Freitag, 2. Dezember 2011

Geklautes Smartphone

Manchmal wünsche ich mir ernsthaft mehr Konsequenz, mehr Härte und weniger Gelaber. Vor allem, wenn sich Leute schlechtes Benehmen herausnehmen, um anderen zu schaden. Und erst recht, wenn ich die Geschädigte bin oder mich zumindest so fühle. Ich weiß, Eigennutz ist auch so etwas wie ein schlechtes Benehmen, aber wenn mir einer ans Bein pinkelt, möchte ich das zumindest nicht ungefragt ertragen müssen.

Die Rede ist von Andreas, einem wesentlich älteren Typen, der als Fußgänger in der parallel trainierenden Gruppe meines Triathlonvereins ist, also jene Leute, für die an einigen Wochenenden auf dem Elbdeich ein paar Straßen gesperrt werden und die sich dann mit uns Rollifahrern diese als Trainingsstrecke teilen. Eigentlich ist es anders herum, wir haben sie bekommen unter der Auflage, sie uns mit den Fußgängern zu teilen, aber ... egal, darum geht es gerade nicht.

Dieser Andreas behauptet allen Ernstes und mit ziemlichem Nachdruck, ich hätte ihn beklaut. Angeblich hätte ich ihm sein Smartphone, Neuwert um 250 Euro, aus seiner Tasche entwendet. Direkt gesehen habe er es nicht, er mache es ausschließlich daran fest, so schrieb er, als er von unserem Häuptling aufgefordert wurde, die Vorwürfe zu konkretisieren oder zurückzunehmen, dass ich regelmäßig in den Taschen der anderen Leute wühlen würde. Das habe er beobachtet und dafür gäbe es Zeugen.

Richtig ist, dass ich manchmal andere Taschen öffne. Wenn mich beispielweise Cathleen bittet, ihr Trinken mitzubringen. Oder wenn ich Tape brauche und meine Rolle gerade weg oder in anderer Verwendung ist. Ich gehe grundsätzlich nur mit Zustimmung des Besitzers an fremde Taschen, wobei ich zum Beispiel Simone, Cathleen, Yvonne, Nadine, Kristina und Merle nicht fragen muss, wenn ich ein Taschentuch oder ein Pflaster oder Tape oder ähnliches suche. Wir sind alle gegenseitig damit einverstanden, diejenigen dürfen auch an meine Tasche. Es ist wesentlich einfacher, vor allem, wenn man sonst bis zu 30 Minuten warten muss, bis der Betroffene wieder zurück ist, nämlich dann, wenn derjenige gerade am anderen Ende der Strecke ist.

So etwas hat Andreas wohl beobachtet. Die Taschen von Fußgängern habe ich allerdings noch nie geöffnet und natürlich klaue ich auch keine Smartphones. Egal ... in der schriftlichen Stellungnahme von Andreas stand wohl nur, dass dieser Schluss aufgrund seiner Beobachtungen naheliegend ist, er aber nicht beweisen könne, dass ich es wirklich gewesen bin. Für ihn sei das damit aber trotzdem nicht erledigt. Auch wenn er es nicht beweisen könne, er sei sich sehr sicher. Und auch wenn ihm das sein Smartphone nicht zurück brächte, mir würde der "Ärger" wegen dieser Sache zumindest verdeutlichen, dass man künftig wachsam sei. Schreibt er.

Ich habe in Absprache mit Frank lediglich geschrieben, dass ich eine solche Tat nicht begangen hätte und die Anschuldigungen zurückweise. Inzwischen bekam ich eine schriftliche Antwort des Vereinsvorsitzenden persönlich, dass seitens des Vereins diese Angelegenheit nicht weiter verfolgt werde und man mir rate, anwaltliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, sollte ich mich gegen weitere oder wiederholte Anschuldigungen des Andreas zur Wehr setzen müssen.

Na ganz klasse. Im Moment ist es echt genug, was so in meine Richtung abgefeuert wird. Das ist echt so hohl - als wenn ich es nötig hätte, ein geklautes Smartphone irgendwo für 75 bis 100 Euro zu verticken. Frank meinte schon, sollte dieser Andreas das nochmal irgendwo wiederholen, wird es teuer. Aus einer Strafanzeige wegen übler Nachrede käme vermutlich nicht viel heraus, aber auf die Unterlassungsklage freue er sich schon.

