Dienstag, 14. Februar 2012

Nett, aber nutzlos

Mitleid ist meist nur oberflächlich betrachtet eine gute Emotion. Meist steckt dahinter eine besondere Form der Verachtung, das Urteil: "Nett, aber nutzlos."

Eine deutliche Aussage der Sozialpsychologin und Princeton-Professorin Fiske, die sich mit der Entstehung von Vorurteilen beschäftigt und dabei auf zwei grundsätzliche Dimensionen gestoßen ist: Von der Wärme, die ein Mensch auf einen anderen ausstrahlt und von seiner Kompetenz hänge es ab, wie wir ihn einschätzen.

Im Rahmen verschiedener Studien hat sie etliche Menschen in einen Magnetresonanztomografen geschickt und die verschiedenen Aktivitäten im Hirn der Probanden gemessen. Dabei fiel auf, dass viele Menschen zum Beispiel Obdachlose oder Drogenabhängige als Objekte betrachten und nicht als menschliche Wesen. Ein unbewusster Vorgang als Ergebnis eines über den Lauf der menschlichen Evolution und Geschichte andauernden überlebenswichtigen Verhaltens, dem Vergleichen mit anderen zur Bestimmung des eigenen sozialen Status.

Man habe herausgefunden, dass die Bestimmung des eigenen sozialen Status auf zwei Ebenen geschehe, nämlich durch die Beurteilung von Wärme und Kompetenz des Gegenübers. Ein erfolgreicher Aktienhändler gelte dabei eher als kühl, ein mittelständischer Handwerker als warm. Generell werden Mitglieder der Gruppe, in der man sich selbst sieht, eher als warm angesehen, Menschen, die sozial über oder unter einem stehen eher als kalt. Zusammen mit der Kompetenz, die man einem Menschen zuschreibt (Alte, Behinderte, Arme, Sozialhilfeempfänger, Obdachlose haben dabei eher eine niedrige Kompetenz, während man sich selbst und Vorbildern, Experten, erfolgreichen Menschen, Reichen eine eher hohe Kompetenz zuschreibt), ergeben sich vier unbewusste Empfindungen.

In der eigenen Gruppe findet sich eine hohe Kompetenz zusammen mit starker Wärme, die Stolz auslöst, in der Gruppe der erfolgreichen über sozial über einem selbst angesiedelten Menschen findet sich eine hohe Kompetenz bei schwacher Wärme. Diese lösen bei den meisten Probanden Neid aus.

Bei den Menschen, denen man eine niedrige Kompetenz zuschreibt, gibt es bei schwacher Wärme (Arme, Sozialhilfeempfänger, Obdachlose) regelmäßig Verachtung und Ekel, während bei starker Wärme (Alte, Behinderte) regelmäßig Mitleid entsteht.

Zusammengefasst behauptet Fiske also, behinderten Menschen begegnen wir instinktiv mit Mitleid, wir verknüpfen ihren Anblick unbewusst mit starker Wärme und wenig Kompetenz. Möchte man nun diesem Wärme-Kompetenz-Modell folgen, habe ich kaum eine Chance, dem Mitleid meiner Mitmenschen zu entkommen. Was sich in der Evolution und Geschichte in die Hirne der Menschen eingebrannt hat, werden wir in unserer kurzen Lebenszeit nicht ändern können. Shit.

Kommentare :

Anonym hat gesagt…

ist in diesem konzept nicht irendwo jeder kalt und inkompetent? ist das nicht der ganz normale Wahnsinn

b hat gesagt…

Fehlbildung, mangeldes Eigeninteresse und Verdrängung bestimmen das heutige Denken der Menschen. Es gibt kein Allheilmittel. Es gibt aber bestimmte "Schalter" die es zu finden gilt, mit denen man es jedem Menschen klarmachen könnte :) und das sind bei jedem Menschen andere. Nicht nur bezogen auf "falsches" Mitleid, sondern auch auf grundlegend negative Emotionen wie zum Beispiel Aggressionen oder Depressionen.

