Samstag, 26. November 2011

Diskriminieren - aber richtig

Es ist schon spannend zu lesen, wie einige meiner Leserinnen und Leser diskutieren und ihre Ansichten vertreten. Und wie sich so eine Diskussion verselbständigt und immer weitere Kreise zieht. Und vor allem: Wer sich so alles persönlich angesprochen fühlt. Die Rede ist von meinem letzten Beitrag.

Ich glaube schon, dass ich mich mit deutscher Sprache sehr gut ausdrücken kann, sofern die deutsche Sprache eine gute (im Sinne von differenzierte) Ausdrucksweise überhaupt zulässt. Ich weiß auch, dass Sprache nicht nur deskriptive, sondern auch wertende Funktionen hat, auch bei der Beschreibung rationaler Elemente.

Zunächst finde ich sehr wichtig zu unterscheiden, wann Sprache deskriptiv und wann wertend eingesetzt werden soll. Ich finde, dass ein Absender sich größte Mühe zu geben hat, damit der Empfänger das Gesagte so versteht wie der Absender es meint. Man darf dabei aber zwei Dinge nicht außer Acht lassen: Einige Empfänger wollen partout beschreibende Aussagen als wertend verstehen und einige Personen sind überhaupt nicht Empfänger einer Nachricht, fühlen sich aber angesprochen und beziehen den Inhalt auf sich selbst.

Ohne jede Frage: Ich bin sehr dafür, Sprache bewusst einzusetzen und bestimmte Wörter gar nicht erst in den Mund zu nehmen. Ich bin auch dafür, die Verwendung bestimmter Wörter durch Aufklärung einzudämmen. Die Wörter "Schwuchtel", "Hure", "Neger", "Schlampe" und "Slutwalk" gehören nicht in meinen Sprachgebrauch, "Krüppel" allenfalls als Beispiel, wie sich Sprache durch die Verwendung von Euphemismen verändert.

Was ich überhaupt nicht leiden kann, sind Menschen, die sich selbst zu einer Art Hoheit aufspielen, die gleichzeitig festlegt, welche Regeln gelten, feststellt, wann diese Regeln überschritten wurden und den mutmaßlichen Regelverletzer anschließend am besten noch anklagen und verurteilen. Entsprechend muss immer die Frage zulässig sein, ob die Mehrheit der (angesprochenen) Betroffenen etwas ablehnt und verurteilt, oder ob irgendjemand Benimmregeln vermitteln will.

Behinderung ist nach gängiger Meinung die Wechselwirkung körperlicher Beeinträchtigung mit Barrieren der Umwelt (sinngemäß, verkürzt). Also bin ich behindert. Und nicht gehandicapt oder sonstwas. Eine gute Freundin hat eine deformierte Hand, eine andere ein Bein ab und eine weitere vorhin eingekackt. Die stank aus allen Knopflöchern und wurde, bis sie geduscht hatte, auf genau diesen Gestank reduziert. Wie es mir ging, als ich das erste oder das letzte Mal eine Magen-Darm-Grippe hatte, weiß ich noch genau und dass ich vorhin fast in die Ecke vomiert habe, als ich ihr in der Dusche mit Einmalhandschuh und -waschlappen den Arsch (nein, für mich kein Ausdruck verrohter Sprache, sondern als neutral im herkömmlichen Sinne) gewaschen habe, weil sie das wegen ihres vergleichsweise hohen Querschnitts nicht konnte, auch. Das habe ich auch thematisiert. Damit konnten wir beide besser umgehen als wenn ich es mit Tränen in den Augen verschwiegen hätte. Trotzdem ist sie für mich ein Mensch und ich habe sie sehr lieb.

Ich habe nichts gegen Behinderte. Aber wenn sie stinken, müssen sie damit rechnen, auch dann auf ihren Gestank reduziert zu werden, wenn sie das gar nicht zu vertreten haben. Und ich fange jetzt auch keine Diskussion an, ob die Umwelt so etwas ertragen muss. Muss sie nicht. Ein Behinderter, der eingekackt hat, gehört nicht in eine Theatervorstellung. Diese Ausgrenzung muss er aushalten.

