Dienstag, 31. Juli 2012

HKX-MurX

Gerne möchte ich im Oktober nach Düsseldorf fahren, eine Messe besuchen. So lange Strecken, vor allem, wenn ich an einem Tag hin und zurück und mit mehreren Leuten reisen möchte, fahre ich mit dem Zug. Die Deutsche Bahn berechnet für ein Ticket zwischen 80 und 170 Euro, je nach Rabatt und vorhandener Bahn-Card - gab es da nicht auch einen Konkurrenten auf der Strecke?

Richtig! HKX, die Abkürzung für Hamburg-Köln-Express, hat seinen Betrieb aufgenommen und eine entsprechende Zulassung bekommen, die Strecke bedienen zu dürfen. Wie fortschrittlich, Konkurrenz für die Bahn! Die brauchen eine Viertelstunde länger, sind aber erheblich billiger. Und vielleicht nicht ganz so komfortabel wie ein ICE. Nachdem bei der Deutschen Bahn die Rollstuhlplätze ja eher zurückgebaut werden (angeblich bestünde kaum Bedarf), so dass pro ICE teilweise nur noch einer statt bisher zwei oder drei Rollstuhlplätze pro Zug vorhanden sind, soll HKX seine Chance bekommen, hier zu punkten.

Und? Trommelwirbel ... ähm ... Rollstuhlfahrer bleiben bitte draußen! Plätze für Rollstuhlfahrerinnen und rollstuhlgerechte Toiletten sind in den HKX-Zügen laut Webseite des Unternehmens leider nicht vorhanden. Ächt jetzt! Na das ist ja mal ein Fortschritt. Wer hat den MurX eigentlich genehmigt?!

Kommentare :

Taro hat gesagt…

Na Prost Mahlzeit... Wählen wir also zwischen Pest und Cholera? So bequem Bahnfahren im Vergleich zum Autofahren ist, die Preise sind frech!
Dazu fällt mir nur ein: http://www.youtube.com/watch?v=wXjhszy2f9w

Anonym hat gesagt…

Ok, dass ist nun echt blöd. Aber man sollte bedenken, dass diese Firma Waggons aus den 80er (?) Jahren aufgekauft hat. Da passt das eben nicht. Damals war man offenbar noch nicht so fortschrittlich.

Ich wundere mich nur, dass du für das Ticket zahlen musst. Ich dachte durch die Änderung im letzten Jahr (und dem Wegfall der 50km Regelung) kannst du die Strecke kostenlos fahren? Oder liegts am ICE?

Ich wünsch dir trotzdem viel Spaß und hoffe, dass du wenigstens ne Sparpreis-Karte ergatterst.

BigDigger hat gesagt…

Das Eisenbahn-Bundesamt.

turtleina hat gesagt…

Darfst du die Bahn nicht komplett kostenlos nutzen? Oder bezieht sich das nur auf den Nahverkehr?

Dennis hat gesagt…

Hi Jule,
ich glaube die fahren mit Uraltwagons der Deutschen Bahn. Das stand zumindest in der Zeitung so, wenn ich mich richtig erinnere.
Aus dem Bauch heraus würde ich einfach mal vermuten, dass für die Beförderungspflichten, die für die Deutsche Bahn gelten, auch für die ganzen privaten Anbieter gelten.
Habe da aber auf deren Webseite eben was entdeckt. Die sollen an den Wochenenden mit Wagons fahren, die Plätze für Rollifahrer/innen haben, sowie rolligerechte Toiletten. Hier einmal der Link dazu:
https://www.hkx.de/de/service/barrierefrei-reisen.html
Liebe Grüße
Dennis

Michi hat gesagt…

Das derzeitige Problem beim HKX ist, dass die ursprünglich vorgesehenen Züge noch nicht einsatzbereit sind. Daher fährt man derzeit mit alten, angemieteten Abteilwagen aus den 50er Jahren, die alles andere als barrierefrei sind.

Wann (Wochentag) willst du denn fahren? Zumindest am Wochenende laufen behindertengerechte Wagen. Zitat von HKX.de: "Plätze für RollstuhlfahrerInnen und rollstuhlgerechte Toiletten finden Sie ausschließlich in den Zügen der Nord-Ostsee-Bahn, die für HKX am Wochenende fahren. Sie können in unserem Buchungssystem direkt gebucht werden."

