Sonntag, 2. Oktober 2011

Falsche Freunde

Echte Freunde von falschen Freunden zu unterscheiden, sollte eigentlich nicht schwer fallen. Ein ganz wichtiger Anhaltspunkt sind mit Sicherheit die Intensität und die Tiefe der freundschaftlichen Beziehung. Mit Intensität meine ich dabei nicht, wie oft man miteinander kommuniziert, sondern eben wie intensiv. Und was ich mit Tiefe meine, ist eigentlich auch klar. Bestehende Freundschaften kann ich also nach diesen beiden Anhaltspunkten bewerten und mir dann schon ziemlich sicher sein, woran ich bin.

Anders ist es freilich bei jungen, neuen, frischen Freundschaften. Diese können sofort sehr intensiv und tiefgründig sein, jedoch merke ich etwas später, dass die Wellenlänge nicht stimmt oder meine neue Freundin oder mein neuer Freund so derart andere Ansichten und Einstellungen hat, dass sich eine weitere freundschaftliche Beziehung ausschließt. Insbesondere, wenn mich meine Menschenkenntnis verlässt und ich mich mit Menschen eingelassen habe, von denen ich dachte, sie meinen es ehrlich, bin ich enttäuscht. Und manchmal ärgere ich mich auch über mich selbst, so blind gewesen zu sein, hat es doch meistens diverse Anzeichen gegeben, die ich einfach ignoriert oder zumindest nicht ernst genommen habe.

So hat am letzten Wochenende eine lange angekündigte Veranstaltung vom Sport stattgefunden, bei der es ganz wesentlich darum ging, Sponsoren und Unterstützer zu bespaßen. Mein Sport ist gehörig auf nette Menschen mit gut gefüllten Konten angewiesen, um überhaupt bestehen zu können. Ich weiß, nicht jede(r) in meinem Alter denkt so, aber ich bin trotzdem der Meinung: Wenn uns da jemand unterstützt, dann schaffe ich es doch wohl, einmal im Jahr meinen Arsch zu einer Veranstaltung zu bewegen und da ein paar Stunden das Glücksrad zu beaufsichtigen oder interessierten Typen, zumeist im höheren Alter, die Technik eines Rennrollstuhls zu erklären. Und natürlich lächel ich und bin nett und zieh mich hübsch an und shaker bißchen mit denen, die mir sonst zu schmierig wären, kletter mit einer Horde anhänglicher Kiddis eine halbe Stunde auf die Hüpfburg und schminke ihnen anschließend ein paar lustige Fratzen ins Gesicht.

Um wieder zu der Enttäuschung zu kommen, von der ich einen Absatz vorher geschrieben habe: Da ist auch ein relativ frisch mit mir (und übrigens auch mit Cathleen und Simone) befreundetes Pärchen eingeteilt. Sie ist Rollifahrerin und macht Sport, allerdings in einer anderen Leistungsklasse als ich, er betreibt als Fußgänger Triathlon. Beide wurden gefragt, ob sie bei der Veranstaltung helfen, beide haben zugesagt. Eine Woche vorher fiel ihnen allerdings ein, dass sie doch lieber eine Grillparty machen wollten und sagten nicht nur entsprechend kurzfristig ihre Hilfe ab, sondern luden auch noch diverse andere Leute, die bei der Veranstaltung helfen sollten, zu ihrer parallel stattfindenden Party ein. Eine Frechheit, wie ich finde. Es hat im Vorwege einigen Krach gegeben, die beiden stellten sich aber auf den Standpunkt, dass man ihnen eine private Party nicht verbieten könnte. Cathleen, Simone und ich wollten keinen Streit und haben gesagt, dass wir später, wenn die Veranstaltung vorbei ist, vielleicht noch kurz bei der Party vorbei schauen, allerdings auch nicht lange bleiben können, da wir am nächsten Morgen wieder früh aufstehen müssten.

Wir waren trotzdem eingeladen. Und dann war da noch die Sache mit dem Geschenk: Die beiden haben ein Haus gekauft, das sie nun umfangreich renovieren. Unter anderem soll die Einfahrt neu gepflastert werden und sie wünschen sich von ihren Gästen als Mitbringsel zu der Party keine Getränke, kein Essen, keine Blumen oder ähnliches Gedöns, sondern: Gehwegplatten. Sie fänden das eine gute Idee, denn sie brauchen soooo viele und können bzw. wollen sie nicht alle schleppen. Sie haben kein Auto und wenn jeder so fünf bis zehn mitbringt, verteilt sich die Last auf viele Hände. Die Artikelnummer wurde per Mail kommuniziert, der Preis von 10 Platten lag irgendwo bei 15 Euro. Aber: Eine Platte wiegt rund 25 bis 30 Kilogramm. Schleppe ich als Rollstuhlfahrerin auch nur eine solche Platte?! Nein.

Also haben sich Cathleen, Simone und ich überlegt und auf Rat von Simones Papa eine Kelle, einen Gummihammer und eine Wasserwaage besorgt. Vernünftiges Zeug, keinen Schrott aus dem Baumarkt. Frank hat in der Familie einen Bauunternehmer und der hat das für uns bestellt. War auch nicht ganz billig, er meinte aber: Wenn es falsch oder doppelt ist, kauft er uns das wieder ab. Ich fasse es kurz: Was an dem Abend noch als gute Idee ankam, bekam ich vorgestern von einer Mitbewohnerin meiner WG, die diese Leute gar nicht kennt und in diese Sache überhaupt nicht einbezogen war, lauwarm noch einmal vorgesetzt. Über uns werde getratscht. Die Gastgeberin der Party erzähle überall herum, dass wir drei nur vorbeigekommen wären, um uns dort vollzufressen. Wir hätten nichts zu Essen mitgebracht und seien sofort nach dem Essen wieder abgehauen. Auf solche Freunde wie uns könne sie verzichten.

Okay, dann sind wir uns für die Zukunft ja einig.

Kommentare :

Anonym hat gesagt…

Booah ist das mies!!!! Glaub mir, sowas enttäuscht, aber es wird leider auch nicht das letzte Mal in deinem Leben sein, das du "Freunde" aussortieren musst.

Im übrigen würde ich einen netten Spruch an das Gastgeberpaar senden, mit dem Hinweis, das du doch bitte die Baumaterialien wieder haben möchtest, da sie ja verbreiten, du hättest nichts mitgebracht und dich einfach so vollgefressen....

Ich hoffe eure Veranstaltung hat trotzdem Sponsoren gebracht!

Dämlack hat gesagt…

Solche Freunde hat man nicht lange. Du hast es nicht nötig, servier sie ab.

Olli hat gesagt…

Undnak ist der Welten Lohn :-\
Mit Deinem Blog hast Du aber den Vorteil, nachlesen zu können, wie es auch anders geht, zB bei dem portugiesischen Lokal. Nur so als Stimmungsstabilisierungstipp.