falsche Angaben machen, das könnte nach hinten losgehen.
Anzeigen(Strafrechtlich)würde ich ihn nicht.
Wenn du meinst das deinen Eltern das Geld zusteht kannst du ihnen ja überweisen was du willst, oder auch nicht.

lg

M.

ruolbu hat gesagt…

Kenne mich damit beim beste Willen nicht aus, aber im Grunde stimmt meine laienhafte Meinung mit dem bereits gesagten überein.

Gerade der letzte Punkt von Anonym, wenn dir etwas daran liegt, dass deine Eltern das Geld erhalten kannst du das doch sicher direkt lösen, je nachdem wie die Lust da steht.

Quastenflosse (n.e.) hat gesagt…

Hallo Jule,

bitte lüge die Versicherung nicht an, das kann nach hinten losgehen.
Was dein Vater da macht, ist unter aller Sau. Allein das Fälschen deiner Unterschrift ist ja schon nicht mehr im legalen Rahmen, und der Rest grenzt - meiner nmicht-Juristen-Meinung nach - schon an Betrug, sowohl an der Versicherung als auch an dir.
Mein Vorschlag wäre: Kläre das bei der Versicherung, lass dir das Geld direkt auszahlen, und wenn du deine Eltern dann noch "versorgt" wissen willst, kannst du es ihnen ja direkt auf ihr Konto überweisen. Dann hätte auch (oder nur, falls du das möchtest) deine Mutter etwas davon, die bis jetzt ja scheinbar leer ausgeht, obwohl sie es auf Grund ihrer Unterbringung vermutlich langfristig nötiger hätte als dein Vater.

Liebe Grüße,
Quastenflosse.

silke-katrin hat gesagt…

Ich würde nur noch etwas hinzufügen:
Also - meiner meinung nach haben sich Deine Eltern nicht "egen Deines Unfalls" getrennt, sondern, weil sie mit einer Situation in Ihrem Leben nicht mehr zusammen klarkamen. Also - es ist Ihre Schuld und Ihre Verantwortung und nicht Deine.
Der Versicherung würde ich auch richtige Annahmen machen, aber den vater darüber informieren (eventuell über den Anwalt Frank).
Klar, sein verhalten war nicht fair, aber ich würde vbersuchen, auf alle Fälle fair und offen zu bleiben.
Denn spätere Schuldgefühle sind nicht schön ...
Viele liebe Grüße Silke

Bria hat gesagt…

Ich würde der Versicherung ebenfalls die Wahrheit sagen. Das wäre mir allein schon gesetzlich viel zu riskant, dass da irgendwann mal was rauskommt. Und schließlich hat dich dein Vater angelogen - nicht grad die feine Art.
Ich finde, dann kannst du dir immer noch überlegen, was du mit dem Geld machst. Ich fände es aber auch nicht fair, wenn nur dein Vater davon leben würde und deine Mutter ginge "leer" aus. Entweder ich würde das an deiner Stelle komplett behalten oder gerecht aufteilen. Ich weiß nicht, wie sehr du noch mit deinen Eltern verbunden bist, daher kann ich dir in dieser Hinsicht nichts raten. Die ganze Geschichte ist so verworren dass es mir schwer fällt mich in dieser Hinsicht in dich hineinzuversetzen.

Aber wie gesagt - lügen würde ich vor der Versicherung keinesfalls.

Vivien hat gesagt…

Ich kenne das Verhältnis zwischen dir und deinem Vater zu wenig, um mir bei meiner Aussage sicher sein zu können.
Aber nach meiner Vorstellung wäre es vielleicht für euch beide erst einmal von Vorteil, das Thema zu besprechen. Ich meine, oh man, offenbar ist dein Vater wirklich ein verdammt armes Würstchen (und das sage ich wirklich nicht gerne), sich das dir zustehende Geld zu eigen zu machen und sich davon ein tolles Leben zu finanzieren, ggf. sogar nicht einmal mehr zu arbeiten (ich meine, hallo?), ohne dir einen Funken davon mitzuteilen und dann auch noch so fahrlässig aufzufliegen, das täte mir fast schon leid und es ist ätzend und schwierig solche Themen sachlich zu regeln, da man seiner eigenen Familie (auch wenn sie sich so falsch verhalten hat, wie nur geht) nicht unbedingt noch finanziellen Schaden zufügen mag.

