Sonntag, 11. November 2012

Der Hund im Gang

Man kann fast darauf warten: Irgendwann kommt sie, die nächste Reportage über ausgegrenzte Behinderte. Und so gab es in der letzten Woche seitenfüllend einen mit fetten Lettern überschriebenen Artikel in einem in Hamburg täglich erscheinenden Boulevardblatt: "Konzertverbot für Blinde."

Wie fast immer ging es um die Teilhabe eines Menschen am gemeinschaftlichen Leben, wie fast immer wurde die Sicherheit des behinderten Menschen oder seiner Umwelt vorgeschoben und wie noch häufiger ist die Unbeholfenheit, mit der Menschen (mit und ohne Behinderungen), die bei ihrem Job mit Menschen (mit und ohne Behinderungen) zu tun haben, agieren, kaum noch zu toppen.

Da will ein Paar, beide um die 50, beide haben eine Sehbehinderung, in ein A-Capella-Konzert in einem großen Konzertsaal in Hamburg. Beide haben Eintrittskarten gekauft, beide erscheinen pünktlich vor Ort; womit der Veranstalter aber nicht gerechnet hat, ist, dass die beiden einen Blindenhund mitbringen.

Der Sicherheitsdienst darf keine Hunde reinlassen und schickt die beiden nach einiger Diskussion wieder nach Hause. Schließlich könnte der Hund im Gang liegen und bei einer Evakuierung des Gebäudes könnte jemand über ihn stolpern.

Ja nee, is klar. Während sich alle Sehenden durch die Notausgänge ins Freie schieben, weil die Hütte brennt, bleiben die beiden seelenruhig sitzen, kraulen ihr 25.000 Euro teures Hilfsmittel und wundern sich ein wenig über den Lärm und darüber, dass der Kamin so raucht und einer nach dem anderen dem Hund auf den Schwanz tritt.

Ich behaupte mal: Bei einer halbwegs geordneten Evakuierung bieten die jeweiligen unmittelbaren Nachbarn den beiden blinden Menschen an, sie unterzuhaken und nehmen sie mit raus. Selbst wenn Herrchen seinen Wauwau dabei nicht am Geschirr festhält, wird der schon mitkommen. Und bei einer Massenpanik ist es völlig egal, ob dein Nachbar dich in Todesangst mit seinem eigentlich im Boden verankerten Sitzmöbel erschlägt, dich bei seiner Flucht über den Haufen trampelt, oder ob dir der Blindenhund vor lauter Angst in die Wade beißt.

Ich finde es unglaublich, dass ein Veranstalter, der Konzerte organisiert, bei denen hunderte, tausende oder sogar zehntausende Besucher auftauchen, sich anscheinend noch nie mit der Frage beschäftigt hat: "Was mache ich eigentlich, wenn da einer vor mir steht, der eine Behinderung hat?"

Ich habe vollstes Verständnis dafür, dass nicht jeder Sicherheitsmitarbeiter umfassend geschult wird. Aber die Anweisung: "Wenn da ein Behinderter auftaucht und es irgendein Theater gibt, dann nimmst du dein Funkgerät und holst mich. Du schmeißt keinen raus und zu weist keinen ab. Das mache im Zweifel ich", sollte jeder verstehen können, der im Sicherheitsgewerbe sein Geld verdient. Entsprechend will ich mich mit dem Argument, "die Trottel vonner Security" habens verbockt, gar nicht erst auseinander setzen. Die machen nämlich meistens einen guten Job und sind hilfsbereit. Zu mir zumindest.

Und den Veranstalter hat auch erstmal nicht zu interessieren, ob der Hund da einen Gehörschaden nimmt. Das ist ja auch nicht der Grund, aus dem andere Hunde verboten sind. Das steht auf einem völlig anderen Blatt - und das kann ich nicht beurteilen. Es steht natürlich dem Veranstalter frei, die Polizei zu holen und denjenigen wegen eines (versuchten) Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz anzuzeigen. Aber der Konzertveranstalter kann aus dem Tierschutzgesetz keine Rechte ableiten, mit denen er die Leute des Hauses verweisen kann - nehme ich doch mal stark an.

Und zu der Frage, ob derjenige sich anmelden muss, möchte ich auch meine Sicht der Dinge darstellen (zum wiederholten Mal): Wenn da 5.000 Leute kommen, sind auch Blinde dabei. Und Rollstuhlfahrer. Und Leute mit Herzschrittmacher. Menschen mit psychischen Erkrankungen. Diabetiker. Apotheker. Spinner. Vergewaltiger. Blondinen. Kulturbanausen. Schokoladeneis-Liebhaber. Statistiker. Blogleser. Und niemand käme auf die Idee, menstruierende Frauen von der Veranstaltung auszuschließen, weil ihre Tampons und Binden die Abwasserleitungen verstopfen könnten. Statt dessen stellt man Mülleimer und Papiertüten bereit.

Der Hund muss ja nicht im Gang liegen. Wenn es diese Bedenken gibt, hat man für blinde Menschen halt Plätze im Angebot, bei denen die Hunde nicht im Gang liegen. So einfach ist das. Wann kommen wir endlich in der Zeit an, in der man sich nicht mehr damit rausreden kann, man habe nicht gewusst, dass Menschen mit Behinderungen am öffentlichen Leben teilnehmen?

Kommentare :

Anonym hat gesagt…

Anscheinend haben die Securityleute die zwei nicht wegen ihrer Behinderung sondern wegen ihren Hunden nicht reingelassen. Du stellst das ja so dar als hätte man dort die zwei wegen ihrer Seheinschränkung diskriminiert, aber die Regeln gelten auch für Behinderte. Ich an ihrer Stelle hätte das vorher abgeklärt, ob ich denn mit Blindenhunden überhaupt das Konzert besuchen kann, sonst hätte ich mir gar nicht erst die Karten geholt und mich danach geärgert.

sven hat gesagt…

Es ist eben doch so, dass viele Menschen ohne Behinderung behindert sind beim Umgang mit Menschen mit Behinderung.
Und diese Behinderung wird solange Bestand haben, wie Menschen mit Behinderung nicht ganz normal zum Alltag der Menschen ohne Behinderung gehören.
Wenn ich nur sehe, welche Umstände mit den sogenannten Inklusionsklassen gemacht wurden und werden.
Kinder sind von Natur aus erstmal neugierig und unbefangen.
Zu Menschen mit einer "Behindertenbehinderung" werden sie doch durch die Gesellschaft erst gemacht, durch Verdrängen, Tabuisieren und Ausgrenzen von Behinderungen.
Was Hänschen nicht lernt, dass lernt Hans nimmermehr ....
Zumindest die meisten Hans-e ....

Anonym hat gesagt…

@Anonym 23.17 Uhr:

Du bringst die Diskriminierung auf den Punkt. Ausgebildete Blindenführhunde haben überall dort Zutritt, wo der blinde Mensch auch Zutritt hat. Sogar in der Obst- und Gemüseabteilung des Supermarktes.

BigDigger hat gesagt…

Einfachste Lösung: Abklären, wie die Hunde reagieren, wenn sie von ihren Schutzpersonen getrennt sind, und wenn das unbedenklich ist (eben auch mit Verweis auf das hündische Hörvermögen) notfalls die Hunde in einen getrennten Raum mitnehmen und die sehbehinderten Konzertgäste zu ihren Plätzen begleiten. Bei einem Brand müssten die ohnehin gesondert rausgeholt werden...

Eo hat gesagt…

Mag sein, dass Blindenhunde überall erlaubt sind, damit kenne ich mich zugegebenermaßen nicht aus. Und gerade weil ich mich nicht auskenne möchte ich mal nachfragen - wie gut sind diese Hunde ausgebildet? Liegen die zwei Stunden lang ruhig da und bellen und stören nicht? Denn das ist ja meiner Ansicht nach gerade in einem a Capella-Konzert nicht gerade unerheblich...?
Den Hund der Brandschutzbestimmungen wegen abzuweisen ist wirklich nicht unbedingt nachvollziehbar, oben genanntes Problem wäre es aber unter Umständen meiner Meinung nach schon, auch auf die Gefahr hin, mich unbeliebt zu machen.

AR hat gesagt…

Blinde haben in einem Konzert nichts zu suchen, wenn sie nicht ohne Hund klar kommen.

Jens hat gesagt…

@Eo
Ja so sind die ausgebildet. Sie liegen tatsächlich stundenlang, auch bei einem a-capella Konzert neben Ihrer Schutzperson und stören in keinster Weise. Wahrscheinlich wird der Blinde im Falle einer Massenpanik sogar heil rauskommen weil der Hund ihn von dem Chaos erstmal weghält.

Und wie zuvor schon geschrieben, der Blindenführhund hat überall da Zutritt wo der Blinde auch Zutritt hat. Und das ist auch gut so.

Annike hat gesagt…

@anonym 23:17
Das ist falsch! In Deutschland gilt nach wie vor das Hausrecht. Wenn ich mit meinem ausgebildeten Hund in eine Metzgerei gehe muss ich damit rechnen rausgeworfen zu werden.
Ich finde nicht, dass die Security da falsch gehandelt hat. Vielleicht hätte man beim Verantwortlichen eine Sondergenehmigung einholen können oder die beiden Blinden hätten den Hund zu Hause gelassen und sich anderweitig Begleitung gesucht.

Olivia hat gesagt…

Liebe Jule,
ich finde es toll das du nicht nur über Hindernisse/Geschichten von ROllstuhlfahrern berichtest sondern auch menschen mit visuellen Einschränkungen wahrnimmst und vertretest. Und wann wir in die Zeit kommen das Menschen mit Einschränkungen weiß ich auch nicht genauso wie wann wird es endlich nicht mehr heißen Menschen mit Behinderung sondern Einschränkung oder Handicap.
In diesem Sinne viele liebe Grüße vom Blindfisch ausm Pott

P. hat gesagt…

Genau, schließen wir doch einfach alle Blinden in ihrer Wohnung ein, weil viel zu viele Orte mit Hund ja eh nicht besucht werden dürfen. Wozu brauchen die auch noch'n Leben? Selbst Blinde mit Hund im Park spazieren gehen lassen? Im Leben nicht - der könnte ja versehentlich irgendwo sein Häufchen machen, das anschließend nicht weggeräumt wird.

Mit Sicherheit hätte es eine andere Lösung gegeben, als die beiden wieder nach Hause zu schicken. Und wenn ich die zwei notfalls ganz nach hinten gesetzt hätte, damit die Hunde niemandem im Weg sind. Oder die Hunde solange "draussen" lasse und die Beiden zum Platz begleite und wieder abhole.

Aber willkommen im Leben. Es predigen alle über "Wir sind alle gleich" und "Niemand wird ausgegrenzt" .. und es scheitert mal wieder an irgendwelchen dummen Regeln, die irgendjemand ohne umfassende Kenntnisse aufstellt und stur daran festhält, ohne nach brauchbaren Alternativen zu suchen.

