Dienstag, 7. Juni 2011

Pupsende Kühe

Nachdem ich ja diverse Male über verschiedene Unternehmen des öffentlichen Nahverkehrs bereits öffentlich verzweifelt bin, muss ich doch mal ein paar lobende Worte loswerden: Über die Hamburger Hochbahn. Die betreiben nicht nur die U-Bahnen, sondern auch einige Buslinien.

Ende letzter Woche landeten wir mit acht Rollifahrern wegen einer Streckensperrung der U-Bahnlinie 3 im Busersatzverkehr. Dieser endete am Berliner Tor. Während Fußgänger am Berliner Tor problemlos wieder in S- und U-Bahnen umsteigen können, haben Rollifahrer keine Chance. Die Station ist nicht barrierefrei, obwohl dort (fast) alle U- und S-Bahnen halten. Und es verkehrt auch keine einzige Buslinie vom Berliner Tor zum Hauptbahnhof - einzig ein Schnellbus, der jedoch um die Zeit, zu der wir dort auftauchten, bereits nicht mehr fuhr.

Wir stellten uns bereits auf eine auswendig vorgetragene Streckenbeschreibung ein (bis zur Kreuzung, dann links, dann drei mal rechts, dann zehn Minuten geradeaus, ...), doch es passierte auf unsere Frage, wie der schnellste Weg zum Hauptbahnhof ist, ganz was anderes: "Peter, fährst du die Kunden hier mal eben zum Hauptbahnhof?" - "Geht los. Wie fahre ich am besten, damit ich hinterher hier wieder richtig stehe?"

"Sonderfahrt" stand draußen nicht dran, "Behindiausflug" auch nicht, sondern nur "Nicht einsteigen" oder ähnliches. Und so hatten wir einen 17 Tonnen schweren Gelenkbus ganz für uns alleine. Party!! Ja, so eine Mühle bekommt acht Rollifahrer rein ohne dass einer im Weg steht. Wenn man eine Version erwischt, die genügend Stellplätze hat und die Rollifahrer vernünftig einparken können. Selbstverständlich haben wir artig "Danke" gesagt und uns über die ungläubigen Blicke der an der Ausstiegshaltestelle wartenden Passanten amüsiert, die sich nicht erklären konnten, wieso da acht Rollifahrer aus einem ansonsten leeren Bus springen. Cathleens Kommentar: "Endlich in Freiheit!" verstärkte die ungläubigen Blicke noch einmal, seinen Fotoapparat hat aber niemand in die Hand genommen.

Eine Sache haben wir noch gelernt: Trotz der 17 Tonnen Gesamtgewicht hat der Bus weniger Kohlendioxid ausgestoßen als eine pupsende Kuhherde. Nein, ich bin nicht besoffen, sondern entsprechende Plakate kleben zur Zeit überall in Hamburg. Fragt sich, ob die bei ihrer Berechnung mit einbezogen haben, dass einige Fahrgäste ... lassen wir das.

Kommentare :

Anonym hat gesagt…

"Endlich in Freiheit" ist ja bitter. :)

sven hat gesagt…

Ich weiß auch nicht, ob ihr von einer Herde pupsender Kühe so luxuriös befördert worden wärt, von den Fliegen mal ganz abgesehen ;).

Olli hat gesagt…

Nette Geste und dolle Lösung der Verlehrsbetriebe.
Wobei ich mir um das eher geruchsneutrale CO² weniger sorgen mache als die anderen "reizenden" Stoffe, die bei jedweder Pupsung auftreten.