Dienstag, 6. November 2012

Allerbeste Freundin

Liebes (Online-) Tagebuch, ich brauche gerade mal jemanden zum Auskotzen. Es ist sehr spät in der Nacht und ich kann nicht schlafen, weil meine Gedanken mich einfach nicht in Ruhe lassen. In mir kreisen jede Menge Zweifel und Ängste, die sich mit ein paar vernünftigen Überlegungen nicht abstellen lassen.

Immer, wenn es mir so geht, wie es mir gerade geht, merke ich, wie sehr ich mich an meiner Ordnung festhalte. Ich bin jemand, und ich habe das Gefühl, mit zunehmendem Alter prägt sich das immer stärker aus, der sehr viel Wert darauf legt, mir wichtige Dinge in sicheren Verhältnissen zu wissen.

Mir sind beispielsweise Freunde besonders wichtig. Allgemein, welche zu haben, einerseits; noch viel mehr meine ich aber andererseits, dass ich mit meinen Freunden gerne harmonische Beziehungen führe. Umso mehr wirft es mich aus dem Gleichgewicht, wenn eine enge Freundin mich plötzlich enttäuscht und, vielleicht aus einem Missverständnis heraus, vielleicht aber auch nicht, Dinge formuliert, die ich nie für möglich gehalten habe. Dinge, die so viel bedeuten wie: "Ich möchte künftig mit dir nur noch eine oberflächliche Freundschaft pflegen." - Nachdem wir uns seit Jahren kennen. Und als Grund dafür anführt, dass sie einer anderen Freundin bereits die beste Freundschaft versprochen hat. Zum Glück (im Unglück) ist es keine der Freundinnen, mit denen ich täglich oder wöchentlich zu tun habe; ich habe sie fast ein halbes Jahr nicht gesehen. Aber dennoch ist es bitter.

Ich sortiere doch weder meine Freundschaften noch meine Freunde nach der Intensität unserer Beziehung. Ich habe keine beste, keine allerbeste und auch keine aller-aller-beste Freundin. Entsprechend verstehe ich auch nicht, wie man diesen "Titel" nur (oder überhaupt) einmal vergeben kann - oder, noch krasser, eine intensivere Freundschaft aus solchen "formalen Gründen" ablehnt. Ich möchte nicht fies sein, aber ist ein solches Verhalten nicht ziemlich unreif? Definiert sich eine Freundschaft nicht aus der Nähe und der Wärme, die man für- und miteinander empfindet? Und findet man erst danach einen Namen für diese Gefühle, wenn man sie denn unbedingt beschreiben will?

Und irgendwie schwindet in letzter Zeit meine Selbstsicherheit ganz extrem. Wenn ich mich so im Spiegel ansehe, frage ich mich, wo das geblieben ist, auf das ich mal sehr stolz war. Ich habe manchmal das Gefühl, ich denke zu wenig an mich selbst. Ich kümmere mich zu viel um andere. Umso verwirrter bin ich, wenn mir ernsthaft vorgeworfen wird, egoistisch zu sein. Nicht von meinen Freunden, aber von jemandem, der mich eigentlich gut genug kennen müsste. Meine Freunde sagen dazu: "Du hast deine Schwächen wie jeder Mensch - aber Egoismus gehört ganz sicher nicht dazu." - Trotzdem will ich sowas nicht hören, schon gar nicht von Leuten, von denen ich glaube, dass sie es besser wissen müssten.

Dann wohnt in unserem Wohnprojekt aktuell eine Frau, ebenfalls eine Rollstuhlfahrerin, etwas älter als ich, die permanent lügt. Sie packt es nicht, Verantwortung zu übernehmen, für das, was sie tut oder das, was sie nicht tut. "Ja, hab ich verbockt", ist doch ein Satz, zu dem man stehen können müsste. Kann sie nicht. Stattdessen sagt sie: "Ich?! Nie im Leben! Das war ich nicht, das kann gar nicht sein." - Boa, ist das anstrengend. Weil jeder inzwischen weiß, dass 50% dessen, was sie von sich gibt, nicht stimmt. Und man ihr bei den anderen 50% eigentlich kein Unrecht tun möchte. Inzwischen ist es mir aber egal, ich habe es nach endlosen Diskussionen mit ihr aufgegeben, beschränke mich auf den oberflächlichsten Dialog und baue absolut nichts auf ihre Aussagen. Es ist trotzdem nervig, weil mir jedes Gespräch vorkommt wie verlorene Zeit.

Und im Moment habe ich das Gefühl, ständig kritisiert zu werden. Negativ kritisiert. Entweder ist das gerade eine Phase, die irgendwann auch mal vorrüber geht, oder ich habe den Anschluss zur Realität verloren. In der Uni kann ich zur Zeit niemandem was recht machen, im Sportverein auch nicht, die Abfuhr meines heiß begehrten Typen kratzt auch an meinem Ego - dazu kommt der zeitliche Stress, den mein Studium gerade mit sich bringt und der mir kaum mehr Zeit lässt für entspannte Dinge; nein, es ging mir wirklich schon mal besser. Seelisch.

Keine Sorge, ich springe jetzt nicht gleich vom Balkon: Ich kann ja gar nicht springen. Auch sehe ich mich jetzt nicht in einer depressiven Verstimmung. Aber vor Freude jauchzen, dazu kann ich mich gerade nicht durchringen. Dieses bescheuerte Wetter und die viel zu früh einsetzende Dunkelheit tragen auch noch was bei. Ich hoffe, es wird bald wieder besser.

Kommentare :

Hannes hat gesagt…

Hey Jule,

ich sitze gerade noch am Lernen für meinen letzten Prüfungstag morgen.
Noch einmal in die Mündliche und dann bin ich da wo du auch hin willst.
Ich habe mich damals für dich gefreut, als du den Studienplatz bekommen hast.
Solche Mediziner wie dich braucht das Land, war mein erster Gedanke.
Ich lese deinen Blog sehr gerne und halte dich für einen bewundernswerten Menschen.
Immer unter der Vorraussetzung, dass ich dich nicht persönlich kenne, sondern nur aus deinen Blogeinträgen.
Bleib am Studium dran, alles halb so schlimm am Ende und es kochen alle nur mit Wasser.
Alles Gute weiterhin und vielleicht kannst du einem armen Hammerexamen-Geplagten noch ein bischen die Daumen drücken für den Endspurt. ;-)

Alice hat gesagt…

Es wird sicher bald besser! Wir müssen uns nur noch mal an das Wetter und die Dunkelheit gewöhnen. Ich hab gestern auch schon gejammert, dass nahezu jeder schlecht gelaunt ist. Unerhört ;) Ans Pensum des Studiums wirst du dich noch gewöhnen, das braucht halt seine Zeit... Kopf hoch!