Ich habe niemals gesagt, dass ich etwas gegen dicke oder fettleibige Menschen habe. Ich habe auch zu keinem Zeitpunkt eine Ansprache an alle Menschen gerichtet, deren BMI irgendeinen Wert übersteigt. Ich habe eine übergewichtige Person auf exakt der Ebene angesprochen, auf der sie mich Sekunden zuvor ebenfalls angesprochen hat. Nachdem ich über das Vordrängeln fast noch einen Scherz gemacht habe und die Beleidigung davor bewusst überhört hatte. Und ich halte diesen Umgang mit dieser einen Frau nach wie vor für angemessen. Einen diplomatischen Hinweis auf ihr Fehlverhalten hatte sie kurz zuvor bereits mit einer Beleidigung (duzen, verniedlichen, nicht ernst nehmen) abgetan. Hätte ich zum Ausdruck gebracht (höflich oder unhöflich), dass ich mich von ihr diskriminiert fühle, hätte sie vermutlich dumm gelächelt oder mich als Weichei, das mit seiner Behinderung nicht klarkommt, abgestempelt. Nein, ich denke, das hat gesessen und vielleicht denkt sie so mal darüber nach.

Ich will mich jetzt nicht rausreden, denn meine Absicht war schon, dass sie "fett" als negative Eigenschaft versteht. Nicht ohne Grund rennt sie mit Walkingstöcken durch die Gegend. Allerdings ist "fett" in meinen Augen nicht unbedingt negativ. Die derzeit korrekte Übersetzung der medizinischen Bezeichnung "Adipositas" ist "Fettleibigkeit". Ebenso wie die Frage "Warum sitzt du im Rollstuhl?" ohne den Kontext, die vorangegangene Beleidigung und den abschätzigen Blick nicht unbedingt negativ behaftet sein muss - von der Beschränkung der Person auf den Rollstuhl und der Indiskretion mal abgesehen. So ein Rollstuhl hat auch viele Vorteile.

Und, was hinzu kommt: Ich überlege in aller Regel schon sehr genau, was ich sage. Meistens bin ich auch diejenige, die sich aufregt, wenn beim Training irgendein Halbstarker die heute in vielen Schulen übliche sexualisierte Sprache gebraucht. Andererseits fühle ich mich, trotz aller mit dem Internetblog verbundenen "Berühmtheit" nicht in der Rolle eines perfekten Menschens, der sich immer korrekt verhält. Und manchmal bin ich auch schlicht mit meinem Latein am Ende, zum Beispiel, wenn ein Angestellter meiner Rehaklinik, Afrikaner mit Unfallquerschnitt, unter jede SMS "LG, Black" schreibt, zu seinem Geburtstag eine Runde Schokoküsse ("am liebsten würde ich allen, die heute mit mir feiern, persönlich einen Kuss geben, aber ich bin erkältet und damit belassen wir es mal bei den Negerküssen aus dem Pappkarton") verteilt und mir erzählt, die meisten Menschen, die ihn wegen seiner Hautfarbe diskriminieren, wollten nur ihn persönlich provozieren oder davon ablenken, dass sie mit seinem Rollstuhl nicht klar kämen. "Zum Glück wissen sie nicht, dass ich hetero bin. Wenn man mich schon diskriminiert, dann bitte richtig."

Kommentare :

Anonym hat gesagt…

Hallo Jule,
ich lese deinen Blog jetzt seit knapp einem halben Jahr und ich freue mich immer wieder, wenn ich was neues lesen kann.
Zudem bin ich aber immer wieder erstaunt was du alles so auf dich nehmen musst und auch selber angehst.
Also kurz gesagt, Hut ab - ich bin ein paar Jahre älter und wüsste nicht,ob ich das alles bewältigen könnte!!!!!
Ich finde du machst deine Sache gut und es ist völlig in ordnung, das du auch Kontra gibst, wenn dir was nicht passt!!!!!

Ich wünsche dir weiterhin alles Gute, das du dein Leben weiter so gut meisterst!!!!

glg Ina

PS: dein schreibstil ist echt super, gut zu lesen!!!!

ruolbu hat gesagt…

Hi Jule

Yay feedback. Für gewöhnlich lese ich die Kommentare nur so weit, bis ich es zu anstrengend finde. Und wenn du in früheren Fällen dann ein paar Tage später einen eigenen Beitrag zu einer Diskussion in den Kommentare verfasst muss ich meist nachholen.
Diesmal hab ich jedoch damit gerechnet, dass du dich dazu äußern wirst. Ka, spielt keine große Rolle, das zu erwähnen, ich freue mich bei Feedback nur immer und hatte die letzten paar Tage in gewisser Weise eine Vorfreude, die mir gerade erfüllt wurde.

