Dienstag, 29. März 2011

Lieber wild als gar nicht

Aufgeben kommt nicht in Frage.

Vielleicht kann ich den Kampf nicht gewinnen und muss über kurz oder lang eingestehen, dass ich als Mitglied einer Minderheit in einer unterlegenen Position bin, vielleicht ergibt sich daraus, dass ich meinen Schulbesuch abbrechen muss - in einem Staat, in dem die Verfassung die Diskriminierung von Minderheiten verbietet.

Vielleicht kann ich den Kampf nicht gewinnen und muss über kurz oder lang eingestehen, dass ich als behinderter Mensch auch körperlich unterlegen bin, vielleicht ergibt sich auch daraus, dass ich meinen Schulbesuch abbrechen muss - in einem Staat, in dem die Verfassung allen Bürgern ihr Recht auf körperliche Unversehrtheit garantiert.

Geht es eben doch um Mehrheitsverhältnisse und körperliche Kraft? Eigentlich, so hatte ich gedacht, haben sich Mehrheiten ohne körperliche Gewalt mal auf etwas anderes geeinigt.

Rollstuhlfahrer werden niemals eine Mehrheit darstellen. Bei "Menschen mit Behinderung" bin ich mir nicht so sicher, aber Rollstuhlfahrer? Nein. Und körperlich überlegen werden Rollifahrer auch nie sein. Deswegen kann ich nicht anders: Aufgeben kommt nicht in Frage.

Es gibt einige Bereiche, in denen ich bereit bin, Kompromisse zu schließen. Wenn jemand aus Versehen, weil er es nicht besser weiß oder nicht besser kann meine Rechte verletzt, bin ich meistens sehr nachsichtig. Aber es gibt bestimmte Bereiche, in denen ich nicht mit mir diskutieren lasse: Einer davon ist die körperliche Unversehrtheit. Ich lasse es nicht zu, dass andere Menschen körperliche Gewalt auf mich ausüben. Auch nicht für ein paar Tage, auch nicht ein bißchen, auch nicht des lieben Friedens Willen.

Insofern kommen praktische Überlegungen, der ganze Zirkus könnte mich mein Abi kosten, überhaupt nicht als Entscheidungsgrundlage in Frage. Dann kostet es eben mein Abi! Ich werde nicht brav zur Schule gehen, mich anrülpsen, mit Wasser bespritzen, mit Kopfnüssen traktieren lassen, um mein Abi zu bekommen. Das stand nicht auf dem Lehrplan. Ich wehre mich. Auch wenn es der unangenehme Weg ist und ich damit anderen Leuten auf den Wecker gehe.

Ich möchte drei sehr interessante Beobachtungen aufschreiben.

Zuerst bin ich gestern von Hannah gebeten worden, bei einem Gespräch dabei zu sein, dass sie mit unserem Vertrauenslehrer führen wollte. Nicht Hannah selbst hatte um das Gespräch gebeten, sondern ihre Großeltern. Vielmehr der Großvater. Erst war ich etwas erstaunt, dann erklärte Hannah, dass ihre Eltern getrennt leben, die Mutter arbeite und der Großvater darum gebeten hatte, mit einem Verantwortlichen sprechen zu dürfen. Hannah ist volljährig, dennoch schade es nicht, wenn die Schule mitbekomme, dass Angehörige besorgt seien.

Ich wartete also vor einem Besprechungszimmer, zusammen mit Hannah, als ein großer, alter Mann mit schneeweißen Haaren, im schwarzen Anzug mit Krawatte langsam um die Ecke bog. Schwerfällig, auf einen Gehstock gestützt. Er umarmte Hannah, er gab mir die Hand, und als ich zufasste, legte er seine zweite Hand auf meine, sagte: "Schön, dass Sie dabei sind."

Er sprach eher langsam. Er hatte eine eher tiefe und kräftige Stimme. Bei dem Gespräch wollte Hannahs Opa gar keine Einzelheiten hören. Es dauerte keine 10 Minuten. Er sagte nur: "Es sind schlimme Zustände hier. Meine Enkelin hat Angst, auch wenn sie es nicht jedem zeigt. Aber als ihr Opa spüre ich das. Sie tragen Verantwortung für viele junge Menschen. Verantwortung ist etwas sehr schweres. Ich habe das Gefühl, manch einer macht es sich hier damit zu leicht."