Was die Freundin angeht: ähnlich wie du will sie selbst wohl auch alles in geregelten Verhältnissen wissen. Und das veranlasst sie dann zu solch seltsam anmutenden Aussagen. In der Regel SAGT man ja nicht, dass man eine Freundschaft etwas zurückfahren will, selbst wenn man es tut (ein halbes Jahr Kontakt bedeutet das letzen Endes auch irgendwie). Also entweder sie will die Freundschaft echt zurückfahren, weil euer Kontakt etwas loser geworden ist, oder aber sie will dich durch diese Aussage aufrütteln.... musst jetzt selber wissen, was du machen willst. Ich würde das machen, was sich besser anfühlt. In dem Fall: den Dingen ihren Lauf lassen.

Viele Grüße!

Anonym hat gesagt…

Genau das! Ich hatte genau diese Diskussion über das Klassifizieren -bzw eben nicht!- von Freundschaftenh schon unzählige male. Ich habe auch mal gedacht, als ich ein Teenager war. Meiner Ansicht nach wächst man da raus und wenn der eine das tut und der andere eben nicht, dann muss man der Tatsache ins Auge sehen, das getrennte Wege eben das beste für alle sind.
Schade ist nur, dass dieselben Leute das dann auch nicht einfach so passieren lassen können, sondern das ganz groß ankündigen müssen, was den anderen verständlicher Weise verletzt.
Mit der Zeit lernt man, solche Dinge einfach hin zu nehmen und das beste aus der Situation zu machen. Das hilft dir jetzt gerade sicherlich weniger.
Aber zumindest kann ich dir sagen, anderen geht es auch so.

Was deine Selbstzweifel angeht, solltest du nur auf dich selbst hören und vielleicht gerade noch auf die Leute, die dich am besten kennen und dir am meisten bedeuten.

nachholer hat gesagt…

1. ja, unreif. Das liest sich ein bißchen wie Kindergarten. Packe es beiseite.
2. Streß, Emotionen, Herbst -> Du hast den Blues.
Das schaffst Du auch. Und wenn es ganz hart wird, heule Dich auch mal bei jemandem aus. Das senkt den (Wasser)Druck.

LG, Matze

Anonym hat gesagt…

Hi Jule,

ich schicke dir mal nen Sonnenstrahl ...

Wegen deiner Mitbewohnerin und dem Satz: "Boa, ist das anstrengend. Weil jeder inzwischen weiß, dass 50% dessen, was sie von sich gibt, nicht stimmt. Und man ihr bei den anderen 50% eigentlich kein Unrecht tun möchte." fiel mir spontan der Satz ein:

Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, und wenn er doch die Wahrheit spricht.

Zur aller, aller, allerbesten Freundin - naja, ich bin jetzt 31 und ich finde die "Titelvergabe" der "Besten Freundin" schon recht kindisch ...

Was die Abfuhr deines Schwarms angeht, nunja, jetzt hast du wenigstens Gewissheit ...

und Uni-Stress? - ist völlig normal. Warte mal die Prüfungszeit ab! (will dir jetzt aber auch keine Angst machen, schließlich kannst du, solltest du merken, es wird zuviel, jederzeit einen Nachteilsausgleich für diverse Prüfungsleistungen beantragen ... was ich auch machen würde.)

Und Sportverein: Ich finde es gut, dass du bzgl. des Kassierers an Ort und Stelle für "Gerechtigkeit" eingetreten bist ... hmm, aber als kleiner Tip: manchmal muß man in dieser Welt da auch etwas vorsichtig sein ...
"Gerechtigkeitsempfinden" ist zuweilen was sehr subjektives und das spontane Eintreten hierfür kann sich auch gegen einen wenden - vielleicht ein Grund für die momentane Kritik im Sportverein?

hier also ein paar sonnenstrahlen und gut, dass du nicht vom Balkon hüpfen kannst. ;-)

eine deiner vielen treuen (anonymen) LeserInnen

Timm hat gesagt…

Ach Jule,

was du beschreibst klignt wirklich nach nem holprigen Stück weg. Aber lass die gesagt sein: Das wird wieder. Denn egal wie komisch und seltsam sich die Dinge manchmal entwickeln, sei es freundschaftliche Verhältnisse, das zwischenmenschliche oder das berufliche. Es gibt immer Oben und Unten. Das doofe ist halt, das man wenn man unten ist irgendwie klarer sieht. So wenn man sich etwas kauft was eigentlich keiner hat und dann sieht man das überall.
Ich könnte dir da Geschichten erzählen und ach was weiss ich alles, wahscheinlich könnte ich selber einen Blog schreiben darüber. Warum ich Songs darüber geschrieben habe, Geschichten und endlose Reflektion betrieben habe.

Aber glaube mir, "das ist nicht die Sonne die untergeht, sondern die Erde die sich dreht".

Gewh in Dich, nimm dir ein wenig Zeit für dich, tu was dich glücklich macht, nimm ne Auszeit. Alles was du brauchst, dein Leben liegt vor Dir. Verlier dich in Fantasiewelten oder lass die Herbstluft um deine süße Nase wehen.

Das Leben ist ein GEschenk aber Scheisse verpackt ;)

Timm hat gesagt…

Und zum Thema Freundschaften: Man merkt schnell wer einem was bedeutet und ob das auf Gegenseitigkeit beruht. Es bringt weder in Liebes- noch in Freundschaftsdingen. Das ist zwar hart aber es bringt letztendlich mehr.