Das Orangenmaedchen hat gesagt…

Hmm, ich gehe eher davon aus, dass die Menschen Behinderung mit Hilflosigkeit oder Hilfsbedürftigkeit gleichsetzen; sprich: Behinderte sind auf die "normale", "gesunde" Bevölkerung angewiesen und da sowieso niemand den armen Behinderten hilft, muss man eben selbst beispringen.
Manche, so empfinde ich, sehen es als ihre Aufgabe, den anderen zu zeigen, dass man den Behinderten helfen muss und helfen dann dementsprechend mit einer Lautstärke ... es ist ihnen aber nicht zu verübeln, bedenkt man mal das Bild, was der Öffentlichkeit, der Gesellschaft vermittelt wird: Es gibt nur zwei Arten von Behinderung: Entweder man sitzt im Rollstuhl oder man ist kognitiv eingeschränkt (im Volksmund "geistig behindert"). Fehlt dir ein Arm, ein Bein, etc... ist das noch halbwegs normal, könnte ja von einem Unfall etc. herrühren, es sieht "normal" aus, denn das KANN ja keine andere Ursache haben. Sobald man aber "anders" aussieht als die anderen Behinderten, ist man geistig behindert. Punkt. Da gibt es nichts dran zu rütteln. Viele denken durchaus aus, sehr viele, vorwiegend Generation 40+ (soweit MEINE Erfahrung). Manche denken, man hatte einen Unfall (auch ein großer Teil des Restes) und bemitleidet einen und denkt: "Meine Güte, hat die es schwer, die muss was durchgelebt haben! Die hatte doch bestimmt nicht die Möglichkeit, sich damit zurechtzufinden!" Und zack, ist das Hilfebedürfnis da; und damit auch das Mitleidsgefühl. Die allerwenigsten kommen dazu, dass es ja von Geburt an sein könnte und dann wird mit Contergan assoziiert.
Meine Behinderung ist ja nicht soooo offensichtlich, aber dennoch scheinbar soweit ausreichend, dass einige dies mit Hilflosigkeit, etc. gleichsetzen, oder, besser: Geistig behindert. Anekdoten davon gibt es viele in meinem Leben.
In meinem Kochkurs hingegen hat sich ein Bild scheinbar mittlerweile entwickelt, das besagt: Behinderte sind nicht behindert, die sind genauso wie du und ich. Das hat man mir ganz offen gesagt, vorher konnten sie damit nicht so wirklich was anfangen, wussten nicht, wie man darauf reagieren soll, etc... manchmal hilft es wirklich, mit den Leuten einfach zu reden, sofern sie ein ernsthaftes Interesse treibt.
Mein Motto: Der Schmetterlingseffekt macht es möglich. Was die Leute beeindruckt oder ihr Bild ein klein wenig auf den Kopf gestellt hat, tragen sie weiter, sie erzählen es, denn wir Leute sind ab und an dann doch ganz gerne ein Plaudermaul.

Manchmal zu viel, manchmal zu wenig, manchmal auch einfach nur zu unverschämt und unhöflich neugierig (Stichwort Miktion).
Im Großen und Ganzen befürworte ich, wenn die Leute einen FRAGEN, wie man zurecht kommt. Meistens wird dann gefragt, WOHER man das hat und nicht WARUM. Ernsthaft interessierte Leute sind wirklich interessiert und bemitleiden einen nicht offensichtlich, sofern sie es tun, nein, wie gesagt, sie sind interessiert.

Genug gequasselt, ich drehe mich im Kreis ;)

Gabriela hat gesagt…

Also Mitleid in dem Sinne, wie es in dem Text beschrieben wird habe ich ehrlich gesagt mit dir nicht.
Ich habe bei einigen deiner Texte Mitgefühl, allerdings nicht wegen deiner Behinderung, sondern aufgrund der beschriebenen Situationen, wenn ich mir dann vorstelle, mir wäre dies oder jenes passiert. Mitleid und Mitgefühl sind für mich aber auch wieder zwei vollkommen verschiedene Dinge.
Generell habe ich großen Respekt vor dir und dem was du machst. Wie du dich aufgerappelt hast, wie du dein Leben meisterst, wie du mit den schwierigkeiten des täglichen Lebens umgehst.

