Montag, 2. Januar 2012

Probewohnen für Maria

Frank hatte es schon richtig eingeschätzt: Es wird nicht einfach. Seit heute morgen sind diverse Leute im Dauereinsatz, um Maria ein vierzehntägiges Probewohnen bei uns zu ermöglichen. Nicht, weil Maria selbst diese Leute in Atem hält, sondern weil, insbesondere wegen der fehlenden Vorlaufzeit, viel zu viel zu organisieren ist.

Pünktlich um acht heute morgen rief der Geschäftsführer der Einrichtung bei Frank an. Maria habe keinen Anspruch auf Urlaub. Und das, was sie vorhat, sei Urlaub. Maria hätte mindestens sechs Wochen vorher anmelden müssen, dass sie für 14 Tage ein Probewohnen veranstaltet. Ansonsten riskiere sie, dass der Heimvertrag fristlos gekündigt wird und/oder das Sozialamt die Mittel streicht. Immerhin zahle das Sozialamt ja nicht für ein leeres Zimmer und ein Leerstand passe nicht in die Kalkulation ihrer Einrichtung. Frank wurde für 12 Uhr zum Gespräch bestellt. Maria würde auch dorthin kommen.

Frank telefonierte mit dem Sozialamt und bekam die Auskunft, dass es keineswegs direkte Auswirkungen habe, wenn Maria über 14 Tage ein Probewohnen mache. Mit großen Einrichtungen gebe es Pauschalverträge und keine Einzelverträge für jeden Bewohner. Die Einrichtung müsse nur eine gewisse Auslastung erreichen. Ein gewisser Leerstand sei bereits einkalkuliert. Und zudem dürfe in begründeten Einzelfällen abgewichen werden. Probewohnen, Krankenhaus, Kur - das alles seien Begründungen für einen Einzelfall. Kurzum: Der Geschäftsführer hatte allenfalls interne Interessen. Die genannten waren vorgeschoben.

Da Maria ihr Pflegebett nicht mitbringen konnte, mussten wir kurzfristig eins organisieren. Ein befreundeter Inhaber eines Sanitätshauses, rund 250 Kilometer von Hamburg entfernt, disponierte kurzfristig eine Tour um, damit ein Leihbett noch heute ausgeliefert und aufgestellt werden konnte.

Um 12 Uhr fuhr Frank mit mir zusammen zur Zentrale der Einrichtung, in der Maria wohnt. Als wir dort aufkreuzten, teilte uns der Geschäftsführer mit, dass in Abwesenheit von Maria aus rechtlichen Gründen nicht über sie geredet werden könne. "Und wo ist Maria?" - "Wir haben keinen Gesprächsbedarf mit ihr", sagte der Geschäftsführer. Und fügte hinzu: "Sie machen hier die Unordnung." - "Sie haben mich doch gerade herbestellt, weil Sie mit ihr und mir reden wollen", konterte Frank. - "Wir haben Ihnen angeboten, zusammen mit Maria über die Sache zu sprechen. Das ist was anderes. Da Sie Maria nicht mitgebracht haben, kann das Gespräch nicht stattfinden." - "Sie haben nicht gesagt, dass wir Maria mitbringen sollen." - "Ja meinen Sie, dass wir sie herholen? Sie wollen doch was von uns."

Worauf Frank mit einem Grinsen antwortete: "Also stimmen Sie dem Probewohnen zu." - "Nein." - "Nein? Sie haben doch gerade gesagt, Sie hätten keinen Gesprächsbedarf mehr. Ich habe ihn auch nicht, ich schließe daraus breite Einigkeit. Komm Jule, das neue Jahr fängt gut an." - "Moment mal." - "Sie wollten doch in Abwesenheit von Maria nicht reden. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen sechsten Advent." - "Machen Sie sich nicht lächerlich. Falls Sie vorhaben, Maria heute abzuholen, müssen Sie damit rechnen, dass Sie bei uns Hausverbot bekommen. Ich habe meine Mitarbeiter angewiesen, notfalls die Polizei zu rufen." - "Wem von uns beiden erteilen Sie jetzt Hausverbot? Mir oder ihr? Oder uns beiden?" - "Noch gar keinem, Sie hören schwer, oder?" - "Neenee, ich wollte nur sicher sein. Achso ... was haben Sie eigentlich gegen ein Probewohnen?" - "Maria ist hier bestens aufgehoben." - "Das ist Ihre Ansicht. Die müssen Sie als Geschäftsführer ja auch haben. Vielleicht gelangt Maria eben durch dieses Probewohnen ja zu derselben Ansicht." - "Ich habe noch weitere Termine. Bitte entschuldigen Sie mich."