Gut, man kann über alles reden. Möglicherweise steht auch deinen Eltern Geld zu, auch in dem Zusammenhang, dass du zur Zeit alles andere als finanzielle Sorgen hast usw., und wahrscheinlich sind auch deine Eltern leidtragend, irgendwo.
Auf der anderen Seite kann ich deinen Ärger verstehen und diesen Zwispalt, in dem du dich befindest.

Dennoch, wie kann man mit diesem Thema so schlecht umgehen?
Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll, denn es tut mir so weh zu lesen, wie deine Eltern sich verhalten.

Ich an deiner Stelle würde mich an deinen Vater wenden, und fragen, Papa, was soll das? Wenn wir schon nicht wie Vater und Tochter miteinander umgehen, können wir dann nicht zumindest wie Erwachsene miteinander umgehen?
Ich würde ihn auch offen nach seiner Meinung zu dem Thema fragen und klären, ob es in diesem Zusammenhang nicht vielleicht einen Kompromiss gibt, wenn du findest, dass deine Mutter benachteiligt wird.

Schwieriges Thema und schwierig, hierbei die richtiegn Worte zu wählen.

Anonym hat gesagt…

Hi

Ich möchte hier keine Rechtsberatung machen, denn das ist, soweit ich weiß, gar nicht erlaubt.
Das Verhalten deines Vaters ist einerseits merkwürdig dir gegenüber, aber eben auch der Versicherung gegenüber. Nun kenne ich die Beziehung von dir zu deinen Eltern nicht, aber für mich käme es nie in Frage, meine Eltern "irgendwo reinzureiten". Sprich, jetzt einfach zu der Versicherung zu gehen und dann eben zu sehen ob dein Pa das ganze Geld zurück zahlen muss.
Ich würde wohl mit meinem Vater sprechen, ihm die Meinung sagen was du zu dem Betrug denkst, auch das die Versicherung dich angeschrieben hat... und dann gemeinsam mit dem Vater (und Mutter?) überlegen was ihr nun macht und die Konsequenzen abwägen. Nun gibt es vielleicht nicht in jeder Familie so einen starken Zusammenhalt, aber ich würde die Beziehung zu meinen Eltern nicht wegen "Geldstreitereien" kaputt machem bzw in Kauf nehmen, das sie kaputt geht. Da würde ich das Geld lieber meinen ELtern überlassen. Immerhin hast du auch so "genug" wie du sagst und dein Vater hat die Versicherung wohl auch gemacht um vorzusorgen, falls er oder deine Ma dann nicht mehr arbeiten könnten... vllt hatte er das "Gefühl" das ihm das Geld daher sowieso zusteht immerhin zahlt er wohl auch monatlich in die Versicherung ein... wie gesagt... das was ich schreibe kann man wohl mit keinem Gesetz so abgleichen... aber für mich hätte ein gutes Verhältnis zu meinen Eltern oberste Priorität...

Banane hat gesagt…

Hi Jule,

die Versicherung anzulügen könnte nach hinten los gehen... das würde ich sicherlich nicht riskieren. - Und schon gleich gar nicht für deinen Vater.
Und selbst wenn dieses Risiko nicht bestünde, wäre mein Rat an dich trotzdem genau der Gleiche:
Sage der Versicherung die Wahrheit und lass das Geld auf dein Konto überweisen.
Warum sollte dein Vater denn bitteschön Geld bekommen, das dir zusteht, nachdem er nach deinem Unfall nie für dich da war, sondern dir nur Steine in den Weg gelegt hat und nachdem er dich sogar geschlagen hat?
Wie viel Geld dein Vater zur Verfügung hat, kann dir bei dieser Überlegung genau so egal sein wie die Tatsache, dass du auch ohne diese Versicherung schon mehr als genügend Geld zur Verfügung hast.

Warum denkst du nach allem, was dein Vater dir angetan hat, überhaupt noch darüber nach, ihm quasi monatlich 3300€ zu schenken?

Und deine Eltern haben sich auch nicht deinetwegen oder wegen deines Unfalls getrennt, sondern aufgrund ihrer eigenen Unfähigkeit, mit den Folgen deines Unfalls umzugehen - und dafür kannst du nun wirklich überhaupt nichts.

