Mittwoch, 28. November 2012

Feuer ohne Mitleid

Ich habe vor dem Fernseher gesessen und geheult, als ich von dem Feuerdrama im Schwarzwald erfuhr. Ich bin traurig und erschüttert. Mehr Worte braucht es nicht, um auszudrücken, wie ich mich fühle.

Der Rauch habe sich rasend schnell im gesamten Gebäude ausgebreitet. Wie kann das sein, wenn es Rauchabschnitte gibt? Darf ich spekulieren? Die Rauchschütztüren mussten geöffnet und auch offen gehalten werden, um die Rollstuhlfahrer aus dem Gebäude zu retten. Weil es nur am Eingang eine Rampe gab. Ich fürchte, mehr Worte braucht es nicht, um das Warum zu erklären.

Aber bisher ist das Spekulation. Ich weiß es nicht, ich möchte nicht vorweg greifen. Alle, die bisher im Fernsehen zu Wort kamen, haben berichtet, dass das Gebäude vorbildlich war in Sachen Brandschutz, dass die Brandmeldeanlage funktioniert hat, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geschult waren. Und dennoch sind 14 Menschen tot. Das sind 14 zuviel.

Ich weiß, man liest sie nicht. Die Boulavard-Zeitung mit den vier großen Buchstaben. Während die Fernsehsender überraschend sachlich berichteten, kommentiert jene Zeitung: "Warum sucht sich das Unglück Unglückliche aus? Behinderte, die es schwer genug hatten im Leben. Es ist kein schönes Leben, wenn man im Rollstuhl den Bordstein hochkommen will. Es ist kein schönes Leben, wenn man sich die Schuhe nicht mehr alleine anziehen kann. [...] Ich denke, dass das Feuer keinen Unterschied machte zwischen Behinderten und Nichtbehinderten. [...] Das Feuer hat kein Mitleid. Aber Gott hätte Mitleid haben können."

Ich möchte mich übergeben. Als wären die 14 toten Menschen nicht schon schlimm genug, jetzt lenken die auch noch vom Thema ab! Leute, ich bin nicht unglücklich, mein Leben ist schön. Das Leben besteht nicht nur aus Bordsteinen und Schnürsenkeln, wenngleich ich den Bordstein hoch komme und mir meine Schuhe selbst zubinden kann. Ich will kein Mitleid, auch nicht von Gott. Und so ging es, jede Wette, den meisten der dort arbeitenden Menschen auch. Wenn man keine Ahnung hat, sollte man zumindest in solchen Momenten einfach mal ...

Es ist schlimm, was passiert ist. So etwas darf sich nicht wiederholen. Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Caritas-Einrichtung in Titisee-Neustadt, ich fühle mit Euch.

Kommentare :

Olivia hat gesagt…

Zu dem Thema kann ich nur sagen:
Mein kleiner Bruder (20) ist schwerstmehrfachbehindert und kann nichts alleine, er kann gerade mal ein paar Worte nur reden, aber er ist in seiner Welt zufrieden. Ich bin der Meinung ich bin nicht behindert sondern ich lebe nur anders aber ich kann mit den normalen mithalten

meg hat gesagt…

Vom Stil her klingt das wie "Post von Wagner"... ich halte von der BILD-Zeitung eh nicht viel, aber jedem von Wagners Worten will ich kotzen. Das ist sogar für die Bild zu schlecht und es will mir nicht einleuchten, warum sie den veröffentlichen.
Ich musste für meine Zeitung auch über Titisee berichten, über Agenturen nur, aber auch ich war geschockt... Heute kam heraus, dass die Betreuerin gestorben ist, weil sie noch mal ins brennende Haus gelaufen ist, um Leute zu retten. Eine Heldin.

Anonym hat gesagt…

Wie sagte Volker Pispers ?
> Das Drecksblatt, wo man toten Fisch beleidigt, wenn man ihn darin einwickelt <

BigDigger hat gesagt…

Richtig, Jule. Man liest diese gedruckte Umweltverschmutzung, diese opportunismuschristliche CDU/CSU-Hinterwäldlerpostille nicht. Genau darum nicht.

