Donnerstag, 17. Mai 2012

Vier mal Arbeitsagentur

Wir stehen bei der Arbeitsagentur gerade hoch im Kurs mit unserem Wohnprojekt und einigen Stellen, die für Assistenzkräfte zu vergeben sind. Von denen ist gerade eine frei, wir stocken auch immernoch auf, und da schickt uns (auch) die Arbeitsagentur geeignete Bewerber.

Manchmal kommt man sich da vor wie in dem Film "Ziemlich beste Freunde", in dem ein Arbeitsloser zu einem Halsquerschnitt kommt, sich auf eine Assistenzstelle bewirbt und von vornherein durchblicken lässt, dass er eigentlich nur den Stempel für das Arbeitsamt haben möchte.

Ganz so krass, dachte ich, ist es in Zeiten, in denen Leistungen auch gerne mal gekürzt werden, nicht mehr. Ich habe keinen Vergleich zu dem, wie so etwas früher gelaufen ist, aber es waren gestern vier Bewerberinnen bei uns und alle vier wollten lediglich ihren Stempelabdruck abholen.

Ich saß mit Sofie, Frank und Maria in einem Zimmer, und wir hatten uns jeweils eine halbe Stunde Zeit für die vier Bewerber genommen. Keine war länger als 10 Minuten drin und natürlich ist es unfair, das Bewerbungsgespräch auf den Ablehnungsgrund zusammen zu fassen, aber dennoch mache ich es mal:

Die erste musste, just in dem Moment, als sie dran war, mit ihrem Handy telefonieren, ging ins Treppenhaus und durch eine geschlossene Rauchschutztür waren deutlich die Ausdrücke "Du verdammtes Stück Scheiße" und "Missgeburt" zu vernehmen. Wer mit solchen Worten diskutiert, ist für uns nicht die Richtige.

Die zweite suchte einen Job bis zum Sommer, weil sie dann mit ihrem Freund nach Baden-Württemberg zieht. Das steht dann auch so in der Ablehnungsbegründung, ich bin mal gespannt, welche Auswirkungen das hat.

Die dritte interessierte sich ausschließlich dafür, wieviel Urlaub sie hat, wieviel Geld sie bekommt, ob es Pausenräume gibt, ob sie vom Arbeitsplatz auch privat telefonieren dürfte (!!) - fragte aber nichts über ihre Aufgaben. Auf Sofies Frage, ob sie denn eine Vorstellung habe, was auf sie zukäme, meinte sie: "Naja, so schlimm wird es schon nicht werden, oder? Sagen Sie nicht, dass es schlimm wird."

Die vierte laberte sich um Kopf und Kragen, indem sie uns gegenüber erzählte, dass sie ja so unheimlich erfahren im Umgang mit behinderten Menschen sei. Sie sei bereits in der Grundschule in einer integrativen Klasse gewesen und habe auch ein Praktikum als Schülerin in einer Behinderteneinrichtung gemacht. Was erstmal durchaus positiv klingt. Nur wenn dann kommt: "Ich weiß genau, wie man mit denen umgehen muss und so ... und was die so wollen ... und wie man sie zum Beispiel dazu kriegt, wenn sie ihr essen nicht essen wollen ..." - "Ähm, Sie wissen, dass es sich hier um Menschen handelt, die körperlich eingeschränkt sind?" - "Ja, aber auch die brauchen ja einen speziellen Umgang, selbst wenn sie sich alle immer einen möglichst normalen Umgang wünschen." - Ihr gegenüber sitzen vier Leute im Rollstuhl. Vergiss es.

Und so sind wir Freitag wieder dran mit Bewerberinnen und Bewerbern aus der Zeitung. Und über Vitamin B. Und irgendwie bin ich mir sicher, dass wir am Freitag jemanden finden werden. Völlig ohne Vorurteile und ohne jede Voreingenommenheit. Aber irgendwas läuft in diesem System falsch. Vielleicht. Vielleicht auch nur bei diesen vier Personen. Ich weiß es nicht.