Der Vertrauenslehrer versuchte zu beschwichtigen, allerdings stellte Hannahs Opa eine sehr gute Frage: "Übertreiben die jungen Frauen?" - Der Vertrauenslehrer antwortete: "Wir nehmen die Sorgen unserer Schüler sehr ernst." - Hannahs Opa fragte erneut: "Sagen Sie es mir! Übertreiben die jungen Frauen?" - Der Vertrauenslehrer sagte: "Nein. Sie übertreiben nicht."

Ich dachte erst, Hannahs Großvater wollte lediglich wissen, ob der Vertrauenslehrer seine Enkelin wirklich ernst nimmt. Aber dann sagte er: "Doch, mein Herr, mit Verlaub, sie übertreiben. Alle jungen Menschen übertreiben. Manchmal. Es gehört dazu, dass jugendliche Menschen noch nicht so genau wissen, wieviel Kraft sie brauchen, um ein Ziel zu erreichen. Sie haben viel Kraft, sie zu dosieren fällt oft schwer. Aber als erstes ist wichtig, dass junge Menschen überhaupt kämpfen. Wer für etwas kämpfen kann, der kann auch lieben. Liebe ist die Wurzel unseres Lebens. Also lieber wild als gar nicht."

Ich schluckte. Einen Moment überlegte ich, was das werden sollte. Er fuhr fort: "Aber es muss fair zugehen. Wer seine Erfahrungen gemacht hat, wer älter wird und weise, ist verpflichtet, seine Weisheit an die jungen weiterzugeben. Sie zu unterstützen und zu einem fairen Umgang miteinander anzuhalten, ist ihr Job, mein Herr. Und der ihrer Kolleginnen und Kollegen und ihrer Chefin und allen anderen hier. Die Schüler hier müssen nicht wissen, was ideale Zahlen sind. Aber wenn es jemandem gelingt, sie mit höherer Mathematik zu begeistern, so soll er diese Möglichkeit nutzen, sie zu aufrichtigen Menschen zu formen. Diese zweite, wesentliche Aufgabe haben die meisten Lehrer heute nicht mehr auf dem Plan."

Der Vertrauenslehrer wollte antworten, aber Hannahs Opa redete einfach weiter. Ich weiß nicht, ob er es nicht verstand und etwas schwerhörig war, oder ob er einfach keine Unterbrechung zulassen wollte. Er fuhr fort: "Wenn junge Menschen beim Kämpfen über ihr Ziel hinausschießen, dann ist der größte Fehler, sie bei ihrem Kampf nicht ernst zu nehmen. Kämpfende junge Menschen möchten Liebe und Frieden. Sie brauchen unsere Unterstützung bei ihrem Kampf, damit sie richtig und fair kämpfen und ihre Ziele erreichen, bevor sie ihre ganze Munition verschossen haben." Ohne jede Pause sagte er dann: "Nun habe ich Sie aber lange genug aufgehalten." Verabschiedete sich und ging.

Nachdenkliche Worte? Die zweite Beobachtung war, dass mich in der Schule mehrere Mitschüler dazu motivieren wollten, nächsten Monat als Schülersprecherin zu kandidieren. Das finde ich zwar einerseits eine sehr gute Idee, andererseits möchte ich lieber an anderer Stelle kämpfen: Beim Sport. Übrigens gab es auch zwei Lehrer, die mich angesprochen haben und mich ermutigt haben, weiter den Finger in die Wunde zu legen.

Die dritte Beobachtung machte ich beim Klick auf meine Blog-Statistik. Mein Eintrag vom letzten Freitag ist bereits heute der am meisten gelesene Beitrag aller Zeiten und hat mit zur Zeit 34 und zum Teil sehr langen Kommentaren sehr viel Anteilnahme ausgelöst. Dafür möchte ich mich bedanken. Ich muss nicht erwähnen, dass ich jeden einzelnen Kommentar genau durchlese und zum Teil auch sehr intensiv darüber nachdenke, oder?

Eine Sache ist nicht so einfach: Der Schulwechsel. Ich bin auf einem Gymnasium, das das Abi noch in Klasse 13 macht, während fast alle anderen Hamburger Gymnasien das Abi in Klasse 12 machen. Darüber hinaus habe ich mich nach Klasse 10 für einen besonderen Schwerpunkt entschieden, der in Hamburg kein zweites Mal angeboten wird. Ein Schulwechsel würde bedeuten, dass ich mindestens eins, eher zwei Jahre dranhängen müsste.

