Freitag, 25. März 2011

Respekt und Autorität

Nachdem ich öffentlich erwähnt habe, dass die Schulaufsicht meine Schuldirektorin kurzfristig zu einem Gespräch in die Behörde eingeladen hat, und ich nicht bereit bin, diese Tatsache aus meinem Blog zu löschen, bin ich aufgefordert worden, mich mit dem Thema "Respekt" auseinander zu setzen und auf mindestens zwei handschriftlichen DIN-A4-Seiten meine Haltung zu erörtern und in Frage zu stellen.

Respekt, das Wort kommt aus dem Lateinischen und bedeutet ursprünglich "Zurückschauen, Rücksicht, Berücksichtigung" und wird heute in Deutschland meistens mit Wertschätzung, Aufmerksamkeit und Ehrerbietung gegenüber einer anderer Person verknüpft. Es wird auch im Sinne einer Achtung, die Menschen grundsätzlich voreinander haben sollten, gebraucht.

In gesellschaftlichen Abhängigkeitsverhältnissen mit Machtgefälle wird fehlende Autoritätshörigkeit manchmal gezielt als Respektlosigkeit bezeichnet, um Druck auszuüben und über die Erzeugung von Angst die Anerkennung von Autorität zu erzwingen.

Gerade als Mensch mit Behinderung lege ich sehr viel Wert darauf, als gleichwertiges Mitglied der Gesellschaft akzeptiert zu sein. Entsprechend akzeptiere ich auch die Gesellschaft, in der ich lebe, mit ihren Werten und Normen. Dazu gehört auch die Anerkennung der Gesellschaftsstrukturen, der gesellschaftlichen Vereinbarungen und Positionierungen.

Ich akzeptiere die gesellschaftliche Position eines Lehrers oder einer Schuldirektorin, das damit verbundene Amt und die damit verbundene Autorität. Ich bemühe mich nach besten Kräften, jeden Menschen tolerant und gleich zu behandeln, ihn zu achten. Ich respektiere Menschen, die sich durch Entschlusskraft, Kompetenz und freundliche, altruistische Haltung für das Gemeinwohl einsetzen oder durch besondere Leistungen meine Anerkennung verdienen.

Ich bin nach wie vor nicht der Meinung, dass ich diese hier dargestellte Haltung, die besonders in den letzten zwei Jahren durch meine Erfahrungen in und mit unserer Gesellschaft sehr gereift ist, überdenken und ändern müsste. Ich habe intensiv erleben müssen, dass viele Menschen, die Autorität für sich beanspruchen wollten, nicht mit der nötigen Achtung vor ihrem Amt oder ihrer gesellschaftlichen Stellung versehen waren. Darum ist Respekt für mich auf keinen Fall gleichbedeutend mit Autorität, und Autoritätshörigkeit ist mit meiner Auffassung vom gesellschaftlichen Zusammenleben nicht vereinbar.

Kommentare :

Anonym hat gesagt…

Muhaha, Strafarbeit! Merken die eigentlich noch, wie lächerlich sie sich machen? Auf ihre Stellung in der Gesellschaft pochen, aber es gleichzeitig sanktionieren wollen, wenn jemand den korrekten Weg (über den disziplinarischen Vorgesetzten) geht, um gehörige Missstände (Missachtung der gesellschaftlichen Ordnung durch gewalttätige Mitschüler) abzustellen.

Bria hat gesagt…

Was mich ja interessieren würde - wie hat das so schnell jemand rausbekommen? Lesen deine Lehrer deinen Blog mit?

Jule hat gesagt…

@Bria: Davon kannst du ausgehen. Von mindestens zwei Lehrern weiß ich es. Ich bin auch schon öfter darauf angesprochen worden.

Brio hat gesagt…

Gehen wir mal davon aus, dass der Unterricht spätestens um 13.15 Uhr endet. Um 12.02 wurde Dein Beitrag veröffentlicht. Bleiben 1 Stunde und knapp 15 Minuten, um Dir eine Strafarbeit aufzubrummen. Dann muss die Direktorin aber auf den Beitrag gewartet haben, oder?

