Dienstag, 7. Juni 2011

Umzug perfekt

Neben meiner Studienzulassung ist noch eine andere Sache amtlich: Ich ziehe zum 1. August um! Oder besser: Wir ziehen zum 1. August um. In ein rolligerechtes Wohnprojekt am Hamburger Stadtrand, wie bereits hier beschrieben.

Derzeit wird noch fleißig gebaut, ich hoffe, die werden rechtzeitig fertig. Einen Monat haben wir Übergangsfrist, also im äußersten Notfall könnten wir auch noch bis zum 01.09. warten. Dann müssen wir aus unserer jetzigen Wohnung ausziehen.

Bei dem Gebäude handelt es sich um eine alte Lebensmittelfabrik, die um 1900 gebaut wurde. Zwischenzeitlich war ein Fachgeschäft und ein Fotoatelier sowie ein Büro drin, irgendwann früher wohl auch mal eine Muckibude - seit 2011 ist es offiziell Wohnraum. Frank hat mit mehreren Leuten aus der Szene gemeinsam zwei Organisationen gegründet, eine wickelt das Wohnprojekt zum Selbstkostenpreis ab, die andere vermittelt denjenigen, die das brauchen, die nötigen Hilfen, Assistenz und Pflege, beantragt Fördermittel, hilft und vertritt diejenigen vor Ämtern etc.

Die erste Organisation dient im wesentlichen dem Zweck, dass Frank nicht privat als Vermieter auftreten muss und möglicherweise mit seinem Privatvermögen für Mietausfälle oder ähnliches haften muss, die zweite dient dazu, das alles so zu strukturieren, dass eine gewisse Seriösität dahinter steht, die das Finanzamt und vor allem öffentliche Mittelgeber (Pflegekassen, Sozialbehörden) benötigen, wenn sie Menschen unterstützen, die von Pflege oder Assistenz abhängig sind. Einige Hilfen bekommt wohl eine Privatperson nicht, eine Organisation schon. Ich blicke da nicht ganz durch, habe mich aber auch nicht intensiv damit beschäftigt. Frank wird wissen, was er tut, und das Konzept wurde bereits von allen maßgeblichen Stellen abgesegnet.

Insgesamt entstehen über 2 Etagen verteilt 16 vermietete Zimmer, pro Etage eine Küche, ein Gruppenraum, eine Waschküche, ein Abstellraum, vier Bäder, zwei kleine Gästezimmer - und das geilste wird vermutlich eine Dachterrasse, die wir anteilig mitbenutzen dürfen. Alle 16 Zimmer sind bereits belegt, fünf bereits durch die Bewohner der "alten" (jetzigen) WG, einschließlich Cathleen. Markus zieht ebenfalls ein. Ich hoffe, das geht gut - aber immerhin haben wir zwei getrennte Zimmer ;). Insgesamt sind 12 Frauen und 4 Männer drin. Acht Leute sind Rollifahrer, fünf weitere können, teilweise mit Festhalten, gehen oder zumindest stehen, drei sind nicht behindert. Drei Leute haben einen Unfallquerschnitt, sechs eine angeborene Querschnittlähmung, drei einen frühkindlichen Hirnschaden und eine Person eine andere (degenerative) Nervenerkrankung.

Ich bin sehr aufgeregt und gespannt, auch auf die neuen Leute. Besichtigt habe ich das Gebäude schon, Fotos gibt es aber noch keine.

Kommentare :

Fragender hat gesagt…

Das hört sich gut an. Und wieviele Millionen gibt der Steuerzahler dazu?

sven hat gesagt…

Ich weiß ja nicht, ob der "Fragende" sich im Bereich der Pflege auskennt, aber wohl eher nicht.
Wenn Menschen mit einem Handycap in einer eigenen Wohnung leben können, ist der Kostenaufwand um ein Erhebliches geringer, als wenn für sie ein Platz im Pflegeheim finanziert werden würde.
Und: Auch ein Pflegeheim will ja erst mal gebaut und eingerichtet sein.

Dieser Fakt wurde eigentlich auch jedesmal erläutert, wenn mal wieder eine der hochintelligenten Fragen aus dieser Ecke von "Fragenden" auftauchte.

Aber man muß eben nicht nur lesen können, sondern auch verstehen...

Wenn also der "Fragende" einen detaillierten Vergleich der Herstellungs- und Pflegekosten im Heim und in der eigenen Wohnung vorweisen kann, kann er seine Frage ja nochmal stellen, falls er sich dann nicht zu doof vorkommt.

Anonym hat gesagt…

Deutlich weniger als für so wichtige Projekte wie S21.

Jule hat gesagt…

Auch auf die Gefahr hin, einen Troll zu füttern, möchte ich solche Andeutungen wie die des "Fragenden" nicht unkommentiert im Raum stehen lassen.

Die beiden Wohnetagen werden vom Eigentümer des Gebäudes vermietet. Sie werden über einen öffentlichen Kredit umgebaut. Der Kredit wird über die Miete zurückgezahlt.

Wie die einzelnen Bewohner für ihren Lebensunterhalt aufkommen, wird nicht dadurch beeinflusst, ob sie in dieser WG oder in einer anderen eigenen Wohnung wohnen.

Die Pflege der einzelnen Personen wird nicht mehr, sondern eher weniger als in einer eigenen (betreuten) Wohnung. Insbesondere wenn sie koordiniert und aus einer Hand zentral angeboten wird.

Einzig gewisse Spenden können Spender von der Steuer absetzen. Die Entscheidung, bestimmten Zahlungsverkehr nicht zu besteuern, wenn er gemeinnützigen oder mildtätigen Zwecken dient, und als solches ist das Projekt anerkannt, bedeutet lediglich, dass der Staat an diesem Projekt nicht mitverdient.


Soweit die Stellungnahme von Frank auf meine Frage eben. Aber er sagt auch ausdrücklich, dass kein einziger Cent aus Steuergeldern in dieses Projekt fließt. Das einzige, was sein könne, ist, dass jemand einzieht, der mittellos ist und Miete bzw. Pflege über die soziale Sicherung finanziert bekommt. Das hängt dann aber nicht mit dem Projekt zusammen, sondern mit der Person. Weder Frank noch irgendein anderer verdient einen Cent an der ganzen Sache, das ist ein im Ehrenamt geführtes Projekt.

Ich finde es sehr traurig, dass als erstes irgendwas negatives in den Raum gestellt wird.

Ina hat gesagt…

Das finde ich allerdings auch traurig.
Fragt euch mal lieber woher die Milliarden kommen, die wir (zum Beispiel) Griechenland zuschustern! Das sind auch unsere Steuergelder. Sowas find ich schrecklich.. oder all die faulen Hartz 4 Empfänger.. (ich spreche von denen, die mutwillig zu Hause sitzen und keine Lust haben zu arbeiten!). Ich wär echt froh, wenn unsere Steuergelder mal für was Sinnvolles, wie z.B. Franks's Wohnprojekt genutzt werden würden.