Anonym hat gesagt…

was ich schlimm fand, waren die berichte wo gesagt wurde, dass 13 behinderte und eine betreuerin tot sind.. das klingt fuer mich so extrem nach "die behinderten halt und ein richtiger mensch."

meg hat gesagt…

@anonym: Ahahhahahahaha. Ich freue mich so, Herrn Pispers nächstes Jahr live zu sehen!

Dennis hat gesagt…

Hallo Jule,

es ist sehr traurig und schockierend, was dort passiert ist.
Die Ausdrucksweise war nicht nur in dem einen Boulevardblatt so schrecklich, dass haben auch andere nicht besser gemacht.
Mein tiefstes Beileid an die Familien und Freunde der verstorbenen. Mögen sie die Kraft haben den Verlust eines geliebten Mitmenschen zu verarbeiten.

Es bleibt zu hoffen, dass sich alle anderen Einrichtungen aus diesem tragischem Unfall lernen und ihre Rettungspläne und –wege überprüfen und falls nötig verbessern.

Liebe Grüße
Dennis

BigDigger hat gesagt…

Christian Buggisch hat dazu auch eine angemessene Replik verfasst, die sogar im Bildblog gelandet ist.

https://buggisch.wordpress.com/2012/11/28/lieber-franz-josef-wagner/

Daniela hat gesagt…

Ich war auch ziemlich fassungslos, als ich von dem Unglück gehört habe und habe mich gefragt, wie das passieren konnte.

Zu der Zeitung mit den 4 großen Buchstaben fällt mir nur ein arabisches Sprichwort ein:

Wenn du redest, muss deine Rede besser sein, als es dein Schweigen gewesen wäre.

Leider wird es zu selten beherzigt. Mein Mitgefühl gilt allen, denen das Unglück geliebte Menschen entrissen hat.

die_Uli hat gesagt…

Liebe Jule,
mangels Fernseher sind mir Videos zu der Katastrophe glücklicherweise entgangen, ich verfolge aber über Radio und Zeitungen was passiert (ist) und mich hat die Nachricht auch ganz schön mitgenommen. Im Moment bleibt da bei mir neben der Trauer einiges an Fragen offen.
Und zur BLÖD-Zeitung: Eigentlich kann man dazu gar nichts sagen. Typisch für die Zeitung und so abseits der Realität, wie man nur sein kann -- gerade bezogen auf die Menschen, die in solchen Werkstätten arbeiten. Ich habe selber bei uns im Dorf mal ein Praktikum in der Werkstatt gemacht und würde sagen: die allermeisten arbeiten gerne dort und sind glücklicher als viele Menschen ohne Behinderung (zumal es inzwischen auch mehrere betreute WGs im Ort gibt, so dass gerade die etwas selbständigeren Menschen auch einigermaßen selbstbestimmt leben können). Unglücklich sind am ehesten diejenigen, die damit hadern, was sie (dann meist kognitiv) nicht können bzw. was ihnen seitens der "Nichtbehinderten" nicht zugetraut und verwehrt wird oder die darunter leiden, dass sie für ihre Arbeit nur mit einem Taschengeld entlohnt werden und eben nicht so unabhängig leben können, wie sie gerne würden.

Aber wem erzähle ich das, die sogenannten Journalisten der besagten Zeitung interessieren sich eh nicht für abweichende Meinungen (man könnte ja auch was lernen, wenn man denen zuhört, über die man schreibt).

Beitrag von einem Administrator moderiert.

Jule hat gesagt…

Hallo, die_Uli,

ich habe gelesen, was du über die Brandursache geschrieben hast und das auch mit Interesse verfolgt, nur leider darf und will ich dazu nichts veröffentlichen, bevor ein offizielles Wort gesprochen wurde. Auf rechtlichen Rat habe ich daher deinen Beitrag etwas gekürzt.

LG Jule

Anonym hat gesagt…

Eigentlich sollte man Brandschutzübungen sooft machen, dass im Ernstfall trotz Panik soviel wie möglich automatisiert abläuft. Bei häufigen Übungen würden auch Gefahrenstellen deutlicher werden. Unglaublich tragisch was passiert ist! Hoffe es wiederholt sich nicht!

Daniel Weltenbummler hat gesagt…

Auf die Frage "Was macht Ihr eigentlich, wenn es hier mal brennt?" bekam ich als Angehöriger von einer Betreuerin mal die Antwort "Die Beine in die Hand nehmen!".
So viel dazu.