Sonntag, 10. Juli 2011

Zum Nachtisch Zoff

Manchmal können Männer so richtige Arschlö**er sein. Wirklich. Unsäglich. Wir haben uns so richtig heftig gezofft. Und bevor er sich nicht deutlich entschuldigt, braucht er hier nicht wieder angeschissen zu kommen. Ja, wir haben den ersten Stress schon, bevor Markus überhaupt eingezogen ist.

Ich hatte vor, zum Schwimmtraining zu fahren und anschließend meinen 3. "alternativen Geburtstag" mit ein paar Leuten an einem See zu feiern. Mit Grillwurst, Fleisch, Salaten, Brot, Spielen, paar Getränken, viel Spaß... Es hatten richtig viele Leute nicht nur zugesagt, zu kommen, sondern auch, etwas zu essen und zu trinken mitzubringen.

Zunächst wurde das Schwimmtraining abgesagt. Stattdessen würde sich die Möglichkeit bieten, auf unserer Strecke tagsüber zu trainieren. Die Fußgänger hätten für Samstag eine Sondernutzung genehmigt bekommen: Nächstes Wochenende ist in Hamburg Triathlon angesagt und es handelt sich um die letzte Möglichkeit, nochmal richtig zu trainieren. Wir (Rollifahrer) nehmen jedoch an dem Hamburger Triathlon nicht teil. Ich selbst war zwar noch nie dabei, habe aber von anderen aus der Szene bereits gehört, dass das ein riesiger Krampf sein soll.

Rollifahrer dürfen nur auf der Sprintdistanz teilnehmen, das Schwimmen ist auf (aus meiner Sicht lächerliche) 500 Meter verkürzt. Die Rennstrecke hat eine 180-Grad-Wende, bei der man Fremdhilfe benötigt, gleich nach der Wechselzone gibt es eine Abfahrt, die es (vor allem mit vom Schwimmen noch nassen Flossen) in sich hat, dazu kommen diverse Engstellen, bei denen man sich weder begegnen noch überholen darf. Insbesondere im Rennstuhl hat man aber lange Überholwege - man kommt also nur an bestimmten Stellen wirklich aneinander vorbei und fährt sonst stur hintereinander her. Ein Kilometer geht dann noch über Sandweg ... reichts?

Aber die Trainingsmöglichkeit wollten wir natürlich nutzen. Dadurch geriet der Zeitplan ein wenig durcheinander. Als ich Markus anrief, um ihm das zu erzählen, hatte er schon sonderbare Laune. Dann wollte er wissen, ob ich in langen oder in kurzen Klamotten trainieren will. Da mehr als 20 Grad waren: Kurz. Ob ich ihm den Gefallen tun könnte, in langen Sachen zu trainieren. "Ich glaube, dann bin ich hinterher wie aus dem Wasser gezogen." - Er fände das erotisch. Es sei sexy, wenn ich nach dem Training völlig verschwitzt bin.

Okay, es war ja schließlich auch etwas windig. Ich muss schon aufpassen, dass ich mich nicht lächerlich mache vor allen Leuten, wenn ich da als einzige in langen Sachen ankomme. Und ich muss noch mehr trinken. Aber wir konnten ja endlos Trinkflaschen wechseln. Das war auch dringend nötig, ich glaube, ich habe in den 90 Minuten über 4 1/2 Liter (einschließlich Iso) gesoffen. Ich war wirklich wie aus dem Wasser gezogen, der Schweiß leckte mir vom Gesicht, es war schon fast grenzwertig. Ich wollte mich abkühlen und mit den anderen eine Runde im See schwimmen gehen, aber Markus hatte was anderes vor. Er zog mich auf den Parkplatz, hinter mein Auto.

Klar, wenn er mich schon bittet, für ihn "heißer" zu trainieren als sonst, hat ihn mein Anblick wohl ziemlich angemacht. Nur fühlte ich mich so nicht in der passenden Stimmung und hätte mich gerne erstmal etwas frisch gemacht. Intensiv küssen, wenn man vom Training kommt und alles im Mund schmeckt wie ... bäh ..., angefasst werden, wenn man völlig durchnässt ist, etliche Male Schweiß und Schnodder aus dem Gesicht im Arm abgewischt hat, sich unvermeidbarerweise ein paar Mal selbst angerotzt und mindestens einmal auch noch selbst angepinkelt hat - da habe ich dann doch gewisse Hemmungen. Er nicht. Er wollte zwischen Auto und Gebüsch über mich herfallen, was ich unter anderen Umständen auch unheimlich reizvoll gefunden hätte, aber mir war einfach nicht danach.

Ich habe aber keine Diskussion angefangen, sondern habe versucht, das Geschehen in eine andere Richtung zu lenken und ihm ein "Alternativprogramm" angeboten. Bin also sitzen geblieben und habe das versucht, was man in der Höhe halt am besten hinbekommt. Das war dann irgendwie nicht richtig, dann habe ich vorgeschlagen, dass wir im See schwimmen gehen und im Wasser oder danach mal schauen, ob uns jemand beobachtet. Er wollte dann, dass ich mit meinen Trainingsklamotten schwimmen gehe. Immerhin müssten die ja auch wieder sauber werden. Diese nassen Sachen auf der Haut ... wären sehr erotisch. Er trägt mich auch ins Wasser. "Und falls es dir peinlich vor den anderen ist, kannst du gerne so tun als würde ich dich gegen deinen Willen ins Wasser werfen."