Jule hat gesagt…

Da es in Hamburg ausschließlich Ganztagsschulen gibt, geht der Unterricht bis 16.55 Uhr. Ob sie darauf gewartet hat, darauf aufmerksam gemacht wurde oder den Blog im Abo oder per RSS liest, kann ich dir leider nicht beantworten.

Vio hat gesagt…

Da wundert einen so langsam nichts mehr an deiner Schule. Die Direktorin sollte sich mal lieber fragen, warum es ihr nicht peinlich ist, dass sie überhaupt erst von Dritten zum Handeln gezwungenen werden muss anstatt ihre Energie darauf zu verwenden diese Tatsache unter den Teppich zu kehren.

Sie sollte sich mal mit dem Begriff der natürlichen Autorität auseinander setzen. Um die zu erlangen bedarf es einer inneren Einstellung, die den Mitmenschen moralische Überlegenheit signalisiert. Repressionen als hilfloser Versuch Autorität ohne charakterliche Grundlage für selbige durchzusetzen bewirkt das genaue Gegenteil.

Sehr, sehr treffend geschrieben, Jule!

Anonym hat gesagt…

Schöner Aufsatz, Jule. Insbesondere der letzte Satz gefällt mir sehr gut.

Gerade Menschen mit Behinderungen müssen autark leben und zurechtkommen können. Statt Abhängigkeit sollte lieber Selbständigkeit gelehrt werden.

Stephan D. hat gesagt…

Ach, wie lächerlich! Ich freue mich, in meiner Mittagspause wieder einen neuen Eintrag zu lesen, aber ich hasse es, wenn ich mich genötigt fühle, dazu etwas zu schreiben und dafür extra Messer und Gabel aus der Hand legen zu müssen. Frau Direktorin, jeder Mensch, der ein öffentliches Amt bekleidet, muss sich und seine Amtsausübung überprüfen lassen. Das gehört zum Job. Wenn es dabei Ärger gibt, dann doch meistens, weil man sein Amt (noch) nicht richtig ausgeführt hat.

Sie verlangen von Ihren Schülern Achtung und Autorität, versehen sie aber mit Repressalien, wenn sie von Ihrer Autoritätsperson Ihr Handeln überprüfen lassen. Ich hoffe, auch dieser Vorgang wird noch einmal überprüft.

Es ist immer einfach, denjenigen für seine Fehler verantwortlich zu machen, der sie entdeckt oder benennt. Dass ein Schüler mit 18 Jahren durch eine schwere Behinderung in einigen Dingen härter geprüft worden ist als eine Direktorin mit (2x18)+x Jahren, und dadurch mitunter in einzelnen Bereichen mehr Lebenserfahrung gesammelt hat als Sie, sollte in Ihnen so viel Verantwortung und Respekt auslösen, dass Sie dieser Schülerin ein angst- und gewaltfreies Umfeld in Ihrer Schule zur Verfügung stellen und beginnen, besser zu werden.

Anonym hat gesagt…

Zu der Situation in deiner Schule fällt mir nur eins ein....
Der Fisch stinkt vom Kopf her....

Tante Brusselina hat gesagt…

Das ist doch mal wirklich der Hammer! Ich glaube, die sollten lieber mal ihre Gedanken sortieren und das Geschehen reflektieren, anstatt dir so ein Mist aufzugeben. Du bist ja wohl eine der Letzten die wirklich Respekt hat und zeigt. Andere wären nämlich schon längst über diese "netten" Mitschüler hergefallen..da kann man wirklich nur noch den Kopf schütteln
Alles Liebe
Ina

Anonym hat gesagt…

Ich möchte, dass Sie im Mai bei der Wahl zur Schülervertretung als Kandidatin antreten.

A hat gesagt…

Ich sehe das etwas anders. Es kann nicht jeder alles machen. Jeder hat seine Aufgabe. Ein Polizist, ein Bauarbeiter, ein Lehrer. Wir alle ergänzen uns. Aber wir alle müssen auch einander achten. Eine Schuldirektorin im Internet öffentlich zu diffamieren, noch dazu als Schülerin, ist tatsächlich respektlos.

