Donnerstag, 7. Juli 2011

Mein neues Zuhause

Seit einer Woche haben wir ein neues Zuhause. Zum Glück haben wir parallel für mindestens einen Monat auch noch die alte Wohnung, so entfällt der Umzugsstress und der Druck, dass alles sofort funktionieren muss.

Denn es funktioniert längst noch nicht alles und es gab auch noch jede Menge Änderungen in den ursprünglichen Planungen. Eine Änderung: Durch extreme Brandschutzauflagen mussten die Pläne zum Innenausbau komplett überarbeitet werden. Zum Glück sind die Stockwerke hoch genug, mit Zwischendecken versehen und es gibt auf der gesamten Grundfläche keine einzige tragende Wand (nur vier Säulen in der Mitte, das Gebäude ist über 100 Jahre alt), so dass man bei der Raumaufteilung bis zuletzt sehr flexibel war und der Zeitplan dennoch einigermaßen eingehalten werden konnte.

Eine weitere Änderung: Alle Zimmer haben nun ein eigenes Bad (bis auf zwei Zimmer, die sich ein mittiges Bad teilen), dafür gibt es aber nur sieben Bewohner pro Etage statt geplanten 10. Ein Raum, der als achtes Bewohnerzimmer geplant war, durfte wegen Brandschutzauflagen nicht als Schlafzimmer verwendet werden. Dritte Änderung: Es gibt drei Etagen statt geplanter zwei. Damit sind die oberen drei Stockwerke komplett mit dem Wohnprojekt belegt. Derzeit sind 20 der 21 Zimmer bereits vermietet, für das letzte gibt es aber auch bereits Bewerber.

Ich wohne im 5. Stock im Zimmer 4 (siehe Grafik), Markus zieht zum 01.08. in Zimmer 6 auf meiner Etage ein. Die in der Zeichnung genannten Mieten gelten übrigens nur für Leute, die einen Wohnberechtigungsschein aus dem sozialen Wohnungsbau vorlegen, alle anderen zahlen rund 3 Euro pro Quadratmeter mehr (somit zahle ich 260 Euro kalt für das Zimmer). Außerdem wohnen auf meiner Etage noch Frank und Sofie, Jana und Cathleen sowie Markus ab 01.08. und Marie ab 01.09. oder 01.10.

Seit Montag funktionieren die Aufzüge halbwegs zuverlässig, seit Mittwoch kommt man ohne fremde Hilfe durch die überdimensionierten Brand- und Feuerschutztüren (bis dahin fielen sie ständig zu, seitdem bleiben sie offen stehen und sollen nur im Brandfall automatisch schließen) und seit gestern kommt man in die Tiefgarage. Derzeit klemmen noch etliche Fenster, der Fußboden wellt sich, einige Türen lassen sich nur mit Gewalt schließen, ein Abwasserrohr unter einem Waschbecken fehlt noch, die Entlüftung der Bäder funktionierte bis Mittwoch nicht korrekt ... Aber ansonsten genieße ich insbesondere von einer genialen Dachterrasse einen schönen Ausblick über Hamburg, kann in der Badewanne liegen und in den Sternenhimmel schauen und nachts ist es absolut ruhig (meine größte anfängliche Befürchtung hat sich nicht bewahrheitet). Wenn nun noch Internet und Telefon kommen, ist alles perfekt.

Die anderen Leute ziehen erst nach und nach ein, einige habe ich schon kennen gelernt, andere kannte ich schon, andere habe ich noch nie gesehen - alle waren bisher sehr nett. Zum Glück ist das ganze Projekt auf drei Etagen aufgeteilt, so dass nicht ständig alle aufeinander glucken müssen.