e hat gesagt…

"Möchte man nun diesem Wärme-Kompetenz-Modell folgen, habe ich kaum eine Chance, dem Mitleid meiner Mitmenschen zu entkommen. Was sich in der Evolution und Geschichte in die Hirne der Menschen eingebrannt hat, werden wir in unserer kurzen Lebenszeit nicht ändern können. Shit."
Hm also... Was du da referierst ist genau das: ein Modell, und als solches nicht die Realität, sondern eine Interpretation, die bestimmten Ideologien/Implikationen/Logiken/Repräsentationssystemen folgt. Will sagen: Dass man mit einem MRT etwas sehen kann (außer Flecken, und meinetwegen noch Synapsen), und dass die Evolution oder das Hirn die Menschen bestimmen - das ist nur eine Sichtweise der Dinge . Ok, es ist die, die du im Studium größtenteils kennenlernen wirst, und wenn es darum geht, ein gebrochenes Bein zu versorgen oder einen Tumor, dann ist es auch die praktischste. Aber wenn es darum geht, Menschen, Gesellschaften, Systeme zu verstehen, dann gibt es neben diesen naturalistischen/materialistischen/szientifistischen Modellen noch andere (und hey, die geben sogar zu, Modelle zu sein, in aller Konsequenz).
Was ich sagen will: Deine Lebenswirklichkeit hat nicht notwendig mit diesen Studien zu tun - zumindest nicht soweit, dass sie ein Grund sind, aufzugeben... Weder alltagapraktisch (ok, tust du eh nicht), noch intellektuell. An dieser Stelle sollte man nicht aufhören, nachzudenken, sondern damit anfangen.
Hast du dich mal mit Disability Studies beschäftigt? Wenn ja und für irrelevant befunden? Ok, bin schon still ;)
Wenn nein und interessiert: Meld dich, dann gab ich dir ein paar Lektüretipps.
Unbekannte Grüße

Anonym hat gesagt…

Studien sind mir, mit Verlaub gesagt, zum Großteil zu einseitig. Wenn man mit einer Studie versucht einen Beweis zu belegen, dann schafft man i.d.R. das auch. Was mir hierbei deutlich fehlt, ist die Berücksichtigung des Faktors wie lange ein Prozeß im Inneren ablaufen kann, bis ein "richtiges Bild" bewertet werden könnte. Da kann ich gut persönliche Beispiele nennen. Als Azubine war ich wie andere Azubis auch für Azubiarbeiten "verdonnert". U.A. der Einkauf für die Personalküche. Dazu durfte ich zu Fuß durch eine volle Einkaufspassage, weil nur bei dort befindlichem Kaffeeshop ein Großteil der Einkäufe getätigt wurde. Beim Rauskommen bin ich bis unter beide Arme vollgepackt, an der Nase kratzen wäre nicht möglich gewesen. Ich wurde von einem Obdachlosen angesprochen (ca. 20-25 Jahre alt) "haste mal ne Mark". Der innere Ärger, der dabei in mir aufkam (hervorgerufen durch die Aussicht nun noch ein gutes Stück zurück laufen zu müssen, vollgepackt und der will nun allen ernstes daß ich auch noch eine Hand frei mache um nach einer Mark zu greifen) ließen mich angesäuert sofort anworten "nee, mit Sicherheit nicht!" Diese Reaktion wirkte auf meinen Gegenüber und das ohne, daß er die weiteren Hintergründe, die ja nur in meinem Kopf nachzuvollziehen waren, wissen konnte. Nachträglich blieb dieses Ereignis bis heute (36 Jahre nun) in mir fest abgespeichert. Auch spätere weitere Erfahrungen mit Obdachlosen, eine damit andere als damals in mir vorhandene Sichtweise/Gedankenwelt zu Obdachlosen, kann nichts daran Ändern, daß ich immer wieder zuerst dieses Erlebnis in meinem Gedächtnis aufrufe. So eine MRT-Studie ist bei der Aufnahme eine Momentaufnahme. Sie würde also in diesem Fall bei mir nicht das wahre in mir vorhandene Bild widerspiegeln können.
Solche Studien haben darum für mich nicht selten den einzigen Zweck, in Schubladen zu packen. Ich bestreite nicht, daß es solche sofortigen Gedanken/Gefühle/Einstellungen gibt. Das tägliche normale Leben beweist es auch ohne Studie. Deine hier ebenfalls im Blog erzählten Erfahrungen sprechen ebenso für sich. Dennoch bin ich mir sicher, so eine Studie würde an mir mit Sicherheit ein vollkommen anderes (für diese Studie passendes) Bild aufkommen lassen, als es wirklich vorhanden ist. Eine Studie auf MRT-Aufnahmen zu basieren ist dabei auch so eine Sache für sich. Ich kenne MRT-Studien (z.B. MS) und ich weiß ein wenig mehr über die Magnetresonanztomographie als der damit nicht vertraute Teil. Wie es ein anderer Kommentator vor mir bereits anmerkte, man kann Vorgänge in einem Gehirn erkennen. Aber das sind Momentaufnahmen. Selbst Studien wie bei MS und anderen Erkankungen sind über jahre hinweg getätigte Langzeitstudien, manche laufen noch immer seit es die MRT gibt und werden weiterhin laufen. Dadurch nun gleich ein Urteil für eine Studie fest zulegen, in meinen Augen schon sehr gewagt. Das es in Schubladen packt, beweist schon die ein oder andere Aussage von Kommentatoren zu diesem Blogeintrag. Für mich schafft sowas nicht Annäherung sondern noch weitere Distanz.

