Sonntag, 13. November 2011

Trainingslager NNRW

Eigentlich hatten wir vor langer Zeit mal einstimmig beschlossen, dass sich Anfahrt und Abfahrt plus Teilnahmekosten für dieses eine Wochenende nicht lohnen würden. Anfang letzter Woche fragte unsere Trainerin, ob wir uns nicht kurzfristig neu entscheiden wollen, denn ein bayerisches Team hatte abgesagt und wir müssten nur noch die Hälfte für Unterkunft, Verpflegung und Honorar zahlen: 125 Euro pro Person für ein Wochenende (statt 250). (Einschließlich Fahrtkosten dann 250 Euro statt ursprünglich 375 Euro.) Die Rede war von einem bundesoffenen Trainingslager in Nord-Nord-Rhein-West-Fa-Len.

Nun wollten doch insgesamt 16 Leute aus Hamburg dorthin fahren und irgendwie ist es immer wieder faszinierend, welches Organisationstalent unsere Trainerinnen und Trainer an den Tag legen. Innerhalb von zwei Tagen waren Hin- und Rückfahrt organisiert, das Geld eingesammelt, die Trainingspläne standen fest und vor allem der Shuttle zwischen Unterkunft und Trainingsstrecke (3 km entfernt) war organisiert. Eine Zettelwirtschaft und Materialschlacht ohne Ende, immerhin mussten 16 Behinderte, 16 Alltagsstühle, 16 Rennrollis oder 16 Rennbikes hin- und hergegurkt werden. Neunzig oder 180 Minuten dauerte eine Einheit und nicht alle machten zur selben Zeit dasselbe Programm. Man musste also genau aufpassen, wessen Bike und wessen Rennrolli verladen werden musste, wer in der Schwimmhalle war oder wer beim Gerätetraining. "Finde ich hier heute irgendein Rad, irgendein Kissen, irgendein Ersatzteil, irgendeine Sporttasche oder sogar einen ganzen Stuhl, an dem kein Aufkleber mit Namen, rechts, links, oben, unten, Ersatz oder sonstwas steht, wird der Gegenstand amtlich eingezogen und am Sonntag meistbietend versteigert." Klare Ansage mit großer Wirkung: Noch vor dem ersten Verladen in Hamburg ging das große Beschriften los. Schön, wenn man (wie ich) zu Hause ein P-Touch-Gerät hat und sowieso schon überall mein Name draufsteht...

Ich könnte jetzt über dreißig Absätze schreiben, wie toll es war, aber ich glaube, das würde nach dem zweiten Absatz langweilig werden. Also: Es war sehr toll.

Die Unterkunft war klasse (einfach, aber sauber, gepflegt und relativ neu), das Essen war für Kantinenverhältnisse sehr gut, die anderen Trainer waren auch in Ordnung, die Leute waren nett, die Trainingsstrecke war okay, die Schwimmhalle und der Kraftraum auch. Lediglich einen weiteren Massagetermin hätte ich gerne gehabt. Aber wenn das alles ist, was ich an Kritik vorbringen kann, darf sich der Veranstalter doch lobend auf die Schulter klopfen!

Genug zu Lachen gab es auch diesmal wieder. Sven war auch wieder dabei, allerdings nur bis Samstag morgen. Nachdem wir ja beim letzten Mal umfangreich das Thema "Selbstbefriedigung" eruieren mussten, begann diesmal seine breit angelegte Konversation mit den Mädels mit einer Massen-SMS: "Schon den ganzen Tag Erektion. Was kann ich tun?" - Jetzt mal ganz im Ernst: Der Typ hat Mittlere Reife. Auch wenn es in seiner Hose vielleicht hochexplosiv zugeht, die Gefahr, dass so eine SMS etwas ganz anderes zündet, muss ihm doch klar sein!!! Ich begreife so etwas nicht. Ich habe über die SMS nur die Augen verdreht, Cathleen hat, als sie das im Zimmer las, gefragt, was er jetzt von uns erwartet, und eine andere Teilnehmerin ist zu den Trainern gegangen und hat dort eine Szene gemacht. Ende vom Lied: Sven wurde am Samstag morgen mit hochrotem Kopf von seiner kleinlauten Muddi abgeholt.