MoniRose hat gesagt…

Ach Mensch Jule, lass dich einfach mal virtuell drücken.
Hört sich bestimmt recht platt an, aber jeder hat so Phasen, in denen er zweifelt, an sich, an anderen, am ganzen Leben. Das gehört leider auch dazu.
Und du hast in letzter Zeit ja auch einiges durchgemacht, das fordert irgendwann seinen Tribut.

Gönn dir was! Umgib dich so oft es geht mit Menschen die dir gut tun! Und vertraue darauf, das es bald wieder besser wird.

Ich drück dir ganz fest die Daumen das es schnell geht!

Liebe Grüße
Moni

aut.-neuro. hat gesagt…

Ich bin der erste Kommentar. Ich hoffe, ich kriege hin, was sinnvolles zu schreiben, sonst bitte ignorieren, liegt an mir, nicht an irgendwas anderem.
1. Ich glaube das Verhalten der Freundin (was sie gesagt hat) ist komisch. Ich denke die meisten Leute haben mehrere enge Freude. Das wird mir jedenfalls immer so gesagt. Und vor allem, wenn ihr vorher schon eng befreundet wart, dann versteht ich nicht, warum das jetzt anders sein soll. Wenn sie denkt man kann nur eine enge Freundin haben, warum sagt sie es dann einer anderen. Wenn sie mit der anderen Freundin vorher auch schon eng befreundet war, dann ging es ja vorher auch mit 2 Freundinnen eng befreundet zu sein.
2. In deinem Blog klingt du überhaupt gar nicht egoistisch.
3. Dass die lügt ist natürlich sehr ätzend.
4. Ich wüsste gerne einen Tipp dazu. Vielleicht kannst du langsamer studieren? Ich glaube, Freizeit ist wichtig und dass man noch etwas schönes machen kann, wo man sich entspannen kann von dem Stress. Vielleicht wird es ja auch nach einer Zeit wieder besser, doch es kann sein, dass man das viel zu lange hofft. Hoffentlich wird es bald besser, hoffentlich wird es bald besser, hoffentlich wird es endlich bald besser usw. und in Wirklichkeit wird es das nicht, weil man irgendwie den Stress reduzieren müsste.
Sorry wenn ich Blödsinn geschrieben habe!

Kisa hat gesagt…

Hey Jule,

ich würde dich ja jetzt gerne in den Arm nehmen, aber geht über den Computer schlecht ;-)

Ich kann dich aber gut verstehen. Man kommt halt manchmal-öfters an einen Punkt, an dem einen alles zu viel wird und sich die Dinge häufen und es einem einfach nicht gut geht.

Das "Problem" mit der Freundin habe ich auch. Ich kann auch nicht wirklich verstehen, wie man manche Leute als "beste" Freunde bezeichnen kann und dann welche nur als Freunde. Ich habe zwei etwas engere Freunde - bei denen würde ich die Freundschaft jedoch nie abstufen oder sowas. Finde ich auch völlig quatsch und Kindergarten, wenn man sagt "Ich mag dich, aber XY mag ich mehr".

Von daher: Du bist nicht alleine. Ich hoffe, dass du für dich deine positiven Seiten schnell wieder siehst bzw die negativeren Seiten auswiegen.

Liebe Grüße
Kisa

Ulli hat gesagt…

Liebe Jule,

solche Phasen gibt es immer mal wieder. Im Freundes- und Bekanntenkreis bin ich auch als die bekannt, die immer hilft und immer da ist und wenn ich dann mal wirklich nicht kann, dann wird mir auch schnell vorgeworfen, ich sei egoistisch (nicht von meinen wahren Freunden!!!). Es hat lange gedauert, bis dass ich gelernt habe, dass das gelegentliche Nein-sagen nichts mit Egoismus sondern mit Respekt vor mir selber zu tun hat. Ich bin auch jemand! Aber meistens vergesse ich das und übernehme mich dann doch wieder... Und wenn es mal wieder so weit ist, dann hilft mir immer, mir einen "Ulli-Tag" zu gönnen. Ich schalte Telefon und Handy ab, gehe einen ganzen Tag in den Zoo oder in die Therme, laufe am Flussufer entlang oder setze mich mit einem Buch in ein schönes Café und lass es mir gut gehen. Meistens hilft das.

Und zum Thema allerbeste Freundin... Ich habe einige SEHR gute Freunde, aber keine(n), die ich als allerbeste Freundin bezeichnen würde - jeder von ihnen ist mir aus den unterschiedlichsten Gründen gleich wichtig und jeder hat ein "Spezialgebiet", was ich nur mit der einen Person bespreche (schwere Krankheiten, Todesfälle, Beziehungsprobleme, etc.) oder mache (wandern, Kino, reisen, abends weggehen, basteln, nähen). Manche dieser Freunde können meine anderen Freunde nicht leiden und das ist auch in Ordnung, solange sie respektieren, dass ich diese Person mag. Aus dem Alter "best friends forever" bin ich raus und eigentlich glaube ich, dass ich nie in diesem Alter gewesen bin.... Vielleicht merkt auch Deine Freundin in naher Zukunft, dass man mehrere Freunde haben kann - ohne dass man diese Titel vergeben muss.

Ich wünsche Dir, dass es Dir bald besser geht!

Daniela hat gesagt…

Ach Jule, so ist das Leben. Freunde kommen, Freunde gehen, man hat Zeiten, wo man vor Glück nicht weiß wohin und Zeiten, in denen man am Liebsten morgens die Decke über den Kopf ziehen würde, damit alles an Einem vorüber zieht.

Sieh es einfach mal so, ohne das Schlechte, wüßten wir das Gute nicht zu schätzen. Es gibt halt nun mal im Leben immer 2 Seiten.

Da bleibet Einem nur, den Mut nicht zu verlieren, denn es wird auch wieder besser werden, auf alle Fälle.

Liebe Grüße
Daniela

sven hat gesagt…

Guten Morgen Jule,

ich weiß ja nicht, wie alt das Mädel ist, was da diese "Einstufungen" ihrer Freunde vornimmt.
Aber geistig ist sie wohl noch nicht wirklich aus der Pubertät raus.
Klar ist es schmerzvoll, wenn man sich in der Einschätzung eines anderen so getäuscht hat und die Gefühle, die man für diesen empfindet, nicht mit der gleichen Intensität erwidert werden.
Es gehört nunmal zum Leben eines Menschen, dass seine Gefühle von dem Gegenüber nicht erwidert werden bzw. man zurückgewiesen wird.
Das tut zwar weh, sollte aber akzeptiert werden, sonst wird man Fall für die Couch.

