Freitag, 29. Juni 2012

Scheint echt zu sein

Nachdem ich jetzt ein wenig nachgedacht, gegrübelt, nachgedacht, gegrübelt und überlegt habe, glaube ich zu wissen, dass ich meine beiden Geschwister auf jeden Fall kennen lernen möchte. Wann und wo, das steht noch nicht fest.

Ich denke aber (oder ich tendiere dazu), mich mit denen zu treffen, wenn ich in den nächsten Wochen zu einem Trainingslager fahre und dann ohnehin in Bayern bin. Das hätte den Vorteil, dass ich selbst die Länge dieses Treffens bestimmen kann und sich nicht so eine Situation ergibt, in der sie von mir erwarten, dass ich mich um sie kümmere, während sie in Hamburg sind. Wie gesagt, ich kenne sie nicht, aber wenn die erstmal wissen, wo ich wohne oder wenn ich denen am Ende noch ein Hotel organisieren muss oder ein schlechtes Gewissen eingeredet bekomme, weil ich sie nicht bei mir schlafen lasse oder sonstwas ... nö. Da finde ich das andere entspannter. Und wie schon kommentiert wurde, in erster Linie wollen die mich ja sehen. Also müssen sie das auch so akzeptieren. Natürlich an einem öffentlichen Ort (Restaurant etc.).

Ich bin mir inzwischen sicher, dass diese Geschichte echt ist und nicht etwa eine Form des Enkeltricks oder ähnliches. Dass der Brief in Süddeutschland gestempelt wurde, hat nichts zu bedeuten, die Fotos können auch gefälscht sein. Irgendwer fragte, ob es nicht aufgefallen ist, wenn der Vater Weihnachten nicht zu Hause ist. Es gab in der Tat mehrere Weihnachtsfeste, an denen mein Vater "dienstlich" unterwegs war, zumindest an einem Tag, und es ist ja auch nicht gesagt, dass die Fotos am Heilig Abend entstanden sind. So ein Weihnachtsbaum steht ja auch mal einen Tag länger. Und ich gehe sogar davon aus, dass die bayerische Familie die ganze Zeit wusste, dass er in Hamburg noch eine weitere Familie hat (die wiederum jedoch nichts von der bayerischen wusste).

Wie schon erwähnt, es liegen Abschriften von amtlichen Dokumenten dabei (Geburtsurkunde), aus denen sich ergibt, wer der Vater ist. Dazu die Fotos, der Kontakt zu meiner Oma (väterlicherseits) - aus meiner Sicht passt das. Meine Oma hat meine aktuelle Adresse nicht, denn wenn sie die hätte, hätte sie auch meine Mutter. Und genau das will ich verhindern. Sie hat aber wohl erwähnt, in welchem Sportverein ich Sport treibe. Anschließend haben die dort angerufen, dort wollte man meine Adresse aber auch nicht rausgeben, jedoch hat man ihnen angeboten, einen Brief an meine Anschrift weiterzuleiten, wenn er an die Vereinsanschrift und zu Händen Jule Stinkesocke gesendet wird.

Es gibt zudem im Internet eine gewerbliche Homepage, auf der die Mutter der Zwillinge auf mehreren Fotos zu sehen ist. Eine Person dieses Namens, die so aussieht wie die Frau auf den mir zugeschickten Fotos, gibt es tatsächlich. Die angegebene Anschrift steht auch so im Telefonbuch. Dennoch werde ich beim ersten Treffen nicht alleine sein, sondern jemand mitnehmen, es fahren genügend meiner Leute mit zu dem Trainingslager, da wird schon jemand Zeit haben, der sich notfalls auch mal zwei Stunden alleine beschäftigen kann, wenn die ersten kritischen fünfzehn Minuten überstanden sind.

Mich wundert, wieviele meiner Leserinnen und Leser ebenfalls plötzlich von Halbgeschwistern erfahren haben und unter welchen Umständen (Beerdigung etc.). Ich habe so etwas noch nie in meinem Freundeskreis mitbekommen. Aber das scheint es öfter zu geben als ich gedacht habe.