Kommentare :

Sally hat gesagt…

Oh je, die Langeweile der Leute um dich herum nimmt ja immer interessantere Formen an. *schnaub*

Ich drück dir die Daumen, dass dieser Scheiß sich einigermaßen friedlich klären lässt.

Liebste Grüße, der Pottspasti

Anonym hat gesagt…

Brauchst Du ein autonomes Rollkommando? ;)

Anonym hat gesagt…

Heute ist also wieder mal so ein Tag, an dem du Sche... magisch anziehst.

Schon klar... *g*

(sorry)

BigDigger hat gesagt…

@Anonym (14:15)
Ein autonomes Kommando würde wohl reichen - rollen kann sie selber... ;)

(@Stinki: Ich hoffe, den kannste ab...)

Anonym hat gesagt…

irgendwie sind nur noch Leute mit erheblichen Gehirnschäden in der Gegend (besonders deiner) unterwegs.

Alice hat gesagt…

Der hat sicher persönlich irgendwie was gegen dich. Echt scheiße :(

Anonym hat gesagt…

Ich finde Dich ja so egoistisch!!!! Deine Mutter ist schwerer erkrankt als du, was natürlich Unanehmlichkeiten für Dich bedeutet, aber das ist nun mal so, sie ist krank und dafür kann Sie nichts. Immerhin haben deine Eltern Versicherungen für dich abgeschlossen, von deren Geld du nun sehr gut lebst.
Du erwartest Hilfestellung und respekt für euch körperlich behinderte, wenn es z.b. um Aufzüge, Vergünstigungen etc. geht, aber dass du selbst (deiner kranken Mutter) hilft wo es wirklich angemessen wäre, da erwartest du sogar Verständis, wenn nicht sogar Beifall (sonst würdest du sowas nicht posten) für dein egoistisches Verhalten.

Nina

PS
Im Übrigen weiss ich genau von was ich rede, denn auch meine Mutter ist sehr schwer an einer Psychose erkrankt und ich habe sie NIE fallen lassen, auch wenn es nicht immer einfach war. Aber sie ist nunmal krank und hat sich diese Krankheit nicht ausgesucht und mein Beistand hilft ihr enorm!

Ulli hat gesagt…

Ich finde es immer wieder bemerkenswert, dass manche Leser dieses Blogs nach geschätzten 10 grossen Tassen Glühwein meinen, sie müssten sich hier äussern weil sie "ganz genau wissen" wie es sich anfühlt, in Deiner Position zu sein. Und da ja nun auch geklärt ist, dass Du - im Gegensatz zu Deiner Mutter - Dir das Leben im Rollstuhl ausgesucht hast (das Posting von Dir habe ich wohl überlesen), kannst Du das Geld, von dem Du nur leben kannst, weil Deine Eltern eine Versicherung für Dich abgeschlossen haben, an Bedürftige spenden. Und vielleicht solltest Du der Frau, die Dich umgenagelt hat, auch noch eine Weihnachtskarte schreiben und Dich dafür bedanken, dass es Dir - dank ihrer Versicherung - so gut geht. *Sarkasmus aus*

Ich hoffe wirklich, dass diese Kommentare nach 10 Glühwein zustande kamen - ich bin mir ziemlich sicher, dass NIEMAND, der diesen Blog von Anfang an durchgelesen hat, nüchtern so einen Blödsinn verzapfen würde.

Jule, lass' Dich nicht unterkriegen von solchen Kommentaren. Egoistisch ist so ziemlich das letzte Wort, das mir einfällt, wenn ich an Dich denke.

Trotz allem wünsche ich Dir einen schönen 2. Advent!

