Samstag, 10. März 2012

Die andere Seite

Der Kommentar von Stefan zu meinem letzten Beitrag ist nicht das einzige dieser Art, zwei weitere habe ich nicht veröffentlicht, weil sie nach Meinung eines Juristen mit dem Strafrecht nicht vereinbar wären. Drei Mails zu dem Thema habe ich gelöscht.

Ich möchte noch ein paar ergänzende Informationen liefern, die diejenigen, die nach harter Arbeit viel in die Sozialsysteme einzahlen, weiter auf die Palme bringen. Portugal zahlt für die monatlichen Leistungen, die Maria hier bekommt, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, keinen Cent. Auch die Krankenbehandlungskosten und ihre Pflege bzw. Assistenz zahlt alleine der deutsche Steuerzahler. Vielleicht kommt mal ein Krankenhausaufenthalt dazu, vielleicht sogar eine stationäre Rehamaßnahme ... zusammengenommen wird man von einer jährlichen Summe von derzeit rund 100.000 € für eine ehemals kriminelle Ausländerin ausgehen müssen.

Warum zahlt Portugal nicht? Weil Maria deutsche Staatsbürgerin ist. Sie hat Portugal verlassen, als ein deutsches Forschungsprojekt in den 1990er-Jahren europaweit Kinder und Jugendliche suchte, die wie Maria erkrankt waren. Da das Erkrankungsbild sehr diffus und vielfältig und auch leicht verwechselbar ist (dieselben Anfangssymptome treten beispielsweise auch bei einem simplen Vitaminmangel auf, aber auch bei viel schwerer verlaufenden ähnlichen Erkrankungen), war ein Meilenstein in der Forschung gefunden, als man 1996 den Genort einer Mutation im Erbgut fand und nun per Blutuntersuchung bestimmen konnte, welche Erkrankung vorlag. Damit hatte man einen Startschuss abgefeuert für viele Forschungsprojekte: Endlich konnte man klar benennen, welche Menschen unter Marias Krankheit litten und welche an einer anderen mit ähnlichen Symptomen und entsprechend forschen.

Da die Erkrankung die häufigste ihrer Art ist, jedoch insgesamt nur selten vorkommt und sich auch nur rezessiv (also mit Überspringen einer Generation) weitervererbt, war es sehr schwierig, für diese Langzeitforschungsreihe geeignete Probanden zu finden. Daher wurden europa- und später sogar weltweit Kinder und Jugendliche gesucht. Marias Eltern konnten sich damals aussuchen: Entweder sie ließen ihre Tochter in Portugal, wo sie damals keine angemessene Schulbildung erhalten hätte und vor allem keine medizinische Versorgung, oder sie trennten sich von ihr und schickten sie nach Deutschland, wo sie aufgrund eines Forschungsprojektes die beste medizinische Versorgung bekommen sollte, die es zu der Zeit dafür gab. Dazu eine Schulausbildung und eine Unterbringung in einer Pflegefamilie. Im Gegenzug durften deutsche Mediziner an ihr forschen. Das Projekt wurde damals für fünf Jahre angelegt, insgesamt rund 60 Kinder und Jugendliche wurden damals dafür nach Deutschland geholt. Als Maria nach Deutschland kam, konnte sie noch frei laufen.

Heute, etwa 15 Jahre später, sind diese Forschungen insgesamt lange beendet. Man hat keine Therapiemöglichkeit für diese Erkrankung gefunden. Außer bestmögliche Pflege, Physiotherapie, Logopädie und eine gute Hilfsmittelversorgung sowie soziale Teilhabe gibt es keinen wirksamen Ansatz - bei allen Menschen, die ihre Erkrankung haben.

Als Maria 16 Jahre alt war, war ihr Krankheitsverlauf, kurz vor Ende des Projektes, bereits so weit fortgeschritten, dass sie im Rollstuhl saß. Die Rückführung nach Portugal war damals verpflichtend vorgesehen, wurde damals aber von deutschen Behörden ausgesetzt: Man stelle sich mal vor, eine Familie, die sich von Weinbau ernährt und ihren täglichen Bedarf über ein paar Tiere deckt, bekommt nach fünf Jahren plötzlich ein pflegebedürftiges Kind zurück, das sie, als es noch relativ gesund war, in ein fremdes Land geschickt hat, damit es dort behandelt wird. Diese Verantwortung wollte damals niemand übernehmen. Und aus heutiger Sicht muss ich sagen: Man war auf diese Situation anscheinend schlecht vorbereitet.

Maria hat in Deutschland ihr Abitur gemacht, spricht akzentfrei unsere Sprache, ist inzwischen deutsche Staatsbürgerin und hat in Deutschland sehr wohl in die Sozialkassen eingezahlt. Von 2003 bis 2005 hat sie studiert (in der Zeit natürlich nicht) und von 2005 bis 2010 hat sie in einer Behindertenwerkstatt gearbeitet. Und dabei Arbeiten gemacht, die die meisten Leute nicht mal anleiten wollen würden - für einen Stundenlohn von etwa 63 Cent brutto.

Ich habe Maria gefragt, insbesondere weil es von einem Kommentator zu meinem letzten Post aufgegriffen worden war, was sie damals genau gemacht hat, als sie mit 17 oder 18 Jahren, in ihrer "heftigen Zeit" geklaut, geschlagen, betrogen und Behinderte geärgert hat. Sie sagte: "Ich bin mit 12 von zu Hause weg, in ein fremdes Land, weil es angeblich das Beste für mich sein sollte. Ich konnte nur meine Muttersprache, kein Englisch - und hier keiner Portugiesisch. Alle sprachen Deutsch. Meine Pflegefamilie war sehr bemüht, ich lernte Deutsch auch sehr schnell. Mir wurde immer gesagt, ich könne vermutlich nie nach Hause zurück. Ich habe meine Eltern jahrelang nicht gesehen, so etwas wie Urlaub oder Familienheimfahrt gab es nicht. Telefon hatten meine Eltern nicht, wir konnten uns nur schreiben. Ich versuchte, in meiner Pflegefamilie einen gewissen Eltern-Ersatz zu finden - bis die mich dann mit 16, als meine Behinderung immer schlimmer wurde, in ein Heim gaben. Damals bekam ich 60 Mark Taschengeld im Monat, musste mir davon aber Kleidung, Kosmetik und laufend Schulsachen kaufen. Geld für eine CD oder Kino war nicht drin. Oft hat es nicht mal für eine Tüte Gummibärchen gereicht und oft wurden auch schon Gelder abgezogen für Frisör, Medikamente oder Fahrdienste. Manchmal habe ich in einem Monat nicht einen Pfennig in bar in der Hand gehabt, hatte aber schon Schulden, die im nächsten Monat gegengerechnet wurden. Da kommt man irgendwann schonmal auf dumme Ideen."