ArminF hat gesagt…

@A: unabhängig davon ob Sie jetzt ein Lehrer der Schule sind oder nicht - aber es besteht doch wohl ein Unterschied zwischen einer Diffamierung und dem Öffentlichmachen, ob jemand als Schuldirektorin offensichtlich seiner Arbeit nicht nachkommt! Das ist wäre vielleicht im Kaiserreich respektlos gewesen, aber dieser Zeiten sind gottverdammich gottseidank schon lange vorbei!

"Jeder hat seine Aufgabe." Und hält ansonsten die Schnauze und tut was der Kaiser/Chef/die Eltern tun. Willkommen im 19. Jahrhundert. Ich glaub mein Schwein pfeift...

PS. den Vorschlag mit der Schülervertreterin finde ich sehr gut, da solltest Du Dir wirklich Gedanken darüber machen, Jule!

BigDigger hat gesagt…

Der Respekt, den eine solche Schuldirektorin verdient, ist der gleiche, den Muammar al-Gaddafi oder Hamid Karzai verdient: Nämlich den gerade eben so vorgeschriebenen.

Den Respekt als Mensch muss man sich allerdings verdienen. Es gibt eine ganze Menge Menschen, die einen Titel haben, ohne ihn zu führen, oder die als Kunde hofiert und trotzdem geduzt und beim Vornamen genannt werden. Es gibt Chefs, die gehen nach Feierabend mit ihren Angestellten einen saufen bis zur Peinlichkeitsgrenze - aber in Frage gestellt werden sie dennoch nie. All diese Beispiele besitzen weitaus mehr Würde als besagte Dame.

Wo aber bleibt der Respekt dieser "Gutsherrin" gegenüber ihren Schülerinnen und Schüler? Dazu gehört nämlich auch, die eigene Aufgabe ernstzunehmen und Gewalttätigkeiten den zuständigen Stellen zu melden, wenn das gefordert ist, und dafür zu sorgen, dass die Schule diskriminierungsfrei bleibt. Wie weit ist es also mit dem Respekt der Schuldirektorin gegenüber den Schülerinnen und Schülern, wenn sie bei zum Teil tätlicher Diskriminierung bestimmter Schüler(gruppen) - und damit meine ich nicht nur die Rollenden - beide Augen zudrückt?

Wer sich verhält wie die berühmten drei Affen, hat keinen Anspruch aus menschlichen Respekt. Zumal man daraus ableiten könnte, dass sich diese Person womöglich Verhalten und Einstellung der Täter zu eigen macht...

Banane hat gesagt…

Eine Schulleiterin, die es erst mit erheblichem Druck von oben schafft, Sanktionen gegenüber Schülern auszusprechen, die behinderte Mitschüler beleidigen, mobben und körperlich angreifen und die dann auch noch das Opfer dieser Schüler und ihrer eigenen Untätigkeit dafür bestraft, dass es über diese untragbaren Zustände nicht schweigt, sollte sich ernsthaft überlegen, ob sie für diesen Job geeignet ist. - Oder, falls sie, wie ich vermute, nicht dazu in der Lage ist, sollten die Aufsichtsbehörden, usw. wohl auch noch diesen Denkprozess und die eventuell folgenden Konsequenzen für die Schulleiterin übernehmen.
Ein größeres Armutszeugnis als das Aussprechen diese Strafe kann man sich wohl selbst nicht mehr ausstellen.

Ob die Schulleiterin einen Text zum Thema Respekt, der deinem Blog-Eintrag ähnelt, als Denkanstoß ansieht, möchet ich doch eher bezweifeln.
Mit ihrer äußerst zweifelhaften Vorstellung von der Bedeutung des Wortes "Respekt" wird sie einen solchen Text wohl eher als weitere Respektlosigkeit ihr gegenüber interpretieren.
Trotzdem bewundere ich dich dafür, dass du in dieser Situation so ruhig bleiben konntest und diesen wirklich guten Text verfassen konntest. - Mir wäre der Kragen geplatzt und ich hätte ihr gesagt, sie könne sich die Strafarbeit mal sonst wo hinschieben.

Dass behindertenfeindliche Schüler an einer Schule mit einer derart unfähigen Schulleiterin gerne und ungehindert ihr Unwesen treiben, ist dementsprechend auch nicht verwunderlich. - Wie einer meiner Vorredner schon treffend bemerkt hat, stinkt der Fisch vom Kopf her.
Und deshalb würde ich an deiner Stelle, Jule, wirklich ernsthaft über einen Schulwechsel nachdenken. Die Zustände an dieser Schule werden sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht nachhaltig verbessern, solange diese Schulleiterin im Amt ist.