Kommentare :

annina hat gesagt…

Ich kann all Deine Überlegungen sehr gut nachvollziehen, möchte aber ungeachtet aller anderen Punkte sagen: Mach UNBEDINGT Dein Abi! Egal wo! BLOSS NICHT DARAUF VERZICHTEN! Wünsche Dir viele Nerven. LG

Mosi hat gesagt…

Das Grundgesetz, das Sie hier zitieren, gilt für den Staat, nicht für Einzelpersonen. Sie werden nicht vom Staat diskriminiert oder körperlich misshandelt, sondern von einer Einzelperson. Das sollten Sie in Klasse 12 bereits wissen. Somit: Setzen, Sechs.

Mausi hat gesagt…

Oberlehrer Mosi hat Recht, dass das Grundgesetz für den Staat gilt, nicht für Einzelpersonen. Er hat ebenfalls Recht damit, dass viele Leute unsinnigerweise die Ausführungen über die Unantastbarkeit der Menschenwürde bemühen, sobald sie von einem einzelnen Täter beleidigt werden. Dafür schonmal einen Punkt.

Wenn Mosi aber genau gelesen hätte, wäre ihm aufgefallen, dass Jule an einer staatlichen Schule diskriminiert wird, und zwar nicht nur von Schülern, sondern auch von Staatsdienern. Von manchen nur mittelbar, von manchen nur durch Duldung und Unterlassung. Diese Duldung oder gar die Teilnahme an diskriminierenden Handlungen ist Staatsdienern durch die Verfassung verboten.

Weiter führt Jule aus, dass sie in einem Staat lebt, in dem die Verfassung allen Bürgern ihr Recht auf körperliche Unversehrheit garantiert. Auch daran ist nichts auszusetzen, denn der Adressat dieser Botschaft ist nicht die gewalttätige Mitschülerin, sondern wiederum staatliche Institutionen, die so etwas durch Wegschauen zulassen.

Ich komme also zu einem anderen Ergebnis: Bei Mosi bleibt es bei einem Punkt, Jule sollte sich ihr Ziel immer wieder vor Augen halten und kämpfen, aber, analog zu Hannahs Opa, aufpassen, dass sie nicht über ihr Ziel hinausschießt. Noch sehe ich das nicht, aber wenn sich jetzt etwas bewegt, darf man erstmal wieder etwas Fahrt rausnehmen.

Viel Glück und weiter so!

Vio hat gesagt…

Was ist denn nun aus der Auseinandersetzung mit der Direktorin geworden? Oder darfst du dazu nichts mehr schreiben?

Anonym hat gesagt…

Kannst du das Abi nicht doch noch irgendwie in diesem Jahr machen? Komme aus S-H, hier wird das Abi in der Regel zwischen Feb und April geschrieben, in HH ist es eigentlich nicht groß anders oder? Was ich sagen will ist, das du es doch fast schon in der Tasche hast. Könntest du nicht von zu Hause aus lernen? Du hast doch genug Punkte um es zu schaffen. Die offiziellen Klausurdaten musst du nicht wahrnehmen. Schreibe sie nach, Ärztliches Attest und Gespräch mit Klassen bzw. Stufenleiter reicht aus eigener Erfahrung aus. Das es mit viel Aufwand und Kraft verbunden ist weiss ich auch, aber das ist allemal besser als erneut ein oder sogar zwei Jahre dranzuhängen. Ich bin jetzt durch ein Handicap im dritten Anlauf und glaub mir, ich hab unglaublich doll keinen Bock mehr auf diesen Saftladen den ich jeden Tag betreten muss um meinen Abschluss zu bekommen. Ich geh trotzdem hin weil ich weiss, das es nicht mehr lange ist. Trotz Schmerzen, trotz großen Problemen im Unterricht. Versuch irgendwie das Abi in 2011 zu reißen, danach kannst du dich ausruhen, keine Frage, aber es ist so 1000 mal besser, du bist so kurz davor.

Noch eine Idee: Wenn das Mädchen, das Handgreiflich geworden ist dich weiterhin nicht in Ruhe lassen solle, kannst du nicht eine einstweilige Verfügung gegen sie erlangen das sie nicht unter 50m an dich ran darf oder so?

Was ist mit einem Personenschützer? Kein Scheiß, klingt blöd und sieht auch blöd aus aber dann läßt sie dich in Ruhe. Kostet Geld, aber was ist Geld gegen das Abi in 2011 und nicht in 2013?