Eine andere frühzeitige Heimreise konnten wir gerade noch verhindern, allerdings stand hier etwas ganz anderes im Raum. Normalerweise werden aus gutem Grund keine Teilnehmer mitgenommen, die jünger als 14 sind. Ein Mädel, Emily, angeborene Querschnittlähmung, 12 Jahre alt, ist aus Schleswig-Holstein nach Hamburg gezogen und hatte in Schleswig-Holstein bereits immer im Rennrolli trainiert und ist seit vier Monaten regelmäßig beim Nachwuchstraining. Ihre beste Freundin ist Lisa, jene inzwischen 15-jährige mit frühkindlicher Hirnschädigung, die seit zwei Jahren bei uns trainiert und über die ich auch schon mehrmals geschrieben hatte. Die beiden hatten ein Zimmer zusammen und Emily bekam am Freitagabend so derbe Heimweh, dass sie nur noch mit Handy am Ohr heulend im Rolli saß und ihrer Muddi erzählte, wie dolle sie sie vermisse. Es war kurz davor, dass die Mutter sie abholen wollte, als es uns endlich gelang, sie mit einer Miniparty abzulenken. Ein paar jüngere Leute in unser Zimmer (wir waren direkt daneben), die beiden auch verpflichtet, Gummibärchen, Erdnussflips, ein Unospiel und zum Schluss auch noch Ligretto, dann gemeinsam Zähneputzen und den beiden eine Gute-Nacht-Geschichte vorgelesen. Cathleen und ich haben uns zu den beiden ins Bett gesetzt, Cathleen hat vorgelesen, ich hatte Emilys Kopf auf dem Schoß und durfte ihr den Kopf kraulen... Am Ende haben wir die beiden ordentlich zugedeckt und dann war es okay. Am nächsten Tag war Emily das schon wieder voll peinlich, aber als ich sie später gefragt habe, ob wir abends nochmal was vorlesen sollen, wollte sie unbedingt.

Ich sehe schon den ersten Kommentar auf mich zukommen, ich würde das Mädel bloßstellen, indem ich von diesem Abend schreiben würde. Vielleicht sollte ich erwähnen, dass diese Miniparty zustande gekommen ist, nachdem alle Leute mitbekommen hatten, dass es Emily so dreckig ging und dass sie Heimweh hatte. Es heißt immer, Behinderte wollen kein Mitleid. Für ihre Behinderung sicherlich nicht, das ist richtig. Aber wieviel Mitgefühl und Einfühlungsvermögen ich an diesem Wochenende erlebt habe, besonders bei den jüngeren Teilnehmerinnen und Teilnehmern, wie lieb die zu Emily waren, sie getröstet haben, als sie so gelitten hat, ist schon beachtlich. Ich weiß nicht, ob Heimweh eine Schwäche ist. Ich finde aber, es gilt genau das, was auch sonst in Bezug auf die Behinderung gilt: Verberge sie nicht. Das funktioniert nämlich nicht. Und wenn sie dich herausfordert, dann führe sie offensiv vor.

Lisa hingegen versucht noch immer, das richtige Maß zu finden. Sie stammt aus einer stinkreichen Familie, die Eltern leben in einer Villa mit Elbblick und eigenem Personal. Zu Hause werden von Lisa nur die besten Manieren erwartet, jedoch sind sowohl Mutter als auch Vater sehr umgänglich und sehr offen. Ich mag beide sehr gerne. Lisa ist in ihrer geistigen Leistungsfähigkeit nicht eingeschränkt, allerdings ist ihr ganzer Körper durch die Hirnschädigung spastisch gelähmt, das bedeutet, besonders bei schnellen und gegensätzlichen Bewegungen verkrampfen sich ihre Muskeln. Handbiken und vor allem Rennrollifahren ist nunmal schnell und es braucht regelmäßige, zum Teil gegensätzliche Bewegungen, so dass sie eine ungeheure Disziplin aufbringen muss, um eine Leistung zu erreichen. Und: Es dauert immer ein wenig, bis ein Funken überspringt. Deshalb ist sie keineswegs dumm, nur sie wirkt dadurch oft sehr naiv. Oft merkt sie erst nach einigen Sekunden, dass sie einen Witz gemacht hat und nach weiteren Sekunden, warum das so witzig ist. Dadurch entsteht mit ihr oft eine herrliche Situationskomik. Und das schönste ist: Sobald der Witz auch bei ihr angekommen ist, kann sie so derart herzlich über sich selbst lachen, dass immer etwas fehlt, wenn sie mal nicht dabei ist.