Ich fragte nach: "Was hast du denn konkret gemacht?" - "Süßigkeiten im Supermarkt geklaut. Ich bin sogar mal erwischt worden, als ich eine Tüte Gummitiere in meinem Rucksack hab verschwinden lassen. Da kam plötzlich der Ladendetektiv hinter mir her. Allerdings habe ich mich erfolgreich rausreden können. Eine Sporthose habe ich auch mal geklaut, das hat keiner gemerkt. Und einmal habe ich einer Lehrerin von mir 100 Mark geklaut. Die hatte ihre Handtasche neben dem Tisch stehen, direkt vor mir, offen, ich habe sie während des Unterrichts unauffällig zu mir rangezogen, habe zwischen alten Taschentüchern und einer Schnapsflasche ihr Portmonee gefunden, es rausgezogen, es geöffnet und dann mindestens sechs- oder siebenhundert Mark gesehen. Ich habe einen Hunderter rausgezogen, in meine Hosentasche gesteckt, alles wieder verschlossen und die Tasche zurückgeschoben. Es hat nie jemand gemerkt. Ich habe das nie zurückgegeben, allerdings hat das noch Jahre später immer wieder mein Gewissen belastet. Ich habe das irgendwann mal gebeichtet und mir dann geschworen, nie wieder zu klauen. Seitdem habe ich mich auch daran gehalten."

"Und wen hast du geschlagen und betrogen?" - "Naja. Man löst Probleme verbal. Wenn mich im Heim einer geärgert hat, habe ich mir auch schonmal mit körperlicher Gewalt Respekt verschafft." - "Gab es Tote und Verletzte?" - "Treten konnte ich nicht, koordiniert schlagen auch nicht, derjenige musste mir also schon sehr nahe gekommen sein und dann hatte er es meistens auch verdient. Geblutet hat aber niemand meinetwegen. Und was das Betrügen angeht ... wenn du einen Jugendlichen fragst, ob er seinen Pudding schon bekommen hat oder das Geld für ein Schulbuch, ist er entweder ehrlich oder er betrügt und hofft auf einen Vorteil. Eine Zeitlang gehörte ich zu denjenigen, die immer versucht haben, Profit daraus zu schlagen, dass andere schlecht organisiert sind oder Dinge vergessen haben. Allerdings habe ich sehr schnell gemerkt, dass es meiner Glaubwürdigkeit schadet. Weil mir Glaubwürdigkeit sehr wichtig ist, habe ich es schnell wieder gelassen."

Ich bin der Meinung, dass alles das nicht rechtfertigt, dass eine Krankenkasse jemanden schikaniert. Ja, sie soll prüfen, bevor sie eine Leistung bewilligt. Aber das gilt für alle gleichermaßen. Eine noch so kriminelle Vergangenheit rechtfertigt nicht, Leistungen vorzuenthalten. Und wer völlig ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein. Über den E-Rolli wurde übrigens noch immer nicht entschieden.

Kommentare :

Sally hat gesagt…

Also, ich persönlich empfinde "Marias kriminelle Vergangenheit" als nichts, worüber man sich lange aufregen muss. Klar, was sie gemacht hat, war weder nett noch erlaubt, aber meine Güte. Dabei ist niemand ernsthaft zu Schaden gekommen und Maria hat aus diesen Fehlern gelernt.

Was mich ja noch interessieren würde: Hat Maria, seitdem sie hier in Deutschland ist, ihre Eltern mal wieder gesehen? Besteht noch Kontakt zu ihren damaligen Pflegeeltern

Vio hat gesagt…

Liebe Jule,

verrätst du uns wie Marias Krankheit genau heißt, würde mich rein medizinisch interessieren.

Anonym hat gesagt…

Ich frage mich ehrlich, woher diese Infos über Maria kommen. Ich lese ja schon lange deinen Blog, kann mich aber an solche Details nicht erinnern. Falls ich sie überlesen haben sollte, streicht diesen Satz aus seinem Gedächtnis.

Nichtsdestotrotz finde ich diese Rechtsfertigung nicht gut. Es geht niemanden was an, was Maria "verbrochen" hat. Da haben einige Kommentatoren sicher mehr Schei.. gebaut! Aber nein... der arme Steuerzahler muss für diese "Nichtsnutze" aufkommen.

Ich könnte kotzen...

Anstatt anderen ihre zurückerhaltene Freude und Selbständigkeit (egal in welchem Maße) zu gönnen, wird dieser Blog mal wieder für eigene Polemik genutzt.

M.

hubert hat gesagt…

und wenn maria willentlich getöte hätte, wäre ihr deshalb ihre würde als mensch abzusprechen?!

Johanna hat gesagt…

Also ich bin wesentlich "krimineller" gewesen als Maria, ebenso wie ungefähr jeder andere Jugendliche in meinem Umfeld damals auch. Und das ganz ohne meine Heimat verlassen zu müssen, ohne Heimaufenthalt und mit mehr als 60 Mark Taschengeld. Und oho - ich bin nichtmal in einem sozialen Brennpunkt aufgewachsen und im Gefängnis ist auch keiner gelandet.

Heute zahle ich gerne meinen Beitrag für Menschen, die Hilfe brauchen. Egal ob aus Deutschland oder Timbuktu oder Portugal.

Ich drücke Maria weiterhin fest die Daumen, dass der E-Rolli bald kommt und der aktuelle Rolli ihr erhalten bleibt.