Wir rollten nach draußen, Frank stieg in mein Auto ein, ich verstaute seinen Rollstuhl im Kofferraum, dann stieg ich ein, verlud meinen Stuhl, keine Viertelstunde später standen wir bei Maria vor der Tür. Vor der Einrichtung blockierte ein blau weißes Auto den einzigen Behindertenparkplatz. "Die sind jetzt aber nicht unseretwegen hier, oder?" fragte ich Frank. - "Ich rechne mit allem." - Ich parkte mein Auto quer über zwei andere Parkplätze. Als wir durch die Automatiktür rollten, wurden wir herzlich in Empfang genommen. Ein netter Herr in Uniform fragte: "Guten Tag! Wohnen Sie hier?"

Frank antwortete: "Nein, wir möchten jemanden besuchen." - Eine uniformierte Frau kam um die Ecke, hielt sich an ihrem Notizblock fest. Der Mann sagte: "Darf ich mal Ihren Ausweis sehen?" - "Na klar, darf ich vorher den Grund der Überprüfung erfahren?" - "Eine allgemeine Personenkontrolle." - "In einem Privatgebäude?" - "Ausweis bitte." - Frank holte seinen Personalausweis aus der Tasche.

"Zu wem möchten Sie denn?" fragte der Mann weiter. - "Zu Maria ...", antwortete Frank. - "Wir sind von der Einrichtung um Hilfe gebeten worden, weil Sie angeblich beabsichtigen, eine Bewohnerin zu -sagen wir mal in Gänsefüßchen- entführen. Können Sie uns dazu was sagen?" - "Wir entführen niemanden. Wir möchte nur jemanden besuchen." - "Der Leiter der Einrichtung ist damit nicht einverstanden. Er bittet Sie, das Haus wieder zu verlassen." - "Hat er einen Grund genannt?" - "Das muss er nicht. Er nimmt hier das Hausrecht wahr." - "Das sehe ich etwas anders. Die Bewohnerin wünscht unseren Besuch. Besuchsrecht bricht Hausrecht." - "Die Bewohnerin steht hier unter Betreuung." - "Ihre Information ist falsch. Die Bewohnerin wohnt hier und wird hier gepflegt. Aufgrund eines von ihr geschlossenen Heimvertrages. Es gibt keinen gesetzlichen Betreuer. Selbst wenn, hätte der unter Garantie nicht die Aufgabe, über Freundschaften und Besuche seiner Betreuten zu regeln. Jeder Bewohner darf Besuch empfangen. Es ist eine angemessene Tageszeit und Sie müssten schon ganz gravierende Gründe benennen können, wenn Sie das Besuchsrecht einer Bewohnerin einschränken wollen, weil es für den Betreiber der Einrichtung nicht zumutbar sein soll."

"Naja, wenn Sie vorhaben, eine seiner Bewohnerinnen zu entführen, wie gesagt in Gänsefüßchen, dann wäre das ein gravierender Grund." - "Von einer Entführung kann nicht die Rede sein. Maria ist volljährig, sie hat keinen Betreuer, bestimmt also selbst darüber, wo sie sich aufhält. Selbst wenn es einen Betreuer geben würde, müsste nicht nur das Aufenthaltsbestimmungsrecht bei ihm liegen, sondern das Gericht müsste auch noch einen Einwilligungsvorbehalt angeordnet haben, damit der Betreuer sich im Einzelfall über den Willen der Betreuten hinwegsetzen könnte." - "Sie kennen sich damit sehr gut aus. Sind Sie Jurist?" - "Ich bin Rechtsanwalt. Und Vorsitzender eines Vereins, der ebenfalls eine Wohneinrichtung für Menschen mit Behinderungen unterhält. Die junge Dame ist eine enge Freundin der Maria. Maria möchte aus dieser Einrichtung ausziehen und sucht eine andere Einrichtung. Wir haben Maria ein Probewohnen bei uns angeboten und diese Einrichtung möchte es mit allen Mitteln verhindern." - "Warum sollten sie das tun?" - "Das müssen Sie die Einrichtung wohl selbst fragen. Ich schlage vor, wir reden mal mit Maria. Dann können Sie sich einen eigenen Eindruck verschaffen, ob hier jemand gegen seinen Willen verschleppt oder entführt wird."

