Freitag, 21. Oktober 2011

Außer Spesen nix gewesen

Doof ist, dass ich Frank in dieser Woche nicht erreichen kann, da er zu einer Fortbildung ist. Frank hätte Zuhause die Unterlagen vorbereitet und wäre mit mir persönlich zum zuständigen Gericht gefahren, um eine Einstweilige Verfügung gegen meine Mutter zu beantragen. Und dann wären wir nicht wieder zu Hause gewesen, bevor wir nicht dieses Papier in der Tasche gehabt oder das Problem anders gelöst hätten. Ich weiß, nicht jeder Anwalt hätte diese Zeit und nicht jeder Anwalt könnte sich so intensiv kümmern. Ganz sicher hat es auch damit zu tun, dass ich ihn privat kenne und wir unter demselben Dach wohnen.

Ich hatte ihn nach dem letzten Vorfall mit meiner Mutter (damit meine ich die Aktion im Schwimmbad, nicht die vier SMS, die sie mir in dieser Woche geschrieben hat) auf dem Handy angerufen, und er hatte mich gebeten, zu einem befreundeten Kollegen in dessen Kanzlei zu fahren. Er riet mir auch zu einer Einstweiligen Verfügung, besser sofort als später. Frank hielt es auch für besser, diese Verfügung über einen Anwalt beim Gericht zu beantragen und er hatte mit seinem Kollegen telefoniert. So gurkte ich also extra nach Eimsbüttel, fand auch auf Anhieb die Kanzlei, nur der Anwalt war nicht da, weil er kurzfristig zu einem Termin musste. Er hatte aber eine Kollegin aus seiner Kanzlei instruiert. Die Kollegin hörte sich das auch alles an, fand das alles ganz schrecklich, fragte mich fünf Mal, ob ich mir das alles gut überlegt hätte, da man damit ja viel Porzellan zerbrechen könnte, dann meinte sie, sie würde etwas an das zuständige Amtsgericht faxen. Ich müsste dort aber persönlich erscheinen und meinen Ausweis vorlegen und den Antrag dort auch unterschreiben, würde von dort die Unterlagen direkt ausgehändigt bekommen. Vermutlich machte die Kollegin das zum ersten Mal.

Ich gurkte also zu einem Amtsgericht im Stadtkern (die Zuständigkeit richtet sich nach der Anschrift meiner Mutter), wurde dort erstmal zu einer Sachbearbeiterin im Familiengericht geschickt, dann zu einem Typen, der alles mögliche aufschreiben wollte und dem ich alles auch noch einmal erzählen musste. Das Schreiben von der Anwältin war noch nicht da und ließ auch noch ewig auf sich warten. Und dann, irgendwann, als ich endlos auf dem Flur warten musste, kam die erste Sachbearbeiterin wieder auf mich zu, meinte, man hätte jetzt alle Unterlagen bekommen, auch das Fax von der Anwältin, hätte das auch einem Richter vorgelegt, aber der Antrag sei abgelehnt worden, weil meine Mutter bislang weder mich wirklich verletzt hätte noch das angedroht hätte, noch hätte sie mich in irgendeine Situation gebracht, die mehr als lästig gewesen wäre. Die Interessen einer Mutter, Kontakt zu ihrem Kind aufzunehmen, seien sehr gewichtig und auch berechtigt, und es müsste zu ganz massiven Handlungen ihrerseits kommen, bevor man von einer Verletzung der Freiheit sprechen könnte. Auch könnte man nicht erkennen, dass sie mir nachstellt, denn die SMS-Texte seien fürsorglich und bittend und nicht in einer solchen Häufigkeit, dass sie belästigen.

Die Besuche am Schwimmbad seien nicht ausreichend. Das Gesetz verlange wiederholte Handlungen und die Mutter habe einmal nach meinem Rechten gesehen und sei einmal unbequem gewesen. Hier müssten wiederholte massive Eingriffe vorliegen und nicht drei Besuche pro Jahr. Nach seiner Meinung sei auch ohne die Verfügung zu erwarten, dass sie in Kürze von mir wieder ablässt. Und: Dass die Reporterin wirklich meine Mutter gewesen ist, sei ohne weiteres nicht beweisbar.

Frank meinte am Telefon, wir müssten den nächsten Schwimmbadbesuch abwarten, weil er vorher noch nicht wieder zurück sei, und dann kümmert er sich selbst um die Sache. Fazit: Außer Spesen nix gewesen.

Kommentare :

morgendliche Leserin hat gesagt…

Wenn wieder etwas ist, sieht das Gericht jedoch deinen hohen Leidensdruck; du warst schon mal da! Die denken dann nicht, dass es eine Laune eines jungen Mädels ist- UND du hast Frank dabei.