Einfach nur herrlich.

Peter hat gesagt…

... es wird ja kein Hundebesitzer, der zu seinem Hund so ein gutes Verhältnis haben muß, wie ein auf Blindenhund angewiesener Mensch seinen Hund unnötig schädigen. Von daher werden Besitzer und Hund das im gegenseitigen Interesse schon richtig machen. Doofe Idee Blindenhunde abzuweisen. Und @Eo: die Hunde sind so gut ausgebildet.

Anonym hat gesagt…

Der AR-Troll kriegt kein Futter, ätsch.

Blindenhunde sind hervorragend ausgebildet, was Jule mit dem Wert des Hundes auch dezent andeutet. Da gibt's nun wirklich 0 Platz für Diskussionen und nachträglich (?) vorgeschobene Gründe. Absolutes Armutszeugnis.

Viele Grüße
Alexander

NewRaven hat gesagt…

Ein Veranstalter hat immer Hausrecht... der braucht sich nichts zurecht legen, er kann jeden jederzeit raus werfen, ohne irgendwo irgendetwas abzuleiten. Er braucht auch keine Begründung oder ähnliches... du bist da also etwas auf dem Holzweg. Das kann übrigens jeder Supermarktbesitzer ebenso, wenn er keine Blindenhunde mag... oder wenn er keine Blondinen mag... oder wenn er keine Leute mit Turnschuhen mag... oder wenn er einfach nur deine Nase nicht mag. Wird im Regelfall keiner tun, darf aber jeder.

Was den Rest angeht... nun, jeder Mensch ist gleichwertig, aber nicht jeder Mensch ist Gleich. Wofür der eine Mensch geeignet ist, muss es der andere nunmal schlicht und ergreifend nicht genauso sein. Das ist keine Diskriminierung, das ist Berücksichtigung der Individualität des Einzelnen. Natürlich darf eine sehbehinderte Person ein Konzert besuchen, keine Frage. Und natürlich sollte das - je nach Möglichkeit - theoretisch auch mit Blindenhund möglich sein (auch wenn ich davon abraten würde... diese Tiere sind empfindlich und sehr wahrscheinlich auf eine solche Reaktion nicht geschult), allerdings sollte man in diesem Fall durchaus eine vorherige Info erwarten dürfen. Ein Hund würde - wohl zurecht - von den restlichen Besuchern kaum bei einer solchen Veranstaltung erwartet - und könnte sie somit durchaus stören (das Nicht-Sehbehinderte ihren Hund in solche Lokalitäten nicht mitnehmen dürfen, hat ja durchaus Gründe)... von anderen Vorschriften und Begebenheiten die hier schon angesprochen wurden, ganz zu schweigen. Den Hunden möglicherweise sogar samt ihrer Herrchen/Frauchen beispielsweise einen anderen Raum anzubieten, ist logistisch wohl meist völlig unmöglich ohne eine entsprechende Vorab-Info. Ich bin uneingeschränkt für Barrierefreiheit, aber das hier klingt ein wenig nach "die Behinderten etwas gleicher als gleich machen" - und das ist doch eigentlich genau DAS was ihr nicht wollt, oder, Jule? Insofern... vielleicht nicht gleich "Diskriminerung" schreien, sondern auch einfach erstmal pragmatisch und realistisch denken... nicht jede "Barriere" ergibt sich aus bösem Willen oder daraus, sie nicht beseitigen zu wollen - manche Dinge sind auch einfach eine Folge der Begebenheiten im realen "Praxiseinsatz".

Paul hat gesagt…

Hätte ich nicht gedacht, dass wegen Blindenhunden so ein Theater gemacht wird. Soweit ich weiß haben die quasi überall Sonderrechte. Wenn ich richtig informiert bin, besteht für Blindenhunde beispielsweise Beförderungspflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln, für "gewöhnliche" Haustiere jedoch nicht.

Rike hat gesagt…

@ AR
Und Leute mit Gehbehinderung dürfen nirgenwo hin, wo sie nicht notfalls ohne Krücke rauskommen. Sag mal, hast du den Post von Jule überhaupt gelesen? Nach deiner Einstellung dürften Blinde wohl auch nicht einkaufen gehen, weil normale Hunde ja auch nicht in den Supermarkt dürfen. Genau solche blödsinningen Ideen machen doch die Behinderung von Leuten mit Behinderung aus.

Soweit ich weiß, aber ich bin kein Profi, sind Blindenhunde extrem sorgfältig trainiert. Wenn die in ihrem Führgeschirr stecken, wissen die, dass jetzt Arbeitszeit ist und verhalten sich still. Mal abgesehen, das so ein kurzer Yip von einem Hund auch nicht schlimmer ist, als der Idiot in der vorletzten Reihe links, der meint er müsse laut mitsingen.

Anonym hat gesagt…

Mal abgesehen davon, dass ich mich ernsthaft frage, wie ein Blinder, der seinen Blindenhund wohl kaum nur als Gerät ansehen wird, ihm zumuten wollen kann, an einem KONZERT teilzunehmen, ist die ganze Sache ansich natürlich eine Frechheit.

Du solltest wirklich mal in die USA kommen. Man mag über die Amis ja denken, was man will, aber was den Umgang mit Behinderten angeht, sind sie wirklich top. Bei Tier-Verboten steht immer dabei, dass Service-Hunde von diesem Verbot ausgenommen sind.
Bei einem Live-Konzert, in das ich eher zufällig im Anhang an eine Show geraten bin, wurde mir (auf Krücken) sofort ein Stuhl im ruhigen Hintergrund bereit gestellt.
Überhaupt funktionieren hier die Aufzüge, die Leute halten dir die Türen auf und sämtliche Veranstaltungen sind behindertengerecht (wobei auch bei ein paar großen Veranstaltungen schon mal dabei stehen kann, dass man sich doch bitte anmeldet, damit einem angemessen geholfen werden kann.)

Es GEHT also auch anders, aber Deutschland scheint was das angeht wirklich irgendwie hinterweltlich zu sein.

Anonym hat gesagt…

@Eo
Ein Behindertenbegleithund bellt nicht. Wenn er "im Dienst" ist, weiß der Hund (soweit ich weiß wird er dann am Geschirr genommen anstatt an der Leine) und schnüffelt nicht, lässt sich nicht ablenken und BELLEN tut er schon mal gar nicht.
Ich weiß ja nicht, was du für Vorstellungen hast, warum so ein Hund solche Unsummen an Geld kostet...bestimmt nicht, weil er beim Acapella-Singen so schön mitbellt...

hottizotti hat gesagt…

@ Eo: Ein ausgebildeter Blindenführhund im Geschirr (="Arbeitskleidung" für den Hund) wird tatsächlich stundenlang rumliegen und keinen Mucks machen.
Ob das jetzt für den Hund toll ist oder nicht kann ich nicht beurteilen (meiner persönlichen Meinung nach ist ein a capella Konzert einem Hund gut "zumutbar", bei AC/DC würde ich das anders sehen *gg*), aber es ist sein Job und den tut er, dafür wurde er zwei Jahre trainiert.


Und ja, der Hund sollte Zutritt haben, denn er ist ein an erkanntes Hilfsmittel. Nicht nur für Blinde übrigens, sondern inzwischen auch für Epileptiker und bestimmte Typ 1 Diabetiker. Dem Blinden den Hund zu nehmen ist, als wenn man Jule beim Einlass den Rollstuhl wegnehmen würde - könnte ja bei einer Massenpanik jemand über sie stolpern, weil sie kleiner ist als die anderen. Oder einem Menschen die Mitnahme seiner "Unterarm-Gehstützen" zu verbieten - die könnten schließlich auch im Gang rumliegen...
Und deshalb ist es inakzeptabel. Der von Jule genannte Weg wäre der richtige gewesen. Chef rufen, den das klären lassen. Der kann dann auch mit den blinden Kunden diskutieren, ob das Konzert dem Hund zumutbar ist und sie ggf vom Gegenteil überzeugen. Aber die Flucht in die Brandschutzbestimmungen geht einfach gar nicht!
Ich habe mal erlebt, wie ein Kabarettist eine Mutter mit Säugling der Veranstaltung verwiesen hat. Nicht nur, weil das Kind mehrfach gekräht hat (sie ging dann mit dem Baby raus und kam später wieder rein), sondern auch, weil er die nachvollziehbare Ansicht vertrat, daß ein Säugling auf einer dreistündigen Abendveranstaltung mit etwa 10.000 Zuschauern potenziell Schaden nehmen könnte.
Ähnlich könnten die Künstler z.B. auch mit einem bellenden Blindenführhund verfahren, wenn es denn dazu käme. Aber erst dann...

LG
Judi

Anonym hat gesagt…

Ich kann deinen Kommentar nicht wirklich nachvollziehen.

Meiner Meinung nach haben Hunde, auch wenn sie in Funktion eines Blindenhundes teilnehmen, nichts auf einem Konzert verloren.

Tinka hat gesagt…

Nach meinem Kenntnisstand dürfen Blindenhunde überall hin, wo ihr Mensch auch hin darf. Sogar in eine Metzgerei. Und Blindenhunde sind auch so gut ausgebildet, dass sie dann nicht über die Theke springen und die Wurst auffressen.
Und wenn es auf einem Konzert brennt, dann würde ich mal stark darauf wetten, dass das sehbehinderte Paar zuerst draußen gewesen wäre. Hunde merken nämlich schneller als Menschen, wenn es brennt. Und Blindenhunde sind zudem dafür ausgebildet, ihren Menschen zu helfen.
Ich finde, ein Veranstalter sollte schon wissen, dass Blindenhunde eine Ausnahme darstellen und nicht wie alle anderen Hunde zu behandeln sind.

Ulli hat gesagt…

AR: Warum?

Nathalie hat gesagt…

@AR 00:04 Uhr

das ist nicht dein Ernst, oder? Warum sollen Behinderte (in diesem Fall blinde) Menschen nicht in ein Konzert gehen dürfen, nur weil sie auf Hilfe angewiesen sind? Selbst wenn der Hund aus brandschutz-technischen oder anderen Gründen nicht mit in den Saal gedurft hätte, wo wäre das Problem, die beiden zu ihren Sitzen zu geleiten und später wieder raus? Vielleicht hätte das vorher geklärt werden müssen, aber dieses Verhalten der Security finde ich einfach nur unmenschlich. Ich kenne einige sehr stark sehbehinderte Menschen, sie kommen im Routine-Alltag gut allein klar, auch ohne Hund. Nur in absolut fremden Situationen benötigen sie eine sehende Person, die ihnen behilflich ist.
Was wäre gewesen, wenn jemand mit Krücken gekommen wär? Dürfte der auch nicht rein mit der Begründung, jemand könnte über die Krücken stolpern?
Was ist z.B. mit mir? Ich trage "nur" eine Brille (mit -6,5 Dioptrin), sehe also ohne Brille nur sehr verschwommen. Darf ich dann ins Schwimmbad? Oder muss mir der Zutritt verweigert werden, weil ich andere Personen erst spät erkenne und anrempeln könnte oder ich evt. Hinweisschilder nicht lesen könnte?