Okay, okay. Mach. Cathleen und Simone waren auch gleich so ins Wasser "gesprungen" und ich finde es ja auch durchaus reizvoll. Aber eher spontan als geplant. Egal. Er zog sich seine Badeshorts an, nahm mich auf den Arm und lief mit mir ins Wasser. Wir schwammen eine eher große Runde, dann drängte er mich zwischen Schilf und einen privaten Steg ab, wo er stehen konnte. Er hielt mich fest, begann, mir meine Sachen auszuziehen. Da ich komplett unter Wasser war, ließ ich ihn machen. "Du hast ja gar nix drunter!", sagte er, als er den Reißverschluss bis zwischen die Schulterblätter runtergezogen hatte. Hab ich nie. So große Ti**en habe ich nicht, dass ich im Sitzen unbedingt einen Sport-BH brauche. "Gefällt dir das?", fragte ich schelmisch. Welchem Mann gefällt das nicht?!

"Hast du unten auch nix drunter?" fragte er. - "Das findest du auch noch raus", zog ich mich grinsend aus der Affäre. Natürlich habe ihm nicht verraten, dass die anderen auch alle nix drunter haben. Gibt wohl auch keinen Fußgänger-Radler, der unter seiner Funktionskleidung noch einen Baumwollschlüpfer trägt... als Sportstudent müsste er sowas eigentlich wissen. Egal. Nur wurden wir beobachtet. Von einem über der Stelle gelegenen Feldweg konnte man uns sehen und es gingen ständig Leute vorbei. Insofern fand ich unter Wasser fummeln okay, aber jetzt erst ganz nackig ausziehen und vielleicht noch mehr, am hellichten Tag, auch wenn es etwas abseits gelegen war und ich durchaus ein wenig exhibitionistisch veranlagt bin - das war mir zu viel.

Wir verließen das Wasser, ich zog mich um, wir setzten uns zu den anderen, die Stimmung war gut. Alle hatten Hunger, wir warfen den Grill an, quatschten, es war, nachdem beim Training erst noch ein paar Tropfen gefallen waren, tollstes Sommerwetter. Ein Sonnenuntergang am See, herrlich. Ich kuschelte mich an Markus, hatte eigentlich schon wieder vergessen, dass er vorhin so komisch war, vielleicht war er einfach nur mal für ein paar Minuten komisch drauf, er kraulte mir den Kopf - ich hätte meine Enttäuschung nicht mehr erwähnt und in den nächsten Stunden auch vergessen.

Inzwischen wurde es dunkel, es war gegen 23.30 Uhr, als plötzlich eine (wie könnte es bei meinen magnetischen Fähigkeiten anders sein) Polizeistreife, die wohl nur mal nach dem Rechten schauen wollte, anhielt und ausstieg. Es war nicht der uns bekannte Dorfpolizist, sondern zwei jüngere Beamte. Auf dem spiegelglatten Wasser schwamm in etwa 30 Meter Entfernung vom Ufer ein Rettungsring, den Chaoten vor zwei Stunden von seinem Platz entfernt und dort hineingeworfen hatten. Die Chaoten waren nur inzwischen weggefahren und so waren wir erstmal die Verdächtigen: "'Waren wir nicht' kennen wir schon. Wenn das Ding nicht in 3 Minuten wieder an seinem Platz ist, nehmen wir eine Anzeige auf wegen Missbrauch von Noteinrichtungen. Das ist eine Straftat, für die es bis zu zwei Jahre Gefängnis geben kann."

Frank antwortete: "Sofie, kannst du mir schonmal meinen Ausweis rübergeben? Ich glaube nicht, dass der Ring von alleine aus dem Wasser kommt und dann mache ich zur Anzeige gleich eine Zeugenaussage. Ich kann die Täter beschreiben und würde sie bei einer Gegenüberstellung auch wiedererkennen. Das waren so ein paar Proleten und einer aus der Clique fuhr einen getunten Golf mit einen großen Schriftzug auf der Heckscheibe." - Tatjana stand auf. "Lass gut sein, Frank, ich watschel eben ins Wasser und hol das Ding raus. Bevor ich irgendwann seitenweise schreiben darf, geh ich lieber einmal kurz aufräumen."

Während Tatjana den Ring aus dem Wasser holte, fuhr einer der Beamten fort: "Und Grillen ist hier übrigens auch nicht erlaubt. Sie verstoßen damit gegen einen Erlass der Bezirksverwaltung aus dem Jahr 1974." - So ein Schwachsinn. In den letzten zwei Stunden hatten hier mindestens 20 Grills gestanden. Frank kam in Stimmung: "Ach du Scheiße, da war ich ja noch gar nicht auf der Welt!" - "Deswegen haben die hier ja auch Schilder aufgestellt." - "Für den Deich dahinten, ja. Aber hier auch? Das hab ich gar nicht gesehen. Und nu? Müssen wir nun Bußgeld zahlen? Oder belassen Sie es bei einer mündlichen Verwarnung?" - "Wir nehmen jetzt Ihre Personalien auf und wenn wir hier heute nacht einen Feuerwehreinsatz bekommen, geht die Anzeige in den Vorgang." - "Das nenn ich mal einen fairen Deal."