So saßen "die älteren" am Samstagabend zusammen und wollten "Privacy" spielen. Lisa kam um die Ecke gerollt und wollte unbedingt mitspielen. Irgendeiner machte den Spruch, dass Lisa noch nicht mitspielen dürfe, da die meisten Fragen unter der Gürtellinie seien und sie erst 15 sei. Lisas spontane Antwort: "Mir macht das nichts! Ihr könnt mich nicht mehr versauen, ich bin schon versaut!" - Die Leute lagen vor Lachen fast unter dem Tisch, als sie merkte, was sie da redete und anfügte: "Ein bißchen versaut, wollte ich sagen. Ein bißchen! Nicht so doll, wie ihr gleich wieder denkt."

Am Samstag, nach dem Mittagessen, stand bei den meisten von uns eine Einheit im Rennrollstuhl auf dem Plan. Alle sitzen frierend in ihren Stühlen und warten darauf, dass der letzte startbereit ist, als Lisa betont laut rülpst, und zwar gleich zwei Mal nacheinander. Eine Mutter aus Hessen, die sich als Shuttle-Dienst bereitgestellt hat und daneben stand, guckte sie entgeistert an und meinte: "Sag mal! Benimmt man sich so als Mädchen?" - Daraufhin sagte Lisa: "Wir sind hier beim Sport und nicht auf einer Schönheitsfarm!" - Womit sie Recht hat, das ist der Standardspruch, den unsere Trainer predigen, wenn Anfänger sich über Schweiß/Schmutz im Gesicht, Rotze am Ärmel, angepinkelte Hosen, bekleckerte Oberteile, Sand in den Haaren oder ähnliches aufregen. Was sie nur nicht sah: Die Shuttle-Muddi konnte vor lauter Botox kaum noch das Gesicht bewegen und hatte die ganze Zeit nur Angst um ihre Fingernägel und ihre Designerhose. Über den Kommentar war sie sichtlich geknickt. Lässt sich nicht mehr ändern. Was das Aussehen betrifft, die Mutter ist halt für sich selbst verantwortlich und wenn sie so glücklich ist, soll sie so rumlaufen, ist mir egal. Der Brüller aber war, als Lisa uns später fragte, ob sie sich nochmal entschuldigen müsste. "Ich hab erst später gemerkt, dass die Beautyfarms wohl sehr toll findet."

Spruch Nummer drei hat sich Lisa erstmal verkniffen. Der ging nämlich ebenfalls gegen die Mutter. Sie brauchte etwas Aufmerksamkeit und immer, wenn sie mit ihrem Auto auf den Parkplatz vor der Unterkunft fuhr, machte sie alle Fenster auf und drehte das Autoradio laut mit immer demselben Song: "Erbarme - zu spät - die Hessen kommen!" Und war sichtlich mitgenommen, wenn das bei fünften Mal niemand mehr lustig fand. "Was seid ihr hier für eine ernste Gesellschaft? Es ist Karneval in Deutschland!" Lisa sagte, als sie wieder weg war: "Irgendwas begreif ich da nicht. Sie kommt doch aus Hessen, wieso macht sie dann dieses doofe Lied an?"