Es klingt jetzt vielleicht doof, aber ich denke, auch du hast da gewisse Defizite in deiner emotionalen Reife.
Wie komme ich darauf?
Nun, die Pubertät ist die Zeit, in der andere es lernen, Beziehungen aufzugeben und neue zu knüpfen.
Du dagegen hattest in dieser Zeit ganz andere Dinge neu zu lernen und dein Leben von Grund auf neu zu strukturieren.
Die letzten Jahre der Pubertät ist die Zeit, in der sich der Heranwachsende neu in seine bekannte Umwelt einordnet, bei dir war da nichts bekannt und dementsprechend groß waren und sind die Aufgaben, die du zu bewältigen hast, um in deinem Leben "klarzukommen".
Dementsprechend ist dieser Prozeß bei dir nicht mit 18/19 abgeschlossen gewesen, sondern dauert noch immer an.
Was aber deine Umwelt so nicht von einer erwachsenen Frau kennt und deswegen irritiert bis negativ reagiert.

Wie da aber jemand behaupten kann, du wärst egoistisch, erschließt sich mir auch nicht.
Am Besten ist es in solchen Fällen, sich daran zu erinnern, das man ja ZWEI Ohren hat .....

Zusammenfassend:
Nee, du hast bestimmt nicht den Bezug zur Realität verloren.
Und: Ja, das geht vorüber, lass dir die Zeit, das Neue in deinem Leben zu strukturieren.
Die Tage werden auch wieder heller.

Gruß Sven

Anonym hat gesagt…

Liebe Jule,

leider muß ich Dir mitteilen, daß ich Dein Blog nur noch oberflächlich lesen kann, weil ich bereits einem anderen Blog versprochen habe, daß es mein Lieblingsblog ist.

Oh mann. Laß Dich virtuell drücken.

liebe Grüße
N

Anonym hat gesagt…

Ach Mensch!
Das tut mir leid! Gibt es nicht die Möglichkeit, das Studium etwas zu verlängern und somit zu entzerren?
Medizin ist ja auch nicht ohne! Ich studiere Psychologie und mache den Bachelor einfach bissl länger! Vielleicht wäre das eine Möglichkeit für dich! Alles Liebe dir! Ich hab auch gerade so eine Phase!

Einmal um die Welt hat gesagt…

(umarm)

Dennis hat gesagt…

Hallo Jule,

durch Deinem Blog ist es sehr gut erkennbar, dass der Egoismus keine Deiner Eigenschaften ist. Du hast öfters mal geschrieben, dass eine Freundin vor der Tür stand oder Dich angerufen hatte, weil sie Probleme, Kummer, Sorgen usw. hatte und Du warst da immer für die Person da. Für den Touran zahlt Ihr freiwillig die Steuern, damit Ihr Euch den teilen könnt. Das beides passt weniger zu einem egoistischem Menschen. Der würde wahrscheinlich eher auf die eigene Nachtruhe beruhen, als Freunden zu helfen und Trost zugeben.

Ich glaube durch deine positiven Eigenschaften (Hilfsbereit, Führsorglich, sehr harmonische, liebevoll usw.), zählt die Freundschaft mit den zu wertvollsten Geschenken, die Du jemand geben kannst. Wenn die „oberflächliche Freundin“ dieses Geschenk mit den Füßen tritt, sollte sie sich nicht über Deine Reaktion wundern.

Fühl Dich einfach mal von mir gedrückt, sofern ich das darf.

Wenn man in so einem Wohnprojekt lebt, sollte man doch eigentlich Verantwortung übernehmen können, ansonsten wäre man da doch ein wenig falsch am platz.

Liebe Grüße
Dennis

Anonym hat gesagt…

Jede noch so dunkle Nacht endet mit einem Sonnenaufgang.

Schrödingers Katze hat gesagt…

Liebe Jule,

das was du schreibst, klingt wie ein Schritt des "Erwachsenwerdens" ;)

Gerade die Anfangsphase des Studiums ist stressig. Man muss sich umgewöhnen zu den Anforderungen aus der Schulzeit, man ist freier in seinem Lernen und Planen und irgendwie doch nicht, man muss sich seine eigenen Strukturen schaffen (in anderen Fächern noch schlimmer als in der doch gut strukturierten Medizin), hat ein anderes Lernpensum (ich habe für meine allererste Klausur im Studium mehr gelernt als für alle meine Abiprüfungen zusammen). Man muss es auch eigentlich niemandem mehr "recht machen" außer sich selbst oder vielleicht noch seiner Lern- oder Arbeitsgruppe.
Dazu noch dein Sportverein, der eben mehr ist als einmal die Woche für 60 Minuten Volleyball spielen zu gehen sondern mit Nachttrainings und Schwimmtraining etcpp ja wesentlich mehr Aufwand mit sich bringt. Zusätzlich zu dem arbeits- und lernintensiven Medizinstudium.

Zumindest da kann ich dir versprechen, dass das nur eine Phase ist. Die haben wohl die meisten an irgendeinem Punkt in ihrem Studium. Man lernt, sich zu arrangieren. Und im Zweifel die entspannten Dinge für eine Weile zur Seite zu schieben (andererseits: sollte dein Sport nicht Entspannung sein? und keine "Bürde"?). Es dir recht machen und zu sehen, dass du wichtig bist, das lernst du mit der Zeit. Irgendetwas muss dafür in der Regel zurückstecken, ob es das Studium ist (dass dann eben etwas länger dauert) oder der Sport oder der Kaffee mit Freunden - das kann man nur selbst entscheiden.