"Dann hätte ich gerne mal Ihren Ausweis gesehen", sagte der Beamte und zückte sein Notizbuch. Frank reichte ihm seinen Perso. "Wenn dann der geschäftliche Teil abgeschlossen ist und Sie an Ihre nächste Pause denken - mögen Sie da lieber Wurst oder lieber ein Nackensteak? Die Flattertiere sind leider schon aus." - "Wir wollen mal ernst bleiben, ja?" - "Ich meine das durchaus ernst. Wir haben noch zwei Stücke übrig." - Der andere Beamte sagte: "Wir dürfen nichts annehmen, das ist nett gemeint." - Frank antwortete: "Eine scheußliche Vorschrift. Wenn es die nicht geben würde, hätten Sie dann lieber eine Wurst oder lieber ein Stück Fleisch?" - Der erste Polizist, der offenbar noch wesentlich neuer im Job war, sagte: "Es gibt diese Vorschrift aber nunmal und deswegen stellt sich die Frage nicht." - Der zweite schielte auf unseren Grill und fügte hinzu: "Wenn ich zu Hause grille, dann hab ich allerdings am liebsten so ein richtiges Stück Fleisch. Vorher mariniert, gut durch - lecker. Meine Familie hat heute abend auch gegrillt, aber Dienst ist ja nunmal Dienst."

Frank sagte: "Kommt, wir machen den beiden schnell zwei Teller fertig. Am besten auf so einen tiefen Plastikteller, damit das im Wagen nicht ausläuft. Ich kann das nicht mit ansehen. Wir mampfen hier und die haben Steine im Magen." - Jetzt sagte auch der ältere: "Wir dürfen das echt nicht annehmen. Es ist nett gemeint. Hier ist ihr Ausweis zurück. Schönen Abend noch." - Frank ließ nicht locker: "Aber Sie könnten mir vielleicht einen Gefallen tun? Ich bin Rollifahrer und würde gerne diese beiden Teller zum Müll bringen. Die sind übrig geblieben. Wir sind alle pappsatt und das Fleisch ... das soll ja so über Nacht nicht liegen bleiben. Könnten Sie die auf dem Weg zum Streifenwagen bitte in die Mülltonne werfen? Sie würden mir einen großen Gefallen tun." - "Sie sind echt ein Racker. Was feiern Sie hier eigentlich?" - "Ihren Geburtstag", sagte Frank und zeigte auf mich. Ich winkte einmal schüchtern.

"In dem Alter darf man ja noch fragen, wie alt, oder?" fragte der ältere von beiden. Ich antwortete: "Es ist nicht wirklich mein Geburtstag. Gestern vor drei Jahren hatte ich meinen Unfall, seitdem bin ich querschnittgelähmt. Mich hat eine Frau plattgefahren, weil sie an der Ampel ihr Recht durchsetzen wollte. Sie glaubte, ich hätte rot. Hatte ich aber nicht. Ich wäre dabei beinahe draufgegangen. Daher feier ich jetzt jedes Jahr zwei Mal Geburtstag." - Der Typ guckte mich mit großen Augen an, blickte auf die leeren Rollstühle neben den Decken, schluckte einmal, sagte: "Aha. Na dann schöne Feier noch. Und danke, ne?!" Dann zogen sie von dannen, jeder einen Teller mit Fleisch und Salat in der Hand. Das landete natürlich nicht im Mülleimer.

Sofie fragte: "Und was ist, wenn das hier heute nacht wirklich brennt?" - "Dann müssten sie beweisen, dass ich das angezündet habe. Ich weiß ja nicht mal, wem der Grill gehört. Das war eine reine Erziehungskiste, damit wir hier nachher alles sauber hinterlassen und die Glut ablöschen. Nun haben wir unsere Ruhe und die ihr Stück Fleisch und alles ist in Butter."

Gegen halb eins fuhren einige nach Hause. Da Zelten nicht erlaubt war, schlief der Rest auf dem Parkplatz in den Autos. Bei mir passt locker eine Matratze hinein, bei Frank und Sofie (Passat Kombi) auch, bei Jana (Touran, zusammen mit Cathleen und Simone) und bei Yvonne (Megane, mit Nadine) auch. Ich überredete Markus zu einer Runde Mitternachtsbaden. Das Wasser war anfangs kalt, kurz danach aber herrlich. Da am See keine Laternen stehen, ist es wirklich fast stockdunkel. Jetzt zieh ich mich im Wasser auch gerne nackig aus. So ein langsam ins Wasser laufender Sandstrand ist enorm vorteilhaft, vor allem, wenn man von dort aus weite Teile des Weges einsehen kann und wir wirklich die einzigen sind. Eine Ente war die einzige, die sich lauthals beschwerte. Es war sehr schön.

Danach wurde mir schnell kalt. Markus zog seine Badehose wieder an, mich nahm er nackt auf den Arm. Ich klammerte mich an ihm fest, den Badeanzug in meiner Hand. Wir mussten über die Wiese, über die Straße, einen Berg runter zum Parkplatz. Wir parkten an einer Seite, die anderen Fahrzeuge waren alle auf dem Platz bunt verteilt. Ich hatte extra vorher die Innenbeleuchtung und die automatische Außenbeleuchtung beim Betätigen der Fernbedienung ausgeschaltet, damit beim Öffnen der Heckklappe nicht alles hell erleuchtet ist. Markus warf mich auf die Matratze, zog seine Shorts aus, machte sich den Sand von den Füßen und kam hinterher gekrabbelt. Bis dahin war alles gut, von dem komischen Start abgesehen, ein Traumabend.

Aber nun wollte er noch einmal Sex. Es wäre auch okay gewesen, nur ... nicht im Auto auf der Matratze. Es lag zwar was wasserdichtes drunter, ich hatte sogar auch ein Ersatzlaken dabei, für alle Fälle, aber ich hatte beim Grillen und auch davor schon so viel getrunken, dass ... Auf dem Rasen draußen, auf einem Handtuch, hinter dem Auto, unter dem Sternenhimmel - für ihn zu hart. Am Strand - für ihn zu sandig. Ich hätte ihn auch im Auto nochmal verwöhnt, nur eben nicht "herkömmlich", weil ich da gerne eine Pampers anziehen wollte, und das so schnell wie möglich - für ihn schön, aber er wollte einen Kick. Er wollte mich richtig. Nie würde er mich richtig bekommen. Immer müsse man Rücksicht nehmen auf "diese Scheiße". Ich könne nicht richtig aus mir herauskommen, ich hätte Probleme mit meiner Behinderung.

