Samstag, 20. Oktober 2012

Tralala und Hopsasa

Wenn man lange nichts von mir liest, und zwei Wochen sind lange, dann geht es mir entweder besonders gut oder besonders schlecht. Das schrieben mir zumindest einige besorgte Leser in den letzten Tagen. Ich kommentiere: Rischtisch!

Ursprünglich hatte ich mal vor, es mir mit ein paar Leuten besonders gut gehen zu lassen. Zum Abschluss unserer Sommersaison wollten wir mit einigen Sportkollegen ein Ferienhaus in Dänemark mieten und dort einige tolle Tage verbringen. Es war auch bereits alles gebucht, als jene Freundin, die das geplant hatte, einen Anruf bekam, das Haus sei wegen eines Wasserschadens nicht bewohnbar. Keine Ahnung, was da vor uns stattgefunden hat, aber wenn man zahlende Feriengäste wieder auslädt, muss es wohl mehr als nur eine Arschbombe in den Pool gewesen sein. Immerhin bekamen wir unbürokratisch unsere Anzahlung zurück. Jedoch: Um ein anderes barrierefreies Haus zu finden, das noch nicht belegt war, war es zu spät. Somit fiel diese Planung im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser.

Und als wäre das noch nicht blöd genug, habe ich mich auf eine Garten-Grillparty einiger Fußgänger-Triathleten einladen lassen, um mit jenem Esel zusammen zu kommen, in den ich (bislang unbemerkt) verknallt bin. Ich wusste vorher, dass auch er eingeladen war, und hatte (nicht nur als Alibi) noch Marie mitgenommen. So saßen wir bei strömendem Regen verlassen unter vielen Leuten in einem riesigen Partyzelt - und mein Angebeteter hatte kurzfristig wegen einer Erkältung abgesagt. Die Party kippte schnell in Richtung Sauforgie, so dass Marie ziemlich bald ihre Mutter anrief und darum bat, dass sie uns wieder abholte. Sie hatte das vorher angeboten, damit wir beide was trinken können.

Als Maries Mutter durch den Regen gelaufen kam, waren wir gerade dabei, uns beim Gastgeberpaar zu verabschieden. In dem Moment verbesserte sich die Stimmung wieder: Jemand hatte eine Gitarre ausgepackt und gab einige lustige Lieder zum Besten. Sprang mit der Klampfe in der Hand herum und sang ausgerechnet mich mit "Schöne Maid, hast du heut für mich Zeit?" an. "Wir singen tralala und tanzen hopsasa" - ja nee, is klar... - "Da wird die Sau geschlacht, da wird die Wurst gemacht (zum Grillfest im Garten)" - und so weiter.

Und nachdem die üblichen drei Partykracher durch waren, ging es mit den Liedern unterhalb der Gürtellinie weiter. Maries Mutter sagte irgendwann: "Ich denke, ich soll euch abholen?" - Das war das Signal, dass das Niveau tiefer nicht mehr fallen konnte. Man kündigte "Ficki Leandros" an und sang ein Lied, bei dem es darum ging, dass sich der Mann mit den Lustkugeln seiner Frau vergnügte: "Günther gestehe, da steckt was im Hintern."

Zunächst hatten wir überlegt, ob wir bei Marie noch einen DVD-Abend machen, da es mir aber nicht so gut ging (ich tippte zunächst auf das Grillfleisch), brachten die beiden mich nach Hause und ich packte mich mit Wärmflasche ins Bett. An Einschlafen war erstmal nicht zu denken, in meinem Bauch war der Teufel los. Bauchschmerzen, dazu Darmgeräusche, die auf eine erbitterte Schlacht schließen ließen - für eine Querschnittlähmung völlig untypisch. Und übel war mir wie schon lange nicht mehr.

Nach einer Stunde im Bett rollte ich dann in Richtung Klo. Spucken musste ich nicht, dafür kam ich aber zwei Stunden lang nicht mehr von der Schüssel runter. So elendig ging es mir wirklich sehr lange nicht. Mal war mir heiß, dann kalt, übel sowieso die ganze Zeit, dann hatte ich tierischen Durst, dann bekam ich wieder Bauchkrämpfe - und es war nicht daran zu denken, das Klo mal für fünf Minuten zu verlassen. Wo kam das bloß alles her? Irgendwann fühlte ich mich nur noch erschöpft und plötzlich bekam ich so derben Schüttelfrost, dass ich gar nicht so schnell mit den Zähnen klappern konnte wie von mir offenbar erwartet wurde. Dann wurde mir schwindelig, alles begann sich zu drehen, ich musste mich festhalten und dachte mir nur noch: Telefonieren. Sofort. Wer weiß, wie lange es noch dauert, bis ich hier vom Klo kippe.