Anonym hat gesagt…

Jetzt kann ich nicht anders und muss mich auch zu Wort melden. Vielleicht mag man Jules Verhalten als Egoismus bezeichnen, aber dann finde ich ihn auch gerechtfertigt. Man muss doch nur mal sehen, was sie seit dem Unfall durchgemacht hat. Ich weiß nicht, ob ich diese Kraft gehabt hätte, mich so wieder ins Leben zu kämpfen ohne Unterstützung von seiner Familie. Klar ist Jules Mutter krank. Aber das kann doch nicht bedeuten, dass Jule deswegen ihr Leben danach ausrichten muss. Zumal es mir nicht scheint, als würde ihrer Mutter Unterstützung von Jules Seite helfen. Und es ist ja auch nicht so, dass Jule nicht versucht hat ihr zu helfen. Nur irgendwo gibt es dann auch eine Grenze meines Erachtens.

Liebe Jule,
danke für diesen Blog. Ich bin durch Zufall hierhin gekommen und freue mich immer über neue Einträge. Mach weiter so und ich wünsche dir viel Erfolg bei deinem Studium!

Anonym hat gesagt…

@Nina: Wieso postest du den Kommentar hier und nicht unter dem passenden Beitrag? Hier geht es doch um etwas ganz anderes.

F. hat gesagt…

@Nina: Jule hat ihren Beitrag, auf den du dich hier beziehst (es ist wohl der "Betreuung für meine Mutter" und nicht der "Geklautes Smartphone", dein Kommentar ist verrutscht), sehr gut geschrieben und wer zwischen den Zeilen lesen kann, merkt auch, das Frank ein Guter ist:

"Zudem sei ich in einer körperlichen Verfassung, für die nach dem Gesetz ebenfalls eine Betreuung beansprucht werden könne - und das reiche wohl als formaler Ablehnungsgrund aus."

Das heißt nichts weiter, als dass er es dem Gericht einfach macht, Jule von ihren bürgerlichen Pflichten (ein Betreueramt muss jeder übernehmen, der vorgeschlagen wird und für den es zumutbar ist) zu befreien, indem er einen formalen Grund liefert.

Damit muss das Gericht nicht mehr aufwändig prüfen, ob es auch inhaltliche Gründe geben würde. Und die gäbe es jedes Mal dann, wenn Betreuerin Stinkesocke für ihre Mutter Stinkesocke eine stationäre Unterbringung beantragen muss, weil Mutter Stinkesocke anlässlich ihrer aus dem Ruder laufenden psychischen Erkrankung es beispielsweise wieder auf Tochter Stinkesocke abgesehen hat. Betreuer Stinkesocke und Tochter Stinkesocke sind dann die gleichen Personen, Betreuer Stinkesocke damit persönlich betroffen, somit nicht mehr neutral, somit stets dem Vorwurf der Befangenheit ausgesetzt.

Ergo: Jule tut gut daran, die Betreuung nicht zu übernehmen, sondern sie einem fachlich versierten Berufsbetreuer zu überlassen, die einerseits Jule helfen kann, wenn die Mutter ihr wieder nachstellt, andererseits von Jule kontrolliert werden kann, wenn Jule glaubt, ihre Mutter werde nicht angemessen behandelt oder versorgt.

Egoistisch wäre es, wenn Jule sich um die Betreuung reißen würde, damit sie immer dann ein Unterbringungsverfahren anregen kann, wenn die Mutter ihr auf den Wecker geht.

Hannah hat gesagt…

Hallo liebe Jule,

mal etwas off-topic: Wann fängst du eigentlich dein Medizinstudium an? Ich dachte eigentlich, es wäre jetzt schon zum Wintersemester soweit gewesen, aber scheinbar ja nicht?!

Eigentlich kann ich nichts überlesen haben ;)

Viele Grüße
Hannah

Mike hat gesagt…

@ Nina anonymus

ich könnte zu deinem Sermon jetzt was längeres schreiben, unter anderem dass DU vermutlich nicht im Rollstuhl sitzt und nicht von deinen Eltern diesen Haufen Dünger vorgesetzt bekommen hast, wie Jule das passiert ist.

aber ich bin zu faul dazu
Deshalb nur ein Link, ganz alleine für dich
http://www.naturfotografie-digital.de/voegel/alle-meisen-fotos.php

Mike

Banane hat gesagt…

@Nina
Wenn du selbst dazu in der Lage bist, mit deiner psychisch kranken Mutter zurecht zu kommen und sie zu unterstützen, ohne selbst daran kaputt zu gehen, ist das eine tolle und bewundernswerte Sache.