"Gleich schläfst Du draußen. Das ist mein Auto." - Er drehte sich weg. Plötzlich schlief er. Wie kann er in der Situation einschlafen?! Gegen sechs Uhr weckte er mich, indem er mir den Bauch streichelte. Ich kuschelte mich an ihn ran, wollte in seinem Arm weiterschlafen. Er war schon wieder ... und wollte mir die Pampers runterstreifen. Argh!!! "Es ist das gleiche wie gestern abend. Wenn du mir das Ding ausziehen willst, dann nur draußen. Hier drinnen bleibt es dran." - Er meinte, ich rieche so geil, meine Haut sei so erotisch, ich fühle mich so gut an, es sei so gemein, neben mir liegen und leiden zu müssen. Sicherlich ein tolles Kompliment, aber trotzdem ... ich solle mich doch mal fallen lassen, das Bettlaken könnte man waschen - die gleiche Diskussion nochmal. Und dann wurde er beleidigend. Und stellte Fragen, ob sich Cathleen oder Sofie auch so anstellen würden. Und dann kam der Schlussatz: Behinderte müssen sich nicht wundern, dass sie keine Partner finden. Es sind nicht die Partner, die sich anstellen, sondern die Behinderten selbst.

"Markus, weißt Du was? Um Viertel vor Acht fährt da vorne der erste Linienbus. Bis dahin kannst Du gerne noch eine Stunde schwimmen gehen, aber hier ist jetzt Schluss für dich." - "Was heißt das?" - Meine Antwort steht im ersten Absatz.

Ich habe seitdem nur geheult und inzwischen einen absoluten Dröhnschädel. Eigentlich wollten wir gemeinsam frühstücken, aber ich habe mich vor allen vom Acker gemacht. Gestern noch hatte ich gedacht, mein Leben einigermaßen im Griff zu haben. So schnell ändern sich Dinge.

Kommentare :

Anonym hat gesagt…

*in Arm nehm und durchknuddel* sorry.. aber.. so ein Arsch >.<
Ich hoffe er hat einfach nur überreagiert und entschuldigt sich anständig >.>

Vio hat gesagt…

Ach, Jule, lass dir bloß nicht einreden, dass das mit deiner Behinderung zu tun hat. Das sind nunmal Grenzen, die in jeder Beziehung akzeptiert werden müssen. Kein Partner ist ein Selbstbedienungsladen. Ich hoffe, du kannst in Ruhe mit ihm darüber reden.

m. hat gesagt…

Mannomann.
Doof. (Er - und die Situation.)

Mein Freund müsste ggf. auch "leiden", denn er darf nicht ran, wenn ich z.B. meine Tage habe. Und ich müsste auch oft leiden, denn ich darf oft nicht ran, obwohl ich will. So ist das. Dann reiß ich mich zusammen, wenn er nicht will/kann. Mit der Behinderung eines Partners hat das nix zu tun.

Grenzen sind zu respektieren - wenn man das nicht kann, gibts keine Zukunft zusammen.

Das mit dem "kein Selbstbedienungsladen" trifft es.

Ich finde, er wirkt enorm besitzergreifend. Und dominanter, als zu Dir passt - also aufs "Sozialverhalten" bezogen, nicht auf den Sex.

Gruß
m.

PS: Ich glaub, Frank wär mir manchmal etwas zu rechthaberisch - ich hätte wohl augenrollend auch das Rettungsgerät an Land geholt, statt ewig zu diskutieren. Manchmal ist Beharrlichkeit gut, manchmal nervig. ;-)

BigDigger hat gesagt…

Markus, falls Du das hier liest:

DU BIST EIN VOLLIDIOT! WERD' ERWACHSEN! UND HÖR AUF, MIT DEM DÖDEL ZU DENKEN!

Anonym hat gesagt…

Er hatte sich wahrscheinlich alles so schön vorgestellt für den Abend, du und er. Sehr genau vorgestellt. Sich so darauf gefreut.

Aber manchmal verlaufen die Dinge eben anders, kann man sein Kopfkino eben nicht in die Realität umsetzen. Das muß er akzeptieren. Das hat auch eigentlich nichts mit deiner Behinderung zu tun. Es hätte auch ein Dutzend andere Gründe geben können, warum du genau an dem Ort zu der Zeit nicht das wolltest, was er wollte.

Eines fällt mir an eurer Beziehung aber noch auf: Er hat zwar zwei funktionierende Beine mehr, aber du bist ihm in so vielen anderen Dingen weit voraus. Finanziell-materiell (Auto!), schulisch, was die Karriere anbelangt, in Größe und Qualität deines Freundeskreises (er ist ja noch nicht so lange in HH). Da ist schon ein verdammt steiles Gefälle, vielleicht knabbert das an seinem Ego. Das könnte seine Wortwahl mit beinflußt haben. Vielleicht gibt es da also noch einen Konflikt, der ein wenig tiefer geht...

Falls nicht, dann faßt BigDigger oben sehr schön in einem Satz zusammen, wofür ich zwei Absätze brauche.