Gesagt, getan. Vom Personal war noch niemand aufgetaucht, was sich aber schnell änderte. Maria hatte gerade drei Sätze gesagt, als der Geschäftsführer, der uns vor zwanzig Minuten hat abblitzen lassen, auftauchte. Soviel zu Thema 'Ich habe noch Termine.' Er gab sich mächtig aufgeregt und faselte etwas davon, dass Maria einen Heimvertrag unterschrieben hätte und dort stünde drin, dass Urlaub sechs Wochen vorher zu genehmigen sei. Woraufhin Frank antwortete: "Sie können in den Vertrag reinschreiben, was Sie wollen. Sie können aber Maria aufgrund eines Vertrages nicht dazu zwingen, ein Haus nicht zu verlassen. Unser Grundgesetz garantiert Freiheit als eines der höchsten Rechtsgüter. Sie haben vielleicht Schadenersatzansprüche, wenn Ihnen durch den Vertragsbruch von Maria tatsächlich ein Schaden entstehen sollte. Sie können den Vertrag vielleicht sogar kündigen. Aber Sie können von Maria keine tatsächliche Erfüllung verlangen. Das wäre sittenwidrig."

"Sie wissen doch genauso gut wie ich, dass bei Maria nichts zu holen wäre. Also bleiben wir auf den Kosten sitzen. Das ist unzumutbar, also könnten wir fristlos kündigen. Aber das können wir wiederum nicht, dann wären Sie der Erste, der mit Fürsorgepflicht kommt. Nehme ich doch wohl mal ganz stark an." - "Lassen Sie sich mal rechtlich beraten. Und fragen Sie Ihren Anwalt auch gleich, welche Rechte Maria hätte, wenn ihr Vertrauensverhältnis wegen wiederholter Misshandlungsfälle grundlegend erschüttert wäre." - "Misshandlungsfälle?" horchte der Mann in Uniform auf. - "Die Heimaufsicht ermittelt schon", antwortete Frank. Und fuhr fort: "Ich schlage vor, Sie stimmen dem Probewohnen zu. Ihnen entgeht dadurch kein Cent, denn wir finanzieren das Probewohnen aus eigenen Mitteln. Sie bekommen Ihre Gelder pauschal von der Sozialbehörde, das wissen wir beide. Ich verstehe nicht, warum Sie mit solchem Nachdruck verhindern wollen, dass es Maria besser geht."

"Maria geht es hier gut." - "Objektiv gesehen haben Sie vielleicht Recht. Aber es zählt doch auch das subjektive Empfinden. Wenn sie glaubt, woanders besser aufgehoben zu sein, verstärken Sie dieses Empfinden doch nur, wenn Sie ihr verweigern, sich woanders umzusehen. Vielleicht merkt sie dabei ja, dass es anderswo schlechter ist, bricht nach drei Tagen das Probewohnen ab und will davon die nächsten zehn Jahre nichts mehr wissen. Oder eben nicht - dann können Sie sich der Kritik und dem Wettbewerb aber nicht dadurch stellen, indem Sie Ihren Bewohnern verbieten, das Haus zu verlassen."

Der Geschäftsführer verließ das Zimmer mit den Worten: "Ach machen Sie doch, was Sie wollen." Kaum war er draußen, fiel Maria Frank um den Hals. Seit heute spätnachmittag haben wir nun eine weitere (noch sehr glückliche) Bewohnerin, erstmal zur Probe, ein Pflegebett, leihweise für zwei Wochen, eine neue Mitarbeiterin, die für zwei Wochen Praktikum macht und im Rahmen einer kurzfristigen Beschäftigung entlohnt wird, und die Aufgabe, eine Finanzierung zu finden, wenn Maria bei uns bleiben will. Wir müssen uns dann also mit Maria zusammen darum kümmern, dass Pflegekasse, Krankenkasse und Sozialamt gemeinsam so viel Geld zahlen, dass Maria die Pflege- und Assistenzleistungen bekommt, die sie wirklich braucht. Für die Zeit, in der sie Probewohnen macht, hat jemand, der nicht namentlich genannt werden möchte, 5.000 € zweckgebunden an den Verein gespendet, der unser Wohnprojekt trägt.

Maria lebt also nun für zwei Wochen in einem tollen, aber völlig kargen Zimmer. Sie hat nur ihre nötigsten Dinge und entsprechend Kleidung dabei. Ihre Wangen glühen vor Aufregung. Und ihre erste Handlung war übrigens: Ein warmes Vollbad nehmen.