Peter hat gesagt…

Yep, die sitzen/liegen auch länger als zwei Stunden da und benehmen sich - oder zumindest machen das alle in Deutschland ausgebildeten Blindenführhunde, die ich kenne, solange sie "im Dienst" sind (Andere Länder haben andere Ausbildungsbestimmungen für die Tiere, meiner Erfahrung nach teils auch mit anderen Ergebnissen.). Auch noch nie erlebt, dass einer im Kino oder in der Vorlesung an der Uni gestört hätte.


Peter

M hat gesagt…

@NewRaven @Annike

Ich sehe das etwas anders: Wenn Geschäftsräume für die Allgemeinheit geöffnet werden, sogar gegen Entgelt, dann sind sie FÜR ALLE offen. Sonst muss er sagen: Für alle offen, Menschen mit Behinderungen bleiben draußen. Oder Menschen, die nicht gucken können. Oder was weiß ich. Und das ist in Deutschland verboten.

Somit muss ein Metzger oder ein Konzertveranstalter gute Gründe haben, wenn er ALLE reinlässt, nur EINEN bestimmten nicht. Die Turnschuhe eines einzelnen zählen da nicht. Und ein anerkannter Blindenhund auch nicht.

Anders ist es nur, wenn jemand seine Diskothek nur für geladene Gäste öffnet und seine beiden Türsteher damit beauftragt, aus einer vor dem Haus wartenden Reihe von Bewerbern die nettesten auszusuchen. Plus Clubmitglieder mit Ausweis. Das kann er machen.

Wie gesagt, der Konzertveranstalter kann sich ja mit jedem einzelnen befassen. Dann muss er nicht begründen, warum er einzelne abweist. Tut er es wegen der Behinderung oder einem damit verbundenen üblichen Hilfsmittel, macht er sich ggf. sogar strafbar.

Anonym hat gesagt…

ICh bin schockiert, wieviel Behindertenfeindlichkeit in dem ein oder anderem Beitrag mitschwingt...

Krischan hat gesagt…

Das ist unabsichtliche Behindertenfeindlichkeit, die ich hier in etlichen Kommentaren lese (was es aber nicht entschuldigt): hier kommentieren verkappte Tierschützer mit, die aus ihrer eigenen kleinen Welt heraus gern sämtliche Regeln für den Umgang mit Tieren festlegen. Artgerecht wird da dann ein Blindenhund halt auch nur in freier Wildbahn gehalten ...

Hans hat gesagt…

Als ich den Artikel in der Zeitung gelesen habe, dachte ich: Da haben zwei Vollhirnis vom Wachdienst sich aufgespielt und sind in missionarischen Übereifer verfallen. Was für ein Unsinn, darüber einen Artikel zu schreiben. Den beiden gehört der Kopf gewaschen und gut ist.

Als dann Jule das Thema aufgriff, dachte ich: Huch? Steckt doch mehr dahinter?

Danach habe ich die Kommentare gelesen. Da wurde mir klar, was ich nicht für möglich gehalten habe.

Man mag darüber streiten, ob das für die Hunde toll ist und ob die da im Weg liegen. Aber das erste ist gar nicht mein Problem (und wenn ich das zu meinem machen möchte, weil ich gerne andere Leute anschwärze, dann bitte nach Feierabend) und das zweite muss ich als Veranstalter lösen.

Wenn der Hund mitsingt, wenn der Elektro-Rollstuhl auf den Teppich ölt, wenn bei der Oma der Beutel vorm Anus praeter platzt, wenn der hinten links prügelt oder der hinten rechts kotzt, DANN habe ich einen Grund für einen Rauswurf. Aber erst dann.

Anonym hat gesagt…

@Krischan: Genau! Der Blindenhund als solcher wird künftig verboten, wer sich von einem hechelnden Vierbeiner durch die Gegend führen lassen will, muss zu den Wölfen in den Wald.

Wer die Ironie findet, darf sie behalten.

Anonym hat gesagt…

Ich spiele ja nur ungern den Advokatus Diabolus, aber ich vermute mal der Veranstalter hat in allererster Linie ein Interesse daran keine Hunde rein zu lassen. Sie könnten bellen, sich erleichtern, beißen, oder allein durch die Möglichkeit dass sie schlecht erzogen sind, andere Konzertbesucher stören.
Und auch wenn es ein noch so gut erzogener Blindenhund ist, der Veranstalter kennt das Tier nicht und ist somit nicht vor Störungen sicher.
Ich vermute mal ganz stark, dass das auch tatsächlich der Grund gewesen ist, nur bringt das halt nicht so gute Verkaufszahlen/Quoten für die Medien.

Meine Meinung daher: Es war völlig richtig das Tier auszuschließen. Und wenn die beiden das Konzert besuchen wollen, müssen sie sich einer anderen Form von Sehhilfe bedienen.
Finde ich sowieso ziemlich dämlich nicht mal vorher nachzufragen, ob man einen Blindenhund mit ins Konzert nehmen darf.

ruolbu hat gesagt…

Also so wie ich die Situation verstehe, ist das eindeutig Diskriminierung. Den beiden Gästen wird es versagt, an dieser Veranstaltung teilzunehmen, mit einer Begründung die nicht stichhaltig ist. Wenn der Brandschutz oder was auch immer vorsieht, dass keine Tiere im Saal sein dürfen, dann kann sich der Hund sicherlich ohne Umstände außerhalb des Saals aufhalten. Soweit ich weiß sind diese Tiere durchaus in der Lage ohne Betreuung auszukommen. Wären Menschen mit anderen Hilfsmitteln wie Rollatoren oder Langstöcke aufgetaucht, hätte sich sicherlich jemand gefunden, der die Person an den Platz bringt, das Hilfsmittel - sofern notwendig - aus dem Gang entfernt und später auch das Verlasses des Gebäudes ermöglicht. Wie ein durchaus gerechtfertigter Gang auf die Toilette gehandhabt werden würde, sollte man am besten diskutieren, bevor es dazu kommt. Einen Lösungsvorschlag habe ich nicht parat. Bei Anblick eines schwer handhabbaren Hilfsmittels oder weil keine Hilfestellung für das erreichen und verlassen des Platzes geleistet werden kann, den Zugang zu verwehren, ist in meinen Aufgen eindeutig Diskriminierung.

Der Knackpunkt ist nur, dass ich glaube, dass es legitim ist.
Ich kenne mich mit Recht nicht aus aber eine kurze Recherche von 1-2 Stunden, lässt mich glauben, dass es tatsächlich in der Freiheit des Betreibers liegt, ob mit diesen beiden Menschen jetzt ein Geschäft betrieben wird - sie also für Geld eintreten dürfen - oder nicht. Wäre die Einrichtung staatlich oder anders in öffentlicher Hand, würde, so wie ich das sehe, das Grundgesetz eine Diskrimierung verhindern/sanktionieren. Wenn es sich um ein Arbeitsverhältnis handelt, kann man noch auf das AGG pochen. Bei einer Situation von Privat zu Privat und ich schätze mal, dass das hier zutrifft, hindert jedoch keine rechtliche Vorgabe die Betreiber davor zu diskrimineren. Es gibt diverse Gerichtsentscheidungen, die das anders ausgelegt haben mögen, man findet im Netz viele Berichte von Discotheken, die offen rassistisch bei der Frage des Einlasses sind und in einigen Fällen wurde auch gegen diese entschieden. Und das ist etwas, was mich sehr unsicher macht in dieser Angelegenheit, denn ich verstehe nicht, welcher Maßstab angesetzt wird.

Nicht desto trotz verstehe ich die Grundsituation auch. Wenn ich mir vorstelle Betreiber von einem Geschäft, Unternehmen oder was auch immer zu sein, gibt es einen Fall, in dem ich mir liebend gerne vorbehalten möchte, zu diskriminieren. Nämlich wenn es um die Frage geht, ob ich Verträge oder Geschäfte mit offen-rechtsextremen Personen oder Gruppen abzuschließen. Das mag eine Doppelmoral sein, aber es macht mir verständlich, dass es kein eindimensionales Problem ist.
Dann gibt es Situationen mit Clubs und Vereinen, die nur Mitglieder der Gruppe XYZ aufnehmen und eintreten lassen. Das ist oft selbstverständlich. Persönlich bin ich da momentan sehr zwiegespalten :/

Ich mag den Status Quo nicht, überhaupt nicht. Ich finde dass das Verhalten in diesem Konzerthaus moralisch verwerflich war und eine falsche Entscheidung. Aber mehr als eine persönliche Überzeugung kann ich dem nicht gegenüber stellen.

Anonym hat gesagt…

"Sie könnten bellen, sich erleichtern, beißen, oder allein durch die Möglichkeit dass sie schlecht erzogen sind, andere Konzertbesucher stören."

Wenn du damit begründest, dass Hunde nicht in den Konzertsaal dürfen, ist das okay.

Bei Blindenhunden hat dich das nicht zu interessieren. Die dürfen überall rein, wo auch der Blinde rein darf. Erst wenn er dann heult oder bellt, hast du eine Handhabe.

@roulbu: Der Knackpunkt ist, dass der Konzertbetreiber alle Menschen einlädt. Dann darf er nicht einzelne wegen einer Behinderung ausschließen.

Wenn er sich gezielt Gäste aussucht, das Disko-Beispiel wurde oben schon erläutert, ist es legitim, im Stillen den Entscheidungsgrund zu haben, dass man keine Rollstuhlfahrer drin haben will. Ein Schild an der Ladentür: "Rollstuhlfahrer müssen draußen bleiben" ist nicht erlaubt.

NewRaven hat gesagt…

@M Das ist so schlicht nicht wahr... deine Meinung ist ja durchaus okay, aber das Gesetz sagt nunmal schlicht: Veranstalter hat Hausrecht. Er braucht keinerlei Begründung geben. Was er nur nicht tun darf oder sollte, wenn er es denn begründen möchte, ist jemand wegen seiner Behinderung entfernen zu lassen. Das wäre in der Tat dann Diskrimierung (und Dummheit des Veranstalters). Was er sehr wohl tun kann, so er denn begründen will - und was meiner Meinung nach auch moralisch völlig in Ordnung geht (steinigt mich meinetwegen), ist, zwei Gäste bei einem Konzert nicht rein lassen, wenn sie einen Hund dabei haben (müssen) und das nicht vorher erwähnen, denn meiner Meinung nach ist es anzunehmen, das in einem solchen Fall eben sehr wohl vorher einige Maßnahmen vom Veranstalter getroffen werden müssen, seien es nun versicherungstechnische-, sicherheitsrelevante oder auch ganz pragmatische Gründe wie mehr Platz oder andere hier schon erwähnte Dinge. Diese Leute wurden nicht "ausgeschlossen", weil sie behindert sind, diese Leute wurden ausgeschlossen, weil sie den Veranstalter durch den Hund in eine für ihn vorher nicht vorhersehbare Situation gebracht haben und das hätten sie auf einfache Art und Weise verhindern können.