Christian

ruolbu hat gesagt…

Verdammt, echt schade, dass es zu sowas kommen musste. :(

Partner sind keine Selbstbedienungsläden - stimmt.
Er soll aufhören mit dem Schwanz zu denken - wäre in dem Moment sicherlich sinnvoll gewesen.

Ich bin sicherlich keiner, der einem starken Sexualtrieb den Riegel vorschieben möchte. Noch dazu, da du selbst ja auch Spaß dran zu haben scheinst.

"Er wollte mich richtig. Nie würde er mich richtig bekommen. Immer müsse man Rücksicht nehmen auf "diese Scheiße"."
Aber ich finde er sollte ein bisschen mehr zu schätzen wissen, was er bereits an dir hat, bevor er sowas loslässt.

Tatsächlich glaube ich sogar zu verstehen, was er meint. Denn ich finde das, was er den Abend und Morgen versucht hat einzuleiten, ebenso sehr reizvoll. Und ich fand es ein wenig schade, dass du daran keine Freude entwickeln konntest.

Aber noch mehr freut es mich, dass du dich zu nichts hast drängen lassen, dass du deine eigenen Grenzen einhältst, auch wenn er Druck ausübt! Und deswegen finde ich, hast du absolut richtig reagiert.

Und lass dir nichts einreden. So wie ich das sehe, liegt das Problem bei ihm. Wie du mit deiner Behinderung umgehst, ist deine Sache und er wird damit leben müssen... oder, wenn er nicht weiß, wie/warum er sich ordentlich entschuldigen sollte, auch nicht :(

wünschte ich könnte dir bei der Sache helfen, irgendwie Erleichterung verschaffen...

PS: @m. Genau dafür hab ich Frank lieb gewonnen. Würde ich ihn persönlich erleben, wäre es evtl. zu viel, kann sein, aber in dieser Textform, würde ich keine andere Reaktion von ihm wollen ;)

Anonym hat gesagt…

Herje.. das war ist wohl nicht so gelaufen wie erhofft. Der Konflikt den Du beschreibst Jule, hat jedoch nur zweitrangig etwas mit deiner Behinderung zu tun. Im Grunde möchte der eine Partner etwas, was der Andere nicht bereit ist (im Moment?) zu geben.
Was dafür nun ursächlich ist, ist für den Konflikt jedoch nahezu unerheblich.
Ich denke Sexualität ist ein wichtiger Bestandteil einer Beziehung. Viel wichtiger ist jedoch gegenseitiges Vertrauen und Respekt vor dem Partner. Oder auch die Frage: Was soll mir die Beziehung eigentlich bringen. Wenn die "sexuelle" Komponente deutlich vor dem Vertrauen gegenseitiger Verstehen liegt, kann das zwar meiner Meinung nach kurzfristig sehr erfüllend sein, jedoch sollte man sich dann davor hüten zusammen ziehen zu wollen. Der Alltag holt einen dann ja doch ein und dann gibt es noch viele weitere Gründe warum "es" nicht geht (Stress,usw.). Frag dich evtl. eher worauf eure Beziehung baut. Ich fand übrigens die Entscheidung so dich zusammen zu ziehen fiel bei euch sehr früh. Dies sind nur meine Gedanken dazu, sie sollen in keiner Weise wertend zu verstehen sein.

Der C. aus B.

Alice hat gesagt…

Na suuuuuuuuper... okay, ich gestehe ihm ja zu, dass er da einen tollen Plan hatte (finde ich echt ganz süß) und enttäuscht ist, wenn du, wie jede andere Frau, eventuell nicht auf alle Wünsche eingehst, aber dann dermaßen rum zu zicken geht leider überhaupt nicht. Ein "nein" sollte er schon akzeptieren. Ich wünsche mir für dich, dass er was daraus gelernt hat und sich entschuldigt. Wirst du einen Schritt auf ihn zugehen? Ich bin da immer ganz schnell von der Partie, bin ein Harmoniemonster.
Alles Liebe, Alice

Sofie hat gesagt…

Ich könnte ihm sagen, was ich gemacht hätte, aber darum geht es nicht. Wenn du mit voller Blase im Auto keinen Sex haben willst, dann gibt es keinen Sex. Fertig. Damit kann er entweder leben oder ... eben nicht.

Kompromisse hast du ja mehrere vorgeschlagen. Wenn er keinen eingehen will, kann es nur ein "Nein" geben.

Aber ich verstehe auf der anderen Seite auch ihn. Ich schätze, ihn hat die ganze Situation unheimlich angemacht und er wäre bereit gewesen, alle Einschränkungen, die deine Behinderung mit sich bringt, anzunehmen. Du solltest dich fragen, warum du abgelehnt hast: Hast du möglicherweise Ängste, die unbegründet sind?

grinseliese hat gesagt…

Trägt vermutlich nicht zu mehr Harmonie bei, aber ich hätte meinem Freund vermutlich schon nen Vogel gezeigt, wenn er gewollt hätte, dass ich lange Sportsachen anziehe damit ich verschwitzter aussehe...

Anonym hat gesagt…

Hups, ich habe gerade noch mal meinen Kommentar gelesen und gesehen, dass ich ein Satzfragment nicht gelöscht habe. Dieser Satz sollte natürlich so geschrieben sein:
Ich fand übrigens, die Entscheidung zusammen zu ziehen fiel bei euch sehr früh.
Der C. aus B.

Anonym hat gesagt…

Ganz ehrlich, das ist doch jetzt eigentlich kein Problem, was von deiner Behinderung kommt. Ich wette mit dir, es gibt massenhaft Frauen, die
a) nicht draußen
b) nicht mit anderen in der Nähe
c) nicht im unbequemen Auto oder
d) wenn sie sich selbst unwohl fühlen (z.B. ihre Tage haben)
Sex haben wollen, völlig ohne Behinderung.