Aber nur weil du das in deiner Situation schaffst, heißt das noch lange nicht, dass das Jeder schafft, der in irgendeiner Art und Weise psychisch kranke Familienangehörige hat - und wenn man das nicht früh genug einsieht und mit einer gesunden Portion Egoismus rechtzeitig die Reißleine zieht, geht man nur selbst an der Sache kaputt, wodurch der psychisch kranken Person sicherlich auch überhaupt nicht geholfen ist.

Genau wie ein Feuerwehrmann nicht in ein brennendes Haus gehen muss, um Menschen daraus zu retten, wenn er sich damit selbst in erhebliche Gefahr bringt, muss auch niemand einem Anderen auf andere Art und Weise helfen, wenn er selbst darunter stark leiden wird.
Das ist gesunder Egoismus, Selbstschutz oder wie man es auch immer nennen mag.

Weiterhin halte ich es auch noch für äußerst fragwürdig, ob Jule ihrer Mutter überhaupt irgendwie helfen kann.
Wie soll Jules Mutter diese Hilfe denn bitteschön annehmen können, wenn ihre aus ihrer Sicht zur großen Hilfsbedürftigkeit verdammte Tochter, die ihre Situation nicht überblicken kann und ihre Hilfsbedürftigkeit zu leugnen versucht, nun auch noch ihr helfen will? (Um die Sache mal aus der verzerrten Perspektive von Jules Mutter zu betrachten)

Davon, ob für Jule überhaupt irgendeine moralische Verpflichtung besteht, ihre Mutter zu unterstützen, obwohl sie selbst von ihrer Mutter keinerlei Unterstützung bekommen hat, als sie diese dringend nötig gehabt hätte (und ihr von ihrer Mutter in dieser Zeit sogar große Steine in den Weg gelegt wurden), möchte ich jetzt überhaupt nicht mehr anfangen. - Denn all die anderen Argumente sind schon völlig ausreichend dafür, dass es weder für Jule, noch für ihre Mutter sinnvoll ist, wenn Jule versucht, ihrer Mutter zu helfen.

Gruß
Banane

Laura hat gesagt…

@Nina:
Ähm, dass Jule querschnittsgelähmt ist, hast du aber schon mitbekommen? In puncto "deine Mutter ist viel kränker als du". Und wenn du hier schon Krankheiten gegeneinander aufrechnest, dann wirf doch mal einen Blick auf die Fürsorgebilanz zwischen den beiden. Ich denke, da schneidet ihre Mutter ziemlich schlecht ab, wenn man die Jahre seit dem Unfall betrachtet.

Es ist schön, dass du deine Mutter so gut unterstützt, aber vergiss bitte nicht, dass andere Leute ein anderes Verhältnis zu ihren Eltern haben, dass auch psychische Erkrankungen sich sehr voneinander unterscheiden können, und dass du überhaupt nur einen winzigen Teil von den ganzen Beziehungsverhältnissen kennst. Manchmal muss man sich auch als Kind von den Eltern zurückziehen dürfen, um sich selbst schützen zu können. Dann von Fremden als egoistisch bezeichnet zu werden, macht die Sache bestimmt nicht angenehmer.

Anonym hat gesagt…

Don't feed Trolls :)

Andreas (nicht der mit dem Smartphone)

Jule hat gesagt…

Ja, der Typ hat was gegen mich. Ich weiß nur nicht, was.

Nein, ich bin nicht gegen meine Mutter. Aber dagegen, mich für sie aufzureiben. Wenn ich ihr helfen kann, tue ich das sofort. Zur Zeit kann ich ihr nicht anders helfen. Und nein, die Betreuung werde ich nicht übernehmen. Wie schon gesagt wurde, ich bin befangen oder müsste mir diesen Vorwurf ständig gefallen lassen. Ich müsste im Zweifel einen Antrag stellen, der für mich und "gegen" meine Mutter ist. Das ist keine gute Idee. Ich werde mich aber bestmöglich dafür einsetzen, dass sie einen guten Betreuer bekommt und werde auch versuchen, einen guten Draht zu ihm zu bekommen.