Weiß das Schwimmbadpersonal Bescheid? Dann könnten sie ihr ein Hausverbot erteilen, dass auch für den Parkplatz gilt und die Polizei rufen, wenn sie sich nicht dran hält. Auf der anderen Seite muss/könnte sie sich dann neue Orte suchen, wo sie dir auflauern kann- so weißt du zur Zeit, wo es passieren kann und kannst dich innerlich wappnen.

Deine Freunde vom Schwimmen wissen bestimmt was da los ist, oder? Einfach immer zu zweit zum Auto rollen?

Alles Gute und das der Spuk bald vorbei ist!

Anonym hat gesagt…

Ich drück dir die Daumen das alles gut geht :/

Noes

Anonym hat gesagt…

Was macht dein Fränkiboy anders als andere? Die Ansage des Richters war doch deutlich. Ich begreife nicht, warum einige Leute erst Ruhe geben, wenn sie ihr Ziel erreicht haben.

George C. hat gesagt…

Fränkiboy schnippst einmal mit den Fingern, dann fallen alle Richter um, die falsch entscheiden würden, und anschließend fragt er einen von denen, die noch stehen. Ganz simpel. Kann man mit ein wenig Nachdenken auch von alleine drauf kommen.

infraredglasses hat gesagt…

Müsst ihr jetzt Frank bashen?

Neid, weil ihr keinen guten Anwalt habt?

George C. hat gesagt…

@infraredglasses: Sorry, da ist was untergegangen, vermutlich akzeptiert dieses Script keine Steuerzeichen. Das ist mir jetzt auch erst beim nochmaligen Drüberlesen aufgefallen. Ich korrigiere:

[ironie ein]Fränkiboy schnippst einmal mit den Fingern, dann fallen alle Richter um, die falsch entscheiden würden, und anschließend fragt er einen von denen, die noch stehen. Ganz simpel. Kann man mit ein wenig Nachdenken auch von alleine drauf kommen.[ironie aus]

Sally hat gesagt…

Oh mann. -.- Viel Kraft für alles, was diesbezüglich noch so kommt... :-\

Nachtnebel hat gesagt…

Jaaa, so läuft das: Bevor was getan wird, muss erst wirklich was passieren, denn vorher ist es ja nichts ernstes!
Ich hoffe, dass du das mit Frank gemeinsam schnell geregelt bekommst, über das Verhalten deiner Mutter kann ich nur den Kopf schütteln.

Anonym hat gesagt…

Ganz ehrlich: so schlimm ich die Geschichte auch finde, so oft ich auch dachte "Ach du scheiße" und so sehr ich deinen Wunsch nach der EV verstehen kann...der Richter hat objektiv gesehen absolut Recht!

Es ist nicht mehr als lästig. Stell dir mal vor, jedes impulsive Kind könnte ohne Weiteres ne EV gegen die Mutter erwirken, weil es keinen Bock mehr auf selbige hat und die das nicht akzeptieren will.

Wie gesagt, ich verstehe deinen Wunsch danach vollkommen und deine Situation ist ja auch anders...aber dass das nicht so einfach und ohne Grund (= hat tatsächlich etwas GETAN) geht, finde ich sehr nachvollziehbar.

Ich wünsche dir alles Gute!

Kerstin hat gesagt…

Ich muss auch sagen - der Richter hat hier nunmal Recht. Wo kommen wir denn da hin, wenn JEDER, der sich von seiner Mutter genervt fühlt und ein-zweimal von ihr beim Training genervt wird, eine einstweilige Verfügung gegen sie erreichen will? Dafür sind die Vorwürfe wirklich zu schwach.

Anonym hat gesagt…

Ist halt alles eine Frage in wieweit man dem Richter die komplette Geschichte aufzeigt. Wenn man sich die ganze Geschichte anschaut incl. Historie anschaut ist eine EV schon gerechtfertigt. Da Frank deinen Fall schon länger betreut hat er da auch mehr Hintergrundwissen das er dem Richter auch vermitteln kann. Alle die meinen eine EV sei nicht gerechtfertigt sollten sich mal die Diagnose des Krankheitsbildes von Jules Mutter vor Augen halten. Alleine dadurch ist eine EV schon gerectfertigt.

Andreas

morgendliche Leserin hat gesagt…

Andreas, welche Diagnose hat sie genau?

Anonym hat gesagt…

@morgendlich Leserin
Lt. einem Posting von Jule Borderline Syndrom.