@A
Das öffentliche Bennennen gravierender Misstände und das Berichten darüber, wer wie gegen diese Misstände vorgeht, hat nun wirklich nichts, aber auch gar nichts damit zu tun, jemanden öffentlich zu diffamieren. - Und wenn schon, hat es eine derartig unfähige Schulleiterin auch mehr als verdient, auf diese Weise diffamiert zu werden.
Weiterhin dürfte zumindest für alle Leser dieses Blogs, die Jule nicht persönlich kennen, nicht ersichtlich sein, um welche Schule und um welche Schulleiterin es sich handelt, so dass man hier nicht vom Diffamieren einer Person reden kann, sondern vom Anprangern skandalöser Zustände ohne Nennung der Namen der Schuldigen, so dass deren Privatsphäre gewahrt bleibt. - Und schon das zeugt wieder von eingem gewissen Respekt vor dieser Person, die selbst nicht weiß, was das Wort Respekt bedeutet.

Gruß,
Banane

Anonym hat gesagt…

Hallo,
Es stellt sich die Frage, ob es überhaupt einen Unterschied gemacht hätte, wenn du hier nicht darüber berichtet hättest.
Vielleicht hätte man sich an deiner Schule schon alleine aufgrund der Tatsache, dass du dich zur Wehr setzt und auf die entsprechende Behörde gegangen bist, auf den Schlips getreten gefühlt.
Darüber hinaus sollte man sich die Frage stellen, wo der Respekt dir gegenüber bleibt, wenn man es zulässt, dass dir von deinen Mitschülern so übel mitgespielt werden darf, ohne das Sanktionen gegen die entsprechenden Schüler eingeleitet werden.

Zum Schluss noch eine Sache:
Respekt ist eine Sache die man nicht durch ein Amt oder eine Position automatisch hat, sowas muss man sich verdienen.

Anonym hat gesagt…

Mal ne Frage...
Was würde denn passieren, wenn du es ablehnst, diese "Strafarbeit" anzufertigen???

Sally hat gesagt…

Also, damit ich das hier richtig verstehe: Deine Schuldirektorin hat ein Problem damit, dass Du hier im Blog öffentlich über das Mobbing schreibst?! o_o

Du bist hier weitgehend anonym, die Leute, die außer hier im Blog "nichts mit Dir zu tun haben", wissen nicht direkt, auf welche Schule Du gehst... Klar, wenn man möchte, bekäme man das natürlich raus... Aber, hat die Dame echt so eine riesen Angst, mit "ihrer" Schule schlecht dazustehen...? Wenn ja, ist sie wahrscheinlich mehr als begründet...

Kopfschüttelnde Grüße,

der Pottspasti

Joachim hat gesagt…

Ich beneide dich darum, dass du bei so einer Respektlosigkeit - die einem Opfer administrativer Untätigkeit (sekundär) eigentlich gegenübergebracht werden müsste - so ruhig bleiben kannst.

Ich beneide deine Schulleiterin um die erfrischende Kurzsichtigkeit ("ignorance is bliss"). Sie scheint nicht zu realisieren, dass sie bei ihrer herangehensweise ganz schnell ein Problem bekommt, wenn diese Sache medial aus dem Ruder läuft. Gestern war der Streitpunkt ein kleiner unbedeutender Satz, den kaum jemand beachtet hat - und morgen vergessen wäre. Mittlerweile musste das Thema erneut (ob des Machtmissbrauchs), und isoliert(!), auf den Tisch gebracht werden. Nur wegen/für Jule hoffe ich, dass es sich (auch ohne Strafarbeit) erledigt hat.

Markus hat gesagt…

Ich finde es super, dass Du dir das nicht gefallen lassen hast und zur Aufsichtsbehörde gegangen bist. Ich finde auch, dass solche Zustände einfach öffentlich gemacht werden müssen.
Mir ist allerdings nicht klar, was der Blog-Eintrag mit fehlendem Respekt zu tun haben soll. Es geht hier um eine Direktorin einer Hambuger Schule. In deinem Blog ist, meiner Ansicht nach, kein Hinweis auf den Namen der Schule oder der Direktorin. Anders wäre die Situation natürlich, wenn der Name schon einmal im Block gefallen wäre.