Und all diese Gründe hat der betreffende Partner dann zu akzeptieren. Genauso übrigens auch, wenn man einfach mal - ganz ohne irgendeinen Grund - keine Lust auf Sex hat. Soll auch vorkommen.

Es gibt kein "Recht auf Sex" in einer Beziehung, schon gar nicht auf Kommando und zu einem bestimmten Zeitpunkt, an einem bestimmten Ort oder auf eine bestimmte Art und Weise.

Und ich würde sagen, dein Freund hat mit dir in Sachen Sex sowieso schon einen echten Glücksgriff getan - du bist offen, ausprobierfreudig, hast viele ähnliche Vorlieben und machst auch exotischere Dinge mit. Es gibt eine Menge Frauen, die nur auf 08/15-Sex in der Missionarsstellung einmal die Woche stehen. Was würde er da denn sagen?!

Und nur weil du jetzt EINMAL nicht so wolltest wie er, liegt das jetzt an deiner Behinderung?! So ein Quatsch!

Anonym hat gesagt…

Also ganz ehrlich? Ich finde die Geschicht interessant und gebe dir auch durchaus recht bzgl deiner Stimmung und deines Verhaltens. Und dein Freund weiß ja auch, dass du blogst und dass du recht intensiv bloggst.
Aber wenn meine Freundin einfach solche Details über mich online stellen würde, die mich vor dem gesamten gemeinsamen Freundeskreis wie der letzte A*** da stehn lassen, würde ich wohl früher oder später Schluss machen.
Er scheint ja kein Problem damit zu haben, dass du über euren Sex schreibst und du hast auch ganz recht mit der Darstellung, allerdings frage ich mich bei sowas schon wirklich, ob sowas geposted werden muss...jeder verhält sich mal absolut unpassend und sch***, aber muss man da gleich ne ganze Community (immerhin 12 Kommentare) haben, die gegen einen hetzen? Und die Leute, mit denen er zu tun hat wissen jetzt auch, dass er grantig wurde, weil er nicht so Sex haben durfte, wie es ihm beliebte?
Ich wäre DARÜBER alles andere als begeistert und würde an seiner Stelle DAFÜR von DIR eine Entschuldiging verlangen. Man kann es nämlich auch übertreiben.
Nur meine Meinung.

Auch Anonym hat gesagt…

@Anonym: Die Darstellung ist doch durchaus sachlich. Er könnte doch ohne Probleme seine Sicht der Dinge dazu schreiben. Sie schreibt offen, welchen Teil sie zur Eskalation der Sache beigetragen hat. Sie überlässt jedem, sich eine Meinung zu bilden. Er weiß, dass sie bloggt.

Wenn man Scheiße baut, muss man damit rechnen, in die Kritik zu kommen. Man sollte - und das ist meine Meinung - eher daran arbeiten, seine Meinung zu vertreten, seine Schwächen zu erkennen und zuzugeben, seine Fehler einzusehen und zu ändern als sich darauf zu verlassen, dass alles geheim bleibt.

Nicht Jule hat ihren Freund dumm hingestellt, sondern er sich selbst. Es wird den Leuten ja auch aufgefallen sein, dass die beiden morgens nicht mehr da waren bzw. er mit dem Bus abgehauen ist oder sie den ganzen Tag heult. Da werden sie doch auch eine Erklärung bekommen haben. Und dem Rest der Leute ist es vermutlich egal.

grinseliese hat gesagt…

Es wurde ja auch in einigen Kommentaren durchaus Verständnis für ihn deutlich. Hätte sie sich auf eine lästernde Sicht beschränkt, wäre das sicher nicht der Fall gewesen.

Sofie hat gesagt…

Meine Güte, die beiden hatten Sex, die beiden waren sich danach über weiteren Sex nicht einig, sie haben sich gezofft. Zum Streiten gehören immer zwei, oft mangelt es an der Kommunikation. Die beiden werden sich zusammensetzen und über ihre unterschiedlichen Vorstellungen reden müssen.

Ich weiß nicht, welche von Jules Schilderungen nun dazu dienen könnten, Markus als Ar*** darstehen lassen zu können. Er hat einen unrühmlichen Auftritt hingelegt, die Gründe dafür kennt er selbst am besten. So etwas kommt vor, bei jedem in anderer Ausprägung und Härte. Ich habe auch schon unrühmliche Auftritte vor meinem Partner und vor meiner Clique gehabt. Briefe geschrieben, die ich nächsten Tag so nicht noch einmal geschrieben hätte, Sätze gesagt, von denen ich hinterher denke: Autsch! Wer sagt denn sowas?! Mich blamiert, mich gestritten, alles mögliche.

Menschen verhalten sich nicht immer nur vorbildlich und nett. Auch Markus hat eine "dunkle Seite", auch Jule, auch mein Freund, auch ich. Diese Erkenntnis habe ich nicht erst seit diesem Posting.

ruolbu hat gesagt…

Das ist allerdings ein Punkt, der mich auch interessiert. Nach allem, was ich bisher von Jule gehört habe, holt sie sich jedes Mal von allen Beteiligten, die sie kennt/zu ihrem Freundeskreis zählt, die Erlaubnis ein, über sie zu schreiben - zumindest sobald es privat/intim wird. Anders bei Menschen, die sie nicht/kaum kennt, denen sie vielleicht nur ein einziges Mal begegnet ist und daher keinen speziellen Schutz genießen (Bsp. der Fall mit der Schuldirektorin).
Man kann sich natürlich auch nicht immer ein Einverständnis holen, das würde jeden Rahmen sprengen. Und doch hat man das Bedürfnis sich auszulassen, dem eigenen Ärger Luft zu machen und darüber zu schreiben. Wo hört die Zurückhaltung auf, ist das womöglich bereits egoistisch und respektlos?
Vielleicht ja, das müssen aber die Beteiligten untereinander ausmachen, ich erlaube mir da keine Wertung.