Anonym hat gesagt…

@ruolbu: Mit dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) lagst du schon richtig. Schau mal in § 19, dort heißt es:

"Eine Benachteiligung aus Gründen ... einer Behinderung ... bei der Begründung, Durchführung und Beendigung zivilrechtlicher Schuldverhältnisse, ... bei denen das Ansehen der Person nach der Art des Schuldverhältnisses eine nachrangige Bedeutung hat und die zu vergleichbaren Bedingungen in einer Vielzahl von Fällen zustande kommen ..., ist unzulässig."

In dem Moment, wo ein Konzertveranstalter seine Leistung der breiten Öffentlich anbietet und den beiden eine Karte verkauft, kommt ein zivilrechtliches Schuldverhältnis zustande. Die einen schulden Geld, der andere die versprochene Leistung.

M hat gesagt…

@NewRaven: Steinigen müssen wir uns, glaube ich, nicht, wir haben im Moment unterschiedliche Ansichten. Vielleicht kommen wir einander in diesen Ansichten näher, vielleicht auch nicht.

Es ist auch nach meinem Kommentar inzwischen noch mehrmals gesagt worden: Das Hausrecht besagt, dass du in dein Haus oder dein Ladengeschäft reinlassen darfst, wen du reinlassen möchtest. Oma ja, Tante nicht. Den Kunden mit dem Porsche ja, den mit dem Trabbi lieber nicht.

Machst du aber die Tür auf und sagst: "Alle dürfen rein", wie zum Beispiel ein Supermarkt das macht, dann hast du allen eine Erlaubnis gegeben. Auch dem Blinden. Möchtest du den dann als einzigen davon wieder ausschließen, kann er dich auf das allgemeine Gleichbehandlungsgesetz verweisen. Da musst du dann beweisen, dass sein Rauswurf nicht damit zu tun hatte, dass er blind (= Behinderung) ist.

Auf den Blindenhund als Sicherheitsrisiko darf sich ein Veranstalter nicht berufen, weil ein ausgebildeter Blindenhund nach ständiger Rechtsprechung überall da aufhalten darf, wo der Blinde Zugang hat. Der Halter muss natürlich eine besondere Haftpflichtversicherung haben und diese der Polizei oder dem Ordnungsamt auf Verlangen nachweisen können.

Aber wenn bei einem Konzert ein blinder Mensch auftaucht, muss sich der Konzertveranstalter etwas einfallen lassen. Da muss sich niemand anmelden, darauf muss er vorbereitet sein. Genauso auf Rollstuhlfahrer.

Und wenn der Hund da einen See macht, was er nicht tun wird, aber wenn: Dann stellt man die Personalien fest, und schickt dem blinden Menschen eine Rechung über die Beseitigungskosten. Und wenn der sich weigert, sich auszuweisen, hält man ihn bis zum Eintreffen der Polizei am Ärmel fest. Würde man mit jedem anderen Menschen auch so machen, oder?

NewRaven hat gesagt…

@M: Und ich glaube, du interpretierst das Hausrecht etwas falsch. Auch bei einem öffentlichen Zugang - auch wenn die Leute alle schon mal drin sind - was in diesem Fall ja nicht gegeben war - darf der Hausherr ebenfalls völlig ohne Begründung einzelne Personen entfernen. Das er ihnen die Ticketpreise erstatten muss, ist eine völlig andere Sache. Auch aus einem Supermarkt kannst du rausfliegen, ohne aktiv etwas dazu beigetragen zu haben, beispielsweise, wenn du besoffen durch die Gänge torgelst. ;-) Das Hausrecht erlaubt das "vor die Tür setzen" auf jeden Fall und zu jedem Zeitpunkt und erfordert nie eine Begründung. Und ein Veranstalter würde sich hüten, sie zu geben, wenn er jemand wirklich vor die Tür setzen wollen würde, nur weil diese Person behindert ist. Nichtmal unbedingt wegen der Rechtslage (Diskriminierung), sondern in erster Linie wegen schlechter PR. Meiner Meinung nach trifft hier der Shitstorm aber eben den Falschen.

Und den teil mit "darauf muss er vorbereitet sein" sehe ich in diesem Fall eben total anders. Ein Rolli-Fahrer bei einem Konzert? Klar... ist alltäglich, muss man bedenken... ein hörgeschädigter bei in einem Museum? Muss man bedenken. Ein Sehbehinderter mit Blindenhund(!) bei einem Konzert? Ist doch recht... ungewöhnlich... kann man bedenken, muss man aber sicher nicht. Wie gesagt, der Hund könnte die anderen Gäste sehr wohl beeinflussen, wild rumimprovisieren ist nunmal leider nicht in jedem Fall möglich, insofern wäre eine kurze Vorabinfo schlicht und einfach nötig gewesen. Das hätte niemand weh getan und sehr wahrscheinlich hätten die beiden ein tolles Konzert erleben können. Andernfalls finde ich die Aktion vom Veranstalter zwar nicht toll, aber da ich nicht alle Details kenne und es meiner Meinung nach durchaus praktische Gründe für diese Abweisung geben könnte, werd ich ihn sicher nicht dafür verdammen. Die anderen beiden tragen eben meiner Meinung nach genauso viel Schuld an der Sache.

Anni hat gesagt…

Die vielen sentimentalen Reaktionen sind erschreckend! Empörung über angebliche Diskriminierung überall - ich kann es nicht mehr hören!

Weshalb hat das blinde Paar nicht vorher nachgefragt? Ein Hund gehört, in Rücksicht auf die anderen Gäste, nicht in einen Konzertsaal. Mein Krabbelkind würde ich auch nicht mitnehmen - in Rücksicht aufs Kind und in Rücksicht auf die anderen Besucher.
Es ist keine Zumutung, wenn sich Blinde statt eines Hundes einen menschlichen Begleiter mitnehmen. Der kann im Ernstfall mit Sicherheit besonnener reagieren - zum Wohle aller.
Grüße von Anni

Mike hat gesagt…

Was die Sache besonders pikant macht:
Der Eigentümer des Veranstaltungsortes (die HMC) hat zwar ein Verbot für die Mitführung von Tieren ausgesprochen, davon aber Blindenführhunde ausdrücklich ausgenommen!
Wers nicht glaubt, kann in der Hausordnung nachschauen.

Natürlich kann der eigentliche Veranstalter River Concerts GmbH diese Hausordnung abändern, aber auf der Homepage ist wirklich nichts zu finden... oder es ist sehr gut versteckt.
Und jetzt schaut man in der hausordnung nach: man darf und wenn man ankommt darf man nicht.... Ich wäre ausgerastet!

Ausserdem ist HMC quasi ein Staatsbetrieb, Gesellschafter der HMC ist die Hansestadt Hamburg, welche eigentlich die ganzen Gesetzesvorschriften und EU-Verordnungen umsetzen müsste.

Nebenbei bemerkt: das Problem erstreckt sich nicht nur auf hamburg, sondern scheint gerade bezüglich Konzerten eher weiter verbreitet zu sein.

Dann gibts anscheinend noch Probleme mit Assistenzhunden *seufz*

Die Argumente sind auch selten absurd: Ein Gast könnte eine allerdie haben, der Hund könnte jemanden beissen, der Hund könnte im Weg rumliegen der Hund könnte könnte könnte...

Wird Zeit, dass der Gesetzgeber dem einen Riegel vorschiebt bzw mal ein Gericht hier ein Machtwort spricht.

Mike

Anonym hat gesagt…

Ich verstehe nicht, warum einige hier Probleme mit den Hunden haben. Letztes Jahr habe ich einen Sprachurs an der VHS besucht und eine Frau im Rollstuhl hatte immer ihren Begleithund dabei. In den 120-minütigen wöchentlichen Kursen ist der Hund nicht ein einziges Mal aufgefallen. Der lag unter dem Tisch, war nicht zu hören und nicht zu riechen oder sonst irgendetwas. Einmal ist unser Lehrer auf ihn getreten - unabsichtlich (!), weil er vergessen hat, dass der Hund im Raum war. Ergo: solche Hunde stären kein bisschen, die sind trainiert. Dass Blinde, die auf ihren Hilfshund angewiesen sind, ihre Hunde nicht mitnehmen dürfen, obwohl sie viel Geld für ihre Karten bezahlt haben, ist einfach nur eine Frechheit.

Dennis hat gesagt…

Hallo Jule,
es ist sehr traurig was dort passiert ist.
Wahrscheinlich schieben sich nun Veranstalter und Security-Dienst die Schuld gegenseitig zu. Eigentlich haben die beiden das recht mit dem Blindenhund die Veranstaltung zu besuchen. Da der Hund und der Hundeführer komplett aufeinander eingestellt sind, dürfte der Hund dort keine Probleme machen, er würde den Veranstalter vielleicht sogar etwas Arbeit abnehmen.
Wenn der Veranstalter vom Hausrecht Gebrauch macht, könnte dieses schnell als Diskriminierung vom Menschen mit Behinderung angesehen werden.
Die Schuld ist sicherlich nicht nur bei dem Security-Dienst zu suchen. Veranstalter geben da meist sehr konkrete Vorgaben an die Security -Dienste. Die Security-Mitarbeiter hätte beim Vorgesetzen oder Veranstalter nachfragen können. In dem Zeitungsartikel steht wahrscheinlich, nur bedingt etwas über das Vorgehen von dem Security-Mitarbeiter, daher kam man da auch nur Vermutungen anstellen.
Da kann man nur hoffe, dass es anderen Veranstaltern und Security-Diensten eine Lehre ist.
Liebe Grüße
Dennis

Daniela hat gesagt…

Hausrecht hin, Hausrecht her, so was ist ein Armutszeugnis für das es in meinen Augen keine Entschuldigung gibt. Barrierefrei beginnt in erster Linie in unseren Köpfen.

Manchmal kriege ich echt Zweifel, ob wir wirklich schon im 21. Jahrhundert angekommen sind.

Ein A-Capella-Konzert wird bei einem Hund sicher keine Hörschäden verursachen. Ich wette mal, mancher, in einem Koffer eines Kombis mitfahrender Wauzi muß da heftigeres ertragen.