Zum Glück hatte ich mein Handy in der Kletttasche in meiner Rückenlehne. Ich rief Cathleen an: "Kannst du mal rüberkommen? Bin im Bad und mein Kreislauf spielt verrückt." - Sie brachte gleich eine Pflegeschwester von Maria mit, die, als sie anklopfte und ins Zimmer kam, noch rumwitzelte, ich solle doch nicht so heiß baden, dann aber erkannte, dass ich nicht ein paar Streicheleinheiten, sondern vielleicht mal tatkräftige Hilfe bräuchte. Sie schnappte mich unter den Armen, zog mich vom Klo, legte mich auf die Erde, die Füße auf den Klodeckel, holte eine Wolldecke, deckte mich zu und sagte: "Ich rufe einen Rettungswagen."

Ich schnatterte vor mich hin und murmelte nur: "Keine Panik, das wird gleich wieder besser." - Einzige Antwort von ihr: "Dann kann er ja leer zurückfahren." - Ich hatte keine Lust, mit ihr zu diskutieren und ließ alles über mich ergehen. Kurz danach kamen zwei Sanitäter, fragten mich, was los sei, ich meinte, ich hätte wohl was falsches gegessen und habe Kreislaufprobleme und dann nützte alles Reden nichts mehr, während der eine Blutdruck maß, holte der andere die Trage. Dann wurde ich auf die Trage gehoben, Marias Pflegeschwester meinte, es wäre vielleicht nicht verkehrt, mir eine Pampers anzuziehen, ich wurde, zittrig wie ich war, bis zum Hals zudeckt, festgezurrt und durch das Haus gerollt. Ein Sanitäter schob mich mit dieser Trage, der andere rollte meinen leeren Rolli hinter uns her.

Ich erinnere mich an eine schier endlose Fahrt über holprige Straßen und dass ich irgendwann in einem gefliesten Raum lag und aufgefordert wurde, auf eine andere Liege rüberzukrabbeln. Ich bekam eine Infusion, wurde gefragt, welcher Tag heute ist und lauter so Zeugs, wurde mindestens fünf Mal auf meine Querschnittlähmung angesprochen. Die Leute redeten alle auffallend laut und deutlich mit mir. "Wer ist Ihr Betreuer in der Einrichtung?" - Häh? - "Das hat keinen Sinn. Wir rufen da morgen früh mal an und klären das."

Und dann wurde ich in ein Zimmer geschoben, wo eine Frau um die 40, Christiane hieß sie, das andere Bett belegte. Ich bräuchte viel Ruhe und solle nicht aufstehen. Ich hätte wohl einen Magen-Darm-Virus und käme aus einer Behinderten-Einrichtung. Das weiß ich noch.

Das einzige, woran ich mich erinnere, ist, dass diese andere Frau extrem viele Leberflecke in ihrem auffallend schmalen Gesicht hatte und ziemlich lange, dunkle Haare. Dass ich alles wie durch einen Tunnel sah. Und Christiane mühsam mit einem Infusionsständer in der Hand schrittweise durch das Zimmer schlurfte. Sie belegte das zweite Bett in dem Zimmer und fragte andauernd, wie es mir gehe und klingelte auch mindestens einmal nach der Schwester für mich. Ich habe voll die Erinnerungslücken, weiß nur noch, dass ich mindestens einmal eine neue Pampers bekommen habe und untenrum gewaschen wurde.

Und diese Christiane fragte mich andauernd nach meiner Mutter oder meinem Vater. Und wo ich wohne. Wie die Einrichtung heißt. Und ich habe immer nur gesagt, dass ich jetzt keinen Besuch will. Und irgendwann war die Schwester drin und fragte, ob ich einen Kamillen- oder einen Fencheltee zur Nacht möchte. Ich schüttelte mit dem Kopf, dann wurde nochmal Blutdruck gemessen, ich bekam eine neue Infusion drangehängt, Licht aus, gute Nacht. Irgendwann klingelte mein Handy und Christiane kletterte aufgeregt aus dem Bett und begann, in den Kletttaschen meines Rollis zu wühlen. Ich dachte, sie nervt das Gebimmel und sagte zu ihr: "Sorry, wenn dich das geweckt hat. Mach aus den Mist, ich rufe da morgen an."

