Montag, 3. Oktober 2011

Eine Woche Innere

Meinen letzten Monat Praktikum mache ich auf der Inneren. Gastroenterologie, um genau zu sein. Ich muss dafür zwar ganz an den Hamburger Stadtrand fahren und bin für eine Strecke mit dem Auto 45 Minuten unterwegs, dafür bin ich in der Klinik jenes Profs gelandet, der mir bereits die Empfehlung und damit den Zugang für das Studium gegeben hat. Im Alltag sehe ich ihn persönlich zwar so gut wie nie, aber trotzdem ist es dort mindestens 200 Mal besser als auf den bisherigen Stationen. An den ersten zwei Tagen bin ich zwar die ganze Zeit nur einer Schwester hinterher gerollt und durfte nichts machen (außer zugucken), aber inzwischen ist das völlig anders. Ich muss das Essen mit austeilen (aber zu zweit mit einer examinierten Schwester, denn es geht nicht nur darum, die Leute mit Essen zu versorgen, sondern auch gleichzeitig zu schauen, ob alles in Ordnung ist - und das war auf meiner ersten Station auch ganz anders), muss zwischendurch Getränke verteilen, muss organisieren, dass die Patienten zu ihren Untersuchungen kommen (Fahrdienst bestellen, an Termine erinnern etc.), dann jede Menge Botengänge, darf bei der Pflegevisite mitrollen (also wenn Fieber gemessen wird und Blutdruck und Puls etc. und muss das alles eintragen) und hatte am Freitag sogar die Möglichkeit, zwei Mal zwei Stunden in der Endoskopie dabei zu sein.

Die ersten beiden Stunden hat mir der Internist erklärt, was er da tut und was er da sieht und ich durfte, als bei den einzelnen Spiegelungen Proben entnommen wurden und dafür eine Biopsiezange durch das Endoskop geführt wurde, diese Zange auf Kommando etliche Male öffnen und schließen (dafür braucht es eine dritte Hand und sonst macht das die Assistentin) und anschließend die Gewebeprobe in solche Röhrchen füllen und das Röhrchen mit Etiketten bekleben, ein Kärtchen nach Ansage ausfüllen und alles zusammen in einen Umschlag packen. Die nächsten zwei Stunden saß ich neben der Narkoseärztin und bekam erklärt, was sie da alles macht und auch das war unheimlich spannend. Ich musste später die Fingerklemme, die Puls und Sauerstoffsättigung misst, an- und ablegen und Stauschlauch, Kanülen, Spritzen etc. bereit legen und alles mitschreiben, was an Medikamenten gegeben wurde. Das waren in aller Regel zwei, nämlich Propofol (das ist das Zeug, an dem Michal Jackson gestorben sein soll) zum Schlafen und Dolantin wenn jemand Schmerzen hatte (die meisten der Patienten hatten chronische Darm-Erkrankungen). Ich fand das unheimlich spannend und die vier Stunden kamen mir am Ende wie 10 Minuten vor. Ich darf nächste Woche noch einmal dorthin und ... freu mich heute schon!

Kommentare :

judith hat gesagt…

ich arbeite auf einer internen intensivstation und find es ziemlich interessant was du hier so schreibst ;)
schön, dass es dir so gut gefällt!!

Anonym hat gesagt…

Schön, das du endlich mal die guten Seiten eines Praktikums kennen lernst. Ich hoffe du hast dich wegen der zustände bei den anderen Praktika beschwert!

Sally hat gesagt…

Gastroenterologie, juchu.^^ Ist mir auch nicht so gaaanz fremd. ;)

Klingt aber spaßig. :)

Sally hat gesagt…

Vielleicht ist spaßig das falsche Wort... Sagen wir... Sehr interessant. :)

Caelyn hat gesagt…

Schön, dass es dir auf dieser Station jetzt Spaß macht, Jule.
Ich habe auch gerade 2 Monate Pflegepraktikum auf einer gastroenterologischen Station hinter mir :)
Dein Bericht deckt sich so ziemlich mit dem, was ich erlebt habe (außer, dass ich nie zu Untersuchungen mitdurfte, da wir chronisch unterbesetzt waren und man mich immer brauchte).

Lg

Belegarzt hat gesagt…

Wusste ich doch, dass große Hafenrundfahrten der Hamburger Deern Spaß machen. :P

Olli hat gesagt…

Klingt als wäre jemand im richtigen Bereich gelandet. Also mit dem Medizinstudium.