Es gilt auch Vorschriften zu respektieren. Diesen Respekt hat die Direktorin mit ihrer Nichtmeldung bei der Schulaufsicht vermissen lassen.
Aber das sind halt typisch Lehrer, die darf man nicht ungestraft kritisieren...

Anonym hat gesagt…

Zunächst vorab - ich selbst bin Lehrer und das in verantwortlicher Position. Und lese deinen Blog schon ziemlich lange, auch wenn dies mein erster Beitrag ist.

Werte Kollegin, sollte es Ihnen gelingen, sich und die Schule mit der Sicht von "außen" zweifelsfrei zu identifizieren, dann könnte ich zumindest verstehen, wieso Sie sich angegriffen fühlen. Ich kann dies nicht, wobei ich auch kein Hamburger bin. Und ehrlich gesagt bekomme ich auch erst durch diese Reaktion Lust auf die Recherche.

Ihre Maßnahme ist dezent formuliert ein Witz. Wären Ihnen und Ihrer Schule so sehr an Respekt gelegen, so hätten Sie etliche Monate früher handeln müssen. Stattdessen haben Sie nicht nur keine ernsthaften Konsequenzen ergriffen, sondern sind auch noch Ihren Pflichten zur Meldung nicht nachgekommen.

Ganz ehrlich: Es gibt Tage, an denen ich mich SCHÄME zu diesem Berufsstand zu gehören. HEUTE ist so einer.

Normalerweise bin ich der Letzte, der zu einer Strategie des "der Klügere gibt nach" rät. In diesem Fall, liebe Jule, sehe ich leider keine Alternative als einen Schulwechsel.

BigDigger hat gesagt…

Wer der Schulleiterin Boshaftigkeit unterstellen will, könnte glatt der Meinung sein, sie WOLLE Dich von der Schule MOBBEN...

Anonym hat gesagt…

Ist doch alles nix neues:
Ob das hier jetzt öffentlich steht oder nicht, wird bestenfalls ein Minimalanteil einer gewissen Wut sein. Ich verdrehe jetzt mal absichtlich den Standpunkt:
* Erst macht sie Ärger mit den Parkplätzen
* Dann hat sie auch noch Streß mit ein paar Mitschülerinnen, die Hauptschuld ist klar, 100% unschuldig ist sie aber auch nicht dran
* Dann regt sie sich über den Unterricht auf
* Dann schreibt sie auch noch öffentlich, sie werde die Schulleitung daran messen, ob ihre Zusage zum Positionspapier (*) eingehalten wird.
* Dann geht sie zum Amt, wegen dem man eins aufs Dach bekommt und obendrein noch Versäumnisse vorgehalten bekommt
* Als ob das noch nicht reicht, liest man es hinterher im Netz.

Das da zurückgetreten wird, erstaunt mich nicht, einen Teil meiner Schullaufbahn habe ich auf einer ähnlichen "Schule" zugebracht und übrigens recht ähnliche Erfahrungen gemacht. (Inkl. jahrelangem Mobbing) Wehrt man sich, macht man Arbeit. Die anderen (Mobber) machen keine Arbeit. Und ruckzuck gibt's den Querulantenstempel, der das Leben eher schwerer als einfacher macht.

Ich halte es mal für eine typische Frustaktion. Handgeschriebenes von Dir zu verlangen stelle ich mir spaßig vor: Du schreibst Klausuren ja mit dem Notebook, so daß ich mal davon ausgehe, daß längere Texte mit der Hand zu schreiben für Dich eher ein Problem sind. Vor diesem Hintergrund wäre zu überlegen, ob die Aufgabe, einen handschriftlichen Aufsatz einzureichen, nicht selbst schon diskriminierend ist.