Kommentare :

Sally hat gesagt…

Na denn: Toi, toi, toi! :)
Du kannst dabei nichts verlieren, nur was gewinnen. ;o)

Anonym hat gesagt…

Hi Jule,

ich drück Dir die Daumen das die beiden ein Bereicherung für Dich und Dein Leben sind! Viel Glück!

LG sho

Miriam hat gesagt…

Hallo Jule!
Ich verfolge deinen Blog noch nicht lange, aber ich bin absolut baff, wie du mit 15 von eben auf jetzt erwachsen geworden bist, wie du dein Leben ohne deine Eltern gemeistert hast und zu welch starkem Menschen und auch starkem Charakter entwickelt hast! Ich hab deinen Blog nun abonniert und freue mich schon auf neue Einträge von dir!
Auch wenn du das evtl. nicht freischaltest, sollst du trotzdem wissen, das du in meinen Augen ein wundervoller Mensch bist.

Liebe Grüße aus Hannover
de Miri

BigDigger hat gesagt…

Ja, das gibt's öfter.

Auch ich habe mindestens einen Halbbruder väterlicherseits. Das weiß ich. Ich allerdings habe keinerlei Verlangen, Halbgeschwister kennenzulernen. Ich kenne nicht mal meinen Vater. Seit mehr als 30 Jahren nicht.

Michael hat gesagt…

Gute Entscheidung! Und schoen, dass nach allem Gruebeln die Entscheidung so deutlich ausgefallen ist.

Wissen die von Deinem Unfall? Eigentlich ist ja schwer vorzustellen, dass sie es nicht wissen, es sei denn, Dein Vater hat wirklich nichts gesagt. Ich vermute, aus deren Reaktion auf Deine Behinderung wird wohl am schnellsten abzulesen sein, was das fuer Menschen sind.

Gute Idee, da jemanden aus dem Trainingslager mitzunehmen und wohl auch besser, Dich dort zu treffen. Obwohl ich nicht sicher bin, ob die Idee mit dem Restaurant so prickelnd ist. Das ist ja doch eine sehr private Situation. Zuhause bei denen wohl auch nicht. Vielleicht gibt es ja noch eine andere Idee.

Wo wird denn das sein? Kannst Du das sagen? Bayern ist ja gross und die Mentalitaet der Regionen auch sehr unterschiedlich.

Viel Glueck!

Anne hat gesagt…

Vielleicht wird das ganze auch einfach nett, auch wenn die Situation erstmal seltsam ist und einen empfindlichen Bereich berührt.

Was bringt dich eigentlich zu dem betont distanzierten "die" oder "mit denen?"

Anonym hat gesagt…

Hallo Jule,
ich habe einen "totgeschwiegenen" Halbbruder väterlicherseits, als ich das erfahren habe habe ich ihn nach einigem Überlegen ausfindig gemacht und - zunächst per mail - kontaktiert. Wir haben danach ein paarmal telefoniert, getroffen haben wir uns noch nicht, die Entfernung ist ähnlich Hamburg / Bayern. Für ihn ist das insofern schwierig als er zu unserem Vater nie Kontakt hatte, außer in gerichtlichen Schreiben wenn es um Unterhalt ging. Ich gehöre also zu einer Familie mit der er eigentlich nichts zu tun haben will. Andererseits ist er inzwischen gut über, ich knapp unter 40, ein Alter in dem man etwas Abstand von solchen Vergangenheiten hat.
Uns gibt der Kontakt zueinander einiges. Er ist zwar einerseits ein Teil meiner Familie, andererseits aber haben wir die Chance uns ohne den Ballst den diese Familie mit sich bringt kennenzulernen - daran sind wir nämlich beide "unschuldig".

Ich wünsche Dir alles Gute fürs Kennenlernen Deiner Halbschwestern!

LG
Ju

Dennis hat gesagt…

Hi Jule,

ich wünsche Dir, bzw euch Dir und Deinen Halbschwestern ein schönes Kennenlernen. *Dir die Daumen drück, das ein schönes Kennenlernen wird*
Die Entscheidung, es an einem neutralen Ort zu machen, ist meiner Meinung nach völlig in Ordnung. Die beiden wissen wahrscheinlich sehr viel mehr über Dich.
Da nun Deine Entscheidung getroffen ist, kann ich ohne bedenken zumindest meine damalige Entscheidung schreiben. Ich hatte mich gegen einen Kontakt entschieden.