Für den Moment nur eines. Ich habe in einigen Punkten natürlich eine andere Ansicht (Bam Bam Bam! Big surprise!). Wir habe jedoch Sonntag und Advent und ich hab noch diverse DC Comics und dutzende Blogeinträge zu lesen und werde daher heute erstmal keine zig Stunden investieren um meine Meinung aus meinem Kopf zu kriegen (ich tu mich da immer schwer).

Darum verbleibe ich mit dem Hinweis, dass das Wort Slutwalk keine Bezeichnung im Sinne der anderen aufgezählten Begriffe ist. Es handelt sich dabei um eine recht neu aufkommende Reihe an Demonstrationen und darf damit durchaus zu deinem Wortschatz gehören ;)
http://de.wikipedia.org/wiki/Slutwalk

trotz allem LG

Laura hat gesagt…

Hi Jule, ich gebe dir da zu 100% recht. Dass man im Normalfall mit seiner Sprache vorsichtig umgeht und nichts sagt, was andere (un)willentlich "diskriminieren" könnte, ist ja irgendwo selbstverständlich. Dass man aber die Beleidigungen oder Verletzungen, die man von seinem Umfeld abbekommt, einfach auch manchmal mit gleicher Münze zurückzahlen möchte, ist doch nur menschlich! Ich habe auch schonmal jemanden als Schlampe bezeichnet und fühle mich deswegen nicht schlecht, obwohl ich dieses Wort unter normalen Umständen niemals benutzen würde. Ich habe übrigens auch nichts gegen Frauen (bin selbst eine) oder Prostituierte. Ich war nur verdammt wütend zu dem Zeitpunkt. Wir sind alle keine Heiligen und auch nicht verpflichtet, die Grenzen anderer zu respektieren, wenn diese unsere eigenen mutwillig übertreten. Liebste Grüße und einen schönen Advent wünsch ich noch! :)

Anonym hat gesagt…

Hallo Jule, ich finde ja, manchmal gehört ein bisschen Pöbelei zum Selbstschutz dazu. Also nicht falsch verstehen, ich laufe nicht durch die Stadt und mach die Leute doof an, ich bin auch nicht cholerisch oder so, aber wenn mich jemand mehrfach doof anmacht, dann gehe ich doch nicht in mich und überlege lange, wie ich darauf reagieren soll.

Anonym hat gesagt…

Hallo zusammen,

Zum Thema will ich mich nicht äussern, nur soviel, Jule, lass "Sie" schreiben, sie können nicht anderst.

Hier ist ein ähnliches Thema, muss an Weihnachten liegen.
http://bestatterweblog.de/archives/Vom-Papst-mit-den-Brustwarzen-gemalt/6234

Basler

Ulli hat gesagt…

Hallo Jule,

mein BMI ist so, dass meine Waage sich versteckt, sobald sie mich kommen hört und in Tränen ausbricht, wenn ich mich draufstelle und wenn ich die Frechheit besessen hätte, Dich zu fragen, warum Du im Rollstuhl sitzt, dann hätte ich die Gegenfrage von Dir als genau das aufgefasst, was es war: eine Aufforderung, die Toleranz und das gute Benehmen, das man sich von anderen für einen selber wünscht, auch anderen zukommen zu lassen. Insofern: gut gebrüllt, Jule! Ich kann nicht "verlangen", dass meine Mitmenschen mein ÜBergewicht nicht thematisieren und mich nicht darauf reduzieren, wenn ich bei Rollstuhlfahrern nicht den Menschen sehe, sondern erstmal den Rollstuhl.
Liebe Grüsse von einer, die bei 1,68 cm "putzige" 128,3 Kilo auf die Waage bringt und die auch nicht in der Öffentlichkeit von fremden Menschen darauf angesprochen werden möchte.

Anonym hat gesagt…

Es gibt Tage, da ist man schlecht drauf. So einer war Dein Montag. Hast Du einleitend geschrieben.

Du bist herabwürdigend behandelt worden. Du hast auf der Stelle die Täterin ebenfalls herabwürdigend behandelt. Auch das hast Du geschrieben.