Jule, hinzuschmeißen ist eher keine gute Idee so knapp vorm Abi, denn das bedeutet nichts anderes, als vielleicht im Recht zu sein, aber dennoch verloren zu haben, eine tolle Genugtuung für wasserspritzende Zicken. Das tut Dir selbst in ein, zwei Jahren wesentlich weniger gut, als sich jetzt noch ein paar Monate da durchzukämpfen.
Bei Streß mit Lehrern war zumindest vor meiner Schulzeit (okay, die ist 15 Jahre her) klar, wer am längeren Hebel sitzt und Ducken immer klüger, als sich mit Lehrern/Direktoren/... anzulegen. Weil davon, Recht gehabt zu haben, kann man sich nichts kaufen. Sich selbst verbiegen ist abartig, aber bis zum Sommer für jemandem mit Deinem Dickschädel durchaus zu schaffen.

*) Positionspapier --> Sowas braucht man immer dann, wenn man seine Hände in Unschuld waschen will, ohne das man es sich bei der Umsetzung mit jemandem verscherzen möchte. Sozusagen ökonomisch: Minimaler Aufwand dafür, daß man sich nichts vorwerfen lassen will. ("wir haben was getan"). Schüler wie S. haben sich noch nie um Positionspapiere gekümmert und werden es auch nie.

Anonym hat gesagt…

O tempora, o mores. Wieso musste ich nur sofort an Heinrich Mann's Roman "Der Untertan" denken.
Mich wuerde ernsthaft die Definition und Haltung zum Thema Respekt deiner Schulleiterin interessieren. Kann es sein das Sie in einer laengst vergangenen Epoche lebt?

Andreas

Heiko hat gesagt…

Vielleicht solltest du deine Schulleiterin mal vorsichtig darauf aufmerksam machen, dass sogar ein Herr von und zu Guttenberg durch den Druck aus dem Internet zurücktreten musste...eine Schulleiterin zu entsorgen, die Behinderte diskriminiert, dürfte da eine weitaus kleinere Aufgabe sein.

Gegen Repression in jeder Form!

Anonym hat gesagt…

Das ist ja wirklich ein Armutszeugnis für die Schule! Bei medialem Druck funktioniert sofortiges Handeln ja offensichtlich. Interessant, wie sensibel Deine Direktorin reagiert, wenn Sie es um sie persönlich geht.

Jule, du wirst da vermutlich keinen Bock drauf haben. Aber bei dieser Sache wie auch bei vielen anderen Missständen, die ich in Deinem Blog gelesen habe, bin ich eigentlich der Meinung, dass sowas an die Öffentlichkeit getragen werden sollte. Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie flexibel und schnell Behörden und öffentliche Institutionen dann plötzlich arbeiten können.

@A: ganz offensichtlich sind Sie Lehrer oder sogar die Direktorin? Schade, dass Sie nicht in der Lage sind Ihren Standpunkt näher zu erläutern. Aus Ihrem kurzen Kommentag spricht leider kein einziges Argument, sondern lediglich unbegründete Obrigkeitshörigkeit. Jeder hat seine Aufgabe - ja! Und eben eine Schülerin hat die Aufgabe dafür zu sorgen, dass sie unbeschadet am Unterricht teilnehmen kann. Nichts anderes versuchen Jule und ihre Mistschüler. Und bitte definieren Sie diffamieren!

In einer Demokratie ist es keine Diffamierung einen Missstand auszusprechen.

Mike hat gesagt…

Menschenskinder Jule, Du bringst dich noch mal in Teufels Küche :-)



Ein ganz wichtiger Punkt ist, dass sich der Herr von der Schulaufsichtsbehörde nicht korrekt verhalten hat.
Er darf einfach nicht eine Schuldirektorin vor einer Schülerin faktisch zur Sau machen. (Nichts anderes ist die Sofortige Reinzitierung zum Rapport)

Thema Respekt
jedem Funktionsträger und eigentlich jedem Menschen sollte man Respektvoll gegenüber treten.
Diesen Respekt kann man dann auf zwei Arten ganz schnell verlieren:
Wenn der andere diesen Respekt nicht erwiedert (Ich Chef, Du nix) oder wenn derjenige einfach seinen Job nicht richtig macht!