Kommentare :

Madame chaos hat gesagt…

Bin schon gespannt wie es weitergeht :)

Sally hat gesagt…

Was für ein verdammter Zirkus. -.- Unglaublich.
Aber nach dem Start kann's nur noch gut werden. :)

Michi hat gesagt…

Das sind ja echt unmenschliche Zustände in diesem Heim. Das macht mir Angst!

lg

Anonym hat gesagt…

Es ist eine verdammte Schande, dass da so ein Theater gemacht wird. Da wird über eine volljährige Frau, die geistig absolut klar ist, über ihren Kopf hinweg bestimmt und entschieden, als wäre sie ein Hund. Von diesen widerlichen Pflegerinnen, die mit "erzieherischen Maßnahmen" auf Resultate von körperlicher Beeinträchtigung reagieren will ich gar nicht erst anfangen. Ich wünsche Maria aus tiefstem Herzen, dass das Probewohnen funktioniert und sie endlich so selbstbestimmt leben kann, wie es ihr zusteht!

Banane hat gesagt…

Das sieht ganz danach aus, als ob der Leiter des Heimes möchte, dass gewisse Dinge, die für ihn und seine Mitarbeiter ziemlich unangenehm werden könnten, das Heim Verlassen. - Und zu diesen Dingen gehören eben auch Marias Erfahrungen.
Da kann man nur hoffen, dass die eingeschalteten Behörden in diesem Laden mal kräftig aufräumen und dass die Verantwortlichen für ihre Fehler zur Rechenschaft gezogen werden.

Kaum zu glauben, dass so etwas in der heutigen Zeit in unserem angeblichen "Rechtsstaat" überhaupt möglich ist.

Ansonsten wünsche ich Maria noch mal alle Gute und wünsche ihr von ganzem Herzen, dass das Probewohnen funktioniert und dass sie es mit eurer Hilfe schafft, die ganzen organisatorischen Dinge zu regeln, um in eurer Wohnprojekt dauerhaft wohnen zu können.

Gruß,
Banane

Anonym hat gesagt…

Ich kann kaum glauben was ich hier lesen. Vielleicht sollte man sich (zusammen mit Maria?) mal an die oberen Behörden wenden und ein wenig vorsprechen. Sowas ist doch wirklich kaum zu glauben. Eigentlich müsste so etwas sofort in die Zeitung oder ins TV, aber vermutlich wollt ihr eure Anonymität in gewisser Weise bewahren (was ich auch verstehen könnte).

Ein herzliches Dank geht von mir auch an den anonymen Spender, der Maria auf diese Weise sicher einen Traum erüllt hat!

M.

Anonym hat gesagt…

Der anonyme Spender heißt aber nicht Jule?

Anonym hat gesagt…

@Anonym 1: "Resultate körperlicher Beeinträchtigung" ist es ja nicht, wenn sie absichtlich in die Hosen pisst, weil sie keine Lust hat, mit der Schwester auf Klo zu gehen.

Ich weiß auch nicht, ob ich dazu Lust hätte, jemanden zu waschen, der sich absichtlich vollgepisst hat. Einmal vielleicht, aber ständig wieder?

Aber deshalb bin ich ja auch nicht in der Kranken- oder Behindertenhilfe tätig.

Chrstin hat gesagt…

@M: Was soll das Fernsehen da bringen? Meinst du, das hier ist der erste und einzige Fall, bei dem das so ist? Ich war über Jahre in der Altenpflege tätig und kann mir diese Zustände lebhaft vorstellen. Bei uns bekamen die Leute Windeln umgebunden, damit sie nicht zu oft aufs Klo gesetzt werden mussten. Und Verdauungshemmer - dito. Wenn ihnen dann die Scheiße bis zum Hals stand, bekamen sie Abführmittel. Wenn jemand nicht mehr essen konnte, wurde ihm das Essen hingestellt, wenn er es nach 30 Minuten nicht aufgegessen hatte, wurde es wieder abgeräumt. Der wurde nicht gefüttert, es wurde abgeräumt. Irgendwann bekam derjenige dann künstliche Ernährung, weil er ja zu dünn wurde. Und so weiter.

Als kleines Licht bist du erstmal froh, nach 3 Jahren Ausbildung einen Job zu haben und sagst nicht viel. In der Ausbildung bekommst du vieles auch einfach nicht mit. Später musst du dich entscheiden: Entweder du trägst diese Zustände mit oder du suchst dir einen anderen Job. Ich hab mich für das zweite entschieden - aus Gewissensgründen.