Ich finde jedoch, dass in jedem Fall der potentielle Nutzen den möglichen Schaden überwiegt. Zum einen hätte der gemeinsame Freundeskreis sowieso davon erfahren. Denn für Jule sollte es keinen Grund geben, sich darüber auszuschweigen, für solche Situationen sind Freunde schließlich da. Und die durch das Bloggen hinzugekommene online community dürfte Markus auch egal sein, immerhin verwendet Jule keine echten Namen. Abgesehen von einigen Kratzern in seinem Ego, dürfte dieses "hetzen" also keine Folgen haben.

Womit ich beim möglichen Nutzen dieser Situation bin. So wie ich das sehe, hat er eine krasse Fehlwahrnehmung an den Tag gelegt, welche sein beleidigendes und ignorantes Verhalten erklärt. Und nun liegt es an ihm, das ausführlich zu reflektieren. Wenn er sich entschuldigt, dann darf das nicht oberflächlich am unhöflichen Verhalten aufhören. Er muss sich eingestehen können, dass der Fehler durchaus auch tiefer sitzen kann. Ob er nun evtl. doch ein Problem mit Jules Behinderung hat oder es nur darauf abwälzt - vielleicht kann er seine Sexualität nicht kontrollieren oder er bewertet seine eigenen Wünsche in einer Beziehung höher als die des Partners bzw. erkennt dessen Grenzen nicht an - er muss offen dafür sein, solch einen Fehler zu akzeptieren und ihn zu benennen. Er muss sehen, dass er sich Falsch verhalten hat, weswegen sei mal dahin gestellt, damit er ehrlich daran arbeiten kann, seine Wahrnehmung zu verändern. Andernfalls sehe ich solche Situation immer wieder geschehen.

Und für diesen Nutzen, diese persönliche Entwicklung, sind Kratzer am Ego und harte Worte, die auf den Missstand aufmerksam machen, sehr hilfreich und ein durchaus vertretbarer Schaden. Man sollte es eher als Chance begreifen, die Kritik, die an einem geäußert wird, sinnvoll umzusetzen, anstatt sich davor zu fürchten.

Anonym hat gesagt…

@Sofie
Richtig, jedem passiert sowas mal, aber wenn dir das passiert ist, hat die andere beteiligte Person das nicht öffnetlich irgendwo geposted.
Ihre Darstellungsweise hat ihn nicht als A*** erscheinen lassen, er hat sich halt wie einer verhalten. Nur -schon wieder- erfährt für gewöhnlich von sowas nicht die halbe Welt.

Geänderter Name hin oder her, alle, die Jule irgendwie kennen, kennen auch ihren Freund, ob der nun Markus oder Harald heißt, wenn sie davon schreibt.
Klar erzählt man sowas im echten Leben auch Freunden, das ist ja auch normal. Aber im echten Leben erzähl ich doch nicht JEDEM den ich kenne oder der uns kennt, wenn sich jemand mir gegenüber doof verhält?!

Es ist eine Sache, wenn man so ein großes Mitteilungsbedürfnis hat, dass man allen Leuten ständig über sein Sexleben schreiben muss. Wenn alle Beteiligten das okay finden, isses ja gut. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass es jemand okay fänd, wenn sein Freund/ seine Freundin oder auch nur EIN Freund/EINE Freundin, alles für die Nachwelt dokumentieren würde, was falsch gemacht wurde.

Und meiner Meinung nach darf man sich dann halt am Ende nicht wundern, wenn dadurch die ein oder andere Beziehung zerbricht.

Ich selbst wollte mit niemandem befreundet/zusammen sein, dem unsere Freundschaft so viel wert ist, dass er über jede absolut menschliche Entgleisung öffentlich Buch führt.
Mag aber Leute geben, denen das egal ist.

Cathleen hat gesagt…

Ich würde am liebsten einen endlos langen Kommentar schreiben über so viele Gedanken, die mir beim Lesen von Jules Beitrag und bei den ganzen Kommentaren in den Sinn kommen. Ich versuche, mich kurz zu fassen.

Ich habe, bevor ich Jule kannte, immer versucht, möglichst nicht aufzufallen. Durch meine offensichtliche Behinderung ist mir das nie geglückt. Ich befand mich permanent im Stress.

Ich hatte immer Angst, nicht "richtig" zu sein. Ich habe jeden Satz auf mich bezogen, jeder Kommentar hat mich fast zum Heulen gebracht.

Meine Kindheit war geprägt von Sätzen wie "darüber redet man nicht", "was geht das andere an", "das muss nicht jeder wissen", "behalte das für dich", "das ist unser Geheimnis", "was sollen andere Leute denken", "die Nachbarn reden schon über uns", "musst du unbedingt auffallen", "ich kenne dich nicht", "das tut man nicht", ... - reichts?

Seit ich diese Clique kenne, besonders Sofie, Jule, auch Jana, ist das anders. Ich wurde so akzeptiert, wie ich nunmal bin. Ich musste mich nicht verstellen, ich konnte einfach "Ich" sein. Ich hatte das Gefühl: So, wie ich bin, ist es okay.

