Samstag, 24. September 2011

Unterhosen und Feuer

Ob ich künftig damit rechnen muss, dass mir ein Mitbewohner die Unterwäsche aus der Waschmaschine klaut, um sich darin oder damit zu befriedigen, konnte mir seit meinem Eintrag "Nicht kopfgesteuert" niemand so richtig sagen. Auf jeden Fall sieht ein entspanntes Zusammenleben anders aus: Bei jedem verlegten Kleidungsstück wird künftig sofort der Verdacht bestehen, derjenige Mitbewohner hätte es gemopst. Oder gerade unter seine Jeans gezogen...

Ich weiß, es ist eine ernste Sache und darüber macht man keine Späße. Frank hat dem Bewohner eine Abmahnung erteilt und sich so für einen Kompromiss zwischen Ignorieren und Rauswerfen entschieden. Die klare Ansage war: Noch so ein Ding und du fliegst raus. Such dir Hilfe. Und die übrigen Bewohner: Gebt ihm eine zweite Chance.

Die hätte er länger nutzen können als er es letztlich getan hat: Am Montag dieser Woche hat er, wie er später zugab, einen Stapel Zeitungspapier in den Flur gelegt, angezündet und sich dann zwei Räume weiter schlafen gelegt. Oder so getan als ob. Noch bevor ein Rauchmelder losging, bemerkte ein anderer Bewohner eher durch Zufall das Feuer und schlug es mit einem Pullover aus. Außer einem angesengten Pullover, verkohltem Zeitungspapier und etwas Brandgeruch ist nichts passiert. Achso, doch: Der Übeltäter wurde noch am selben Abend von Sofie an den Kinder- und Jugendnotdienst übergeben. "Gefeuert", sozusagen. Sein Vater tauchte am nächsten Morgen bei Frank auf, entschuldigte sich für seinen Sohn und sagte, die Familie plane, mit ihm 14 Tage Urlaub in Bayern zu machen, damit er mal auf andere Gedanken käme. Ob das Jugendamt dem zustimmt, weiß ich nicht, ist mir auch egal, ich bin froh, dass das ein Ende hat.

Wäre das Feuer nicht entdeckt worden, hätte vermutlich die Zeitung weitergebrannt, der Rauchmelder wäre ausgelöst und ... der Rest wäre nicht brennbar gewesen. Fliesen, Wände, Glastüren - vermutlich überschaubar. Anders sieht es, auch darüber schrieb ich bereits unter "Behinderte Schweine", in einem nagelneuen barrierefreien Wohnhaus aus, in das vier Leute, die ich vom Sport kenne, eingezogen sind: Das Haus sei eine Feuerfalle schrieb die lokale Presse vorgestern und alle Ämter und Behörden (von der Feuerwehr mal abgesehen) zeigten sich überrascht. Warum wundert mich das eigentlich nicht?

Kommentare :

Anonym hat gesagt…

Och nö, nicht der schon wieder. Die Höschennummer war schon krass, aber Feuer geht garnicht. Ihr habt das richtige getan und ihn zum KiJuNotdienst gebracht. Er wird die hoffentlich richtige Hilfe bekommen. Und ihr werdet den hoffentlich richtigen Mitbewohner finden.

Anonym hat gesagt…

Hoffentlich habt ihr das jetzt gelernt: Nehmt - und behaltet - NIEMALS jemanden nur aus Mitleid in eurer WG!

Sally hat gesagt…

Hoffentlich findet ihr einen geeigneten Mitbewohner, der zu euch passt. :)

Anonym hat gesagt…

Kapier ich nicht! Wo lag da für ihn der Sinn in der Aktion? Ich meine bei der Unterwäschesache hatte er ja wenigstens noch was davon, aber das? Aufmerksamkeit? Frust ablassen? Kindliche Dummheit?
Ich kapiers nicht!

Olli hat gesagt…

Letztlich wohl ein sehr verquerer Hilferuf, den er möglicherweise selber nicht als solchen sehen konnte.
Möge er seinen Weg finden.
Jule, wenn ich Dein Blog so lese denke ich, Du wirst nun verstehen können, warum die Dich behandelnde Notärztin sagt manche mag sie wiedersehen, abere lieber nicht.