Ich kann mir, ohne die Einrichtung zu kennen, die Zustände sofort vorstellen. Wenn sich jemand beschwert, ist es ein Einzelfall - oder er wird später nackt mit dem Rollstuhl durch die Anlage geschoben oder kalt geduscht ... wenn man keine Angehörigen hat, die da mal auf den Putz hauen, ist man verloren.

Insofern: Holt sie da raus, gebt ihr die Würde, die sie verdient, und organisiert euch Pflege und Assistenz selbst. Das ist das beste, was man machen kann, solange es geht, und solange es bezahlbar ist.

Frau Wollholz hat gesagt…

Sagenhaft, was Ihr so alles auf die Beine stellt - immer wieder Hut ab!
(Und im übrigen Prost Neujahr!)

Anonym hat gesagt…

@Chrstin, nur weil es heutzutage beinahe üblich ist, die Leute so zu behandeln, weil keine Zeit ist, muss man das ganze nicht noch verstecken. Nur wenn man die Allgemeinheit darauf Aufmerksam macht, kann etwas passieren. Für mich haben die Leute die so etwas zulassen schlicht kein Gewissen. Wenn ich mich also dafür entscheide, in so einem Beruf zu arbeiten, dann sollte ich das auch vernünftig tun. Kann ich das nicht, und sei es wegen eines erdrückendes Chefes, so sollte ich mir einen neuen Job suchen. Natürlich macht es die angespannte Personalsituation nicht besser, aber deshalb einfach so weiter machen... neee!

M.

Anonym hat gesagt…

Ich hab mich schon bei den früheren Geschichten aus Marias Heim aufgeregt, jetzt kann ich auch nur mit dem Kopf schütteln.
Unglaublich was da abgeht. Unglaublich, wie mit Menschen umgegangen wird...

Ich hoffe so so so, dass es eine Möglichkeit für Maria gibt bei euch zu bleiben. Ich drücke ganz fest die Daumen!

Aber eine Frage hab ich, was passiert wenn es nicht klappen sollte?
Geht Maria dann zurück in dieses Heim? Kann man dann nicht wenigstens nach einer besseren Einrichtung Ausschau halten? Sie kann doch dorthin nicht zurückkehren!

Liebe Jule, ich finde deinen Blog wirklich klasse und habe ihn in den letzen Wochen von hinten bis vorne gelesen.
Deine Einträge haben mich zum Teil geschockt, zum Teil auch ärgerlich gemacht auf die Menschen mit denen du dich zu oft rumärgern musst. Aber ich habe mich auch immer wieder gefreut, wenn dir was gutes passiert ist. Auf jedenfall haben sie mir viele Denkanstöße gegeben und mich vieles mit anderen Augen sehen lassen.
Vielen Dank dafür. Und für die Zukunft wünsch ich dir weniger fiese Begegnungen und mehr nette!

LG
Angelina

Jule hat gesagt…

Vielen Dank für die Kommentare und von mir auch noch ein frohes neues Jahr!

@Banane: Frank und ich denken auch, dass das der Grund ist. Dass Maria und andere nicht plaudern, liegt doch nur daran, dass sie unter dem Druck der Abhängigkeit stehen. Klar, dass man mit aller Macht verhindert, dass sich an diesen Verhältnissen etwas ändert.

@Anonym 17.31: Der anonyme Spender wäre, wenn ich jetzt einen Namen nennen würde, ja nicht mehr anonym, oder? :D

@Angelina: Es gibt noch verschiedene Probleme zu lösen, eins davon ist eine dreimonatige Kündigungsfrist. Verschiedene Stellen müssen überzeugt werden, dass sie Gelder an anderer Stelle bereitstellen. Es ist alles wirklich nicht einfach, auch wenn sich das vielleicht alles recht einfach liest. Frank hat heute bestimmt fünf Stunden lang nur am Telefon gehangen (und wie er sagt nichts erreicht). Ob Maria in diese Einrichtung zurück geht, entscheidet sie selbst.