Freundschaften *seufz*
Meine "beste" Freundin (meine engste, die mit der ich alles teilen konnte, mit der ich am meisten Zeit verbracht habe, mit der ich in einer langen Phase meines Lebens die meisten Erinnerungen verbinde, die mir das wollewarme Gefühl im Bauch gemacht haben, eine richtig gute Freundin zu haben) spricht nicht mehr mit mir. Seit über 7 Jahren. Sie ringt sich kaum ein Hallo hervor, wenn wir uns zufällig sehen und hat schon Kneipen wieder verlassen, wenn sie gesehen hat, dass ich da bin. Warum? Ich habe KEINE Ahnung. Ich habe ihr die Hand entgegengestreckt und sie zu meiner Hochzeit eingeladen (immerhin hat sie uns verkuppelt). Sie hat sich per SMS gemeldet mit sie wäre vielleicht im Urlaub, mal gucken. Abgesagt hat sie nicht. Gekommen ist sie nicht. Sie fehlt mir bis heute. Unendlich.

Und ich glaube, deine Mitbewohnerin ist meine Kollegin. Keine Angst, total falsche Stadt und im Rollstuhl sitzt meine Kollegin auch nicht. Aber *argh* ich kann Menschen nicht leiden, die sich nicht hinstellen können und sagen können "Japp, hab ich verkackt. Sorry. Kläre ich.". Niemand ist perfekt. Wir alle machen Fehler. Keiner erwartet, dass der Gegenüber immer alles richtig macht. Das Verhalten ist frustrierend. Ständig angelogen zu werden noch frustrierender. Und ungesund. Geh ihr aus dem Weg soweit du kannst. Jedes (intensive) Gespräch fühlt sich nicht nur an wie verlorene Zeit sondern ist verlorene Zeit.

Kopf hoch!

Schrödingers Katze

Nobody hat gesagt…

Hallo Jule,

glaub mir auch Leute, die einen kennen sollten, haben manchmal nicht die komplette Übersicht.
Das ist schmerzhaft aber es ist leider aber so. Wir hier alle können natürlich dich nur nach deinen Blog beurteilen. Dabei kommst du aber sehr Sozial weg. Die Geschichte über den Kassenwart hat das eindrucksvoll bewiesen.

Niklas hat gesagt…

Hey,

tut mir leid für dich, dass du im Moment mit so vielen Widrigkeiten zu kämpfen hast. Ich kenne solche Situationen, in denen plötzlich alles auf einmal kommt. Aber auch wenn das nun abgedroschen klingen mag: Auf Regen folgt tatsächlich Sonnenschein. Aber das wirst du wissen, denke ich mal.

Zu deiner "Freundin": Ich gebe die Recht ihr Verhalten IST unreif. Was ist denn das für eine Kinderkacke?
Natürlich tut es erstmal weh zu hören, dass eine Freundschaft doch nicht so toll ist, wie man immer dachte, zumal du im Moment durch deinen Liebeskummer (Selbstzweifel aus diesem Grund sind übrigens völlig normal, was nicht heißt, dass sie berechtigt sind) und den Uni-Stress sowieso dünnhäutig bist. Jedoch: Wenn du etwas Abstand zu der Sache gewonnen hast, wirst du merken, dass du sowas nicht nötig hast.

Kopf hoch! Irgendwann wird auch wieder eine Phase kommen, in der plötzlich alles Gute zusammenkommt. :)

LG
Niklas

Anonym hat gesagt…

Hallo,
ich mag viele Dinge die du tus oder sagst.
Aber als egoistisch habe ich in deinem Schreiben bisher immer auch empfunden. Manchmal sogar als sehr egoistisch.
Andere sind dir immer egal, es sei denn sie sind deine Freude.

Sorry, wenn ich das so einfach laut sage. Aber ich denke man kommt nur dann weiter wenn man auf die Wahnehmung der Menschen hört die um einen herum sind. Und einem subjektiv einschätzn und nicht Honig ums Maul rum schmieren.

Tinka hat gesagt…

Hallo Jule!
Ich glaube nicht, dass du ein egoistischer Mensch bist. Wenn ich deinen Blog lese, dann denke ich "Wow, diese junge Frau hat schon so vielen Menschen geholfen, das ist beeindruckend!" Und du hast diesen Menschen wirklich geholfen, denke mal an die Mädchen, die auch plötzlich querschnittgelähmt waren und denen du so viel neuen Lebensmut geschenkt hast und denen du und deine Freunde gezeigt haben, dass man auch im Rollstuhl viele Sachen alleine bewältigen kann und nicht immer von fremder Hilfe abhängig ist.
Außerdem finde ich, dass du eine richtig starke Persönlichkeit hast. Schau nur, wie es geschafft hast, dir ein selbstbestimmtes, unabhängiges Leben aufzubauen trotz aller Widerstände! Wie viele Menschen sind mit 16 Jahren schon so auf zack, zu erkennen, was gut für sie ist und mutig genug, sich gegenüber den Eltern diesbezüglich durchzusetzen? Wenige.
Vielleicht ist das auch der Grund, warum dir Freunde so besonders wichtig sind. Diese Freundin, die mehr so eng mit dir befreundet sein will, wirkt auf mich echt kindisch. Aber du hast ja zum Glück echte Freunde, die dich trösten und dich auch nicht egoistisch finden. Ich wünsche dir, dass du immer gute Freunde hast und dass du später eine eigene Familie haben wirst. Und da du so ein toller Mensch bist, bin ich mir auch ziemlich sicher, dass dieser Wunsch in Erfüllung gehen wird!
Und wegen dem Studium mach dir keinen Stress. Meine ersten Semester waren auch super stressig. Wenn ich es richtig mitbekommen habe, dürften ein, zwei Semester, die du länger brauchst, finanziell kein Drama sein. Wenn es dir zu viel wird, mach einfach ein paar weniger Kurse pro Semester.
Mit dem Sportverein wird es auch noch eine Lösung geben. Ich fand dein Verhalten in der Versammlung gut und richtig (außer der "Leck mich"-Spruch ;-) aber wer hat sich schon immer unter Kontrolle...). Aber wenn du mal nicht die Kraft und Energie für solche Sachen übrig hast, sondern die Energie für dich brauchst, dann ist das auch völlig ok.
Also, lies dir die ganzen Aufmunterungen deiner Leser durch und lass dich ein wenig aufbauen. Hey, du bist einer der wenigen Menschen, die ein Tagebuch haben, dass dir antwortet und dir immer beipflichtet und dir sagt, wie toll du bist, sowas hätte ich auch gerne!
Liebe Grüße
Tinka

ednong hat gesagt…

Ach herrje,
das klingt ja, als wärst du lange, lange nicht gedrückt worden. Verwöhn dich doch einfach mal ein wochenende lang selbst - dann geht dir das schon besser.