BigDigger hat gesagt…

Okay, mag sein, dass ich jetzt mit einem langweiligen Verweis die schöne Diskussion beende, aber:

"(...)
Das Mitführen folgender Sachen ist verboten:
(...)
Tiere (ausgenommen Blindenhunde),
(...)"

Hausordnung des Congress Center Hamburg, Punkt 2

Aber das war wohl zu einfach...

meg hat gesagt…

Super Kommentar. Könnte glatt in einer Zeitung erscheinen. Hast du eigentlich je dran gedacht, Journalistin zu werden?

Blogolade hat gesagt…

Amen Jule, du sprichst mir aus der Seele!

Ich sehe keinen Grund, warum die sehr gut ausgebildeten Blindenhunde nicht zu Füßen ihres Herrchens bei einem a-capella-Konzert dabei sein sollten. Manch anderer Konzertbesucher pennt ein, streckt seine langen Beine in den Gang und bildet so eine Stolperfalle. Der Hund wird aus dem Weg gehen, sollten wirklich Menschenmassen an seinem Liegeplatz vorbei laufen.

Diese ganze Sicherheitsdiskussionen sind in meinen Augen vorgeschobene Gründe, faule Ausreden warum es bei diesem Konzert so phänomenal schief gelaufen ist. Da gabs eindeutig ein Kommunikationsproblem zwischen den Securitys und den Chefs, sonst hätten die das vernünftig klären können.

Anonym hat gesagt…

Ich selbst arbeite in einer Führungsfunktion in einer ählichen Veranstaltungsstätte.

1. Ich würde von unseren Securitys erwarten, dass ein Verantwortlicher von Seiten des Hauses gerufen wird.

2. Als Verantwortlicher (in meinem Fall für Veranstaltungstechnik - da würde in meinen Augen auch die Verantwortung für "darf rein/bleibt draußen" in diesem Fall liegen) würde ich das persönliche Gespräch mit den betroffenen suchen. Da ich selbst bisher keine Berührungspunkte mit Blindenhunden hatte würde ich kurz das Thema bellen etc. ansprechen. Ich würde mich dabei selbstverständlich auf die Halter verlassen. Wenn die sagen: der macht nix, der wird still neben mir liegen solange das Geschirr angelegt ist - dann sind diese Gäste herzlich willkommen.

3. Sollten sich dann andere Gäste darüber beschweren würde ich das auch klären. Kurze Erklärung - wenn es dann noch Diskussionen gibt - dann müssen sie halt gehen. Also die Beschwerdeführer...

Im übrigen würde ich KEINE vorherige Voranmeldung erwarten.

Anders würde ich das aber auch z.B. bei Tanzveranstaltungen sehen. Oder bei heftigstem Metal mit rumgeschubse in einem 200 Personenclub.

Im übrigen: Wenn er einen See macht - hat er halt einen See gemacht. Wir sind eine Konzert-Location. Da haben wir schon ganz andere (menschliche) Hinterlassenschaften erlebt.

janual hat gesagt…

Ok, ok, dann doch nochmal Antidiskriminierungs-Politik und das dazugehörige Recht für Einsteiger, z.B.

Art. 10 des Vertrags über die Arbeitsweise der EU:

Bei der Festlegung und Durchführung ihrer Politik und ihrer Maßnahmen zielt die Union darauf ab, Diskriminierungen aus Gründen des Geschlechts, der Rasse, der ethnischen Herkunft, der Religion oder der Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Ausrichtung zu bekämpfen.

Ein Metzger darf nicht den Zugang für einen Blindenhund verbieten. Ein Diskriminierungsverbot greift auch auf solche Sachen wie "Hausrecht" durch.

Ich geh jetzt nicht auf die dummen Sprüche zum Benehmen von Hunden ein. (Trollerei, ellendige)

Manchmal würde ich mir aber wünschen, dass Menschen, die so wenig Ahnung haben, solange Ausgehverbot haben, bis sie's gelernt haben.

Asinello hat gesagt…

Wer ein Hilfsmittel nicht von einem Haustier unterscheiden kann, taugt nicht für den Sicherheitsbereich. Wer nicht unterscheiden kann, ob Gerümpel oder ein Rollstuhl (bzw ein Blindenhund) am Rand des Fluchtwegs parkt, taugt nicht für den Publikumsbereich. That esay.

Und ich habe keinerlei Verständnis, wenn an hinreichender Auswahl und Schulung von Sicherheitspersonal gespart wird. Wer schon im regulären Vorfeld Situationen nicht angemessen beurteilen kann, ist im Ernstfall ein Risikofaktor, als Sicherheitskraft eine bezahlte Gefahrenquelle. Und wer (wie in diesem Fall) als Veranstalter seinem unfähigen Personal auch noch öffentlich beipflichtet, den betrachte ich als Sicherheitsrisiko. 'nough said.
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In meinem goldigen Heimatstädtchen am Rhein wurden vor ein paar Monaten abenteuerliche Konstruktionen von der Klippe gestürzt, aufdass ihnen ein roter Stier Schwingen verleihe. In Erwartung vieler tausend Gäste war umfassend geplant worden. Man hatte sogar daran gedacht, einen nahen Parkplatz nicht nur für Presse und VIPs zu reservieren, sondern auch für Menschen mit Mobilitätseinschränkung. Mehr noch, es gab einen reservierten Rollibereich mit echten Chancen auf ziemlich gute Sicht. Auf alldies wies der Veranstalter auf seiner Homepage auch stolz hin, und er darf für so viel Umsicht gerne gelobt werden.

Was ich indes nicht fand, war ein Hinweis, wie ich als Berechtigter an die erwähnte Sondergenehmigung käme. Der Veranstalter ging ganz selbstverständlich davon aus, dass ich schon irgendwie am Vortag auf das abgesperrte Gelände finden würde, um - dank ahnungsloser, aber hilfsbereiter Securities - im richtigen Gebäude im richtigen Raum zu erscheinen, wo ich dann von freundlichen Chaosbändigern das Stücklein Pappe ausgehändigt bekäme. Das wurde auch gebraucht, denn am Tag des fliegenden Auerochsen war das ganze umliegende Stadtviertel für Autos gesperrt. Einzig Anwohner und Inhaber dieses Kärtchens kamen durch die Kontrollen, da half weder blaue Parkkarte noch Ausweis noch Rollstuhl auf dem Rücksitz.
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Einerseits ist es ja zu begrüßen, wenn eine Behinderung nicht mehr zum Label "komplett unfähig" führt, sondern eine gewisse Selbständigkeit vorausgesetzt wird.

Andererseits erscheint es mir doch jedesmal seltsam, wenn ich vorab umständlich die zuständige Stelle beim Veranstalter kontakten soll, um zu erfahren, wie (oder ob denn überhaupt) Meinesgleichen am Genuss von etwas teilhaben darf, das für andere Gäste selbstverständlich ist. Mag es auch gut gemeint sein, spezielle Lösungen für spezielle Bedürnisse an spezieller Stelle kompetent zu planen, ich fühle mich dennoch zum Bittsteller degradiert.

Daher kann ich Deinem Seufzer nur beipflichten: Der Tag, an dem eine Einschränkung keine Ausgrenzung mehr bedeutet, ist noch nicht gekommen. Aber immerhin - zuweilen wird darüber (in der Rubrik "Aufreger des Tages") öffentlich berichtet, was eine allmähliche Sensibilisierung nährt. Mag ich den erwähnten Tag wohl auch nicht erleben: Meinen Urenkeln räume ich da passable Chancen ein.

Banane hat gesagt…

Der Blindenhund ist für den Blinden nichts Anderes als der Rollstuhl für den Querschnittsgelähmten.

Und es ist auch völlig egal, ob der Blinde neben dem Hund auch noch einen Stock hat, mit dem er sich zurechtfinden kann oder nicht. - Genau so wie es völlig egal ist, ob der Einbeinige, der auf Krücken daher kommt, auch mit einer Prothese kommen könnte, o.Ä.
Und weder der Blinde, noch der Einarmige muss vorher erwähnen, welches Hilfsmittel er nun nutzt.

Völlig unabhängig von jeglicher Rechtssprechung ist es ein Armutszeugnis, wenn so etwas in unserer Gesellschaft nicht völlig selbstverständlich ist und wenn gerade Veranstalter von größeren Veranstaltungen von derartigen Dingen keine Ahnung haben.

Gruß
Banane

LB hat gesagt…

Es ist keine Zumutung, wenn sich Blinde statt eines Hundes einen menschlichen Begleiter mitnehmen. Der kann im Ernstfall mit Sicherheit besonnener reagieren - zum Wohle aller.

Hi Anni, gib schonmal durch, wann du nächste Woche Zeit hast, mit mir Einkaufen zu fahren. Bezahlen kann ich dich nicht, Einkauf ist schon teuer genug. Musst auch keine Tüten schleppen, das könnte mein Hund auch nicht.

Und Helene Fischer soll demnächst auch hier singen, trag dir die vier Stunden einschließlich Hin- und Rückweg schonmal ein.

Nett, dass du so hilfsbereit sein willst, vielen vielen Dank.

Asinello hat gesagt…

P.S.
Nachdem ich manche Kommentare hier gelesen habe (von Hobbyjuristen ("Hausrecht, Vertragsrecht") über "Sollen die doch vorher fragen, ob sie ihre Augen mitbringen dürfen." und "Die können ihre Augen doch zu hause lassen oder an der Kasse abgeben" bis hin zu Es könnte sich jemand am Anblick von Hunden stören)...
... möchte ich dazu bitte deutlich werden dürfen.

Hut hoch (ein Rant)

1. "Konzert" ist ein Kurzwort für "musikalischen Kunstgenuss".

2. "A capella" bezeichnet eine rein stimmliche Gesangsdarbietung (also ganz ohne Instrumente, ja, das gibt es).

3. Ein "a capella - Konzert" bezeichnet folglich eine Veranstaltung, auf der ohrenarztfreundliches Gelärme höchst unwahrscheinlich ist. Zarte Hundeohren sollte die Darbietung weniger gefährden als ein Lastwagen, der an der Ampel vorbeidonnert. Und wären da doch Lautsprecher, die den Gesang zu sehr verstärken, würden Halter von Blindenhunden wohl lieber den Saal verlassen als das Tier zu gefährden, von dem tagtäglich ihr Leben abhängt.

4. Blindenhunde sind lammfromm, extrem stresstolerant, sie sind sorgfältig ausgesucht, und sie sind ausgesprochen gründlich ausgebildet. Das habe ich bereits im Kindergarten gelernt. Anders als bei Lehrkräften bekommt nicht jeder automatisch die Lizenz, der irgendwie die Ausbildung durchhält. Das habe ich in der Schule gelernt. Bei Blindenhunden (von deren Verhalten Menschenleben abhängen) zählt auch die Persönlichkeit, und daher beenden manche Hunde ihre Ausbildung ohne Lizenz als besonders wohlerzogene Haustiere. - Um da auch nur entfernte Ähnlichkeiten mit dem "neurotischen Köter von nebenan" zu sehen, muss man IMHO schon sehr angestrengt weggucken.