Das Problem ist aber folgendes: Die meisten Pflegeeinrichtungen orientieren sich an einem Patienten, der nicht in der Lage ist, seine Bedürfnisse klar zu kommunizieren und seine Hilfe abzurufen. Damit ist jetzt nicht gemeint, dass er klingelt, wenn er gelagert werden möchte oder Bescheid sagt, wenn er pinkeln muss, sondern dass derjenige seine Pflege selbst organisiert. Das heißt: Derjenige wohnt irgendwo und kümmert sich selbst, vielleicht mit anderen Betroffenen zusammen, darum, dass er die Hilfe, die er braucht, bekommt. Und wie er sie finanziert, muss er auch selbst rausfinden. Im Fall unseres Wohnprojekts hilft dabei ein gemeinnütziger Trägerverein.

Das heißt soviel wie: Nicht die Kirche oder die Stadt mietet ein Haus und stellt fünf Leute ein, die sich um einen Haufen Behinderte kümmern, sondern der Haufen Behinderte mietet selbst ein Haus und stellt selbst Personal ein, tut sich dazu zu einem Verein zusammen.

Maria ist zu fit, um sich in einem Pflegeheim täglich sagen zu lassen, wann sie auf Klo gehen muss. Daher muss für sie eine andere Lösung her. Ob das letztlich unser Wohnprojekt ist, müssen wir alle herausfinden.

Annike hat gesagt…

Ich wünsche euch und Maria von ganzem Herzen, dass sie bei euch glücklich wird und ihr Maria mit eurem wohnprojekt helfen könnt und euch das nicht überfordert.

Liebe Grüße
Annike

Anonym hat gesagt…

Hey Jule,

mal ganz doof gefragt, wenn du sagst sie ist zu fitt für ein Pflegeheim und das Probewohnen klappt nicht: es gibt in Deutschland etwas das sich "Betreutes Wohnen in Gastfamilien" nennt, so wohl für psychisch erkrankte Menschen als auch für Menschen mit Behinderung. Die Menschen, die für Pflegeheime zu fitt sind, haben so die Möglichkeit so weit es geht selbstbestimmend zu leben in einem familiären Rahmen und haben bei der Bewältigung ihres Alltags trotzdem Unterstützung. Gibt es das in Hamburg auch bzw. wäre es eine Alternative zu einer Unterbringung im Heim?

grinseliese hat gesagt…

alle Daumen hoch für den Spender!

Anonym hat gesagt…

Jule, was benötigt denn Maria alles an Assistenz? Also welches Personal in welcher Zeit? Vielleicht findet sich zur Not über diese tolle Leserschaft hier jemand geeignetes (oder kennt jemanden).

Anonym hat gesagt…

Wenn es ums Geld gehen sollte: Könnt ihr nicht ein zweckgebundenes Konto für Maria einrichten und die Daten hier veröffentlichen? Es gibt bestimmt nicht viele, die, wie der edle Spender, 5000 Euro Spenden können. Aber viele kleine Beträge helfen auch und wenn es dafür dient, die Kosten für den 3monatigen Kündigungszeitraum zu finanzieren.

M.

Jodie hat gesagt…

Na, wenn das nicht mal dreist ist! Maria hat ein Recht darauf, eigene Entscheidungen zu treffen, und ich finds gut, dass ihr es durchgezogen habt. Ich freue mich für Maria, dass sie so eine Chance bekommt und hoffe, das alles gut läuft. (:

LG
Jodie, von A Girls Diary

Simone hat gesagt…

Es ist so unglaublich. Ich hatte Tränen in den Augen, als ich von dem Umgang mit Maria gelesen habe. Leider ist das in Deutschland kein Einzelfall. Umso mehr drücke ich euch und Maria die Daumen, dass das mit dem Probewohnen so klappt, wie ihr euch das vorstellt und dass Maria ein würdiges Leben führen kann. Ich hoffe, bald ein erstes Resumé von dir zu Lesen. Btw: Jule, Hut ab vor Deiner Leistung und Dein Engagement.
Alles Liebe,
Simone von
sdiekmannphotography

Anonym hat gesagt…

Jule, magst du mal schreiben wie es läuft?

baka hat gesagt…

Ja genau.. ich schau auch tgl hier rein, ob es Neuigkeiten gibt..

lbg baka

Olli hat gesagt…

Respekt und Dank an die spendende Person.
Und wieder weiss ich, warum ich kein Fernsehen gucke. Mein Leben ist nicht unspannend, dann noch hier dieso so authentisch wirkenden, einen in die Situation quasi hineinholenden Schilderungen - was sollte ich da Zb mit Reality-TV?
Lustog fast schon dass der Heinbetrieber meint, Euch nur mit zwei fußgängerigen Uniformträgern abhalten zu können, der muß ja wirklich Schiß haben.