Respekt, der durch die Berufung auf Autorität oder durch die Androhung von Strafen eingefordert wird, ist kein Respekt. Das ist Herrschen durch Angst.

ich hatte in meiner Schule eine ganze Reihe Lehrer, Refrendare nd auch Direktoren, die wir als Schüler respektierten. Das waren ganz unterschiedliche Typen. Aber alle waren immer fair und haben uns niemals verarscht. Aber vor allem haben sie ihren Job gemacht! Die erhielten ihrer Respekt kraft ihrer Persönlichkeit.

Sehr geehrte Frau Direktorin:
Sie haben Mist gebaut, sie haben die Dinge schleifen lassen und es sind an ihrer Schule anscheinend Sachen passiert, die so niemals hätten vorkommen dürfen. Das fängt schon mit dieser Affäre um die Behindertenparkplätze an. Sie haben nach allem was hier so steht, in ihrem Amt versagt!

Und jetzt wird diejenige Bestraft, die sie in ihren Augen blosgestellt hat. Das hat was von "Den Boten köpfen". Den Sachbearnbneiter in der Schulaufsicht können sie nicht treffen, also treten sie nach unten. Sie werden sich auf diese Weise vieleicht Unterwürfigkeit oder Stillschweigen erzielen, aber keinen Respekt, eher das Gegenteil.

Banane hat gesagt…

@Mike
In wiefern hat der Herr von der Schulaufsichtsbehörde bitteschön nicht korrekt gehandelt?
Er hat doch einfach genau das getan, was er tun muss: Er hat die richtigen Maßnahmen ergriffen, um einen absolut untragbaren Zustand schnellstmöglich zu beseitigen, nachdem die untergeordneten Instazen (Lehrer, Schulleitung und ahnungslose privatisierte Berautungsstelle) kläglich versagt haben.

Dabei finde ich es keineswegs verwerflich, wenn das Opfer dieser Zustände erfährt, wie nun gegen ebendiese Zustände vorgegangen wird.

Gruß,
Banane

Joa hat gesagt…

Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr komme ich zu der Überzeugung, dass es sehr gut war, dass Jule davon mitbekam.

Bis vor kurzem wurde Jule weiß gemacht (Stichwort: Positionspapier), man stände 100% hinter ihr. Nun haben sich die Vermutungen der Kommentatoren von damals bestätigt: Es diente nur als Beruhigungspille, schließlich werden nicht mal die Mal Vorgaben der Schulbehörden umgesetzt*.

Diese Transparenz ist also, zumindest in Jules Fall, nicht schädlich. Immerhin weiß sie nun "woran sie ist".


* wenn man mal darüber nachdenkt, verfälschen die Aktionen der Schulleiterin die Gewalt-(an Schulen)-Statistik...

Mike hat gesagt…

Hallo Banane:
Das Problem liegt darin, dass hier ein Oberboss einen Boss aufgrund der Beschwerde eines Untergeordneten zur Sau macht. Sobald die Untergeordneten das mitbekommen, fühlt sich der Boss schwer in seiner Würde verletzt. Das strahlt zum einen nach Unten, sprich el Bosso ist auf die Untergebenen nicht mehr gut zu sprechen wg. "Gesichtsverlust", und schaltet auf Stur.
Ausserdem muss man als Oberboss ja irgendwie mit dem Boss auch noch nach der Geschichte auskommen.

Wenn man jemanden in einem 4 Augen Gespräch den Kopf wäscht, dann können alle ihr Gesicht wahren und es geht danach viel einfacher weiter.

Dass der Blitz ganz gewaltig eingeschlagen hat, sieht man ja schon daran, dass anscheinend die drei Anstifterinnen "ausser Kurs gesetzt" worden sind.

Ich kann mir das Verhalten dieses Mitarbeiters der Aufsichtsbehörde nur damit erklären, dass er wirklich stinksauer gewesen ist und bereits gedanklich die Schlagzeilen gesehen hat: "Behinderte Schülerin gemobbt und mißhandelt... Schulaufsicht wusste von nichts! Bildungssenator etsetzt!"

Ich bin mir sicher, dass Jule auch ohne dieses Telefonat 1 und 1 zusammengezählt hätte... :-)

Ob die Veröffentlichung von Jule nun klug oder unklug war... Nu ja, ich hätte es nicht publik gemacht, aber ich bin ja auch 43 und am Rande der Vergreisung, während in Jule das Feuer noch ganz schön brennt :-)

LG
Mike

Anonym hat gesagt…

Hätte es überhaupt einen unterschied gemacht wenn Jule nichts von dem Rüffel der Direktorin mitbekommen hätte?
Ich denke eher alleine der Gang zur Schulbehörde hat dafür gesorgt, dass sich einige auf den Schlips getreten fühlen...