Die Dunkelheit, die Kälte, das schlechte Wetter - das sorgt nun mal für schlechtere Stimmung bei den Menschen. Da mußt du durch, schließlich gibt es auch noch eine schönere Seite.

Zur Uni: kannst du dir deinen Stundenplan da nicht selbst zusammenstellen? Wenn du es partout nicht reduzieren kannst (was ich mir noch nciht so recht vorstellen kann), dann versuche für dich zu lernen und nicht fürs Studium. Und reduzier ggf. die Lerntiefe eines FAches ein wenig.

Und nebenbei das Genießen nicht vergessen. NIcht nur lernen.

Und schön locker bleiben - wer nur eine allerbeste Freundin/Freund hat, ist ein wenig be-/eingeschränkt. Da muß man sich doch nicht noch drüber ärgern, ich bitte dich!

Jenny aus Hessen hat gesagt…

Hi

"Alles doof", oder? *knuddel*

Beim Studium würd ich dir auch empfehlen, das Tempo und Pensum zu reduzieren, soweit es bei deiner Uni möglich und im Rahmen ist, frag mal bei der Studienberatung nach. Auf Bafög o.ä. bist du ja zum Glück nicht angewiesen, also auch nicht darauf -was die finanzielle Seite angeht- möglichst in Regelstudienzeit zu studieren. Grad bei lermintensiven Studiengängen wie Jura, Medizin und Co würd ich das wenn ich es könnte auch ausnutzen. Es nützt ja weder dir noch Patienten was, wenn du direkt nach oder noch währemd dem Studium Burnout kriegst... Nimm dir Zeit für ich, das ist wichtig dabei! Ohne Entspannung kann der Kopf auch nicht gut lernen.

Und nen Scheißewirddasfrühdunkel-Blues hab ich grad auch... =/

LG

BigDigger hat gesagt…

Hey Jule, was Deine Exfreundin (in platonischem Sinne) betrifft, mach Dir darüber keinen Kopf. Manche werden erst mit der Zeit zur geplatzten Knackwurst, manche sind es schon und man merkt es nur nicht...

Vielleicht geht es ja tatsächlich vermehrt um Dich - die Frage ist nur, wie viel es vorher um Dich ging. Vielleicht verträgt sie es nicht, nicht mehr alleiniger Dreh- und Angelpunkt des um sie herum existierenden Universums zu sein? Es gibt einen Unterschied zwischen purem Egoismus (der bis hin zur Egomanie bzw. Egozentrik reicht) und dem gesunden Egoismus, der einen vor Selbstaufgabe schützt. Dass Deine Belange wichtig sind, steht außer Frage, zumal Du mit Faktoren zu kämpfen hast, die Deiner Exfreundin absolut fremd sind.

Vielleicht ist es auch nur der Neid darüber, welche im Grunde starke Frau Du geworden bist, die *Floskelgenerator an* "ihr schweres Schicksal meistert" *Floskelgenerator aus* und mit beiden Arschbacken fest im Leben sitzt - wobei sie eben übersieht (oder übersehen will, was Dir wiederholt widerfährt.

Kurzum: Denk nicht drüber nach, was Menschen über Dich denken, die Dich aus *Floskelgenerator an* "guten Zeiten" *Floskelgenerator aus* kannten, sondern halte Dich an die, die auch in *Floskelgenerator an* "schweren Zeiten" *Floskelgenerator aus* zu Dir stehen. Alle anderen sollen Deine Pampers liebkosen...

Das mit der Uni und dem Verein müsstest Du allerdings nochmal konkretisieren. Im Verein meinst Du sicher nicht die Suggestivpottsau von letztens, da gilt doch wieder das Bild von der Sau und der Eiche (auch wenn die Eiche Räder unter den Wurzeln hat).

Aber das mit dem Stress kenne ich. Durch so eine Phase bin ich gerade durch (und deswegen bin ich seitdem auch bei PL ausgeloggt, weil ich die Nebenwirkungen gemerkt habe). Das schlägt einem ganz schön ins Kontor. Und ich weiß auch, wie es ist, wenn man sich überfordert fühlt (wobei ich mein viel leichteres Studium noch vor Bolognese in die Wiese gesetzt hab).

Aber ich behaupte mal, dass Du Dir auch Pflichten auferlegst, die so gar nicht sein müssten. Wetten? Dinge, die Dir eigentlich doch nicht weglaufen, wenn Du Dich nur mal 'ne Stunde außer der Reihe aufs Ohr legst.
Weißt Du, was ich gestern Abend gemacht habe, anstatt mich noch vor den Rechner zu setzen und ein neues Projekt zu bearbeiten? Ich hab mich hingelegt, Kopfhörer auf die Ohren und ein Hörspiel gehört. Und bin dabei eingepennt. So viel habe ich lange nicht mehr in einer Nacht geschlafen! Und das war, nimmt man die Träume der Nacht hinzu, wohl auch bitter nötig. Das öffnet auch wieder den Horizont.

Du kannst natürlich versuchen, aus dem Stand über die Latte zu springen. Immer und immer wieder, bis Du auf der Matte landest, ohne die Latte runterzureißen.
Oder Du nimmst Anlauf und fährst über die Rampe neben Dir...

Mach Dich nicht verrückt! Die Wachstumsschmerzen gehen auch wieder vorbei...

ruolbu hat gesagt…

Hi Jule

"Ich möchte nicht fies sein, aber ist ein solches Verhalten nicht ziemlich unreif? Definiert sich eine Freundschaft nicht aus der Nähe und der Wärme, die man für- und miteinander empfindet? Und findet man erst danach einen Namen für diese Gefühle, wenn man sie denn unbedingt beschreiben will? "

Darin gebe ich dir Recht und ich glaube es sagt in etwa aus, was ich neulich in ewiger Länge ausformuliert habe. Es ist schade, dass ein Mensch, der die etwas bedeutet, versucht eure Beziehung krampfhaft in eine Form zu pressen und damit eurem Miteinander eher schadet.
Ich hab auch große Probleme mit dem Begriff "beste_r Freund_in". Eben wie du sagst, wirkt es wie ein Titel und einen Titel irgendwann wieder abzuerkennen ist irgendwie sehr schwer und unnatürlich, gerade wenn man ihn einst lautstark veräußert hat. Einfach anerkennen, dass sich Beziehungen ändern und intensiver oder distanzierter werden, das scheint mir irgendwie normal und ist eben dadurch dass sich alles stetig im Wandel befindet sehr schwer in Worte zu fassen.