Insofern finde ich es immer wieder erstaunlich, was sich Halter dieser "klugen Augen für Leute, die darauf angewiesen sind" immer wieder mal anhören dürfen. Das klingt dann ungefähr so:

"Nein, mit diesem Irokesenschnitt kann ich Ihnen kein Eis servieren. Wenn jemand hinter Ihnen stolpert, könnte der sich an diese scharfen Kante die Halsschlagader aufschneiden. Bitte verlassen Sie das Café."

"Sorry Alter, aber in der Disco isses echt finster. Wenn da einer auf dich raufrennt, hab ich den Ärger. Schon zu deiner eigenen Sicherheit: Mit der Hautfarbe kann ich dich hier echt nich reinlassen."

"Also, Brille geht ja schon mal gar nicht. Wenn die runterfällt und ein Kind latscht barfuß in die Scherben, ist das Geschrei groß."

"War das mal Akne, oder ist das ansteckend? Also, das kann ich meinen Gästen wirklich nicht zumuten. Nachher bekommt mir hier noch einer vom Angucken die Ekelkrätze. Fassen Sie hier bloß nichts an! Wartense, ich mach Ihnen die Tür lieber selber auf. Guten Tag!"

Wird sichtbar, wie hier ein Vorwand an den Haaren herbei gezogen wird? Ebenso "klug und sinnvoll" klingen Vorbehalte und angebliche Sicherheitbedenken wegen Rollstühlen, Rollatoren, Kinderwagen, Blindenhunden, Krücken, Gehstöcken...

Da wäre mir ein offenes "Mir passt deine Visage nicht. Zieh Leine!" wesentlich lieber.

Denn die vielen, vielen vorgeschobenen Phantasien, was denn alles Schreckliches passieren könnte - die sind nicht nur ausgrenzend und verletzend. Sie sind auch verlogen.

Bei sowas geht mir der Hut hoch.

Ich finde es erschreckend, wie viele Menschen (selbst solche, die hier ansonsten kluge Dinge zu sagen wissen) sich überhaupt auf solche vorgetäuschten "Argumente" einlassen, wenn die sich gegen Menschen wenden, die "irgendwie anders" sind.

Beim Iro und der Hautfarbe fällt's auf. Bei der Brille würde man's wohl nur im Hallenbad verstehen. Beim Rollstuhl an der Sitzreihe glauben es fast alle. Beim Hund gibt's schon vereinzelte Zustimmung.

Bei welcher Ausgrenzung gäbe es selbst hier tosenden Applaus?

Anonym hat gesagt…

Ich hab jetzt nicht alle Kommentare gelesen, aber das Thema "man kann ja den Hund einfach abgeben und die geleiten einem zum Platz" ist doch quatsch.
Wer will denn das verantworten, so ein Tier einfach an sich zu nehmen und zu beaufsichtigen, zu betreuen und zu händeln? Und soweit ich weiß ist es auch immer ein großes versicherungstechnisches Ding, wenn man als Unqualifizierter Menschen mit Behinderung betreut (was ist, wenn der Mensch stürzt, weil du nicht qualifiziert warst?) DAS kann wohl niemand erwarten.

Da denke ich ja doch schon eher, dass es vielleicht für einen Blinden möglich gewesen wäre, seinen Sonderfall beim Veranstalter anzumelden. Ja, das ist nicht gleich, weil das ja alle anderen nicht machen müssen, aber alle anderen bringen nun Mal auch keinen Hund mit. Wenn man zu viel auf seine Gleichheit pocht -"Ich muss nicht anrufen"- dann schwenkt das schnell in die Erwartung über, dass andere ja die eigene Ungleichheit ausgleichen werden.

Ich musste mich mit Krücken auf eine Reise begeben und obwohl die Flughäfen in den USA alle für soetwas ausgelegt sind, habe ich dennoch bei 4 verschiedenen Airlines angerufen, um sicher zu gehen, dass sie das alle gleich handhaben. War unnötig und müssen alle anderen Leute auch nicht machen, aber ich habe mir unnötigen Stress erspart.

Anonym hat gesagt…

Da - wie einige aufgezeigt haben - die Hausordnung des Veranstalters (plus das Gesetz) klar das Mitführen von Blindenhunden erlaubt, tippe ich mal ganz stark auf einen Fehler beim Sicherheitsdienst.
Womöglich hat da einfach ein Neuling die unterschiedlichen Regeln zu Hunden/Blindenhunden einfach nicht gekannt.

Die Idee, dass der Veranstalter Blindenhunde erst explizit gestattet, nur um dann Blinde warum auch immer abzuweisen, (welche Folgen das nach sich ziehen kann, kann er sich denken) finde ich ziemlich absurd.

Nö, ich gehe schlicht von einem Irrtum aus, auch wenn man sich darüber natürlich nicht so schön das Maul zerreißen kann.

Daniela hat gesagt…

mal eine Geschichte: Ich bin eine Mutter, ich habe relativ wenig Kontakt zu eingeschränkten Personen (denn behindert darf man ja nicht sagen; das politisch korrekte Wort konnten die mir bekannten Behinderten mir jedoch auch nicht sagen). Meine Cousine ist halt taub, die Nachbarstochter sitzt wegen Spasmen im Rollstuhl, der Sohn einer Freundin hat Autismus. Alle bis auf den Sohn haben technische Hilfsmittel, so dass ich nun überhaupt keine Erfahrung mit lebendigen Hilfsmitteln habe.

Darüber bin ich aber auch gaz froh, denn ich habe eine Allergie auf Hundehaare. Ein Besuch in einer Wohnung, in der ein Hund lebt, kann ziemlich unangenehm enden. Zu viel Hundehaare auf kleinem Raum. Im Freien oder beim Einkaufen stört das weniger, ich kann den Hunden aus dem Weg gehen und muss mich ja nicht neben ihn an die Schlange anstellen. Aber ich fände es extrem unangenehm 2 Stunden in der Nähe eines Hundes zu sitzen. Spätestens nach 30 Minuten könnte ich vermutlich nicht mehr richtig atmen, meine Augen wären zugeschwollen, die Nase würde laufen. Wenn ich nun Platzkarten habe, wäre das dann vermutlich Pech - ich müsste das Konzert verlassen. Obwohl ich nicht damit gerechnet habe auf einen Hund beim Konzert zu treffen.

Aber nun geht es weiter. Ich wollte das Konzert vielleicht mit meiner Tochter besuchen. Diese hat eine Hundephobie. Mit dieser Einschränkung kann sie ganz gut leben, sie meidet Hunde und wechselt auf der Straße die Straßenseite. Ich kann ihr noch so häufig sagen, dass das harmlose Tiere sind... aber wie das eben bei einer Phobie ist, sie hört sich das an, nickt und beim nächsten Hund ist alles vergessen. Aber Hunden kann man in der Regel gut aus dem Weg gehen.

Dank meiner Tochter habe ich aber nun gar kein Problem mehr mit meiner Hundeallergie während des Konzertes, denn sie bekommt gleich zu Beginn als der Hund sich in unsere Nähe setzte einen Anfall und wir müssen noch vor Beginn des Konzertes eben dieses verlassen.

Schade eigentlich.

die_Uli hat gesagt…

Ich wollte angesichts der vielen Kommentare eigentlich nicht auch noch meinen Senf dazu geben, aber Danielas Kommentar motiviert mich gerade.

Es kommt ja offenbar häufiger vor, das Menschen ihr Hilfstier trotz oft anders lautender Vorschriften nicht mitnehmen dürfen, mit Blindenhund noch schlechter einen Arbeitsplatz finden als ohnehin schon...
Die Begründungen sind vielfältig und meist nicht stichhaltig, wenngleich Sorge vor schlechtem Benehmen des Hundes, Allergien und Phobien ab und an genannt werden (in Jules Beispiel spielte all das offenkundig KEINE Rolle).

Nun kann ich dazu als quasi selbst Betroffene (Hundehaarallergie mit allergischem Asthma, glücklicherweise nur mäßig ausgeprägt) folgendes sagen:

Sowohl Menschen mit Blindenhund als auch Menschen mit Hundehaarallergie oder Hundephobie (die sich im Übrigen meist einigermaßen leicht behandeln - zumindest stark abmildern - lässt)
haben ein gleiches (!) Recht auf Teilhabe.

Treffen diese Personengruppen zusammen und besteht entsprechend eine Unverträglichkeit kann und muss meiner Ansicht nach eine Lösung gesucht werden, die allen die Teilnahme z.B. am Konzert ermöglicht. Will heißen: Im gegenseitigen Einvernehmen, unter Einbeziehung anderer Gäste bzw. notfalls vermittelt durch einen Mitarbeiter wird eine Lösung gesucht, die in diesem Fall ja naheliegend ist: Es werden so Plätze getauscht, dass der Abstand zwischen Hund und Hundehaarallergiker (oder Hundepobiker) ausreichend groß ist. Tierhaaren kann ich im Übrigen im öffentlichen Raum auch ohne anwesende Tiere nicht völlig entgehen, da sie auch an Kleidungsstücken anhaften.

An einem Arbeitsplatz ist das schwieriger, ich könnte mir z.B. nicht mit einem Blindenhund das Büro teilen - ist keine Lösung möglich sollte für mich die Person Vorrang haben, die zuerst da war.

Angesichts der geringen Dichte an Blindenhunden und der Tatsache, dass Allergien und Phobien glücklicherweise nur eine Minderheit betreffen sollten diese Ereignisse eigentlich recht selten sein.

Und wie gesagt: Alle diese legitimen Bedürfnisse und Bedenken spielen in Jules Beispiel (und vielen anderen) keine Rolle, sondern hier ging es deutlich darum, dass offenbar die betreffenden Angestellten nicht in der Lage oder nicht bereit waren, sich auf ein spezielles Bedürfnis einzustellen. Und das hat ganz deutlich etwas mit Barrieren (wie so oft in den Köpfen) zu tun.

hottizotti hat gesagt…

Tja, Daniela. Schade eigentlich. Dachten sich die Betroffenen sicher auch.
Aber warum sollte Deine "Behinderung" wichtiger genommen als die "Behinderung" der abgewiesenen Blinden?

Gegen Allergien gibts Mittel. Ich habe diese immer dabei (Notfallkit), weil man Allergenen nicht immer ausweichen kann.
Wenn Du Pech hast sitzt Du im Konzert neben mir. Dank vorheriger Dusche sind die Pferdehaare weg. Hunde- und Katzenhaare habe ich aber sicher an mir...
Wenn ich Pech habe sitze ich neben jemandem, gegen dessen Parfum ich allergisch bin. Dann nehme ich was und gut ist.