Und zuletzt würde ich einigen Menschen fast schon wünschen, mal schwer zu erkranken, weil das scheinbar die einzige Möglichkeit für sie ist, ihren Horizont über den Tellerrand hinaus zu erweitern.

fassungslose Grüße, Johanna

Anonym hat gesagt…

Maria hätte die deutsche Staatsbürgerschaft niemals bekommen dürfen. Heute ist Voraussetzung, dass man nicht von Sozialleistungen abhängig sein wird, das war damals anscheinend noch nicht so eng gesehen worden. Ich kann es in gewisser Weise schon nachvollziehen, wenn sich Leute aufregen. Man selbst kommt teilweise kaum über die Runden, arbeitet und arbeitet und hat teilweise zwei Jobs, um seine Kinder durchbringen zu können, und dann kommt einfach mal jemand daher, setzt sich ins gemachte Nest, beschmutzt das auch noch mutwillig (sie kann selbst entscheiden, wann sie atmet und pinkelt, da pinkelt sie halt auf den Fußboden) und bekommt hier alles serviert.

Ich will nicht falsch verstanden werden, ich bin schon dafür, dass Leute Hilfe bekommen, aber jetzt auch noch Ansprüche stellen (Assistenz buchen statt in den Pflegeablauf eines Heimes eingebunden werden, neuer E-Rollstuhl plus Zimmerrollstuhl), das geht in meinen Augen zu weit.

Solange jemand von Geldern lebt, die er nicht selbst mit Arbeit verdient hat, hat er keinerlei Ansprüche zu stellen.

Rosa hat gesagt…

Warum sollte die Staatsbürgerschaft davon abhängig sein, dass man nicht an einer angeborenen Krankheit leidet.
Im Gegensatz dazu finde ich, es hätte nie passieren dürfen, dass man ein Kind aus einer intakten Familie herausreisst, weil es für die Forschung interessant ist, es dafür in eine Land holt, wo es die Sprache nicht kann und ihm dann 5 Jahre später erzählt, das Forschungsprojekt ist vorbei, leider gab es kein Ergebnis, helfen können wir dir nicht.
PS: ich bin vor ein paar Monaten auf deinen Blog gestoßen und lesen ihn seitdem begeistert.

Johanna hat gesagt…

@Anonym um 15:33

Also bei solchen Aussagen platzt mir der Kragen. Maria sollte deiner Meinung nach also weiterhin im Heim vergammeln und es nicht wagen, auch noch irgendwelche Ansprüche zu stellen? Dir geht es ernsthaft zu weit, dass ein Mensch sich ein würdevolles Leben wünscht?
Wenn ich glauben würde, dass du dafür zugänglich bist, würde ich dir ja mit auf den Weg geben, dass du nicht über Menschen urteilen solltest, in deren Schuhen du nie gelaufen bist. (Sorry, no pun intended, geht um die Aussage des Sprichwortes)


Man, da fehlen mir echt die Worte... Danke Jule, dass du solche Kommentare veröffentlichst. Dadurch merken hoffentlich einige Leser, dass Solidarität und Menschenwürde Werte sind, die noch viel bekannter, lebendiger und öffentlicher werden müssen.

Ich hoffe einfach nur, dass Jule und Maria über solchen feindlichen Äußerungen stehen.

Banane hat gesagt…

@Anonym, 15:33 Uhr:
Was Maria beansprucht, ist eine absolute Selbstverständlichkeit, die ihr nicht nur von unserem Grundgesetz, sondern auch durch die Menschenrechte ohne jegliche Bedingungen zugesprochen wird: Ein Leben in Würde.

Und wenn ich nach meinem Studium einen Haufen Steuern und Sozialabgaben zahlen werde, ist es mir viel lieber, wenn von diesem Geld ein Elektro-Rollstuhl für Maria, o.Ä. finanziert wird als wenn das Geld unter dem Deckmantel der "Griechenland-Hilfe" den Banken in den Rachen geworfen wird oder es einem Griechen als Rente für seinen längst verstorbenen Vater gegeben wird...

hottizotti hat gesagt…

@Anonym um 15:33:

Und wo ziehst Du die Grenze welcher Mensch es "wert" ist unterstützt zu werden und welcher nicht? Hat z.B. ein behindertes Kind aus einer Hartz-IV Familie nur Anspruch auf die Grundversorgung, während das behinderte Kind der arbeitenden Eltern darüber hinaus gefördert werden sollte, weil diese ja in die Sozialkassen einbezahlt haben?
Kinder sind abhängig von den Lebensentscheidungen ihrer Eltern. Aber nimmt das in Deinen Augen dem betroffenen Menschen lebenslang jedes Recht auf ein schönes Leben in Würde und weitesmöglicher Selbstbestimmung?

Ich habe das große Glück nicht krank oder behindert zu sein - das ist nicht mein Verdienst. Aber ich bin trotzdem sehr froh in einer Solidargemeinschaft zu leben die ihre schwächsten Mitglieder nicht fallen lässt, völlig unabhängig davon was diese FINANZIELL dazu beitragen. Menschlich bereichern sie diese Gemeinschaft ohnehin, wie jeder Mensch das auf seine ganz eigene und besondere Weise tut.
Schlimm genug das Menschen die auf Hilfe oder Hilfsmittel angewiesen sind ohne Ende Steine in den Weg gelegt werden, schlimm genug das man einen körperlich beeinträchtigten Menschen aufgrund seiner mangelnden körperlichen und sprachlichen Fähigkeiten meint bevormunden und "beherrschen" zu können - muss ein solcher Mensch sich nun noch anhören das er es gar nicht wert ist, eine bestmögliche Lebensqualität zu haben???
Ich finde es unfassbar das man diese Meinung vertreten kann...

Gruß,
Judith

Anonym hat gesagt…

Ich muss mich nochmal äußern, weil ich diese Kommentare (@ 15:33) so abartig finde (sorry).

Wenn Maria also die vorbildliche Deutsche gewesen wäre und dann zb durch einen Unfall den gleichen Anspruch wie jetzt benötigt hätte, dann hätten diese Kommentatoren ihr diesen also gegönnt? Wenn ja, dann hat das für mich schon wieder einen so wiederlichen Geschmack nach rechts...

Ich glaube fast jeder hätte sein Kind für so eine Sache hergegeben (wir wissen ja nicht wie viel geforscht wurde), denn es wurde ihr immerhin eine rosige Zukunft vorausgesagt, die die Eltern eh hätten nicht bringen können.