Sie gehorchte nicht, sondern rief einfach zurück. Ich wurde böse. Wer weiß, wer da am Telefon war? Sie sagte, ich wäre ins Krankenhaus ... eingeliefert worden, ob man die Eltern anrufen könnte, es müsste sich dringend jemand um mich kümmern, sie habe ein ganz schlechtes Gefühl. Die Nachtschicht sei überfordert. Der diensthabende Arzt hätte zu viel Geduld. Und sie habe eine große Bauchwunde und solle nicht rumlaufen. Sie habe schon versucht, ihren Mann zu erreichen, aber der habe Nachtdienst und habe noch nicht zurückgerufen. "Sie kommen selbst vorbei? Jetzt gleich? Okay. Sie liegt auf der Station ... im Zimmer ...."

Ich wäre fast geplatzt. Wieso hörte sie nicht auf mich? Ich habe sie dann angepflaumt, dass ich das nicht okay finde, ich könne morgen immer noch Besuch empfangen, aber sie streichelte mir nur immer wieder über das Gesicht und sagte immer wieder: "Da kommt gleich jemand, es wird gleich besser. Versuch mal, dich zu beruhigen. Es dauert nicht mehr lange." - Das regte mich richtig auf.

Eine gewisse Zeit verging, dann wusste ich, mit wem sie da telefoniert hatte. Maries Eltern kamen beide durch die Tür. Ich sagte: "Hey, tut mir echt leid, aber meine Mitbewohnerin hat einfach so entschieden, euch anzurufen." - Woraufhin Christiane sagte: "Ich bin so froh, dass Sie da sind. Ich verstehe zwar nicht, was sie will, aber dass es ihr nicht gut geht, das merkt man doch. Sie hat angeblich einen Magen-Darm-Virus. Ich habe das Gefühl, die Schwester nimmt das auf die leichte Schulter. Kennen Sie sie näher oder die Eltern?"

Maries Mutter machte das große Licht an, tastete meinen Puls, strich mir über die Stirn. "Hol mal die Schwester. Schnell!", sagte sie zu ihrem Mann. Der flitzte los. Sie guckte Christiane an: "Gut, dass Sie angerufen haben." - Und sagte zu mir: "Wird gleich wieder gut, Mäuschen. Bleib mal bitte ganz entspannt."

Ich verstand nur Bahnhof. Was war hier los? Maries Mutter nahm mir die Decke weg, kniff mich an paar Stellen, guckte auf den Infusionsbeutel, machte eine ernste Miene und ich hatte das Gefühl, sie wäre böse auf mich. Immer, wenn ich versuchte, mit ihr zu reden, sagte sie nur, sie müsse sich jetzt konzentrieren und wir reden später. Sie verstellte mein Bett und als die Schwester endlich kam, schickte sie diese los, den Arzt holen. Ich habe sie ja schon mehrmals für ihre Ruhe und Besonnenheit bewundert, auch (und gerade) als sie sich um den Mann auf der Straße gekümmert hat, umso bedrohlicher wirkte ihr: "Sie flitzen bitte zackig los und holen den Arzt, ja?"

Es dauerte und dauerte, dann kam der Arzt um die Ecke gedüst, mit den Worten: "Was ist denn hier los?" - Maries Mutter sagte: "Das ist eine gute Frage. Ich bin die Hausärztin. Meine Patientin liegt hier blitzeblau und redet Stuss." - Der Arzt guckte die Schwester an, die zuckte mit den Schultern. Dann fummelte er an der Infusion rum und antwortete mit Blick auf die Schwester: "Die läuft viel zu langsam." - Die Schwester kam mit einen Wagen um die Ecke mit einem Gerät drauf, das sie mir an den Finger klemmen wollte.