Ne Phobie ist unschön. Aber an einem öffentlichen Ort kann man nunmal auf Hunde treffen, und wenns Blindenhunde sind. Steht ja beim Hallenbesitzer schon in der Hausordnung. Darf das absolut nicht passieren muss man solche Orte meiden...

Grüßle,
Judi

Daniela hat gesagt…

Sorry, sollte in meinem Post natürlich Kofferraum heißen.

Jens Bonn hat gesagt…

@Daniela

Du könntest natürlich während des Konzertes auch neben meiner Mutter sitzen - die hat einen Hunde der stellenweise stark haart. Dann hast Du nichtmal die Chance zu erkennen wo der Anfall her kommt - nur der Anfall Deiner Tochter erbleibt Dir erspart.

Im Übrigen lassen sich Allergien und Phobien in der Regel recht gut behandeln - Blindheit ist da so eine Sache - soweit wie bei Star Trek TNG sind wir da noch nicht.

Mal von den leicht egoistisch angehauchten Tendenzen in Deinem Beitrag abgesehen, gibt es sicher auch bei Platzkarten die Möglichkeit die Plätze gleichwertig zu tauschen. Wenn der neue Sitznachbar nicht zufällig eine Abneigung gegen Kinder hat, welche in der Regel deutlich kürzer stillhalten und einem Konzert folgen können als der Hund still liegen bleibt. Aber ich schweife ab.

Genau Dein Denken ist das Problem in unserer Gesellschaft - immer schön nach dem "Sankt Florians Prinzip" denken.

Aber mal anders herum - was meinst Du denn was Du die anderen Konzertbesucher nervst und störst weil Du wegen Deiner Allergie andauernd niest und schnupfst. Denk einfach mal über Dein Anspruchsverhalten nach.



Passend zu diesem Beitrag steht bei uns heute ein schöner Beitrag in der Zeitung:

http://tinyurl.com/bd8c2xv

Und auch schön zu sehen dass eine große Discounterkette da so gar kein Problem mit hat.



Von der rechtlichen Seite, die ich nicht beurteilen kann - 45 Jahre Lebenserfahrung zeigen dass Recht nichts mit gesundem Menschenverstand zu tun, und der menschlichen Seite - die sehr mies ist - wie schon erwähnt wurde, gibt es andere Länder wo sowas nicht toleriert wird. Und ich rede gar nicht mal von überzogenen Millionenklagen wegen eventuell entgangenem Kunstgenuss, sondern was die Behörden dort daraus machen sobald sie der Sache gewar werden. Die nächste Genehmigung für eine Veranstaltung von diesem Veranstalter könnte sich sehr aufwändig gestalten, gibt es noch die kaufmännische Seite - in Zeiten des Internets kann sowas stark in die Hose gehen - also ich stelle mal die Behauptung auf, wenn das bei einem BAP-Konzert passiert wäre und Niedecken das erfahren hätte, würde mit Sicherheit dieser Sicherheitsdienst und unter Umständen sogar der Veranstalter nicht mehr beauftragt. Und so wie Köln kenne, dürften da dann noch einige andere Gruppen locker mitziehen.



Ich kann gar nicht verstehen warum um einen Hund, der in Deutschland die höchste und beste Ausbildung geniest und nach sehr hohen Standards ausgewählt wird, so ein Wind gemacht wird.

Sicherheit - lasse ich nicht gelten:
- Rollstühle (bitte nicht falsch verstehen) dürften ein deutlich höheres Risiko bedeuten. Vor allem wenn sie zB im Gang stehen oder irgendwo zwischengelagert werden (was in der Sache an sich schon Schwachsinn wäre), Kinder die dann im Notfall die "Stimmung" durch ihr Geplärre noch anheizen könnten, bishin zu Leuten die an Krücken gehen, was zur Stolperfalle werden könnte. Bis auf die Hunde würde aber wohl niemand wirklich zurück gewiesen.

Störung - lasse ich auch nicht gelten:
- Hier wieder Kinder deren Aufmerksamkeitsspanne während des Konzertes nachlassen könnte und sich anderen Beschäftigungen zuwenden wollen und tun - und damit dann andere Besucher stören.
- Gerüche, Hunde könnten riechen - aber es gibt auch Menschen die deutlich unangenehmer riechen, und im Konzert neben einem sitzen könnten.

Verschmutzung - lasse ich erst recht nicht gelten:
- jeder Hundehalter der einen Hund als Hilfsmittel benutzt, wird diesen vor dem Besuch des Konzertes erstmal ein oder zwei Bäume besuchen lassen. Daher sollte das Risiko eines "Unfalles" sehr gering sein. Wenn der Hund aka Hilfmittel krank sein sollte und dies durch häufigere Harnabgabe als sonst anzeigen sollte, sind die Besitzer 100% nicht beim Konzert. Das größere Geschäft lässt sich von einem Hund im Notfall auch mal 10 Stunden und länger einhalten.

Anonym hat gesagt…

Nur nebenbei, Phobien kann man behandeln, vielleicht sollte sich Ihre Tochter einen guten Therapeuten suchen, denn wenn es so schlimm ist, dass sie einen Anfall kriegt, ist sie ja doch sehr eingeschränkt in ihrem alltäglichen Leben.

a.-n. hat gesagt…

Das ist ja nicht so kompliziert. Dann müssen die Leute mit Hundehaarallergie oder Hundephobie eben weiter weg vom Hund sitzen. Wenn die Karten für bestimmte Plätze vergeben sind muss man tauschen (einer von beiden, eingeschränkt sind ja beide Seiten).

Asinello hat gesagt…

Ja, @Daniela, Du hast völlig recht.

Es ist echt doof, dass man nicht einfach "Behinderte" sagen darf, weil das blöderweise gleich von irgendwelchen "politisch korrekten" Spinnern als "unfein" bekrittelt wird. "Menschen mit Behinderung" ist auch wirklich zu lang und sperrig. So spricht doch kein vernünftiger Mensch. Dann doch lieber "eingeschränkte Personen", das hat zwar auch sieben Silben, aber es klingt so schön unkritisierbar. Und Deine Kritik am blöden Sprachgebrauch ist trotzdem gleich eingebaut.

Weißt Du, das spezielle Wort ist eigentlich egal. Dir kommt es doch sowieso nicht darauf an, diesen Leuten Achtung entgegenzubringen (und deshalb eine "unfeine" Abfälligkeit zu vermeiden). Dich interessiert bei dem Thema eigentlich nur, nicht angemeckert zu werden. Und da bei Deiner Bezeichnung sowieso schon unüberhörbar Verachtung mitschwingt, ja dann kannst Du eigentlich auch ganz locker "Krüppel" sagen. Das klingt genauso sehr nach Achtung und Höflichkeit wie "eingeschränkte Personen", Wort und Ton passen besser zusammen, Du sparst anstrengende fünf Silben, und es ist immerhin ehrlich.
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Und Du hast völlig recht: Allergien sind gräßlich. Und Phobien sind schrecklich. Deine Tochter kann die Wohnung nicht verlassen, ohne Leid befürchten zu müssen, und auch Du musst ständig auf der Hut sein, große Bögen machen und Räume verlassen. Es ist wirklich unverantwortlich, dass ausgerechnet Behinderten solche allergieauslösenden Phobietrigger an die Hand gegeben werden. Wenn die damit auch noch rücksichtslos in Eure letzen Schutzräume eindringen dürfen sollen, ist das für Euch wirklich eine schwere Belastung.

Für Euch beide wäre die Welt viel besser, gäbe es plötzlich keine Hunde mehr. Dann müssten zwar ein paar Krüppel zuhause bleiben, aber das wäre immerhin demokratisch: Ganz viele Menschen teilen Eure Leiden - und die paar Invalidenköter in Deiner Stadt triggern Euch alle täglich im Vorübergehen. Nur ein verscharrter Hund ist ein guter Hund.

Schade, dass man weder Allergien noch Phobien behandeln kann. Denn selbst wenn man alle Krüppeltölen (endlich) einzöge, lägen doch ein paar Schritte weiter schon wieder Welpen unterm Weihnachtsbaum. Auch das leckerste Trollfutter kann nicht verhindern, dass Ihr beide werdet leiden müssen bis an Euer kühles Grab.
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Und deshalb ist es auch richtig, uns allen genau hier Euer Leid zu klagen. Hier werdet ihr verstanden. Wir wissen, dass Ihr nicht weniger leiden müsst als wir. Wir begreifen: Diese Mutter ist eigentlich "Eine von uns". Und selbst wenn die Bloggerin und ihre Kommentatoren euch kein Gramm dieser Last abnehmen können: Schimpf ruhig mit uns. Denn wir Krüppel, unsere Köter (und ihre politisch korrekten Beschützer) sind schließlich mit schuld daran, dass Eure Familie nicht einmal angstfrei in ein Konzert gehen kann. Wir sollten wirklich endlich mal Rücksicht auf Euch nehmen.

Lass es raus, Daniela.

Rike hat gesagt…

@ Asinello

Excellenter Kommentar! *standing ovation*

ruolbu hat gesagt…

Ich finde es lustig, dass Asinello einmal das Wort Trollfutter erwähnt. Meine erste Assoziation beim Überfliegen des Beitrages hatte mit Internettrollen zu tun. Und Trollfutter ist vermutlich mein Text hier, denn mehr als Rumtrollen ist der Beitrag von so Asinello nicht. Darum lohnt es sich auch garnicht, auf dein Inhalt einzugehen

don't feed the trolls

Was mich nur irritiert, vom gleichen User gab es einen Tag zuvor bereits einen anderen Beitrag, der die Probleme vieler Argumente hier, wie ich fand, schön dargestellt hat. Zeigt mir nur wieder mal, dass Menschen dreidimensional sind und das Troll-sein sehr subjektiv ist.

Um zum Punkt zu kommen, überhaupt überrascht mich die krasse Reaktion auf Daniela. Meine erste Reaktion war in Richtung "Hm ja, ich sehe das Problem, mir gefällt der Ton an einigen Stellen nicht, aber ich akzeptiere, dass solch eine Situation NICHT pauschal gelöst werden kann."
Entsprechend hat mir die_Ulis Kommentar daraufhin gut gefallen. Hier wird die Position der anderen Person bedacht, die Bedenken als legitim anerkannt und realistische Kompromisse vorgeschlagen. Im Grunde kann ich dem nichts hinzufügen.

Die späteren Beiträge klingen alle nach "Setz dich halt weg", "Deine Allergie, dein Problem, komm selbst damit klar", "Behandel halt deine Allergie/Phobie, dann verschwindet das Problem" und "troll troll troll, du bist ein schlechter Mensch, troll". Der Ton, der da mitschwingt, sagt in meinen Augen eindeutig aus "dein Problem ist weniger wert als das der Person mit eingeschränktem Sehvermögen und Assistenzhund". Und ich sehe nicht ein, wieso das der Fall sein sollte.