Wenn sie handgreiflich wird, dich bespuckt etc.?! Was spricht gegen größere Gewalt als das Pfefferspray? Auf das Niveau sollte man sich nicht herablassen, ich will hiermit auch nicht zur Gegengewallt oder Illegalen mitteln aufrufen aber, würde mir deine Situation widerfahren sein, das Mädchen würde nicht mehr auf ihren eigenen Beinen stehen... Wie unendlich Asozial ist die eigentlich? Gewallt gegen jmd mit handicap, unglaublich! Und jetzt keine Ausreden das sie nichts dafür kann weil ihr Vater n elendiger Schläger und ihre Mutter Alki ist oder so, mir kommen gleich die Tränen!

Kurzum, Jule, lass dir was mit der Schule und deiner Sicherheit in dieser einfallen und zieh das Abi durch, du bist nicht allein, ich muss das in den nächsten Wochen auch machen... Wir packen das!

Ach ja, Auto besser in der Garage lassen Lackkratzer und kaputte Reifen sind einfach nur nervig... Taxifahrer gibt es genug und wenn du einen netten brauchst der dich fährt melde dich bei mir, mein Dad fährt in HH...


Gruß T.

Jule hat gesagt…

@Vio: Ich habe meinen Aufsatz über Respekt in Textform per Mail an die Direktorin geschickt und seitdem nichts mehr gehört oder gesehen.

@T: Ich mache mein Abi erst 2012, da ich eins der letzten neun- und kein achtstufiges Gymnasium besuche.

Sally hat gesagt…

Wow. Immerhin hat ihr Opa (hoffentlich?) ordentlich Eindruck hinterlassen. :)

Ich weiß nicht, was ich Dir bzgl. Deiner Situation raten soll, wünsche Dir aber viel, viel Kraft für diesen Mist und hoffe ebenfalls auf eine baldige Lösung.

Halt die Ohren steif, Kutterkind.

Ganz, ganz liebe Grüße aus dem Topf.

ArminF hat gesagt…

Art. 1 GG:
(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist
Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.

Art. 2
(1) Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht
die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das
Sittengesetz verstößt.
(2) Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit
der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes
eingegriffen werden.

...nur mal damit wir wissen auf welcher Grundlage hier diskutiert wird...

@Mosi: Wer ist denn der Staat? Das ist doch Quatsch zu sagen, das GG gilt nur für den Staat und nicht für Einzelpersonen. Das GG bzw. jede Verfassung ist aus dem Gedanken heraus entstanden (als sich die Gesellschaft eine Verfassung gegeben hat) den Bürger vor dem Staat, der vor der Zeit, als es eine Verfassung gab, oftmals hemmungslos in die (nicht schriftlich festgehaltenen) Rechte der Bevölkerung eingegriffen hat, zu schützen. Im GG sind Rechte des einzelnen Bürger festgehalten, natürlich gilt das GG dadurch auch für Einzelpersonen.

PS. Jule: ich drück dir ganz fest die Daumen dass es mit dem Abi auf DIESER Schule klappt. Gib bitte nicht auf - das würde sowohl der Direktorin als auch den Schülerinnen doch nur zeigen, dass sie sich im Recht fühlen können. Und das fände ich echt verheerend!

Anonym hat gesagt…

ich glaub auch, wenn du nimmer hingehst, werden sie sich nur freuen, dass sie dich los sind...

Mausi hat gesagt…

@ArminF: Hatte ich es nicht gerade erklärt?!

Die in Artikel 1 bis 19 GG enthaltenen Grundrechte regeln und begrenzen die Macht des Staates gegenüber seinen Bürgern. Der Adressat ist der Staat, der Geschützte ist der Bürger.

Selbstverständlich führt das auch zu Drittwirkungen unter den Bürgern. Ein einfacher Bürger verletzt aber keine Grundrechte, sondern allenfalls das Strafgesetzbuch oder entsprechende Nebengesetze.

Vergl. Wikipedia, Grundrechte: "Grundrechte sind wesentliche Rechte, die Mitgliedern der Gesellschaft gegenüber Staaten als beständig, dauerhaft und einklagbar garantiert werden. In erster Linie sind sie Abwehrrechte des Bürgers gegen den Staat."

Auch nur einen Punkt. Setzen.