Maries Mutter sagte: "Herr Kollege, das Ding können Sie vergessen, die ist schon blau. Zweiter Arm, zweiter Zugang, einmal selbst bestimmen, einmal Labor cito ... Machen Sie jetzt was oder ich? Und piepen Sie endlich Ihren Hintergrund an!" - "Hintergrund ist im Schockraum, da haben Sie mich gerade rausgeholt. Da ist die Hölle los." - "Ja, hier auch! Sauerstoff dran, zweite Infusion mit Druck, haben Sie ein überwachtes Bett?" - "Muss ich gucken." - "Ja, dann gucken Sie! Sind das die Werte hier von vorhin? Die war doch vor zwei Stunden schon sauer! Sag mal, das muss doch mal einer merken!"

Ich bekam eine durchsichtige Sauerstoffmaske auf mein Gesicht gesetzt. Dann endlich stöpselten sie eine zweite Infusion dran, kletteten das Blutdruckgerät drum herum und pumpten es auf. Dadurch schoss diese Infusion in meinen rechten Arm. Ich merkte nur, dass er kalt wurde. Dieses Sauerstoffteil tat gut. Oder die Infusion. Oder beides. Nur wenige Momente später hatte ich das Gefühl, als würde sich in mir irgendetwas entfalten, was in mir zusammengefallen war. Oder als würde jemand völlig vertrocknete Blumenerde gießen. Maries Vater stand an der Wand mit völlig erschrockenem Gesicht und sah aus, als wenn er gleich zu heulen anfängt. Kurz danach kam eine weitere Ärztin ins Zimmer und stellte sich vor.

Mir wurde schwindelig und das nächste, woran ich mich erinnere, waren etliche Geräte um mich herum. Ich war in einen großen Raum mit bestimmt fünf oder sechs Leuten drin. Maries Mutter war auch dabei. Anschließend musste ich in eine Röhre, in einen Kernspintomografen, bekam Ohrschützer auf und wurde erstmal durchleuchtet. Das war aber alles unauffällig, eine Blutvergiftung oder eine Infektion im Körper, die man zunächst vermutet hatte, war es nicht. Trotzdem kam ich für drei Tage auf die Intensivstation. Am Ende stellte sich heraus, dass mehrere Leute, die auf der Party waren, ebenfalls massive Probleme hatten. Also war irgendein Salat, irgendein Fleisch oder sonstwas wohl verdorben. Nur durch meine Querschnittlähmung und die damit verbundene relative Darmlähmung und den typischen Kreislaufregulationsstörungen, wäre das beinahe in die Hose gegangen. Inzwischen bin ich wieder zu Hause und es ist alles wieder okay.

Maries Mutter hat mir hinterher erzählt, dass die Laborwerte auf "einen akut lebensbedrohlichen Vorgang" hingewiesen hätten. Sie meinte: Wäre die Christiane nicht gewesen oder hätte die Schwester nicht bald nach mir geschaut, hätte ich die Nacht mit ziemlicher Sicherheit nicht überlebt. Und warum hatte Christiane nicht auf mich gehört? Maries Mutter sagte: "Du hast nur noch Blödsinn geredet. Als wenn jemand im Schlaf vor sich hinbrabbelt: Nur wirres Zeug. Die haben vermutlich gedacht, du hast auch irgendwelche kognitiven Einschränkungen." - Das durfte doch nicht wahr sein. Für mich war das, was ich gesagt hatte, alles super logisch und korrekt. Da kann man mal sehen, was da los gewesen sein muss. Maries Mutter hatte mich auf dem Handy angerufen, nachdem Cathleen noch bei Marie angerufen und ihr von meinem Abtransport ins Krankenhaus erzählt hatte.

Gegen den Arzt habe ich übrigens - wen wundert es - einen Strafantrag gestellt. Ob dabei etwas rauskommt, bleibt abzuwarten, Maries Mutter meinte, dass das klinik-intern auf jeden Fall Konsequenzen hat. Und dass ich auf dem Weg an die Daten von Christiane komme, um mich bei ihr noch einmal angemessen bedanken zu können.

Jedenfalls scheint im Moment - zumindest körperlich - alles wieder gut zu sein. So ein bißchen Aufregung brauche ich von Zeit zu Zeit, meinte Cathleen. In einer Hinsicht geht es mir jedoch nicht so gut: Mein Angebeteter hat mich im Krankenhaus nicht ein einziges Mal besucht. Und mich offenbar nicht mal vermisst. Seufz.

Kommentare :

baka hat gesagt…

uffff....

das hast du ja mal wieder was erlebt...

ich hoffe dass du es wirklich unbeschadet überstanden hast...
und toll, dass es noch Leute gibt, die sich um andere sorgen...

lbg baka

Jenny aus Hessen hat gesagt…

Zum Glück ist das gut ausgegangen!