Es wurde angesprochen, was man sagen "darf" (oder lieber -sollte-, um bewusst mit Worten umzugehen). Das ist kein einfaches Thema, denn Sprache ist genauso schwierig, wie eine zwischenmenschliche Situation in einer ableistischen Gesellschaft mit Menschen, die sich mit der Probelmatik nicht in ihrem Alltag auseinander setzen. Genau genommen ist Sprache Bestandteil solch einer Situation ;)
Behinderte, Menschen mit Behinderung, behindert sein, das ist im Grunde alles gleichwertig. Es sind keine Eigenschaften der Menschen. Dass jemanden Gliedmaßen oder Sinnesorgane fehlen, ist nicht ausschlaggebend, sondern der Umstand dass es diesen Menschen in unserer Gesellschaft nicht ermöglicht wird, am alltäglichen Leben teilzuhaben. Sie sind von ihrer Umwelt behindert, nicht von ihrem Körper. Und das hat auch viel mit der Haltung von Menschen zu tun, die mit Ablehnung, fehlender Anerkennung und Vorurteilen den Zutritt zu einem ansonsten barrierefreien Raum versperren können.

Wenn jetzt also der Person mit Assistenzhund Zutritt in den Konzertsaal gewährt wird, DAFÜR aber die allergische Mutter mit phobischen Kind gehen muss - entweder weil sie nicht ausweichen können und dort nicht verweilen wollen, oder ihre Stimme nicht erheben dürfen, ohne angefeindet zu werden - ist das für mich ein Nullsummenspiel und der falsche Ansatz. Und ja ich bin mir bewusst dass Allergien und Phobien womöglich nicht unter den definierten Begriff "Behinderung" fallen. Das Problem mit der Intoleranz ist damit jedoch nicht außer Kraft gesetzt.



Meiner Meinung nach, sollte es an der Geschäftsleitung liegen, so eine Situation zu klären. Sie will alle Gäste im Saal unterkriegen, dann kann da auch Mehraufwand betrieben werden, um Konflikte zu lösen. Dafür sind natürlich Anlaufstellen nötig, geschulte, verantwortliche Ansprechpersonen. Ich glaube nur, die wenigsten Betreiber_innen sehen sich in der Verantwortung, für so etwas zu planen, und gehe eher halbherzig damit um, sollte es mal eintreten.

Anonym hat gesagt…

Wie laut war es denn nun wirklich bei dem Konzert? Ein klassisches Orchester ist einem Hund wohl zumutbar. Ergo: Einlass mit Blindenhund ist OK. Sollte es aber hier so gewesen sein wie bei meinem letzten "unplugged"-Konzert, nach welchem ich noch zwei Tage lang Konzert-Tinnitus hatte, dann hat hier die Security den Hund vor dem Besitzer geschützt...
Könnte eigentlich der Veranstalter verklagt werden, falls der Hund einen Schaden erleidet? Oropax für Vierbeiner gibt's doch noch nicht, oder?

Ada hat gesagt…

Ich bin ziemlich geschockt von dem Blogeintrag und von einigen der Kommentare. Mal aus der Praxis: Ich habe selbst jahrelang als Einlasserin in einem freien Theater (Kleinkunst, Konzerte, etc.) gearbeitet, und es war völlig klar:
1.) Hunde dürfen NATÜRLICH nicht rein
2.) Blindenhunde sind von diesem Verbot NATÜRLICH ausgenommen
3.) Natürlich gab es auch Plätze für Rollifahrer_innen
4.) Wenn mehr als zwei davon kommen, ists super, wenn die vorher anrufen, denn dann mußten wir umräumen - was wir dann aber auch taten.

Niemand kam je auf die Idee, wegen eines Blindenhundes vorher anzufragen - wieso auch?
Einmal hatte ein Kind Angst vor dem Hund, da haben wir Mutter und Kind umgesetzt, alles gut.

Ich glaube, wenn nur minimaler Wille aller Beteiligten da ist, eine Teilhabe zu ermöglichen, kann es da gar keine Probleme geben. Bedrückend, daß dies im Hamburg nicht der Fall war.

Anonym hat gesagt…

@Raven: Ein Rauswurf gibt Ärger mit dem AGG. Besoffene fallen bei deinem Beispiel raus, die muss auch z.B. ein Taxifahrer nicht mitnehmen, trotz Kontrahierungszwang.
Ein tauber Mensch im Museum ist o.k., aber ein Blinder bei einer Hörveranstaltung falsch? Bitte erklär mir das.

Anonym hat gesagt…

Also, ich habe ja noch nie in einem blog kommentiert, aber das passt jetzt gerade.Ich lebe in Kanada und staune als Deutsche immer wieder wie selbstverstaendlich hier accessibility gelebt wird. Gerade heute morgen bin ich einem wirklich grossem Schaefer/Assisstenzhund in der Dusche meines Schwimmbades(!) begegnet - und niemanden hat's interessiert (obwohl ich die Kanadier sonst in vielem als uebermaessig hygienebessen erlebe). Selbstverstaendlich war der Hund nicht nass (und auch nicht mit im Wasser),aber er war nicht nur mit in der Dusche und der Damensammelumkleide, sondern auch mit in der eigentlichen Schwimmhalle (!). Dort hat er ruhig neben dem Beckenrand gelegen, war fuer alle sichtbar als Assisstenzhund erkennbar, und hat gewartet bis seine Besitzerin ihre Bahnen fertig geschwommen hat. Und wirklich niemanden hat's interesiert. Dabei kann man, gerade wenn man morgens mit den aelteren Fruehschwimmern schwimmt, schon mal darauf hingewiesen werden, dass man eine der ungeschriebenen Regeln verletzt hat. Und sich aufgeregt ueber Unnoetiges wird sich hier auch. Aber einige Fragen stellen sich hier einfach gar nicht (mehr). Und den Assisstenzhund in der Schwimmhalle fand nur ich, als in Deutschland sozialisierte, ungewohnt. Viele Gruesse!

Asinello hat gesagt…

@ruolbu: Es stimmt schon, Trolle mit Aufmerksamkeit zu "füttern" ist selten sinnvoll. Ich betrachte den "Daniela"-Text als Trolling, insofern war meine Antwort "Futter".

Die Situationen, die hier diskutiert werden könnten eigentlich recht einfach und unproblematisch sein.

Gehhilfen, Rollstuhl und Begleithund im Fluchtweg des Saales wären im Ernstfall zusammen mit ihren Menschen so gesittet und zivilisiert wie alle anderen auf dem Weg zum Notausgang, dann also eben nicht "im Weg" - und da wäre nicht noch eine "hilflose Person" zu retten (die erst hilflos wird, wenn man ihr das Hilfsmittel entzieht). Diese Hilfsmittel verringern die Sicherheit also nicht, sie dienen ihr.

Und allergo-phobische Trigger könnten vielleicht schon mit einem Platztausch gebannt sein. Das ließe sich versuchen. Schließlich sollen alle Gäste den Abend genießen.

Kurzum: Es bräuchte meist nur ein kleines bisschen guten Willen, um individuellen Bedürfnissen ohne großen Aufwand gerecht zu werden.

Wer den "Daniela"-Text schrieb, zeigt sich an gutem Willen nicht interessiert. Die inhaltliche Aussage lautet in Kurzform:

"Die nehmen sich selbst viel zu wichtig. Das fängt schon bei der Sprache an. Die sollen selber mal Rücksicht nehmen, andere Leute haben auch Probleme. Auf mich nimmt auch keiner Rücksicht."

Das wird nicht so plump gesagt, der Ableismus wird hinter Scheinargumenten versteckt. Die verbale Attacke kommt hintenrum: über das "richtige Wort", das angeblich selbst die Betroffenen nicht wissen, über die allergische Mutter einer phobischen Tochter, die beide unschuldige Opfer eines Blindenhundes werden könnten. Ganz beiläufig werden hier Behinderungen gegeneinander ausgespielt, und der Eindruck erweckt, die Situation sei ohne mindestens einen "Verlierer" nicht lösbar. Mit etwas Glück arbeiten sich die Getroffenen am Vorgeschobenen ab und verfehlen den Kern. Ein klassisches Beispiel unfeiner Rhetorik.

Es ist müßig, Feindseligkeit mit Argumenten ändern zu wollen. Gegen die rabulistische Methode verbaler Hakenschläge indes hilft manchmal, sie von ihrer Verbrämung zu befreien und den tatsächlichen Inhalt zu beantworten.

die_Uli und Ada haben sehr schön gezeigt, wie das in der konkreten Praxis geht: Wichtig ist nicht das Problem, sondern eine Lösung, die den berechtigten Bedürfnisse aller Beteiligten möglichst gut gerecht wird.

Indes, der "Daniela"-Text ist keine Praxis, sondern ein Trolling in einer Blog-Kommentar-Spalte. Er schildert nicht eine geschehene, sondern eine denkbare Situation. Für diesen theoretischen Part eines habe ich mir gestattet, dem Niveau der Rhetorik zu entsprechen und auf groben Klotz einen groben Keil zu setzen.

Den Tadel, damit Trollfutter geliefert zu haben, habe ich durchaus verdient. Das wäre es mir selbst dann wert gewesen, wenn ich mich als einziger Leser hätte provozieren lassen.

Im praktischen Tageschgeschehen bevorzuge ich weiterhin lösungsorientiertes Handeln.

Michael hat gesagt…

64 Kommentare? Ist das eigentlich ein neuer Rekord? Da schaust Du mal eine Woche weg, und ploetzlich geht hier die Post ab.

Olli hat gesagt…

Was wohl leider vielen nicht klar ist: Blindenhunde sind mit normalen Hunden ungefähr so gut zu vergleichen wie ein Durchschnittsmensch mit einem Beamten aus SEH oder GSG9. Wenn letztere arbeiten bringen die,m wie Blindenhunde, für den Rest ihrer Spezies teils kaum nachvollziehbare Leistungen, wozu bei beiden gerade auch das stundenlange absolut unauffällige ruhige warten (bis der Hundeführer wieder Assistenz braucht oder der Ganove endlich die Gelegenheit zur Festnahme bietet) gehört.

Sina hat gesagt…

Die Diskriminierung fängt schon da, dass wir uns immer irgendwo anmelden/ankündigen sollen. Damit man vorbereite ist, dass SOWAS kommt. Damit geholfen wird. Ich bringe meine Hilfe mit, wenn ich sie brauche. Und ansonsten möchte ich wie jeder andere spontan Veranstaltungen besuche können ohne, dass mich gleich der Veranstalter oder die Security abfängt.

Eine Behinderung ist nix schlimmes, ich tue niemanden was - lasst mich doch bitte einfach in Ruhe. Wenn ein Veranstalter viel Geld mit Veranstaltungen verdienen darf, dann muss er damit klarkommen können.