Ich hoffe dieser Kommentator muss als Rentner niemals staatl. Unterstützung beantragen, weil er auf Grund zu geringem Gehalts nicht genug Rentenpunkte gesammelt hat, um sein Leben selbst zu finanzieren.... DANN versteht er vielleicht, was es heißt, ein Sozialstaat zu sein. Er hätte ja schließlich was Vernünftiges lernen können, um genug Geld zu sparen...(Achtung, Ironie...)

pfeffermiinz hat gesagt…

@Anonym: Wie wenig Empathie kann ein Mensch eigentlich haben? Dein Kommentar macht mich wirklich fassungslos.

Maria kämpft tagtäglich mit ihrer schweren Erkrankung - das ist sicherlich mehr Arbeit, als so mancher von uns leistet. Auch wenn sie nicht zum Bruttosozialprodukt beiträgt.

Jeder Mensch in dieser Situation hat die bestmögliche Versorgung verdient und all die Hilfsmittel, die er benötigt um ein möglichst autonomes Leben leben zu können.

Wer auf diese Hilfen nicht angewiesen ist und seinen Lebensunterhalt selbst verdienen kann, sollte jeden Tag aufs neue dankbar dafür sein!

Mike hat gesagt…

@Jule und Maria
Habe irgendwie herausgelesen, dass Maria noch Portugiesin wäre. nachdem sie aber Deutsche ist, erübrigen sich meine diesbezüglichen Ausführungen.
Frage: Was hat Maria denn in der Werkstätte gemacht?

@ anonym 15:33
Du schreibst Unsinn
gem. Staatsangehörigkeitsgesetz kann die Staatsbürgerschaft auch zuerkannt werden, wenn die Möglichkeit der Selbstversorgung nicht oder nur eingeschränkt vorliegt.
Siehe §8 Satz 2 StAG
Ich schätze mal, für jemanden, der Aufgrund eines Forschungsprojektes als Untersuchungsobjekt nach D geholt wird, hier das Abitur macht und dann ein Studium aufnimmt, sowie dann auch noch in einer werkstätte arbeitet, bis es anscheinend nicht mehr ging, kann man durchaus einen Härtefall vertreten, oder?

Deine weiteren Ausführungen sind ebenfalls Stierexkrement.
Ich habe erhebliche Zweifel, dass eine eigenverantwortliche Pflegeorganisation signifikant teurer kommt als eine Heimunterbringung. (Bei Jule z.B. kommt es sogar billiger, wenn ich mich recht erinnere) Insbesondere wenn man die dadurch gewonnene Lebensqualität bedenkt.
Aber nach deiner Ansicht reicht ja "Satt und Sauber" für alle diejenigen aus, die nicht über eigenes Vermögen bzw. Versicherungsansprüche verfügen.
Derartige Pflegeprinzipien sollten heutzutage eigentlich nur noch in Gärtnereien gelten, für die Pflege von Topfpflanzen dürfte das noch ausreichen. Für MENSCHEN sollten andere Prinzipien gelten.
Denk da mal einfach drüber nach, aber ich vermute, dass Du noch nie mit so einem Fall wie Maria in der Realität konfrontiert worden bist. Da denkt man dann schnell anders.

Mike

Anonym hat gesagt…

Am besten sollte sie gleich auch noch ihren Körper verkaufen, nur damit sie irgendwas für _Doitschland_ tut, oder wie? Sie hat kein Anrecht auf eine Seele.

Jedes Tier kann notfalls ins Tierheim gegeben werden, damit es eine ädequate medizinische Versorgung erhält, mit Rollstuhl gegebenenfalls. Und die werden und konnten niemalsnicht für uns arbeiten. Ihre Kinder und Eltern auch nicht.

Aber bei Menschen.. da bist du nur dein Geld wert.
Nächstenliebe ist nur dem zuteil der toll ist.
Verachtung denjenigen die nicht so omfg-geil sind wie man selber..

Anonym hat gesagt…

Die Leute, die sich um ihre Steuergelder sorgen machen, sollten doch froh sein, wenn Maria 2 Rollis bekäme!
Rein kostentechnisch ist die Reinigung der Räume durch die Maria mit ihrem eventuell dreckigen Rolli dann fahren muss, weil sie keinen 2ten hat, auf Dauer gesehen auch ein hoher Kostenfaktor...

Hinzu kommt, dass ich persönlich mit "meinem" Steuerbeitrag lieber Menschen helfen würde, statt irgendjemanden eine unnützige Therapie oder Kur zu bezahlen - und Mensch ist Mensch, ganz egal welche Vergangenheit oder Nationalität man hat!

Jenny

Mercury hat gesagt…

Hallo Jule & alle Leser,

ich lese hier schon seit geraumer Zeit mit, verfolge so einiges mit großem Interesse und Amüsement, aber auch zum Teil ehrlichen Kopfschütteln.

Zu dieser Sache jetzt: Betrachtet man es nüchtern, kann man durchaus verständnis für die Haltung des Posters aufbringen: "Wir" zahlen in die Renten- und Sozialkassen ein und da kommt dann irgendwer aus einem anderen Land, nimmt nur und gibt nichts. Soweit - so verständlich die "Wut" über so etwas. Wenn mein Nachbar ständig zum essen kommt, ohne mir je einen Euro in die Hand zu drücken und sich dann Kobe Rind wünscht, wäre ich auch irgendwann angesäuert.

Aber:

Zum einen liegt ja hier der Fall ganz anders. Maria hat ja, soviel ist ja wohl offensichtlich, ihren Teil, bzw. ihre "Gegenleistung" erbracht. Sie war "Forschungsobjekt" was ich mir nicht wirklich als Traumjob vorstelle. Durch ihr Leid, nichts anderes ist ihre Krankheit, kann, könnte oder wird vielleicht irgendwann ein Forscher andere Krankheiten besser bekämpfen können, weil sie sich für dieses Projekt gemeldet hat. Sie hat damit "uns allen" geholfen, wenn auch weniger direkt oder "offensichtlich."