Nachtdienstler hat gesagt…

Eine Kollegin vor Dritten zurecht zu weisen ist sicherlich nicht in Ordnung. Hat der Chef aber auch nicht getan, er hat sie lediglich eingeladen. Ich würde mal anders ansetzen wollen: Wenn der Typ von der Behörde halbwegs ernstgenommen werden will, muss er sich einerseits von dem, was Jule geschildert hat, deutlichst distanzieren, andererseits ebenso deutlich machen, dass er jetzt die Zügel in die Hand nimmt. Die Autorität der Direktorin ist so oder so verloren. Entweder behält der Typ von der Schulaufsicht die Sache in der Hand oder sie entgleitet auch ihm, weil sich entweder einige Leute prügeln oder demnächst was über ihn in der Zeitung steht.

Banane hat gesagt…

@Mike
Deiner Meinung nach darf der "Oberboss" dem "Untergeordneten" also nicht zeigen, dass er etwas gegen ein gavierendes Fehlverhalten des "Bosses" unternimmt - nur damit der unfähige "Boss" sein Gesicht wahren kann?

Wenn der gerügte "Boss" angesichts seines gefühlten Gesichtsverlustes zum Radfahrer wird (nach oben buckeln, nach unten treten), handelt es sich doch nur um ein weiteres Fehlverhalten des "Bosses" und zeigt dessen Unfähigkeit.
Soll man nun also nur aufgrund des zu befürchtenden weiteren Fehlverhaltens das "untergeordnete" Opfer nicht ernst nehmen und weiter im Dunkeln tappen lassen?

Ein derartiges Verständnis von hierarchischen Strukturen widerstrebt mir einfach, weil es nur dazu dient, Hierarchien zu zementieren, Fehlverhalten zu verschleiern und die "Untergeordneten" einzuschüchtern, damit Fehlverhalten aus den oberen Etagen überhaupt nicht angeprangert und aufgedeckt wird.

Gruß
Banane

Anonym hat gesagt…

hm mir ist grad irgendwie unangenehm, Lehramt zu studieren...
ich würde allerdings an deiner stelle praktisch überlegen:
wie lange ist es noch zum Abi?
macht es nicht dafür, dass abi zu bestehen, sinn, den ganzen scheiß zu ertragen?

das soll auf keinen fall heißen, dass ich die zustände an deiner schule nicht schlimm fände, oder dass man sich generell nicht beschweren sollte.
Nur wenn du dir durch deine Beschwerden dein Abi versaust, haste ja auch nix gewonnen, oder?

Olli hat gesagt…

Uih, uih, uih, uih, das geht ja ab.
Ein richtig guter Text, Jule.
Und ich denke, bei der Schulleiterin, da bin ich jetzt mal pessimistisch (realistisch?), wird Dein Text wohl keine spontane Selbsterkenntnis und Weiterbldung auslösen. Zumal scheint die Gute hinreichend damit ausgelastet, sich und (mangels Unterstützung) auch ihr Kollegium so gut es geht zu demontieren.

Weit weniger krass hatte ich Probleme mit einem Lehrer, der Direktor war voll auf meiner Seite, gab ettliche Besuche in klienen Pausen bei ihm, war anstrengend, aber ich blieb auf der Schule, machte das Abi und lernte fürs Leben. Und keine gratullierte mir so glaubwürdig zum Abi und freute sich so sehr, dass ich nun an die Uni (und weg von der Schule) könne, wie dieser eine Lehrer :-)

Anonym hat gesagt…

Ganz tolles Positions-Statement von Dir. Alle Achtung und aller Respekt vor Deiner (damaligen) Reife, einer Reife, die wohl mehreren Deiner MitschülerInnen abgesprochen werden muss, auch wenn sie noch ihr Abi in die Hände bekommen haben. - Nein, das sind ja Zustände wie im wilden Westen oder auf der Elefantenjagd in Afrika.