Kommentare :

Dennis hat gesagt…

Da kann man nur noch mit dem Kopfschütteln.
Die Ehrlichkeit der einen Bewerberin sollte man aber schon anrechnen. Ihr hättet nicht viel davon, wenn sie nach 1-2 Monaten gekündigt hätte um dann mit Freund umzuziehen.

Anonym hat gesagt…

Dein Idiotenmagnet erfreut sich anscheinend bester Gesundheit ;)

Aber wo du das Thema Arbeitsagentur und Leistungskürzungen anschneidest... denkst du nicht, dass genau das der Grund sein könnte? Da werden Leute, die eh kaum was zum Leben haben, vor die Wahl gestellt, entweder irgendeinen vom Jobcenter verordneten Job anzunehmen oder ihre Leistungen gekürzt zu bekommen. Deshalb bewerben sie sich eben, auch wenn sie keine Ahnung vom Thema und kein Interesse dran haben

Wolfy hat gesagt…

@17. Mai 2012 12:45

Ich habe Jules Kommentar genauso verstanden... also das sie dieses System ankreidet.

@Arbeitsamt und Geld:

Als ich mit meiner ersten Ausbildung fertig war, durfte ich mich MTA-F (also Medizinisch-technische Assistentin f. Funktionsdiagnostik) nennen. Tolle Sache - aber kaum Jobs zu der Zeit, in der ich fertig wurde.
Dazu kommt, dass das Arbeitsamt zumindest damals, die drei humanen MTA-Berufe unter einen Hut steckte.
Nur um sicher zu gehen:
Funktionsdiagnostik befasst sich hauptberuflich mit EKGs, EEGs, Lungenfunktionsprüfungen, Hörtests, etc.
Radiologie sind dann eben die Damen die vorm MRT, CT und co stehen.
Und die Laboranten machen irgendwas im Labor.
Das nennt sich dann MTA-F, MTA-R und MTA-L. (Die vierte wäre MTA-V, wobei das dann für Veterinär steht... also Tierarzt)

Ich glaube man erkennt an der groben Beschreibung schon ganz gut, dass man jemanden aus dem einen Beruf nicht einfach in den anderen Beruf stecken kann. Zumindest nicht ohne Weiter/Umschulung.

Aber die drei Berufe laufen unter der selben Referenznummer. Egal ob man nun MTA-R oder MTA-F in die Suchmaske eingibt: man findet immer identische Angebote. Dabei liegen die Stellenangebote ungefähr so:

Radiologie >>>>> Labor >> Funktion

Auf den Blatt heißt das: von 10 Stellenangeboten gibt es sieben Radiologen, 2 Labore und 1 Funktion. Oder drei Labore und keine Funktion.
Und dann soll man sich auf diese 10 bewerben, weil es sonst Leistungskürzungen gibt.

Gut, dass ich damals keine Leistungen bezogen habe (ich habe die Dame damals ernsthaft gefragt, was sie kürzen wolle. "Na ihr Hartz IV!" Hab ich nicht! "oh...") und mir meine Eltern netter Weise Asyl gewährten, bis ich Arbeit fand. *Kopf schüttel*

08/15 hat gesagt…

Gibts den Stempel dafür eigentlich?

Anonym hat gesagt…

Ihr werdet schon jemanden finden, der froh ist, mit seinem freundlichen Wesen und seiner Freude an der Arbeit euch zur Hand zu gehen!

(ich glaube zumindest fest daran!)

Welche Vorraussetzungen muss man denn mitbringen?

Jens Bonn hat gesagt…

Das kenne ich auch - relativ oft schneien in der Firma in der ich arbeite Leute herein, die direkt von vorne herein sagen das sie nur einen Stempel wollen. Und die werden teilweise sogar frech wenn man keinen Bock hat denen einen Stempel zu geben (das ich denen den Stempel "arbeits- und lichtscheues Gesindel" aufdrücke, wird denen bei der Arge aber wohl nicht helfen).