Andreas

Kerstin hat gesagt…

Aber "nur" weil sie so eine Diagnose hat, kann man doch nicht auf eine EV schließen? Weil eine Person eine geistige Störung/Krankheit hat und sich deshalb so verhält, ist das doch kein Grund für eine EV. Natürlich ist es das, wenn die Situation bedrohlich wird. Aber zum jetzigen Zeitpunkt?
Naja gut, ich denke, dass ich da auch nur bedingt etwas zu sagen kann. Ich kenn mich in dem juristischen Bereich nicht gut genug aus und die Hintergrundgeschichte sowieso nicht.

Anonym hat gesagt…

Ich hab ehrlich gesagt gleich gedacht, das das mit der EV nichts wird, hab aber nichts schreiben wollen, weil ich deine Hoffnung nicht trüben wollte. Ich habe selbst viele Anträge dafür aufgenommen und die sind beileibe oft krasser gewesen. Du solltest dich wirklich eher um die Behandlung deiner Mutter kümmern, dann wird sich dieses Problem vermutlich von selbst lösen. Also sprech mit dem Betreuungsgericht (im selben Stadtteil) und sprech die Probleme mit an. Ein Betreuungsverfahren ist keine Entmündigung, es ist eine Hilfe in dem Bereich, die die Betroffene braucht. In diesem Fall vermutlich in Gesundheitsangelegenheiten. Dies wird dann aber der Sozialpsychiatrische Dienst oder ein Gutachter herausfinden, der nach Antragstellung eingeschaltet wird. Also besprech dies lieber nochmal mit Frank, bevor du eine EV erzwingen willst, die dir vermutlich eh nicht hilft, denn "kranke" Leute hindert auch keine Bußgeldandrohung, auch wenn sie noch so hoch sein mag (wie bei EV üblich).

Alza hat gesagt…

Ich muss mich hier als Mitleser mal melden: "Nur" Borderline ist keine Erklärung für ein solches Verhalten. Ich habe das auch, bin komplett anders und würde solche Aktionen niemals abziehen.
Also bitte nicht die "Erklärung" in einer Diagnose suchen- auch wir Psychos haben es bisweilen schwer, und es gibt solche unter uns, die dagegen ankämpfen, mit Höhen, Tiefen und Selbstreflektion.

Dem Hinweis von 18:29 würde ich entgegnen, dass Jule nicht für die Mutter verantwortlich ist, und sich deshalb nicht um das alles kümmern muss. Eine Hilfe bei solchen Psychosachen sollte auf einer funktionierenden Beziehung aufbauen, und die gibt es nun mal nicht. Wäre ich die Mutter, würde ich über eine "Einmischung" in Form solcher Hilfen empört sein, würde irgendwelche Angebote nicht annehmen, und da höchstens noch die Bestätigung sehen, dass meine Kontaktversuche zu Erfolg führen.

Anonym hat gesagt…

Hallo Alza,ich bins nochmal, der 18:29 Kommentar.

Jule muss sich auch nicht um ihre Mutter kümmern. Sie soll sich lediglich um den Antrag kümmern, der mit einem Besuch in der Abteilung erledigt ist, denn sie kann ihn vor Ort aufnehmen lassen. Danach würde geguckt werden, inwieweit die Mutter tatsächlich krank ist und welche Hilfe sie braucht. Alle benötigten Hilfen würde dann von einem Berufsbetreuer erledigt werden.

Republikflüchtling hat gesagt…

Jetzt fällt mir auf, dass meine letzten Kommentare falsch verstanden werden könnten, was "Borderline" angeht. Nur zum klarstellen: Ich habe mit einigen wenigen Patienten eher schlechte Erfahrungen gemacht, bin mir aber sicher, dass es die Erkrankung in unterschiedlichen Varianten gibt. Aber bei Deiner Mutter kommt eben "Borderline" und "Mutter, die versucht Schuldgefühle zu machen" zusammen - und das kann für Dich kaum gutgehen.

Olli hat gesagt…

Autsch, also nach meiner Einschätzung wäre in dem Fall ne EV schon möglich gewesen, kenne durchaus Fälle wo die auch durchgewunken wurde. Frage ist, wonach der Richter entschied, also was genau ihm wie geschildert wurde. Da ist dann ein auch in solchen Sachen erfahrener Anwalt (der sowas optimalerweise schonmal gemacht hat) von großem Vorteil. Ich kenne es übrigens so, daß als ultimativer Warnschuß nach einer so einer Aktion die Betroffene anwaltlich aufgefordert wird jeglichen Kontakt zu unterlassen, bei Zuwiederhandlung (die wie alle Vorfälle auch möglichst mit Zeugen zu dokumentieren sind) dann die EV leichter zu haben ist bzw. vorher auch gern die Jungs in Blau für einen Platzverweis sorgen.