Donnerstag, 22. Dezember 2011

Noch eine Erziehungsmaßnahme

Ganz so extrem wie bei Marion aus Marias Einrichtung war es bei uns nicht. Dennoch hat Frank zwei Tage vor Weihnachten kurzen Prozess gemacht und eine Mitarbeiterin, die eine Etage tiefer insbesondere für die Pflege der Zwillinge zuständig ist, gefeuert, nachdem diese sich geweigert hatte, die beiden nach einer Weihnachtsfeier auszuziehen und ins Bett zu bringen. Sie seien für spätestens 22.00 Uhr für einen telefonischen Abruf verabredet gewesen, letztlich hätten sie sie aber erst um 0.30 Uhr angerufen.

Die Zwillinge haben um 20.30 Uhr per SMS gefragt, ob es auch okay wäre, wenn sie erst nach Mitternacht kämen. Eine Antwort haben sie nicht bekommen, hatten um 21.00 Uhr und um 21.30 Uhr noch einmal angefragt und haben weiterhin keine Antwort bekommen. Um 0.00 Uhr haben sie sich ein Taxi gerufen und sind nach Hause gefahren. Die Pflegekraft, die dafür bezahlt wird, dass sie die beiden ins Bett bringt, hat sich, als die beiden anriefen, geweigert zu kommen. Es sei schon zu spät. Sie müssten alleine klar kommen. Letztlich haben sie dann andere Leute ins Bett gebracht.

Die Angestellte hat eine Rufbereitschaft, bekommt dafür Geld. Da sie in der Nähe unseres Hauses wohnt, geht sie in der Bereitschaftszeit nach Hause und lässt ihr Handy an. Das ist so abgesprochen. Sie war aber der Meinung, nach 22.00 Uhr gebe es nur noch Notfälle. Und das sei kein Notfall gewesen, da kalkulierbar. Man müsse sich die Bewohner "erziehen".

Sie hätte aber zumindest die SMS entsprechend beantworten können. Die Frau hat einen Arbeitsvertrag angenommen, bei dem sie Assistenz leisten soll, und zwar eindeutig rund um die Uhr. Sie wird dafür aus meiner Sicht angemessen bezahlt, hatte einen regulären Arbeitsvertrag, war aber zum Glück noch in der Probezeit.

Kommentare :

Anonym hat gesagt…

Froelicher Weihnachten.

War die Frau noch in der Probezeit?
Wenn nein, würde ich an ihrer Stelle Klagen. Dass sie die SMS nicht beantwortet hat war nicht nett.
Aber wenn sie nur für Notfälle Bereitschaft hat, hat sie Recht.

Gruß

M.

Mike hat gesagt…

@ Anonymus 23:50
Wenn man Rufbereitschaft hat, dann hat man gefälligst auch seine SMS zu lesen.
Fall 1: Gelesen und nicht beantwortet: Unprofessionelles Verhalten. Man hat die Kunden praktisch ins Offene Messer laufen lassen.
Fall 2: Nicht gelesen: Unprofessionelles Verhalten.

Im Übrigen ist so ein Verhalten aus "Erzieherischen Gründen" ebenfalls hochgradig unprofessionell. Ausserdem ziemlich unklug, wenn man sich noch in der Probezeit befindet.

LG
Mike

Ananas hat gesagt…

@23.50 Uhr: Spammst du hier ein bißchen rum?

Da steht doch, dass sie in der Probezeit war.

Da steht nicht, dass sie nur für Notfälle erreichbar zu sein hat.

Da steht, dass sie bereit zu sein hatte und man ihr erlaubt hat, diese Bereitschaft auch von zu Hause wahrzunehmen, weil sie in der Nähe wohnt.

Eine Assistenz hat anzutanzen, wenn jemand um 4 ein Glas Wasser will und das alleine nicht kann. Dafür wird sie bezahlt.

Kommt sie nicht, weil sie keinen Bock hat, ist das eine Arbeitsverweigerung und eine Abmahnung ist fällig. Macht sie das nochmal, fliegt sie raus.

Ist sie noch in der Probezeit, kündigt man ihr fristgemäß und ist die Dame los. Ich sehe keinen Fehler des Arbeitgebers und somit auch keine Möglichkeit, zu klagen.

Anonym hat gesagt…

Tschuldigung das mit der Probezeit habe ich überlesen. Ob sie nur für Notfälle Bereitschaft hat, wie sie meint oder generel kann nur der Arbeitsvertrag beantworten.

Aber das mit der Klage hat sich erledigt.

Gruß

M.

Anonym hat gesagt…

Eine Assistenz hat anzutanzen, wenn jemand um 4 ein Glas Wasser will und das alleine nicht kann. Dafür wird sie bezahlt.

Wenn sie dafür bezahlt wird hat sie gar nicht nach Hause zugehen, für sowas sollte (darf) es gar keine Bereitschaft geben.

Fall 1: Gelesen und nicht beantwortet: Unprofessionelles Verhalten. Man hat die Kunden praktisch ins Offene Messer laufen lassen.
Fall 2: Nicht gelesen: Unprofessionelles Verhalten.

Mag sein, aber wenn auf eine SMS keine Antwort kommt rufe ich an, dann gibt es kein Missverständnis und ich könnte die Pflegekraft gleich zusammenfalten.

Gruß

M.

Jule hat gesagt…

Sie ist als Assistenz angestellt, sie bekommt Geld dafür, dass sie bei allen von ihrem Auftraggeber gewünschten "alltäglichen Verrichtungen des täglichen Lebens" assistiert. Das kann das Umblättern einer Zeitungsseite genauso wie das Einschenken eines Glases oder das Zuschneiden eines Stück Fleisches sein. Oder das Schreiben eines Briefes. Sie soll die Tätigkeiten ausführen, die jemand gerne tun möchte, aber wegen seiner Behinderung nicht tun kann.

Eindeutig fallen darunter keine Leistungen, die man sonst von Pflegepersonal erwarten würde. Daher ist mit den einzelnen Auftraggebern (also den Menschen mit Behinderung, die dafür zahlen) vereinbart, in welchem Zeitraum die Leistung erbracht werden muss. Je größer der Zeitraum, um so einfacher zu disponieren, um so billiger. Gibt es niemanden, der die Assistenz in den ersten 30 Minuten nach Auftrag haben will, richtet der Träger (also der Verein) nur einen Bereitschaftsdienst ein. So wie hier geschehen.

Die beiden, die da auf der Party waren, sind noch sehr jung und unerfahren. Eigentlich hätten sie nicht fragen sollen, sondern einfach den Auftrag für die Zeit erteilen, für die sie die Assistenz brauchen.