Das man die Arme nach verschlimmerung der Krankheit und Ende des Projekts mit einem Gutschein für einmal McDo zurück nach Hause schickt, wo man ihr überhaupt nicht helfen kann, finde ich wirtschaftlich zwar nicht gerade klug, aber es ist verdammt noch mal das richtige, weil es menschlich ist. Das Leben besteht nicht aus Leistung und Gegenleistung und 100% Aufrechnung gegeneinander, sondern das der eine mal mehr nimmt, weil es eben so ist, der andere mehr gibt, weil er eben nicht krank wird / ist. Ich ärgere mich auch über meine Krankenkasse und das Geld, was es mich kostet und werd nicht mal richtig krank. Scheiße aber auch! Doch ich wette, würde mir etwas passieren, würde mir das Geld nicht gerade viel Freude machen...

Das mit dem "kriminellen Ausländer": Meine Güte, sie hat nicht irgendwelche germanischen Mitbürger abgezogen und abgestochen, sie hat mal im Laden was mitgehen lassen - und es tut ihr leid. Hier von "Kriminalität" zu sprechen, halte ich für ziemlich lachhaft. KLar, korrekt war es nicht - das weiß sie selber. Aber sind wir mal ehrlich: In der beschriebenen Situation mal ein paar Gummibärchen einstecken, das finde ich jetzt nicht gerade als Kapitalverbrechen. Nicht in Ordnung, aber auch nicht das Ende der Welt.

Zu guter letzt bleibt mir nur zu sagen: "Eine angeblich aufgeklärte, moderne Gesellschaft, für die Geld die einzige bestimmende Größe ist, in der Liebe, Mitgefühl und Toleranz sich dieser unterordnen müssen, ist eine Welt, in der ich nicht leben möchte...

Anonym hat gesagt…

Ich finde das schon krass, was Maria sich damals geleistet hat. Mal schnell 100 Mark klauen ist schon nicht mehr ein Kavaliersdelikt, sondern eine heftige Straftat.

Nur: Ich glaube, das weiß sie heute selber. Mich würde interessieren, was sie mit den 100 Mark von damals gemacht hat. Vielleicht magst du es erzählen, Jule, vielleicht magst du sie fragen.

Ich bin auch der Meinung, Leute, die sich keinen Luxus leisten können, sollen auch keinen Luxus bekommen. Der wäre dann nämlich auf Kosten anderer.

Dann ziehen wir mal schnell unsere Klamotten aus, die in Indien von Kindern genäht worden sind...

Wenn mir einer sagen würde, dass meine Sozialabgaben dafür verwendet werden, dass eine junge Frau, die sich nicht mehr koordiniert bewegen kann und gefüttert werden muss, einen passenden Rollstuhl bekommt und die Assistenz, die sie braucht, um in Würde auf Klo, ins Bett oder sonstwo hin zu kommen, würde ich auch noch 10% mehr zahlen. Ich ärgere mich auch über die Sozialabgaben und Steuern, aber nur, weil so viel Scheiß davon bezahlt wird.

Anonym hat gesagt…

Wenn ich mich im Ton vergriffen haben sollten, dann entschuldige ich mich dafür.
An meiner Einstellung ändert sich jedoch trotzdem nicht viel.
Auch ich kenne Menschen die um eine Rehabilitationsmassnahme hart kämpfen müssen, und deren Antrag dann letztendlich doch abgelehnt wurde. (obwohl sie und ihre Partner schon Jahre in unser System einzahlen). Und hier geht es nur um eine 2-3-wöchige Massnahme. Und keine Lebensaufgabe.
Mich stört aber dass Maria immer so hingestellt wird, wie wenn sie unter all den Behörden leiden muss. Denn dem ist nicht so!
Es ist, wie gesagt, eine Pflicht all die Kosten genauestens zu überprüfen. Und Maria verursacht IMMENSE Kosten, da gibt es nichts dran zu rütteln. Zu dem aufgezählten kommen ja noch etliche andere Dinge.Sie hat ja auch schon jahrelange Physio.
Und da kann man sich ehrlich fragen: wo bleibt da die Gerechtigkeit?????
Die wenige Zeit die Maria in der WfB war und dort gearbeitet hat, steht in KEINERLEI Relation. (wahrscheinlich wurde hier sogar noch der Fahrdienst bezahlt).
Und ein Gehalt von um die 200€ (und weniger) ist durch aus üblich in der WfB. (ich habe dort als Praktikant schon gearbeitet).
Ich möchte einfach dass die Dinge auch mal von einer anderen Seite beleuchtet werden.
Doch auch dazu gehört Empathie.
Trotzdem viele Grüße
Stefan

Anonym hat gesagt…

@ Stefan

Ich kann deinen Standpunkt-wie viele wahrscheinlich- absolut nicht verstehen...

Es ist egal, ob du für 200€ in irgendeiner Werkstatt gearbeitet hast und deine Abgaben bezahlt hast, oder ob du für 2000€ arbeitest und fleißig in die Kassen zahlst.
Es steht auch so in "keinerlei Relation" zueinander, was du einbezahlt hast und was du als Mensch mit Handicap an Kosten verursachst. Es wird immer zu Lasten anderer Steuerzahler gehen...

Jenny

Kabautz hat gesagt…

An den Anonymen, der schon weiß, dass er gemeint ist: Solche Sprüche können wirklich nur Menschen loslassen, die weder selbst behindert sind, noch Behinderte in der Verwandtschaft haben. Wie läge denn der Fall, wenn eins Ihrer Kinder so geboren worden wäre, wie Maria? Das hätte ja auch niemals arbeiten können, niemals auch nur einen Cent in die Kasse zahlen könne. Und auch Ihre sauer erarbeiteten Abgaben würden die immensen Kosten niemals auch nur im Ansatz decken können, die Ihr Kind bis zu seinem Lebensende verursachen wird. Aber weil SIE brav ihre paar Kröten in den Topf geworfen haben, weil Sie es überhaupt KONNTEN (und daran haben Sie mal NULL Anteil, denn SIE hatten NULL Einfluss darauf, ob sie überhaupt gesund geboren werden!!), soll dieses Kind mehr Anspruch darauf haben?!
Sowas widerliches und menschenverachtendes! Ich wette, auch Maria würde hundertmal lieber arbeiten gehen und in die Kasse einzahlen, als mit solch einer Krankheit leben zu müssen!