Rolligerecht sollten folgende Züge sein:

Freitag:
HKX 1800, HH-Altona 06:35 - 10:57 Köln Hbf
HKX 1803, Köln Hbf 12:01 - 16:23 HH-Altona
HKX 1804, HH-Altona 16:37 - 20:57 Köln Hbf

Samstag:
HKX 1801 Köln Hbf 07:01 - 11:22 HH-Altona
HKX 1802 HH-Altona 11:37 - 15:57 Köln Hbf
HKX 1805 Köln Hbf 17:01 - 21:22 HH-Altona

Sonntag:
HKX 1802 HH-Altona 11:37 - 15:57 Köln Hbf
HKX 1805 Köln Hbf 17:01 - 21:22 HH-Altona

Man muss allerdings dazusagen, dass die NOB-Wagen eigentlich für den Nahverkehr gedacht sind. Überbordenen Komfort wird man also eher nicht erwarten dürfen.

Der Baumeister hat gesagt…

Hm, da musste ich doch direkt mal nachsehen da ich das kaum glauben konnte. Aber tatsächlich hast Du größtenteils Recht. Erstaunlich, ich hätte auch darauf gewettet dass es heutzutage Vorschrift wäre behindertengerechte Plätze anzubieten (zu Recht wie ich finde).

Aber zumindest am Wochenende geht es wohl: https://www.hkx.de/de/service/barrierefrei-reisen.html

Zitat: "Von Montag bis Freitag fährt der HKX mit Abteilwagen. Am Wochenende setzen wir neben diesen auch zusätzliche Züge mit Großraumwagen ein – mit viel Platz für Fahrräder, Rollstühle, Kinderwagen und Gepäck."

Kommt jetzt also darauf an wann genau Du zu uns in den schönen Ruhrpott kommen willst :-)

Jule hat gesagt…

@20.51:
@turtleina:

Das bezieht sich nur auf den Nahverkehr. Also S-Bahnen, Regionalbahnen und Regionalexpress.

Michi hat gesagt…

@Taro: LOL, klasse :D

@BigDigger: Ich befürchte, dass das EBA da wenig machen kann :( Der HKX verkehrt mit zugelassenen Fahrzeugen, somit hat das EBA keine Handhabe.

Die TSI PRM gelten nur für Neufahrzeuge oder größere Umbauten. Auf die ollen Kisten, die da jetzt laufen, trifft beides nicht zu; ich denke mal, dass auch die ehemals österreichischen Triebzüge, die eigentlich dort fahren sollen, nicht darunter fallen.

Aus der deutschen Ausgabe der Richtlinie findet sich auf S. 75 des PDF Folgendes:

Abschnitt 7.3.2.: Als bestehende Fahrzeuge gelten Fahrzeuge, die vor dem Inkrafttreten dieser TSI [1. Juli 2008, Anm. von mir] bereits in Betrieb oder Gegenstand eines bereits unterzeichneten Vertrags oder der Endphase einer Ausschreibung waren.

Diese TSI gilt nicht für bestehende Fahrzeuge, solange sie nicht erneuert oder umgerüstet werden.


Abschnitt 7.3.2.1.: Die Einhaltung der Anforderungen dieser TSI ist nicht verpflichtend, wenn die Maßnahmen, die zur Erreichung der Konformität erforderlich wären, strukturelle Änderungen an Türportalen (innen oder außen), Drehgestellen, Fahrzeugsäulen, Wagenkästen und Überfahrschutzvorrichtungen oder sonstige Schritte beinhalten würden, die eine erneute Prüfung der strukturellen Unversehrtheit des Fahrzeugs im Einklang mit EN 12663, Ausgabe Juli 2001, und/oder anderen TSI erfordern würden. (ja, das ist ein Satz!)

Der HKX ist Fernverkehr, also eine eigenwirtschaftliche Veranstaltung. Das Unternehmen kann hier, salopp ausgedrückt, machen, was es will. Im von Steuergeldern finanzierten Nahverkehr würde vorher eine Ausschreibung stattfinden, in der der Besteller (Land, Nahverkehrszweckverband o.ä.) barrierefreie Fahrzeuge verlangen kann (und hoffentlich auch wird). Wer dann keine den Anforderungen entsprechenden Fahrzeuge anbietet, bekommt den Zuschlag auch nicht.