Selbstjustiz und Rache haben in unserer Gesellschaft nichts zu suchen. Mit der Argumentation "der hat meine Mutter getötet, also habe ich ihn erschossen" würdest du in den Knast kommen und das fände ich sogar richtig.

Man muss aber nicht alles ertragen. Ich habe ein Recht auf Verteidigung und Selbsthilfe. Und auch das finde ich richtig.

Und ich finde auch, dass Deine Reaktion verhältnismäßig war.

Anonym hat gesagt…

Ich bin ebenfalls übergewichtig und fühle mich jetzt auch nicht von Jule angesprochen. Ich stimme den Kritikern zu, man muss Sprache überlegt einsetzen und Diskriminierung gehört sich nicht. Aber ich finde, Jule hat sich genau daran gehalten: Sie hat Sprache überlegt eingesetzt und sie ist dafür eingetreten, dass Diskriminierung aufhört. Indem sie, durch eine Diskriminierung verletzt, der Übeltäterin einen Spiegel vor Augen gehalten hat.

Wenn hier das Handeln einer einzigen Person bewertet wird, muss man auch ihre Haltungen und Absichten kennen und in eine Beurteilung einfließen lassen, bevor man zum Ergebnis kommt, sie verhalte sich diskriminierend. Meine Meinung.

Stefanie hat gesagt…

Behinderte, die ihren Darm nicht kontrollieren können und während der Vorstellung die Raumluft kontaminieren, gehören nicht ins Theater. Korrekt.

Behinderte, die ihre Blase nicht kontrollieren können und während der Schwimmstunde das Beckenwasser kontaminieren, gehören nicht ins Schwimmbad. Nicht korrekt?

Du drehst Dir das Recht immer so, wie es Dir am besten passt. Knack. Punkt.

(Nein, ich habe keinen Urinfetisch, ich ekel mich davor, Ausscheidungen anderer an die Haut, in die Haare oder gar in den Mund zu bekommen. Um damit gleich aufzuräumen.)

Anonym hat gesagt…

Hallo Jule, ist der Prolog neu, oder habe ich den bisher immer übersehen?

Monall hat gesagt…

@ Stefanie:

Du weißt, dass der typische Schwimmbadgeruch nicht vom Chlor kommt, sondern erst durch die Reaktion von Chlor und Urin? Und das kommt nicht davon, weil jeden Tag hunderte Rollstuhlfahrer ins Wasser pinkeln, sondern weil es fast jeder macht.

Warum sollten dann ausgerechnet die Leute, die gesundheitsbedingt das Gentechnik nicht kontrollieren können, dafür angefeindet werden?

Mike hat gesagt…

@ Stefanie, mal eine Frage:
Schwimmst Du in Flüssen und Seen?

Du weisst schon, dass die lieben Fischlein da noch ganz andere Sachen machen :-)

Nun Gut, Du findest das ekelhaft. Die "Normative Kraft des Faktischen" zeigt aber, dass Du damit absolut in der Minderheit bist. Insofern dreht sich Jule nicht das hin, wie sie es braucht, sondern Du selber machst das. Nicht ein Geisterfahrer, sondern Tausende :-)

@roulbu:
Mal im Ernst, was Du da schreibst ist gönnerhafter Unfug. (weil Advent ist, bin ich mal nicht so bla bla)
Die Frage ist doch: Ist die Frage "Warum sind sie so Fett?" generell diskriminierend gegenüber allen Übergewichtigen (bzw der Mehrheit dieser Gruppe) oder nicht.
Ich sage aus eigener Erfahrung dazu, dass dies nicht der Fall ist. (Und damit stehe ich hier anscheinend nicht alleine). auch hier greift somit anscheinend wieder "die Kraft des Faktischen"
Seien wir doch alle mal ein bissle gelassener und packen nicht sofort die PC und Diskriminierungskeule aus.

Mike

Jennifer hat gesagt…

ich als moppel hätte die frage schon gewissermaßen als beleidigend angenommen - allein schon wegn dem wort fett. "warum sind so so unglaublich dick?" wäre netter angekommen und hätte dennoch den zweck erfüllt.

allg vermutung warum sie ggefragt haben könnte: es wird einem oft erzählt, es wär unhöflich rollifahrer anzustarren, und netter, wenn man direlt fragt statt zu starren. vlt liegts daran.