Am Samstagabend war als Ausgleichstraining Schwimmen dran. Alle Hamburger Mädels in einer Bahn. Zwei Einheiten hintereinander, also 180 Minuten. Jeder hatte seine Plastik-Trinkflasche am Rand, jeder hatte ein individuelles Programm, nach zwei Stunden war ich eigentlich reif fürs Körbchen, aber man beißt sich ja durch. Als ich endlich aus dem Wasser war, wollte ich nur noch eine heiße Dusche, mein Abendessen (halbes Schwein auf Toast) und mein Bett. Okay, es gab dann doch noch einen Spieleabend, aber für den ersten Moment hatte ich erstmal genug. Zu allem Überfluss mussten wir im Umkleideraum noch darauf warten, dass die Duschen frei wurden, denn ein Duschraum war jeweils mittig zwischen zwei Umkleideräumen angelegt und in dem Moment duschte ein anderes Team. Also saßen wir frierend im Handtuch eingewickelt mit acht Leuten und warteten darauf, endlich duschen zu können. Etliche hatten ihr Smartphone in der Hand und informierten sich, was sie in den letzten drei Stunden versäumt hatten. So auch Lisa, die sich auf eine Holzbank gekauert hatte und in Facebook vertief war. Während ich mich mit Cathleen unterhielt, fing es plötzlich irgendwo zu plätschern an. Was bei acht Leuten mit Blasenlähmung passieren kann, vor allem, wenn zwischen Schwimmen und Duschen noch keiner der Leute, die es tun müssten, eine Windel trägt. Ohne eine Miene zu verziehen und ohne den Blick vom Handy zu lösen, murmelte Simone neben uns: "Irgendjemand ist hier undicht. Ich bin es nicht." Als niemand reagierte, schaute sie dann doch in die Runde. Cathleen und ich guckten auch und sahen Lisa, die im selben Moment erschrocken versuchte, ihr Handtuch, in das sie eingewickelt war, vom Körper zu bekommen. Eigentlich hat Lisa uneingeschränkt Kontrolle über ihre Blase. "Ich bin so doof!", rief sie. "Ich träum hier vor mich hin und hab ganz vergessen, dass ich ja nicht mehr im Wasser bin." - Die Leute lachten so laut, dass Tatjana vom Flur reinkam und fragte, ob bei uns alles in Ordnung ist. Als sie wieder draußen war, sagte Lisa: "Ich weiß gar nicht, warum ihr alle lacht, das war nur aus Versehen." - Erneutes Gegacker. Einige Sekunden später: "Ach du Scheiße, jetzt hab ich es auch verstanden. Ich bin so peinlich! Meint ihr, Tatjana hat was gemerkt?" - "Tatjana merkt alles." - "Ich frag sie nachher!" - Erneutes Gelächter.

Am Abend sitzen wir mit Tatjana in einer Runde an einem Kaminfeuer. Lisa darf ein Bier. Sagt Papa. Wenn der Abend lang ist, auch ein zweites. Lisa verhandelt nun, ob ein Bier dasselbe ist wie zwei Flaschen Green Lemon. Tatjana antwortet: "Dein Papa meinte ein Bier 0,3. Lemon hat 0,5. Also darfst du ein Lemon 0,5. Wenn der Abend lang ist, auch zwei." Lisa zieht ab, holt ihr Handy, Taschenrechner auf und rechnet aus: 330 ml x 2 = 660 ml. Mal 4,9% Alkohol = 3234 ml%. "Wenn ich nun 3234 ml% durch 2,5% von den Green Lemon teile, sind das 1294 ml. Also darf ich zwei Flaschen und etwas mehr als eine halbe von dem Green Lemon. Jule, teilst du dir mit mir meine dritte Flasche?" - "Wenn du drei Flaschen von dem Zeug säufst, pinkelst du heute nacht ins Bett." - "Gar nicht! So'n Quatsch. Ich geh vor dem Schlafen aufs Klo und nachts werd ich wach, wenn die Blase voll ist! Ich bin ja kein Querschnitt wie du!" - Na vielen Dank. Aber Rache ist süß: "Wolltest du Tatjana nicht noch was fragen?" - "Nee, was?" - "Umkleideraum." - "Achja: Sag mal, Tatjana, kannst du das eigentlich sehen, wenn jemand ins Schwimmbecken pinkelt?" - Tatjana antwortete, ohne mit der Wimper zu zucken: "Aber sicher! Das kann man vom Beckenrand total gut sehen, vor allem, wenn die Unterwasserbeleuchtung brennt." - Lisa, mit ernster Miene: "Scheiße."