Schade, dass er nicht vorbeikam... *knuddel*

Anonym hat gesagt…

"Von der Schüssel nicht mehr runter" - du wirst auch immer gewählter in deiner Ausdrucksweise!

Mein Sohn ist ein Jahr alt und hat sich heute voll einen in die Tüte geballert. Verstehst du, was gemeint ist?

Egal, Hauptsache alles ist wieder gut.

Michael hat gesagt…

Hallo Jule,

gottseindank hast Du immer mindestens einen Schutzengel, der auf Dich aufpasst. Aber in diesem Fall hat es zwei bedurft. So eine Scheisse. Entweder sind die Aerzte wegen Ueberlastung einfach ueberfordert, oder es wird einfach fuerchterlich geschlampt. Was immer es ist, so was darf einfach nicht passieren. Es kann doch nicht sein, dass ausgebildestes Krankenhauspersonal nicht die zusaetzlichen Risiken einer Querschnittlaehmung kennt? Ich selber habe keine Ahnung, und es ist schon der Wahnsinn, was der Querschnitt fuer Seiteneffekte haben kann, die schnell lebensbedrohlich werden. Ich hatte in Indien auch mal eine Lebensmittelvergiftung mit ganz aehnlichen Symptomen, Schuettelfrost und so, und das ist kein Spass. Gottseidank wurde das Zeug schnell wieder aus saemtlichen Oeffnungen aus dem Koerper befoerdert, so dass ich mir ungefaehr vorstellen kann, was passiert, wenn das nicht wegen Querschnitt so schnell geht.

Die Reaktion von Marie's Papa spricht Baende. Das muss ja wirklich ganz schlimm gewesen sein. Hast Du eine Ahnung, warum sie Dich in den Kernspin geschoben haben?

Trotzdem muss ich fragen: Kann es sein, dass hier bereits bei der Einlieferung ins Krankenhaus in der Kommunikation etwas nicht geklappt hat, weil die nicht wissen, wie sie mit Wohngruppen wie Eurer umgehen sollen? Klingt so, als ob die irgendwie eine permanente Pflegeeinrichtung erwartet haetten, um sich ueber Deinen Zustand informieren zu koennen, und als sie die nicht gekriegt haben, nur hilflos aufgegeben haben.

Entschuldigt alles nicht, aber allein zum Selbstschutz solltest Du vielleicht mal dran denken, die Kontaktinformationen von Marie's Mutter irgendwo auffaellig an Deinen Rolli zu befestigen. Man weiss ja nie ...

Jedenfalls bin ich froh, dass Deine Schutzengel wieder auf Dich aufgepasst haben! Tut mir aber sehr leid, dass der Schutzengel Deines Herzens diesen Job irgendwie so gar nicht uebernehmen will. Schick' dem Esel endlich mal eine bitteboese Nachricht, dass er seinen Arsch mal zu Dir bewegen soll. Selbst wenn der Esel nix von Dir will, sollte er sich wenigstens mal um Dich kuemmern.

Viele Gruesse,
Michael

Anonym hat gesagt…

recht hast du: verklag sie mal alle !!!!

Anonym hat gesagt…

Das ist doch mal wieder Scheiße! Im wahrsten Sinne des Wortes. Was machst du bloß immer für Sachen, Mädchen?

Aber dass Querschnitte sehr viel sensibler sind bei solchen Sachen, lernt doch selbst eine Krankenschwester (wie ich) schon im ersten Jahr. Wie kann sowas passieren?

Schöne Maid finde ich allerdings toll. Und bei Günther steckt was im Po, musste ich laut lachen.

Michi hat gesagt…

Es gibt Texte, bei denen die Überschrift den Nagel auf den Kopf trifft. Dieser hier gehört eher nicht dazu ;)

Je weiter ich gelesen habe, desto mehr Angst hab ich um dich bekommen... Du kannst wohl mehr als froh sein, Christiane und Maries Mutter im rechten Augenblick um dich herum gehabt zu haben!

Und um noch was Positives aus der Sache zu ziehen: Wenigstens weißt du jetzt, welches Krankenhaus du möglichst weiträumig umfahren solltest ;)

BigDigger hat gesagt…

Ach Du liebes Lieschen... Warum eigentlich versucht immer irgend jemand, Dich umzubringen? Erst die Trulla, jeder der Essensvergifter. Hast Du als Kind mal 'nen Spiegel zerbrochen?

