Mittwoch, 26. Oktober 2011

Rollifahrer und ihre Sicherheit

Es ist das ewige Problem: Jemand, der nicht laufen kann und das in der Öffentlichkeit damit kompensiert, dass er sich in einen fahrbaren Stuhl setzt (Rollstuhlfahrer), behindert damit unter Umständen andere Menschen. Oder er gefährdet sie sogar. So die beschränkte These einiger Menschen, die die modernen Gedanken zum Thema Behinderungen, wie auch in der UN-Konvention über Menschen mit Behinderungen, noch nicht realisiert haben oder nicht realisieren wollen.

Eine Behinderung ist keine unliebsame Eigenschaft, mit der ein Mensch mehr oder weniger schicksalhaft versehen worden ist, sondern es handelt sich bei einer Behinderung um eine (mögliche) Hinderung eines Menschen an der vollen, wirksamen und gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft durch die Wechselwirkung seiner (körperlichen) Beeinträchtigung mit verschiedenen Barrieren (seiner Umwelt).

Zur Behinderung gehören demnach nicht nur körperliche (oder seelische, kognitive, geistige) Beeinträchtigungen, sondern auch die Barrieren (der Umwelt), die mit dieser Beeinträchtigung in Wechselwirkung stehen. Eine Behinderung setzt also immer voraus, dass es Dinge in der Umwelt gibt, die so beschaffen, gestaltet oder gebaut sind, dass sie zum Beispiel mit einem Rollstuhl nicht befahrbar sind.

Oder man hat eben das Problem mit irgendwelchen Sicherheitsvorschriften, die gerne vorgeschoben werden, wenn behinderte Menschen etwas ungewöhnliches vorhaben. So hatte ein Musicaltheater eine Zeitlang acht Rollstuhlfahrerplätze, von denen aber immer nur vier gleichzeitig belegt werden durften, weil ansonsten im Evakuierungsfall die Sicherheit der Gäste nicht gewährleistet war. Inzwischen hat man eine andere Lösung gefunden, aber bis dahin galt es als ungewöhnlich, wenn ein Rollstuhlfahrer mehr als drei Freunde hatte, mit denen er gemeinsam ins Musical wollte. Oder auch eine Rollstuhlsportgruppe galt insofern als ungewöhnlich... Okay, die müssen ja zur Weihnachtsfeier auch nicht unbedingt ins Musical, die können ja auch einen Glühwein trinken, draußen stört das keinen. Solange nicht alle zusammen einen Stand blockieren...

Nun wollte kürzlich der Deutsche Bundestag mit behinderten Menschen über die UN-Konvention diskutieren. Dreihundert Leute hätten Platz gefunden, nur rechnete niemand damit, dass unter den angemeldeten auch Rollstuhlfahrer waren. Um genau zu sein: Es haben sich unter den 300 Gästen rund 100 Rollstuhlfahrer angemeldet. Damit war die Bundestagsverwaltung überfordert, die Sicherheit im Parlamentssaal wäre gefährdet gewesen. Also hat sie die Veranstaltung einfach wieder abgesagt. Unter dem Motto: "Der Bundestag lädt aus, wir kommen trotzdem" wurde in Berlin kurzerhand eine Protestveranstaltung organisiert. Mit Plakaten wie: "Die Bauaufsicht verletzt unsere Menschenrechte und Politiker schauen tatenlos zu" machten die Rollifahrer ihrem Unmut Luft und sogar das Fernsehen war dabei.

Wer das Dritte Fernsehprogramm des NDR (N3) empfangen kann, sollte sich heute abend um 22.50 Uhr mal die Satiresendung "Extra 3" ansehen (Wiederholung auf Eins Extra um 0.30 Uhr). "Wer kann auch damit rechnen, dass zu einer Veranstaltung für Behinderte jede Menge Behinderte kommen? Extra 3 fragt nach." heißt es in der Vorankündigung - ich bin mal gespannt.

Kommentare :

Sally hat gesagt…

Der Rekorder rattert - ich bin gespannt...

Anonym hat gesagt…

Naja, witzig wars. Aber nicht besonders originell, da eigentlich traurig. Vielleicht sollte man eine andere Location wählen - aber dafür sind nach dem Rettungschirm keine Gelder mehr da.

Konstantin Gaal hat gesagt…

Youtube sei dank kommte ich mir diesen beitrag noch anschaun. Auch wenns einige zeit her ist, geteilt wird trotzdem.