Gruß,
Banane

Miriam hat gesagt…

Hallo Jule,

ich lese bei dir schon länger mit, aber nachdem du heute ja sogar zum Kommentieren aufgefordert hast, möchte ich dazu auch mal was sagen:

ich finde, du sollstest der Versicherung sagen, was Sache ist. Du magst zwar auf das Geld nicht angewiesen sein. Aber es wird dir auch nicht schaden, es zu bekommen, wer weiß, wozu du es noch brauchen kannst.

Und vor allem finde ich, dass es deinem Vater nicht zusteht. Sicher, er hat die Versicherung abgeschlossen. Er hat sie auch für dich abgeschlossen, für den Fall, dass du "invalid" wirst, was ja nunmal eingetreten ist. Allerdings war es ja so gedacht, dass damit der Ausfall des Geldes ausgeglichen wird, der deinen Eltern entsteht, weil sie für dich sorgen und deshalb weniger arbeiten. Und genau das ist der Punkt: tun sie das? Haben sie das irgendwann getan, seit dem Unfall? Nachdem, was du in deinem Blog so geschrieben hast, haben sie eher immer versucht, dir das Leben schwer zu machen und sich absolut nicht wie liebende, fürsorgliche Eltern verhalten.

Dazu kommt dann noch, dass er dir davon nicht erzählt hat, sondern still und heimlich das Geld eingestrichen hat, dafür sogar noch deine Unterschrift gefälscht hat. Das geht mal gar nicht. Und über die Konsequenzen, die das haben kann, muss er sich selbst klar gewesen sein. Sollte er auf das Geld angewiesen sein, hätte er ehrlich sein sollen zu dir!

Wäre es nach deinen Eltern und insbesondere nach deinem Vater gegangen, ginge es dir heute längst nicht so gut, wie es jetzt ist. Ich erinnere mich noch daran, wie der Richter zu dir ins Krankenhaus kommen musste, an die Geschichte mit dem Führerschein...
nein, unter den Voraussetzungen würde ich der Versicherung auf alle Fälle sagen, dass du eben nicht dort wohnst, nie bei ihm gewohnt hast seit dem Unfall und dass du NICHT mit einer Überweisung des Geldes an ihn einverstanden bist. Das Verhältnis zwischen deinem Vater und dir kann ja ohnehin auch kaum noch schlechter werden...

Und wenn du das Geld wirklich nicht braucht/ nicht willst, dann kannst du es immer noch sinnvoller einsetzen, für den Sportverein z.B. oder andere soziale Zwecke.

Ronja hat gesagt…

Liebe Jule,

es macht mich traurig und wuetend zu lesen, wie sich Dein Vater verhält. Was auch immer fuer Beweggruende er haben mag, um sein eigenes Verhalten vor sich selber zu rechtfertigen, es sieht doch sehr nach Urkundenfälschung und Betrug aus. Und es geht einfach nicht, dass er versucht, sich Geld, das ihm nicht zusteht, unter den Nagel zu reissen. Es waere was anderes, wenn Ihr Euch darauf geeinigt haettet, dass er das Geld haben kann- Aber auf die Tour? Nö. Ich wuerde der Versicherung sagen, wie es ist. Warum solltest Du auch noch anfangen zu luegen?

Wenn er wirklich finanzielle Probleme hat und auf Dein Geld angewiesen ist, dann sollte er ehrlich mit Dir reden. Das ist eine Grundvoraussetzung. Und dann kannst Du Dir ueberlegen, ob Du gemeinsam mit ihm nach einer Lösung suchen magst.

Liebe Gruesse,
Ronja

C aus B hat gesagt…

Hallo Jule,

eigentlich gehöre ich nicht zu den Menschen die unter Blogs ihre Kommentare schreiben. Selten lese ich auch mehr als ein/zwei Artikel auf Blogs, deinen habe ich jedoch komplett gelesen. Da Du nun alle direkt aufforderst etwas zu schreiben - und weil ich im Gegensatz zu meinen Vorschreibern - anders Vorgehen würde, antworte ich auf deinen Eintrag.

Zunächst: Was dein Vater getan hat, ist nicht in Ordnung. Auch der "Zustand" kann so nicht fortbestehen, dass dein Vater deine Unterschrift gefälscht hat und Gelder die dir zustehen einfach auf sein Konto "umleitet". Aus der gefälschten Unterschrift ergibt sich wohl auch eine Straftat, die die Versicherung zur Anzeige bringen könnte - das kann dir aber dein Jurist viel besser beantworten...