Nachdem sich die Leute die Lachtränen aus den Augen gewischt haben, fragte Lisa: "Kann man das nun wirklich sehen?" - Tatjana schüttelte den Kopf. "Die Wasseroberfläche ist so unruhig und so gebrochen, da sieht man nichts. Vor allem nicht auf die Entfernung." - "Siehst du", krähte Lisa in meine Richtung, "man sieht doch nichts. Du hast mich wieder voll verarscht. Ich bin hier wieder das Opfer." - Ich konnte nicht anders, als sie an mich heranzuziehen und sie fest zu knuddeln. Ich sag es immer wieder: Soooo süß.

Kommentare :

Anonym hat gesagt…

Mir fallen nach diesem Beitrag ganz viele fragen ein:

1. Möchtest du später mal Kinder und kannst du welche bekommen?

2. Haben alle so viel Geld? 250 oder 375 Euro sind nicht wenig, besonders bei Familien mit Kindern!

3. Wurde Sven wenigstens mal aus dem Verein ausgeschlossen? So etwas geht gar nicht, vor allem nicht wiederholt.

4. Hast du keine Angst, Emily könnte später behaupten, du hättest sie angegrabbelt? Immerhin warst du mit ihr in einem Bett. Ich weiß, dass da nichts gelaufen ist, aber du bist recht unvorsichtig, glaube ich. Was ist, wenn sie einfach so etwas behauptet?

5. Ich finde, ihr seid sehr unfair zu Lisa. Sie kann sich nicht sofort richtig ausdrücken und ihr nutzt das aus und führt sie vor. Hätte sie nicht so viel Humor, würde sie euer Mobbing ganz schön zu schaffen machen.

6. Pinkeln bei euch alle ins Wasser? Das machen bestimmt viele, aber es ist auch unhygienisch. Kann man da keine Pausen einrichten? Oder macht das nur die Kleine, weil sie das noch nicht reflektiert hat?

Ich finde den Blog lesenswert!

Andreas hat gesagt…

Irgendwas läuft bei euch buchstäblich verkehrt, wenn da einfach jemand hochnotpeinlich auf den Fußboden uriniert und niemanden stört es. Wenn ihr so abgestumpft seid, hat das nichts positives mehr.

Anonym hat gesagt…

Schöööönes Ding, ich hab herzhaft gelacht. Die Lisa ist echt eine lustige, wenn auch manchmal etwas unfreiwillig.

Laura hat gesagt…

Ach, Urin ist doch steril, sooo unhygienisch ist das nu auch wieder nicht! :) Vor allem denke ich, dass sehr viel mehr Leute ins Wasser pinkeln, als es zugeben würden...auch diejenigen ohne Querschnitt.
Und dass man sich irgendwann wegen seiner eigenen Inkontinenz nicht mehr schämt, vor allem in Gesellschaft von Menschen, die das gleiche Problem haben, ist ja wohl nur natürlich, oder? Ich kann da echt nichts Schlimmes dran finden. Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist...und vielleicht irgendwann sogar drüber lachen kann. So sehe ich das zumindest.

Anonym hat gesagt…

Wenn ich so manchen Kommentar hier lese, frage ich mich, ob derjenige noch nie im Schwimmbad war. Wie viele Kinder pinkeln tagtäglich ins Wasser? Wie viele Erwachsene wissentlich?

Ich frag mich einzig, wie danach weiter gehandelt wird? Macht das einer von euch weg? Sagt ihr Jemandem bescheid?

Anonym hat gesagt…

Ich finde das jetzt auch nicht so dramatisch. Allerdings würde mich auch interessieren, wie das weiter gegangen ist. Und zwar ehrlich und nicht politisch korrekt, ja!?

Anonym hat gesagt…

Die Lisa, wie du sie nennst (ich meine mich zu erinnern, dass du mal irgendwo geschrieben hast, die Namen seien ersetzt), ist wirklich herzig. Ich weiß nur nicht, ob das so gut für sie ist, wenn ihre "Freunde" sich immer nur über sie lustig machen. Das ist nicht böse gemeint, aber der Humor, den ihr habt, geht ganz oft auf ihre Kosten. Vielleicht denkt ihr mal darüber nach.