Anonym hat gesagt…

Wer mit Diskriminierung ein Problem hat, sollte das Wort slutwalk schleunigst noch in den aktiven Wortschatz aufnehmen. ;)

Und insgesamt muss ich sagen: Ja, ich versteh dich. Als Einzelfall ist es nachvollziehbar und du kannst ja nicht immer freundlich bleiben, auc wenn es natürlich nett wär, der Rest der Welt täte das.

Bleibt dennoch der schale Nachgeschmack der Tatsache, dass mal wieder aus einer ganzen Reihe an Leuten, die sich scheiße verhalten, die Dicke dann als einzige das unfreundliche Resultat abbekommen.
Im Westen nichts neues.

Glupski hat gesagt…

@Stefanie: Du vermischt zwei Ebenen. Ins Becken pinkeln viele. Sollen jetzt Leute, die Probleme haben, das zu kontrollieren, draußen bleiben, solange die, die keine Probleme haben, das zu kontrollieren, munter weiter ins Wasser strullern?

Allerdings gehe ich davon aus, Jule würde dir sofort zustimmen, wenn du forderst, Behinderte, die ins Becken kacken, dürfen nicht am Schwimmen teilnehmen.

Es war ja davon die Rede, dass im Theater einer die Hosen voll macht und nicht, dass einer pupst, was in einer Vorstellung mit nicht behinderten Leuten unter Garantie auch so mindestens 200 Mal passiert.

Anonym hat gesagt…

@Anonym 16:09

Zufälligerweise hat sich jene Frau aus meiner Sicht am arschigsten Verhalten. Ich könnte mir vorstellen, dass sie einen diskriminierenden Afrikaner auch auf die Hautfarbe angesprochen hätte, um ihm zu signalisieren, wie er sich verhält.

Ich weiß allerdings nicht, ob man dieses Thema nun immer noch weiter diskutieren muss.

Anonym hat gesagt…

Ich finde schon, dass Behinderte, die ihre Pipi nicht unter Kontrolle haben, sich einen Katheter legen sollen oder ähnliches, bevor sie ins Schwimmbecken gehen, da stimme ich Stefanie insoweit zu.

Anonym hat gesagt…

Guten Abend zusammen,

Nehmen wir an, Jule hätte auf die Frage geantwortet, "Weil ich einen Unfall hatte."
Einfache Frage, einfache Antwort.

Jule fragt "Warum sind sie so fett.?" (Möglich Antwort)"Weil ich zuviel esse und zuwenig Bewegung habe."
Noch eine einfache Frage und eine einfache Antwort. Wo ist das
Problem.?

Vermutlich bin ich zu einfach gestrickt, um hier irgendwo Diskriminierung zu sehen.

Basler

Banane hat gesagt…

Was ist denn hier los?
Insgesamt 54 Kommentare zu diesem und zum letzten Beitrag - und bei fast Allen wird aus einer Mücke ein Elefant gemacht...

Wer kennt das denn nicht? Man steht gut gelaunt auf und nach einer Weile geht einem irgendjemand auf die Nerven, was man dann auch ganz locker und freundlich wegstecken kann. Aber wenn einem dann irgendwann der fünfte Idiot auch nur mit irgendeiner Kleinigkeit auf die Nerven geht, ist es mit der Beherrschung vorbei und man wird eben unfreundlich.
Natürlich kann der Typ, der die Unfreundlichkeit abkriegt, nichts dafür, ausgerechnet der Fünfte und nicht der Erste gewesen zu sein. - Aber so läuft es einfach im Leben.
Mal ist man der Erste und wird freundlich behandelt, obwohl man jemandem auf die Nerven geht und mal ist man der Fünfte, der wegen einer Kleinigkeit den ganzen angestauten Ärger einer anderen Person abbekommt.

Das kennt doch Jeder aus allen Perspektiven aus eigener Erfahrung, weil es einfach nur völlig normal und menschlich ist.

Ansonsten ist die Geschichte, um die es ursprünglich geht, an Absurdität ja auch kaum noch zu überbieten...
Eine übergewichtige nordic-Walkerin ist zu faul, um Treppen zu steigen und drängelt sich stattdessen vor einer Rollstuhlfahrerin in den Aufzug. - Das erinnert mich doch stark an das Bild mit der Rolltreppe vor dem Eingang zum Fitnessstudio ;-).
Dann stellt sie der Rollstuhlfahrerin auch noch eine indiskrete Frage und ist darüber empört, dass keine freundliche Antwort, sondern eine ähnlich indiskrete Gegenfrage zurück kommt...
Fazit: Die Gegenfrage war angebracht und perfekt passend zur absurden Situation!