Ich hatte früher ständig Zweifel, ob ich -von meiner Behinderung abgesehen- normal bin. Über vieles habe ich zu Hause nie reden dürfen, das wurde totgeschwiegen. Durch diese Clique erfuhr ich: Das meiste von mir ist "normal" und der Rest ist eben "Cathleen". Aber den Rest muss ich nicht verstecken, sondern den Rest wollen meine Freunde erleben, wenn sie mich in ihrer Nähe haben wollen.

Ich habe vor meiner Zeit in dieser WG sehr viel Scheiße gebaut. Um Aufmerksamkeit zu bekommen, um Grenzen auszutesten, um Frust abzulassen. Meine Freunde wissen davon und mögen mich trotzdem. Oder vielleicht auch, weil es zu mir gehört.

Ich finde das, was Jule über Markus geschrieben hat, nicht so heftig, dass er dadurch in ein anderes Licht rückt. Im Gegenteil: Ich habe erwartet, dass er auch Schwächen hat, auch Fehler macht, auch mal sich im Ton vergreift. Das war Scheiße und gehört sich nicht, das muss ausgeräumt werden, da ist eine Entschuldigung fällig. Und: Ich werde mich da nicht weiter einmischen, das müssen die beiden selbst klären.

Fakt ist für mich nur, dass ich Markus heute nicht anders sehe als noch vor einer Woche. Er verliert ja durch so eine "Entgleisung" nicht seine positiven Eigenschaften oder gar sein Gesicht. Und fakt ist auch, dass Jule auch ganz schön biestig sein kann. Aber das weiß ich schon heute, bevor sie darüber schreibt.

Sollte sie über ihn schreiben? Er hat in meinem Beisein mal zu ihr gesagt: Schreib, was du willst, solange du fair schreibst. Ich finde es fair, was sie geschrieben hat.

Ich finde es auch okay, nicht nur über positives, sondern auch über negatives zu schreiben. Gerade wenn es Schwierigkeiten gibt, finde ich es wichtig, sie zu kommunizieren.

Und was den Sex angeht: Ich will es nicht sehen, ich muss auch keine Details wissen, ich finde es schön, dass sie das tun. Im Nachhinein zu erfahren, wo und wann sie das gemacht haben, finde ich, zugegebenermaßen, etwas spannend. Auch wenn es völlig normal ist, ist die Frage danach ja nicht unbedingt üblich. Auf diese Art einmal Mäuschen spielen zu dürfen, hat seinen Reiz, wie ich finde.

Anonym hat gesagt…

Ich beobachte immer mehr, dass Menschen nicht mehr in der Lage sind, mit sachlich vorgebrachter Kritik umzugehen.

Ich weiß nicht, wer dieser Markus ist, nur weil sein Vorname hier steht. Für mich ist es ein unbekannter Mensch.

Hätte eine Bekannte von mir so etwas über ihren Freund geschrieben ... naja, ich glaube nicht, dass bei denen immer Friede, Freude, Eierkuchen herrscht. Da knallt es auch mal. Sie kauft zu viele Schuhe, er glotzt den Mädels hinterher, hält ihr nicht die Tür auf, schaut Pornos im Internet.

Wisst ihr was? Ist mir scheißegal. Wenn es zu dumm wird, rede ich mal mit ihm, ansonsten sind das Probleme, wie sie in jeder Beziehung vorkommen. Morgen ist es wieder gut. Und ich finde es okay, sich auszukotzen.

Anonym hat gesagt…

Keiner erwartet von irgendwem, perfekt zu sein und niemand ist überrascht, wenn eine Person sich mal scheiße benimmt.
Aber ich selbst wäre nicht besonders begeistert darüber, wenn ein Freund oder eine Freundin nicht nur ihren anderen Freunden sondern gleich jedem, den er/sie trifft, erzählt, wie doof und asozial ich mich doch benommen hatte. Eine sachliche Darstellung macht das für mich zwar besser, aber nicht gut.

Vllt ist da ja jeder anders, vllt macht es Markus nichts aus, für mich stünde da fest, dass ich mit so einer Person, die sowas alles bis ins kleinste Detail öffentlich macht, nicht befreundet sein wollte. Und das nicht, weil ich nicht mit Kritik umgehen kann (wenn man sie MIR vorbringt und nicht einer Community von Bloglesern) oder weil ich denke, dass ich nicht okay bin, wie ich bin.
Wenn man sagt, ich hab mich mit ihm gestritten, er hat sich mir gegenüber unfair verhalten, sich im Ton vergriffen etc, ist das was Anderes, als eine detailierte Beschreibung.

Aber wie gesagt, wenn Markus damit keine Probleme hat und auch sonst niemand von Jules Leuten, ist es ja okay. Gott sei Dank kann sich ja jeder aussuchen, mit wem er seine Zeit verbringt. Nur MÖGLICHERWEISE (nicht zwingend in diesem Falle) sollte man sich bewusst sein, dass Freunde sich wegen sowas distanzieren könnten.

Olli hat gesagt…

ADHS!
Ach du heftiges Schlamassel!
Ja, auch ich denke da ist eine NEtschuldigung fällig, die ich Markus aber auch zutraue, weil ichj schon für so refklektiert und sensibel in dem Bereich halte.
Beiden wünsche ich, dass sie es schaffen "tiefer" zu gucken, weil ich ganz stark bauchgefühlig ahne, dass der Konflikt nicht durch das was eigentlich geschah und wechselseitig angenommen wurde entstand, sondern durch irgendwelche unbewussten Dinge.