Banane hat gesagt…

Hi Jule,

die Worte, die Hannahs Opa an den Vertrauenslehrer gerichtet hat, finde ich erst mal ziemlich gut. - Ich hoffe mal, dass sie bei ihm auf fruchtbaren Boden Fallen.
Es stellt sich aber die Frage, ob der Vertrauenslehrer der richtige Empfänger für diese Worte war. - Eigentlich hätten sie eher an die Schulleiterin gerichtet werden müssen. Aber bei einer derart ignoranten Person, die erst auf Druck von oben handelt, hätten diese Worte wohl auch nichts bewegt.

Weiterhin freut es mich, zu hören, dass es offensichtlich auch Schüler gibt, die auf deiner Seite stehen und die dich dazu ermutigen wollen, weiter zu kämpfen - evtl. auch als Schülersprecherin.
Vielleicht traut sich nach all den Vorkommnissen auch mal der eine oder andere Mitschüler, einzugreifen, wenn er sehen sollte, dass du irgendwie angegriffen wirst und dich (aufgrund deiner Behinderung) nicht ausreichend wehren kannst, anstatt dir nur unter vier Augen Mut zu machen.
Dass dich auch zwei Lehrer dazu ermutigt haben, weiter den Finger in die Wunde zu legen, finde ich auch erst mal gut... - Vielleicht könnten dich diese Lehrer auch bei deinem "Kampf" unterstützen.
Aber daraus könnte man auch eine weitere Vermutung ableiten:
Die Lehrer sind evtl. zu feige, selbst etwas gegen die unfähige Schulleiterin zu unternehmen oder irgendwie auf eigene Faust Maßnahmen gegen die an deiner Schule vorhandene Behindertenfeindlichkeit zu ergreifen... - Und dann könntest du wohl nicht mit all zu viel Unterstützung rechnen.

Ob du für das Amt der Schülersprecherin kandidieren willst, musst du natürlich selbst entscheiden. Dieses Amt ist ja doch mit einigem an Arbeit verbunden und du solltest dir genau überlegen, ob du dir diese Arbeit zumuten willst.
Aber dieses Amt könnte dir natürlich auch einige gute Möglichkeiten bei deinem Kampf gegen die untragbaren Zustände an deiner Schule eröffnen...

Ich wünsche dir auf jeden Fall viel Kraft und hoffe, dass du bei deinem Kampf möglichst viel Unterstützung bekommst!
Weiterhin hoffe ich auch, dass dir die Zustände an deiner Schule und dein Kampf gegen diese Zustände nicht irgendwie die Zukunft versauen - z.B., indem du dein Abi nicht machen kannst.

Schade, dass ein Schulwechsel für dich kaum möglich ist. Manchmal ist es nämlich gut, dem einen oder anderen Kampf aus dem Weg zu gehen...
Aber leider geht das nicht und es gibt wohl keine andere Möglichkeit für dich, als diesen Kampf auszufechten. - Dabei wünsche ich dir noch mal viel Kraft und vor allem auch viel Erfolg!

Und wenn du weder alleine, noch mit irgendwelcher Unterstützung durch andere Personen weiter kommst, könnte es ja als letztes Mittel evtl. auch hilfreich sein, die Medien auf die Zustände an deiner Schule hinzuweisen...
Das würde so manchem unbeweglichen Menschen in den oberen Etagen evtl. Beine machen...
Aber ich halte das wirklich nur für das letzte Mittel, weil sich dadurch auch viele Leute auf den Schlips getreten fühlen könnten - und das kann dann auch ziemlich schlecht für dich ausgehen. - Und bisher hast du ja zumindest in der Aufsichtsbehörde einen fähigen Menschen erwischt, der dir effektiv helfen kann und der die anderen, unfähigen Leute dazu bewegen kann, zu handeln.

Gruß,
Banane

Narijanna hat gesagt…

@ Mausi

"Präambel
Im Bewußtsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen, von dem Willen beseelt, als gleichberechtigtes Glied in einem
vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen, hat sich das
Deutsche Volk kraft seiner verfassungsgebenden Gewalt dieses
Grundgesetz gegeben.
Die Deutschen in den Ländern Baden-Württemberg, Bayern, Berlin,
Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern,
Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen haben in freier Selbstbestimmung die Einheit und Freiheit Deutschlands vollendet. Damit gilt dieses Grundgesetz für das gesamte Deutsche Volk."
nachzulesen hier http://www.gesetze-im-internet.de/bundesrecht/gg/gesamt.pdf

Also ich kann mir nicht helfen ich lese da "das gesamte Deutsche Volk" und nicht nur der Staat (wobei es hier auf die definition staat ankommt).
Mausi jetzt sage ich dir mal was als Ungebildeter Landwirt, komm von deinem hohen roß runter und verteile keine solchen Lehrerplatten dafür sind wir zu alt.