Gruß, S.

Anonym hat gesagt…

Irgendwie wieder so ein Psychologen-Blabla mit Schubladen denken und packen. Was natürlich wieder nicht bedacht wird ist das es überall Ausnahmen gibt und man auch anders über die Personen denken kann. Was auch problematisch meiner Ansicht nach ist, dass nicht das Individuum betrachtet wird sondern eher Gruppen von verschienden Personenkreisen und man diesen auch noch Attribute nachsagt die sich im Grunde nicht auf jeden einzelnen beziehen können.

Dementsprechend kann man solche Studien in die Tonne treten, denn es reicht schon aus wenn man ein paar Gegenbeispiele aus der Realität aufzählt und dementsprechend ist die Studie nichts mehr wert.

Deswegen nichts auf sowas geben was Professoren von sich geben, den zu 60 -70 % haben die keine Ahnung wie es in der Realität abgeht ;)

Grüße Snake

Anonym hat gesagt…

hey jule,
also ich habe eigentlich kein mitleid mit dir, wenn ich rollstuhlfahrer allgemein sehe aber meistens doch, da (wie du auch oft eindrucksvoll beschreibst) diese ja im alltag mit vielen hindernissen (und sei es nur die ignoranz der anderen) hadern müssen. direkt mangelnde kompetenz zu unterstellen finde ich aber sehr gewagt und auch zu weitläufig formuliert, immerhin gibt es vielfältige gebiete, in denen man kompetent sein kann oder auch nicht.

ich habe bei mir zb festgestellt, dass ich insbesodere auf die soziale kompetenz der anderen achte (und auch eher neidisch bin ;) ). ich glaube nicht, dass sich eine meinung diesbezüglich beim gegenüber eines rollstuhlfahrers direkt nur auf grund seines rollstuhls manifestiert.

ich denke, dass die jeweiligen umstände (mit menschen umgeben oder nicht, fröhlich/traurig) da eher rückschlüsse zulassen und diesen auch mehr beachtung geschenkt wird.

ich lese deinen blog zwar noch nicht allzu lang aber wirklich gerne, finde aber doch irgendwie manchmal dass man eine art bitterkeit heruashört was den umgang fremder menschen mit dir und dem rollstuhl angeht.

vielleicht könntest du da ja auch etwas nachsichtiger sein, es gibt nunmal "idioten" die es gut meinen, dir dabei aber auf die nerven gehen. sowas erleben aber die meisten leute ebenso. abgesehen davon können oder haben sich viele auch sicherlich noch nicht allzu intensiv in die lage eines rollstuhlfahrers versetzt um angemessen zu reagieren.

trotzdem möchte ich dir natürlich ein lob für deinen interessanten schreibstil und deinen mut und deine klugheit (neid ;) aussprechen!
lg nadine

Xin hat gesagt…

Interessante These, inkompetente Schlussfolgerung. ^^

Natürlich hat man Mitleid, wenn man jemandem im Rollstuhl sieht. Das erklärt ja auch den Wunsch zu helfen, irgendwas muss man ja tun, das ist doch ungerecht, dass Du im Rollstuhl sitzt. Und das Ergebnis sind dann unbeholfene Fussgänger, die auch nicht wissen, was sie jetzt tun sollen und in ihrer Überforderung Blödsinn machen oder reden über den Du bloggen kannst.