Der Shopblogger hat das schon ganz gut erkannt und sich vorbereitet ;)

http://www.shopblogger.de/blog/archives/7693-Hab-ihn!.html

Mein Fazit mit Arge ist einfach - bist Du Arbeitgeber und brauchst neue Mitarbeiter, dann such woanders. Die besten neuen Mitarbeiter kamen immer über Empfehlungen oder per Initiativbewerbung.

P. hat gesagt…

Hach, deprimierend irgendwie ..
Schade, dass Hamburg so weit weg ist und ich meine Eltern nicht so weit aus den Augen verlieren möchte ..
Hab letztens noch gedacht, dass es doch traumhaft sein müsste, bei euch zu arbeiten ...
Das wäre sogar was, weswegen ich meine jetzige Stelle sofort abgeben würde.

Snake hat gesagt…

Oft ist es auch so das die von der Agentur für Arbeit gar net nachdenken was sie an die Leute für Angebote verteilen. Oder aber sie wissen es und wissen ebenfalls das die Leute nur da hin gehen um sich nen Stempel zu holen, nur ist es den Bearbeitern egal.

Der Hit an der Sache ist hier in Köln empfehlen die Leuten Jobs die nix für Sie sind. Z.B. ne Bekannte hat ne Ausbildung als Krankenpflegerin beendet und suchte wieder in diesem Bereich nen Job. Das Arbeitsamt bietet ihr ne Umschulung an als Kurierfahrerin, weil es angeblich keine geeigneten Stellen gibt. Muss man das irgendwie verstehen, ich tu es nicht.

Der Fehler ist das das ganze System worauf die Agentur für Arbeit aufgebaut ist, alt ist und nicht mehr funktioniert. Hat man nen Faulpelz oder jemanden der nix von seinen Beruf versteht als Sachbearbeiter, bekommste auch nix gescheites angeboten. Einigen ist das egal, andere regen sich drüber auf, was verständlich ist.

Und das was man euch geschickt hat ist ja mal untertrieben ausgedrückt, nicht geeignet für diese Stellen. Wobei die Letzte eher einen an der Klatsche hatte als das sie ungeeignet war.

Dann viel Erfolg für Freitag das ihr jemand geeigneten findet.

Anonym hat gesagt…

Mal wieder auf die Arbeitslosen. Sei froh, dass du nicht arbeitslos bist. Für so eine Einstellung habe ich kein Verständnis.

blogolade hat gesagt…

weia. Der Shopblogger hatte für die, die nur einen Stempel wollten übrigens extra einen anfertigen lassen *fg*
http://www.shopblogger.de/blog/archives/7693-Hab-ihn!.html

Ich drücke die Daumen, dass ihr bald eine gescheite Assistenz gefunden habt!

Anonym hat gesagt…

Tja, ich muss sagen, ich seh es auch eher wie diejenigen, die die Probleme in der Arbeitsverwaltung sehen.

Nr. 1: Man steckt nicht drin. Ist normal auch nicht mein Vokabular, aber bei gewissen Leuten denen ich "viel verdanke" käme das vllt. auch raus. Anscheinend hab ihr ja nicht weiter mit der geredet.
Nr. 2: Darauf nimmt eine Arbeitsverwaltung halt keine Rücksicht. Du hast Deine Hilfsbedürftigkeit zu verringern, Punktum. Für die Arbeitsverwaltung ist dann eben auch völlig normal, noch 4 Monate einen Job anzufangen. Das mag im Anlernbereich gehen, auf eine Assistenzstelle ist das natürlich verfehlt. Checkt aber die Arbeitsverwaltung i.d.R. nicht.
Nr. 3: Komplettreinfälle kommen halt leider vor
Nr. 4: Siehe Nr. 3.

Ehrlich gesagt, so offensichtlich desinteressiert ihre Pflichtvorsprache absolviert wie Du es eingangs geschildert hast, sehe ich da nicht.