Ulli hat gesagt…

Liebe Maria,

ich bin froh, dass Du nach Beendigung der Forschung an Dir und über Deine Krankheit nicht zurück geschickt wurdest - und ehrlich gesagt, hat mich da unsere Verwaltung mal positiv überrascht. Keine Frage, ich kann auch nicht verstehen, dass man Kinder aus intakten Familien "reisst" um ihre Krankheit in Deutschland zu erforschen, aber wenn man es getan hat, dann freut es mich zu hören, dass sie danach nicht wieder heimgeschickt werden, wo sie z.T. wenig bis keine Unterstützung mehr hätten bzw. wo die Familien sich nicht mehr um sie kümmern können.

Es freut mich, dass meine Steuern dafür verwendet werden! Da gibt es ganz andere Dinge, für die meine Steuern verschwendet werden... Danke, Jule, dass Du es uns erklärt hast und Danke, Maria, für Deine Offenheit!

Anonym hat gesagt…

Mir scheint, Stefan, als hättest du das Prinzip des Sozialstaates nicht verstanden. Es ist nicht Sinn der Übung, dass man das wieder rausholt, was man eingezahlt hat. Oder nur das bekommt, was man eingezahlt hat. Oder nur was bekommt, wenn man selbst oder seine Verwandten eingezahlt haben. Dann könnte nämlich jede Familie ihre Familienkasse aufmachen, jeder wirft monatlich ein paar Scheine rein und wer krank ist, darf davon den Arzt bezahlen.

Beiträge und Leistung stehen niemals in Relation. Sonst bräuchte man keine Versicherung.

Im Sozialstaat zahlen möglichst alle in die Krankenkasse ein und möglichst alle bekommen davon ihre Krankheitskosten bezahlt. Wer nicht krank ist, bekommt auch nichts. Wer aber krank wird, hat die Sicherheit, dass für ihn gesorgt wird.

Ich lese keinen Satz, indem sich Jule direkt oder indirekt darüber beschwert, dass jemand die Notwendigkeit von Ausgaben genauestens überprüft. Sondern Jule beschwert sich (meiner Meinung nach zurecht) darüber, wenn nicht zielgerichtet geprüft wird. Wenn also Überprüfungen stattfinden oder Regeln aufgestellt werden, die mit der Sache überhaupt nichts zu tun haben oder überhaupt nicht förderlich sind.

Was die Physiotherapie angeht: Wenn es hoch kommt, werden das 2.000 € pro Jahr sein, die da für Maria aufgewendet werden. Eher deutlich weniger. ...

Ach weißt du was? Ich denke, es bringt nichts, dir zu erklären, warum ein Mensch, dessen Muskeln abbauen und der keine Koordination mehr hat, gezielte Bewegungsübungen machen sollte. Wir reden hier nicht vom Turnen, sondern von gezielter Therapie. Hier wird versucht, ein messbares Leiden zu vermindern.

Ich hab keine Lust mehr.

Jule hat gesagt…

@Sally: Sie war zwei Mal wieder in Portugal und hat für jeweils zwei Wochen im Sommer ihre Eltern besucht. Das Problem ist, dass sie immer jemanden braucht, der sich um sie kümmert. Die Eltern können sie nicht pflegen. Die damaligen Pflegeeltern haben den Kontakt zu Maria abgebrochen.

@Vio: Ich habe ganz bewusst den Namen der Krankheit hier nicht öffentlich gemacht, wenn du mir allerdings eine Mail an stinkesocke@nurfuerspam.de schreibst, schicke ich dir den Namen der Krankheit per Mail zurück.

@M: Mein Posting "Maria aus Portugal" hatte diese Informationen.

@Mike: Maria hat in einer Werkstatt für Behinderte die Dreckwäsche aus Krankenhäusern und Altenheimen von groben Verschmutzungen gereinigt, bevor sie dem normalen Waschgang zugeführt wurden. Welche groben Verschmutzungen man erstmal manuell entfernen muss, weil die Maschine das nicht schafft und das Zeug entsprechend eine halbe Stunde mit durchrührt und verteilt, muss ich, glaube ich, nicht weiter ausführen.

Was heißt: Bei Jule kommt es billiger? Ich könnte auch in einer (barrierefreien) Wohnung alleine leben. Ich benötige keine Heimunterbringung. Ich wohne auf eigene Kosten in dieser WG und zahle lediglich meine Miete und ggf. abgerufene hauswirtschaftliche Leistungen.

@Stefan: Einige andere haben meine Absicht schon erkannt, die hinter meinen Beiträgen über dieses "Leiden" unter den Behörden steht. Es ist einmal geklärt und entschieden worden, ob Maria hier leben darf oder nicht. Und es gibt keinen Grund, diese Frage jeden Tag wieder neu aufzuwerfen. Möchte sie neue oder andere Leistungen vom Staat haben, ist dieser selbstverständlich verpflichtet, genauestens zu überprüfen, ob und wofür er sein Geld ausgibt. Dafür gibt es Gesetze und Vorschriften, die für jeden von uns gleichermaßen gelten. Somit auch für Maria und auch für dich. Wenn du erreichen willst, dass Maria keinen E-Rollstuhl bekommt oder nebenbei ihren alten Rolli nicht für ihr Zimmer behalten darf, dann such dir eine Mehrheit und ändere die Gesetze. Aber beginne nicht, willkürlich zu selektieren. Worüber ich mich hier aufrege ist nicht, dass der Staat sorgfältig prüft, und das weißt du auch.

Und dass ein Gehalt von 200 € üblich ist, ist eine weitere Schande. Man kann mit Sicherheit darüber nachdenken, dass bei Menschen, die eine erhebliche Betreuung und Anleitung brauchen, um überhaupt arbeiten zu können, diese auch irgendwie finanziert werden muss und daher nur ein Taschengeld übrig bleibt. In dem Moment, wo derjenige aber effektiv etwas leistet, sollte sich dieses Taschengeld deutlich von dem Taschengeld unterscheiden, das der Mitbewohner im Heim ohne Arbeit auch zur Verfügung hat. Und sollte es so sein, dass jemand selbständig und eigenverantwortlich arbeitet und lediglich deshalb in einer Werkstatt ist, weil ihn der erste Arbeitsmarkt wegen seiner Behinderung nicht haben will, ist ein Stundenlohn von 63 Cent wohl schon kriminell. Klar, für ihre Heimkosten soll sie so weit wie möglich selbst aufkommen - nur hätte sie, wenn sie bei ihrer Muddi zu Hause gewohnt hätte, genauso viel verdient.