Ich hatte eine Zeit einen Blinden in der Bekanntschaft. (Mal zur Abwechslung statt "Mein Mann saß auch mal im Rollstuhl" :-D) Der tut mir auch leid. Dem half ich auch... irgendwie, so gut ich konnte und durfte. Aber der hat den gleichen akademischen Abschluss wie ich, arbeitet und verdient Geld, zahlt Steuern führt ein gutes Leben. Und nett und humorvoll ist er auch noch. Er sieht halt nix.

Und am Anfang wusste ich auch nicht, was ich mit dem anfangen soll. Darf man lachen, wenn er gegen ein Straßenschild rennt (das sahen wir mal durch Fenster). Darf man ihm erzählen, dass man gelacht hat, weil man es gesehen hat. Einfach weil's lustig aussah. Bonk! :-)
Ist das politisch korrekt über einen Blinden zu lachen?
Natürlich hat man Mitleid. Und das ist auch nichts negatives, denn es die Grundlage für Hilfsbereitschaft. Würde keiner Mitleid zeigen, hätte auch keiner einen Grund für Behinderten-Parkplätze oder Aufzüge. Mitleid ist Teil der Empathie, sich in die Lage anderer hineinzuversetzen.
Dem willst Du doch nicht entkommen!?
Und trotzdem haben wir ihm gesagt, dass wir ihn gesehen haben, als er im Straßenschild einschlug und uns dann "mit"einander darüber lustig gemacht. Er hört ja auch, wenn wir vom Stuhl kippen und lacht mit. So what?

Nur den Schluss, dass man Dich als nutzlos ansieht, den ziehst Du selbst und ganz alleine. Da draußen laufen genug kalte Seelen rum, aber hey... "Meist steckt dahinter" ist auch nur ein Vorurteil. Nur weil ich Dich auf der Straße nicht ansprechen würde, heißt das nicht, dass ich Dich übersehe. Es heißt nur, dass ich verstehe, dass Du nicht von mir - einem Fremden - zugetextet werden möchtest. Darum gehe ich weiter. Obwohl ich durchaus neugierig bin, Fragen hätte, Dich interessant finde, weil Du nicht das Leben führst, wie ich es führe. Trotzdem habe ich Mitleid und bezahle gerne und freiwillig meine Steuern, damit damit auch behindertengerechte Zugänge, Schulen, Sportstätten geschaffen werden, von denen ich selbst überhaupt nichts habe.

Mitleid ist nicht negativ. Mitleid ist der Zusammenhalt, wenn einer behindert ist - körperlich, geistig oder einfach, weil er 'nen schlechten Tag hat, quasi Spaßbehindert ist, und man weiß, dass man da mal einen in den Arm nehmen muss, weil man mit leidet. Mitleid ist ein wichtiger Teil vom "Wir", von Zusammenhalt. Und eine Empfindung, die man vorrangig den Menschen zuteil werden lässt, von denen man glaubt, dass sie benachteiligt - eben behindert - sind. Du kannst nicht gehen, also geht bei mir der Schalter um: "Kann ich Dich unterstützen?"

Und ob Du nutzlos bist, bestimmst Du selbst und das weißt Du vermutlich auch selbst. Wärst Du nutzlos, hättest Du nicht soviel zu schreiben und ich nicht soviel zu lesen. ^^
Die Frage, ob man nutzlos bin, wird übrigens auch Fussgängern gestellt und nicht wenige glauben von sich selbst nutzlos zu sein und von anderen so angesehen zu werden - ganz ohne Behinderung. Dafür muss man auch nicht Drogenabhängig oder Obdachlos sein.