Donnerstag, 1. Dezember 2011

Betreuung für meine Mutter

Über Behördenpost freue ich mich doch immer wieder ganz besonders. Meistens verbergen sich in diesen Briefumschlägen nette Überraschungen. Entweder braucht man danach einen Anwalt, viel Geld oder viel Zeit.

Zunächst hatte ich vermutet, dass es um die einstweilige Verfügung geht, die gegen meine Mutter erlassen worden ist. Als ich den Brief dann jedoch las, stellte ich fest, dass es um etwas ganz anderes ging: Man wolle mich in einer Betreuungssache anhören und es werde ein Sitzungstermin anberaumt. Ich habe das gleich an Frank weitergereicht, der dann Licht ins Dunkel brachte.

Das, was hier auch bereits einige Kommentatoren erwähnt hatten, hatte die Klinik, in der meine Mutter zur Zeit stationär behandelt wird, angeregt, nämlich die Einrichtung einer Betreuung. Aus einem dem Gericht vorliegenden Gutachten ergebe sich, dass meine Mutter psychisch krank sei und einige ihrer Angelegenheiten derzeit nicht selbst regeln könne. Man wollte nun mit mir reden, da meine Mutter wohl angegeben hat, dass ich die einzige nahe Verwandte sei, zur der sie noch Kontakt habe. Frank meinte: "Die fingen gleich an, es sei eine bürgerliche Pflicht, eine solche Betreuung zu übernehmen."

Was die aber nicht geschnallt haben, war, dass drei Türen weiter dasselbe Gericht gegen meine Mutter ein Näherungsverbot angeordnet hatte. "Ich habe denen gleich erklärt, dass der Sperrvermerk in den Einwohnermeldedaten, über den das Gericht bereits gestolpert war, eben wegen der Mutter eingerichtet worden war und deine Anschrift in der Akte nichts zu suchen hat", sagte er. Es sei ausgeschlossen, dass ich die Betreuung meiner Mutter übernehme. Zudem sei ich in einer körperlichen Verfassung, für die nach dem Gesetz ebenfalls eine Betreuung beansprucht werden könne - und das reiche wohl als formaler Ablehnungsgrund aus.

Das sah die Rechtspflegerin genauso. Im Gesetz steht tatsächlich, dass auch für körperlich behinderte Menschen (neben geistig und psychisch behinderten Menschen) ein Betreuer bestellt werden kann, wenn jemand sich mit den Aufgaben des täglichen Lebens überfordert fühlt. Der einzige Unterschied bei körperlich behinderten Menschen ist, dass diese nur selbst für sich einen Betreuer beantragen dürfen, nicht etwa ein Dritter oder das Gericht selbst (wie es bei geistig oder psychisch behinderten Menschen der Fall sein kann.)

Ich hatte mich bisher mit diesem Schritt, nämlich für meine Mutter eine Betreuung anzuregen, zurückgehalten, da ich die Folgen eines solchen Antrags nicht überblicken konnte. Nun ist mir diese Entscheidung abgenommen worden. Ich hoffe, es hilft meiner Mutter und sie findet ihren Weg. Heftig.

Kommentare :

Anonym hat gesagt…

Das klingt doch sehr nach "Happy End" (angesicht der Umstände natürlich!).
Deiner Mutter wird geholfen und du kannst dir ziemlich sicher sein, dass durch die Betreuung dafür gesorgt wird, dass sie dich in Ruhe lässt.
Vielleicht gibt es ja irgendwann mal eine Zukunft für euch.

Sally hat gesagt…

Gut, dass das jetzt endlich "geregelt" ist. :)

Anonym hat gesagt…

Ich würde dir dennoch empfehlen, die Betreuung zu übernehmen, weil du dann den besten Überblick darüber hast, was sie gerade tut.

Anonym hat gesagt…

@anonym hast du den Blog komplett gelesen??? Ist dir bewusst was es bedeutet die Beteuung fuer eine Psychisch Kranke zu uebernehmen???

Anonym hat gesagt…

@Anomym 14:16 Das waere so ziemlich das schlechteste was Jule machen koennte. Sie soll sich in dem Fall weiter an Frank halten, der wird schon das richtige machen.

Andreas

Anonym hat gesagt…

Lass das einen Berufsbetreuer machen. Mit dem kannst du dich zur Not ja auseinandersetzen (zur NOT!).
Ansonsten wird dieser ihre Sachen regeln und du hast Ruhe.

Ich hatte dir ja dazu geraten, ich komme schließlich aus diesem Bereich. Also keine Panik, das ist keine Entmündigung, es soll eine Hilfe für deine Mutter werden (auch wenn sie es erstmal nicht so sehen wird).

Ich beantworte zur Not auch kleine Fragen aus den Kommentaren.

Alles Gute!

Jule hat gesagt…

Ich werde die Betreuung nicht übernehmen, sondern mich dafür einsetzen, dass sie von einem anderen bestmöglich betreut wird. Würde ich die Betreuung selbst übernehmen, müsste ich mir andauernd den Vorwurf der Befangenheit anhören. Teilweise vermutlich zurecht, wenn es nämlich darum geht, mich vor meiner Mutter zu schützen. Also kommt das nicht in Frage.

Olli hat gesagt…

Möge das ganze wriken, denn ein Betreuer kann ich sicher das Kontaltverbot nochmal erläutern, aber Betreuer laufen ja nicht 24/7 nebenher.
Dennoch bin ich irgendwie vorsichtig optimistisch.