Aber gottseisgetrommelt geht's Dir jetzt wieder gut. Bis zum Kreislaufkollaps auf dem Donnerbalken konnte ich das gut nachfühlen - hat man manchmal. Da dachte ich noch: "Ach, nicht so schlimm, das geht wieder weg." Danach bin ich vor Schreck blass geworden...

Es hält sich ja offenbar noch immer der Mythos, dass der überwiegende Teil der Ärzte in Krankenhäusern was taugt - allerdings stellt sich dann die Frage, warum die im Krankenhaus Schichtbetrieb schieben, anstatt eine eigene Praxis aufzumachen... Die Zeiten, da das Ansehen von Klinikärzten noch berechtigt war, ist unweigerlich vorbei, spätestens seit der Absetzung der Schwarzwaldklinik. Was erwartet man auch? In Hamburg sind die meisten Krankenhäuser privatisiert, und bei der Übernahme hoheitlicher Aufgaben durch private Unternehmen ist noch nie was besser geworden - im Gegenteil. Kein Wunder, denn der Staat kann es sich leisten, defizitär zu arbeiten. Bei Privaten und ihren Lohnvorstellungen hingegen gilt: You get what you pay for. If you pay peanuts you'll get monkeys. Und die haben dann auch weiße Kittel an.

blogolade hat gesagt…

Boah Jule, es läuft mir gerade eiskalt den Rücken runter! Was bin ich froh dass das nochmal gut ausgegangen ist.

An dieser Stelle muss auch ich als Unbekannte mal ein dickes Danke an Christiane und Maries Mutter sagen!

Anonym hat gesagt…

Oh je, ich hab doch geahnt, dass du die letzte Zeit nicht gerade mit dem Esel im Urlaub verbracht hast.

Ich hoffe deine Schutzengel bleiben immer an deiner Seite!

Auf das Ergebnis für die Anzeige bin ich gespannt...!

Alles Gute!

ruolbu hat gesagt…

Ich dachte mir so "surfste mal beim Frühstück ein bisschen, Oh gucke, Jule hat was geschrieben"

Jetzt brauch ich erst Mal ne halbe Stunde Ruhe, bevor ich wieder essen kann :S
Nee wirklich, dass du den Text verfasst hast, war ja quasi ein Spoiler, dass du überlebt hast. Aber wer weiß mit welchen Folgen, ich hatte die ganze Zeit SO eine Panik.

Freut mich tierisch, dass es dir wieder besser geht. Gigantisches Danke an deine tollen Freunde, mit solchen Menschen sind bestimmt die wenigsten gesegnet!

M hat gesagt…

Um das mal zu rekapitulieren: Du wirst in die Aufnahme gebracht von einem RTW und wirst dort verschiedene Dinge gefragt, auf die du vermutlich schon nicht mehr adäquat geantwortet hast: "Wir versuchen es morgen wieder."

Sorry, da fängt es doch an. Wenn ich so eine Patientin habe, kann sie 1000 Mal aus einer Behinderteneinrichtung kommen, bevor ich weiß, ob sie geistig behindert ist und deswegen nicht orientiert, lasse ich sie nicht in dem Zustand auf das Zimmer.

Wenn jemand so dehydriert ist (das vermute ich war das Problem), dass er nur noch wirr redet, dann sehe ich das in den Werten. Und wenn Maries Mutter sagt, du warst vor zwei Stunden schon sauer, also eine beginnende Azidose, vermutlich weil das Blut irgendwann zu "dick" wird und dann irgendwann zyanotisch ... dann war es wirklich kurz vor Schluss und das kann ich nicht begreifen.

Bei einer derart unklaren Lage kann ich als Arzt keinen Patienten sich selbst überlassen. Und auch von den Pflegern und Schwestern auf der Station würde ich etwas anderes erwarten.

Sorry, das gehört aufgearbeitet. Solche Kollegen gehören nicht in diesen Job.

Sally hat gesagt…

...Und ich dachte, du lutscht in Dänemark zentnerweise Bonbons... :(

Oh je. Beim Lesen hat es mich gegruselt. . Gut, dass zumindest einige Menschen noch Geistesgegenwart besessen haben.