Kommentare :

ruolbu hat gesagt…

Weiter auseinander hätten eure beiden Zimmer aber auch nicht liegen können auf einer Etage oder? ^^
Passend wäre ja eigentlich, wenn die beiden Zimmer mit geteiltem Bad von einem Pärchen besetzt werden würden, aber wenn der Grundriss für alle drei Etagen identisch ist (ist er doch, oder?) dann müsste man da ja erstmal Leute für finden. :p
Ich stell mir das nur sehr seltsam vor, wenn ich mir die Lage der Toiletten anschaue. Da so auf dem Pott zu sitzen und mir gegenüber macht's mir einer gleich und guckt mir dabei groß in die Augen :/ ... XD Wie regelt man das am besten? Gibt ja sehr liberale Menschen, wozu ich mich eigentlich auch zähle, aber manchmal wäre es mir einfach lieber, den Raum für mich alleine zu haben.

Noch ein paar Fragen, die Toiletten die an Zimmer 6 angrenzen, sind die irgendwie "öffentlich"? Sind das Gästetoiletten? Aber wozu, wenn doch jeder Bewohner sein (fast) eigenes Bad hat?
Das Dienstzimmer ist der ursprünglich als Schlafzimmer angedachte Raum, oder weswegen gibt es dort noch eine Toilette? Die gleiche Frage könnte ich aber auch für den Waschraum stellen, wie mir gerade auffällt. Wie werden diese Räume denn genau genutzt?

Alles in Allem verdammt cool. Ich hätte gerade fast nach Fotos gefragt, aber die Zimmer sind ja alle Privatsphäre diverser Menschen und wenn ich mich nicht täusche, hast du auch nie wirklich Bilder aus deiner bisherigen WG gezeigt, also wird das wohl nichts. ^^
Aber ist das Zimmer hell? Ich mag helle Räume und mit drei Fenstern würde ich das erwarten. In welche Himmelsrichtung zeigen die denn?

Vio hat gesagt…

Die Miete ist ja ein Traum für Hamburg! (selbst ohne SChein) Und das bei so großen Zimmern.

Da erscheint mir lediglich die Küche der Engpass zu sein.

Drück dir die Daumen, dass das WG-Leben so wird, wie du es dir wünschst!

Jule hat gesagt…

@ruolbu: Immerhin liegen unsere Zimmer nicht auf unterschiedlichen Etagen... Zimmer 6 ist das einzige Zimmer ohne barrierefreies Bad und da wir 3 Fußgänger und der Rest Behindis sind, kommen die Fußgänger alle in Zimmer 6. Ich wollte unbedingt ein etwas größeres Zimmer, ein Bad mit Fenster - es ist schon okay so. Wir können uns ja jederzeit besuchen.

Die Aufteilung ist in allen drei Etagen gleich, nur die Farben der Türrahmen sind anders, damit sich auch Leute zurecht finden, die keine Zahlen können ... kannte ich auch noch nicht. Das geteilte Bad ist eigentlich für Leute, die ganz viel Hilfe brauchen, da ist ganz viel Platz und es kann ein an der Decke mit Schienen befestigter Lifter rein (zumindest ist es in der 3. Etage so, da wohnt ein Zwillingspaar, beide Spastis). Im 4. wohnen auch Zwillinge, die beide Spina bifida haben, aber beide selbständig sind und bei uns wohnen da Sofie und Frank.

In der Zeichnung ist weder eingezeichnet, dass die Bäder alle oben ein Oberlicht zum Flur haben, allerdings nur aus undurchsichtigem Glas, damit niemand spannert, gleichzeitig aber Licht in den Innenflur kommt, noch dass da Trennvorhänge sind, die man zumachen kann. Was das mit den 2 Klos soll ... ich schätze mal, dass es viele Leute gibt, die lange auf dem Klo brauchen (2 Stunden abführen bei Querschnittlähmung ist kein Einzelfall) und man von daher gleich noch ein zweites eingebaut hat - oder dass jeder das Ding so gestalten kann (weiche Klobrille etc.), wie er es braucht, so dass jeder sein eigenes Klo hat, aber trotzdem der Raum getrennt benutzt wird ... keine Ahnung.