Anonym hat gesagt…

Bezüglich der Einschränkung der Rolliplätze in ICEs ... die Bahn macht in Masse, nicht Klasse.

Also gibt es eben vier Rolliplätze, ein Kleinkindabteil und kein Radabteil auf 300 ICE-Plätze. Das klappt im Durchschnitt (ich hab auch schon mehrfach prima auf einem Rolliplatz sechs Stunden geschlafen, während gegenüber jeweils ein Berechtigter ohne Begleitung durchwechselte) ... aber Durchschnitt ist nicht das, was wir Einzelpersonen im Zweifelsfall wollen.

Anonym hat gesagt…

Es gibt in Deutschland schätzungsweise höchstens 100.000 Rollstuhlfahrer, die mit der Bahn fahren könnten. Dagegen gestellt sind 82 Millionen Einwohner, plus die nicht registrierten, plus die Touristen und Durchreisenden - sagen wir der Einfachheit halber maximal 100 Millionen.

Somit 1:1000 - tausend Sitzplätze hat ein ICE aber nicht, ergo gibt es auch keinen Anspruch auf einen Rolliplatz. Ich weiß nicht, wieso eine Minderheit immer solche Kostenforderungen verursachen muss. Und das meine ich durchaus ernst.

Knut hat gesagt…

@11.08 Uhr

Wir leben nunmal in einer Demokratie, die allen Bürgern gleichermaßen Mobilität ermöglichen soll. Wenn man ihre Argumentation ernst nehmen würde, müsste man in allen Einrichtungen unter 1000 gleichzeitigen Nutzern auf behindertengerechte Auslegung verzichten. Dann wären die von ihnen genannten 100.000 Menschen defacto aus der Gesellschaft ausgeschlossen und müssten ihre eigenen Angebote schaffen und sich abspalten. Quasi Ghettos bilden.

Dennis hat gesagt…

Hi Jule,
der HKX-Zug fährt anscheint auch Werktags mal mit den Wagons von der Nordostsee-Bahn. Dieses war heute Morgen zumindest der fall, als er zwischen Hauptbahnhof und Harburg unterwegs war. Ob es die Wagons sind die auch am Wochenende fahren sollen, weiß ich leider nicht. Vielleicht gibt es da doch für Euch die Möglichkeit Werktags zu fahren. Ich werde auch mal schauen ob ich ihn in den nächsten Tagen morgens sehe und Dir dann berichten.

Liebe Grüße
Dennis

Michi hat gesagt…

@Dennis: Das waren Reserve-Wagen der NOB, die ungefähr mit den normalen Werktags-Garnituren beim HKX vergleichbar sind. Die Wagen vom Wochenende braucht die NOB unter der Woche vermutlich selbst, ansonsten würde der HKX wohl nicht so einen Aufstand machen und von gleich zwei Firmen Wagen mieten.

Zwar ist zumindest der Steuerwagen laut Bauartbezeichnung behindertengerecht ausgestattet. Ich würde aber nicht darauf bauen, dass die Fahrzeuge im Oktober noch dort unterwegs sind, sondern eher am Wochenende fahren, so eine passende Verbindung dabei ist. Mit Nahverkehr machts jedenfalls, kostenlos hin oder her, keinen Spaß. 6 Stunden Reisezeit und mindestens dreimal umsteigen ist, ähm, sagen wir mal unschön.

Olli hat gesagt…

Das fiel mir bislang nicht auf - und ja, das geht IMHO gar nicht, wenn dann nur mit Passus zB "Transport nur nach Anmeldung im Einstiegsbereich und nicht im Abteil.

Mich störte letzt mehr der unpraktische Fahrplan für einen Tagestrip nach Hamburg von Düsseldorf aus, das geht unter der Woche (Mo-Do, ich wollte an einem Di reisen) gar nicht, wenn man nicht übernachten will. Also dann doch Aucto - zumindest ist die A1 ab Bremen inzwischen baustellenfrei.

Anonym hat gesagt…

Die Rechnung ist falsch. Es gibt in Deutschland 1000.000 Rollstuhlfahrer nicht 100.000.