Sally hat gesagt…

Freut mich, dass das Trainingslager schön war. :)

Die Lisa-Schilderungen sind sehr knuffig zu lesen. :)

Und um mich auf meine Vorkommentatoren zu beziehen: Ich finde nicht, dass ihr euch zu sehr über sie lustig macht. Durch sie entsteht halt viel Situationskomik und meiner Meinung nach ist es völlig okay, sich über diese zu amüsieren. So lange das nicht zu sehr auf Lisas Kostem geht, was, finde ich, nicht der Fall ist.

Anonym hat gesagt…

Nach 3 Stunden durchgehend im Wasser wäre ich aufgeweicht! Was mutet ihr euch denn da zu? Die Sache mit dem Pinkeln versuche ich meiner Tochter bisher auch erfolglos abzugewöhnen, die ist aber erst 6. Eigentlich könnte man von einer 15jährigen erwarten, dass sie aufs Klo geht / fährt. Machst du das eigentlich auch, mal so direkt gefragt?

LG Margot (bei Lübeck)

Petrus hat gesagt…

@Anonym im ersten Kommentar und Andreas:

Vieles, was Jule hier über das Verhalten untereinander bzw. Blasenentleerung usw. schreibt, wirkt auf Außenstehende natürlich manchmal befremdend und unangebracht untereinander ist das völlig normal. Kann euch da das Buch des ZDF/Pönix-Moderators Stefan Kulle "Riss im Glück" (auch unter dem Titel "Das Leben gibt dir Zitronen, mach Limonade draus: Mein Weg zurück ins Leben" erhältlich) empfehlen. Er ist nach einem unverschuldeten Autounfall vor zwanzig Jahren Querschnittgelähmt, kann aber wieder laufen und hat sich wie Jule voll zurück ins Leben gekämpft. Er beschreibt darin auch, welchen Galgenhumor Gelähmte untereinander entwickeln.

@Jule: Stieß durch einen Hinweis bald nach Start deines Blogs auf diesen und lese seitdem beinahe täglich darin. Hut ab vor einer Leistung und wie du dein Leben meisterst. Hatte bis vor sieben Jahren durch Beruf und Zivildienst selbst viel mit körperlich und geistig-behinerten Menschen zu tun und kann vor deren Leistungen immer nur den Hut ziehen. Weiter so.

Anonym hat gesagt…

Das mit dem Sven finde ich nicht witzig. Der scheint ein ernsthaftes Problem zu haben und ich finde, man sollte ihn im Auge haben. Nur mal so als kleiner Tipp am Rande.

Ansonsten lese ich dein Blog nun schon so lange und ich muss immer wieder sagen: Einfach toll, wie du das alles schaffst.

Anonym hat gesagt…

Ihr seid vor allem soooo süß zu der Emily! Was hätte ich mir gewünscht, dass meine Tochter (ist nicht behindert) mit Leuten wie euch aufgewachsen wäre. Die hatte leider nur Chaoten um sich herum und hat sehr gelitten. Einmal musste ich sie aus einer Klassenfreizeit abholen, weil sie so sehr Heimweh hatte und niemand sie ernst nahm. Ich finde das so klasse, wie ihr euch untereinander helft, das macht mich echt glücklich beim Lesen. Das musste mal gesagt werden. Sabine

Tine hat gesagt…

Ich hab, bis ich 15 oder 16 war, auch immer ins Schwimmbecken gepinkelt. Heute mach ich das nicht mehr, weil ich es nicht nett finde den anderen Badegästen gegenüber, aber ich finde es auch nicht so dramatisch, dass man deshalb jetzt so einen Beitrag verfassen müsste wie der obige.

Anonym hat gesagt…

Das mit dem Rechner find ich toll. Daran merkt man wirklich, dass sie nicht doof ist. Auf so eine Rechnung wäre ich mit 15 nie im Leben gekommen. Schade, dass viele Leute von einer körperlichen Behinderung oder von einer anderen Einschränkung gleich darauf schließen, dass der- oder diejenige auch im Kopf eingeschränkt ist!