Sally hat gesagt…

Ich würde mit der vierten Dame gerne mal "ganz speziell" umgehen, wenn ich das so lese....

Ihr findet schon noch jemanden, der sich für den Job eignet! :)

NewRaven hat gesagt…

Der entscheidende Punkt ist eben, das diese Leute gezwungen werden, sich vorzustellen. Und da spielen weder Qualifikation noch persönliche Umstände eine wirkliche Rolle. Natürlich ist es einfach, solchen Menschen pauschal den "arbeitsscheues Gesindel"-Stempel aufzudrücken, aber es ist auch gleichzusetzen mit der Dämlichkeit der Arbeitsvermittlung hier zu Lande und dem System, das damit einher geht. Wenn sollte es da noch wundern? Für die "Arbeitssuchenden" geht es, dank Androhung diverser Kürzungen ums Überleben und einem Arbeitgeber hilft es nicht, wenn eine solche Person eine Stelle annimmt, weil sie dazu auf solch teils schon perverse Art gezwungen wird. Ich sage nicht, das es wirklich arbeitsscheue Leute gibt, aber ich behaupte, das die Gründe für solche Fälle in den meisten Fällen doch völlig andere als einfache "Unlust" sind. Insofern gäbe es von mir auch, selbst wenn ich mir durchaus bewusst bin, das es manch schwarzes Schaf gibt, einen neutralen Stempel ohne negative Konsequenzen für die Person. Denn ich möchte beispielsweise nicht der sein, der ohne die Hintergründe zu kennen, dafür sorgt, das eine kleine Familie am Ende des Monats kaum noch was zu Essen auf dem Tisch hat, nur, weil sie mit mir kein durch Druck erzwungenes Arbeitsverhältnis eingegangen ist.

Jule hat gesagt…

@08/15: Soweit ich weiß, wird man gebeten, vom potentiellen Arbeitgeber einen Zettel ausfüllen zu lassen, in dem auch die Ablehnungsgründe stehen. Ich glaube, dazu verpflichtet sich derjenige, der Bewerber über die Arbeitsagentur haben möchte. Und am besten steht glaube ich bei jemandem drin: "Sie haben die Stelle." - Oder wenigstens: "Wir mussten uns entscheiden und haben uns für einen anderen Bewerber entschieden." - Schlecht ist vermutlich: "Wir suchten für eine Dauerbeschäftigung schon jemanden, der länger als vier Wochen dafür Zeit mitbringt." - Und am Ende kommt halt eine Unterschrift drunter und ggf. ein Firmenstempel.

@17-05-12 14.37: Da in diesem Fall keine examinierte Pflegekraft gesucht wird, sondern lediglich eine Assistenzkraft, wird hier nur erwartet, dass derjenige keine Berührungsängste hat, absolut zuverlässig ist, ehrlich ist, und im gewissen Rahmen körperlich und seelisch belastbar ist. Flexibilität wird genauso vorausgesetzt wie die Bereitschaft, auch nachts und am Wochenende zu arbeiten. Hauswirtschaftliche Fähigkeiten, ein Minimum an handwerklichem Geschick und Kenntnis einiger lebenspraktischer Grundsätze sind genauso wie Manieren und gepflegtes Äußeres von Vorteil. :)

@Sally: Ich glaube, du hättest deinen Spaß. :)

Jule hat gesagt…

@NewRaven: Wir wollen hier wirklich jemanden einstellen, nur der muss halt passen. Wenn jemand nicht geeignet ist, warum auch immer, bekommt der ein völlig neutrales Feedback an die Arbeitsagentur. Nur wenn jemand sagt: "Ich bin eh nur noch 6 Wochen da!"

Dann kommt genau das als Ablehnungsgrund dort rein. Wenn das alles mit rechten Dingen zugeht, wird deshalb ja auch das Geld nicht gekürzt.