Gruß
Banane

Asinello hat gesagt…

"Die Wörter 'Schwuchtel', 'Hure', 'Neger', 'Schlampe' und 'Slutwalk' gehören nicht in meinen Sprachgebrauch, 'Krüppel' allenfalls als Beispiel, wie sich Sprache durch die Verwendung von Euphemismen verändert.

Im Prinzip stimme ich gerne zu: Wo Anstand und Höflichkeit den Ton angeben, wo eine Abwertung nicht beabsichtigt ist, da braucht's natürlich keine abwertenden Begriffe.

Ich für meinen Teil mache von dieser Regel gelegentlich die Ausnahme, Geusenwörter gezielt achtungsvoll zu verwenden.

Aus Deiner Liste sind "Hure" (ohnehin längst Eigenbezeichnung des Berufsstandes), "Slutwalk" und damit auch "Schlampe"/"Slut" (es geht nicht an, dass Kleidungsstil oder Partnerwahl als Vorwand für Diskriminierung und Übergriffe herhalten) in meinem Sprachgebrauch sehr bewusst vorhanden.

"Krüppel" ist ebenfalls Bestandteil meines aktiven Sprachschatzes, und nicht nur als Beispiel für die Euphemismus-Tretmühle, sondern auch als Geusenwort: Da ich kurz, krumm und lahm bin, beanspruche ich diese kurze, zutreffende und praktische Bezeichnung des Offensichtlichen für meine Erscheinung. Wo es um Schwierigkeiten mit Barrieren geht, halte ich "behindert" für angebracht. (Ich definiere mich nicht über solche Äußerlichkeiten, sondern über das was ich denke, fühle und tue. Und zutreffende Wörter können mich nur beschreiben, nicht beleidigen.)

Dies nur als Anregung. Wie Du Deinen Sprachschatz verwaltest, ist selbstverständlich Deine Entscheidung. Auch mit "neutralen" Bezeichnungen lassen sich "unspoken words" respektvoll vermeiden.

Zum Anlass der zwei Postings mit den schön langen Diskussionen hintendran: Ich hätte mir das auch nicht bieten lassen. Ich hätte zu "dummeAntwort#19" gegriffen. "Warum sitzt du im Rollstuhl?" - "Warum nicht? Wenn ich drin stehe, komme ich nicht mehr an die Greifringe." Dein Paroli gefällt mir allerdings besser. Das saß passgenauer.

Xin hat gesagt…

"Vomieren". Schönes Wort, das ich selbst vorhin erstmal nachschlagen musste. "Spucken" halte ich für unangebracht und alles andere klingt leicht eklig. Ein neutrales Wort dafür kannte ich bis heute leider nicht - vermutlich kennt das Wort aber auch so kaum einer.

Da Du einer eloquenten Sprache mächtig bist, frage ich mich, wieso Du einer Wuchtbrumme überhaupt auf ihrem Niveau begegnest... oder Dich überhaupt daran störst. Ich meine, wenn eine Katze auf den Teppich vomiert, weil sie nicht versteht, dass es Dir auf den Badkacheln lieber wäre, dann wischt man das weg und gut ist. Wenn nun eine Wuchtbrumme sprachlich über Dich vomiert, dann kann ich verstehen, dass Dich das ankotzt, aber das ist doch kein Grund sich auf das Level einer spätpubertierenden Göre herabzulassen.
Bitte sie doch, Dir zunächst Details ihrer Lebensgeschichte zu erzählen und wie es zu ihrer Adipositas kam. Dabei kann man das "Du" ja auch süffisant betonen.
Statt sich über "fett" aufzuregen, muss sie erstmal überlegen, ob sie jetzt ihre Lebensgeschichte auspacken möchte und falls nicht, kapiert sie vielleicht auch, dass Du auch nicht jeder dahergelaufenen Fahrstuhlbekanntschaft erstmal Dein Leben erzählen möchtest.

So bist Du nur als kleine, freche Göre in Erinnerung geblieben.

Anyway... ich habe ein neues Wort gelernt: "Vomieren". Am Ende ist also doch was Gutes dabei rausgekommen. :)