Dennoch kann doch die Versicherung ruhig eine Woche auf eine Antwort warten. Du könntest deinem Vater also noch eine Chance einräumen, seinen Fehler selbst noch zu beheben. Mit ein wenig Glück lässt die Versicherung dann auch Gnade vor Recht ergehen.

Ich habe keine Ahnung, wie euer aktuelles Verhältnis zueinander ist. Zur Not würde ich einen Brief schreiben auch wenn die Formulierung sicher sehr schwer fällt. Dennoch hat jeder noch eine Chance verdient und es erleichtert das Gewissen sie gegeben zu haben. Wenn er die Chance vergibt, dann ist es wahrscheinlich nötig, die Versicherung selbst zu informieren.

Ich denke ich würde meinen Eltern diese Möglichkeit - unabhängig von dem was evtl. zuvor passiert ist - geben.
Es kostet lediglich eine Woche Zeit...

...und mit ganz viel Glück kann auch das Verhältnis zwischen euch besser werden.

Was du dann mit dem Geld machst ist dennoch schwierig. Aufteilen würde ich es aber mit Sicherheit - nur wie?

Der C aus B

Mike hat gesagt…

Ich formuliere es jetzt mal ganz knallhart:
Dein Vater hat sowohl einen Betrug als auch eine Urkundenfälschung begangen, um sich selbst einen finanziellen Vorteil zu verschaffen, der ihm objektiv betrachtet nicht zusteht. Er hat dir zustehende Gelder veruntreut. Punkt.

Die Frage ist jetzt, ob Du deinen Vater aus der Scheisse , in die er sich selber reingeritten hat, rausziehen willst oder nicht. Eine andere Frage ist dann noch, ob Du das überhaupt noch kannst, denn sobald die Versicherung intensivere Nachforschunen anstellt bzw Anzeige wg Betrugsverdachtes erstattet, wird rauskommen, dass Du mitnichten seit deiner Entlassung aus dem Krankenhaus bei deinen Eltern gewohnt hast.

Überleg dir, was Du tun willst, dann red mit einem darauf spezialisierten Anwalt.

Mein unverbindlicher Tipp.

LG
Mike

m. hat gesagt…

Ich würde gegenüber der Versicherung keine unrichtigen Angaben machen.Aus verschiedenen Erwägungen heraus.

Fakt ist: Du bist vom Krankenhaus in Deine WG gezogen und hättest auch gar nicht wieder zu Deinen Eltern ziehen können (rein aus baulichen Gründen, die Familienkonflikte noch außen vor...). Wenn man Dich konkret fragen sollte, ob diese besagte Unterschrift von Dir stammt, würde ich auch in der Hinsicht nicht lügen. Dein Vater hat sich da ganz schön was angemaßt...holla.

Deine Eltern mögen auf ihre Art bemitleidenswert sein, weil sie so unflexibel und engstirnig sind (wie ich früheren Beiträgen entnommen habe). Ich würde glatt sagen: Dein Vater ist eine arme Sau.
Aber ich sehe keinen Grund, ihn jetzt aus dieser Sache zu "retten".

Vermutlich fühlt er sich auch noch "im Recht", schließlich hat ER diese Versicherung für Dich abgeschlossen. Und Du bist ja aus seiner Sicht eh undankbar und überhaupt... Ich könnte mir vorstellen, dass er sich das schon so konstruiert hat, dass er meint, völlig zu Recht dieses Geld zu beziehen.

Auch wenn Du aktuell dieses Geld nicht benötigst - ich würde es nicht auf diese Art und Weise zulassen, dass er kassiert. Was Du mit dem Geld der Versicherung letztlich machst, ob Du es für wohltätige Zwecke einsetzt oder sparst oder Deinen Eltern einen Betrag schenkst, das ist Deine Entscheidung. Aber zu so einer Aktion Deines Vaters gehört Einiges an krimineller Energie, er lügt und hintergeht anscheinend skrupellos. Wenn ich dann noch daran denke, wie er Dich mal bedrängt und Deinen (ersten?) Rollstuhl zerlegt hat bei seinem Besuch in der WG - nee, ich wüsste nicht, warum Du ihn extra schützen solltest.