Die Sache mit dem Unistress hab ich ja erwartet und befürchtet. Auch aus egoistischen Gründen, da dein Blog irgendwann auch darunter leiden wird ;)
Ich fühle mit dir, depressive Phasen ob nun ausgelöst durch klare Gründe oder quasi aus dem Nix entstanden sind scheiße. Vielleicht nennst du es zur Zeit nicht so, dann wünsche ich dir, dass es nicht dazu kommt, dass du darin deine Meinung ändern musst.
Also alles Gute!

Michael hat gesagt…

Hoer auf, immer alles in Dich reinzufressen. Ja, ist 'ne Menge los und so ein Fussgaenger kann sich eigentlich sowieso kein so richtiges Urteil erlauben, wie Du die Welt wahrnimmst. Aber beim Mitlesen faellt es einfach auf, wie persoenlich Du immer alles nimmst. Du bist nicht fuer den Zustand der Welt verantwortlich, und wirst auch die Welt nicht so aendern koennen, wie es Deinen Idealen entspricht. Ja, und das frustet, gerade wenn gerade so gar nichts richtig klappt.

Aber denk' auch mal an die Zeit im Sommer, da ging's doch auch. Das Scheisswetter macht bestimmt deprimiert. Hier sind heute 25 Grad, und ich wuerde Dir gerne einen persoenlichen Flieger schicken - weiss aber nicht, ob das Dein Grundproblem wirklich loesen wird. Du musst wahrscheinlich doch mal wieder die Stinkesocken wechseln. Die, die Du gerade anhast, koennen mal ein Portion Frischluft gebrauchen ...

Liebe Gruesse,
Michael

Anonym hat gesagt…

Also das mit der Freundin hörte sich für mich erst nach Kindergarten an... aber dann viel mir ein, dass einer meiner besten Freunde nicht mehr mit mir spricht (also sprechen schon, aber nur Small Talk) weil seine Freundin der Meinung ist ich wär in ihn verliebt (was ich vor 10 Jahren auch mal war, und umgekehrt ebenso). Ich konnte ihn zwar überzeugen dass das Quark ist (mein Männergeschmack war mit gerade 15 doch "etwas" anders), aber sie ist davon nach wie vor überzeugt. Deshalb hab ich seit ca 2 Jahren kaum noch Kontakt, was sehr schade ist, wenn man bedenkt, dass wir 8 Jahre extrem gut befreundet waren ( inkl 3 Monate Anschmachten :) ) und über alles reden konnten. Ich weiß nicht ob ich es nicht ehrlicher gefunden hätte, wenn er die Freundschaft tatsächlich "beendet" hätte, dass wäre ehrlicher gewesen, und ich hätte nicht immer das Gefühl gehabt, in unbeabsichtig beleidigt etc zu haben als er sich rar gemacht hat

Anonym hat gesagt…

Egoismus ist keine Schwäche. Da gibt es einen gesunden und absolut notwendigen Rahmen. Schaff' Dir den.

Die oberflächliche Freundin ist unreif und sucht dämliche Ausreden. Schade, aber so jemanden will und braucht man gar nicht. Find' ich. ;)

So jemanden wie Mrs 50 % habe ich auch im Bekanntenkreis, schade um die Zeit, die es gebraucht hat das zu begreifen. Das aktuelle Wetter ist dann leider fast das einzige Thema, dass man da noch bereden kann.

Halt die Ohren steif, Du hast noch wertvolle Freunde.

Viele Grüße
Alex "Hobbyfreud" ander

Tinka hat gesagt…

@ Anonym vom 6. November 16:53:
In welchen Situationen hast du Jules Verhalten als egoistisch empfunden? Als sie fremden Menschen Rollstuhltraining gegeben hat? Oder als sie fremden Menschen geholfen hat, die mitten in der Nacht heulend vor ihrer Tür standen? Bring mal Beispiele! Wie soll Jule denn "weiterkommen", wenn man ihr nicht sagt, welches Verhalten genau egoistisch gewesen sein soll, sodass sie das dann ändern könnte?

@ all: Und zu der Freundin ist mir noch folgendes eingefallen: Wer weiß, ob die Argumentation "ich habe schon eine beste Freundin" der Wahrheit entspricht. Vielleicht spielen noch ganz andere Gründe eine Rolle. Aber man kann nicht in die Menschen hineingucken. Tatsache ist, dass sie den Kontakt oberflächlicher haben möchte. Andererseits, wenn ihr euch sowieso seit einem halben Jahr nicht mehr gesehen habt, hätte sie diese Aussage auch lassen können. Ich habe auch einige Bekannte, mit denen ich früher enger befreundet war. Da ruf ich doch auch nicht ein halbes Jahr nach dem letzen Kontakt an und sage "Ach übrigens, unsere Freundschaft soll jetzt nur noch oberflächlich sein." Da würde man mich ja für bekloppt halten. Freundschaften ändern sich halt. Und irgendwann versteht man sich plötzlich mit ehemaligen Freunden wieder gut. So ist das Leben.