Die Toiletten im Flur und das Ding in der Waschküche ist wohl für Besucher gedacht. Es handelt sich um eine Bau-Auflage. Das Klo in der Waschküche wurde in letzter Sekunde eingeplant, dafür fehlt nun Platz für Wäscheständer. Mal sehen, ob das lange drin bleibt...

Die Waschküche kann von allen Bewohnern genutzt werden. Da fehlen noch die Waschmaschinen und Wäschetrockner, die da mal hinkommen sollen und dann soll da noch Platz sein für Wäscheständer.

Das Dienstzimmer ist das ursprünglich als 8. Bewohnerzimmer geplante Teil, was aber aus Brandschutzgründen nicht genehmigt wurde. Da dürfe niemand schlafen.

Fotos hatte ich von der alten WG drin, allerdings nur vor dem Einzug. Dafür ist es jetzt zu spät, aber ich schau mal, was sich hier noch machen lässt. Aus einzelnen Zimmern sicherlich nicht, aber ... mal schauen. Die zwei Fenster (bodentief) gehen nach Süden. :)

ruolbu hat gesagt…

Ja, der Grund für die Raumverteilung (Fußgänger in Zimmer 6) schien mir auch sehr logisch, und im Endeffekt ist es auch eher ein kleines Manko.
Das Fenster im Bad ist tatsächlich ein ziemlich cooles Feature, war mir noch garnicht aufgefallen. Ist es auch opak, oder zu klein/hoch als dass sich ein ungünstiger Blickwinkel erschleichen lässt? Oder greifst du zu guten alten Vorhängen? ^^

Hat das Dienstzimmer jetzt eigentlich irgendeine Funktion? Niemand darf dort schlafen, also ist es ja eher ein Tagquartier, aber für wen und wer bestimmt über die Einrichtung?

Jedenfalls: bodentiefe Südfenster, ich will auch! O_o Na da herzlichen Glückwunsch. (wobei es ja auch einschränkt, man will schließlich nichts davor stellen ^^)

btw. danke fürs antworten

Sally hat gesagt…

Sieht von der Aufteilung her schon mal nicht schlecht aus. :)

Stell' Dich schon mal darauf ein, dass ich Dich mit Sicherheit mal besuchen komme. ;)

Jule hat gesagt…

@ruolbu: Das Fenster im Bad ist durchsichtig. Man kann von der Straße aus nichts sehen, da das Stockwerk sehr hoch liegt. Als Rollifahrer steht man ja auch nicht direkt vor dem Fenster, so dass es draußen unfreiwillig eine Peepshow geben würde.

Die "Dienstzimmer" sollen wohl zum Teil als Arbeitszimmer für das Organisationsgeflecht, das dieses Wohnprojekt betreut, dienen, andererseits (drei gibt es ja insgesamt) als Aufenthalts-/Arbeitszimmer für Assistenzkräfte. Insbesondere für die Spasti-Zwillinge ist häufig eine Pflegekraft vor Ort, die natürlich nicht bei denen im privaten Wohnzimmer ihre Freizeit/Pause verbringt.

@Sally: Auf jeden Fall gehe ich an dem Tag dann nicht vorher zum Arzt! *Augenroll*

Sally hat gesagt…

Ich bitte darum. :P

Anonym hat gesagt…

Ich möchte mit auf die Warteliste.

Nein, mal im Ernst: Habt ihr nicht Lust, ein Behindi-Kabaret zu gründen? Ein Aufenthaltsraum wird zur Theaterbühne und dann wird das einmal pro Woche gestreamt oder auf Youtube geladen? Aus dem Leben der Stinkesocken-WG ist bestimmt super lustig...

Olli hat gesagt…

Uih, hat was, hübsch, viel Wohnfreude Euch dort.
Hab ich was übersehen oder waren die Fotos der alten WG nur zeitweise drin? Weil eigentlich dachte ich, alles gelesen zu haben.