Dir liebe Jule drücke ich ganz feste die Daumen das sich alles wieder ins rechte lot setzt.
Sei stolz und setze deinen weg fort.
Du bist schon recht so wie du bist.
Gruß Narijanna

Anonym hat gesagt…

Danke, Narijanna. Das "Setzen, 6" ging mir auch schon auf die Nerven. Was soll das denn? Selbst in der Schule wird nicht mehr mit solchen Plattheiten herumgeworfen. Jule, ich finde deinen Beitrag, wie auch immer man jetzt diese Gesetzespassage auslegt, sehr gut geschrieben und halte mich nicht mit Motzereien auf, wenn es um etwas viel Wichtigeres geht. Ich habe mich sehr gefreut zu lesen, dass dich auch Lehrer und Schüler angesprochen haben, die es super finden, dass du dich gegen diese Ungerechtigkeiten zur Wehr setzt. Ich drücke dir die Daumen und hoffe, dass die guten Worte des Großvaters einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben.

Jule hat gesagt…

Ich bitte auch darum, in Kommentaren ein wenig achtsamer miteinander umzugehen.

Uns wurde zwar auch beigebracht, dass das Volk (also jeder einzelne, aber alle gemeinsam, vom Landwirt bis zum Juraprofessor) sich selbst das Grundgesetz gibt, um verbindlich zu regeln, was der Staat mit jedem einzelnen machen darf und was nicht, auch um die Gewalt, die der Staat hat, vernünftig zu dosieren und auf möglichst viele Schultern zu verteilen, damit jemand wie Adolf hier keine Chancen mehr hat - aber "Sechs, setzen" muss nun wirklich nicht sein.

Zur Sache: Ich werde nicht aus Trotz mein Abi in den Wind schießen. Aber ich werde mich auch nicht quälen lassen. Und damit meine ich nicht das Lernen.

Anonym hat gesagt…

@Mosi mir lag gerade das Zitat von Dieter Nuhr auf der Zunge, ich verkneife mir es. Ich wuerde aber empfehlen bevor du Noten verteilst einfach mal an der Uni ein paar Vorlesungen zum Thema Verfassungsrecht zu besuchen. Ich muss zugeben das es bei mir schon etwas laenger her ist und ich mich beruflich mit Wirtschaftsrecht rumschlage, aber mich wuerde eine Erlaeuterung zu deiner Aussage
brennend interessieren.

Andreas

Joachim hat gesagt…

Gibt es wirklich keine Alternativen um an eine allgemeine Hochschulreife zu kommen?

Wenn ich überlege, wie wenig man über den zweiten Bildungsweg an Unterricht hat... (Hatte neben der Ausbildung zwei Jahre sechs Stunden pro Woche, anschließend ein Jahr "normal". Ergebnis: Allgemeine Hochschulreife).

Da ist es echt traurig, dass es keine "günstige" Möglichkeit für dich gibt.

Bezüglich der Spezialisierung: Warum verzichtet man nicht auf das "Gedöns" und belässt es bei Mathe/Deutsch/etc. Oder lässt dich zusätzlich irgendeinen Fernkurs machen.

Olli hat gesagt…

Vollste Zzstimmung und Hochachtung zum nicht aufgeben.

Dir steht vielleicht kein einfacher Weg bevor an dieser Schule. Aber sie zu verlassen wäre wohl kaum einfacher und unaufwendiger für Dich.

Dort sich durchzukämpfen, notfalls eskalativ mit noch mehr Schulbehörde, Anwälten usw. ist sicher nicht trivial, aber für Dein Wesen und den Selbstwert wohl genau das richtige, da so, am Ende eines viellicht im Vergleich zu anderen aufwendigeren Weges, Du Dein Abi haben wirst und nicht, nur scheinbar klug, gegenüber dem moralisch wie juristisch zweifelhaften verhalten anderer Schüler und Schulorgane, nachgegeben hast.

Jule soll lernen und zur Not damit ein paar Lehrer entfernen :-)