Ruthy hat gesagt…

Boah, Frau Stinkesocke...was machst Du nur für Sachen? Uns hier so einen Schrecken einzujagen. Bloß gut, daß das dank Deine Freunde und Deiner Zimmernachbarin noch mal gut gegangen ist!!!

ednong hat gesagt…

Alter Schwede ...

Also ich weiß nicht, ob die vom RTW nicht korrekt informiert wurden über dich oder diese Info einfach nicht korrekt weitergegeben haben - aber wenn dann im Krankenhaus schon eingangs festgestellt wird, dass du wirr redest, dann hat man das weiter zu untersuchen. Schließlich bist du ja nicht auf den Kopf gefallen vor der Einlieferung!

Also ich bewundere immer wieder Maries Mutter. Es ist irgendwie Wahnsinn, was sie für einen Einsatz zeigt.

Und der Dank ist deiner Bettnachbarin sicherlich sicher.

Hoffen wir, dass dir dein Glück in dieser Form noch lange hold bleibt.

Anonym hat gesagt…

So ist das leider, wenn man als geistig behindert eingestuft wird. Da sind die Leute nicht so hinterher wie bei anderen Menschen... Und dann noch aus einer Behinderteneinrichtung.

Johanna hat gesagt…

Oh man Jule... Gott sei Dank geht's dir wieder gut. Echt heftig, was dir da passiert ist und ich hoffe sehr, du erholst dich von dem Schreck.

Zum Glück war die Christiane auf deinem Zimmer und hat geschaltet. Und zum Glück hast du wundervolle Freunde mit wundervollen Eltern. Boah echt, Gänsehaut...

Dennis hat gesagt…

Hallo Jule,

es ist sehr gut, dass Deine Bettnachbarin und Maries Mutter so gehandelt haben.
Sofern Du noch nicht ganz genesen bist, wünsche ich Dir eine gute Besserung.

Liebe Grüße
Dennis

Tamani hat gesagt…

So nervig aufdringliche Mitpatienten auch sein können, manchmal ist es doch ganz gut wenn sie nicht locker lassen.
Hast du eigentlich eine Rechsversicherung die auch bei eigenen Anklagen wirkt? Würde sich wohl echt lohnen... ;)
Was ich merkwürdig finde: wenn ein kognitiv eingeschränkter Mensch ins Krankenhaus kommt, dann wird doch normalerweise immer direkt weiter nachgeforscht und eine person ausfindig gemacht die nähere Informationen liefern kann. In dieser Situation warst du ja wohl definitiv kognitiv eingeschränkt, wenn auch aus anderen Gründen als zunächst angenommen. Ich habe es jedenfalls noch nie erlebt, dass jemand einfach so auf Station gelegt wird. Allein das ist ja schon grobfahrlässig.
Ich finde zudem, dass nicht nur der Arzt schuldig ist, sondern vorallem auch die Schwestern, was haben die denn dazu gesagt?

Viele Grüße und weiterhin gute Besserung

Tamani

seemaedel hat gesagt…

Du meine Güte, da wird einem ja schon beim Lesen schlecht vor Schreck... Maries Eltern sind klasse!
Das Krankenhaus ist ja echt unmöglich. Selbst wenn da "Land unter" ist und bereits der Hintergrund informiert ist und ein Schockraum läuft (was ja auf einen Patienten mit multiplen, vermutlich lebensbedrohlichen Verletzungen hindeutet), muss man doch die Patienten auf Station im Blick haben - insbesondere, wenn die Blutwerte schon offensichtlich schlecht sind. Das kapier ich echt nicht *kopfschüttel*. Selbst wenn die Ärzte es vielleicht eher als Job sehen als als Berufung oder unter Stress stehen, aber normalerweise ist denen das doch trotzdem nicht egal, ob einer ihrer Patienten stirbt, sondern sie versuchen eher, selbiges zu verhindern.
Ich bin heilfroh, dass es gut ausging, und hoffe, dass der Arzt sich da nicht aus der Affäre ziehen kann. Ich nehme an, dass er sich nicht irgendwann mal bei dir entschuldigt hat...?