Der Versicherung gegenüber würde ich mitteilen, dass Du, wie sie ermittelt haben, unter dieser Adresse lebst. Und dann abwarten, was noch an Schreiben kommen. Ggf. wird Frank da ja helfen können.

Dein Unfall war sicher ein Schlag für Deine Eltern - aber nicht der Unfall hat die Trennung bewirkt, das ist eine Sache zwischen den beiden.

Euer Eltern-Tochter-Verhältnis ist zerrüttet bzw. es existiert aktuell ja gar nicht, oder?
Ich denke nicht, dass "gemeinschaftlicher Versicherungsbetrug" wirklich dazu beitrüge, dass Ihr miteinander Frieden schließt. Ich weiß auch nicht, ob Du anstrebst, wieder Kontakt zu Deinem Vater und Deiner Mutter zu bekommen. Wenn Du das willst, dann wirst Du einen Weg finden, Ihnen ein "Kommunikationsangebot" zu machen. Unabhängig von solchen Versicherungssachen.

Gruß
m.

Anonym hat gesagt…

Hier wird eine Versicherung abgeschlossen für den Fall, dass jemand aus der Familie "invalide" wird. Jetzt trat der Fall ein, dann leistet die Versicherung. Und zwar an den Invaliden. Das ist immer so, auch wenn bei minderjährigen Invaliden die Eltern sich um das Geld im Sinne des Kindes kümmern müssen.

Das hier ist kein Lottoschein, von deren 6 Richtigen man aus moralischen Gründen ein paar Euro abkriegt, weil man beim Aussuchen der Zahlen geholfen hat. Hier hat dein Vater für dich einen Vertrag abgeschlossen. Das Geld steht dir zu, also hast du darüber zu entscheiden, wohin es fließt. Und wie weit er Moral für sich beanspruchen kann.

Bienchen hat gesagt…

Ich würde der Versicherung die Wahrheit sagen. Wenn sie deine Adresse rausbekommen haben können sie auch schnell herausfinden, wie lange Du dort schon wohnst. Dann werden sie auch ohne dein Zutun an deinen Vater herantreten.

Banane hat gesagt…

Noch ein Nachtrag:
Wenn du deinem Vater unbedingt etwas "Gutes" tun willst, kannst du ja so nett sein und darauf verzichten, die Gelder, die er bisher illegal eingestrichen hat, von ihm zurückzuverlangen und du kannst von weitergehenden Maßnahmen absehen, die zu rechtlichen Problemen wegen Urkundenfälschung und Versicherungsbetrug führen könnten (sofern die Versicherung diese beiden Dinge nicht schon von vornherein selbst in die Hand nimmt, nachdem du die Wahrheit gesagt hast).

Das halte ich sogar für durchaus sinnvoll, wenn du den Konflikt mit deinem Vater, der sich ja zum Glück weitestgehend aufgelöst hat (indem ihr einfach keinerlei Kontakt mehr habt), nicht wieder aufheizen willst.

Gruß,
Banane

Jule hat gesagt…

Ich bedanke mich für die vielen Kommentare. Ich habe bereits einen weiteren Beitrag dazu geschrieben.

Ich habe sie alle gelesen. Um noch kurz auf einzelne (ausgewählte) Kommentare einzugehen:

- Eine Quastenflosse wurde dir nicht erteilt? So so. :D

- Ich habe keinen Kontakt mehr zu meinen Eltern.

- Die Idee, meinem Vater zu ermöglichen, es selbst zu klären, halte ich persönlich für sehr gut, allerdings ginge das nur, sagt Frank, wenn er sofort die Kohle auf den Tisch legt oder sich vorher mit mir einigt. Die Kohle wird er aber nicht auf den Tisch legen können (vermutlich) und sich vorher einigen, davon rät Frank ab, weil man nicht wisse, welcher Baum da schon brennt. Wenn da wirklich schon (steuer-)strafrechtliche Ermittlungen laufen, könnte eine solche Einigung auch schnell als Beihilfe ausgelegt werden.

- Ich vermute auch, dass er sich eine Rechtfertigung zurecht gelegt hat, um sein Gewissen zu beruhigen. Ich hoffe nur, er sieht das ein.