Mike hat gesagt…

@ Jule
Danke für die Auskunft....
Was frag ich auch immer...
da gewinnt der Begriff "Scheissjob" eine ganz eigene Qualität.
(Ich werde mich nie wieder beschweren, wenn ich bei strömendem Regen bis zu den Knien im Schlamm stehe und versuche, Proben aus einem Acker zu bohren)

Wg den Finanzen: Ich meinte mich zu erinnern, dass Du mal die Aussage eine Sachbearbeiters zitiert hast, in der gemeint wurde, dass eine eigenverantwortlich organisierte Wohnung von dir nicht nur für dich angenehmer, sondern auch wirtschaftlicher wäre. (ob das eingesparte Geld jetzt auf deinem Konto bleibt oder auf dem des Kostenträgers, ist ja im Prinzip wurscht)
Die Frage stellt sich doch, ob das für Maria nicht auch gilt. Also ob eine selbst Organisierte Wohnung und Pflege nicht preiswerter ist als eine gleichwertige Unterbringung in einer spezialisierten Pflegeeinrichtung.

LG
Mike

Anonym hat gesagt…

Da wurde ein Kind hier nach Deutschland geholt, im Rahmen einer Langzeitforschung. Ob nun es zu einem erwünschen Ergebnis kam oder nicht. Dieses Kind wurde dafür aus Familie, Zu Hause, Heimat und alles was damit damals in Verbindung brachte heraus gerissen. Eltern gaben ihr Kind her, zum Vorteil ihres Kindes weil sie sich die bestmöglichsten Chancen für ihr Kind erhoffen. Schon allein darum ist Deutschland in meinen Augen in der Verantwortung auch nach Abschluß der Forschung einer Verantwortung gerecht zu werden. Ob dabei die Anerkennung einer deutschen Staatsbürgerschaft vorliegt oder nicht, spielt da für mich keine Rolle. Und ob diese Forschung wirklich nicht doch mehr davon provitierte wie eingetroffen, ist noch gar nicht raus. In 20-50 Jahren kann das schon wieder anders aussehen und dann können auch gut diese Forschungsergebnisse plötzlich hilfreicher sein als momentan.

Maria hat also geklaut. Ohweija! Ist nicht richtig, weiß sie selbst. Laut der sich mir anhand der Blockeinträge bietenden Einschätzung über Maria besitzt sie dabei wesentlich mehr Verstand als manch Zeitgenosse mit dem ich so bislang zutun hatte und eventuell noch zutun bekomme. Deutsche Kinder klauen im Übrigen auch. Wie die Raben! Erst Recht, wenn sie selbst eigentlich 50€ und aufwärts in Form von Taschengeld dabei haben. Und geht es nicht "nur" um 100€ oder Süßigkeiten oder einer Sporthose. Warum Maria das tat und aus welchen Beweggründen, war für mich auch vor einer nun hier erfolgten Erlärung Marias logisch nachfollziehbar. Aber Verständnis und Fairnis hört in dieser Zeit ja leider immer mehr vor der eigenen Haustür auf.

Ich wünsche Dir, Maria, daß Du beide Rollstühle am Ende für Dich zur Nutzung hast, sowie weitere gebrauchte und wichtige Maßnahmen/Therapien/etc. bekommst/bewilligt bekommst und ziehe meinen Hut vor Dir und ebenso vor Deiner Familie.
S.

Republikflüchtling hat gesagt…

Auweia, da waren mir ja die ganzen Ausscheidungsfetischisten noch lieber, als diese doitsche Dabatte, was welcher Mensch wert ist.
Aber es geht natürlich nicht, dass sich Maria extra so eine Erkrankung zulegt, um den gesunden Volkskörper zu schädigen!
Also ich würde jedenfalls lieber, sogar deutsche, Steuern und Sozialabgaben zahlen, als in Marias Situation zu sein. Selbst wenn Sie soviel mehr aus dem System rausholt, als Sie eingezahlt hat (ist ja auch nicht so, dass Sie sich damit ein Leben in Saus und Braus leistet, sondern Sie möchte einfach nur ein menschenwürdiges Leben haben).
@Anonym: Mal davon abgesehen, dass Du das Prinzip von Versicherungen und Staaten nicht ganz zu verstehen scheinst (es geht nicht darum, alles wieder rauszukriegen!) - spielst Du eigent Lotto oder sowas? Das ist ja auch total ungerecht. Da zahlen lebenslang Millionen Menschen FREIWILLIG viel Geld ein und gewinnen tun nur wenige (und auch nicht immer die richtigen).

Hachja hat gesagt…

Auch wenn ich den Drang absolut nachvollziehen kann, bitte rechtfertige euch nicht. Dazu gibt es absolut keinen Grund.
Und wer meint, dass ihr ihm Rechenschaft schuldig wärt, wer Unrecht nicht einfach erkennt und aus reiner Menschlichkeit Marie das Beste wünscht, der ist auch schlichtweg ein verquerer Vollarsch, der unter einem so schweren Persönlichkeitsmangel leidet, dass Argumente auch nichts nützen. Wer dermaßen egozentrisch, unempathisch, asozial, neidzerfressen und selbstmitleidig ist, der bleibt es meist leider.
Ein menschenwürdiges Leben steht jedem zu. Egal, woher er kommt. Egal, wie teuer das ist. Egal, was er schon geleistet hat. Und egal, was für ein Mensch er war und ist. Auch solchen Menschen wie Stefan steht dies zu, sollten sie mal in diese Lage geraten.

Verschwende deine Nerven nicht. Es gibt Diskussionen, die sind es wert sich darauf einzulassen und andere zu überzeugen. Und welche, die man sich sparen und bei denen man lieber seinem Gegenüber den virtuellen Mittelfinger zeigen sollte.

profin hat gesagt…

1. Die Aussage von Anonym 11. März 15:33 ist sachlich falsch (zum Menschlichen sag ich mal besser nix).
Auch heute hätte Maria das Recht, die deutsche Staatsbürgerschaft anzunehmen, unabhängig von der Abhängigkeit von Sozialleistungen. Hier geht es nicht um eine Verschärfung des Rechts in bezug auf Staatsbürgerschaft.

