Freitag, 2. März 2012

So eine falsche Schlange

Auch wenn zwei Monate nach Marias Einzug noch immer keine Entscheidung der Kostenträger vorliegt, gehen wir derzeit alle davon aus, dass sie bei uns wohnen bleiben kann. Entsprechend sind wir bereits auf der Suche nach zusätzlichem Pflegepersonal für sie. Für drei Tage machte eine Krankenschwester ein Praktikum, die - nach ihren Angaben - aus ihrem Job in einem großen Klinikkonzern zu uns wechseln möchte. Drei Tage hielten wir es mit ihr aus, bevor wir sie gestern an die frische Luft gesetzt haben. Man sollte nicht glauben, dass jemand mit dem Generalschlüssel, der ihm ausgehändigt wird, um im Notfall (oder nach Absprache) die Zimmertüren öffnen zu können, durch die Bewohnerzimmer zieht und sich nach Wertsachen umsieht. Aber solche Menschen gibt es und an einen solchen sind wir geraten.

Wer verlangt in einem Bewerbungsgespräch schon nach einem Personalausweis? Die Frau legte alle möglichen Papiere vor, unter anderem auch ein Zwischenzeugnis des Klinik-Konzerns, das sehr positiv war, sowie eine Kündigungsbestätigung zum 31.03.12. Es war also alles plausibel bis ... wir erkannten, dass die Frau, die wir vor uns hatten, gar nicht die Frau war, auf die die Zeugnisse ausgestellt waren, sondern, wie sich später herausstellte, eine engere Bekannte (?) eben dieser. Angeblich soll sie ihre Papiere ohne ihr Wissen entwedet, kopiert und später wieder zurückgestellt haben.

Das ganze wäre erstmal gar nicht aufgefallen, hätte nicht ein Sicherheitsmitarbeiter des Elektronikladens auf unserem Grundstück die Frau dabei beobachtet, wie sie alle möglichen Gegenstände (darunter auch zwei Computer-Monitore) in ihr Auto verladen hat. Er dachte zunächst, die klaut Ausstellungsstücke aus seinem Laden und geht irgendwo durch den Notausgang raus - oder ähnliches. Das Treiben dauerte eine gute halbe Stunde, die Frau wirkte nervös und verdächtig, der Wachmann rief kurzerhand die Polizei.

Die Frau hatte es also nicht auf einen Job abgesehen, sondern sie wollte nur im Praktikum bei uns klauen. Dabei war sie eigentlich ganz nett. Es wird nie langweilig, jetzt beschäftigen wir uns erstmal mit einem internen Sicherheitskonzept. Den Sicherheitsmitarbeiter, um die 40, Glatze, schätzungsweise 175 Kilo schwer, kannten wir sonst nur vom Sehen. Es versteht sich von selbst, dass wir durch die Zimmer gegangen sind und jeden um eine Unterschrift in einer Dankkarte und einen Groschen Schein gebeten haben. Immerhin hat er viele Leute vor einem größeren Schaden bewahrt, da sind mindestens 5 Euro drin. Am Ende konnten wir ihm einen Gutschein über 210 Euro besorgen: Sämtliche Leute, in deren Zimmer sie sich bedient hatte, steckten durchweg 20 Euro rein, eine sogar 50 Euro.

Frank, Sofie und ich sind später zum Geschäftsführer des Elektroladens gegangen und haben mit dessen Segen und in seiner Anwesenheit dem Sicherheitsmann die Karte samt Gutschein überreicht. Der wollte den erst gar nicht haben, meinte, das sei selbstverständlich und wenn er in dem Fall nicht die Polizei gerufen hätte, wäre er wohl für seinen Job nicht zu gebrauchen, aber wir haben am Ende darauf bestanden. Die Summe sei deshalb so hoch, weil fast 20 Leute zusammengeworfen hätten, denen er einen zum Teil erheblichen Schaden erspart hatte. Am Ende meinte er: "Irgendwann komm ich nochmal zu einem Kaffee bei Euch da oben vorbei. Ich muss doch mal sehen, wie ihr da oben eigentlich so wohnt."

Kommentare :

Anonym hat gesagt…

Kaum zu glauben, wie dreist doch manche Leute sind. Ich finde eure Aktion sehr nett und der Sicherheitsmann wird mit Sicherheit noch mehr auf komische Dinge im Umfeld achten. Ihr solltet also für die Zukunft die Originale und den Personalausweis checken, denn auch ich musste schon bei ehemaligen Bekannten feststellen, dass diese es nicht so genau nehmen und Zeugnisse fälschen wie es nur geht. Und da haben diese dann nicht einmal ein schlechtes Gewissen bei. Traurige Welt...

Sally hat gesagt…

Scheiße. Zum Glück ist euch dadurch "nur" ein finanzieller Schaden verursacht worden. Hätte auch schlimmer kommen können... =/

Da war der Typ von der Sicherheitsfirma echt Gold wert! :)

Drücke Euch alle Daumen bei der Suche nach einer neuen Pflegekraft!!

Vio hat gesagt…

Mensch, gut, dass das so glimpflich abgelaufen ist! Und tolle Geste von Euch, dass ihr für den Sicherheitsmann zusammengeworfen habt.

Anonym hat gesagt…

Absolut Scheiße, dass so etwas passiert, aber Jule, leider kein Einzelfall. In Einrichtungen, in denen Menschen sind, die Hilfe benötigen, wird regelmäßig geklaut. In Krankenhäusern, Altenheimen, Behindertenheimen - ich arbeite selbst in einer Behinderteneinrichtung (allerdings für Geistigbehinderte) und ich habe in meinen 20 Dienstjahren schon bestimmt ein Dutzend Kolleginnen und Kollegen erlebt, die geklaut haben, teilweise sogar das unmittelbare Eigentum der Bewohner.

Oft auch so Gemeinschaftssachen, sogar Küchenwaagen und Bettdecken haben wir schon bei Mitarbeitern aus dem Auto zurückgeholt.

Insofern: Traurig, aber kaum zu ändern. Genau hinschauen beim Personal, solange man es selbst entscheiden kann. Ich wünsche Euch ein glückliches Händchen dafür.

Snake hat gesagt…

Gut das es noch Menschen gibt die sich einmischen und logisch denken können. Habt ihr Glück gehabt mit dem Sicherheitsmann.

Ist schon krass wie einfallsreich die Diebe von heute werden und auch dreist. Hoffentlich stecken Sie die lange weg.

Olli hat gesagt…

Uih, mit Papieren einer gekündigten Bekannten bei Euch bewerben? Warum wurde die Bekannte gekündigt? Nicht, dass da im Arbeuitszeugnis der Passus fehlte, sie war stets ehrlich (ö.ä., was mind. bei Kassiererinnen drin sein muß; das fehlen bedeutet entlassen wegen Diebstahl bei der Arbeit).