Ich glaube auch, dass Druck nichts bringt. Wir wollen ja auch jemanden, der den Job gerne macht und nicht, weil er ihn gezwungenermaßen macht.

Und ich denke auch, dass der Fehler oft im System liegt. Aber nicht auch nicht immer.

Wolfy hat gesagt…

Naja - sie hat das mit den Sechs Wochen wohl ganz bewusst so artikuliert. Es gibt ja auch fälle, in denen Menschen arbeitslos werden, direkt eine neue Stelle finden und dann nur einen Monat arbeitslos sind, weil die neue Stelle vorher nicht frei ist.

Und was will das Arbeitsamt? Das man sich in diesen arbeitslosen Monat weiterhin bewirbt.
Das wollen sie in übrigen auch noch bei einer Woche. Das durfte meine Mutter erleben, die zwischen Weihnachten und Silvester arbeitslos war.

Also wahrscheinlich weiß das Amt von den "6 Wochen". Es ist ihm nur egal.

Heiko hat gesagt…

Wenn man ALG bekommt, werden einem von der ARGE so genannte Vermittlungsvorschläge gemacht, wo man sich zu bewerben hat! Es sind aber keine Vorschläge, sondern Pflichtbewerbungen! Bewerbe ich mich nicht, wird gekürzt. Außer ich kann es umfassend begründen. Details würden hier zu weit führen.
Problem ist, dass die Vorschläge häufig (meistens!) nicht das sind, was ich zukünftig machen möchte bzw. nicht meiner Ausbildung/Erfahrung entsprechen.
Ich bin also gezwungen, mich auf eine Stelle zu bewerben, die ich gar nicht will bzw. kann. Was soll man da von einem "Bewerber" erwarten?
Meist suchen diese Leute noch auf anderem Wege Arbeit, aber manches braucht nunmal seine Zeit, so dass zwischendurch diese Zwangsbewerbungen kommen. Und da ist es oftmals nervenschonender, sich zu bewerben und ne Absage zu kassieren, als sich mit dem Amt anzulegen.
Versetz Dich mal gedanklich in so eine Lage.
Alles hat nämlich immer 2 Seiten.
Und auf Bewerber-Nr. 2 bezogen:
Was soll sie machen, wenn sie sich bewerben MUSS? Euch anlügen? Sich super verkaufen und so tun als ob? Dann die Stelle bekommen und nach 6 Wochen wieder gehen? Und ihr müsst neu suchen, weil ihr einer anderen abgesagt habt, die sich etwas schlechter verkauft hatte?
Nein, da finde ich ihre Ehrlichkeit wesentlich besser und hätte ihr mit einem anderen Ablehungsgrund ggf. Ärger erspart.
Und gerade Dich, die selbst oft genug erfährt, wie Ämter ticken, kann ich bei dem Eintrag nicht wirklich verstehen.

Jule hat gesagt…

@Heiko:

Es ist richtig, es gibt immer zwei Seiten. Ich beschreibe es also noch etwas ausführlicher:

Wenn ich vom Amt aufgefordert werde, mich zu bewerben, obwohl die genau wissen, dass ich in sechs Wochen nicht mehr in Hamburg bin und da auch niemand mit mir diskutieren möchte, dann schreibe ich gleich in meine Bewerbung rein, dass ich nur bis 30.06. einen Job suche und trete auch gleich so im Vorstellungsgespräch auf. Das ist einer meiner ersten Sätze: "Guten Tag, ich interessiere mich für Ihre Stelle, ich bin mir aber nicht sicher, ob Sie für 6 Wochen jemanden suchen oder ob das gleich ein K.O.-Kriterium wäre." So. Klare Verhältnisse.

Aber nicht: In der schriftlichen Bewerbung steht darüber kein Wort, mündlich wird erstmal fünf Minuten lang gelabert und erzählt und wie toll man geeignet wäre und so weiter und so fort und dann, als sie fragt, wie vergütet wird und ihr das Vergütungssystem grob erklärt wird (mit nachts und an Wochenenden etc.), nimmt sie das so hin und sagt 20 Sekunden später: ACH ÜBRIGENS, DA WAR JA NOCH WAS...