Jürgen hat gesagt…

Liebe Jule,
mein Sohn hat mir mal den Link auf deinen Blog geschickt (er ist selbst behindert) und seitdem bin ich ein interessierter Leser deiner Erlebnisse (soweit es die Zeit eben hergibt). Heute hatte ich mal wieder die Zeit und möchte dir zum ersten Mal etwas schreiben.
Natürlich kenne ich dich nicht so gut, wie deine anderen Fans. Was sie schreiben, kann ich nur bestätigen. Ich sage dir mal meine Meinung zu deinen gerade nicht so positiven Zeilen.
Das Verhalten eines anderen Menschen ist immer auch ein Spiegelbild des eigenen Verhaltens. Das gilt nicht nur für Freunde. Lächle einen fremden Menschen an und du bekommst ein Lächeln zurück. Halte jemanden die Tür auf oder sag ein paar nette Worte, die Freundlichkeit und Dankbarkeit des Anderen beschert dir selbst einen winzigen Glückmoment.
Schon möglich, dass deine Freundin neidisch auf das ist, was du alles schaffst. Sie gönnt es dir nicht, und zeigt damit, dass sie mit sich selbst ein Problem hat. Vielleicht ist ihr Leben nicht so erfolgreich verlaufen. Kann aber auch sein, dass sich dein Verhalten geändert hat (nicht dein Charakter!). Hast du früher immer genau das gemacht, was SIE wollte? Weil du beliebt sein wolltest? Ich weiß, es nicht. Jetzt hast du so viel um die Ohren, dass genau das nicht mehr geht. Damit hat sie dann ein Problem.
Was würde ich jetzt an deiner Stelle tun? Zuallererst auf mich selbst konzentrieren, auf meine Aufgaben, meine Gesundheit, meine Interessen. Erst wenn du dein eigenes Spiegelbild wieder lieben kannst, bist du auch für andere wieder die gewohnte, nette Jule. Das schaffst du nur, wenn du auch mal Nein sagst (da ist man nicht gleich ein Egoist, keine Sorge). Klar, da eckt man auch mal an, aber denk dran, es ist auf Dauer keine Lösung „everybodys darling“ zu sein.
Und denk bitte positiv, nimm dir kleine Schritte vor, genieße den Erfolg und schau ruhig mal in Dankbarkeit und Stolz auf das zurück, was du schon geleistet hast.
Und deine ach so beste Freundin? Naja, ruf sie später mal wieder an und erzähle ihr was Interessantes von dir, aber bitte etwas, was sie wirklich interessiert. Lass ihr Zeit zum Nachdenken, manchmal wirkt es.
Alles Gute und viel Glück wünscht dir
Jürgen

Tari hat gesagt…

Hallo,

ich habe jetzt nicht alle Kommentare durchgelesen - sicherlich werden viele das schon gesagt haben, was ich dir dazu sagen kann. Als ich ziemlich genau in deinem alter war, ist mir ähnliches passiert - mit Freundschaft aufkündigen/einschränken, und dem Vorwurf egoistisch zu sein, obwohl man alles versucht hat um für andere da zu sein. Ich glaube heute, das da mehrere Faktoren zusammen spielen. Zum einen der Teil mit der Reife, der ganz plötzlich auseinander klaffen kann, ohne das man es realisieren konnte - und zum anderen sehen Leute, denen man viel Aufmerksamkeit schenkt, das manchmal (ohne böse absicht)über kurz oder lang auch als etwas an, worauf sie ein recht haben. Heute weiß ich, das ich Freunde habe die ich auch nach einem halben Jahr ohne Kontakt anrufen kann, und es ist so als hätten wir gestern erst gesprochen. Ohne schlechtes Gewissen machen. Aber damals hat mir das wahnsinnig weh getan - deshalb wollte ich, die ich sonst stumm mitlese gerne schreiben. Sagen, das dass etwas ist was einfach passiert. Versuch den Kopf oben zu halten, und dir nichts einreden zu lassen. Alles Liebe, Tari

autisticneuroscientist hat gesagt…
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Asinello hat gesagt…

Die Phreundin macht Dir also Vorwürfe, dass Du sie nicht so magst wie es gern hätte, und nun hat sie Dich nicht mehr lieb? Und jetzt biste zur "fünftbesten Freundin" auf einer Skala bis Vier degradiert? - Freu Dich.
Du bist eine "Schönwetter-Freundschaft" los, die Deiner Reife und Deinen Bedürfnissen nicht gewachsen ist, die weder dauerhaft noch gegenseitig wäre, und belastbar erst recht nicht. Ja, das tut weh. Und an sowas gewöhnt mensch sich nicht wirklich. Aber besser, Du erfährst es so, als in einem Moment, da Du sie dringend als Freundin gebraucht hättest.

Dein Mitwohnsel, das Angst vor Anschiss hat, möchte hoffentlich noch dazulernen. Wenn die Frau eigentlich zum Mögen ist, würde eine Doppelstrategie vielleicht helfen: Einerseits müsste sie erleben, dass Eingeständnisse nicht schlimm sind (also außer evtl. Reparatur der Folgen nix von der Sorte "Liebesentzug" dranhängt). Und zusätzlich müsste ihr jemand den Kopf waschen - und klar sagen, was Du nur ins Tagebuch geschrieben hast: Dass Schönreden Notlügen nichts rettet, sondern alles versaut. Wenn ihr das mehrere Leute stecken, hat sie einen prima Novemberblues - und lernt's vielleicht.

Bis in die Fußnoten bulimisch büffeln und begreifen, dass das Medizinstudium in erster Linie auf den Stress und die Ungerechtigkeiten des Arztberufes vorbereitet, ist hart. Da freut es mich, Dich jammern zu hören - würdest Du Deinen Ausgleich in den Wonnen der Überforderung suchen, wäre ich allmählich um eine ehrgeizige Worcaholic besorgt.

Und weil all diese (ach so weisen Worte) im Tagebuch wohl nicht viel nutzen, um Novemberblues und Frust zu erleichtern, wünsche ich Dir auch einen wärmenden Sonnenstrahl. So einen richtig hellen.

Olli hat gesagt…

Studiumsfrust - gehört doch dazu. Muß man durch. Wie durch Phasen mit am Stück nur nervigen Patienten. Weil und wenn man weiss, es wird auch wieder anders. Im erkennen, das man genau das doch eigentlich will und kann. Andere schon viel eher und mehr Probleme hatten oder scheiterten.
Gewiss haben welche, die mit Dir anfingen, schon die Segel gestrichen. Oder haben das erste Semester nur als Vollzeit-Aufgabe lösen können - mit ohne körperlichen Einschränkungen, Zeit für Freunde, Sport und notwendige medizinische und sonstige Behandlungen.
Wünsche Dir wieder bessere Laune/Zuversicht und glaube wie wohl viele Mitleser, dass Du das packen wirst,