2. Jule, die Aussage, Portugal zahle nicht für die monatlichen Leistungen stimmt so nicht ganz. Maria erhält ihre monatlichen Leistungen zu Lebensunterhalt und Assistenz/Pflege von deutschen Behörden, ja. Aber.
Es kann aber durchaus sein, dass im Rahmen des "Clearings" Gelder von Portugal nach Deutschland fließen ("en bloc" mit vielen anderen Patienten, das wird nicht per Kopf aufgeschlüsselt)) da Maria in ihrer Kindheit in Portugal sozialversichert war und nun in Deutschland. Sowas wird über die Koordinierung der europäischen Sicherungssysteme (Verordnung 883/2004/EC) ausgeglichen.

Michael hat gesagt…

Ist zwar schon ein alter Post, aber nachdem Du gerade von Maria berichtet hast, abe ich nochmal die Historie verfolgt: Blöde Frage: Woher wusste der Kommentator @Stefan eigentlich mehr über Maria's "heftige Zeit"? Kennt er sie aus dem richtigen Leben? Falls ja, finde ich es ja schon ein bisschen den Hammer, das er da einfach Sachen in die Öffentlichkeit stellt. Ich nehme an, Du hast das Freischalten des Kommentars mit María abgeklärt, genauso wie die Erklaerung, was "heftige Zeit" eigentlich bedeutet hat. Eigentlich kann man sich gar nicht vorstellen, was María bisher so durchgemacht hat. Obwohl ich auch die kritischen Stimmen zu einem gewissen Grad nachvollziehen kann, finde ich es wieder mal bezeichnend, dass du Dich gerade in diesem Fall so für sie einsetzt. Fairness und Gerechtigkeit ist Dir halt sehr wichtig, und die hat María nun wirklich verdient.

Olli hat gesagt…

Ich kanns kurz machen: ich schließe mich Jules Beitrag und Kommentar sowie denanderen Pro-Maria Kommentaren an. Aus den schon hinreichend breit erörterten Argumenten kann mich die Gegenposition noch nicht einmal ansatzweise überzeugen.

Xin hat gesagt…

Und noch eine Meinung als deutscher Steuer- und Sozialabgabenzahler:

Eine 12jährige kommt auf Wunsch deutscher Forscher nach Deutschland, also in einem Alter, in dem auch kein deutsches Kind in die Sozialkassen eingezahlt hat.

Sie/die Eltern erlauben den (deutschen) Forschern an ihr zu forschen, auch um die deutsche Forschung voran zu bringen. Dafür erhält sie medizinische Versorgung und gibt reichlich Forschern einen Grund ein Gehalt zu beziehen und davon auch in die Sozialkassen einzuzahlen. Sie bekommt dafür, dass sie 5 Jahre in der Fremde ihren Körper zur Forschung zur Verfügung stellt ja nichts, wofür sie anteilig in die Sozialkassen einzahlen könnte. Sie ist "nur" vielleicht dafür mitverantwortlich, dass dutzende in spätere Generationen die Kassen weniger belasten könnten. Sie ist eine Investition in die Zukunft.

Sie ist in jedem Fall nicht auf eigenem Wunsch hergekommen. Wäre sie inzwischen nicht Deutsche, so wäre der einzige Umstand den "deutsche Steuerzahler" nun anführen könnte die Tatsache, dass das Kind in Portugal geboren worden ist.
Deutschland kann nicht die Welt retten, aber da helfen, wo man rankommt und "das Kind" ist hier. Da kann man helfen, insbesondere wenn man die Hilfsbedürftigen vorrangig aus eigenem Interesse hergeholt hat, so dass sie die Zeit, die sie noch mobiler war nicht in ihrer Heimat aufwachsen konnte.

"Das Kind" hat es schwer genug gehabt. Bei rund 40 Mio Steuer- (und Sozialabgaben-) -zahlern) ist das eine persönliche jährliche Belastung von 0,25 Eurocent pro Jahr. Vielleicht 0,5ct wenn man die dafür erforderliche Bürokratie dazurechnet, die übrigens ebenfalls Sozialabgaben erzeugt....

@Stefan: Einfach beim nächsten Bettler, oder der Weihnachtsspende die 0,5ct abziehen. Oder großzügig darüber hinweg sehen, dass im Sozialstaat einer den anderen trägt und Du pro Jahr einen halben Cent für Maria trägst.

Oder die Zeit, die Du für das Schreiben des Postings gebraucht hast arbeiten. Selbst bei schlechtem Stundenlohn hast Du damit bereits Deinen Anteil geleistet, wenn Maria 1000 Jahre alt wird.
Maria ist einfach der falsche Fall, um über zu hohe Abgaben zu meckern.

Ich erhielt heute eine Überweisung (Bürokratie), um mir ein Rezept bei einem anderen Arzt abzuholen (nochmal Bürokratie), weil mein Arzt das Rezept nicht ausstellen kann, da seine Pauschale die Kosten für das Medikament bei weitem nicht deckt. Deswegen müssen jetzt zwei Ärzte für dieses Medikament abrechnen (nochmal Bürokratie) und ich etwa zwei Stunden Fahrerei einkalukieren, um zu einem Arzt zu fahren, bei dem ich sonst nie vorbeikomme. Ist schon telefonisch geklärt (58ct Telefonkosten), dass ich da nur hinfahre um meine Versichertenkarte einlesen zu lassen und dann mit dem Rezept wieder verschwinden kann (Benzinkosten, Parkgebühren...?). Das Rezept liegt schon bereit. Das alles nur, weil die Bürokratie meinem Arzt nicht erlaubt, mein Medikament zusätzlich zur Behandlungs-Pauschale abzurechnen. Das Medikament muss die Kasse so oder so bezahlen.
Darüber zu meckern würde mehr als 0,5ct pro Person einsparen. Alleine von den bisherigen Kosten hätte ich meinen Anteil für etwa 1000 Jahre bestreiten können - und ich bin noch nicht mal losgefahren.