A. hat gesagt…

Ganz im Gegenteil! Ich finde, ihr handelt richtig, wenn ihr mit ihr (na gut, vor ihr) lacht! Alle Zweifler stellen sich mal bitte die Situation vor, dass ihr unwissentlich etwas Witziges sagt und niemand reagiert. Kurze Zeit später merkt ihr selbst, wie witzig der Kommentar war, und ihr wisst, dass die anderen es verstanden haben müssen... Und das wieder und wieder... Aber wenn z.B. Jule solch ein Faux Pas passiert, lachen alle gemeinsam.

Für mich persönlich wäre diese Ausgrenzung schlimmer, viel schlimmer.

A.

Anonym hat gesagt…

Ähm also, dass die Leute mit eingeschränkter Gewalt über ihre Blase solche Ausrutscher irgendwann völlig normal finden, ist ja klar. Aber wenn sich jemand, der im Kopf völlig klar ist UND uneingeschränkte Kontrolle über die eigene Blase mit 15 in die Hose pinkelt, finde ich das jetzt nicht gerade normal.
Ich denke nicht, dass ihr nur Witze auf ihre Kosten macht, denn du schreibst ja, dass sie auch ehrlich über sich selbst lachen kann.
Trotzdem finde ich es etwas befremdlich, wenn sich eine 15-jährige vor versammelter Mannschaft in die Hose pinkelt und das nichtmal wirklich peinlich findet.

Anonym hat gesagt…

Ich muss meinem Vorposter zustimmen, allerdings denke ich, dass ihr das vielleicht nur deshalb nicht peinlich war, weil sie genau wusste, dass den anderen so etwas auch passieren kann. In der Schule unter nicht behinderten Gleichaltrigen wäre sie vielleicht im Erdboden versunken. In anderen Beiträgen beschrieb Jule ja bereits, dass es während Wettkämpfen oder intensiven Trainingseinheiten auch keine Klopausen gibt (man kann ja im Wettkampf nicht plötzlich pinkeln gehen, das machen Fußgänger-Triathleten auch nicht), und dass diese Lisa das auch bereits stolz ausprobiert hat.

Ich kann es zwar auch nicht für mich verstehen, glaube aber, dass es in dem Kreis relativ entspannt gesehen wird.

Alleine wenn ich vor meinen Freunden zugeben müsste, dass ich eine Windel tragen muss. Ich würde mich wohl vorher erschießen, so peinlich wäre mir das. Die Leute hier leihen sich gegenseitig eine, wenn einer zu wenig mitgenommen hat. Das sind andere Maßstäbe und das darf man nicht vergessen.

Anonym hat gesagt…

Pfui!!! Hihihi...

Anonym hat gesagt…

Ich find den Haufen knuffig und wäre da gerne mal Mäuschen. Das was der Lisa da passiert ist, klingt gar nicht so abwegig. Ich fahre regelmäßig im Sommer zum Wellenreiten und bin dann auch stundenlang im Meer. Zum Klogang geht da auch niemand an den Strand, wäre wohl sehr albern. Wenn man das stundenlang einfach so laufen lassen kann, muss man sich schon extrem zusammennehmen, um es danach nicht bei den ersten zwei, drei Malen, wo man wieder Harndrang verspürt, einfach loszupinkeln. Könnte peinlich werden, so abends im Restaurant ...

Ich finde es cool, dass ihr mit einer solchen Schwäche so locker umgehen könnt.

Anonym hat gesagt…

Und wer hat das am Ende weggemacht? Die Putze oder was.

grinseliese hat gesagt…

Meine Fresse, ist hier gerade Stammtisch der Moralapostel?
Lg
Grinseliese

Anonym hat gesagt…

Grinseliese pinkelt auch ins Becken. :P

grinseliese hat gesagt…

Nein grinseliese mag nur Jules Blog sehr gerne. An Jules Stelle hätte ich bei der Hälfte der Kommentare keinen Bock mehr annähernd so locker zu schreiben wie sie das tut, aber gerade das macht den Blog nicht nur unterhaltsam, sondern lässt einen über manches ein zweites Mal nachdenken. Nur glaube ich dass manche Kommentatoren noch nichtmal ein erstes Mal VOR dem Schreiben nachgedacht haben. Und oje hoffentlich zettele ich hier keine ewigkeitsdiskussion an und jule muss anfangen wegen mir zu löschen. Also hiermit dafür schon mal entschuldigung.