Da kann ich mich gut in die Lage der Frau versetzen. Und Frank konnte es auch und hat dann reingeschrieben, dass sie abgelehnt wurde, weil sie in 6 Wochen nach BaWü ziehen will und wir jemanden für längere Zeit suchen.

Wenn das mit dem Amt alles so abgesprochen ist, hat sie ja nichts zu befürchten. Ich habe mir jedoch mein persönliches Urteil gebildet und davon in meinem Blog geschrieben.

Heiko hat gesagt…

So gesehen hast Du natürlich recht. Aus dem Post ging nicht hervor, dass sie erst später sagte, dass sie nur 6 Wochen bleibt.
Vielleicht wollte sie einfach noch 6 Wochen Geld verdienen ohne Stress - und als sie merkte, dass das nichts wird, hat sie eben die Wahrheit gesagt?!
So ist es dann aber auch nicht OK.
Und unter dem Aspket kann ich Dich / euch dann auch verstehen.
Ist eben schwierig, wenn man so nen Text liest, in dem einfach nicht alle Info drin stehen können.

Und mal grundsätzlich: Ich mag Deinen Blog und lese seit einiger Zeit regelmäßig hier. Mach weiter so, wie es Dir gefällt, nicht wie andere es Dir aufdrängen wollen.

Ein ansonsten stiller Leser.

Jule hat gesagt…

@Heiko: Ich konnte eben nicht das ganze Gespräch wiedergeben, dann hätte irgendwann niemand mehr mitgelesen. Deshalb auch der einleitende Satz: "Natürlich ist es unfair, das Bewerbungsgespräch auf den Ablehnungsgrund zusammen zu fassen, aber dennoch mache ich es mal."

Ich bin nicht in dem Glauben, dass alle Arbeitslosen faul sind oder Menschen zweiter Klasse oder was auch immer. Ich glaube aber auch nicht, dass mich jemand so einschätzt.

Für mich ist dieses System insgesamt krank. Es bietet zu wenig bis keine Anreize, zu arbeiten. Es gibt eben genügend Leute, die wenig Geld bekommen, egal ob mit oder ohne Arbeit. Und es gibt genügend Leute, die hart arbeiten und trotzdem nicht mehr haben und nicht mal über die Runden kommen. Das kann nicht sein und da ist es auch nicht die richtige Lösung, Druck auf die Leute auszuüben, die gerade keinen Job haben.

Anonym hat gesagt…

Nochmal die andere Seite:
Kann auch sein, dass das Amt noch nicht weiß, dass sie umziehen will.
Kann sogar gut sein, dass sie in Baden-Württemberg keinen Job hat, sondern ihrem Freund folgen will (führ als Arbeitsloser mal ne Fernbeziehung).
Und kann auch ziemlich gut sein, dass ihr das Geld nun deshalb gekürzt wird, weil ihr reingeschrieben habt, dass ihr sie genommen hättet, wenn sie nicht umziehen würde.
Arbeitslose sind nämlich Menschen zweiter Klasse, müssen umziehen, wenn es weiter weg Jobs gibt und dürfen nicht unbedingt umziehen, wenn sie das wollen!

Ich schätze dich grundsätzlich auch nicht so ein, aber in eurem Handeln seid ihr trotzdem oft sehr hart und sehr verständnislos gegenüber sozial Schwachen.
Ich habe beobachtet, dass das besonders dort auftritt, wo man sich selbst aus der Scheiße gekämpft hat und dann von anderen erwartet, dass sie das auch tun und ein bisschen mehr Gas geben. Es ist aber eben nicht jeder und jede in der Lage das zu schaffen.
Und diese Peanuts vom Arbeitsamt verdienen die Arbeitslosen allein schon deshalb, weil sie sich unfassbar schikanieren lassen müssen.

Bitte denk mal drüber nach.