@BigDigger: Die meisten Ärzte im Krankenhaus sind ja Assistenzärzte, die gerade die Facharztausbildung machen - die dürfen noch gar keine eigene Praxis eröffnen. Jules Arzt scheint auch Assistenzarzt gewesen zu sein, denn Maries Mutter sprach vom "Hintergrund". Das ist der Facharzt, der nachts und am Wochenende Rufbereitschaft hat, wenn der Assistenzarzt nicht weiterkommt oder zuviel los ist.
Ist also oft nicht "freie Entscheidung" oder "zu doof für eine eigene Praxis", wenn Ärzte im Krankenhaus arbeiten.
Ich hab letzte Woche mit einem "Facharzt für Allgemeinmedizin" unfreiwillige Bekanntschaft gemacht, bei dem ich auch massive Zweifel hab, ob man ihn wirklich auf Patienten loslassen sollte... aber vielleicht hab ich ihn auf einfach nicht interessiert, weil er nur Vertretung meines Hausarztes war. Dennoch hat er ein, zwei Dinge gesagt, die nachweislich so falsch sind, dass ich das meinem Hausarzt beim nächsten Besuch mal erzählen werde...
Schwarze Schafe gibt es halt überall, sowohl in Praxen als auch in Kliniken und besonders in der Nähe von Jules Idiotenmagnet... der scheint manchmal aber bis Lübeck auszustrahlen, hab ich den Eindruck...

@Jule: Wetten, du würdest auch bei einem Alleinaufenhalt auf dem Mond noch irgendwelche Deppen anziehen?^^

Dante hat gesagt…

Gute Besserung!

Wir kennen uns zwar nicht, aber ich les hier schon lange mit Begeisterung. Ich hatte ja eigentlich gehofft, Du hättest 'ne schöne Zeit mit Deinem Angebeteten. Schade.

Mir hätte echt was gefehlt, wenn das schief gegangen wäre.

Also Kopf hoch und schnell wieder gesund werden!

meg hat gesagt…

Oh mein Gott! Schock! Und ich wollte dir schon nen Kommentar schreiben, ob dir ein gewisser Herr so den Kopf verdreht hat, dass du uns vernachlässigst... Wie gut, dass es Maries Mutter gibt, und dass deine Zimmernachbarin so geistesgegenwärtig war. Sehr interessant zu hören, dass dir alles ganz normal vorkam, obwohl du Stuss geredet hast... sorry falls ich dir mit dem Vergleich zu nahe trete, aber vielleicht geht es ja geistig Behinderten so? In ihrer Welt ist alles logisch, und die Leute drum rum sind unlogisch?
Bin froh, dass es dir wieder gut geht!

Asinello hat gesagt…

Jule, Jule. Was machste nur für Sachen.
Wie gut, dass wieder einmal alle Schutzengel Dienst hatten. Und dass Dein Rolli mit dem eingeschalteten Handy mitfuhr, mit dem dann Christiane ausgerechnet Maries Mutter zurückrief. (Bei so viel Last-Minute-Luck und glücklichen Umständen könnte ich glatt vom Unglauben abfallen.)
Und wie gut, dass es Dich - trotz eines Krankenhauses, das entweder weniger am Personal sparen oder das Wort "Notaufnahme" mit "Hospiz" übermalen sollte - noch gibt.

Alicia hat gesagt…

Ich hab mir schon Sorgen um dich gemacht, weil du nicht geschrieben hast... wie krass! Oh mann, ich bin echt erschrocken über diese Geschichte! Gott sei Dank ist allea gut gegangen! Deine Bettnachbarin und Maries Mutter haben dir wirklich das Leben gerettet! Ich bin so froh, dass dir nichts passier ist! Bitte pass gut auf dich auf, ich hab dich übers blog total lieb gewonnen!
Eine dicke Umarmung,
Alicia

Frank 72 hat gesagt…

Das ist ja schrecklich. Ich hoffe ja mal, dass Du auch denjenigen verklagt hast, der schuld war, dass Du diese Magenverstimmung bekommen hast und nicht nur denjenigen, der beim Versuch zu helfen, Fehler gemacht hat. Also, die Polizei ermittelt hoffentlich schon, wie das verdorbene Lebensmittel in den Verzehr gelangt ist, oder?
Frank

Olli hat gesagt…

Wuah, sicher ein heftiger Fall, aber auch Deine Schreibe, das es mich da so emotional mitgerissen hat. Und auch ich dachte, OK, sie schreibt noch, aber was mag ggf. übergeblieben sein?
Zum Schwarm: :-( Aber wußte er denn, das Du dort bist?