Jule hat gesagt…

Soooo viele Fragen. Meine Antworten:

- Ich weiß noch nicht, ob ich Kinder möchte. Eine Querschnittlähmung schließt Kinderkriegen nicht aus.

- Wer das Geld nicht hat und niemanden findet, der für ihn bezahlt, kann im Zweifel auch nicht mit. Es wird dafür ja nun auch etwas geboten.

- Bei uns wird keiner mal eben so aus dem Verein ausgeschlossen. Er hat niemandem was getan und ich denke, er hat seine Lektion gelernt.

- Emily könnte auch nach einer Fahrt im Aufzug behaupten, ich hätte sie angefasst. Nein, davor habe ich keine Angst.

- Ich finde nicht, dass wir unfair zu Lisa sind. Wir lachen zusammen mit Lisa, weil sie fortgesetzt lustige Sprüche macht. Wir haben sie dafür lieb. Wir machen uns nicht über sie lustig. Das ist ein Unterschied, den kennen wir, den kennt sie - es ist alles in Ordnung.

- Nach ihrer Aktion hat Lisa selbst rund zwanzig Papiertücher aus dem Spender geholt, ihre Sauerei vom Fußboden entfernt und die Tücher in den Müll geworfen. Ansonsten hätte sich mit Sicherheit noch ein Gefäß oder eine Tüte gefunden, um zwei Liter Wasser hinterher zu spülen und im Abfluss verschwinden zu lassen.

Yvi hat gesagt…

Hallo Jule,
ich lese schon ziemlich lange mit und dachte nun kann ich mich auch mal verewigen.
Deine Art zu schreiben ist wundervoll und als Hamburgerin kann ich mir vieles so schön vorstellen. Ich habe dich glaube ich auch schon live mit dem Rennrolli auf der M-B-Allee gesehen - und geflucht warum dort abends die Straße gesperrt ist. :D

Ich mag deinen Umgang mit Kritik!

Mobbing - also wirklich. Da sollte sich vll. jemand mal informieren was mobbing bedeutet.

Außerdem muss man Lisas Art doch nicht immer als Schwäche sehen. Wie viele Menschen versuchen angestrengt ein bisschen humorvoll zu wirken und langweilen ihren Gegenüber zu Tode... Ist doch eine große Stärke andere so zum Lachen zu bringen und auch über sich selbst lachen zu können.

Grüße Yvi

Anonym hat gesagt…

Liebe Jule!
In der letzten Woche habe ich statt den üblichen Büchern deinen Blog von Anfang bis Ende durchgelesen und ja... großartig! Obwohl ich schon ein paar Jahre in einer Behindertenwerstätte gearbeitet habe hat es mir so so so viel gezeigt. Danke dafür! Ich hoffe du machst trotz der zahlreichen Kommentare ohne Hirn weiter, ich werde auf jeden Fall weiterlesen, und wenn du irgendwann in Wien sein solltest, kündige das vorher an und du kriegst eine gratis barrierefreie Stadtführung =)=)=)
Viele liebe Grüße! :)

Jule hat gesagt…

@Yvi: Max-Brauer-Allee ... da bin ich zwar schon ein paar Mal gefahren, aber das ist schon etliche Monate her und das war nur mit Begleitfahrzeug, da war nichts gesperrt. Das muss etwas anderes gewesen sein, vielleicht ein Wettkampf, vielleicht der Marathon?

... und wenn ich mal nach Wien komme, sag ich vorher Bescheid!

Olli hat gesagt…

"Jeder hatte seine Plastik-Trinkflasche am Rand, jeder hatte ein individuelles Programm, nach zwei Stunden war ich eigentlich reif fürs Körbchen, aber man beißt sich ja durch. Als ich endlich aus dem Wasser war, wollte ich nur noch eine heiße Dusche, mein Abendessen (halbes Schwein auf Toast) und mein Bett."

Hmmmh, ja die Portionsgröße hat was, manchmal ist mir auch danach. Aber war die Unterkunft doch nicht so pralle, wenn Du einemal nur von einem Körbchen als Ruheort schreibst? ;-)