Vielleicht hast Du auch Glück und lernst einen guten und liebevollen Teil Deiner Familie kennen.

Liebe Grüße
Dennis

Ruthy hat gesagt…

Dann wünsch ich Dir hier in Bayern
ganz viel Glück mit Deinen Schwestern und
viel Spaß bei Deinem Wettkampf.
Und vielleicht noch, daß es nocht sooo heiß ist wie grade hier bei uns - jetzt um halb 10 morgens schon 24°C ist nicht sooo lustig (sollen heut noch 10° mehr werden, schwitz)

Liebe Grüße, Ruthy

Anonym hat gesagt…

Ich wünsche dir ein schönes Treffen und hoffe, dass es keine Enttäuschung wird!

Johanna hat gesagt…

Hey Jule,

ich fürchte, meine Formulierung im Kommentar zu "Zwillinge in Bayern" war missverständlich. Meine Mutter hat nicht erst auf der Beerdigung ihres Vaters von der Existenz ihrer Halbschwestern erfahren - sondern sie dort das erste Mal getroffen (kennen gelernt). Vorher gab es keinen Kontakt (weder brieflich, telefonisch, real) untereinander. Sie wussten schon lange voneinander (die Halbschwestern sind älter und stammen aus einer Affäre), aber der Kontakt war eben "nicht erwünscht" von seiten aller Elternteile. Ist auch eine andere Generation, früher wurde das noch viel mehr totgeschwiegen und Internet gab es damals noch längst nicht.

Ich wünsche dir, dass du dich mit und bei dem Treffen wohl fühlst und ihr miteinander was anfangen könnt. :)

Liebe Grüße, Johanna

Michi hat gesagt…

Viel Glück für das Treffen und eine schöne Zeit mit deinen Halbschwestern!

Ein Treffen an neutralem Ort und mit Begleitung ist sicher richtig, aber ich hoffe, dass du am Ende sagen kannst, dies wäre nicht nötig gewesen...

Seemädel hat gesagt…

Dann versuch ich es doch hier nochmal - meinen Kommentar zum ersten Beitrag hat Blogger offenbar gefressen (kam auch ne Fehlermeldung...), aber mittlerweile ist der erste Kommentar auch hinfällig ;-)

Deine Entscheidung klingt gut durchdacht - ich wünsche dir ein gutes Treffen mit deinen beiden Halbschwestern!

SusiP hat gesagt…

Mach das ruhig. Abblocken kannst du dann immer noch.

Jule hat gesagt…

Vielen Dank für die vielen Mut machenden Worte.

@Anne: Das soll aus meiner Sicht nicht betont distanziert sein. Vielleicht wirkt es so, darauf hat mich vor einiger Zeit schonmal jemand aufmerksam gemacht. Vielleicht liegt es am Dialekt? Ich würde auch sagen: "Ich habe eben mit meiner Freundin telefoniert, die kommt gegen 15 Uhr." Ohne dass das negativ oder distanziert sein soll - gegenüber der Freundin. Gegenüber dem Dritten, der das hört, möglicherweise schon, weil er die Freundin dann nicht kennt. Sonst würde ich sagen: "Ich habe gerade mit Uschi telefoniert, sie kommt gegen 15 Uhr."

Aber wie dem auch sei: Ich bin gegenüber den Zwillingen distanziert. Ich möchte erst mal wissen, ob das alles wirklich seine Richtigkeit hat. Und dann, ob wir zueinander kommen. Solange sind das zumindest vom Gefühl her "fremde Leute".

Banane hat gesagt…

Hi Jule,

dein filmreifes Leben wird wohl auch nie langweilig ;)

Ich finde es auf jeden Fall gut, dass du deine Halbschwestern auf neutralem Boden kennenlernen willst.
Verlieren kannst du eigentlich Nichts, aber möglicherweise sind die Beiden ja ganz nett und es entsteht ein mehr oder weniger intensiver, für euch alle bereichernder Kontakt.

Gruß
Banane

Olli hat gesagt…

So wie Du das schreibst, klingt das alles sinnvoll und überlegt. Ich wünsche Dir beim Treff viel Glück - und erlaube mir, gespannt auf Berichte zu warten.